Samstag, 28. Dezember 2013

Mein Aktiendepot - Bilanz für 2013, Ziele für 2014

Heute ist noch nicht der letzte Börsentag, aber ich stelle schon meine Bilanz auf.

Vor einem Jahr habe ich meine Ziele formuliert:

  1. Mehr als 2100 € brutto an Dividendenzahlungen.
  2. Aktienkäufe in Wert von über 20000 € tätigen, ohne Aktien zu verkaufen.
  3. Am Jahresende soll das Depot ein Wert von mind. 80000 € haben. Das sollte realistisch sein, wenn ich Ziel 2 erreiche und die Aktien steigen.
Ziel 1 ist erreicht. Ich habe 2482 € brutto an Dividenden erhalten. Netto waren es 2061 €. Ziel 3 ist auch erreicht. Beim Depot hat einen Wert von 83510,80 €.

Was Ziel 2 angeht, ist etwas komplizierter. Investiert habe 24735 €. Das sind mehr als die vorgenommenen 20000 €, aber ich habe dann doch Veräußerungen vorgenommen. Celesio habe ich verkauft, genauso wie Nokia. Ich habe mit hohen Gewinnen verkauft und Nettoverkaufserlöse von ca. 7800 €. Als Siemens-Aktionär bekam ich auch Osram-Aktien, als Commerzbank-Aktionär Bezugsrechte. Auch die beiden unverhofften Positionen sind verkauft. Das letzte Quartal bot leider nicht mehr viele Schnäppchen, sodass ich mit mehr als 10000 € Cash ins neue Jahr gehe.

Wie sieht denn mein Depot im Moment aus:

  • AXA, 162 Stk.
  • Bank of America, 300 Stk.
  • BP, 500 Stk.
  • Carl Zeiss Meditec, 123 Stk.
  • CNH, 350 Stk. (ehemals Fiat Industrial)
  • Commerzbank, 200 Stk.
  • Deutsche Post, 300 Stk.
  • ENEL, 1556 Stk.
  • EnCana Corporation, 110 Stk.
  • Hannover Rück, 103 Stk.
  • GlaxoSmithKline, 210 Stk.
  • Jenoptik, 700 Stk.
  • K+S, 520 Stk.
  • Phillips 66, 50 Stk.
  • RWE, 200 Stk.
  • Salzgitter, 47 Stk.
  • SAP, 73 Stk.
  • Siemens, 23 Stk.
  • Veresen Inc., 500 Stk.
Zugänge und Nachkäufe des letzten Jahres habe ich rot hervorgehoben. Interessant dürfte sein ,dass ich bei K+S so stark zugekauft habe. Ich halte große Stücke auf dieses Unternehmen und bin der Aufassung, dass die Geschichte mit Uralkali nur eine kleine Episode war. Die Chance für Nachkäufe habe ich mir nicht entgehen lassen.

Die Pläne für das nächste Jahr sind:

1. Steigerung der Dividendeneinnahmen auf über 3200 € brutto.
2. Ein Aktiendepot im Wert von  110000 €.
3. Investitionen in Höhe von 24000 €. Mit meinem Cash-Überschuss aus diesem Jahr wird dies einfach sein.

Meine Dividendenentwicklung über die Jahre sieht nun wie folgt aus:


Ich mag diese Grafik, weil sie zeigt, dass meine Strategie aufgeht und mein passives Einkommen von Jahr zu Jahr wächst.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Mein Aktiendepot - Ein Zwischenstand

Ende letzten Jahres habe ich die Ziele für 2013 formuliert:

  1. Mehr als 2100 € brutto an Dividendenzahlungen.
  2. Aktienkäufe in Wert von über 20000 € tätigen, ohne Aktien zu verkaufen.
  3. Am Jahresende soll das Depot ein Wert von mind. 80000 € haben. Das sollte realistisch sein, wenn ich Ziel 2 erreiche und die Aktien steigen.
 Wir haben erst Oktober, aber die Ziele sind bereits erfüllt:
  1. Ich habe bereits mehr als 2300 € brutto an Dividenden erhalten. Netto sind es über 1900 €. Das Jahr ist noch nicht zu Ende und ich erwarte noch einiges.
  2. Letzte Woche habe ich 500 BP-Aktien gekauft und damit die 20000 € Investitionssumme geknackt.
  3. Mein Depot ist mehr als 80000 € wert, obwohl ich K+S-Aktien im Depot habe. Die ziehen einiges herunter. Die Höhenflieger sind unter anderem Nokia, Jenoptik und Deutsche Post.
Ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht. Da ich bereits 20000 € innerhalb von 9¼ Monaten investiert habe, habe ich mehr als 2000 € pro Monat investiert. Ich kann es eigentlich selbst kaum glauben.

Vielleicht mache ich mir das auch zur neuen Richtgröße für das neue Jahr: Aktienkäufe im Wert von 24000 € tätigen.

Samstag, 14. September 2013

Wie links ist die NPD?

Obwohl ich kein Wechselwähler bin, ich Überzeugungen habe, die mich alle Jahre wieder eine ganz bestimmte Partei wählen lassen, spiele ich trotzdem gerne mit dem Wahlomaten herum. Das Ergebnis ist jedesmal erstaunlich, da fast immer gleich. Auf Position eins die FDP, dann die CDU/CSU, gefolgt von SPD. Zuguterletzt Grüne, Linke und NPD. In diesem Jahr haben sich PDV and AfD auf Platz zwei und drei geschummelt. Von der AfD halte ich nicht viel. Ich sehe sie eher konservativ als liberal. Die AfD mag gewisse interessante Standpunkte vertreten, aber die Anhängerschaft finde ich ziemlich durchwachsen und abschreckend, was ich in meinem vorherigen Beitrag bereits beschrieben habe.

Interessant finde ich, dass NPD und Linke bei mir immer auf den hintersten Plätzen landen. NPD und Linke müssen schon sehr viele gemeinsame Standpunkte haben. Man könnte auch fragen: Wie links ist die NPD? Oder: Wie rechts ist die Linkspartei? Jedenfalls kann es nicht viel damit auf sich haben, dass Links- und Rechtsextreme einander unversöhnlich gegenüberstehen. Es ist schlichtweg ein Mythos. Schon zur Weimarer Zeit sind die Leute von der KPD in die NSDAP gewechselt und umgekehrt.

Keine Alternative für Deutschland

Die "Alternative für Deutschland", kurz AfD, gibt es nun eine ganze Weile. Ich bin von deren Inhalten wenig überzeugt, da sie konservativ und nicht liberal sind. Gegen den Euro und ein bisschen gegen die EU zu sein, reicht nicht, um liberal oder wirtschaftsliberal zu sein; die wirtschaftsliberalen Duftnoten fehlen im Programm der AfD. Dafür redet man dem Zentralismus das Wort.

In diesem Artikel möchte ich aber etwas zu den Anhängern der AfD sagen: Ich finde sie - offen gesagt - ausgesprochen dämlich und nervend. Sie treten vermehrt in den Online-Diskussionen auf. Ich kann ihren Beiträgen nichts abgewinnen und finde aufgrund dieser Beiträge eine nachgesagte Nähe zu den rechtsextremen Parteien durchaus plausibel.

Die Hauptmerkmale ihrer Beiträge sind:

1. Plakativ ausgedrückt: Egal um welches Problem in der BRD geht, es wird darauf reduziert, dass wir wegen der Griechenlandhilfen kein Geld hätten. Das ist insofern Unsinn, weil wir lange vor den vielen Rettungsschirmen genauso sowohl Geldnot als auch Verschwendung zur gleichen Zeit in unserem Staatsapparat beobachten konnten.

