Samstag, 10. Dezember 2016

Justins Spaziergang auf dem Börsenparkett

Ich möchte die Leser nicht die neuesten Entwicklungen im Fall Justin vorenthalten. Wer schon etwas länger auf meinem Blog mitliest, kennt Justin schon. Er ist eine anonymisierte  Realperson. Der Finanzwesir nannte ihn den "Alpha-Kevin unter den Geldverbrennern".

Was war passiert? Der Kollege hörte natürlich interessiert zu, wie ein anderer Kollege und ich uns über die Börse unterhielten. Natürlich positiv, weil die Dividenden flossen, das Depot prall gefüllt war und man Justins Luxuskarosserie für 40000 € mit Cash bezahlt könnte, das alleine aus Kurswachstum und Dividenden finanziert worden wäre. Dass wir so gut sind, hat auch etwas mit unserer Sparquote zu tun; dann kann man mehr Holz ins Feuer tun, d.h. diversifizieren und lange halte, weil man auf das Geld nicht angewiesen ist.

Also hat Justin bereits vor einem Jahr ein Depot eröffnet und gleich mal eine Aktie gekauft, die ich nicht kannte und ich wusste auch nicht, wie sich die Firma schreibt. Wenn man nicht weiß, wie die Firma geschrieben wird, sollte man auf der Hut sein. Die Aktie ging in den Keller. Nun traut er sich nicht zu verkaufen. Er hat genug von der Börse und wartet immer noch auf die Gelegenheit, zu verkaufen. Darauf wartet er seit Februar. Die gute allgemeine Entwicklung an der gesamten Börse seit Februar, und gerade jetzt auch noch nach der US-Wahl, hat sich bis zu seiner Aktie nicht herumgesprochen. Die liegt wie Blei im Depot.

Das ist typisch für Justin: Ohne groß nachzudenken, werden einfach so mal Aktien gekauft. Dass ich mein Geld mehr oder minder erfolgreich anlege, ist ja das Ergebnis eines stetigen Nachdenk- und Bildungsprozesses. Schon an der Uni habe ich eine Vorlesung über Investitionsrechnung besucht, habe als Berufstätiger viele Finanzbücher gekauft bzw. ausgeliehen und gelesen, mindestens 30 Bücher an der Anzahl (Kosto, Kommer und Konsorten).

Selbst ein Buch über Finanzmathematik verschmähe ich nicht. Manche bekommen ja Muffensausen, wenn sie die - zugegebenermaßen wenig komplexen - Formeln in dem Buch sehen. Und ich besuche vielleicht nicht den sonntäglichen Gottesdienst, aber die Predigten von Tim Schäfer (der "Spar-Punk") lese ich immer. Er hat die "Liturgie des Sparens" zur Meisterschaft gebracht.

Wenn es so einfach wäre, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, dann könnte das ja jeder machen. Eigentlich ist es noch einfacher: Man sollte nur kaufen. Natürlich Qualitätsaktien. Man kauft die Firmen, die die Konsumgüter herstellen, nach denen alle gieren. Apple, Coca Cola, Pepsi, Henkel, Procter & Gamble, Nestlé... Einfach in die Einkaufswagen der Hausfrauen im Supermarkt schauen, Hersteller feststellen, sich ein Bild von den Aktien machen, eventuell kaufen und fertig. Dann lässt man das liegen, für mindestens zehn Jahre.

Justin war oberflächlich wie eh und je; Nachdenken war noch nie seine Stärke. Er wird demnächst 33 Jahre alt. Das mit der Börse war eine genauso unstete Idee wie der Kauf des Motorrads, das in der Garage herumgammelt. Vorher die Hälfte des Jahres, mittlerweile ganzjährig, weil er sein schickes Luxusauto kutschieren muss.

Justin hat ja seinen Ruf in der Abteilung weg. Über seinen Autokauf haben alle den Kopf geschüttelt. Andere gleichaltrige Kollegen haben ja an Reife zugelegt und sich lieber eine billige Karre gekauft. Justin aber fährt ein Protzauto, als wäre er Anfang 20.

