Dienstag, 2. August 2016

Lektürefehler

Als passionierter Teetrinker, der auch grünen Tee seit vielen Jahren schon konsumiert, nutze ich Aufgüsse drei bis viermal. Das ist keinem Sparfetisch geschuldet, sondern dem Genuss. Der zweite Aufguss schmeckt mir am besten. Es gibt sogar Teetrinker, die den ersten Aufguss wegschütten und einen zweiten machen. Der vierte Aufguss schmeckt häufig nicht mehr sehr gut.

Und mit den Büchern ist es oft wie mit dem grünen Tee. Das Erstlingswerk ist selten das beste und mit zunehmenden Alter des Autors werden die Bücher in der Regel schlechter. Und wieder einmal habe ich ein schwaches Buch gelesen. Es handelt sich um "Kapitalfehler" von Marc Friedrich und Matthias Weik, den Erfolgsautoren aus dem Bereich Crashtainment.

Ich kündigte es bereits an, dass ich das Buch lesen werde. Es war so, wie ich erwartete. Es ist ein Gepolter gegen den Kapitalismus im Allgemeinen und gegen den "neoliberalen Finanzkapitalismus" im Speziellen: "Sowohl der neoliberale Kapitalismus des Westens als auch der chinesische Staatskapitalismus sind antidemokratisch und destruktiv. Beide Systeme kreieren eine Blase nach der anderen."

Damit haben die Autoren das Einmaleins der Ökonomie nicht verstanden. Grundlage aller ökonomischen Betrachtungen ist das handelnde Individuum, das durchaus in der Lage ist, im überschaubaren Rahmen vernünftige Entscheidungen zu treffen, aber auch nicht immer. Fehler werden gemacht. Viele Fehler werden von vielen Menschen zugleich gemacht. Das führt dann zu Blasen, zu Fehlinvestitionen auf breiter Basis. Und das ist unabhängig von der Wirtschaftsform. Im Sozialismus gab es genauso wirtschaftliche Fehlentwicklung, nur spach man nicht von Blasen.

Welches Geschäftsmodell, welche Technologie und welche Branche sich als zukunftsweisend herausstellt, weiß man ja vorher nicht. Hat schon einmal jemand untersucht, auf wie viele Blasen eine erfolgreiche Etablierung einer neuer Branche und neuer Unternehmen kommt? Ich bin der Meinung: Soll man doch Blasen zulassen und platzen lassen, wenn es doch gleichzeitig berechtigtes Wachstum in bestimmten Branchen gibt. Was Blase ist und was nicht, merken wir doch erst, wenn es platzt. Wenn die Autoren ein Problem mit Blasenbildung haben, dann haben sie ein Problem mit der Zukunft, mit der Ungewissheit, mit dem Risiko.

"Obwohl der Neoliberalismus total versagt hat, bleibt man dem gescheiterten Kamakazikurs treu." und "Krisen sind gewollt und erwünscht." sind zwei weitere Formeln der Autoren. Matthias Weik wird als "Querdenker" vorgestellt. Ist es ihm nicht zu peinlich, mit Wörter und Gedanken aus der linken Mottenkiste hausieren zu gehen, und sich gleichzeitig als Querdenker auszugeben? Ich höre und lese den Unsinn aus der linken Mottenkiste, seitdem ich mich für Politik interessiere, als seit 15 Jahren. Und in den 15 Jahren davor wird man bestimmt nicht anders geredet haben.

Ein Beispiel aus der linken Mottenkiste ist das Herumhacken auf der Privatisierung der Bahn in Großbritannien. Der Fehler lag nicht in der Privatisierung als solche, sondern um die Art und Weise, weil Politiker auch Menschen sind und Fehler machen können. Die Privatisierung ist aber schon lange korrigiert worden. Zudem existieren viele positive Beispiele für die Privatisierung staatlicher Unternehmen, gerade in Deutschland mit Post, Telekom und Bahn. Stattdessen hauen die Autoren kräftig auf den Putz und tun gerade so, als ob Privatisierung an sich was schlechtes wäre. Der Bahnverkehr in Großbritannien ist heute effizienter als zu Zeiten, als die Bahn noch ein Staatsbetrieb war. Die Anzahl der Fahrgäste hat zugenommen. Und verheerende Unfälle gab es in Staatsbetriebszeiten genauso, nur hat damals niemand nach einer Verstaatlichung rufen können.

Wie man sein Geld anlegt, erfährt man in dem Buch nicht, stattdessen spielt man Weltökonomie und liefert gleich eine politische Agenda, wie man Staat und Wirtschaft organisieren sollte. "Erneuerbare Energien" werden von unseren Querdenkern als zukunftsweisend gepriesen. Das ist ziemlicher Mainstream. Ich hoffe, niemand versenkt nach der Lektüre sein Geld in diese Branche. Und was "Omanis" und "Kataris" sein sollen, müssen die Autoren uns auch noch erklären. Ich kenne nur Omaner und Katarer.

Und obwohl sie auf vielen Seiten auch noch die Planwirtschaft geißeln, und das vollkommen zurecht, können sie sich denn noch nicht mit der Marktwirtschaft anfreunden. Eine freie Wirtschaft ist nicht nur stärker und robuster, sondern auch ethischer, weil sie viele Entscheidungsträger zulässt, Fehler erlaubt und auch schneller korrigiert. In einer Kommandowirtschaft kann eine Fehlentscheidung einer oberen Charge eine Hungersnot auslösen. Und wirtschaftliche Fehlentwicklung führt in der Planwirtschaft oft zur Kollabierung des politischen Systems.

"Kapitalfehler" ist ein Pamphlet, in denen sich die Autoren anschicken, selber so eine obere Charge zu werden. Daher erzählen sie, was dem vornehmlich linken und verschwörungstheoretischem Publikum gefällt. Ein Seitenhieb auf Mengenrabatte beim Strom für die Industrie durfte nicht fehlen. Sie finden den Mengenrabatt unrechtmäßig. Dass er aber die freie Entscheidung des Stromlieferanten ist, wird übersehen. Man weiß es besser. Wer sich als obere Charge anschickt, muss es ja besser wissen.