2. Selbst bei einem noch so unpassenden Thema wird das "Geldschuldsystem" als Hauptübel angesehen und dass Banken "Geld schöpfen" können. Es wird zum Problem hochstilisiert, dass Banken nicht alles mit Eigenkapital hinterlegen. Aber so funktioniert nunmal eine Bank und das ist ja gerade der Vorteil. Wenn jeder Unternehmer so lange warten müssten, um 100 % Eigenkapital für eine Investition zusammen zu bekommen, dann wäre die Wirtschaft ruiniert. Und wenn man das von den Banken fordert, genauso. Ein tatsächliches Problem ist aber die vielleicht zu geringe Eigenkapitalquote und die Tatsache, dass für Staatsanleihen keine Sicherheiten hinterlegt werden müssen. Aber dass Staatsanleihen als 100 % sicher gelten, haben nicht die Banken so entschieden, sondern verantwortungslose Politiker.

3. Wenn die AfDler eine bestimmte Beobachtung nicht erklären können, beispielsweise dass die AfD bei der Sonntagsfrage nur 3 % holt, dann ist schnell der Vorwurf der Manipulation gefallen. Und wo man die Manipulation wähnt, ist die Verschwörung nicht weit. Und ganz abstrakt wird dann auf "das System" geschimpft. Wer das Buch "LTI" von Victor Klemperer gelesen hat, bei dem klingelt es in den Ohren, wenn auf "das System" geschimpft wird. Im Dritten Reich war "das System" die Weimarer Republik, die von den Nazis für jede Unbill verantwortlich gemacht wurde.

Aufgefallen ist mir auch noch die Ähnlichkeit zwischen AfDlern und Dirk-Müller-Fans. Von Dirk Müller halte ich genauso wenig. Seine Fans und er reden auch ständig von der Manipulation, z. B. des Goldpreises. Die können sich nicht erklären, warum der Goldpreis gesunken ist, weil er doch nach ihrer Lesart hätte steigen müssen. Dass aber eine Vielzahl von Menschen dem Gold nichts abgewinnen kann und objektiv gesehen tatsächlich wenig benötigt wird und der Goldpreis infolgedessen sinkt, wird nicht akzeptiert. Der Goldpreis könne ja nur manipuliert sein. Ich bin mir sicher, dass Dirk Müller Fans nahezu deckungsgleich mit AfDlern sind.

Donnerstag, 8. August 2013

Die Immobilienblase

Wer bislang nicht der Überzeugung war, dass wir in Deutschland längst eine Immobilienblase haben, der wird nach der heutigen Meldung seine Haltung noch einmal überprüfen. Christian Wulff hat sein mittelmäßiges und langweiliges Reihenhaus in Großburgwedel für sage und schreibe 650000 € verkauft. Vor fünf Jahren hat er 415000 € dafür bezahlt. Die Rendite beträgt über 9 % pro Jahr. Und ich fand die damaligen Preis schon recht hoch. Und Großburgwedel ist auch nicht München, Hamburg oder Sylt, das solche Preise rechtfertigen würde.


Samstag, 6. Juli 2013

"Ich lebe heute"

"Ich lebe heute" ist eine immer wieder gebrauchte Phrase, um zu rechtfertigen, dass man nicht spart.

Obwohl der Satz objektiv richtig ist, kritisiere ich die dahinter steckende Einstellung. Zuallererst werden alle Menschen beleidigt, die sparen, denn es wird ja impliziert, dass sparsame Menschen "nicht leben", also eine geringe Lebensqualität besitzen. Ich bin sparsam, weise aber solche Vorwürfe von mir. Mir sind wenige Dinge wichtig. Ich bin in einem Sportverein und an drei Abenden der Woche treibe ich Sport. Das sind drei Abende, an denen ich kein Geld ausgebe, z. B. in einem Kino. Weshalb ich deshalb eine geringere Lebensqualität  haben soll, ist mir schleierhaft. Ich lese auch gerne und auch viel. Auf längeren Bahnreisen habe ich immer meinen Kindle und ein paar Bücher dabei. Die Ausgaben für Bücher belaufen sich in diesem Jahr schon auf 180 €. Ich kaufe, wenn möglich, gebrauchte Bücher.

Sparen heißt nicht, dass man auf alles verzichtet, was ein gutes Leben ausmacht. Man sollte aber Prioritäten setzen und entscheiden, was wirklich wichtig ist.  Gutes Essen, ein gutes Auto, Urlaubsreisen, eine schicke Wohnung... Ich finde, dass das ziemlich viel auf einmal ist und ich kenne Menschen, die sich wirklich das alles wirklich gönnen und nichts sparen. Ich frage mich aber, was nutzt es, viel in den Urlaub zu gehen und eine schicke Wohnung leer stehen zu lassen? Was nutzt die tollste Küche, wenn man dann doch nur Brote schmiert oder im Restaurant essen geht? Wenn die "Filmleidenschaft" doch nur aus einem Film pro Monat besteht, braucht man  dann unbedingt einen großen Fernseher? Braucht man ein Auto, wenn man nur drei Kilometer von der Arbeitstätte entfernt lebt?

Und um die Dinge, die einem wirklich wichtig, auf Dauer zu finanzieren, muss man sparen und investieren. Es ist ja nicht so, dass mein Geld sinnlos auf dem Girokonto herumliegt. Ich investiere in Aktien, die mir ein passives Einkommen ermöglichen. Das schafft finanzielle Spielräume, die ich in zehn Jahren nutzen kann, z. B. für einen Hauskauf. Ich weiß nicht, wie und wo ich in zehn Jahren leben werde und welche Wünsche ich haben werde; man ist ja immer in einer Entwicklung. Ich weiß nur, dass die Erfüllung der Wünsche Geld kostet und deshalb spare und investiere ich.

Die Überschrift "Ich lebe heute" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil ich da ein Kreditinstitut zitiere. Die Targo-Bank ging mit dieser Parole auf Kundenfang und geworben wurde für Konsumkredite. Für den heutigen Konsum auf Investitionen und aufs Sparen zu verzichten, ist ja schon schlimm, Konsumkredite aufzunehmen ist aber idiotisch.

Natürlich lebt man heute, aber auch morgen und übermorgen. Jeder Student verzichtet für ein paar Jahre auf Einkommen, das man als einfacher Arbeiter erzielen könnte, um dann als Akademiker ein gutes Gehalt zu kassieren. Die Studenten haben doch schon gezeigt, dass "Ich lebe heute" die falsche Einstellung ist. Warum solle es nach dem Studium, sobald man Geld in der Tasche hat, anders sein?

Wohin man auch schaut nur Staatvertrauen - Die Sache mit der Rente

Heute habe ich auf Spiegel Online einen erfreulichen Beitrag gelesen, dass sich die Rentenbeiträge verringern könnten. Das ist wirklich erfreulich und man sollte es auch machen. Ein Blick aber in das Forum bestärkt mich aber, dass wir ein Volk von Buchhaltern sind, die ein immenses Vertrauen in den Staat haben.

Buchhalter sind es deshalb, weil sie nur den einzelnen eingesparten Beitrag sehen, der nur wenige Euro beträgt. Der Beitrag würde, ihrer Auffassung nach, in wenigen Jahren wieder steigen, was passieren kann, aber nicht muss. Die Buchhalter verstehen nicht, dass es nicht nur um wenige Euro für den Einzelnen geht, sondern dass man das mit 40 Millionen multiplizieren muss und enorme Reserven freisetzt, sowohl für Konsum als auch für Investitionen, just das also, was linke Pappenheimer immer wieder fordern: Mehr Geld in die Taschen der kleinen Leute, dass mehr konsumiert wird. Und Investitionen der Firmen werden auch ständig gefordert. Ein Unternehmen, das tausend Angestellte hat und 5 € pro Mitarbeiter an Rentenbeitrag sparen könnte, hat dann 5000 € monatlich frei, die es z. B. in einen zusätzlichen Mitarbeiter investieren könnte, wodurch einerseits zusätzliche Rentenbeiträge entstünden, andererseits aber Sozialleistungen verringert würden, wenn der Mitarbeiter zuvor arbeitslos war. Der Linke, der gerne ein Konjunkturprogramm nach dem anderen aufsetzen möchte (die allesamt nutzlos sind), hat überhaupt kein Vertrauen darin, dass Unternehmen und Arbeitnehmer mit dem Geld sinnvolles anstellen, was positive volkswirtschaftliche Effekte hätte. Und selbst wenn es in fragwürdige Dinge "investiert" würde, z. B. in Alkoholika, flösse es zurück zum Staat wegen der hohen Alkoholsteuern.

