Donnerstag, 16. Februar 2017

Ein Meilenstein geschafft: 200000 € Depotwert

Es ist schon nach Mitternacht, dennoch setze ich mich hin, um etwas zu dokumentieren, was im Laufe des Tages passiert ist: Mein Portfolio hat am 15.02.2017 die 200000-Euro-Marke übersprungen. Glückwunsch!

Eigentlich wollte ich mich am Tage gar nicht um die Börse kümmern, aber ein Blick auf das Smartphone am Vormittag zeigte mir den Sprung über die ominöse Marke. Meine Frage: Bleibt's dabei im Laufe des Tages? Es blieb dabei. Am 16.02.2017 wird der Depotwert vermutlich wieder unter diese Marke fallen.

Runde Zahlen haben ja etwas reizvolles. Daher werden silberne und goldene Hochzeiten gefeiert, der 50. Geburtstag wird auch anders gesehen als der 49. oder 51. Genutzt werden diese Jubiläen für Rückblicke.

Wie lange brauchte ich für die 200000 €? Im April 2009 kaufte ich meine ersten Aktien, d.h. es hat nun 7 Jahre und 10 Monate gebraucht (ingesamt also 94 Monate). 200000 €  / 94 Monate = 2127 € pro Monat. Diese Summe hätte ich Monat für Monat aufbringen müssen, wenn ich zinsfreies, lineares Sparen angewandt hätte. Diese Summe hätte ich nie aufbringen können, denn dann wäre ich verhungert. Ich habe die Kraft des Zinseszinses genutzt und ich empfehle es allen jungen Leuten, es mir gleich zu tun.


Rückblickend muss ich auch sagen, dass ich das Glück hatte, ein gutes Buch zu konsultieren: "Genial einfach investieren" von Prof. Martin Weber. Es hätte ja auch "Das große Buch der Markttechnik" sein können, und dann hätte ich wahrscheinlich Charttechnik betrieben. Auf diesen Irrweg begab ich mich glücklicherweise nie.

Und sicherlich gehört auch eine Prise Mut dazu, sich als Greenhorn 2009 in Aktien zu stürzen. Ich denke, da kommt mir bestimmte Wesenszüge zugute, die mir zu eigen sind. Ich lasse mich weder von zu starker Euphorie noch von der Hysterie anderer beeinflussen. Und natürlich gehe ich die Dinge gerne systematisch an, erlese mir die Dinge. Die Stimmung war ja damals am Boden. Einige haben den Weltuntergangsstimmungsmodus auch nie verlassen. Die Krise 2008 ist nun neun Jahre her. Neun Jahre!!! In diesen Zeiträumen werden Jugendliche zu Erwachsen, es gibt Nationalmannschaftskarrieren, die in solchen Zeiträumen starten und enden Mertesacker und Lahm haben nur zehn Jahre in der Nationalmannschaft gespielt. Der Dauerpessimist als Bundestrainer würde heute noch die Spieler der EM 2008 nominieren: Lehmann im Tor, Ballack im Mittelfeld, Marko Marin als hoffnungsvolles Talent und wahrscheinlich auch Nutella-Kevin.

Wird's bald den Crash geben? Ja, denn nach dem Crash ist vor dem Crash. Es wird immer Crashs geben; die Menschheit irrt sich nach vorne. Ich verstehe nicht, was die Crashpropheten immer dagegen haben? Wenn sie Crashs verhindern wollen, dann wären wir am Ende nicht mehr frei. Auch schizophren - und es ist komisch, dass mir dieser Widerspruch erst jetzt aufgefallen ist - ist es, dass die Crashpropheten Kursrückgänge als Korrektur bezeichnen, also mit etwas Positiven verbinden, aber Crash bleibt Crash, das ist dann der Weltuntergang. Ist der Crash dann etwa keine Korrektur?  Da sieht man, wie selektiv die Wahrnehmung dieser Leute ist. (Namen der Crashpropheten nenne ich ausnahmweise  nicht; die kann man sich ja denken.)

