Sonntag, 15. Oktober 2017

Soziale Gerechtigkeit vergiftet die Gedanken

Und der vorherrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig wahrscheinlich die schwerste Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Zivilisation. (F.A. von Hayek)

Es wurde aufgerufen zur Blogparade und mir war sofort klar, dass der Couponschneider nicht schweigen kann und darf. Es geht um die "soziale Gerechtigkeit", die mir obiges Hayek-Zitat immer wieder ins Gedächtnis ruft, und bei mir meistens Unverständnis hervorruft. Nicht das Zitat, sondern die Rufe nach mehr "sozialer Gerechtigkeit". Denn ich halte die "soziale Gerechtigkeit" für das Grundproblem der deutschen Politik in den letzten Jahrzehnten. "Soziale Gerechtigkeit" hier, "soziale Gerechtigkeit" dort. Was wude nicht alles schon zerredet. Prof. Kirchhoff ist nicht an sachlichen Argumenten gescheitert, sondern an Polemiken im Namen der "sozialen Gerechtigkeit".



Von Kostolany wissen wir: Eine halbe Wahrheit ist schon eine ganze Lüge. Ich hatte mal eine Geschichtslehrerin, die in einer ultralinken Partei war und einen Verdienst des Kommunismus herausstellen wollte: "Die Sowjetunion war das einzige Land, das von der Weltwirtschaftskrise nicht erfasst wurde." Das ist faktisch richtig und logisch, denn wenn ein Land nicht an der Weltwirtschaft teilnimmt, wird es von der Krise die Weltwirtschaft betreffend nicht erfasst. Vom Boom aber auch nicht. Dafür hatte die UdSSR ihre hausgemachten "Krisen" aus Missernten, Stümperei und der bewussten Inkaufnahme einer Hungersnot in der Ukraine (Holodomor), die bis heute nicht vergessen ist und maßgeblicher Grund dafür ist, dass die Ukrainer mehrheitlich dem russischen Klammergriff entkommen wollen.

Worauf will ich hinaus? Die Weltwirtschaftskrise sorgte dafür, dass diejenigen im Westen, die auf Pump spekulierten, alles verloren, vom Hochhaus sprangen oder sich zu den Arbeitern bei der Essensvergabe einreihten. Dieses Essen war aber immer noch üppiger als das, es im Sozialismus jener Zeit auf dem Speiseplan stand. Im Sozialismus jener Zeit stand Mord und Todschlag auf der Tagesordnung.

Aber ich muss ja nicht gleich die UdSSR bemühen. Es genügen schon linke Regierungen in Westeuropa. Ich möchte den Fokus auf die Zeit in Großbritannien lenken, bevor Margaret Thatcher Premierministerin wurde. Großbritannien hatte einige Jahrzehnte wirtschaftlichen Niedergang hinter sich. Im Namen der sozialen Gerechtigkeit hatten die Gewerkschaften die britische Wirtschaft im Würgegriff. Verantwortungslos wurde gestreikt, anstatt seine Forderungen - berechtigt oder nicht steht hier nicht zur Debatte - anders Ausdruck zu verleihen. Selbst im Gesundheitssystem wurde gestreikt, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, schon gar nicht als Deutscher. Obwohl die Kassen leer waren, haben die Bergarbeiter für noch mehr Subventionen gestreikt und das im Namen der sozialen Gerechtigkeit. Es war eine glückliche Fügung, dass Großbritannien diese starke Frau als Premierministerin, die den Laden endlich mal aufräumte.

Soziale Gerechtigkeit war spätestens zu jener Zeit zu einer leeren Losung verkommen, die manche Mächtige (Gewerkschaftsführer, linke Politiker) immer wieder in den Ring schmeißen konnten, für die eigenen egoistischen Interessen und immer mit dem Gestus: Wir sind die Unterdrückten! Wir vertreten die Unterdrückten!

Ich sehe das heutige Frankreich wie in der Zeit vor Thatcher. Beispielsweise im Kündigungsschutz: Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern können praktischen niemanden mehr entlassen. Folge ist, dass Frankreich keinen starken Mittelstand hat, denn nutzlose Arbeitnehmer mitschleppen können nur die großen Konzerne wie Carrefour, Capgemini, L'Oreal und Airbus. Was ist das für eine Gerechtigkeit, die die Arrivierten begünstigt? Folge ist natürlich, dass nur ungern Leute eingestellt werden, sobald man in Frankreich an die besagte Schwelle naht. Und daran krankt auch Südeuropa, dass die Leute, die bereits satt in Lohn und Brot stehen, massivst von Kündigungen ausgeklammert werden, um geschützt zu werden. Was ist das für eine Gerechtigkeit, die dermaßen vernachlässigt, ob die Leute überhaupt noch motiviert sind oder überhaupt was taugen? Was nutzt es, die Unternehmen dermaßen die Handlungsfähigkeit zu nehmen und zu schädigen, dass am Ende alle auf der Straße landen? Wie kann man für den Erhalt der Subventionen sein und es auch noch "gerecht" nennen? Warum soll der Job des Bergarbeiter erhalten bleiben, wobei andere, neue Jobs nicht entstehen können, weil einfach das Geld fehlt?


