Freitag, 6. Januar 2017

Aufgespießt: "Das letzte Hemd hat keine Taschen."

Ich habe es in letzter Zeit häufig gehört und gelesen: "Das letzte Hemd hat keine Taschen". Das ist dann das letzte Argument gegen das Sparen, gegen das Investieren.

Aber ich bin ja noch jung und die Wahrscheinlichkeit, dass mir nächste Woche schon das letzte Hemd übergestreift wird, ist doch recht unwahrscheinlich. Warum soll mir diese unwahrscheinliche Ereignis diktieren, was ich zu tun und zu lassen habe? Ich nehme das Komplementärereignis an: Dass ich ziemlich alt werde. Ich übe keinen gefährlichen Beruf aus, ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich treibe viel Sport.

Die Ereiferer, die den Spruch gar nicht oft genug bringen können, haben auch ein Problem: Sie befürworten den Konsum. Wenn sie konsumieren, sich beispielsweise ein viel zu teures Auto kaufen (denn man lebt ja heute), können ihr Auto auch nicht mitnehmen, selbst wenn das letzte Hemd Taschen hätte.

Und gerade weil das letzte Hemd keine Taschen hat, soll man doch keinen Kram kaufen, sondern sich Freiheit kaufen. Für mich ist die Perspektive gar nicht mehr so weit weg. Sie ist schon sehr plastisch. 2016 schaffte ich es, dass meine Kaltmiete von Dividenden gedeckt wurde. 2017 wird's natürlich weitergehen und immer mehr essentielle Lebenshaltungskosten werden durch passives Einkommen gedeckt. Meine Hochrechnungen gehen davon aus, dass mein jetzige Bestand schon reichen wird, um die Warmmiete zu bestreiten. Dann ist es nicht mehr weit bis zur "spätrömischen Dekadenz" (Warmmiete + Hartz-IV-Regelsatz).

Und damit kaufe ich mir Zeit, Ruhe, Entspannung. Raus aus dem Hamsterrad. Man muss ja nicht das endgültige Ziel erreichen, dass 100 % aller Ausgaben gedeckt sind. Es sorgt schon gut für eine entspannte Lebensweise, wenn 70 bis 80 % der essentiellen Kosten abgedeckt sind. Jobs im Niedriglohnbereich kann man ja immer noch annehmen oder man optimiert seine Ausgabenseite.

Ich rede ja auch nur von Dividenden. Es gibt aber auch das Kurswachstum und theoretisch könnte man jedes Jahr einen geringen Teil des Depots entnehmen. Der Restbestand wächst ja nach. In meinem Fall 192000 €. Davon hat man 8 % Rendite. 4 % kommen als Dividende, 4 % als Kurswachstum. Man könnte jedes Jahr ca. 8000 € entnehmen, ohne dass man einen Vermögensverlust erleidet. Es gibt Möglichkeiten und man sollte sie ergreifen und nicht in den Tag hinein leben. Denn wer heute lebt, lebt wahrscheinlich auch morgen und übermorgen.

Der Mensch, der sich den Spruch öfter in letzter Zeit häufiger brachte und mich somit zu diesem Beitrag motivierte, ist ein Kollege, Ende 40. Sein größter Vermögensposten ist sein Haus; das hat er mir so gesagt. Das hat er aber bis heute noch nicht abbezahlt. Er ist auch Fan von Starbucks und Co. und lebt so, dass er auf keinen Fall von der Mittel- in die Oberschicht aufsteigt oder wenigstens in die obere Mittelschicht. Anstatt sich um Geldanlagen zu kümmern (Aktien, Anleihen etc.), schraubt er sich ein zweites Car-Port zusammen und denkt nur daran, wie er Haus und Garten einrichtet. Er muss meinen sparsamen Lebensentwurf mit Aktiensparen als Affront gegen seine Lebensweise werten. Deshalb gibt's wohl die blöden Sprüche. Er wird sich noch umgucken, gehört er doch zu einer der geburtenstärksten Jahrgänge. Die gesetzliche Rente, die er übrigens toll findet, wird von der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr finanzierbar sein.

Wenn man mal überlegt: Er hat noch mindestens 16 Jahre bis zur Rente. Ich könnte in fünf Jahren schon finanziell unabhängig sein. Sein Haus mag in 16 Jahren abbezahlt sein, aber dann wird auch schon das Dach lecken. Ich kann in 16 Jahren schon Millionär sein.

Dienstag, 3. Januar 2017

Der gebührensensitive Berserker - Die optimale Transaktionsgröße

In einem Kommentar zu einem Artikel in Petra Wolffs Blog ("Wie baut man eine Finanzmaschine") erwähnte ich mein Vorhaben, doch mal auszurechen, ob man nun jeden Monat beispielsweise 400 € investieren sollte, alle zwei Monate 800 € oder alle drei Monate 1200 €. Die Mittel, die einem pro Monat zur Verfügung stehen, sind ja begrenzt und die Bank verlangt schließlich Mindestgebühren.