Wie geht's weiter? Wie bisher, natürlich! Im März will ich wieder ca. 3000 € in Aktien investieren. Ich warte noch ein paar Dividenden und die nächste Gehaltszahlung ab.

Sonntag, 5. Februar 2017

Über Börsengurus und Crashpropheten

Ich nahm gestern wieder Kostolanys letztes Buch ("Die Kunst über Geld nachzudenken") in die Hand, in der Hoffnung, das es doch etwas über Crashpropheten bereithält. Und es hat mich nicht enttäuscht. Es im Abschnitt über die Börsengurus zu finden:

"Eigenartigerweise sind die meisten Börsengurus Crashpropheten. Hausse-Gurus gibt es nur wenige."

Nach 20 Jahren stimmt es immer noch: Müller, Friedrich, Weik, Otte, Leuschel - Jeder produziert sich als Crashprophet. Gebetsmühlenartig wird behauptet, der Crash stehe vor der Tür. Plausibel begründet finde ich es nicht. Ich kenne die Bücher von Müller, Friedrich und Weik. Das sind teilweise aneinandergereihte Artikel. Hier eine Andeutung, da eine Andeutung. Vielleicht meinen die Herren Weltökonomen, sie bräuchten nicht stringent argumentieren. Die Herren Weltkökonomen orakeln und Orakelsprüche sind nicht natürlich so formuliert, dass sie am Ende stimmen. So kommt es, dass Friedrich und Weik heute in Talkshows behaupten, dass alles so eingetroffen wäre, wie sie behauptet hätten. Ich hätte glatt Lust, mir die Bücher noch einmal auszuleihen und Punkt für Punkt die Prognosen durchzugehen. Ich bin mir sicher, dass Friedrich und Weik nur selektiv vorgehen, wenn sie meinen, ihre Vorhersagen hätten gestimmt. Mal sehen, ob ich dafür Zeit finde.


Ich halte mich nicht an Crashpropheten. Ich bin Optimist. Ich erinnere mich noch an die Zeit von vor sechs Jahren, als Dirk Müller noch gesellschaftsfähig war und durch die Talkshows tingelte und meinte, Aktien dürfe man nicht haben. Wer darauf hörte, sich stattdessen einen Krügerrand zulegte, weil Müller meinte, vor 200 Jahren hätte man dafür einen Herrenanzug bekommen, und in 200 Jahren gibt's immer noch einen Herrenanzug dafür, hat eine Menge liegen gelassen.

Es war ziemlich dumm, auf die Crashpropheten zu hören und wird es auch bleiben. Man hätte Aktien kaufen müssen. Ich tat es in den letzten sieben Jahren, teilweise begründet mit den gleichen Argumenten. Immerhin hatte die genannten Crashpropheten einen wichtigen Punkt auf der Agenda: Inflation. Aufgrund der Schuldenkrise müssten sich Staat per Inflation entschulden. Diese Ansicht teilte ich. Die Crashpropheten sagten: "Kauft Gold!". Mein Schluss war: Jetzt erst richtig ordentlich Aktien, denn Aktien sind Sachwerte.

Bei Kostolany geht es aber noch weiter:

"Eigenartigerweise sind die meisten Börsengurus Crashpropheten. Hausse-Gurus gibt es nur wenige. Den Weltuntergang zu predigen, erregt eben mehr Aufsehen."

Und ich denke, das ist die Erklärung, warum Börsengurus meistens Crashpropheten werden. Bad news are good news. Daueroptimisten wie Tim Schäfer oder Kolja Barghoorn bekommen keine Einladung zu Lanz oder Maischberger. Mit Optimismus stehen die Chancen schlecht auf ein Kamingespräch mit Volker Panzer. Dirk Müller war da mal eingeladen.