Eine Besserung aber hat sich ergeben: Er hat seiner Hausbank den Laufpass gegeben. Vorher hat er alles unterschrieben, was sie ihm hingelegt haben, beispielsweise Kfz-Haftpflichtversicherung zum dreifachen Preis des Marktüblichen, eingefädelt von der Hausbank.

Aber ganz ehrlich: Über so leichte Beute wie Justin freut sich jeder Bankangestellte. Die sehen, mit was für einen Auto er vorfährt, schauen auf sein Kontostand und wissen sofort, dass er nicht aufs Geld schaut und jeden Quark unterschreibt. Die sehen sofort, dass er nach dem Motto lebt: "Über Geld redet man nicht. Geld hat man." - Dieses Sprichwort wird ja vor allem von Unter- und Mittelschichtlern benutzt, die demonstrativen Konsum betreiben, um sich nicht die Blöße zu geben. Kluge Menschen nehmen den Wettlauf um die Statussymbole gar nicht erst auf. Kluge Menschen kaufen eher die Aktien der Firmen, die die Statussymbole herstellen, wie z. B.
  • Apple
  • Coca Cola. Der Unterschichtler will mit einer River-Cola nie gesehen werden. Felsenfest ist er davon überzeugt, dass Coca Cola besser schmeckt als alle anderen Cola-Getränke.
  • Red Bull (statt eines Billig-Energy-Drinks, ist aber keine AG)
  • Mercedes, BMW, Audi
Andere Verhaltensweisen hat er beibehalten. Neulich ertappte ich ihn, wie er Apfelsaft wegschüttete. Ungeöffnet, aber einen Tag über den Mindesthaltbarkeitsdatum. Seinen täglichen Soft-Drink kauft er immer noch bei der Tankstelle, anstatt kostengünstig im Voraus und in größeren Behältnissen. Sein Kollege, der "dicke Dirk", ist mittlerweile davon geheilt und kauft sich 1,5-Liter-Flaschen mit Soda.


Sonntag, 27. November 2016

Alle bekloppt außer Trump?

Am Freitag ist Fidel Catro gestorben, seines Zeichens ein sozialistischer Diktator, der Kuba in sozialistischer Tradition heruntergewirtschaftet hat. Die Nachrufe in den deutschen Medien sind teilweise Huldigungsadressen. Aber fangen wir doch mal an bei den "Linken" (ehemals PDS/SED):

Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich! Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Viele junge Menschen sind in den 1960er Jahren vom Enthusiasmus der kubanischen Revolution inspiriert worden, gerade in ihrer Auseinandersetzung mit dem übermächtigen US-Imperium.
Überrascht hat mich das nicht. Die Praktikanten bei SPON waren auch sehr schmallippig, wenn es darum ging, Castro zu kritisieren. Selbst das pseudodiskursive Attribut "umstritten" bemühte man nicht.

Eindeutige Kritik im SPON-Forum wurde natürlich nicht durchgelassen. Ich bin mit drei oder vier Beiträgen an der Zensur gescheitert. Der linke Blödsinn, der die Vereinigten Staaten mal wieder die Hauptschuld am dahinsiechenden Kuba gibt, wurde ungefiltert veröffentlicht. Man muss schon sehr blind sein, wenn man man das US-Embargo hauptverantwortlich für die katastrophale Lage Kubas sieht und nicht Castros Verstaatlichungsorgie. Ein Kommentator merkte an, Kuba unter Batista wäre zum "Bordell der bigotten amerikanischen Oberschicht" verkommen. Nur zur Erinnerung: Auch heute ist Prostitution eine der wichtigsten Einnahmequellen in Kuba. Da die Kundschaft keine "bigotten Amerikaner" sind, hat der Kommentator damit wohl kein Problem.

Henryk M. Broder hat auch die Äußerungen mancher Politiker aufgespießt. Warum traut sich niemand von denen, die Wahrheit über Castro zu sagen? Ein prominenter Politiker hat sich dann doch getraut, Trump: Er bezeichnete Castro als "brutalen Diktator", der mit Folter und Erschießungskommandos das Volk jahrzehntelang unterdrückte.