Das Buch enthielt keinerlei interessanten Denkanstöße. Ich schrieb es bereits: Ich habe den Unsinn schon in vielerlei Konstellationen gehört und gelesen. Das mit der britischen Eisenbahn ist mittlerweile so ausgelutscht, dass es selbst SED-Politikern peinlich ist, wenn sie damit in einer Talkshow aufwarten. Friedrich und Weik präsentieren kalten Kaffee als brühwarm für 19,99 €.

Seine Zeit sollte man mit besseren Büchern verbringen, von David Ricardo, John Stuart Mill, Alfred Marshall oder Milton Friedman. Jüngst las ich Friedmans Buch "Kapitalismus und Freiheit". Das möchte ich ausdrücklich empfehlen und vielleicht schreibe ich auch noch mal darüber.

Sonntag, 24. Juli 2016

Ist der Crash wirklich die Lösung? (Buchbesprechung)

Letzte Woche beschäftigte ich mich mit dem ersten Buch der beiden Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik. Das zweite Buch, "Der Crash ist die Lösung", las ich gestern und ich machte meine Notizen dazu. Mein Urteil zu  dem Buch ist nicht positiv.

Schon der Titel zeigt an, wohin die Reise gehen soll: Maximale Aufmerksamkeit erzeugen und das mit der maximalen Forderung, es doch so richtig krachen zu lassen. Das Buch setzt das schwarzmalerische Tremolo des ersten Buches fort. "Seit 2008 sind Krisen unsere ständigen Begleiter.", , "Wir erleben seit 2008 einen epochalen Wandel." oder auch "Schon jetzt ist diese in der Geschichte einmalige und scheinbare Rettungsorgie eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lug und Betrug." Mit Verlaub: Diese Superlative sind Unsinn. Wir leben in einer sehr guten Zeit. Krisen kommen und gehen. Die Finanzwelt ist nur ein kleiner Teil der realen Welt. Im historischen Vergleich ging es uns nie besser. Es besteht auch nicht die Gefahr, dass ein westliches Land in eine Diktatur abdriftet. Das war früher anders.

Auch nicht geändert hat sich die Bankenschelte, dass sie zu viel verdienen und die kleinen Leute abzocken. Ich teile die Kritik an den Sparkassen: Die Vorstandsgehälter sind tatsächlich zu hoch und die Realität weicht enorm von der Selbstdarstellung ab. Als öffentlich-rechtliche Bank tun die Sparkassen so, dass nur die Privatbanken die Leute abzocken, um mit dem Geld an der Wall Street zu zocken. Das entspricht nicht der Realität. Ich teile auch die Kritik an den Sparkassen, wegen der hohen Dispozinsen. In meinem Elternhaus wurde mit der LBS auf das Häuschen gespart und von Bekannten weiß ich, welche Underperformance Deka-Fonds hinlegen.

Im Abschnitt "Der Euro als Wohlstandsvernichter" wird der Euro für jede Menge Unbill verantwortlich gemacht, u.a. dafür, dass die Arbeitslosenquote für Menschen unter 25 Jahren in Spanien und Griechenland über 50 % liegt. Aber dass die Statistik unsauber ist und das Bild dramatisiert, ging dort schon vor Drucklegung des Buches durch die Presse. Und hohe Arbeitslosigkeit hat viele Gründe. So wie jemand, der nur einen Hammer hat, in allem einen Nagel sieht, so sehen die beiden Autoren für alles die Banken und die Währung verantwortlich, weil sie sich nun einmal mit Finanzen beschäftigen. (Dirk Müller tickt genauso, als bestünde die Politik nur aus Währungspolitik und Bankenrettung.) Dass Spanien und Griechenland jahrelang über ihre Verhältnisse lebten, den Staatsdienst aufblähten, einen zu hohen Kündigungsschutz installierten (der Neueinstellungen gerader junger Leute verhindert), übersieht man einfach.

Die geringen Zinsen werden auch kritisiert. Wir würden schleichend durch die Inflation enteignet. Aber warum soll das problematisch sein? Das Gros der Güter auf der Welt verliert mit der Zeit an Wert. Ein Brot wird nach einer Woche wertlos. Warum sollen wir für Geld anderes fordern? Wir horten kein Brot, weil es in der Küche vergammeln würde und deswegen kaufen wir es mit Bedacht. Das spart Ressourcen. Und wenn die Inflation drückt, dann muss man ja nicht tatenlos zuschauen, wie das Geld auf dem Girokonto zerfällt. Man kann doch in Aktien gehen. Investieren oder konsumieren. Die beiden Autoren schauen mit Wehmut auf die satten Zinsen, die Bundesanleihen vor über 20 Jahren abwarfen. Aber damals waren nicht nur die Zinsen viel höher, sondern die Inflation auch.

Betrieben wird eine Panikmache kombiniert mit Phrasendrescherei: "[...] unser Finanzsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer - und das Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen.", oder auch "[...] alle ungedeckten Papiergeldsystem, aber auch alle Währungsunionen der Vergangenheit [sind] ausnahmslos gescheitert." Es sind Phrasen, letzteres eine Tautologie. Eine nicht gescheiterte Währungsunion oder ein nicht gescheitertes ungedecktes Papiergeldsystem gehören nicht der Vergangenheit an. Eine Währung gehört genau dann an, wenn sie gescheitert ist. Wer das schreibt, ohne zu schreiben, dass alle anderen Papiergeldsysteme mit Golddeckung der Vergangenheit genauso gescheitert sind, betreibt billigen Populismus.