Ich bin optimistisch. Das mag vielen nicht gefallen. Wahrscheinlich kommen die Fans der genannten Crashpropheten gleich wieder aus ihren Löchern gekrochen und bewerfen mich mit ihrem verbalen Unrat. Juckt mich nicht, denn meine Performance der letzten Jahre gibt mir recht und dene unrecht. Ich werbe dafür, optimistisch  zu sein, denn das macht richtig Spaß. Da macht das Wählen der FDP noch mehr Spaß. Ich fand es alle die Jahre belustigend, wie einige Leute meinten, nicht verstehen zu können, wer da immer die FDP wähle. (Ich rechnete der FDP und Westerwelle immer an, dass sie auch Optimismus verbreiteten.)

Ein Vortrag, den ich schon vor ein paar Jahren gesehen habe, ist von Michael Miersch. Natürlich im FDP-Umfeld:





Schaut selbst. Mir gefällt besonders der Schlusssatz, mit dem ich auch diesen Blogartikel beendet möchte: "Nichts ist heute subversiver als Optimismus."

Sonntag, 29. Januar 2017

Der Abzockerfonds zweier Crashpropheten

Ich muss mich schon wieder aufregen. Wenn ich mich aufrege, dann weiß man, was kommt: Entweder geht's um Antisemitismus in den Mainstream-Medien, um Dirk Müller oder Carsten Maschmeyer, oder um die "Weltökonomen" Friedrich und Weik.

Ich habe ihre drei Bücher gelesen. Unverständlicherweise kamen diese Bücher beim Publikum an, qualitativ waren sie aber ziemlich missraten. Vor allem beim ersten Buch hat der Verlag enorm beim Lektoriat gespart; der muss selber sehr überrascht gewesen sein über den Erfolg des Buches.

Warum kamen diese Bücher an? Weil Friedrich und Weik dem Publikum liefern, was es hören will: Die ach so pöse Finanzwirtschaft hätte uns alle im Griff, die Politiker zerstören die Währung und alles würde crashen. Viele wollen nicht hören, dass man sich als Anleger an die eigene Nase fassen muss. Dieses Brett ist eindeutig zu dick, um von Friedrich und Weik gebohrt zu werden. (Tim Schäfer geht den entgegengesetzten Weg)

Von Crash-Propheten halte ich nicht viel. Wer auf einen Crash-Propheten wie Dirk Müller gehört hat, der hat viel Geld verloren und er legt ausgerechnet dann einen Fonds auf, als die dicksten Kursgewinne schon längst gemacht stattgefunden haben. Friedrich und Weik sind nun Dirk Müller gefolgt; sie haben einen Fonds aufgelegt; ich hab's heute in der Finanzküche gelesen und auch dort wird er Fonds kritisieren. Hier sind die Konditionen des Fonds:



Ich finde das heftig.

1. Bei der Performance-Gebühr liest es sich so, dass 7,5 % über der Benchmark erforderlich seien, dass die Performance-Gebühr anfällt. Klickt man auf die "i"-Buttons, dann steht was ganz anderes drin. Ich halte das für eine bewusste Täuschung, weshalb ich das hier per Screenshot noch einmal dokumentiert habe. Damit begeben sich Friedrich und Weik auf das Niveau der Abofallensteller, die wertvolle Informationen im kleingedruckten verstecken. (Es kann gut sein, dass speziell die Zeile mit der Performance-Gebühr in wenigen Tagen abgeändert werden, daher ist es als Screenshot noch einmal dokumentiert.)

2. Die gewählte Benchmark halte ich auch für lächerlich gering. Sie schreiben leider nicht, ob das nun inklusive oder exklusive Dividenden ist. Ich denke eher inklusive Dividenden. Das Geschäftsjahresende ist der 31.05. Klingelt da was? Der Mai ist der Monat, der für Dividenden in Deutschland besonders relevant ist. Am Ende wird's darauf hinauslaufen, dass die im April wie blöde die Dividendenzahler einkaufen, die Dividende kassieren und ausschütten und danach nichts mehr tun, denn die 3 % wurden ja eingefahren, denn ungefähr 3 % schütten die Unternehmen aus. Dann müssen die Kurse nur noch stärker als die Inflation steigen.