Das Ergebnis ist eine längere Betrachtung im PDF-Format. Es wird etwas mathematischer und da ist mir dieses HTML-Blogspot-Gedöns zu kompliziert. Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, mathematische Formeln zu erstellen. Es gibt zwar den Standard MathML, aber kann "Blogger" das? In der Tradition Adenauers sagte ich mir: "Keine Experimente". Ich habe das gute alte LaTeX verwendet und es ist erstaunlich, mit welcher Effizienz ich das Zeug runtergeschrieben habe. Obwohl ich lange Zeit (mehrere Jahre) nichts mehr mit LaTeX schrieb, ist doch vieles noch abrufbereit.

Daher meine Empfehlung abseits der Finanzen: Lernen Sie LaTeX, wenn Sie im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, eine Ingenieurswissenschaft oder Informatik studieren. Ich hatte Kommilitonen, die sich in den unteren Semestern weigerten und in der Diplomphase regelrecht am Kotzen waren. Bei uns in der Firma hatten wir auch einen Studenten, der seine Bachelor-Arbeit in Word schrieb. Für mich war das unverständlich, denn es sah furchtbar aus. Selbst heute noch sind die ganzen Textverarbeitungen einfach zu kompliziert, wenn es um Formeln und nummerierte Objekte wie Grafiken und Tabellen geht. Einen Teil des Textes habe ich auch gar nicht geschrieben, sondern generiert. Ein Python-Programm war schnell erstellt. Das hat mir den LaTeX-Quelltext für die drei Tabellen ausgespuckt.

Hier ist noch einmal Link zum PDF-Dokument. Viel Spaß beim Lesen. Nach dem Ausarbeiten der mathematischen Betrachtung habe ich für mir schon den Schluss gezogen, Transaktionsgrößen unterhalb von 2000 € zu lassen. Auch ein Berserker sollte seine Spar- und Investitionswut zügeln und an die Gebühren denken. "Berserker mit Kopf" sozusagen.

Sonntag, 1. Januar 2017

Buchempfehlung: "Der neue Untertan - Populismus, Postmoderne, Putin" (Boris Schumatsky)

https://www.amazon.de/gp/offer-listing/3701733775/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3701733775&linkCode=am2&tag=dercoupon-21Ich habe das Buch zu Silvester gelesen und möchte es kurz rezensieren. Der Autor - man erkennt es schon an dem Namen - ist aus Russland. Er lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Deutschland. Der Autor ist sowohl des Russischen und auch des Deutschen mächtig und da sollte man eine kluge Analyse der gegenwärtigen Zustände erwarten.

Und diese Erwartungen werden auch nicht enttäuscht. Der Titel, "Der neue Untertan", zeigt ja, wohin die Reise geht: Der Autor beschäftigt sich mit der Fragestellung, warum Putin so viele Sympathisanten hat, sogenannte "Putinversteher". Ich liebe dieses Wort, weil es treffend das naiv-blinde Verständnis für den Autokraten Putin aufspießt.

Es geht natürlich auch um "links" und "rechts", die sich im Falle Putin doch recht einig sind. Bei AfD und Pegida tummeln sich erstaunlich viele Putinversteher herum. Putin unterstützt auch Victor Orbans Partei und den Front National finanziell, also Parteien vom rechten Rand. Das hält unsere Linkspartei wiederum nicht davon ab, stramm an der Seite Putins zu stehen. Wenn Moskau pfeift, wird gekuscht. Da hat sich seit Ernst Thälmann in dieser Partei nicht viel geändert.

Schumatsky macht folgende Ursachen diese vermeintliche "Querfront" zwischen links- und rechtsaußen  aus: 1. Antiamerikanismus, 2. Antisemitismus, 3. Hass auf den Westen, 4. Hang zu Verschwörungstheorien und einfachen Erklärungsmustern (Schuld sind der Westen, die Amis und die Juden). Ich habe lange auf ein solches Buch gewartet.

Auch ein intellektuelles Problem der Linken spricht Schumatzky offen an. So schreibt er, dass man in Russland die linken Friedensfreunde nicht verstanden hat, die gegen die Stationierung der Pershing-Raketen demonstrierten und dabei die SS-20-Raketen der UdSSR völlig vergaßen. Bedrohungen werden nur dann als Bedrohungen wahrgenommen, wenn sie aus dem Westen kommen. Diese Analyse des linken Denkens teile ich voll und ganz. Bekanntlich ist Krieg immer auch erst dann, sobald sich der Westen beteiligt. Die NATO hat noch nie einen Krieg zwecks Landgewinnung geführt, sondern immer dem Ziel, bestehende Konflikte einzudämmen. Der Krieg im Kosovo bekann für unsere linken Friedensfreunde erst, als NATO-Geschwader ausrückten. Was vorher geschah, war denen wurscht. Wenn eine offizielle NATO-Beteiligung nicht existiert, wird sie herbei gesponnen, wie im Falle des Konflikts in der Ukraine.