Im zweiten Kapitel wagen sich die Autoren auf ganz dünnes Eis. Sie sehen die Reformen Reagans und Thatchers, vulgär auch Neoliberalismus genannt, ursächlich für die Krisen. Thatcher übernahm ein heruntergekommenes Land. Reformen waren unumgänglich. Der von ihr eingeführte "Turbokapitalismus" war die Antwort auf 30 Jahre sozialistische Wirtschaftspolitik, als die Gewerkschaften durchsetzen konnten, dass die Heizer auf den neuen E-Loks weiterhin eingesetzt wurden. Großbritannien hat sich vom kranken Mann am Kanal zu einer führenden Wirtschaftsmacht gemausert.

Anscheinend sehen die Autoren den "rheinischen Kapitalismus" positiv und damit auch die sogenannte "Deutschland AG", die es mal gab. Was verstand man darunter? Die großen Institute hatten überall ihre Beteilungungen, ungefähr so: Die Deutsche Bank war Aktionärin bei der Allianz und bei der Commerzbank, die Commerzbank bei Daimler und bei der Allianz, und die Allianz bei der Deutschen Bank und der Commerzbank. Zum Glück ist seit langem Schluss damit. Widersprüchlich ist, dass die Autoren einerseits die Macht der institutionellen Anleger geißeln, andererseits ihn zurücksehnen. Das war ja das Problem im rheinischen Kapitalismus: Die Deutsche Bank und die Allianz hatten viele Beteiligungen, saßen in vielen Vorstandsetagen und konnten so zum Schaden der Unternehmen, der Arbeitnehmer und der Kunden bestimmen, wo es lang geht. Außerdem führten die gegenseitigen Beteiligung zu unzumutbaren Verhältnissen der Verantwortungslosigkeit.

Wie schon in "Der größte Raubzug der Geschichte" ist in "Der Crash ist die Lösung" kein roter Faden erkennbar, geschweige denn eine logische und stringente Argumentation. Die Lösung, die die beiden bieten, findet man im Abschnitt "Leitfäden für Vermögenssicherung". Gut ist, dass sie dort Anleihen, Riester- und Rüruprenten und Kapitallebensversicherungen kritisieren. Sie geißeln auch Konsumschulden. Die Kritik teile ich. Über Aktien sagen sie, man solle keine kaufen. Das werfe ich ihnen vor: Gerade dadurch, dass wir zu wenig Aktionäre habe, ist doch der beklagenswerte Zustand gekommen, dass die institutionellen Anleger so viel Macht haben. Die Autoren - man vermutet es schon - empfehlen Gold und Silber. Aktien seien angeblich zu teuer, aufgebläht durch Draghis Druckmaschinen. Als Referenzpunkt nehmen die Autoren 2009 her und auch das ist verkehrt. 2009 gab es eine enorme Untertreibung an den Börsen. Das ist kein fairer Referenzwert. Und natürlich wird sich auch noch auf den DAX berufen. Auch das ist verkehrt, denn der DAX thesauriert Dividenden. Der DAX ist ein Performance-Index. Der DAX-Kurs-Index ist entscheidend, wenn man das allgemeine Kurs-Niveau an der Börse grob einordnen will, denn wir bezahlen an der Börse nicht vergangene Dividenden. Wir sind gerade einmal auf dem Niveau von 2007. 2014, als das Buch veröffentlicht wurde, sahen die Preise kaum anders aus als heute. Die wissen genau um den Unterschied zwischen Performance- und Kurs-Index, denn sie bezeichnen sich selber als studierte Ökonomen, also muss ich von einer bewussten Irreführung ausgehen.

Den Vogel schossen die ab mit einer Tabelle auf Seite 192 (im E-Book). Dort wird die Preisänderung dargestellt. Letzter Kurs von Aktien in Reichsmark: 161,78, erster Kurs in D-Mark: 30,53, Veränderung: -81,13 %. 1 kg Gold wurde mit 3600 RM pro Kilogramm veranschlagt und mit 3600 DM nach Einführung der DM, um festzustellen, dass das Gold nicht entwertet wurde und damit besonders sicher war.

Es gehört sich nicht, Reichsmarkpreise mit D-Mark-Preisen zu vergleichen. Das ist in etwa so, wenn man Yard und Meter vergleicht. Wissen Sie, warum die Engländer so schlecht beim Elfmeterschießen abschneiden? Die haben die längere Strecke. Die schießen nicht nicht aus elf Metern, sondern aus zwölf Yard Entfernung. - Auf dieses Argumentationsniveau begeben sich die Autoren.

Es gehört sich auch nicht, eine Extremsituation wie die Nachkriegszeit zu referenzieren. Außerdem war es auch verkehrt, den letzten Reichsmarkkurs für Gold, der natürlich auch durch Spekulation getrieben wurde, mit dem ersten Kurs in der neuen Währung zu vergleichen, als die Menschen noch gar kein Gefühl für die neue Währung hatten und nicht die Preisfindung damit sehr schlecht war. Die Autoren schreiben, dass es wieder zu einer Situation wie 2008/9 kommen kann. Da kann man auch beliebige Aktien hernehmen den Vergleich des Kurses vor und nach dem Crash vergleichen. Seriös wäre es gewesen, einen längeren Zeitraum zu betrachten. Aktien gingen ab, weil die Wirtschaft nun schon seit 1945 (also nun schon 71 Jahre) ungestört wirtschaften kann, ohne dass ein Bomber die Produktionsanlagen bedroht. Und Sachwerte mit echtem Nutzen wie Medikamente, Lebensmittel, Häuser und Fahrzeuge kommen in der Tabelle nicht vor. In der Tabelle gibt es nur Schuldtitel und Zahlversprechen, die tatsächlich unter Inflation und Währungswechsel leiden, sowie Aktien, die eine Wette auf die Zukunft sind. So viel Optimismus gab 1948 nicht. Mit anderen Worten: Es ist kein fairer Vergleich.