Und dann ist da noch dieses Staatsvertrauen. Es wird ernsthaft gefordert, das Geld solle man zurücklegen und sparen. Politiker und Beamte sollen Geld sparen... wer das fordert, hat in den letzten Jahrzehnten überhaupt nichts gelernt. Politiker und Beamte verstehen nichts vom Sparen oder gar vom Investieren. Die müssten dann wieder Fachkompetenz einkaufen, was auch nicht gut ist, weil viel zu teuer und sinnlos, wenn man die Performanz von Fonds-Managern kennt. Warum überlässt man es nicht den Arbeitnehmern, dass sie das Geld zurücklegen? Arbeitnehmer können als Kleinanleger eine wesentlich bessere Performanz an den Aktienmärkten hinlegen als Fonds-Manager, weil Kleinanleger nur sich selbst verpflichtet sind und kein Window-Dressing betreiben müssen. Kleinanleger müssen nur Value-Ansatz verfolgen und nicht überaktiv werden.

Angenommen, jemand bekommt durch einen sinkenden Rentenbeitrag 12 € mehr netto monatlich. Wenn er dieses Geld Monat für Monat zu 8 % anlegt, hat er nach 30 Jahren 16312,78 € erspart. 8 % pro Jahr sind bei Aktienanlagen gar nicht mal so außergewöhnlich. Aber diese Menschen denken nicht so und daher kommt die völlige Verständnislosigkeit der Mehrheit der Deutschen für Aktienanlagen, fürs Investieren, ja fürs Wirtschaften im Allgemeinen. Nach vierzig Jahren wären es sogar 37304,14 €. Man hätte genau diese vierzig Jahre bis zum Renteneintritt gespart und die Aktien würfen 4 % Dividendenrendite pro Jahr ab: Man hätte eine kleine Zusatzrente von 124 € pro Monat. Man zeige mir den Riestervertrag, bei dem man 12 € pro Monat einzahlt, um als Rentner 124 € pro Monat zu erhalten.

Ich jedenfalls freue mich über jeden Euro, den ich zusätzlich zu meiner freien Verfügung habe.


Sonntag, 19. Mai 2013

Buchempfehlung: "Auf eigene Faust - Aktiensparen für Kleinanleger"

Ich habe heute das Buch "Auf eigene Faust - Aktiensparen für Kleinanleger" von Thomas Claer gelesen. Es kostet nicht viel (10 €), ist äußerst gut zu lesen und enthält alle Empfehlungen, die ich auch gebe: Aktien gut auswählen, prüfen ob der Preis stimmt, kaufen und Füße still halten. Er rät ab von Stopp-Loss und anderen Absicherungen, und er erkennt, dass die Stopp-Loss-Aufträge nichts zur Absicherung beitragen. Wenn Anhänger von Stopp-Loss meinen, sie wären Kursabstürzen aus dem Weg gegangen, so sei denen gesagt, dass sie sie selbst ausgelöst haben. Der Autor benennt dies zurecht als selbsterfüllende Prophezeiung.

Claer legt gut dar, dass sich Fondssparen nicht lohne, weil Fondsmanager Zwängen unterworfen sind, die zwangsläufig zu einer schlechten Rendite führen. Er empfiehlt ausschließlich Aktien als Direktinvestition und allenfalls noch Unternehmensanleihen. Kostolanys Spruch "Wer gut schlafen will, hat Anleihen. Wer gut essen will, hat Aktien." gilt seiner Meinung nach nicht mehr, denn angesichts der Staatschuldenkrise und des Inflationsrisikos sorgen Anleihen eher für unruhige Nächte.

Interessant finde ich auch die gesellschaftliche Perspektive die er aufzeigt: Wenn Deutschland ein Volk von Kleinanlegern würde, dann würde die Bevölkerung ingesamt wohlhabender auch viel weniger Menschen wären auf Hartz IV angeweisen. Er weist explizit darauf hin, dass Kleinanleger mit ihren Investitionen auch höchst moralisch handeln, weil sie der Gesellschaft nicht zur Last fallen wollen und auch nicht werden, sofern sie erfolgreich sind. Denn bislang überlassen die Deutschen mehrheitlich den Versicherungen und den Banken das große Geschäft und man selbst gibt sich ein bisschen Inflationsausgleich, wenn überhaupt, zufrieden.


Samstag, 18. Mai 2013

Gold ist gar kein Investment und bietet auch keine Sicherheit

Seit Jahren beobachte ich dass es immer wieder Menschen gibt, die in Internetdiskussionen mit Verve für Gold als Investment eintreten. Mir ist es schleierhaft, dass erwachsene Menschen dann offensichtliche Fehler in ihrer Argumentation  nicht erkennen. Seit wenigen Monaten weiß ich, dass man diese Menschen Goldbugs oder auch Goldkäfer.

Und da der Preis für Gold in letzter Zeit ein bedeutendes Thema in den Finanznachrichten war, komme ich nicht umhin, hier an dieser Stelle meinen Standpunkt nochmals darzulegen, denn immer jeden Goldbug, ob nun in den Foren von Spiegel Online, Handelsblatt oder FAZ, direkt Paroli zu geben, ist einfach viel zu mühsam.

Vermögenswerte sind dadurch gekennzeichnet, dass sie weitere Vermögen zu generieren imstande sind. Auf Gold trifft dies nicht zu. Aktien erwirtschaften Gewinne und schütten Dividenden aus. Unternehmensanleihen unterstützen Unternehmen, Investitionen zu tätigen und Anleiheninhaber bekommt als Lohn einen Zins. Aber Gold erwirtschaftet gar nichts. Es ist einfach nur da und verursacht nur Kosten, z. B. für ein Bankschließfach.

Goldbugs mögen einwenden, Gold sei ja kein Investment, sondern eine Währung, die Krisen überstehe. Nun, Gold kann tatsächlich eine Krise überstehen, aber innerhalb der Krise ist es kaum etwas wert. Mit Krise meine ich solche Situationen wie nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, als man hungerte, als man an Medikamente kaum heran kam, als man Kohlen stehlen musste. Wer Gold hatte, konnte es vielleicht in jener schweren Zeit zum Tauschen nutzen, was Godlbugs für einen Vorteil von Gold halten. Es ist aber ein Nachteil, denn die Gewinner bei den Täuschen Gold für Lebensmittel, Gold für Kohle, Gold für Medikamente und Gold für Benzin sitzen nicht auf der Goldseite. Die haben ihr Gold zu hohen Preisen eingekauft, um sie jetzt für Gegenstände mit Nutzen billig herzugeben. Vergleichen wir zwei Personen, die sich unterschiedlich auf eine Staatskrise vorbereiten. Person A kauft Gold, wofür zwei solide Nettogehälter von 2000 € draufgehen. Person B aber kauft für nur 300 € Lebensmittel und Medikamente. Spaghetti sind lange haltbar und sättigen. 500 g Spagetti gibt's für den halben Euro. 500 g Spaghetti pro Woche ergeben 26 €, wenn man sich für ein Jahr Ausnahmezustand vorbereiten will. Natürlich kann man dann die Spaghetti auch eintauschen.  Ist der Ausnahmezustand da, sinkt auch die ärztliche Versorgung, also muss sich selbst beispielsweise mit rezeptfreien Medikamenten eindecken. Und auch die kann man prima tauschen. Benzin wird auch knapp sein und da ist es nicht schlecht, wenn man während des Ausnahmezustandes ein Fahrrad und einen Fahrradanhänger hat, dann kann man zu Bauer Rudi aufs fahren, ihm zwei Flaschen Schnaps geben und im Gegenzug gibt's beispielsweise einen Sack Kartoffeln.  Gold aber ist nicht nützlich. In der Krise braucht man Gold noch weniger als sonst. Person B sorgt mit 500 €, dem Viertel eines typischen Nettogehaltes, viel besser für eine solche Krise vor. Und zum Tauschen sind diese Dinge auch geeignet; da braucht man nicht das teure Gold. Person B wird in der Krise dann mit Person A, die kurz vor dem Verhungern ist, tauschen und ein paar Goldmünzen ergattern. Zehn Jahre später kann sich Person B vom Gold ein paar schöne Sachen kaufen.