Das rechne ich Trump hoch an: Er spricht die offensichtliche Wahrheit aus. Den SED-PDS-Linken muss man zugutehalten, dass sie wirklich diesen Castro liebten und schätzten, und am liebsten genauso auch Deutschland herunterwirtschaften möchten, genauso wie sie es schon mit der DDR gemacht haben. Die restlichen Castro-Versteher sind derart gefangen in ihrer Welt, dass sie sich nicht trauen zu sagen, dass der König nackt sei. Stattdessen wird Castro als "historische Persönlichkeit" verklärt.

Erschreckend hierbei finde ich, dass so ein Nachruf der Linkspartei kaum als anstößig empfunden wird. Die Linkspartei würde es auch nicht so öffentlich machen, wenn sie sich nichts davon verspricht, aber wenigstens kaum einen Schaden befürchtet. Als Margot Honecker, einst treue Parteisoldatin, starb, gab es keinen Nachruf. Unterschied zu Castro: Unter Honeckers Schulpolitik hatten viele heutige Wahlberechtigte zu leiden. Kubaner sind in Deutschland nicht wahlberechtigt.

In einer Welt, in der eine Werbeagentur unter Verdacht gerät, mit einem fiktiven Kfz-Kennzeichen "MU-SS 420", nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten, ist diese völlige Abstumpfung gegenüber linksextremistischer Ideologie schon seltsam.

Castros Tod und die Reaktionen zeigen mir, dass wir uns auf Trump freuen sollten, für eine ehrlichere Politik. Ich bin weder ein Freund seines Stils, noch mancher Programmpunkte (z. B. Putinversteherei, Anti-TTIP), aber er wird unabhängig und ohne taktisches Geplänkel Politik betreiben. Dass er Gespräche mit Mitt Romney sucht, gefällt mir. Ich hätte Romney gerne schon vor vier Jahren als Wahlsieger gesehen. Vermutlich wird Trump Putin auch besser im Griff haben, denn Putin gegenüber muss man eine deutliche Sprache der Kanonenrohre sprechen.

Obama dagegen verspielte noch den letzten Kredit mit seinem Nachruf auf  Castro:
Die Geschichte wird den enormen Einfluss dieser einzigartigen Figur auf die Menschen und die Welt um ihn herum beurteilen.
Nun kann man sagen, es gäbe diplomatische Zwänge. Aber er hätte ja auch schweigen können. Wer meint, dass selbst Schweigen zu viel Porzellan zerschlagen hätte, der kann ja einen Regierungssprecher oder den Außenminister die unrühmliche Aufgabe hinterlassen. Deswegen schickte man auch Christian Wulff nach Saudi-Arabien und behauptete, weder Gauck noch Merkel hätten keine Zeit gehabt. Es gibt also Tricks, um nicht all zu viel Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die Gegenseite versteht dann auch die Kritik, ohne aber komplett ihr Gesicht zu verlieren. Dass Wulff in der Wüste zu einer Beerdigung auftauchte, sorgte nur kurz für Verstimmung, aber es sorgte wenigstens für Verstimmung.

Aber wenn sich das Staatsoberhaupt aufschwingt und so einen Unsinn vom Stapel lässt, dann trägt er die volle Verantwortung kann sich nicht hinter diplomatischen Gepflogenheiten verstecken.

Von Trump erwarte ich, dass er deutlichere Worte findet, sodass die amerikanische Außenpolitik wieder glaubwürdiger wird und dass die Wirtschaft anzieht. Als Akionär bei einigen amerikanischen Unternehmen bin ich da ganz zuversichtlich.

Mittwoch, 23. November 2016

Die Strategie des Zack und Wumms

Ich bin seit ein paar Jahren ein aggressiver Aktiensparer. Wenn ich  revue passieren lassen, welche Entwicklungen in den letzten Jahren  genommen wurden, dann stelle ich fest, dass ich viele Abzweige, die  andere Blogger gehen, mich nicht interessieren.

Mich interessieren keine P2P-Kredite. Mich interessieren keine  Immobilien und Immobilien-REITs, Social Trading ("Hallo ayondo!")  sowieso nicht, noch nicht einmal ETFs. Ich bleibe beim Basis-Produkt, der Aktie.