3. Die Verwaltungsgebühr von 1,6 % ist auch ganz schön heftig. Deka-Fonds-Manager erblassen vor Neid, weil sie sich nur mit weniger zufrieden geben müssen. Ich habe da mal einen rausgesucht: 1,43 % Verwaltungsgebühren, 3,45 % Ausgabeaufschlag. (F&W verlangen "bis zu 3 %", leider nicht im Screenshot). Die laufenden Kosten sind aber schwerwiegender als die einmaligen Kosten. Ausgabeaufschläge sind einmalig, weil sie pro investierten Euro nur einmal anfallen. Aber der Deka-Fonds ist schon ein Gebührenmonster.

Von Fonds halte ich generell nichts. Ich habe auf Empfehlung des Finanzwesirs "Die große Fondslüge" von Michael Ritzau gelesen. Darin wird erläutert, dass der Anleger mangels Glaskugel über nur einen Schlüssel seine Rendite erhöht: Indem er Gebühren meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Das Video von Horst Lüning über Fonds kann ich jedem nur empfehlen:



Dass die populistischsten Kritiker des Finanzsystems selber ein Finanzprodukt auflegen, ist Realsatire. In wenigen Jahren habe wir wieder einige 10000 geprellte Anleger. Dirk Müller sorgt für weitere 10000. Und der ohnehin schon arg gebeutelten Aktienkultur in diesem Land, versetzt man eine weiteren Dämpfer.

Freitag, 27. Januar 2017

Stokowski macht den "Laberfächern" alle Ehre

Ich schrieb ja bereits, dass ich nicht mehr bereit bin, mich in den SPON-Forum-Schlamm zu begeben. Dennoch juckt's in den Fingern, wenn mal wieder einer der Kolumnisten seine seltsame Weltsicht darlegt. Diesmal geht es um Margarete Stokowski. Ich lege meine Kritik hier dar.

Angeklickt habe ich den Artikel wegen der offensichtlichen Begriffsverfälschung, mit der Nazis und "rechts" gleichgesetzt werden. Linke, die darauf bestehen, als Anarchisten, Trotzkisten, Stalinisten, Marxisten, Maoisten oder was auch immer ausdifferenziert zu werden, machen keinen Unterschied zwischen Konservativen, gemäßigten Nationalisten und den Rechtsextremisten, die wir gemeinhin als Nazis bezeichnen. Alles rechts! Tschüss und Feierabend!

Für jemanden, der vorgibt, Philosophie zu studiert zu haben, dies im Artikel auch noch ausführt und stolz von der Aufgabe in der Logik-Klausur berichtet, ist es ein Armutszeugnis, dass das rechte Spektrum nicht sauber ausdifferenziert wird.

Und wenn man weiter liest, geht's plötzlich um Trump. Trump ist proisraelisch, also was hat er mit Nazis zu tun? Trump hat TTIP aufgekündigt, aber das feiert man am linken und rechten Rand in Deutschland gemeinsam. Eine halbe Wahrheit ist folgende: "Wenn im Moment von "weltfremden" und "elitären" Leuten die Rede ist, dann oft in Angriffen von rechts: Dann heißt es zum Beispiel, Linke würden die wirklichen Probleme der Leute nicht erkennen, die Nöte des kleinen Mannes, das alles."

Der Vorwurf wird nicht von rechts erhoben, sondern kommt auch aus der bürgerlichen Mitte und sogar von Linken. Und die Kritik richtet sich nicht nach links, sondern an die Elite, die in den Medien vernehmlich links, aber in der Politik halb und halb ist. Warum wohl verliert die SPD immer mehr an Zustimmung? Weil sie elitär geworden ist. SPD-Ortsvereine mit Arbeitern, die zum Mittag auch mal zwei Döner futtern, sind mit veganem Multikulti und Unisex-Toiletten nicht erreichbar. Die haben einen von jahrzehntelanger Maloche einen krummen Rücken und kaputte Knie. Die brauchen keine Unisextoilette. Es wird eine Politik gemacht, die die Sorgen und Nöte jener Leute nicht mehr ernst nimmt. Und das sieht man auch in der CDU. Bodenständige Kirchgänger werden mit zeitgeistiger Ökorhetorik vollgelabert und Margot Käßmann reist in den Südpazifik, um das Jahr Lutherjahr 2017 an der Datumsgrenze zu begrüßen und natürlich zu begießen. Sie ist ja trinkfest.