Und wenn dann der Kurs für Gold fällt wie vor einigen Wochen, dann gibt es genug Goldbugs, die darauf hinweisen, das wäre ja der Kurs für "Papiergold" und nicht für echtes Gold. Die machen es sich sehr einfach, denn wenn der Kurs steigt, sehen sie sich bestätigt, wenn er fällt, ist es plötzich nur noch Papiergold. Und natürlich fehlen niemals die Ratschläge, aufgrund der sinkenden Preise, reales Gold nachzukaufen. Und das widerspricht sich, denn wenn nur "Papiergold" an Wert verlöre, gäbe es keinen Preisverfall beim realen Gold.

Oft gelesen habe ich auch, der Goldkurs wäre nach unten manipuliert, durch Investoren von Soros. Dass Soros durch seine Nachfrage aber jahrelang den Goldkurs "nach oben manipuliert" hat, wird aber unterschlagen.

Typisch auch für Goldbugs ist es, den Diskussionspartnern der Gegenseite zu unterstellen, sie würden auf Geld vertrauen: "Euroscheine sind nur ein Fetzen Papier, der in fünfzig Jahren nichts mehr wert sein wird." - Das mag stimmen, aber die Gegner der Goldbugs kennen das Problem der Inflation und auch der Hyperinflation, mit deren Hilfe sich Staaten entschulden. Die Gegner der Goldbugs sind in der Regel Aktionäre und die wissen, dass ihr Unternehmensanteil kein Geldvermögen sind, sondern Sachwerte. Die Aktien verlieren während einer Megakrise enorm an Wert, aber Gold auch, um danach wieder zu steigen. Und was ist eigentlich, wenn Geldentwertung durch Hyperinflation ausbleibt? Dann war ja das Gold eine Fehlinvestition, denn mit den Aktien hätte man in der Zeit wunderbare und äußerst schmackhafte Dividenden einfahren können.

Freitag, 10. Mai 2013

Aktienanteil = 100 minus Lebensalter - Warum ich von dieser Faustregel nichts halte.

Die Aktie ist eine renditestarke Anlage, die sich ein Mensch, ohne sich verschulden zu müssen, leisten kann. Überdies existieren seriöse Märkte, auf denen man jederzeit seine Aktien verkaufen kann, falls irgendwas unvorhergesehenes passiert und man plötzlich Cash braucht. Versicherungspolicen kann man nur auf dem grauen Kapitalmarkt verkaufen.

Experten befürworten daher gerade für junge Menschen, dass sie in Aktien investieren sollen und bringen oft die oben genannte Faustformel an. Ich halte von dieser Faustformel gar nichts. Nehmen wir doch mal den 30-Jährigen. Er soll 70 % in Aktien haben und 30 % worin? In Anleihen? In Bargeld? Angenommen der 30-jährige hat 50000 € Vermögen und hält sich an die Formel. Dann hat er 35000 € in Aktien und 15000 € auf dem Giro- und Tagesgeldkonto. Andere Anlageformen (wie z. B. Bausparvertrag) sind ausgeschlossen, da nicht renditestark und auch nicht flexibel. Bargeld ist renditeschwach, aber äußerst flexibel. Aber wozu braucht man so viel Cash als Reserve? Warum soll diese Bargeldreserve mit dem Gesamtvermögen und mit dem Alter immer mehr steigen?

Es ergibt doch keinen Sinn. Eine Bargeldreserve sollte man schon haben, aber sie sollte nicht relativ zum Gesamtvermögen definiert werden, sondern als absoluter Wert. Dazu sollte man über seine monatlichen Lebenshaltungskosten bescheid wissen; ein Haushaltsbuch hilft hierbei sehr. Man muss das Szenario durchspielen, was passieren kann (Waschmaschine oder Auto geht kaputt, Beerdigung muss finanziert werden, Arbeitslosigkeit usw.) und entsprechend definiert man seine Reserve. Alles darüber hinaus aber ist Geldverschwendung, da das Risiko der kaputten Waschmaschine, des kaputten Autos oder der Beerdingung kaum steigt, wenn man älter wird oder wenn das Gesamtvermögen steigt. Sollte sich was abzeichnen, z. B. der Tod eines nahen Angehörigen innerhalb der nächsten sechs Monate, sollte man genau für diesen Fall vorsorgen. Ich hatte im letzten Jahr genau diesen Fall und sorgte vor, mit dem Ergebnis, dass ich alle Rechnungen, die mit der Beerdigung in Zusammenhang standen, sofort begleichen konnte.

Wer vermögend werden will, sollte also möglichst renditestark über einen langen Zeitraum investieren. Die Faustregel versagt auch, wenn man einen 40-jährigen mit einem 20-jährigen vergleicht. Ersterer soll nur 60 % in Aktien investieren, obwohl er vielleicht in seinem Beruf etabliert ist, viel Bargeld hat und es sich leisten kann, sehr intensiv mit Aktien zu sparen und auf 90 % zu gehen. Ein 20-jähriger aber, der gerade am Anfang seiner Berufslaufbahn steht, braucht aber zuallererst Cash, um sich das Finanzpolster aufzubauen. Ist der 20-jährige ein Student, sollte er in seine Ausbildung investieren, d.h. gescheite Fachbücher kaufen und durcharbeiten, denn Investition in Bildung bringt die meiste Rendite. Der soll nach obiger Faustregel 80 % in Aktien anlegen, was er aber nicht kann.

Wer in Aktien investiert, sollte diese für einen Zeitraum von 10 Jahren kaufen. Nach diesem Zeitraum sind die Aktien in der Regel satt im Plus und haben in den Jahren zuvor immer fleißig schmackhafte Dividenden ausgeschüttet. Wer plant, mit 65 in Rente zu gehen, kann selbst als 55-jähriger noch das "Risiko" eingehen und voll in Aktien zu gehen. Dem kann die Volatilität nichts mehr anhaben. Für einen 64-jährigen wäre das  nicht mehr so empfehlenswert.


Warum Aktien auch für den "kleinen Mann" genau das Richtige sind.

Als Liberaler bin ich eigentlich Gegner einer Politik, die die Umformung einer Gesellschaft als Ziel verfolgt. Ich bin aber schon daran interessiert, dass sich Gesellschaften zum Besseren verwandeln. Gesellschaften unterliegen einem steten Wandel, mal in die eine, mal in die andere Richtung, langfristig gesehen aber in die richtige Richtung. Und wenn ich mir für die deutsche Gesellschaft etwas wünsche, dann ist es, dass sie mittelfristig eine richtige Aktienkultur entwickelt.

Ich halte Aktien für eine der besten Anlagen überhaupt. Was erwartet man allgemein von einer Anlage: Sie sollte sicher sein und sie sollte renditestark sein. Aktien mögen vielleicht volatil sein, aber deswegen diversifiziert man doch. Ein gut diversifiziertes Aktiendepot fängt sogar den Totalverlust eines Titels auf.