Ich will es so einfach wie möglich haben. Ich möchte nicht aus zig verschiedenen ETFs auswählen, bei denen ich mich mit der Frage quälen muss: Wer ist der Emittent? Wo sitzt der Emittent? Ist es ein  swappender ETF oder ein replizierender? Das wären technische Fragen. Wenn ich mich vor den Fernseher setze, wähle ich nach Inhalten den Kanal. Fragen nach der Übertragungstechnik und Auflösung interessieren mich nicht.

Ich möchte so einfach wie möglich investieren und deshalb kommt für  mich nur die Aktie in Frage. Ich möchte mich um ein Unternehmen an sich  kümmern und nicht um technischen Firlefanz. Habe ich ein Unternehmen erstmal im Depot, dann bekomme ich ein gutes Gefühl  und ich kann gut schlafen. Ich spreche von einer Strategie des Zack und Wumms. Hat man erstmal eine Stange an Positionen im Depot, dann kann man regelmäßig nachkaufen, ohne groß nachzudenken, denn es sind  die eigenen Unternehmen und man hat ein gewisses Vertrauen gefasst.

Ich achte natürlich darauf, dass Dividenden gezahlt werden. Meine  Strategie muss ganz einfach sein und lässt sich auf Zack und Wumms  reduzieren. Dividenden kassieren (Zack!) und Aktienkauf von ca. 2000 €  anleiern (Wumms!). Meistens ist es ein Aufstocken einer bestehenden Position. Im Grunde genommen passiert über das Jahr gesehen  nichts anderes. Ganz viel Zack, Zack und Zack, stellvertretend für viele kleine Dividendeneinnahmen, die sich dann mit Gehaltszahlungen  vermischen, zu dem einen oder anderen größeren Wumms, mit dem Ziel,  die Intensität und die Frequenz von Zack zu erhöhen.

Natürlich mache ich mir meine Gedanken bei Aktien, die ich noch nicht habe und erstmalig kaufe. Aber hat man die Unternehmen schon länger im  Depot, gewinnt man an Gelassenheit, kann gut einschätzen, ob der  gegenwärtige Preis fair ist oder nicht. Eine günstige Aktie im eigenen  Depot findet man dann immer und dann kauft man nach.

Die Unternehmen kennt man dann ja. Warum noch eine andere Strategie  entwickeln? Warum abseits gehen, wenn man doch nun schon 11 %  Bruttorendite einfährt? Die habe ich wirklich. 11 % ist mein interner  Zinsfuß. Vor der US-Wahl lag er bei etwas mehr als 9 %.

Warum soll ich mich ins Immobilienthema einarbeiten? Warum soll ich  Studentinnen per P2P-Kredit die Wohnungseinrichtung bezahlen?  Ich halte mich an das Basisprodukt und dass ich wenig Zeit damit verbringe. Täte ich mich damit herumplagen, was man mit P2P-Krediten bekommen könnte, hätte ich ja gar keine Zeit mehr für andere Dinge.

Freitag, 11. November 2016

Trump, Trump, Trump, the quotes are rising...

Ich gebe zu: Die amerikanische Wahl hat mich kaum interessiert. Für Politik interessiere ich mich immer weniger, wahrscheinlich, weil ich durch mein Interesse schon als 19-jähriger des Themas langsam überdrüssig wurde. Und viele Diskussionen wiederholen sich einfach, weshalb ich kaum noch hinhöre. Früher war Sabine Christiansen Pflichtprogramm (immer nach dem Tatort), Anne Will schalte ich nur in Ausnahmefällen an und wenn, dann höre ich es über DAB+.

Interessant war das ganze Spektakel aus Börsianer-Sicht. Die letzte Woche gingen die Kurse runter. Als Trump gewann, stürzte erst alles in den Keller, um sich dann zum Abend hin zu erhohlen. So kletterte mein Depot seit Mittwoch wieder ordentlich. Das schwache Euro, mittlerweile bei nur noch 1,08 $, tut sein übriges.