Die politische Elite verbittet sich die Kostenfrage. Die Energiewende darf kosten, was sie wolle. Unisextoiletten dürfen kosten, was sie wollen. Flüchtlinge werden aufgenommen, ohne dass man nach den Kosten fragt. Geht's aber um die einfachen Leute, die das alles finanzieren sollen, brav ihre Steuern entrichten sollen, dann ist man nicht mehr so großzügig. Dann  heißt es, eine Steuersenkung, selbst wenn es nur das Abschmelzen der kalten Progression ist, könne man sich nicht leisten. Dieser Elitismus erinnert doch sehr Marie Antoinette und der ihr zugeschriebenen Äußerung. Die Projekte des kleinen Mannes müssen zurückstehen, wenn die Politik die Welt rettet.

Zum Elitismus gehört auch das Gender- und Queer-Zeug und der ist tatsächlich Kern der Kritik der sogenannten "neuen Rechten". Da werden Theorien aufgestellt, die weder verifizierbar noch falsifizierbar sind. Das macht diese Theorien wertlos. Die Kritik daran wird von vielen vernunftorientierten Wesen geäußert, vereinzelt sogar von Linken, viele aber trauen sich nicht, die Kritik öffentlich zu äußern, denn sie könnte ja den Stempel "rechts" draufgedrückt bekommen.

Ich schätze, die Logikklausurteilnehmerin ist durchgefallen. Ich habe keine Geisteswissenschaft studiert, sondern Informatik. Logik ist meine Domäne und jeder ingenieur- oder naturwissenschaftliche Student kommt damit in Berührung. Im Unterschied zu den "Laberfachstudenten" wird's aber auch verstanden, so meine Einschätzung, und macht Jahre später kein großes Bohei darum.

Im Grunde genommen, labert sie den ganzen Artikel lang und sie macht den Laberfächern alle Ehre. Nazis, Trump, AfD in einem Artikel: Da kann doch nichts gutes bei rauskommen. Die Frau ist Mainstream, aber gleichzeitig mit der Attitüde ausgestattet, sie wäre originell, klug und mutig, und verträte eine Minderheitenposition. Und sowas finde ich ganz furchtbar. In unseren Medien findet man viele kleine Stokowskis.

Freitag, 6. Januar 2017

Aufgespießt: "Das letzte Hemd hat keine Taschen."

Ich habe es in letzter Zeit häufig gehört und gelesen: "Das letzte Hemd hat keine Taschen". Das ist dann das letzte Argument gegen das Sparen, gegen das Investieren.

Aber ich bin ja noch jung und die Wahrscheinlichkeit, dass mir nächste Woche schon das letzte Hemd übergestreift wird, ist doch recht unwahrscheinlich. Warum soll mir diese unwahrscheinliche Ereignis diktieren, was ich zu tun und zu lassen habe? Ich nehme das Komplementärereignis an: Dass ich ziemlich alt werde. Ich übe keinen gefährlichen Beruf aus, ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich treibe viel Sport.

Die Ereiferer, die den Spruch gar nicht oft genug bringen können, haben auch ein Problem: Sie befürworten den Konsum. Wenn sie konsumieren, sich beispielsweise ein viel zu teures Auto kaufen (denn man lebt ja heute), können ihr Auto auch nicht mitnehmen, selbst wenn das letzte Hemd Taschen hätte.