Wann immer mir ein Politiker oder ein Funktionär aus dem sozial-industriellen Komplex mir mit der ollen Kamelle von der "sozialen Gerechtigkeit" kommt, klingelt's bei mir in den Ohren. Das Problem der "sozialen Gerechtigkeit" ist, dass es - wie schon Hayek erkannte - ein Wieselwort ist, das jeder benutzen kann, wie ihm beliebt. Das Publikum klatscht und der politische Gegner ist in der Bredrouille.

Was mich beispielsweise stört, sind dann so Sprüche von deutschen Linken. Als Hartz IV eingeführt wurde, hieß es aus linkem Munde: "Es kann nicht sein, dass ein arbeitsloser Ingenieur dann genauso behandelt wird, wie jemand, der nie gearbeitet hat!" - Ich fand das diese Aussage beschämend. Ein Ingenieur ist ein Akademiker und da erwarte ich einfach, dass er sich selber helfen kann. Als Ingenieur wird er ja auch gut genug verdient haben, bevor er arbeitslos wurde. Warum soll der einen Bonus bekommen, in Form der Arbeitslosenhilfe, die hätte erhalten werden sollen, wenn ich mir die damaligen linken Forderungen aus dem Gedächtnis abrufe. Bedarf denn  die Person Anfang 20, die "nie gearbeitet hat", nicht mehr Hilfestellung? Sollte ein sozialer Staat nicht schauen, wer wirklich Hilfe braucht? Das kann natürlich auch der arbeitslose Ingenieur sein, der 20 Jahre lang gearbeitet und "eingezahlt hat". Aber muss es denn jeder arbeitslose Ingenieur sein?

Wenn man selber nicht dafür aufkommen muss, ist es so schön leicht, Forderungen zu erheben. In die Verlegenheit, auf Bundesebene zu regieren, kommt die Linke auf absehbare Zeit nicht. "Soziale Gerechtigkeit" ist als Schlagwort in der politischen Debatte schnell gefallen und findet ihre Adressaten. Wenn die Linke fordert: "Mehr soziale Gerechtigkeit! Hartz IV abschaffen!", denkt der Hartzer: Super, dann bekomme ich mehr Geld. Und es denkt der Arbeitnehmer: Super, die, die "noch nie gearbeitet haben", bekommen gar kein Geld mehr. Beide wählen dann schlussendlich die Linke.

Ich bin ein alter Freund des Laissez-faire. Der Staat sollte die Wirtschaft machen lassen und nicht alles sofort mit "sozialer Gerechtigkeit" abwürgen. Natürlich werden dann einige Menschen nicht damit klar kommen, wenn ein freiheitlicherer Wind herrscht, aber wären es wirklich so viele, dass ein neuer Pauperismus platz ergriffe? Eher hätten wir mehr Wirtschaftswachstum, mehr Jobs, mehr Steuereinnahmen. Und mit mehr Steuereinnahmen könnte man sich viel eher um die Problemfälle kümmern.


Dass jeder unter "sozialer Gerechtigkeit" etwas anderes versteht, lässt sich schon an dem Fragenkatalog des Blog-Paraden-Initiators erahnen:

Beim Elternhaus? Haben es reiche oder gebildete Kinder leichter?

Selbstverständlich haben es  gebildete Kinder leichter, aber was ist so schlimm daran?

Ist der Start ins Erwachsenenleben einfacher, wenn man in einem gutbürgerlichen Viertel aufwächst, statt in einem Problemviertel?

Selbstverständlich ist es einfacher, in einem guten Viertel aufzuwachsen, ohne Drogen und in einem Umfeld, in dem noch Bücher gelesen werden, so man sich gepflegter Ausdrucksweisen befleißigt und der Dame die Tür aufhält und ihr aus dem Mantel hilft.

Ist die Wahl der Schulform und öffentlich oder privat entscheidend?

Nein, entscheidend ist sie nicht. Eine Schule kann gut oder schlecht sein, öffentlich wie privat.

Das sind nur ein paar Fragen. Die Fragen schneiden ein Themengebiet an, die ein weites Feld sind und zeigen, dass der Autor nicht weiß, was "soziale Gerechtigkeit" ist. Ich kann Sie beruhigen: Ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur, dass es ein politisches Schlagwort, mit dem schon viel Unheil angerichtet wurde.

Ich habe nicht ohne Grund die drei Fragen zitiert: Keine politische Maßnahme im Namen der sozialen Gerechtigkeit kann die Chancen erhöhen. Wollen wir das Elternhaus eliminieren wie im alten Sparta? Dann hätten wir wohl mehr Problemfälle als vorher, denn für ein Kind ist es besser, in liebevoller Umgebung aufzuwachsen.

Wollen wir die Viertel durchmischen? Ich denke, dass auch das nicht funktioniert, denn was nutzt es, wenn die Abgehängten sich über ein Stadtgebiet gleichmäßig verteilen und sich die Probleme von alleine marginalisieren? Und was nutzt es, wenn die privaten Schulen verboten werden?