Hätte es die vorhergehende Woche nicht gegeben, würde ich sagen, diese Kursgewinne der letzten zwei Tage wären nicht von nachhaltiger Natur. Sowohl die letzte Woche, als auch die aktuelle Woche muss man als eine "politische Börse" sehen und die hat bekanntlich kurze Beine.



Ich habe letzte Woche bereits die Chance zu Nachkäufen genutzt und damit Aktieninvestitionen in Höhe von 30000 € in diesem Jahr getätigt, wobei die 30000 € alleine aus Dividenden und Gehalt gespeist sein dürfen. (Geld aus Aktienverkäufen blende ich bewusst aus.) Pro Monat also 2500 €. Ich bin selber erstaunt, dass ich das geschafft habe.

Die stetig steigenden Dividendeneinnahmen helfen dabei, das Investitionsvolumen weiter zu erhöhen. Daran arbeite ich weiter. Das ist unabhängig davon, wie der amerikanische Präsident heißt. Mein Schiff hat Kurs genommen und so ein paar Wetterkapriolen bringen mich nicht aus dem Tritt.

Im Prinzip ist tatsächlich wie mit den Seereisen von Vasco da Gama, Magellan und Co.: Man wusste, dass man nicht von der Erde fällt, dass es einen Seeweg nach Indien geben muss. Man wusste durch Berechnung, wie groß die Erdkugel ungefähr sein musste. Man wusste auch, dass es Wetterkapriolen geben kann, die Schiffe zerbersten. Die Wetterkapriolen sind ein Risiko, das sich stochastisch erfassen lässt und gegen das man vorsorgen kann. Das größere Problem war der Aberglaube. Früher dachten die Leute, man fällt von der Erde runter oder Seeungeheuer mit Tentakeln verschlängen ganze Schiffsbesatzungen. Es war auch schwer, Finanziers und Besatzung zu finden.

Die Könige und Seefahrer, die den Aberglauben zu überwinden wussten, wurden mit Reichtum und Ehre belohnt. Das heißt, man muss durchhalten, auf die Berechnungen (Stochastik) vertrauen, den Aberglauben besiegen ("Aktien sind gefährlich.")  und gegen reale Risiken vorsorgen (mittels Diversifikation und Schuldenfreiheit) und dann erreicht man auch sein Ziel: Passive Einnahmen, die zur Lebensführung reichen.




Dienstag, 1. November 2016

Keine Satire: Riesterjünger auf Youtube unterwegs

Tim Schäfer hat mal wieder die Riesterrente kritisiert. Infolgedessen habe ich den Youtube-Kanal von Tim Wolff entdeckt. Er ist Vermögensberater der DVAG. Das erste Video, das ich mir angesehen habe, möchte den Zuschauer überzeugen, dass Riester durchaus etwas für Besserverdiener wäre.


Ehrlich gesagt, war ich von den Zahlen anfangs auch beeindruckt, aber wo ist der Haken? Wenn man einen Fonds 35 Jahre monatlich mit 175 € bespart, der im Mittel 6 % bringt, dann sind das 240000 €. Bei einer Sparrate von 75 € sind es 100000 €.

Ein Riesterprodukt, das auf dem selben Fonds basiert, hätte vielleicht tatsächlich nur 200000 € und angenommen, die 100000 € wurden wirklich durch regelmäßige Anlage der 75 € erzielt. (Gibt's die wirklich? Kann man über die frei verfügen?)

Nun ist es aber so, dass wir der Fondssparer jederzeit über seine Fondsanteile verfügen kann. Der Endwert beim Fondssparers von 240000 € ist der Barwert, wenn die Rente angetreten wird. Das ist was reales. Der Riestersparer aber verfügt nicht über sein Fondsvermögen, denn ein pädagogischer Versicherungsmantel soll verhindern, dass er alles verkloppt. Maximal 30 % der 200000 € kann sich der Riestersparer auszahlen lassen, d.h. 60000 €. 60000 € und die 100000 € ergeben in der Summe 160000 € und das ist weniger als die 240000 €. Es bleiben also 140000 €, die in eine Leibrente verwandelt werden.