Und gerade weil das letzte Hemd keine Taschen hat, soll man doch keinen Kram kaufen, sondern sich Freiheit kaufen. Für mich ist die Perspektive gar nicht mehr so weit weg. Sie ist schon sehr plastisch. 2016 schaffte ich es, dass meine Kaltmiete von Dividenden gedeckt wurde. 2017 wird's natürlich weitergehen und immer mehr essentielle Lebenshaltungskosten werden durch passives Einkommen gedeckt. Meine Hochrechnungen gehen davon aus, dass mein jetzige Bestand schon reichen wird, um die Warmmiete zu bestreiten. Dann ist es nicht mehr weit bis zur "spätrömischen Dekadenz" (Warmmiete + Hartz-IV-Regelsatz).

Und damit kaufe ich mir Zeit, Ruhe, Entspannung. Raus aus dem Hamsterrad. Man muss ja nicht das endgültige Ziel erreichen, dass 100 % aller Ausgaben gedeckt sind. Es sorgt schon gut für eine entspannte Lebensweise, wenn 70 bis 80 % der essentiellen Kosten abgedeckt sind. Jobs im Niedriglohnbereich kann man ja immer noch annehmen oder man optimiert seine Ausgabenseite.

Ich rede ja auch nur von Dividenden. Es gibt aber auch das Kurswachstum und theoretisch könnte man jedes Jahr einen geringen Teil des Depots entnehmen. Der Restbestand wächst ja nach. In meinem Fall 192000 €. Davon hat man 8 % Rendite. 4 % kommen als Dividende, 4 % als Kurswachstum. Man könnte jedes Jahr ca. 8000 € entnehmen, ohne dass man einen Vermögensverlust erleidet. Es gibt Möglichkeiten und man sollte sie ergreifen und nicht in den Tag hinein leben. Denn wer heute lebt, lebt wahrscheinlich auch morgen und übermorgen.

Der Mensch, der sich den Spruch öfter in letzter Zeit häufiger brachte und mich somit zu diesem Beitrag motivierte, ist ein Kollege, Ende 40. Sein größter Vermögensposten ist sein Haus; das hat er mir so gesagt. Das hat er aber bis heute noch nicht abbezahlt. Er ist auch Fan von Starbucks und Co. und lebt so, dass er auf keinen Fall von der Mittel- in die Oberschicht aufsteigt oder wenigstens in die obere Mittelschicht. Anstatt sich um Geldanlagen zu kümmern (Aktien, Anleihen etc.), schraubt er sich ein zweites Car-Port zusammen und denkt nur daran, wie er Haus und Garten einrichtet. Er muss meinen sparsamen Lebensentwurf mit Aktiensparen als Affront gegen seine Lebensweise werten. Deshalb gibt's wohl die blöden Sprüche. Er wird sich noch umgucken, gehört er doch zu einer der geburtenstärksten Jahrgänge. Die gesetzliche Rente, die er übrigens toll findet, wird von der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr finanzierbar sein.

Wenn man mal überlegt: Er hat noch mindestens 16 Jahre bis zur Rente. Ich könnte in fünf Jahren schon finanziell unabhängig sein. Sein Haus mag in 16 Jahren abbezahlt sein, aber dann wird auch schon das Dach lecken. Ich kann in 16 Jahren schon Millionär sein.

Dienstag, 3. Januar 2017

Der gebührensensitive Berserker - Die optimale Transaktionsgröße

In einem Kommentar zu einem Artikel in Petra Wolffs Blog ("Wie baut man eine Finanzmaschine") erwähnte ich mein Vorhaben, doch mal auszurechen, ob man nun jeden Monat beispielsweise 400 € investieren sollte, alle zwei Monate 800 € oder alle drei Monate 1200 €. Die Mittel, die einem pro Monat zur Verfügung stehen, sind ja begrenzt und die Bank verlangt schließlich Mindestgebühren.