Statt mit "sozialer Gerechtigkeit" sollte man mit zwei Maßnahmen antworten und die sind schon sehr konservativ:

1. Macht die Schulen und den Unterricht besser. Fordert die Schüler auch. Mich macht es traurig, zu hören, dass man in der erste Klasse nicht mehr das Schreiben lernt, wie es sich gehört. Man ist nur noch am Malen, jedenfalls in meinem Bundesland. Dann kommt das Schreiben nach Aussprache und ohne Orthographie; ein linkes Projekt. Die Kinder aber benötigen in diesen jungen Jahren Orientierung in vielen Dingen. Und beim Lesen- und Schreibenlernen ist es eine Orthographie. Meiner Erinnerung nach konnten alle fast alle Kinder, die mit mir in den 80ern eingeschult wurden, am Ende der ersten Klasse einfache Texte flüssig lesen.

2. Mehr Polizeipräsenz: Gebt die Problemviertel nicht auf, sondern macht öfter mal Klarschiff, dämmt die Gewalt ein und den Drogenhandel. Dann haben die Kinder sicherlich immer noch nicht genauso gute Voraussetzungen wie die Kinder in den besseren Vierteln, aber schon mal bessere Voraussetzungen als vorher. Und das ist eine ganze Menge. Außerdem haben diese Kinder einen Vorteil: Sie haben ein Ziel, den wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg. (Im vorrevolutionären Frankreich war es ein Problem des Adels, dass er diesen Ehrgeiz nicht kannte und auch keine Gefahr, nach unter zu rutschen, folglich gewann das Bürgertum an wirtschaftlicher Macht, hatte insgesamt eine bessere Bildung und formulierte 1789 einen politischen Geltungsanspruch.)

Und für die Arbeitnehmer gilt auch, dass sie sich selber bilden sollten. Finanzliteratur gibt's ja nun en masse. Es muss ja nicht die Finanzpornographie sein; so ein Schrott lese wie "Der Aktionär" lese ich auch nicht. Als Akademiker habe ich mir Dinge dank vernünftiger Bücher selber angelesen; da kam niemand mit einem Nürnberger Trichter.  Und wenn man erstmal ein kleines Portfolio hat, das regelmäßig Dividenden ausschüttet, hat man schon mehr für dieses Land getan als ein Politiker, der die "soziale Gerechtigkeit" besingt: Mindestens eine Person wird höchstwahrscheinlich nicht mehr zum Sozialfall, was den öffentlichen Haushalt für Sozialleistungen entlastet. Davon profitieren die Steuerzahler. Gibt man die Einstellung an die Kinder weiter, profitieren die Kinder die Steuerzahler von morgen.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Und absolute Zahlen und Ergebnisse, die auch verifizierbar sind, sind mir wesentlich lieber als die Arithmetik der "sozialen Gerechtigkeit", die alles nur ins Verhältnis setzt. Die sozial gerechtesten Orte dürften heute demnach die Konzentrationslager in Nordkorea sein, denn dort haben alle Insassen gleich viel: nichts! Und sie haben alle die gleichen Chancen: keine!

Dienstag, 3. Oktober 2017

Platzt die Tesla-Blase?

Bei SPON lese ich gerade, dass Tesla das Produktionsziel verpasst hat. Man wollte im abgelaufenen Quartal 1500 Fahrzeuge herstellen, schaffte aber nur 260. Das ist ziemlich erbärmlich. Musk macht ja normalerweise auf dicke Hose, aber selbst die dicke Hose von 1500 Fahrzeugen pro Quartal ist nicht besonders beeindruckend und die entpuppt sich als ziemlich leer. Die Kapitalgeber werden ihr Kapital bald abziehen wollen, die Aktionäre werden dann alle gleichzeitig ihre Giftpapiere verkaufen wollen und der Kurs würde dann in den Keller rauschen.

Nach dem Lesen des Artikels, wollte ich wissen, was Deutschlands bekanntester Tesla-Fahrer dazu sagt: Horst Lüning. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass er seinen Tesla verkaufen will:


Lünings Lieblingsredewendung ist bekanntlich: "Ein Schelm, der Böses dabei denkt." Dann mache ich jetzt mal den Schelm: Er sagt im Video nicht, dass er sich bereits einen neuen Tesla schon hätte oder bestellt hätte. Und wenn der neue Tesla bereits in der Warteschleife ist, rechnet Lüning nicht mehr mit der Auslieferung. Vielleicht rechnet er sogar mit der Insolvenz Teslas und damit wäre dann auch die Ladeinfrastruktur futsch, die Tesla kostenfrei zur Verfügung stellt.

Will er das Auto, das er sich und der Welt seit Jahren schönredet, im letzten Moment loswerden? Wenn selbst der Tesla-Fan-Boy Lüning Muffensausen kriegt, ist Vorsicht angesagt.

Das Kleinvieh auf dessen Mist der Renditeblumengarten bestens gedeiht - Eine Buchempfehlung

Obwohl ich meine Anlagestrategie gefunden habe, bin ich immer wieder bereit für neue Anregungen. Es gibt diesmal keine Rezension zu einem Buch eines bekannten Verschwörungstheoretikers. Es betrifft auch kein Buch eines Glatzkopf-Rollkragen-Autorenduos. Es geht um das Buch von Werner Heussinger und Christian Röhl: "Cool bleiben und Dividenden kassieren".