Bei einem Kleinanleger gibt's besondere Anforderungen. Kleinanleger haben nur wenig Geld, aber auch nur wenig sonstige Rücklagen, um Lebensrisiken abgesichert zu wissen. Eine gute Anlage für den Kleinanleger ist eine solche, für die er sich nicht verschulden muss. Für Aktien muss man sich nicht verschulden. Wenn sich ein Kleinanleger vornimmt, immer 2000 € anzusparen, um Aktien eines Unternehmens zu kaufen, dann läuft das ohne Verschuldung ab. Für ein Haus, das von unseren Politikern immer wieder empfohlen wird, muss sich der Kleinanleger immer verschulden. Ein Kredit aber, der über 10 Jahre getilgt werden kann, kann ihm das Genick brechen.

Und die Lebensrisiken spielen auch eine wichtige Rolle. Jemand stirbt und eine Beerdigung muss bezahlt werden, Arbeitslosigkeit, die Frau brennt durch oder aber die Frau besteht auf irreale Konsumwünsche. Kein Witz: Ich kenne einen Mann, der die Kapitallebensversicherung für die vergnügungssüchtige Frau auflöste. Der Fehler wurde aber in dem Moment begangen, als die Versicherung abgeschlossen wurde. Um auf Lebensrisiken reagieren zu können, muss man seine Vermögen schnell in Geld umwandeln können. Wie lange braucht es, um eine Aktie zu verkaufen? Per Online-Banking 3 Minuten, höchstens. Eine Kapitallebensversicherung muss in der Frist gekündigt werden; man wartet dann vielleicht 6 Monate, bis man den Rückkaufwert erhält. Und bei einer Immobilie darf man mit mind. 6 Monaten rechnen. Und eine Immobilie kann man auch nur ganz oder gar nicht verkaufen. Ein Bausparvertrag kann man auch nur ganz oder gar nicht kündigen. Aktien aber sind flexibel. Wer ein Depot im Wert von 50000 € hat, braucht doch nicht alles verkaufen, nur weil man 10000 € benötigt. Und dann gibt es noch die Preise. Immobilien werden schnell mal unter Wert verkauft, wenn der Eigentümer dringend Geld benötigt und der potentielle Käufer davon Wind kriegt. Faire Preise findet man eher an der Börse. Da fragt auch keiner, warum man verkaufen will. Natürlich gibt es das Risiko, dass die Kurse unten sind, aber genauso gibt es die Chance, dass die Kurse oben sind. Und nach wenigen Jahren haben viele Aktien zumindest einen Teil ihres Preises durch Dividenden zurückerstattet. Dann verkauft man nominell vielleicht mit Verlust, aber faktisch mit Gewinn, wenn man die Dividenden berücksichtigt. Bei abgebrochenen Kapitallebensversicherungen und Bausparverträgen fährt man auf Garantie einen Verlust ein.

Die Gebühren sind an der Börse auch viel geringer, ungefähr: ca. 15 € gehen an die Bank, ca. 3 € als  Börsenspesen an die Börse. Was ein Immobilienmakler kostet, weiß jeder und jeder weiß, warum Vertreter dieses Berufes so unbeliebt sind.

Was ich vom Staat und Politik erwarte: Sie sollen keine Aktienkultur direkt fördern, sondern ihren Widerstand aufgeben. Die Gesetze der Politik und das dumme Gesülze der Verbraucherzentralen suggerieren, Aktien seien gefährlich. Das erfüllt mich mit Zorn, denn diese Vorurteile zeigen Wirkung und lassen die Gesellschaft verarmen. Unter den Gesichtspunkten der Rendite gibt es aber keine bessere Anlage. Und unter dem Gesichtspunkt der Flexibilität sehen die normalerweise für den kleinen Mann gedachten Anlagen ziemlich schlecht aus, ob nun Bausparer, Kapitallebensversicherung oder Riesterrente.

Und wer verantwortungsvoll handelt, denkt auch mal an die Erben. Stirbt der Riestersparer, ist die Rentenanwartschaft für immer weg. Vielleicht bekommt die Witwe noch etwas, aber für die Kinder ist nichts vorgesehen. Da ist sogar die staatliche Rente besser, die Waisenrenten zahlt. Wer aber Aktien vererbt, am besten dividendenstarke Aktien, kann sich sicher sein, dass sein Grab gut gepflegt wird, denn dieses Aktiendepot leistet kontinuierliche Einnahmen für die Erben.

Donnerstag, 9. Mai 2013

GlaxoSmithKline gekauft

Ich habe heute 210 Aktien von GlaxoSmithKline gekauft. Die Dividendenrendite liegt bei 5,54 %, das KGV bei knapp 15, was als fair bewertet gilt. Mit diesem Kauf erhöhe ich die Diversifizierung in zweierlei Hinsicht. Es ist das erste britische Unternehmen, von dem ich Aktien halte, und zugleich der erste Vertreter aus der Pharmabranche in meinem Depot. (Das sich bereits in meinem Depot befindliche Celesio ist zwar Pharmahändler, aber Händler und kein Produzent.)

Mitteilen möchte ich auch, dass ich Ende März 350 Aktien von Fiat Industrial und 300 Aktien der Bank of America gekauft habe. Was fällt als erstes auf? Ich habe in diesem Jahr noch nicht eine einzige Aktie eines deutschen Unternehmens gekauft. Das liegt nicht daran, dass die so schlecht wären. Ich finde die Preise doch ziemlich happig. Dass der DAX ein neues Allzeithoch erklommen hat, erfüllt mich mit Skepsis. Ich erwarte noch einen Rücksetzer, wo ich dann nach Herzenslust wieder zugreifen kann. Im Hinterkopf habe ich natürlich auch immer das Diversifizierungsgebot. Der Anteil deutscher Unternehmen in meinem Depot liegt nun bei 59 %. Der Anteil lag vor nicht all zu langer Zeit bei 90 %.

Mit dem Kauf der 210 Aktien von GlaxoSmithKline erhöht sich der Wert meines Depots auf 71500 €. Das Jahr ist gerade mal etwas mehr als vier Monate herum und ich bin meinem Ziel, ein Depot im Wert von 80000 € zu haben, recht nahe gekommen. Investiert habe ich in diesem Jahr bereits 12466,20 € (Ziel: über 20000 €). Teilt man diesen Wert durch fünf, erhält man 2493,24 € pro Monat. Bei meinem Nettogehalt und meinen Lebenshaltungskosten von ca. 1100 € ist das ein richtig starker Wert. Ich kann es selbst kaum fassen, wo das ganze Geld eigentlich herkommt. Die Dividendeneinnahmen dieses Jahres belaufen sich auf 1060,20 € brutto (976,34 € netto).


Samstag, 6. April 2013

Buchtipp: "Investment Punk" von Gerald Hörhan

Ich habe mir kürzlich das Buch "Investment Punk" von Gerald Hörhan gekauft und in einem Rutsch während einer Zugfahrt durchgelesen. Es ist nicht sehr sperrig geschrieben und daher angenehm zu lesen.

Das Buch ist eine Anklage an den Lebensstil vieler Menschen, die sich ein "Haus auf Pump" kaufen, dem Nachbarn imponieren wollen; Hörhan bezeichnet sie als "Konsumidioten". Mir gefällt, dass er genau dieses Verhalten als Ursache sieht, warum wir die Immobilienkrise, die Lehman- und die HRE-Pleite hatte: Die Leute haben auf Pump gelebt. Was er leider nicht erwähnt: Es war staatlich geförderter Konsum und Hausbau auf Pump. Aber das schwächt den Gesamteindruck des Buches kaum.

Mir gefallen die von ihm postulierten ökonomischen Grundregeln:

1. "Man muss auf Dauer mehr einnehmen, als man ausgibt."