Bei der Hannoverschen kann man als 66-jähriger Mann eine Sofortrente für 140000 € kaufen, die einem 445 € pro Monat garantiert. Ist das gut? Nein, denn das entspricht gerade einmal 3,8 % p.a. des Anlagevermögens. Das ist lausig, denn es ist die durchschnittliche Dividendenrendite, aber die Dividende wäre nicht substanzverzehrend, während das Vermögen an die Versicherung abgetreten wird. Wer 140000 € in Anteilen eines ausschüttenden Fonds hat, der bekommt das ebenfalls raus und im Falle des Ablebens wird kräftig vererbt.  Wer an die Substanz geht, der kann sich sogar einen noch schöneren Lebensabend vom Fondsvermögen leisten, aber das geht nur, wenn es den Versicherungsmantel nicht gibt. Man weiß ja, welche irrealen Restlebensdauern prognostiziert werden. Bei der Berechnung einer Leibrente für einen 66-jährigen wurde auch nicht gefragt, ob Männlein oder Weiblein, oder ob Raucher oder nicht. Man nimmt einfach den Worst Case aus Versicherungssicht an.

Wer direkt den Fonds bespart und tatsächlich 240000 € in den Händen hält, könnte beispielsweise die 160000 € direkt entnehmen, aber immer noch mit 80000 € arbeiten. Die Dividenden würden fließen; ich  nehme typischerweise 4 % p.a. an. Das sind schon mal 266 €, aber mit Potential zur Steigerung.

Ich gehe auch vom Ideal aus, dass die Gebühren auch nicht allzu hoch ist. Bekanntlich lassen sich die Versicherer bei der Umwandlung des Fondsvermögens in eine Leibrente den Arsch noch einmal vergolden, denn der Kunde hat ja schon den Kopf in der Schlinge.

Ich habe aber auch ein Problem mit Fonds. Ich will mein eigener Fondsmanager sein und will dadurch die Kosten so gering wie möglich halten. Ich kann mit 8 % p.a. rechnen, langfristig. Tatsächlich habe ich eine Performance von etwas mehr als 10 % p.a. (vor Steuern) und etwas mehr als 9 % p.a. nach Steuern. 6 % wären mir zu wenig, weil das viel weniger als der Durchschnitt von 8 % ist.


Ich habe seinen Kanal etwas überflogen. Hier lässt er sich über den Vorwurf aus, dass Strukturvertriebe doch nur Schneeballsysteme oder Pyramidensysteme wären:


Seine Dialektik ist schon sehr billig. Schneeballsysteme seien verboten, also können DVAG oder eine x-beliebige Strukki-Bude kein Schneeballsystem sein. Logisch. Drogendealer und Zuhälter gibt's demzufolge auch nicht, weil Drogendealen und Zuhälterei verboten sind.

Seine Auslassungen zu Pyramidensystemen sind lächerlich. Offenbar weiß er nicht, was ein Pyramidensystem ist. Stattdessen schwafelt er über die Organisation von Unternehmen und Behörden. Er ist damit auf dem Holzweg; hätte er doch vorher noch einmal den verlinkten Wikipedia-Artikel gelesen. Man könnte glauben, es wäre Satire. Es ist es nicht. Der Titanic-Chefredakteur heißt auch Tim Wolff, aber der sieht ganz anders aus.

Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand, der sich nicht mit der Materie auskennt und Finanzangelegenheiten lieber wegschiebt, auf so eine Type herreinfällt. Ich hatte ja das Glück, dass ich seit Ende meines Studiums jedem Berater aus Weg gegangen bin. Wer weiß, wie ich vor 8 Jahren darauf reagiert hätte. Wahrscheinlich hätte mich sein Gerede beeindruckt, ich hätte mich einlullen lassen und ich hätte sonst was unterschrieben.