Christian Röhl war in letzter Zeit ein gern gesehener Interviewpartner, u.a. beim Finanzrocker. Was er sagte, fand ich interessant und ich bin in den meisten Dingen d'accord. Also entschloss ich mich, das Buch zu kaufen und zu lesen. (Mit einem Kindle kann man ruckzuck loslegen.)

Ich bin positiv überrascht. Das Buch ist kurzweilig geschrieben, beginnt mit "Opa Wilhelm" und die "gute alte Zeit", als man für Fremdkapital noch kräftig Zinsen bekam. Damit legt der Autor den Finger in die Wunde: Die Deutschen wurden jahrzehntelang damit verwöhnt, dass Zinsen auf Fremdkapital nicht nur sicher, sondern auch erträglich waren, wenngleich damals die Inflation auch höher war als heute. Die Folge ist, dass die Masse sich gar nicht am Eigenkapital beteiligen will und sich von der Volatilität an den Börsen abschrecken lässt. Das haben die Autoren gut herausgearbeitet.

Jetzt, in den Niedrigzinszeiten, fiel häufig der Satz: "Dividenden sind der neue Zins". Der Satz stimmt nicht, was die Autoren auch so sehen. Sie weisen auf die Gefahr hin, dass es eine nächste Generation an Kleinanlegern verprellt werden kann, die im Vertrauen auf eine hundertprozentige Sicherheit in Dividendentitel investieren. Daher sollte neuen Anlegern solche Flausen austreiben, selbst wenn die Investition in Aktien mit langfristiger erstmal zu begrüßen ist.

Es entspricht meiner Philosophie, langfristig investiert zu sein. Dividenden müssen nicht üppig sein; ich sehe sie als Qualitätsmerkmal und gebe mich mitunter mit 2 % Dividendenrendite zufrieden, wenn die Dividende mit dem Kurs auch schritt hält. Die Autoren haben herausgearbeitet, dass eine Investition in bestimmte Dividendentitel die Indizes schlägt. Analog zu den Dividendenaristokraten aus den USA definieren sie einen sogenannten Dividendenadel für Deutschland und Europa, aus dem einfachen Grund, weil es auf dem alten Kontinent keine Dividendentradition gibt und praktisch kein Unternehmen die harte Aristokratendefinition erfüllt. Aus Diversifikationsgründen sollte man aber schon in Europa investiert sein.

Die vorgeschlagene Strategie soll "rein mechanisch" und "emotionslos" sein. Die Unternehmen müssen gewisse Kriterien erfüllen bzgl. Dividendenhistorie, Ausschüttungsquote und Dividendenrendite. Die Strategie beinhaltet auch ein Rebalancing. Ich habe ein Problem mit so einer Strategie, denn man kann leicht mit den Daten von gestern eine Strategie definieren, aber eine Garantie ist es nicht. Das mag ich auch nicht an der Leverman-Strategie. Von Rebalancing bin ich kein Freund, denn in dem Moment, wenn ich das Portfolio umstrukturiere, muss ich Positionen verkleinern und andere vergrößern. Da fallen Steuern und Gebühren an und das brauche ich nicht.

Wertvoll fand ich das Buch in der Hinsicht, dass einige Dividendenperlen präsentiert wurden, wie z. B. der Maschinenbauer Dürr. Ich werde meine Strategie nicht ändern, aber wenn ich wieder ein paar tausend Euro übrig habe, werde ich nochmal in dieses Buch schauen und mir die eine oder andere Dividendenperle ins Depot legen.

Ich kann das Buch empfehlen. Die vorgestellte Strategie ist nicht unbedingt das, was ich verfolge, aber es ist immerhin ein langfristig orientierter Ansatz. Die dahinterstehende Philosophie teile ich: Langfristig denken, die Dividenden mitnehmen, immer schön reinvestieren. Ein Dividendenverschmäher war ich nie und meine ersten Dividenden waren Beträge unter 10 €. Aber selbst solche Mickerdividenden reichten mir damals vor acht Jahren, eine Vision zu entwickeln.

Das Wichtigstes des Buches ist aber der Hinweis, dass man cool bleiben möge. Ein "Nieselregen" (wird erwähnt im Buch) an Dividenden, der jeden Monate oder sogar jede Woche Zahlung auf das eigene Konto spült, ist sehr beruhigend. Das ist die Erfahrung, die ich selber schon gemacht habe, kassiere ich doch seit einigen Jahren in jedem Monat irgendwelche Dividenden. Ich habe in diesem Jahr alleine schon 51 Dividendenzahlungen erhalten. Ich freue mich über jede Dividende, egal ob sie den Wert eines Briefportos hat oder ein paar hundert Euro schwer ist.

Dienstag, 19. September 2017

Bitcoins und andere Kryptowährungen - Wann platzt die Blase?

Für Politik begann ich mich bereits vor 16 Jahren zu interessieren. Währungskritische Pamphlete aus dem libertären Umfeld las ich schon damals. Mir ist der Geist, der hinter dem Bitcoin steht, sehr vertraut:

1. Wie beim Gold will man eine Verknappung haben.
2. Es herrscht ein grundsätzliches Misstrauen in den Staat und in die Zentralbanken.
3. Man bildet sich ein, Geld dürfe nicht inflationieren. Um die vermeintlich krasse Geldentwertung zu belegen, werden besonders lange Zeiträume gewählt. Die Inflation im jährlichen Mittel ist aber nicht besonders aufregend. Wohl dem, der rechnen kann.