Apropos Ukraine: Putinversteher verweisen immer wieder darauf, in der Ukraine regieren nun Faschisten, die der Westen unterstützt. Sicherlich gibt es Faschisten, wie in jeder Gesellschaft dieser Welt. Aber die Swoboda, die faschistische Partei in der Ukraine, hat weniger als 5 % der Stimmen bekommen, was auf einen geringen Rückhalt in der Bevölkerung hinweist. Der Autor spricht auch diesen grandiosen Erfolg der putinschen Propaganda hin, der Putinversteher im Westen glauben lässt, in Kiew wären nun Faschisten an der Macht, während die Nationalisten in Moskau kein Thema ist. Ein schlichtes Gemüt wie Dirk Müller (dem man weder dem linken noch den rechten Spektrum zuordnen kann) berichtet ja auch immer aus seinem Bunker, dass da Faschisten in Kiew an der Macht wären.


Problematisch sehe ich, dass er die Kritik an der schrankenlose Einreise aus den arabischen Ländern mit einem Handstreich wegwischt und in die Populismusecke verbannt.  Die Menschen, die da aus dem arabischen Kulturkreis kommen, sind ja mehrheitlich vom gleichen Schlage wie unsere AfDler, Pegidianer und Linksparteiler, aber mit weniger Hemmung zu Gewalt. Die arabischen Gesellschaften haben es nicht vermocht, eine starke Bourgeoisie herauszubilden. Von dort kommen Untertanen, die sich für ein paar Dinar aufwiegeln lassen und beispielsweise gegen Dänemark demonstrieren. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich möchte diese Leute hier in Deutschland nicht in diesen Massen haben. Wenn wir diese Leute in zu großer Zahl zu uns holen, dann wird sich Deutschland zum Negativen verändern. Auch die Geschehnisse in Köln vor einem Jahr redet er klein. Ich denke heute noch zurück an die antisemitischen Demonstrationen  im Sommer 2014 von "Palästinensern", die skandierten: "Hamas! Hamas! Juden ins Gas!", und "Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein."

Dennoch nehme ich einige kluge Gedanken mit. Gabriele Krone-Schmalz gekommt ihr Fett weg und es ist dokumentiert, wie sie nach Ausreden suchte, nachdem Putin offen zugab, dass die Russen die Krim mit militärischen Mitteln annektiert hatten.

Interessant finde ich auch die Einblicke in die russische Kultur. Das ist aus erster Hand und gewiss nicht von irgendwelchen russophilen Deutschen, die die Armut und die gesellschaftliche Rückständigkeit romantisch verklären. Das haben die Russen nicht verdient, von einer Gabriele Krone-Schmalz oder einem Matthias Platzeck vertreten zu werden. Als ein in der DDR geborener Deutscher möchte ich auch nicht von der Linkspartei vertreten werden und finde es immer beschämend, wenn Journalisten widersinnig behaupten, die Linkspartei würde sich besonders um die Probleme der Menschen in Ostdeutschland kümmern. Diese Leute haben die Probleme einst verursacht; da hieß die Partei noch SED. Wie kann man das vergessen?

Also wer eine gute Analyse zu den gegenwärtigen Entwicklungen rund um AfD, Pegida, den links- und rechtspopulistischen Entwicklungen in vielen europäischen Ländern lesen will, sollte das Buch lesen.

Freitag, 30. Dezember 2016

Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: Keine Schlammschlachten mehr bei SPON

Ich habe es vor wenigen Tagen getan: Ich habe meinen Account bei SPON deaktiviert. Es ist vorbei. Die dortige Zensur geht mir doch mächtig auf den Zeiger. Da schreibt man umfangreiche und seriöse Beiträge, die dann in der Zensur hängen bleiben, weil man beispielsweise die schrankenlose Einwanderung kritisiert. Das tue ich seit ein paar Jahren. Das kann man tun, ohne in billige AfD- oder Pegida-Polemik zu verfallen. Aber nichts ist so ärgerlich wie ein Zensor, der intellektuell derart überfordert ist, dass er begründete Kritik nicht von Fremdenfeindlichkeit unterscheiden kann.

Der "Hate Speech" der Linken kommt ja ungeschoren durch und bleibt dann zu oft unwidersprochen. Das Fass endgültig zum Überlaufen brachten aber zwei Begebenheiten in der letzten Woche:

1. Meine Kritik an Barack Obama, der zum Ende seiner Amtszeit noch einmal eine antisemitische Duftmarke gesetzt hat. Offenbar hat man bei SPON keine Lust mehr zu hören, dass 99 % der Israelkritik schlichtweg klassischer Antisemitismus ist. Viele Kommentare unter Artikeln zu Israel sind antisemitisch. Dann wird gerne auf den Teilungsplan von 1948 verwiesen. Ist es redlich, wenn die proarabische Partei sich hinter den ursprünglichen Teilungsplan verkriecht und Israel verbal angreift, obwohl sie 1948 mit einer Kriegserklärung diesen Teilungsplan ablehnte. Den Krieg verloren die Araber, wie alle Kriege danach, bis auf einen einzigen: Die medialen Krieg. Die Europäer mit ihrer antisemitischen Tradition glauben praktisch alles, was Hamas und Fatah medial aufbereiten.