Wie immunisiert man sich gegen Kritik? Man behauptet einfach, die Kritiker der Riesterrente stänkerten gerne. Unverbesserliche 15 % potentieller Riesterkunden seien Meckerer, Stänkerer und Moserer, die natürlich bevorzugt die AfD wählen:


Ist Riester gescheitert? Ich finde schon, weil es keinen substantiellen Beitrag zur Altersvorsorge leisten kann. Er bewertet Riester nur aus Verkäufersicht: Hauptsache, es sind genug Verträge verkauft. Seine Altersvorsorge dürfte gesichert sein, die seiner Kunden hängt am seidenen Faden.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Eine Zwischenbilanz für 2016

Im Dezember formulierte ich Ziele für 2016, die da wären:

  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken.
  2. 173000 € Depotwert.
  3. Dividenden von 6100 € brutto.

26547,96 € habe ich bereits investiert. Da ich in den nächsten Tagen wieder an Knete komme, werde ich wieder investieren und vielleicht sogar die 30000-€-Marke knacken. Mein Depot hat heute einen Wert von 173304,10 €, also ist auch das zweite Ziel erreicht. Das dritte Ziel ist noch nicht erreicht, aber praktisch so gut wie sicher. 5837,31 € an Dividenden habe ich bereits eingestrichen und einige Zahlungen erwarte ich noch, ca. 120 € im November und ca. 500 € im Dezember.

Vielleicht bin ich mit meinem Zielsetzungen einfach nicht ehrgeizig genug oder ich unterschätze die Entwicklung des Aktienmarktes. Als ich meine Ziele formulierte, betrug der Wert des Depots 138.421,90 €. Ich kann auf ein Wachstum von 35000 € innerhalb von zehn Monaten zurückblicken. Davon waren 26500 € Investitionen (gespeist aus Gehaltszahlugnen u. Dividenden), d.h. das Kurswachstum betrug 8500 €. 8500 € von 138500 € entpricht 6,1 %. Auf das komplette Jahr hochgerechnet entspricht das 7,3 %. Das ist nur das Kurswachstum. Ich rechne eigentlich mit ca. 8 % Gesamtrendite, d.h. Dividende und Kurswachstum zusammen ca. 8 %.

Da ich mich ja mittlerweile zu den alten Hasen rechnen kann, merke ich eine gewisse Abgeklärtheit, die sich bei mir einstellt. Im Januar/Februar geriet ich gar nicht erst in Panik; ich kaufte nach. Anfang August habe ich auch einen Nachkauf einer Aktie getätigt, die an der Börse abgestraft wurde. Mittlerweile ist sie wieder auf den alten Stand, d.h. innerhalb von zweieinhalb Monaten um 18 % gestiegen. Bei anderen Aktien hatte ich nicht so ein glückliches Händchen, aber wenn man breit streut, hebt es sich auf. Ich habe in gutes Verständnis für Stochastik und gerate nicht in Panik, wenn sich eine Position nicht so entwickelt, wie prognostiziert.

Wenn ich die letzten Jahre rekapituliere: Wichtig ist es, früh anzufangen, alleine wegen der psychologischen Komponente, denn dann lernt man das Handwerkszeug. Gemachte Fehler sind dann wegen mangelndes Geldes auch nicht so teuer. Mit dem Erfahrungsschatz von sieben Jahre Börse geht man an die Sache ganz anders ran. Wenn Fehler gemacht werden, dann am besten, möglichst früh und mit möglichst wenig Geld. Alter und Barmittel korrelieren ja in den Lebensjahrzehnten drei bis sechs.




Samstag, 22. Oktober 2016

Wenn man nicht rechnen kann, kommt sowas raus.

Gestern las ich mit Erstaunen einen Kommentar von Bernd Kramer. Er fordert, die erste Klasse in der Bahn abzuschaffen. Ich fahre selber gerne mit der Bahn, halte sie besser als ihren Ruf, aber ich fahre immer mit der  zweiten Klasse, weil ich finanziell so gut nicht gestellt bin. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Jahren.

Bernd Kramer behauptet, die zweite Klasse subventioniere die erste. Er liefert ein paar Zahlen:

1) Auslastung in der zweiten Klasse: 55,8 %, 2) Auslastung in der ersten Klasse: 38,6 %, 3) Anzahl der Plätze an der Gesamtanzahl: 16 %.