Ich habe keine Bitcoins und werde auch nie welche kaufen. Auch andere Kryptowährungen lassen mich kalt. Der Gedanken widerspricht den Erkenntnissen der Wirtschaftswissenschaften und der geschichtlichen Empirie: Eine Währung sollte eine leichte Inflation haben, um auf Dauer Früchte zu tragen.

Ich möchte auch keine natürliche Begrenzung, deswegen lehne ich sowohl Gold als auch Bitcoins ab. Warum soll es gut sein, dass die Geldmenge fix zu begrenzen? Schon Bismarck sagte zum Goldstandard: "Der Goldstandard ist wie eine Decke über zweien, die jeder versucht auf sich zu ziehen." - Wenn eine Währung mit leichter Inflation es ermöglicht, dass zwei Decken vorhanden wären und es beide schön muggelig hätten, dann wäre das doch  viel besser.

Geld, wie wir es heute kennen, inflationiert leicht. Es wird mit der Zeit immer weniger Wert. Aber gibt es ein Menschenrecht auf ein Geld ohne Inflation? Alles kann entwerten. Bestes Beispiel sind Lebensmittel. Die stärkste Entwertung dürfte Hackfleisch aufweisen. Warum nicht auch Geld? So wie ein Joghurt kurz vor Ablaufdatum darauf drängt, gegessen zu werden, so treibt die Inflation des Geldes Konsum und Investition an.

Andere Kritiker unseres Geldes, die der Freiwährungen (beispielsweise Chiemgauer), stoßen ins gleiche Horn wie die Goldbugs und Bitcoin-Fanatiker mit ihrer Fundamentalkritik am Währungssystem, kommen aber zu einem anderen Schluss und versehen ihre Freiwährungen mit festgeschriebener Entwertung. Die ist aber wieder schon zu hoch, dass  Sparprozesse gar nicht mehr lohnen. Auch das sehe ich sehr kritisch.

Bitcoins und andere Kryptowährungen sind heute reine Spekulation. Die Leute kaufen in der Hoffnung auf Wertzuwachs, nicht um sich eine Pizza mit Cola davon zu kaufen. Die wären ja schön blöd, angesichts des Kurszuwachses dieser Währungen. Es ist tatsächlich wie bei den Tulpenzwiebeln vor 400 Jahren. Irgendwann wird jemand versuchen, seine Bitcoins in Euro oder Dollar zu tauschen, aber keinen Käufer finden. Dann tritt die Panik ein und die Luft ist aus der Bitcoin-Blase.

Es werden wieder - wie zu Zeiten des neuen Marktes - viele Anleger verprellt werden. Menschen, die zum ersten Mal überhaupt investiert und vielleicht Bitcoins gekauft haben, weil ihnen Aktien nicht geheuer sind, werden bitter enttäuscht sein und hinterher "dem System" die Schuld geben. Das ist ja so problematisch, dass die Naiven sich immer wieder hinten die Fichten locken lassen.

Dabei ist es so einfach: Qualitätsaktien kaufen, Dividenden kassieren, Devidenden reinvestieren.  Am werthalstigen sind doch immer noch die Unternehmen. Die schaffen die essentiellen Güter.  Ich bin zwar kein Freund der Lebemensch-Fraktion, die nicht sparen wollen und gerne den folgenden Spruch auf den Lippen führen: "Ich lebe heute." - Allerdings, man lebt, heute und morgen! Und zum Leben gehören: Essen, Kleidung, Wohnung, Unterhaltung, Mobilität, Energieverbrauch, aber auch unangenehme Themen wie Krankheit usw. Und wenn man sich Teile der Unternehmen kauft, die die entsprechenden Produkte im Portfolio haben, dann ist man auf der sicheren Seite.

Das Auf und Ab der Börse muss man nur aushalten. Dividenden, die aufs Konto eintrudeln, helfen dabei ungemein. Bitcoins werden sich nicht auf Dauer durchsetzen. Hinter normalen Währungen wie Dollar, Pfund, Schekel, Yen und Euro stecken Staaten, die Garantien geben, die man sogar einklagen kann. Staaten mit Armeen, die bereit sind, ihre Nation zu verteidigen, inklusive aller Errungenschaften, wozu eine stabile Währung auch gehört. Bitcoin, zeig mir deine Infanterie!

Ich wage eine Prognose: Da der Erfinder Bitcoins unbekannt ist, werden die Spekulationen um seine Person ins Kraut schießen, wenn die Bitcoin-Blase platzt. Ich bin mir sicher, dass man den Bitcoin auch als jüdische Verschwörung hinstellen wird. Wer heute Bitcoin kauft, ist meistens eher einfach gestrickt, glaubt eventuell an Chemtrails, an die gefälschte Mondlandung und dass die CIA Kim Jong Un an der Macht hält. Mir sind sogar promovierte Leute bekannt, die in diese Richtung denken.