2. "Man muss Schulden bezahlen, und zwar nicht durch Aufnahme neuer Schulden."

Obwohl diese Regeln so einleuchtend sind, werden sie ständig massiv verletzt, selbst von anscheinend erfolgreichen Geschäftsleuten. Sein Lieblingsthema ist das "Haus auf Pump", welches er als unsinnige Investition ansieht, sofern es für den Eigenbedarf gebaut oder gekauft wird. Mit seinen Ausführungen wäscht er jenen Leuten den Kopf, die im Eigenheim eine Altersvorsorge oder die wichtigste Investition in ihrem Leben sehen.



Bei mir hat der Autor eine offene Tür eingerannt, weshalb das Buch für mich eher ein Amüsement als eine weiterbildende Lektüre war. Für Menschen aber, die nicht so bewandert sind in Finanzangelegenheiten, gerade junge Menschen und Berufsanfänger, ist dieses Buch schon sehr geeignet. Jeder Berufsanfänger, der nach dem Lesen dieses Buches gar nicht erst Riester, Wohnriester, Bausparen und den ganzen Unfug betreibt, und auch nicht zum "Konsumidioten" wird, dem wurde konkret besser geholfen als durch die wohlgefälligste Sozialpolitik. Das Buch gibt's als Kindle-Version für weniger als 8 € und die Papierversion gibt's gebraucht auch schon für weniger als 5 €. Wer einen Studiosus in der Familie hat, kurz vorm Abschluss, der sollte diesem dieses Buch schenken. Bei dem Preis muss man gar nicht erst bis Weihnachten warten. Das ist besser, als wenn er in die Falle irgendwelcher Finanzdienstleister gerät.


Dienstag, 26. Februar 2013

Veresen Incorporated


Ich möchte heute ein Unternehmen vorstellen, das mir besonders gut gefällt, von dem ich seit Herbst Aktien habe und jetzt im Januar nachgekauft habe. Die Rede ist von Veresen Incorporated.

Was macht Veresen? Veresen betreibt Pipelines für Erdgas, betreibt mehrere Anlagen zur Gasaufbereitung und Veresen betreibt mehrere Gaskraftwerke,Wasserkraftanlagen und Windkraftanlagen (Die Windkraftanlagen sind kaum der Rede wert - zum Glück.). Eine große Pipeline verläuft von British Columbia, über Alberta und Saskatchewan bis nach Chicago. Veresen bringt das Gas in eine Industrieregion der Vereinigten Staaten. Die Kraftwerke sind ganz anders verteilt. Die meisten befinden sich in den Metropolregionen Kanadas, aber es gibt auch zwei Kraftwerke in Kalifornien.

Ich halte dieses Geschäft für sehr zukunftsträchtig. Natürlich reden momentan alle vom Fracking, welches die Gaspreise hat abstürzen lassen. Die USA steigen auf zu einem Rohstoffexporteur. Da liegt der Gedanke nahe, dass die Gasexporte von Kanada in die USA abnehmen werden. Der Gedanke hat aber mehr als einen Schönheitsfehler:

  1. In Kanada ist Fracking genauso ein Thema wie in den USA.
  2. Die USA erleben derzeit eine Reindustrialisierung aufgrund der niedrigen Energiepreise. Neue Kraftwerke werden benötigt, nicht nur, um die alten zu ersetzen, sondern auch, um den zunehmenden Energiebedarf zu decken.
  3. Veresen hat das Know How, um Gaskraftwerke zu betreiben und wird selbst vom Fracking in den USA profitieren.
  4. Die Amerikaner sind pragmatisch genug und werden weiterhin Gas aus Kanada beziehen, wenn es günstig ist. Nur weil es möglich wäre, autark zu sein, strebt man es noch lange nicht an. In den USA liegt die Energieversorgung vor allem in den Händen privater Unternehmen. Diese werden auf nationalen Dünkel wenig Rücksicht nehmen, schließlich sind es keine Politiker.

Ich finde es äußerst spannend, an einem Unternehmen wie Veresen teilzuhaben. Das Geschäft ist solide, hat Perspektive (Energie braucht man immer) und gerade in der einer so dynamischen Region wie Nordamerika gibt es Wachstumschancen.

Die Dividendenrendite ist äußerst schmackhaft: 7,68 % pro Jahr. Die Dividende wird aber monatlich ausgeschüttet.  

Dienstag, 12. Februar 2013

Mit Verschwörungstheorien Kasse machen: Die Thesen des Herren M.

Heute geht es um einen Mann mit Allerweltsnamen: Dirk Müller. Über diesen Mann muss man reden, denn er hat seine Fans. Wenn man einfach mal Youtube nach Dirk Müller sucht und die Kommentare liest, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Dirk Müller solle Finanzminister oder gleich Bundeskanzler werden; dann sehe ich mich genötigt, etwas dagegen zu setzen. Es wird behauptet, er sei der einzige, der sich traue, „die Wahrheit“ auszusprechen. Und genau an der Stelle werde ich hellhörig.

Was sagt denn Dirk Müller? Ein Thema sind Immobilien und er rät ab. Er spricht von einer Illusion vom Eigenheim als Investition. Dem stimme ich beherzt zu. Aber deswegen soll er bestimmt nicht Finanzminister werden.

  1. Er erzählt, man müsse 10 % bis 30 % in Edelmetalle, am besten in Gold, investieren.
  1. Vor wenigen Jahren, in der 2010er-Baisse, als die Kurse schön niedrig standen, warnte er vor Aktien. „Aktien darf man nicht haben.“
  2. Er kritisiert den Euro, weil Griechenland und Co. nicht mehr nach Gutsherrenart die Währung abwerten können.
  3. Er wittert eine Verschwörung der Amerikaner gegen Europa, mit dem Ziel, den Euro zu beschädigen.

Das ist alles starker Tobak und er bedient sich einer ganze Palette von Weltverschwörungs- und Weltuntergangstheorien, und er gewinnt dadurch viele neue Anhänger. Da sind zuallererst die Gold-Anhänger, die schon seit Jahren – wirklich seit Jahren – zu jedem x-beliebigen Thema (z. B. zur Gesundheitspolitik) erzählen, das Geldsystem funktioniere nicht, man müsse zurück zum Goldstandard und über alles andere ist es müßig, zu reden. Müller ist auch beliebt bei den Regionalwährungsanhängern, die eine alte Ideologie des Antisemiten Silvio Gesell warm halten.

Wer vor drei Jahren auf Dirk Müller hörte, hat eine Menge Geld liegen gelassen. 2010 war ein gutes Jahr für Investoren.

Dirk Müller kritisiert den Euro deshalb, weil Griechenland nicht mehr mit Währungsanpassungen das Problem „lösen“ kann. Ich sage: Gott sei Dank können die Griechen das nicht mehr. Eine Währungsmanipulation ist ein Taschenspielertrick. Es ist der bequeme Weg für Politiker, aber das Problem wird doch nicht behoben, sondern verschoben. Die Griechen können dankbar sein, dass die gemeinsame Währung ihre Politiker zwingt, endlich mal Anstregungen zu unternehmen. Griechenland (genauso auch Italien und Spanien) sind auf einem guten Weg. - Mit seinen Äußerungen macht er sich lieb Kind bei linken Politikern. Linke Politiker sind aber nicht zahlreich genug, um für eine gute Auflage bei den eigenen Büchern sorgen, also gibt’s auch noch Futter für den linken Bodensatz: Antiamerikanismus. Das garantiert Einladungen in Talkshows, das bringt Auflage.