Friedrich und Weik zeigen mal wieder, dass sie Goldbugs sind. Das Buch  wurde wieder von "Bastei Lübbe" verlegt, bezeichnenderweise von der Sparte "Bastei Entertainment." Das Buch ist nicht einmal Infotainment, sondern Crashtainment. Wer die Ratschläge der Autoren annimmt, ist verloren. Der kauft Gold und nimmt nicht Teil am Vermögenswachstum der Welt, der ja nach wie vor vonstatten geht. Crash-Propheten sind schlechte Ratgeber. Und was die sich versprechen, dass die Politik beim nächsten Crash tatenlos zuschaut und keine Rettungen vornimmt, und damit den Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft risikiert, finde ich, ist ein verantwortungsloser Gedanke. Ich bin auch für Staatsferne, aber auch für eine gesunde Prise Pragmatismus. Ich bin sogar neoliberal. Die Autoren geißeln einerseits den "Neoliberalismus", wollen andererseits im Extremfall die Ideologie der Staatsferne hochhalten, anstatt pragmatisch zu helfen.

Ich bin schon gespannt auf "Kapitalfehler", dem nächsten Buch. Ich habe es mir in der Bibliothek vormerken lassen. Ich habe schon eine böse Ahnung, was mich da erwartet.

Sonntag, 17. Juli 2016

Weik, Friedrich: "Der größte Raubzug der Geschichte" - Ein Verriss

Der Gegenstand dieses Artikels ist ein Buch zweier Autoren, die schon seit ein paar Jahren durch die Medien tingeln. Der eine Autor, Marc Friedrich, gastierte erst kürzlich sowohl beim Finanzrocker als auch bei Stefan Obersteller, um ein wenig die Werbetrommel zu rühren, für das neue, das dritte mit Matthias Weik gemeinsam verfasste Buch. Ich fand beide Interviews grauslich, weil ich von der Crash-Propheterie nichts halte. Um mir ein profunderes Bild zu machen, habe ich mir das erste Buch (2012 erschienen) ausgeliehen und gelesen: "Der größte Raubzug der Geschichte - Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden".

Das Buch beginnt mit der Erklärung, was Geld ist und kommt dann schnell zum Thema Schulden. Ich kritisiere die exzessive Schuldenmacherei ja auch, ob nun private Schulden oder öffentliche Schulden. Ich bin da erzkonservativ und hatte noch nicht einmal Bafög-Schulden. Ich spare lieber, bevor ich mir etwas kaufe. Die Autoren kritisieren die hohen Schulden der amerikanischen Bevölkerung, z. B. für die Immobilien. Auch die Kritik teile ich, aber da hört dann die Gemeinsamkeit mit den Autoren auch schon auf, denn sie suggerieren, dass die amerikanischen Banken aus reiner Boshaftigkeit die Mittel- und Unterschicht ins Verderben stürzte. Hans Olaf Henkels Buch "Die Abwracker" behandelt auch das Thema, aber mit mehr Substanz, und er schreibt, dass alle amerikanischen Regierungen seit Jimmy Carter ihr Schärflein zur Immobilienblase und letztendlich zum Immobilienkrach 2007 beitrugen.

In Kapitel 10 wird kritisiert, dass der amerikanische Staat die Deutsche Bank unterstützt hätte. Tatsächlich aber hat der amerikanische Staat die American Internation Group (AIG) gestützt, wovon die Deutsche Bank indirekt profitierte. Ich finde das sehr simplizifierend. Indirekte Hilfen sind keine direkten Hilfen. Es ist vollkommen normal, wenn man jemanden hilft, dass die Geschäftspartner davon profitieren, selbst wenn es dies nicht angestrebt wurde. Angestellte unterstützter Konzerne profitieren ja schließlich auch, aber da schreibt dann niemand, der Staat unterstütze die Angestellten.

Die 43 Kapitel sind schon recht kurz gehalten. Das kürzeste ist Kapital 11. Nicht einmal eine ganze Seite ist es lang und vollkommen zusammenhangslos wird da beschrieben, dass es Wetten auf den Misserfolg anderer gibt, vergleichbar mit einer Brandversicherung für ein Haus, das einem nicht gehört. Was daran nun so schlimm sein soll, bleibt das Geheimnis der Autoren. Von Brandstiftung haben sie ja nichts geschrieben.

Im weiteren Verlaufe des Buches geißelt man auch noch die Rechtsform der FED. In dieses Horn wird von Finanzapokalyptikern seit vielen Jahren gestoßen, aber was an der Rechtsform so schlimm sein soll, hat mir noch niemand plausibel darlegen können. Um Punkte beim Publikum zu bekommen, schimpft man auch noch darauf, dass die Abgeltungssteuer nur 25 % betrage und dies eine unzulässige Privilegierung von Aktionären wäre. Auch das ist absolut verkehrt und die zwei Herren, die immerhin Studiengänge mit Schwerpunkt Ökonomie absolviert haben, sollten es besser wissen. Bevor die Abgeltungssteuer kam, gab es ein Halbeinkünfteverfahren, das berücksichtigte, dass Dividenden aus dem Gewinn nach Steuern bezahlt wurden. Mit der Abgeltungssteuer zahlt der Aktionär heute auf seine Dividenden mehr Steuern als davor, als noch der persönliche Einkommenssteuersatz galt. Auch natürlich fordern sie auch noch das Ende der Spekulation auf Nahrungsmitteln, begründen es aber nicht.

Überhaupt reißen sie ein sehr großes Themenspektrum an, von der internationalen Verflechtung der Staaten mit Geschäftsbanken, Ratingagenturen, vom amerikanischen Hausbesitzer bis hin zur Oma, die von ihrem Bankberater Beratung erwartet, aber über den Tisch gezogen wird.  Während in Kapitel 17 noch kritisiert wird, dass die Bank-Manager ihren Aktionären auf der Nase herumtanzen und sich maßlose Boni gönnen, so muss man schon in Kapital 18 lesen, dass die Bankberater nur den "shareholder value" maximieren wollten. Das passt doch nicht. Kapitel 24 ist wie Kapitel 18, also ziemlich kurz. Kapitel 24 stellt Blackrock kurz vor, aber hinterlässt viele Fragezeichen. Das Kapitel ergibt nur einen Sinn, wenn man die Fantasie des Lesers vom schlichtem Gemüte einkalkuliert, der hinter Blackrock die nächste Weltverschwörung vermutet darf.