Samstag, 19. August 2017

Der Terroranschlag in Barcelona belegt die deutsche Medienkrise

Und wieder haben sie es getan: Arabische Moslems haben wieder getötet. Mit einem Lieferwagen ist einer der Terroristen im Zickzackkurs über die Flaniermeile "La Rambla" in Barcelona gefahren. 13 Menschen sind schon tot, 119 Menschen sind verletzt. Wie schwer, weiß man nicht, aber man kann davon ausgehen, dass manche so schwer verletzt sind, dass sie in den nächsten Tagen auf der Intensivstation dahinscheiden werden.

Gerd Buurmann fasste gestern ein paar antisemitisch motivierte Straftaten der letzten Tage zusammen. Kommentatoren wiesen ihn darauf hin, dass der Anschlag in Barcelona vor einem koscheren Restaurant passierte, womit auch dieser Anschlag antisemitisch motiviert sein könnte. Da wurde ich hellhörig. Ich begann, zu recherchieren, was die ganzen Medien so schrieben.

Ich habe mir die Artikel bei Spiegel Online, FAZ.net, tagesspiegel.de und welt.de angeschaut. Selbst die konservativ-liberalen Publikationen lassen einem Stich. Den Hinweis auf das jüdische Restaurant findet man nicht, obwohl es eine wichtige Information ist. Ich habe versucht, herauszufinden, woher die Opfer stammen. Logisch, dass deutsche Medien immer erwähnen, wie viele Opfer Deutsche waren. Das ist deutschen Medien nicht vorzuwerfen. Ich weiß aber aus den deutschen Medien, dass 28 der Opfer Franzosen waren und dass die Opfer aus insgesamt 34 Nationen stammen. Ich musste lange nach den Nationalitäten der Opfer suchen und ob auch Israelis dabei waren. Israelische Opfer gibt es allem Anschein nach nicht, aber auf israelnetz.de kann man nachlesen, dass Barcelona ein beliebtes Urlaubsziel von Israelis ist. Ich bin mir sicher, dass die Terroristen genau das wussten und ins Kalkül zogen.

Man muss schon ausländische Medien konsultieren, um an gewisse Fakten zu kommen:

Die Recherche in den deutschen Medien betrübte mich wieder. Es ist ein wenig analytischer Journalismus, es ist ein dummer und oberflächlicher Gesinnungsjournalismus, der wieder einmal weg vom eigentlich Thema führt, um sich dem Lieblingsthema der linken Intelligenzja zu widmen: "Rechte" und "Identitäre". Die eigentlichen Täter waren Moslems. ISIS bekannte sich zu den Anschlägen. Und wie schon nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt geht es wieder nur darum, abzuwehren, dass der Islam kritisiert wird und Muslime unter einen Generalverdacht gestellt werden. SPON schreibt:
Angst oder Offenheit? Nach dem Anschlag müssen sich die Menschen in Barcelona entscheiden, wie sie auf die Tat radikaler Muslime reagieren. Eines scheint klar: Für den Hass der Rechten ist in der Stadt kein Platz.[...]
Die Rechten wollen die Situation für ihre Zwecke nutzen, doch die ganz große Mehrheit der Menschen stellt sich entschieden gegen sie.

Wie in Berlin, als Linke sofort die Situation ausnutzten, um gegen "Rechte" zu demonstrieren, während der deutschen Medienbetrieb dazu applaudierte. Der Hass vieler Moslems gegen die westliche Kultur ist kein Thema. Der Antisemitismus vieler Moslems ist auch kein Thema. Das scheinen wohl beides - ganz im Sinne von Multikulti - als erhaltenswerte kulturelle Eigenschaften der Muslime Schutz zu genießen.

Was ich seltsam finde: Während streng zwischen Islam und Islamismus unterschieden wird, wird das gesamte rechte politische Spektrum in die Nazi-Ecke geschoben, als ob deutsche Konservative Anschläge durchführen. Es wird auch übersehen, dass viele Moslems ideologisch gesehen Rechtsaußen verortet sind, deren Ideologie auf Antisemitismus  und panarabischen Nationalismus beruht. Nicht von ungefähr waren die Araber Hitlers Verbündete, gegen die Briten und Juden. Und auch heute noch gibt es einen Hitler-Kultur im arabischen Raum. In Gaza gibt's eine Boutique namens "Hitler 2", wo es den neuesten Terroristen-Chic zu erwerben gibt. Die schiitische Terrororganisation Hisbollah praktiziert einen Gruß, der mir auch irgendwie verdächtig verkommt.

Interessanter als die eigentlichen Artikel sind dann meistens die Kommentare unter den Artikeln. Beispielsweise in diesem FAZ-Artikel hier. Dort werden Texttafeln einer Demo gezeigt, wo es heißt, Islam sei kein Terrorismus und Muslime seien keine Terroristen. Der Artikel scheint mit der Botschaft zu sympathisieren, denn sie wird nicht kritisiert. Manche Kommentatoren kritisieren aber diese Botschaft scharf. Nun mag es ein Binse sein, dass die meisten Muslime friedliche Menschen sind, aber so eine Botschaft ausgerechnet dann in die Welt zu tragen, wenn gerade Muslime im Namen des Islams gemordet haben, zeugt von einer Menge Chuzpe.
 