2. Mein Wunsch an den  Zinsschnäppchenjäger Tenhagen, doch mal etwas substantielles zu bringen, etwas über Finanzmathematik, Stochastik, Aktien usw. Es ist doch traurig, dass die Leute mit Breitenwirkung derart versagen. Christian Kirchner hat's versucht vor einigen Jahren bei SPON; die Resonanz war ja auch nicht immer gut.


Diese Auseinandersetzungen mit diesen häufig sehr dummen und ignoranten Leuten kostet auf Dauer sehr viel wertvolle Lebenszeit. Wenn ich dennoch einen Artikel bei SPON lese, den ich kritisieren wünsche, dann werde ich das über meine Blog tun, wie ich das schon mal im Falle des Zeitungsdiebes Bernd Krahmer gemacht habe bzw. machen musste, weil die Diskussionsmöglichkeiten bei SPON zu dem Zeitpunkt schon sehr eingeschränkt waren.

Gegen so viel Ideologie und Dummheit kann man gar nicht anstinken. Nun treiben sich auch DDR-Fans in den Foren herum und halten der DDR zugute, sie hätte nie einen Auslandseinsatz der NVA veranlasst. Als ob der formale Umstand, dass die Streitkraft einen Auslandseinsatz durchführt, das entscheidende Kriterium wäre. Für die USA war der gesamte zweite Weltkrieg ein Auslandseinsatz. Waren die USA nun moralisch verwerflicher als die UdSSR oder Hitler-Deutschland? Wem die Frage nach dem Warum eines Auslandseinsatzes, zu viel ist, ist gar nicht Argumenten und schon gar nicht an einer besseren Menschheit  interessiert. Das ist nur vorgeschoben, um seine Ressentiments auszuleben. Auch beliebt ist die Gleichsetzung der Praxis der Todesstrafe in den USA mit der Praxis in China, Iran oder Nordkorea. So eine Gleichsetzung verbittet sich, da in den USA die Todesstrafe für Kapitalverbrechen vorbehalten bleibt, es ordentliche Gerichte gibt und Todesstrafe erst nach Jahrzehnten vollzogen wird, und daher Zeit bleibt, um Fehlurteile zu revidieren. In den anderen Ländern wird man wegen Kinkerlitzchen hingerichtet und das geht dann recht fix. Im Iran werden Homosexuelle an Baukränen aufgeknüpft.

In Deutschland driftet man nach links ab. Die DDR-Diktatur wird verharmlost, ein ubiquitärer Turbokapitalismus wird herbeifantasiert, liberale und konservative Standpunkte werden als "rechts" denunziert, auch weil man "rechts" gleichsetzt "rechtsextrem" meint. Für die Auseinandersetzung mit den Argumenten ist man sich zu schade. Der Islam wird verharmlost, genauso auch der Linksterrorismus. Wenn Islamisten wieder zuschlagen, macht man erstmal eine "Demo gegen rechts", denn die "Rechten" könnten ja den Anschlag instrumentalisieren. Der Witz ist: Wer zwei Tage nach einem solchen Anschlag so eine Demo gegen Dritte organisiert, instrumentalisiert die Opfer des Anschlags.

Wenn man dagegen halten will, muss man mit guten Argumenten auf einer geeigneten Plattform dagegen halten. Im SPON-Forum geht's leider hoffnungslos verloren. Daher: Tschüss, SPON. Versinke in deinem eigenen antisemitischen und antiamerikanischen Dreck.

Dienstag, 27. Dezember 2016

"Millionärsformel": Alter Wein im kaputten Schlauch

Auf Youtube wurden mir in letzter Zeit häufiger Interviews mit Carsten Maschmeyer angeboten. Wer Carsten Maschmeyer nicht kennen sollte: Er war Gründer des AWD und man zog ihn als "Drückerkönig" vor wenigen Jahren durch die ARD-Manege. Meines Erachtens zu recht, denn Strukturvertriebe bringen der Kundschaft recht wenig und die Methoden innerhalb eines Strukturvertriebes sind schon recht zweifelhaft. Dort wird ihnen kompliziertes Zeug aufgeschwatzt, das eigentlich intellektuell nicht durchdrungen wird, es sei denn, man ist mathematisch recht gut beschlagen. Carsten Maschmeyer, auch als Ungeheuer von Loch Masch verschrien ("Maschi"), ist durch seinen Strukturvertrieb zum Multimillionär wenn nicht gar zum Milliardär geworden.