In Kapitel 38 schreiben sie auch noch, der "Bund der Steuerzahler" unterstütze Steuererhöhungen. Die Propheterie geißeln die Autoren auch, betreiben aber selber Crash-Propheterie.


Wie schlampig gearbeitet wurde, ist eindrucksvoll in Kapitel 41 belegt. Das man große Zahlen als Produkt einer Zahl und 10 hoch n (10^n) notiert, ist hinlänglich bekannt. Jedem Ingenieur ist bewusst, dass ein Taschenrechner dies etwas anders macht, weil die alten Sieben-Segment-Anzeigen nicht mehr hergaben und heute nutzt man traditionellerweise immer noch die "E-Notation". Statt 6,3 * 10^3 schreibt man 6,3E03. So weit, so gut. In Kapitel 41 wird die Geschichte mit dem Schachbrett und dem Reis zum Besten gegeben, um zu demonstrieren, was exponentielles Wachstum ist. Über die Zahl 109.951E12 schreiben sie, es wäre 121.693.091... (mit ganz vielen Nullen) Ich weiß nicht, was die da ausgerechnet haben wollen. 109.951E12 ist nichts weiter als 109.951.000.000.000.000 oder anders ausgedrückt: 109 Billiarden und 951 Billionen. Ich vermute, die haben 109.951^12 berechnet und dann gab es einen Überlauf.

Ich glaube, die Jungs können nur Zahlen in den Taschenrechner tippen, verstehen aber nicht, was der ausspuckt. Ich besuchte an der Universität eine Vorlesung über Investitionsrechnung, wo sich der Dozent genüsslich über die mangelnden Mathematik-Fähigkeiten der BWL-Studenten ausließ. Dass es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht.


In ihrem Fazit schreiben die Autoren: "Sie haben nun das Wissen und die Möglichkeit, diesem nachweislich gescheiterten System die Grundlage für sein gefährliches Handeln zu entziehen[...]" Ich halte so eine Äußerung für einen schlechten Witz. Über das Investieren schreiben sie nur in Kapitel 43 und das sehr wenig (nur über Anlageformen) und dort kann man nachlesen, dass Aktien von Inflation oder von Währungsreformen negativ betroffen wären. Anleihen, Sparbuch, Tagesgeld und Lebensversicherung sind genauso bewertet. Und natürlich stehen Gold und Silber am besten da. Die scheinen ihre Abschlüsse in der Lotterie gewonnen zu haben.

Es gibt keine soliden Gedankengänge, dafür aber maximalen Populismus. So werden Inflationsraten präsentiert, dass der US-Dollar von 1913 bis 2012 um 96 % abgewertet hätte. Ich komme da auf eine Inflationsrate von 3,2 % pro Jahr. Ist das nun viel? Ich finde nicht. Beim Euro wird eine Inflationsrate von 22 % zwischen 1999 und 2012 angegeben, was einer Inflationsrate von 1,9 % pro Jahr entspricht. Auch nicht viel. Die jährlichen Inflationsraten habe ich mir selber ausgerechnet. Dem Leser wird nur die gesamte Inflation über 99 bzw. 13 Jahre mitgeteilt, weil es viel dramatischer aussieht und viel wirkungsvoller ist. Zum maximalen Populismus gehört auch, was "die da oben" an Gehältern und Boni kassieren. Und wenn die Armen nicht vermögender werden, ist die Schuld bei "denen da oben" zu suchen, nicht bei den Armen selber.

Verlegt wurde das Buch im Verlag "Bastei Lübbe", ein Verlag, der eher für Comics und Groschenromane auf billigen Papier bekannt ist. So ein schreckliches Buch habe ich vorher noch nie gelesen. Ich habe nur die E-Book-Version, da kann ich nichts zur Papierqualität dieses Buches sagen. Aber inhaltlich ist das Buch ja billig genug. Ein wirres Zeug; eine Mischung aus Dirk Müller und KenFM, nur ohne Lügenpresse und Weltjudentum. Im Verlag gibt es anscheinend auch niemanden, der auf die Formatierung achtet. Die dachten sich wohl auch: Inhaltlich ist das Buch so schwach, dass man kein Geld für die Aufmachung mehr verschwenden sollte.

Der Stil des Buches ist eine Katastrophe. Auf mich macht es den Eindruck, als hätte man da eine Lose-Blatt-Sammlung zusammengeheftet. Im Text werden die Symbole für Euro (€) und Dollar ($) nicht verwendet, in den Grafiken schon. Mal heißt es "Dollar", mal "US-Dollar". Die Währungsangabe folgt in der Regel der Zahl, aber in Kapitel 7 ist die Währung der Zahl vorangestellt: "Dollar 6000 Zinsen". Erst heißt es "Hartz 4", später dann "Hartz IV". Und warum "Fiatgeld" als "FIAT-Geld" ausgeschrieben wird, bleibt das Geheimnis der Autoren. Die beiden taschenrechnergläubigen Autoren betreiben auch eine Vermögensverwaltung. Nachdem ich dieses wirre Konvolut gelesen habe, frage ich mich, wer auf die beiden Leute reinfällt. Würden die mein Vermögen verwalten, könnte ich nicht ruhig schlafen. Spätestens dann, wenn die Taschenrechner der beiden in Bereiche vordringen, wo er in die E-Notation springt, sollte man auf der Hut sein.


Dienstag, 12. Juli 2016

Subtiler Antisemitismus - Die merken es nicht einmal.