Der große Medienskandal dieses Sommers war das Wegschließen der Antisemitismus-Dokumentation durch Arte und WDR, was am Ende nur nach Druck von Außen über die Äther geschickt wurde, aber mit Fußnoten und einem lächerlichen Faktencheck. Eine einmalige Sache im deutschen Medienbetrieb. Der Wert der Dokumentation war groß, und auch ihre Medienkritik traf voll ins Schwarze, wurde durch die Umstände ihrer Veröffentlichung und jetzt noch einmal bestätigt: Es gibt einen weit verbreiteten Antisemitismus, der große Teile der Gesellschaft erfasst, vor allem auch das linke Spektrum, das immer einen Schleier des Schweigens über den Antisemitismus legt, wenn es nicht rechtsextreme Dumpfbacken betrifft. Quo vadis, Deutschland? Wie kann man nur so blind und herzlos sein? Alle Sonntagsreden unter dem Motto "Nie wieder!" werden Lügen gestraft.

Aus den deutschen Medien habe ich aber immerhin die sehr wichtige Information erhalten, dass der Lieferwagen weiß war ("White Pride"). Hätte der Lieferwagen dem "südländischen" Phänotyp entsprochen, wäre dies nie erwähnt worden. Der Attentäter in Virginia war übrigens gar nicht so anders als die islamischen Terroristen. Der Trend geht ganz klar dazu hin, mit Fahrzeugen durch Menschenansammlungen zu brettern. Wurde der Täter in Virginia, Alex Fields Jr., nicht auch einfach nur missverstanden? War er nicht auch ein Israelkritiker? - Komisch, wie man mit zweierlei Maß misst. Multikulti gilt wohl nicht für Rednecks.

Sonntag, 6. August 2017

Die kleine Schwester des Antisemitismus: Antiamerikanismus

Heute jährt sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zum 72ten Male. Sicherlich ist es kein schöner Gedanke, dass über 100000 Menschenleben mit einem Fingerschnipp ausgelöscht wurden. Was mir aber tierisch auf eine Senkel geht sind die alljährlichen Betroffenheitsschreiberlinge zum Jahrestag.

Der moralische Furor steht uns nicht zu. Er ist zudem peinlich, zeugt eigentlich davon, dass nicht darüber nachgedacht wurde. Man begibt sich auf die bequeme absolute Position, dass Atomwaffen prinzipiell nicht genutzt werden dürfen. Bequem ist die Position deshalb, weil man selber nie in der Lage war, sich für oder gegen sie entscheiden zu müssen.

Sicherlich bin ich ein gebranntes Kind, der noch ein wenig DDR-Propaganda im Klassenzimmer inhalieren durfte. Man erzählte uns von den bösen Amis, die zwei amerikanische Städte mit Atombomben ausgelöscht haben. Man zeigte uns auch Fotos vom verbombten Dresden. Mir als Kind ist das damals noch nicht aufgefallen, aber im Rückblick muss ich sagen, dass doch eine Menge ausgeblendet wurde, um die Ereignisse seriös bewerten zu können. Dass man aber 7- und 8-jährige Kinder damit konfrontiert, die zu einer seriösen Bewertung gar nicht in der Lage wären, macht deutlich, was bezweckt wurde.

Als Erwachsener habe ich mich einiges über die Atombombenabwürfe gelesen und mir meine Gedanken gemacht. Ich halte die offizielle amerikanische Position für die plausibelste: Die beiden Abwürfe haben den Krieg schnell beendet und den Japanern wie den Amerikanern, sowie in den von Japan besetzten Völkern enorme Verluste erspart. Die Theorien mancher Historiker, wonach wahlweise der Kriegseintritt der UdSSR ausschlaggebend oder die Japaner ohnehin kapitulieren wollten, finde ich äußerst dürftig. Wo haben die ihre Informationen her? Fakt ist doch, dass die Japaner erst nach Nagasaki einlenkten. Fakt ist, dass die UdSSR auch früher hätte eingreifen können, wenn sie gewollt hätte. War das eigentliche Kriegsverbrechen dann nicht, dass die UdSSR so lange zögerten? Hätte Stalin schon 1943 seine Truppen in die Mandschurei geschickt, dann hätte Japan vielleicht schon 1944 kapituliert? Es wäre gar nicht zu den beiden Atombombenabwürfen gekommen.

Nun macht niemand der UdSSR deswegen Vorwürfe, weil die ja schon enorme Arbeit an der Westfront hatten, zum großen Teil selbst verschuldet durch militärische Inkompetenz. Die UdSSR war sogar Mitinitiator des Krieges in Europa. (Ohne den Hitler-Stalin-Pakt wären die Deutschen nicht in Polen einmarschiert.) Die Vorwürfe an die UdSSR fallen sehr bescheiden aus. Man kapriziert sich auf die Amerikaner und erklären kann ich es mir nur damit, dass da antiamerikanische Bedürfnisse gestillt werden müssen.