Worum geht es denn in den Interviews? Er hat ein Buch veröffentlicht: "Die Millionärsformel". Untertitel: "Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit". In den Interviews gibt er sich vernünftig, geläutert, wartet sogar mit guten Anmerkungen auf. Das ist der Grund, weshalb ich mir das Buch zu Gemüte gezogen habe. Die Stadtbibliothek hatte es als eBook vorrätig.

Positiv finde ich, dass er betont, wie wichtig das Sparen ist, dass man sich die kleinen Dinge (Coffee to go etc.) spart und anlegt. Aber sonst bin ich dann doch enttäuscht, dass er dann so ein banales Zeug zu Papier bringt. Er erläutert die Wirkung  des Zinseszinses anhand von zig Tabellen; mit den Formeln dafür aber hält er hinterm Berg.  (Ich kenne sie, aber es wäre gut, wenn jeder Leser sie nach dem Lesen des Buches kennt.)

Das Buch ist durchzogen mit Motivationsgequatsche: "Fangen Sie jetzt an!", "Nur eine Vision, die wirklich visualisiert wird, kann zum Magneten werden[...]" Und natürlich geht er mit Beispielen hausieren, um zu zeigen, wie man zur ominösen Million kommt. Er nennt auch Rezepte: Aktien, empfiehlt aber in alter Strukki-Tradition Fonds, denn dort würden "Experten" das Portfolio verwalten. Geradezu irrwitzig ist es, dass auch er noch Riester, Rürup und Wohnriester empfiehlt. Die Förderung beim Wohnriester solle man sich entgehen lassen. Generell empfiehlt er, keine staatliche Förderung liegen zu lassen. Strukki halt. Seine "Millionärsformel" enthält die "staatliche Förderung" als Faktor, ich zitiere aus seinem Buch:

{[Gehalt + Einkommenssteigerung - Ausgaben = Reichtumsbasis] + staatliche Förderung } x Rendite x Zeitdauer = Wunschvermögen

Damit erweist er den Lesern einen Bärendienst. Wer in der Vergangenheit auf staatliche Förderung setzte bzw. auf staatliche Privilegierung, der wurde hinterher enttäuscht, egal ob Kapitallebensversicherung, private Rentenversicherung, Betriebsrenten, Filmfonds und Schiffsfonds. Der Staat hat immer das Gesetz im Nachhinein zu seinen Gunsten geändert. Es mussten dann sogar Steuern rückwirkend nachgezahlt werden.

Und das macht das Buch unglaublich schlecht, weil falsch. Mich erinnert das an den folgenden Witz: Der Broker ruft bei seinem Kunden: "Ich empfehle Ihnen, IBM aufzustocken." - "Was? Ich wollte eigentlich verkaufen." - "Auch nicht schlecht!" Auch wenn Maschmeyer nichts mehr durch "Finanzdienstleistungen" verdienen sollte, so merkt man ihm den Strukki immer noch an. Da ist einerseits das, was er empfiehlt: Hauptsache es fallen Gebühren und Provisionen an, andererseits benutzt er Strukki-Deutsch: "Sobald Sie Ihre Einstellung zum Reich- oder zum Noch-reicher-Werden optimiert haben[...]" - Da wird mir blümerant.

Immerhin empfiehlt er das Sparen und dann habe ich einen ganz konkreten Spartipp für Sie: Sparen Sie sich das Geld für dieses Buch, aber auch die Zeit. Ich habe nichts bezahlt, aber ärgere mich dennoch, dass ich Zeit aufgewandt habe. Der praktische Nutzen tendiert gegen null. Er bietet keine Orientierung, wenn er alle komischen Finanzprodukte gleichermaßen empfiehlt, auf Risiken von Immobilien gar nicht eingeht und die schwache Rendite von Gebührenfressern wie Aktienfonds überhaupt nicht erwähnt.

Da gibt es bessere Bücher. "Der reiche Mann von Babylon", der Motivation wegen. "Auf eigene Faust", der praktischen Hinweise und der Motivation wegen. Wegen der Mathematik sollte man sich ein Fachbuch zur Finanzmathematik besorgen, z. B. "Einführung in die Finanzmathematik". Oder lesen Sie Finanzblogs. Sein Buch beschert vor allem einer Person zusätzliches Einkommen und Vermögen: dem Autoren. Sein Buch wird ja auch überall plakatiert; das konnte ich heute sehen, als ich mit der S-Bahn fuhr. Der Strukki verkauft sein Buch generalstabsmäßig. Das macht ihn zu Deutschlands Generalfeldstrukki.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Bilanz 2016 - Ziele für 2017

Wie in jedem Jahr möchte ich auch in diesem Dezember kurz resümieren, wie das Börsenjahr für mich war. Die letzten Dividenden des Jahres sind auf mein Konto geflossen und damit kann ich eine Bilanz ziehen.