Bei Spiegel Online gibt es immer irgendwas, was mich zu verärgert. Oft sind es die Kommentare zu den Finanzthemen, die Augstein-Kolumne sowieso und regelmäßig gibt's dann einen antisemitischen Artikel. Es geht darum, dass Israel von ausländischen NGOs die Finanzierung offenlegt.

Es geht nicht darum, dass ausländische NGOs verboten werden sollen. Israel wird durch dieses Gesetz  nicht zum Unrechtsstaat. Es ist absurd: Hiesige Linke verlangen doch immer maximale Transparenz, damit man weiß, dass ein BASF-Mitarbeiter aus der Gentechnik-Abteilung der FDP Geld gespendet hat. Aber wenn Israel sich das Recht herausnimmt, dass man die ausländischen Regierungen beim Namen nennt, die beispielsweise "Breaking the Silence" unterstützen, ist man empört. Im Artikel heißt es:

Kritiker sagen, der Vorstoß ziele auf unfaire Weise auf linke Menschenrechtsorganisationen wie Betselem und Breaking the Silence ab. Kritiker der israelischen Siedlungspolitik sollten damit beispielsweise als Außenseiter gebrandmarkt werden. Rechtsgerichtete Gruppen in Israel finanzieren sich vor allem über Privatspenden, die von dem Gesetz ausgenommen sind.
Hierbei ist es entlarvend, dass "Betselem" und "Breaking the Silence" als "linke Menschenrechtsorganisationen" bezeichnet werden, denn demnach ist das antisraelische Ressentiment, welches sich praktisch vom Antisemitismus nicht unterscheidet, Teil der linken Weltsicht. Wenn ein Jakob Augstein seine Kolumne "Im Zweifel links" nennt, dann muss man das als "Im Zweifel antisemitisch" interpretieren.

Bevor die alte Leier wieder losgeht, man müsse Israel kritisieren dürfen und man dürfe nicht vorschnell die "Antisemitismuskeule" schwingen: Diese Organisationen betreiben ihre Kritik an Israel obsessiv. Und wenn man sich diese Kritik genauer anschaut und feststellt, dass das Verhalten Israels im Gegensatz zu dem Verhalten von Hamas und Fatah sehr, sehr moderat ist, dann erkennt man die argumentative Schieflage, die sich nur durch ein tief sitzendes antisemitisches Ressentiment erklären lässt.

Das antisemitische Ressentiment sitzt auch bei manchen deutschen mitunter so tief, dass es in einer Stilblüte wieder folgenden endet: "Israel droht mit Selbstverteidigung". Nicht die initiale nukleare Drohung Irans ist titelgebend, sondern israelische Reaktion.

Bis heute erzählt man sich, dass Israel 700.000 Araber aus Palästina vertrieben hätte. Unter den Tisch fallen die 900.000 Juden, die aus dem gesamten arabischen Raum (Jemen, Libyen, Irak usw.) nach Israel fliehen mussten. Die 700.000 Araber sind noch nicht einmal wirklich geflohen; sie haben sich in freien Stücken dagegen entschieden, israelische Staatsbürger zu werden. Dem jungen Staat Israel wurde der Krieg erklärt. Die Juden in der arabischen Welt aber wurden wirklich verfolgt. Wer Mitleid für die Verbrecher heimatlosen "Palästinenser" hat, aber überhaupt nicht für die vertriebenen Juden, der ist ein Antisemit.

In der Wikipedia wird aufgeführt, wer die beiden genannten Organisationen finanziert. Dass die EU als größter Spender aufgeführt ist, empört mich. Das wird zwar nicht das zentrale Motiv der Brexit-Befürworter gewesen sein, aber die Finanzierung solcher Organisationen ist ein Grund für den Verdruss, was die EU angeht. Die EU finanzierte sogar das Arafat-Mausoleum und das -Museum.

Ich finde, jeder Euro, der nach "Palästina" fließt, ist ein Euro zu viel. Selbst wenn es unter "humanitäre Maßnahme" läuft. Damit finanziert man den Terror von Hamas und Fatah. Die zweigen die Gelder ab, kaufen Waffen und beschießen Israel. Bevorzugt natürlich aus Schulgebäuden heraus, damit damit die israelische Reaktion propagandistisch ausgeschlachtet werden kann und man wieder schreiben darf: "Israel bombardiert Schule".

Die Antisemitismus sitzt mitunter so tief, dass ein Begriff wie "Pinkwashing" aus der Taufe gehoben wurde. Schwule, Lesben und "Transgender" wehren sich dagegen, dass Israel damit argumentiert, dass Israel Homosexuelle nicht verfolgt, Hamas und Fatah aber sehr wohl. Der Antisemitismus muss schon sehr groß sein, wenn einem die Anklage gegen Israel wichtiger ist als die Anklage gegen ein Regime, das Homosexuelle tötet. Homosexuelle, die "Pinkwashing" anklagen, ist der Hass auf Israel wichtiger als der Willen, zu leben.

Sonntag, 3. Juli 2016

Mit dem ASS-Prinzip ein Vermögen aufbauen.

Die Kurseinbrüche infolge des Brexits waren mir schnurzegal. Und die Entwicklung danach gab mir auch recht. Mein Portfolio hat den Kursrücksetzer längst wieder aufgeholt. "Politische Börsen haben kurze Beine." - Wieder einmal wies das alte Sprichwort den Weg.

Was ist das ASS-Prinzip? Es ist ein Akronym und die Buchstaben stehen für aggressiv, stur und stetig. Das ist das, was ich seit Jahren beherzige. Ich denke, ein Portfolio von ca. 160000 € Verkehrswert ist nicht schlecht. Vor sieben Jahren kaufte ich meine ersten Aktien. Zwischendurch war ich kurz arbeitslos und musste auch noch hohe Kosten stemmen. Die Aggressivität habe ich mir erst 2011 angedeihen lassen. Die Dividenden fließen jetzt schon üppig.

Warum muss man aggressiv, stur und stetig rangehen. Ich werde es erläutern.