Eigentlich müsste Dirk Müller wissen, was bei einer Währungsabwertung passiert. Damit beschafft man sich etwas Luft beim Export. Beim Import gibt’s aber Schwierigkeiten. Oft hängt der Export von Gütern vom Import von Rohstoffen ab. Wo ist denn da der Vorteil? Muss man dafür ausländische Geschäftspartner verärgern? Die Ursache der Misere Griechenlands ist die sehr hohe Beamtenquote. Die Beamten sind zu zahlreich und sie verdienen auch noch viel zu gut. Wer in einem solchen Umfeld die Währung abwerten will, bevorteilt die Beamten zulasten derjenigen, die in der Privatwirtschaft schaffen müssen und ausländische Geschäftspartner haben. Eine weitere negative Folge weiterer Währungsabwertungen: Der Reallohn der Hochqualifizierten in der Privatwirtschaft sinkt. Diese Hochqualifizierten wandern dann vermehrt aus. Dass die Troika den Griechen den Sparkurs abringt, kann man ihr nicht hoch genug anrechnen.

Dass manche über Dirk Müller behaupten, er traue sich als einer der wenigen, die Wahrheit zu sagen, ist schlichtweg falsch. Was Dirk Müller sagt, bekommt man seit Jahren in jeder Talkshow präsentiert, wahlweise von Herrn Bofinger, von Herrn Hickel, einem Gewerkschafter oder von einem sonstigen Linken. Es ist doch ein klarer Fall von Verschwörungstheorie, wenn die Inhaber einer Meinung glauben, die Äußerung ihrer Meinung wäre gefährlich. Wenn es wirklich gefährlich wäre, dann würde man das so nicht hinausposaunen wie es Dirk Müller und seine Jünger tun.

André Kostolany warnte seinerseit vor den Gurus. Dirk Müller gibt vielleicht keine konkreten Aktientipps, aber er ist für viele bereits ein Guru in volkwirtschaftlichen Fragen. Dirk Müller nutzt das für starke Auflage. Bei Dirk Müller ist höchste Vorsicht geboten.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Man spricht schon wieder von "Parasiten"

Professor Franz Walter, ein bundesweit bekannter Politologe, hat sich des Nazijargons bedient. In einem Interview in der "Zeit" bezeichnete er die FDP als "rein parasitäre Partei". Die Reaktionen der Leser sind erschütternd: Es gibt kaum Widerspruch und die Verunglimpfung wird ständig wiederholt: parasitär, parasitär, parasitär.

Ich habe auch von der Kommentarfunktion Gebrauch gemacht und entschieden darauf hingewiesen, dass das Nazijargon sei. Dieser Kommentar wurde gelöscht, mit der Begründung, ich hätte "relativiert".  "Relativieren" ist verboten, aber seinen Unflat darf man verbreiten.

Durch die aktuelle Antisemitismusdiskussion um Jakob Augstein habe ich den "3D-Test" kennengelernt, wie man Kritik an Israel und Antisemitismus unterscheiden kann. 3D steht für:

  1. Dämonisierung der israelischen Politik,
  2. Delegitimierung des Staates Israels und
  3. doppelter Standard, wenn man bei sich bei Israel wegen jeder kleinen Sache empört, aber bei den Verbrechen der Hamas schweigt
Kann man diesen 3D-Test nicht mal an der Kritik der FDP vollziehen? Man kann!
  1. Wird die Politik der FDP dämonisiert? Eindeutig ja. Die FDP wird verantwortlich gemacht für "entfesselnde Märkte", die zur Bankenkrise geführt hätten. Man wirft der FDP auch das Gegenteil vor, dass sie den Banken geholfen hätte und dass sie "Subventionen" unterstützt und Marktbeschränkungen aufrecht erhalte. Und dann wird die FDP noch in die Nähe von Anarchokapitalismus gebracht, was nun völlig absurd ist. Und das ist keine substanzielle Kritik, sondern Dämonisierung.
  2. Der FDP spricht man ihr Existenzrecht ab. Ich habe schon zahlreiche derartiger Meinungsäußerungen gelesen.
  3. Es existiert ein doppelter Standard. Bestes Beispiel ist die Senkung der Umsatzsteuer bei Hotelübernachtungen. Wer hat's beschlossen? CDU, CSU, FDP.  Wer wollte diese Senkung am dringesten? Die CSU. Aber wer bezieht die Prügel. Die FDP.
Was mich persönlich traurig macht, ist, dass bei der Wochenzeitung "Die Zeit" dieses FDP-Bashing fröhliche Urständ feiert. Ich hatte diese Zeitung mehrere Jahre abonniert, weil ich es für ein anständiges, liberales Blatt hielte, mit gebildeten Lesern, mit gebildeten Redakteuren und geistreichen Beiträgen. Damit ist ein für allemal vorbei.

Montag, 21. Januar 2013

Die größte Entdeckung im deutschen Journalismus der letzten fünf Jahre: Jennifer Nathalie Pyka

Ich habe heute die Jüdische Allgemeine gekauft und gelesen. Auf Seite 1: Pyka! Sie ist erst 23 Jahre alt, ihre Beiträge sind schonungslos, ihre Pointen treffen ins Schwarze, frei von Gefühlsduselei und sie schreibt, als fürchte sie niemanden. Ihre politische Haltung schätze ich als liberal (nicht "linksliberal", sondern richtig) ein, was bei Journalisten und insbesondere bei Journalistinnen die Ausnahme sein würde.

Was ist der Unterschied zwischen Augstein und Pyka? Augstein ist Miteigentümer des Leitmediums "Spiegel". Augstein ist Verleger des "Freitags". Augstein ist materiell abgesichert und sich keinem Chefredakteuer gegenüber rechtfertigen. Und Augstein ist der Meinung, er selbst breche Tabus, beispielsweise in dem er Israel kritisiert. Was für ein Held! Er bricht herbeischwadronierte Tabus.

J. N. Pyka aber steht am Anfang ihrer Karriere und sie vertritt tatsächlich Minderheitenmeinungen, beispielsweise in der Causa Augstein, bei sie sich sich auf Broders Seite stellt. Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass der große deutsche Blätterwald Jakob Augstein einen Persilschein ausgestellt hat.

Ich weiß nicht, wie lange sie nun schon bei der Achse des Guten schreibt. Zwei Jahre? Drei Jahre? Auf jeden Falle lese ich ihre Beiträge äußerst gerne.

Montag, 7. Januar 2013

Doppelter Standard bei Antisemitismusvorwürfen

Nun hat Deutschland wieder eine Antisemitismus-Debatte. Nach Möllemann im Jahre 2002 und Hohmann im Jahre 2003 hat es in diesen Tagen Jakob Augstein erwischt.

Möllemann hat auf sich aufmerksam gemacht, weil er sich für die palästinensische Sache eingesetzt hat und infolgedessen gleich in mehrere Fettnäpfchen getreten ist, u. a. hat er Michel Friedman vorgeworfen, er befördere mit seinen vorschnellen Antisemitismusvorwürfen den Antisemitismus. Das wurde von der Mehrheit der öffentlichen Meinung als klassisch antisemitsch abgestempelt.

Hohmann hat vom jüdischen Tätervolk fantasiert. Er meinte nicht Israel, sondern die paar Juden, die bei der Oktoberrevolution vorne mit dabei waren, z. B. Trotzki. Es war ziemlich dumm, weil es jeder Logik entbehrte. Er wollte herleiten, dass man das deutsche Volk nicht als Tätervolk bezeichnen könne, nur weil ein paar Juden bei den Bolschewiki mit den Ton angaben, die Juden man aber nicht als Tätervolk bezeichnet. Der machte nicht den Unterschied, dass Hitler von Deutschen gewählt und von Deutschen unterstützt wurde. In jeder verantwortlichen Position saß ein Deutscher (bzw. Österreicher) und jeder Gefreite war Deutscher. Die Verbrechen wurden mehrheitlich von Deutschen, im Namen der Deutschen für das Deutsche Reich begangen. Dass Hohmann das übersehen hat, zeichnet ihn als riesengroßen Dummkopf aus. Hohmanns Karriere war ab seiner Tätervolk-Hypothese am Ende.