Wie jener Kommentar. Da werden Hiroshima, Afghanistan und Irak in einen Topf geworfen und er merkt seine Widersprüche nicht einmal. Diese Art des Antiamerikanismus ist es auch, die mich bewogen hat, mich zu diesem Thema zu äußern. Bombardieren die USA ein Land, wirft man es ihnen vor. Bombardieren sie nicht, wirft man ihnen vor, dass sie tatenlos zuschauen. Bei Sanktionen genau das gleiche. Im Kommentar wird sogar das Abschneiden der Japaner von den Rohstoffen als völkerrechtswidrig angeklagt. Das muss man sich mal vorstellen: Die Japaner besetzen und rauben Südostasien aus, aber das einzige, was der Herr Kommentator anklagenswert findet, ist das Abschneiden von den geraubten Rohstoffen durch die Amerikaner.

Den Westallierten wird ja auch vorgeworfen, die Gleise nach Auschwitz nicht bombardiert zu haben. Diese Anklage fällt größer aus als den Sowjets gegenüber (deren Bomberstaffeln den kürzeren Weg gehabt hätten) und den Deutschen, die das eigentliche Verbrechen begingen. Man stelle sich vor, die Westallierten hätten es getan und die Gleise nach Auschwitz bombardiert? Der Kommentator vom Blog "An und für sich" hätte sich darauf versteift, die Amerikaner hätten "völkerrechtswidrig" die Deutschen von der Rohstoffversorgung abgeschnitten: Textilien, Leder und Zahngold.

Das ist zynisch, aber ich führe nur die Gedankengänge jenes Herrn fort. Der Antiamerikaner schämt sich nicht, solche Gedanken zu haben. Sein Ressentiment lädt er mit moralischer Überlegenheit auf, die er nicht besitzt.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Die "rechtswidrige" Besatzung der Golanhöhen

Immer wieder muss ich lesen, Israel sei Besatzer. Wovon eigentlich? Aus Gaza ist Israel schon lange raus, Cisjordanien ist ein umstrittenes Gebiet. Es war mal besetzt, als Jordanien dort einfiel und Israel vertrieb diese jordanischen Besatzer. Aber heute soll es um die Golanhöhen gehen, denn die sind tatsächlich besetzt. Ausschlaggebend für meinen heutigen Artikel war die Äußerung eines Foristen bei "WELT Online":
Wollen wir mal hoffen das sie nicht mal verurteilt werden für etwas was ein anderer getan hat. Wer ein Gebiet rechtswidrig besetzt hält spielt dort mit dem Feuer. Aber ich verstehe man ist sofort antisemit wenn man nicht pro Israel eingestellt ist.

Ich sehe kritisch, dass er von einer rechtswidrigen Besatzung spricht. Die Besatzung ist eine Folge des Sechstagekrieg von 1967. Formell gesehen war der Sechstagekrieg ein Angriff Israels, aber nicht zum Zwecke der Landgewinnung. Es war ein Präventivschlag gegen Syrien, Ägypten und Jordanien. Diese drei Länder hatten ihre Streitkräfte hochgerüstet und in Stellung gebracht. Hätte Israel nicht diesen Präventivschlag vollzogen, es wäre vernichtet worden. Ich wüsste keinen Präventivschlag aus der Geschichte, der rechtlich und moralisch so sauber zu bewerten ist.

Es wurde der Sinai erobert und als Faustpfand war der Sinai sehr nützlich, um Ägypten einen Friedensvertrag abzutrotzen. Eine andere Eroberung waren die Golanhöhen. Die sind militärstrategisch wichtig. Syriens Artillerie nutzte die Golanhöhen, um Israel zu beschießen.

Der Status quo der Golanhöhen ist seit dem Sechstagekrieg unverändert. Eine Rückgabe sehe ich nicht als zwingend notwendig an. Entscheidend ist meines Erachtens, was die dortige Bevölkerung will und wer verantwortungsvoller mit dem Land umgeht. Eindeutig Israel. Zwingend notwendig für eine Rückgabe an Syrien ist aber ein Frieden zwischen Israel und Syrien. Momentan befinden sich beide Parteien immer noch im Kriegszustand. Im regulären Krieg eine Besatzung als rechtswidrig zu deklarieren, ist unlogisch, weil die Besatzung innerhalb eines Krieges, ein rechtmäßiger Zustand ist.

Ein weiteres Problem ist, dass Syrien Israel nicht anerkennt und nicht bereit ist, mit Israel zu verhandeln. Dass die Golanhöhen von Israel besetzt sind, ist eine logische Folge syrischer Außenpolitik. Nun sind die Golanhöhen schon so lange in israelischer Hand, dass ein Zurückdrehen, selbst wenn es zum Frieden zwischen Syrien und Israel kommen sollte, schwer sein dürfte. Das wäre ein Verbrechen gegen die dort ansässige Bevölkerung. Die meisten dortigen Drusen werden lieber israelische Staatsbürger als syrische sein.

Ist der Kommentator ein Antisemit? Ich denke schon. Er misst mit zweierlei Maß, er verkennt die Situation, warum die Golanhöhen besetzt wurden (gewiss nicht aus Bosheit und Gebietsgewinnung, denn Israel hätte bis Damaskus durchmarschieren können, was sie nicht machten) und er begibt sich die Opferrolle, wonach alle Kritiker Israels des Antisemitismus verdächtigt werden.