Die Ziele für 2016 definierte ich am 20. Dezember 2015. Dort heißt es:
  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken (Geld wird nur gespeist aus Gehalt und Dividenden. Mögliche Aktienverkäufe werden gegengerechnet.)
  2. Der Wert meines Depots soll mindestens 173000 € betragen.
  3. Die Dividenden sollen mindestens 6100 € brutto betragen.

Ziel 1 habe ich erreicht. Es waren am Ende 30004,13 €, die ich 2016 investiert habe. Ich habe mich von einer Position getrennt. Der Verkaufserlös ist von den 30004,13 € bereits abgezogen. Das ist schon Wahnsinn, da 30000 € p.a. 2500 € pro Monat bedeutet. Wo habe ich nur so viel Geld her? Ich habe ja währenddessen nicht unter der Brücke gehaust und mich von Läusen ernährt.

Ziel 2 habe ich erreicht. Mein Depot hat 191000 € überschritten. Und meine Dividenden betragen 6479,16 € brutto bzw. 5028,03 € netto. Ziel 3 ist damit auch erfolgreich abgehakt.

Ich fragte mal vor einigen Jahren in einem Finanzforum, ab welcher Höhe das Aktiendepot Spaß mache. Eine richtige Antwort bekam ich nicht; ich glaube, die verstanden die Frage nicht. Kolja Barghorn hat in einem seiner Videos kurz angemerkt, dass das alles erst ab 100000 € so richtig Spaß mache. Das kann ich so nur bestätigen. 1 % Steigerung des Depots, wie man es praktisch jeden Tag erleben kann, bedeutet bei 100000 € Anlagevermögen schon 1000 €. Und die Dividenden sind auch schon ordentlich. Ab 100000 € Depotwert kann man sich von den Dividenden schon deutlich mehr leisten als Döner mit Cola.

Wie sieht denn nun die Verteilung der Dividenden im Jahre 2016 statt? Eines meiner Nebenziele ist es, in jedem Monat wenigstens dreistellig zu kassieren. Das habe ich 2016 noch nicht geschafft, aber 2017 werde ich es wohl schaffen. Wie man aber sieht, gibt es ein deutliches Übergewicht im Mai:

Das sind meine deutschen Dividendenzahler. Ich habe kein Problem mit dem Ungleichgewicht und strebe auch nicht an, die Dividenden ungefähr gleichverteilt in allen Monaten zu bekommen. Änderungen zwischen den Jahren rühren meistens daher, dass Auszahlungstermine von Anfang Mai in den April rutschen und umgekehrt. Solche Effekte wird es auch 2017 geben.

Wie haben sich die Dividenden bis heute entwickelt? Wie in jedem Jahr gibt es auch hier ein fesches Diagramm:
Dann man schön sehen, dass es mit den Dividenden stetig hoch geht. Ich führe aber noch ein zweites Diagramm, das alle erhaltenen Dividenden bis zum Tag x darstellt:
Die blaue Linie zeigt die Bruttodividende. Die ist bei über 19000 €. Die Nettodividenden belaufen sich bislang auf über 15500 €. Für die ersten 5000 € netto brauchte ich fünf Jahre. 2016 bekam ich 5000 € netto im Jahr. Und wie hat sich mein Depot entwickelt? Auch da gibt es ein Diagramm:





In der Anfangszeit habe ich das noch nicht mitgetrackt. Ich versuche aber seit diesem Jahr, wenigstens einen Depotwert pro Woche zu notieren. In jüngster Zeit hat das besonders Spaß gemacht, weil Trump die Kurse steigen ließ.

Was also sind nun meine Ziel für 2017?

  1. 25000 € will ich investieren. Es ist ein wenig weniger als im letzten Jahr. Ich gehe von etwas  weniger Boni und Zulagen im Jahr 2017 aus.
  2. 220000 € soll der Wert meines Depot betragen, auch wenn ich weiß, dass ich darüber wenig Macht habe. Vielleicht gibt es ja - wie im Januar 2016 auch - zwischenzeitlich satte Einbrüche. 2016 konnte ich sie noch super nutzen.
  3. 8100 € will ich an Dividenden kassieren, brutto natürlich. Der aktuelle Bestand meines Depots gibt bereits 7400 € her, d.h. 700 € fehlen noch.

Was es noch anzumerken gibt: Ich hätte 2016 sogar noch mehr investieren können. Ich hatte vermeidbare Ausgaben im privaten Bereich. Außerdem nehme ich auch ein paar tausend  Euro mit ins neue Jahr; im Dezember investiere ich gewohnheitsmäßig wenig.

Im Jahr 2016 wohnte ich schon "kostenlos". Die Nettodividenden übertraf die Nettokaltmiete des ganzen Jahres. 2017 werde ich auch die Nebenkosten durch Nettodividenden abdecken und die Kosten fürs Internet auch.