Die Zahlen lege ich fest: Man zahlt das 1,66-fache, wenn man in der ersten Klasse fährt. (Referenz: bahn.de, ICE-Fahrt von Hamburg nach Berlin, Normalpreis) Der Platzbedarf der ersten Klasse ist auch höher pro Sitzplatz. Pro Reihe gibt's nur drei Sitze statt vier, und der Sitzabstand ist auch größer, weshalb ich den Faktor 1,4 annehme; 4/3 wäre als Faktor zu gering. Wenn die erste Klasse 16 % aller Sitzplätze ausmacht, dann entspricht das ungefähr 22,4 % der Wagenfläche, die für Sitzplätze (ohne Bistro) freigehalten wird.

Es gibt p_ges = n Plätze im Zug, davon p1 = 0,16 * n für die erste und p2 = 0,84 * n für die zweite Klasse.

Was bringt die Kunden der ersten Klasse an Umsatz?

u1 = p1 * 0,386 *  1,66 * b.

b steht für den Preis in der zweiten Klasse. Der Umsatz in der zweiten Klasse beträgt also:

u2 = p2 * 0,558 * b


Ich schaue mir das Verhältnis u1/u2 an:

u1/u2 = (p1 * 0,86 * 1,66) / (p2 * 0,558)   //b weggekürzt

u1/u2 = (0,16 * 0,86 * 1,66) / (0,84 * 0,558) //p1 und p2 ersetzt und n weggekürzt

u1/u2 = 0,3088 / 0,4687 = 0,6588

u1 = 0,6588 * u2

Das heißt, der Umsatz in der ersten Klasse beträgt nur 65,88 % des Umsatzes in der zweiten Klasse. Daraus schlussfolgert Bernd Kramer, dass die zweite Klasse die erste subventioniert. Ich bin mir sicher, dass er sich diese Mühe nie gemacht hat, denn der entscheidende Schritt fehlt ja noch. Denn wer so weit analytisch vordringt, würde den letzten Schritt nicht vergessen.

Für die erste Klasse wird ja nur 22,4 % der Fläche gebraucht, aber sie liefert 39,7 % des gesamten Umsatzes. Und damit subventioniert die erste Klasse die zweite.

Wie kommt man auf die 39,7 %?

u1/(u1 + u2) = (0,6588 * u2)/(0,6588 * u2 + u2) = 0,397.


Bernd Kramer hat zwar eine starke Meinung, aber keine Ahnung. Das ist bei vielen Linken so. Einfach mal hinsetzen, ein paar Rechnungen anstellen, ist schon so viel verlangt. Sonst werfen Linke den  Unternehmen vor, Gewinnmaximinierung zu betreiben. In diesem Falle lautet der Vorwurf, die zweite Klasse subventioniere die erste, d.h. Verzicht auf Gewinn. Das ist schon seltsam.

Ob ich in den nächsten Jahren in die erste Klasse wechsle, wird sich zeigen. Den ersten Schritt habe ich bereits getan, indem ich die BC 50 der 2. Klasse gekündigt habe. Sie stellte mich vor die Alternative: 50 % vom geringeren Preis der zweiten Klasse vs. 100 % des höheren Preis in der ersten Klasse. Ich schlage der Bahn vor, dass man die BC 50 der zweiten Klasse auch in der ersten Klasse nutzen darf. Wie das?

Wenn 100 € der Preis in der zweiten Klasse ist, dann spart man mit einer BC 50 50 %, d.h. 50 €. Wenn der Preis in ersten Klasse für diesselbe Fahrt 160 € beträgt, dann sollte man diese 50 € auch sparen, wenn man eine BC 50 der zweiten Klasse vorlegt. Dann zahlt man nur noch 110 €. Das ist ganz einfache Mathematik und ich hätte es schon genutzt, wenn es heute schon möglich wäre. Stattdessen hat die Bahn die Kombinierbarkeit bei den Sparpreisen erhöht. Die Sparpreise sind ein unseliges Thema. In der BWL lernt man, dass Stammkundenpflege wichtig ist. Als Stammkunde und BC-Inhaber seit 16 Jahren erlebe ich häufig, dass andere Fahrgäste so viel billiger wegkommen als ich mit meiner BC 50.