Das Ergebnis ist eine längere Betrachtung im PDF-Format. Es wird etwas mathematischer und da ist mir dieses HTML-Blogspot-Gedöns zu kompliziert. Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, mathematische Formeln zu erstellen. Es gibt zwar den Standard MathML, aber kann "Blogger" das? In der Tradition Adenauers sagte ich mir: "Keine Experimente". Ich habe das gute alte LaTeX verwendet und es ist erstaunlich, mit welcher Effizienz ich das Zeug runtergeschrieben habe. Obwohl ich lange Zeit (mehrere Jahre) nichts mehr mit LaTeX schrieb, ist doch vieles noch abrufbereit.

Daher meine Empfehlung abseits der Finanzen: Lernen Sie LaTeX, wenn Sie im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, eine Ingenieurswissenschaft oder Informatik studieren. Ich hatte Kommilitonen, die sich in den unteren Semestern weigerten und in der Diplomphase regelrecht am Kotzen waren. Bei uns in der Firma hatten wir auch einen Studenten, der seine Bachelor-Arbeit in Word schrieb. Für mich war das unverständlich, denn es sah furchtbar aus. Selbst heute noch sind die ganzen Textverarbeitungen einfach zu kompliziert, wenn es um Formeln und nummerierte Objekte wie Grafiken und Tabellen geht. Einen Teil des Textes habe ich auch gar nicht geschrieben, sondern generiert. Ein Python-Programm war schnell erstellt. Das hat mir den LaTeX-Quelltext für die drei Tabellen ausgespuckt.

Hier ist noch einmal Link zum PDF-Dokument. Viel Spaß beim Lesen. Nach dem Ausarbeiten der mathematischen Betrachtung habe ich für mir schon den Schluss gezogen, Transaktionsgrößen unterhalb von 2000 € zu lassen. Auch ein Berserker sollte seine Spar- und Investitionswut zügeln und an die Gebühren denken. "Berserker mit Kopf" sozusagen.

Sonntag, 1. Januar 2017

Buchempfehlung: "Der neue Untertan - Populismus, Postmoderne, Putin" (Boris Schumatsky)

https://www.amazon.de/gp/offer-listing/3701733775/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3701733775&linkCode=am2&tag=dercoupon-21Ich habe das Buch zu Silvester gelesen und möchte es kurz rezensieren. Der Autor - man erkennt es schon an dem Namen - ist aus Russland. Er lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Deutschland. Der Autor ist sowohl des Russischen und auch des Deutschen mächtig und da sollte man eine kluge Analyse der gegenwärtigen Zustände erwarten.

Und diese Erwartungen werden auch nicht enttäuscht. Der Titel, "Der neue Untertan", zeigt ja, wohin die Reise geht: Der Autor beschäftigt sich mit der Fragestellung, warum Putin so viele Sympathisanten hat, sogenannte "Putinversteher". Ich liebe dieses Wort, weil es treffend das naiv-blinde Verständnis für den Autokraten Putin aufspießt.

Es geht natürlich auch um "links" und "rechts", die sich im Falle Putin doch recht einig sind. Bei AfD und Pegida tummeln sich erstaunlich viele Putinversteher herum. Putin unterstützt auch Victor Orbans Partei und den Front National finanziell, also Parteien vom rechten Rand. Das hält unsere Linkspartei wiederum nicht davon ab, stramm an der Seite Putins zu stehen. Wenn Moskau pfeift, wird gekuscht. Da hat sich seit Ernst Thälmann in dieser Partei nicht viel geändert.

Schumatsky macht folgende Ursachen diese vermeintliche "Querfront" zwischen links- und rechtsaußen  aus: 1. Antiamerikanismus, 2. Antisemitismus, 3. Hass auf den Westen, 4. Hang zu Verschwörungstheorien und einfachen Erklärungsmustern (Schuld sind der Westen, die Amis und die Juden). Ich habe lange auf ein solches Buch gewartet.