Der Wertzuwachs des Dollars ließ die Dividenden aus den USA anschwellen. Dieser Effekt wird 2017 noch anhalten. Das nutzt mir aber wenig, da ich recht große britische Positionen halte und das Pfund hat ja einiges an Wert eingebüßt. Das hält sich alles ungefähr die Waage. Aber es ist interessant, dass man solche Effekte erreicht, wenn man nur ein wenig diversifiziert. Wie sieht überhaupt meine Diversifikation im Dezember 2016 aus? Deutschland macht den größten Batzen aus, dann kommen die USA und dann auch schon Großbritannien:

Bei den Branchen ist es wesentlich ausgeglichener und vielfältiger:





Seit diesem Jahr berechne ich auch den internen Zinsfuß meiner Börsentätigkeit. Er beträgt 12,59 % brutto p.a. seit 2009. Meine aktuellen Positionen sind in Summe mit 43000 € im Plus. Ich hatte ja in den letzten Jahren auch einige Verkäufe mit Gewinn bzw. Verlust, sodass Kursgewinne noch größer sind. 43000 € sind also nur die unrealisierten Kursgewinne. Bedenkt man, dass ich auch schon über 15000 € an Nettodividenden kassiert habe, bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie stark die Zinseszinseffekte sein müssen. Hätte ich keine Rendite, hätte ich innerhalb von acht Jahren Berufstätigkeit 23875 € p.a. zurücklegen müssen, um auf 191000 € zu kommen. Das ist praktisch unmöglich als Berufsanfänger.

Ich hätte es mir nicht zu träumen gewagt, dass die Kursgewinne schon nach wenigen Jahren theoretisch dazu ausreichen, dass ich mir ein nettes Auto, so eine richtige Angeberkarre, kaufen kann. Ich werd's nicht tun. Das ist übrigens der Unterschied zu Justin: Mir reicht es zu wissen, dass ich die Angeberkarre bar bezahlen kann, die er sich auf Pump kauft.

Ich höre doch jetzt nicht auf, gerade jetzt, wenn die Zinseszinseffekte zu wirken beginnen.


Dienstag, 20. Dezember 2016

Das tapfere Couponschneiderlein

Es war einmal in einem nicht ganz so weit entfernten Land ein junger Mann mit Talent und Fleiß, der sich mit seinem Brotberuf zwar zufrieden, aber nicht ausgelastet fühlte. Und er wusste, dass er für das Alter vorsorgen musste. Er holte sich Rat beim Weber, er kaufte sich seine ersten Aktien und machte im ersten Jahr gleich 7 % Rendite. Er sagte sich, das müsse er der Welt mitteilen, wie einfach das mit den Aktien sei. Er nähte sich einen Wams und bestickte ihn mit: "7 % auf einen Streich", und begab sich so auf seine Missionsreise.

Nach ein paar Monaten wurde er sesshaft in einer neuen Stadt eines anderen Königreiches. Im neuen Umfeld kursierten Erfahrungsberichte über die Rentenriesen: Rürup und Riester. Das Couponschneiderlein konnte die größten Gefahren noch abwenden. Die neuen Kollegen konnten davon überzeugt werden, dass der Abschluss solcher Policen nichts bringt. Sich selbst hat er sich dessen auch noch vergewissern müssen. Die Rentenriesen bringen keine "7 % auf einen Streich".

Unbehagen bereitete auch die Strukki-Wildsau, die vorzugsweise in der Nähe von Universitäten und Studentenwohnheimen ihr Unheil angerichtet und alles verwüstet hatte. So manches Rosenbeet musste dran glauben. Neue jüngere Kollegen berichteten von ihren Terminen mit der Strukki-Wildsau. Das Couponschneiderlein konnte das schlimmste noch verhindern, indem er die Kollegen aufklärte. "7 % auf einen Streich"  war noch nicht überzeugend, aber immerhin wurde das Geld der Kollegen in Festgeld und Tagesgeld umgeschichtet.  Da war es schon mal sicher vor der Wildsau und den Rentenriesen.

Zu Höherem berufen, begab sich das Couponschneiderlein an den Hofe des Königs, um seine Dienste anzubieten, um eine Aktienkultur im Königreich zu verankern. Skeptisch schauten König und Berater: "7 % auf einen Streich will dieser hemdsärmlige Jungmann geschafft haben? Das soll funktionieren?" Der König sprach: "Wir werden dich anhören, aber du sollst uns zuerst einen Gefallen erweisen. Eine Strukki-Wildsau treibt ihr Unwesen in meinem Land. Erledige es und wir schenken dir Gehör."