1. Aggressivität ist deshalb notwendig, weil der wichtigste Faktor beim Spiel des Zinseszins die Zeit ist. Ob man jetzt einmalig einen Geldbetrag b, zum Zinsfaktor p für n Jahre anlegt oder dies periodisch macht, ist egal. Die Formeln sind En = b * p^n bzw. En = b * (p^n - 1) / (p - 1). In beiden Fällen gilt: b geht linear ins Endergebnis ein, der Zinsfaktor polynomiell, die Zeit aber exponentiell. Das heißt, umso früher man beginnt, umso besser. Umso größer kann das n werden. Beim p sollte man auch maximieren, d.h. in Aktien gehen und nicht in Anleihen oder Festgeld. Da ja das n groß gewählt ist, kann man die Volatilität von Aktien problemlos aussitzen. Und natürlich sollte man in den Anfangsjahren eine hohe Sparrate wählen. Ich sprach mal vom Berkersparen.

2. Sturheit ist deshalb wichtig, weil es mit den Kursen hoch und runter geht. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. "Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen." Diese alte Weisheit des Kostolany stimmt: Wer nicht den Schneid hat, die Kurse purzeln zu sehen, der realisiert zu früh seine Gewinne, wenn die Kurse dann mal steigen, denn die Kurse könnten ja jeden Moment wieder purzeln.

3. Stetigkeit ist wichtig. Man muss sich an die Sparraten gewöhnen. Ich mag die psychologischen Argumentationen nicht, aber hier trifft eine zu: Wenn man beispielsweise jeden Monat 500 € in Aktien investiert, dann verändert es das Bewusstsein. Man lebt insgesamt sparsamer, überlegt sich genau, ob dieser oder jener Konsum notwendig ist. Man hat sich an ein höheres Budget für den Konsum noch nicht gewöhnt. Auch nicht zu verachten: Umso früher man beginnt, umso früher macht man auch negative Erfahrungen und natürlich zahlt man auch Lehrgeld.

Ich habe in diesem Jahr schon 20000 € in Aktien investiert; mein Ziel sind die 26000 €. Das schaffe ich. Besonders angetan haben es mir die unterjährigen Dividendenzahler, weil man dann schon nach wenigen Monaten die ersten Früchte ernten  und reinvestieren kann. Dass der Dividendenmonat Mai die reinste Wonne war, schrieb ich schon. Der Juni war aber auch nicht schlecht. Brutto gab es etwas mehr als 1000 € an Dividenden, netto mehr als 700 €. Die Nettodividenden aus Mai und Juni haben im Summe die Konsumausgaben in diesen beiden Monaten übertroffen.

In meiner Familie weiß niemand davon. Von Aktien hat man null Ahnung. Man sieht nur die Kursschwankungen, über die in den Nachrichtensendungen berichtet wird und denkt sich das übliche: Aktien seien etwas für Zocker. Dabei kann es doch ganz leicht sein. Aktien mit gesunden Menschenverstand auswählen, kaufen, schlafen legen. Sich auf andere Dinge konzentrieren. Ich habe mich in den letzten Wochen wenig um die Börse gekümmert. Fernsehsendungen dazu sehe ich ohnehin nie. Ich hatte genug anderes zu tun. Ich habe in den letzten drei Jahren dermaßen viel Investmentlektüre verschlungen, dass mich nun wieder andere Themen reizen.

Und das ist das gute am Aktiensparen: Es ist so schön passiv. Passivanleger sind für mich mitnichten nur ETF-Sparer, sondern jeder Buy-and-Hold-Aktiensparer aufgrund seiner sehr geringen Aktivität. Es bleibt dann genug Zeit übrig, um sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Die Daytrading-Leute müssen viel persönliche Zeit aufbringen und gehen dann doch mehrheitlich pleite.

Freitag, 24. Juni 2016

Brexit geglückt - Was das für uns bedeutet.

Ich muss zugeben, dass ich etwas hin- und hergerissen war, ob nun der britische Austritt vor- oder nachteilhaft für Großbritannien ist. Einerseits bietet die EU einen großen Freihandelsraum, andererseits verlangt der Brüsseler Wasserkopf immer mehr Geld. Ich kann verstehen, dass die Briten da rauswollen.

Und mittlerweile sehe ich mehr Vorteile für Großbritannien. Die Briten können wieder einen Weg der Vernunft einschlagen, ohne dass Brüsseler Richter sich wieder neuen Unsinn im Namen der sozialen Gerechtigkeit ausdenken. Ich denke nur an den Bezug von Sozialhilfe in einem fremden EU-Land. Man denke auch an Unisex-Tarife und Gleichbehandlungsgesetz. Die Privatwirtschaft muss das ausbaden, aber Ausnahmen erhalten nur ausgewählte Institutionen. (Beispielsweise die katholische Kirche, die Homosexuelle, Geschiedene und Evangelen diskriminieren darf, wie sie lustig ist.)
 
Der Selbstherrlichkeit der Brüsseler Kommissare wurde endlich mal mächtig kräftig ins Kontor geschlagen. Und nun sehe ich auch Vorteile für Deutschland, denn mit dem Brexit wird Brüssel geschwächt und die Nationalstaaten werden gestärkt. Hoffentlich machen unsere Politiker das richtige draus. Manfred Haferburg schreibt mir aus der Seele, was das Thema angeht.

Den Absturz an der Börse sehe ich nicht kritisch. Es bieten sich wieder fantastische Gelegenheiten. Daher gilt: Ruhe bewahren, Füße stillhalten.

Sonntag, 12. Juni 2016

Wertvolle Tipps: Lernen Sie Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und E-Mail-Programm

Oft lese ich hier und da Kommentare nach dem Schema: "Ich bin 15 Jahre alt. Mir fehlt noch das Kapital, um an der Börse zu investieren, aber ich möchte lernen."