Auch ein intellektuelles Problem der Linken spricht Schumatzky offen an. So schreibt er, dass man in Russland die linken Friedensfreunde nicht verstanden hat, die gegen die Stationierung der Pershing-Raketen demonstrierten und dabei die SS-20-Raketen der UdSSR völlig vergaßen. Bedrohungen werden nur dann als Bedrohungen wahrgenommen, wenn sie aus dem Westen kommen. Diese Analyse des linken Denkens teile ich voll und ganz. Bekanntlich ist Krieg immer auch erst dann, sobald sich der Westen beteiligt. Die NATO hat noch nie einen Krieg zwecks Landgewinnung geführt, sondern immer dem Ziel, bestehende Konflikte einzudämmen. Der Krieg im Kosovo bekann für unsere linken Friedensfreunde erst, als NATO-Geschwader ausrückten. Was vorher geschah, war denen wurscht. Wenn eine offizielle NATO-Beteiligung nicht existiert, wird sie herbei gesponnen, wie im Falle des Konflikts in der Ukraine.

Apropos Ukraine: Putinversteher verweisen immer wieder darauf, in der Ukraine regieren nun Faschisten, die der Westen unterstützt. Sicherlich gibt es Faschisten, wie in jeder Gesellschaft dieser Welt. Aber die Swoboda, die faschistische Partei in der Ukraine, hat weniger als 5 % der Stimmen bekommen, was auf einen geringen Rückhalt in der Bevölkerung hinweist. Der Autor spricht auch diesen grandiosen Erfolg der putinschen Propaganda hin, der Putinversteher im Westen glauben lässt, in Kiew wären nun Faschisten an der Macht, während die Nationalisten in Moskau kein Thema ist. Ein schlichtes Gemüt wie Dirk Müller (dem man weder dem linken noch den rechten Spektrum zuordnen kann) berichtet ja auch immer aus seinem Bunker, dass da Faschisten in Kiew an der Macht wären.


Problematisch sehe ich, dass er die Kritik an der schrankenlose Einreise aus den arabischen Ländern mit einem Handstreich wegwischt und in die Populismusecke verbannt.  Die Menschen, die da aus dem arabischen Kulturkreis kommen, sind ja mehrheitlich vom gleichen Schlage wie unsere AfDler, Pegidianer und Linksparteiler, aber mit weniger Hemmung zu Gewalt. Die arabischen Gesellschaften haben es nicht vermocht, eine starke Bourgeoisie herauszubilden. Von dort kommen Untertanen, die sich für ein paar Dinar aufwiegeln lassen und beispielsweise gegen Dänemark demonstrieren. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich möchte diese Leute hier in Deutschland nicht in diesen Massen haben. Wenn wir diese Leute in zu großer Zahl zu uns holen, dann wird sich Deutschland zum Negativen verändern. Auch die Geschehnisse in Köln vor einem Jahr redet er klein. Ich denke heute noch zurück an die antisemitischen Demonstrationen  im Sommer 2014 von "Palästinensern", die skandierten: "Hamas! Hamas! Juden ins Gas!", und "Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein."

Dennoch nehme ich einige kluge Gedanken mit. Gabriele Krone-Schmalz gekommt ihr Fett weg und es ist dokumentiert, wie sie nach Ausreden suchte, nachdem Putin offen zugab, dass die Russen die Krim mit militärischen Mitteln annektiert hatten.

Interessant finde ich auch die Einblicke in die russische Kultur. Das ist aus erster Hand und gewiss nicht von irgendwelchen russophilen Deutschen, die die Armut und die gesellschaftliche Rückständigkeit romantisch verklären. Das haben die Russen nicht verdient, von einer Gabriele Krone-Schmalz oder einem Matthias Platzeck vertreten zu werden. Als ein in der DDR geborener Deutscher möchte ich auch nicht von der Linkspartei vertreten werden und finde es immer beschämend, wenn Journalisten widersinnig behaupten, die Linkspartei würde sich besonders um die Probleme der Menschen in Ostdeutschland kümmern. Diese Leute haben die Probleme einst verursacht; da hieß die Partei noch SED. Wie kann man das vergessen?

Also wer eine gute Analyse zu den gegenwärtigen Entwicklungen rund um AfD, Pegida, den links- und rechtspopulistischen Entwicklungen in vielen europäischen Ländern lesen will, sollte das Buch lesen.