Der Couponschneider zog von dannen, und überlegte sich, wie er die Wildsau erledigt. Eine Medienkampagne setzte der Wildsau bereits mächtig zu. Zusätzlich schnappte eine lispelnde Venusfalle zu und zu guter Letzt auch die Falle des Couponschneiders: die MIFA-Investmentfalle. Der Couponschneider wusste ja vom Altmeister Buffet: "Nichts kaufen, was Räder hat.", zudem wusste er um den Ruf von MIFA: "Mit MIFA fährt man nie verkehrt, weil MIFA überhaupt nicht fährt." Die Strukki-Wildsau, der Strukki-Betrieb längst eingestellt, verzockte ein paar Millionen und wurde handzahm dem König vorgeführt. Mittlerweile ist die Wildsau unter die Buchautoren gegangen.

Erstaunt schauten König und Berater, rechneten sie doch fest damit, der Couponschneider gänge dabei drauf. Der König hielt aber sein Versprechen nicht, sondern verlangte mehr: "Ein stolzes und aggressives Banker-Einhorn versetzt die Anwohner in Angst und Schrecken, mit Agios von 5 % und anderen unnötigen Gebühren. Bändige es, und wir werden dir Gehör schenken und dich reich belohnen."

Die Idee des Couponschneiders: Das Einhorn irgendwie locken, es beim männlichen Stolz packen. Er mietete eine Hostesse, die zu allem bereit war. Das stolze Einhorn, immer mit dem Horn voraus, tappte in die Falle, bezahlte der auf ihn angesetzten Hostesse Champagner, Schmuck und sogar ein Auto. Ein Schnappschuss zur rechten Zeit, das Einhorn war gesellschaftlich erledigt, seine Frau ließ sich scheiden und er war ruiniert. Der König staunte nicht schlecht, als der Couponschneider ein devotes Einhorn vorführte.

Aber  auch diesmal hielt der König sein Versprechen nicht. Ein letztes Problem müsse gelöst werden: "Seit vielen Jahren verwüsten zwei Rentenriesen das Land, indem sie das Kapital der Bauernschaft und der Bürger in die festverzinsliche Wertpapiere locken und mit unhaltbaren Rentenversprechen ködern. Viel Kapital liegt seitdem brach, viel Geld ist in ferne Königreiche abgewandert, die sich auch jeglicher Kontrolle entziehen und sich per Dekret entschulden können. Und dann sind da noch die Gebühren, die den Rentensparern zusetzen. Du sollst reich belohnt werden, mit Gold, dem Thron und meiner Tochter, wenn du uns von den Rentenriesen befreist."

Der Couponschneider ließ sich nicht beirren und überlegte sich eine List. Wie brachte er die Rentenriesen dazu, dass sie ein einander bekämpften? Der eine Riese hatte die Menschen in abhängiger Beschäftigung im Blick, der andere die Selbständigen. Was aber ist mit Menschen, die beides waren? Er brachte viele Menschen des Königsreichs zusammen, die einerseits abhängig beschäftigt waren, gleichzeitig aber ein Gewerbe betrieben. Einige gründeten neben ihrer Beschäftigung in der IT-Branche ein Start-up, viele aber betrieben ein Hobby wie Stricken, Häkeln und Töpfern, dessen Erzeugnisse sie über eBay verkauften. Die beiden Riesen stritten sich um diese Menschen, sie schlugen mit Keulen aufeinander ein. Der eine Riese, Riester, bekam die Keule direkt aufs Maul; so wurde das Gebiss total schief. Er jammerte und klagte weh, worauf Rürup meinte, das Gebiss hätte vorher schlimmer ausgesehen und Riester solle gefälligst dankbar sein. Riester war so erzürnt, dass er noch härter draufschlug. Rürup wehrte sich umso stärker und irgendwann erlagen sie ihren Verletzungen.

Der Rentenspuk war vorbei und kurz darauf begann es im, im ganzen Königreich zu blühen. Es waren die blühenden Landschaften einer Aktienkultur. Die Menschen erkannten, dass das direkte Eigentum an den Produktionsmitteln, d.h. an die Firmen, zu Wohlstand führt. Der Couponschneider ging zurück zum Königshof. Die frohe Kunde hatte sich bis dahin schon längst überall verbreitet. Der König wollte aber nichts von seinen Versprechen wissen.

Der Couponschneider aber war in der Zwischenzeit nicht tatenlos. Er hatte  seine Aktienpositionen immer weiter aufgestockt. Durch die wiedererstarkte Aktienkultur stiegen die Aktienkurse und er wurde zu einem reichen Mann. Politische Macht bedeutete ihm nichts. Als Aktionär bei Großunternehmen aus dem Bereich der Ölförderung hatte er die politische Führung ohnehin im Griff. Und ihm war eine tatenlose Regierung lieber als eine aktionistische. Er ließ dem König seinen Thron. Die Tochter des Königs war aber derartig angetan, dass sie sich vom ihren Vater und der politischen Macht lossagte und sich dem Couponscheider an den Hals warf.

Sie heirateten, bekamen Kinder, gingen der Arbeit nach, die ihnen Spaß machte, schnitten fleißig Coupons und engagierten sich lokal, organisierten Kammermusikabende und dergleichen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.