Als alter Computerhase halte ich folgenden Tipp für sehr wichtig: Lernen Sie eine Tabellenkalkulation. Ich selber bin bin immer überrascht, wenn man Leute damit nicht umgehen können. Ich war 10 Jahre alt, als wir in der Familie unseren ersten Computer hatten. Schon damals dabei: Works 2.0 für Windows. Ich schaute mir an, wie das funktioniert. Später lernte ich noch mehrere andere Tabellenkalkulationen, wie Excel 97, Quattro Pro und sogar noch Lotus 1-2-3, das mit einer Computerzeitschrift zusammen regelrecht verramscht wurde. Ich erarbeitete mir das Wissen, um unter anderem eine Bundesliga-Tabelle zu entwickeln, natürlich farbig hervorgehoben. Heute verwende ich LibreOffice Calc. Ich nutze Linux und da ist die Auswahl an Office-Paketen geringer. Selbst unter Windows würde ich ungern Excel verwenden, da Excel Geld kostet.

Wie man die Software verwendet, entnahm ich einem Buch für Excel 97 (gab es damals billig bei Aldi), aber auch von meiner Mutter, die beruflich bis Ende der 90er mit Framework unterwegs war. Sie war einfach nicht davon abzubringen. Da ich noch Framework kenne, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein richtig alter Hase bin.

Zugegeben, als Informatiker schaut man etwas abfällig auf Tabellenkalkulationsnutzer, da so eine Tabellenkalkulation nichts halbes und nichts ganzes ist. Es ist aber ein sehr guter Mittelweg, den ich mittlerweile schätze, um Daten halbwegs strukturiert zu erfassen und aufzubereiten. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, wie ich Tabellen in einer relationalen Datenbank definieren muss, um meine Anwendung umzusetzen. Die Anforderungen im privaten Bereich ändern zu schnell, als dass die Entwicklung eines relationalen Datenbankdesigns sinnvoll wäre.

Ich nutze die Tabellenkalkulation, um
  • Meine Aktiengeschäfte zu erfassen, Käufe, Verkäufe, Dividenden
  • Ein Buch über meine Ausgaben zu führen (Haushaltsbuch).
  • Zählerstände von Gas- und Wasserzähler zu erfassen
  • Um Steuernummer, Kundennummern, Adressen und ähnliches zu speichern. Wenn ich mal wieder meine Steuernummer suche, öffne ich meine Tabellenkalkulation. Ich wälze weniger in meinen Papierordnern.
Da ich alle meine Ausgaben protokolliere und kategorisiere, konnte ich in den letzten Jahren meine Steuererklärung sehr schnell erstellen. Ich musste nur nach der BU-Rentenversicherung filtern und habe die zwölf Zahlungen gesehen und konnte sie sofort zusammenaddieren. Um die Kosten für das Arbeitszimmer musste ich nur nach der Warmmiete (inkl. Nachzahlung) und den Kosten für Strom und Gas (inkl. Rückzahlung) filtern. Die Daten waren korrekt; ich sparte mir das mehrfache Nachprüfen. Ich musste nur das Gefilterte kopieren, in einer anderen Tabelle aufarbeiten, ausdrucken, Unterschrift druntersetzen und der Steuererklärung beilegen. Ich bin mir sicher: Auch das recht professionelle Auftreten sorgte dafür, dass das Arbeitszimmer letztendlich akzeptiert wurde. Für die Steuererklärung hatte ich in diesem Jahr vielleicht 4 h Aufwand.

Wertvoll finde ich auch Wissen über Textverarbeitung. Man muss sie nicht in allen Facetten beherrschen, aber man sollte wissen, wie man strukturiert Textdokumente erfasst. Dass man ein Stück Text mit einer Formatvorlage wie "Überschrift 2" formatiert anstatt manuell Schriftart, -größe und -dicke festzulegen. Wichtig ist, dass man sich frühzeitig, eine Vorlage für einen Standardbrief erarbeitet. Sowas habe ich seit 2003. Damals habe ich mich mit OpenOffice 1.0 hingesetzt und mir eine schönen Standardbrief mit Adressfenster, Briefkopf, Platz fürs Datum usw. angelegt. Ich verwende die Vorlage seitdem praktisch unverändert. Bei den Versionssprüngen und bei Adressänderungen musste ich natürlich mal nachbessern. Einerseits erspart es einem unheimlich viel Zeit, andererseits macht es einen besseren Eindruck beim Angeschriebenen. Jeder Brief sieht aus wie aus dem Ei gepellt, auch wenn die Angelegenheit banal ist. Und wenn man in so einem gut formatierten Brief mit einem Anwalt droht, bekommt man eher seine Forderung durchgedrückt. Ich unterstrich mal derartig die Forderung nach Rückzahlung meiner Mietkaution, dass ich drei Tage später das Geld auf dem Girokonto hatte. Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit einem gescheiten Briefkopf seine E-Mail-Adresse und Telefonnummer automatisch weiterträgt und die Sie Angeschriebenen schnell und unbürokratisch erreichen können.

Die Erreichbarkeit per Mail sollte man auch dahingehend erhöhen, dass man sich einen richtigen Mail-Client installiert. Im Jahr 2000 bekam ich Anschluss ans Internet und ich besorgte mir sofort eine E-Mail-Adresse und installiert sofort einen Mail-Client. Web-Mailer zu verwenden, war bei mir die große Ausnahme. Der Komfort-Gewinn eines richtigen Mail-Clients (z. B. Icedove/Thunderbird) ist enorm. Man kann viel schneller arbeiten und außerdem wird man benachrichtigt, wenn eine Mail kommt. Ist aber der Browser zu tun, dann ist auch der Web-Mailer nicht mehr da. Mit Grausen sehe ich, wenn jemand, obwohl IT-affin, nur Web-Mailer nutzt.

Der Beitrag war nun sehr allgemein gehalten. Im nächsten Beitrag dieser Art möchte ich mein Tabellendokument vorstellen, mit dem ich meine Aktiengeschäfte protokolliere.