Waren Möllemann und Hohmann Antisemiten? Mit großer Wahrscheinlichkeit gehörten sie der großen Gruppe gemäßigter, latenter Antisemiten an. Weder Möllemann noch Hohmann ist dadurch aufgefallen, sämtliche Register zu ziehen, die sonstige "Israelkritiker" (Euphemismus für Antisemiten) draufhaben, die da unter anderem wären: jüdische Lobby in den USA, jüdisches Finanzkapital, Israel profitiere vom Unglück in den arabischen Ländern. Es ist auch schwierig zu zeigen, dass Möllemann und Hohmann die drei Ds des Antisemismus erfüllten: doppelter Standard, Dämonisierung, Delegimitierung des israelischen Staates. Das heißt nicht, dass sie besonders besonders geschickt waren, ihren Antisemitismus zu verbergen, sondern zeigt eher einen schwach ausgesprägten Antisemitismus. In was war Hohmann denn geschickt? Er war rhetorisch und intellektuell ein ziemlicher Tölpel.

Bei Augstein liegt der Fall anders. Er zieht munter alle Register der "Israelkritik", er glaubt ernsthaft, Israel hätte ein Interesse daran, dass Araber Araber massakrieren wie zur Zeit in Syrien. Augstein schlägt eine Kapriole von den Republikanern in den USA über die jüdischen Lobbys hin zu Israel und den Nahostkonflikten. Meiner Einschätzung nach ist Augstein im Vergleich zu Möllemann und Hohmann der härtere Antisemit.

Doch erstaunt mich die Reaktion der Öffentlichkeit. Fast alle Tageszeitungen nehmen Augstein in Schutz, sogar der von mir geschätzte Jan Fleischhauer nimmt ihn in Schutz und sogar der Zentralrat der Juden. Woran liegt das? Liegt es an Augsteins feinem Benehmen und seiner linken Gesinnung? Meiner Meinung nach ja. Augstein ist der typische Salonlinke, ein Gutmensch. Unter Journalisten gibt es nicht wenige seiner Sorte: Über 33 % der deutschen Journalisten wählen die Grünen, über 20 % die SPD. CDU/CSU und FDP haben zusammen nicht einmal 15 % der Journalisten hinter sich. Ich glaube, in vielen Redaktionsstuben ist es vielen Menschen einfach nur peinlich, dass einer von ihnen in der Kritik steht und damit sie selbst. Wer Augstein kritisiert, kritisiert den typisch links-grün-alternativen Journalisten. Nicht alle von denen will ich Antisemitismus unterstellen, aber es kommt doch nicht von ungefähr, dass der deutsche Journalismus über jede israelische Bombe berichtet, aber kaum darüber, dass die Hamas ständig ihre Selbstmordattentäter und Raketen schickt, das eigene Volk unterdrückt und Israels Vorgehen eine Reaktion ist. Was glauben die "Israelkritiker" denn, wie Israel vorgehen soll? Mit Sitzblockaden und Lichterketten?

Ich frage mich häufiger, ob die Verteidiger Augsteins seine Artikel überhaupt gelesen haben. Ich lese nun über ein Jahr seine Kolumne bei Spiegel Online, gerade wegen der wirtschafts- und finanzpolitischen Themen. Augstein hat sich bei diesen Themen als Wirrkopf erwiesen und bei seinen Kommentaren zum Nahostkonflikt als Antisemit.


Samstag, 5. Januar 2013

"Kritische" Aktionäre

Ich bin heute meinen Aktionärspflichten nachgekommen und habe bei der Siemens AG an der elektronischen Briefwahl teilgenommen. Es gab einen Gegenantrag, den Gegenantrag A vom "Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre". Schon der Name dieses Verbandes ist furchteinflößend, weil man schon erahnen kann, was diese Leute bewegt: Gender-Mainstreaming, Ökologie und "Klimaschutz".

Die schlagen vor, dass man die Dividende von 3 € auf 2,50 € kürzt, um mit den freiwerdenden Mitteln Samariter zu spielen. Es geht um das Belo-Monte-Staudamm-Projekt in Brasilien an dem Brasilien beteiligt ist. Es werden indigene Völker angeführt, deren Menschenrechte man angeblich verletzt. Mit dem globalen Klima wird auch argumentiert.

Ich halte es für baren Unfug. Was die Rechte der indigenen Völker angeht: Diese können entschädigt werden, u. a. durch die Finanzierung einer Umsiedlung oder durch Jobs, durch Perspektiven, die eine zuverlässige Stromerzeugung bietet. Es ist nicht der Traum eines jeden Urwaldindianers immer Urwaldindianer zu bleiben. Ich bezweifle stark, dass dieser Dachverband Rückhalt bei den betroffenen Menschen hat. Und der "Klimaschutz" interessiert mich nicht. Ich halte "Klimaschutz" für eine große Abzockmasche, weshalb ich das Argument noch weniger Ernst nehme.

Dieser Dachverband nennt sich kritisch, aber er surft auf der obersten Welle des Zeitgeistes mit. Da ist überhaupt nichts kritisch, denn zur Kritik gehört zuallererst die Selbstkritik und es wäre mir neu, dass in diesem Milieu die Theorie des Klimawandels hinterfragt wird. Ich selbst kann von mir behaupten, dass ich das getan habe, dachte ich über den Klimawandel und über Klimaschutz vor zehn Jahren noch ganz anders. Klimawandel war für mich bewiesen und Klimaschutz deshalb sinnvoll. Ich sehe das heute ganz anders: Klimawandel ist nicht bewiesen und Klimaschutz ist nicht sinnvoll, unabhängig davon, ob die Erderwärmung eintritt oder nicht.

Interessant ist, was dieser Dachverband mit dem Geld aus der vorgeschlagenen Dividendenkürzung anstellen möchte. Man möchte "mindestens 20000 AnwohnerInnen" entschädigen und "ökologische Ausgleichsmaßnahmen" finanzieren. Nehmen wir an, 20000 Menschen sind tatsächlich betroffen. 421.374.835 € kämen bei der Dividendenkürzung heraus. Das wären pro Person 21068,74 €. Dies ist aber nicht die einzige Entschädigung, schließlich werden die 20000 Menschen umgesiedelt, d.h. bezahlt vom brasilianischen Staat, von wem auch sonst. Was sollen diese Menschen mit dem Geld? Die haben ohne Konzession gejagt und gefischt und können es nun woanders tun. Und man will ja noch "ökologische Ausgleichsmaßnahmen" finanzieren, d.h. bei den Betroffenen käme noch weniger Geld an.

Es ist zu vermuten, dass ein Großteil des Geldes zu den üblichen Verdächtigen fließen soll: Umweltschutzorganisationen, die den rückständigen Menschen Solarkocher bringen, anstatt Bücher, Computer und Elektrizität.  Tatsächlich ist der Gegenantrag unterzeichnet von zahlreichen dieser Organisationen: "GRÜNE LIGA e.V.", "Pro REGENWALD", "Robin Wood" und andere.

Würde der Gegenantrag umgesetzt, würden nur entsprechenden Organisationen profitieren, z. B. "urgewald". Diese Organisation hat weniger als 40 Mitglieder. Wenn denn von den über 421 Millionen € auch nur 1 % für sich abknappsen können, dann sind das ja schon über 4 Millionen € oder 100000 € pro Mitglied. Das ist auch der Grund für das große Engagement. Wenn die jährlich bei 100 Hauptversammlungen derartige Gegenanträge stellen, und vielleicht drei Gegenanträge angenommen werden, dann ist das schon ein Heidengeld, was da zusammenkommt. Die Abmahnbranche funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

Den Gegenantrag habe ich abgelehnt.