Samstag, 6. Juli 2013

"Ich lebe heute"

"Ich lebe heute" ist eine immer wieder gebrauchte Phrase, um zu rechtfertigen, dass man nicht spart.

Obwohl der Satz objektiv richtig ist, kritisiere ich die dahinter steckende Einstellung. Zuallererst werden alle Menschen beleidigt, die sparen, denn es wird ja impliziert, dass sparsame Menschen "nicht leben", also eine geringe Lebensqualität besitzen. Ich bin sparsam, weise aber solche Vorwürfe von mir. Mir sind wenige Dinge wichtig. Ich bin in einem Sportverein und an drei Abenden der Woche treibe ich Sport. Das sind drei Abende, an denen ich kein Geld ausgebe, z. B. in einem Kino. Weshalb ich deshalb eine geringere Lebensqualität  haben soll, ist mir schleierhaft. Ich lese auch gerne und auch viel. Auf längeren Bahnreisen habe ich immer meinen Kindle und ein paar Bücher dabei. Die Ausgaben für Bücher belaufen sich in diesem Jahr schon auf 180 €. Ich kaufe, wenn möglich, gebrauchte Bücher.

Sparen heißt nicht, dass man auf alles verzichtet, was ein gutes Leben ausmacht. Man sollte aber Prioritäten setzen und entscheiden, was wirklich wichtig ist.  Gutes Essen, ein gutes Auto, Urlaubsreisen, eine schicke Wohnung... Ich finde, dass das ziemlich viel auf einmal ist und ich kenne Menschen, die sich wirklich das alles wirklich gönnen und nichts sparen. Ich frage mich aber, was nutzt es, viel in den Urlaub zu gehen und eine schicke Wohnung leer stehen zu lassen? Was nutzt die tollste Küche, wenn man dann doch nur Brote schmiert oder im Restaurant essen geht? Wenn die "Filmleidenschaft" doch nur aus einem Film pro Monat besteht, braucht man  dann unbedingt einen großen Fernseher? Braucht man ein Auto, wenn man nur drei Kilometer von der Arbeitstätte entfernt lebt?

Und um die Dinge, die einem wirklich wichtig, auf Dauer zu finanzieren, muss man sparen und investieren. Es ist ja nicht so, dass mein Geld sinnlos auf dem Girokonto herumliegt. Ich investiere in Aktien, die mir ein passives Einkommen ermöglichen. Das schafft finanzielle Spielräume, die ich in zehn Jahren nutzen kann, z. B. für einen Hauskauf. Ich weiß nicht, wie und wo ich in zehn Jahren leben werde und welche Wünsche ich haben werde; man ist ja immer in einer Entwicklung. Ich weiß nur, dass die Erfüllung der Wünsche Geld kostet und deshalb spare und investiere ich.

Die Überschrift "Ich lebe heute" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil ich da ein Kreditinstitut zitiere. Die Targo-Bank ging mit dieser Parole auf Kundenfang und geworben wurde für Konsumkredite. Für den heutigen Konsum auf Investitionen und aufs Sparen zu verzichten, ist ja schon schlimm, Konsumkredite aufzunehmen ist aber idiotisch.

Natürlich lebt man heute, aber auch morgen und übermorgen. Jeder Student verzichtet für ein paar Jahre auf Einkommen, das man als einfacher Arbeiter erzielen könnte, um dann als Akademiker ein gutes Gehalt zu kassieren. Die Studenten haben doch schon gezeigt, dass "Ich lebe heute" die falsche Einstellung ist. Warum solle es nach dem Studium, sobald man Geld in der Tasche hat, anders sein?

Wohin man auch schaut nur Staatvertrauen - Die Sache mit der Rente

Heute habe ich auf Spiegel Online einen erfreulichen Beitrag gelesen, dass sich die Rentenbeiträge verringern könnten. Das ist wirklich erfreulich und man sollte es auch machen. Ein Blick aber in das Forum bestärkt mich aber, dass wir ein Volk von Buchhaltern sind, die ein immenses Vertrauen in den Staat haben.

Buchhalter sind es deshalb, weil sie nur den einzelnen eingesparten Beitrag sehen, der nur wenige Euro beträgt. Der Beitrag würde, ihrer Auffassung nach, in wenigen Jahren wieder steigen, was passieren kann, aber nicht muss. Die Buchhalter verstehen nicht, dass es nicht nur um wenige Euro für den Einzelnen geht, sondern dass man das mit 40 Millionen multiplizieren muss und enorme Reserven freisetzt, sowohl für Konsum als auch für Investitionen, just das also, was linke Pappenheimer immer wieder fordern: Mehr Geld in die Taschen der kleinen Leute, dass mehr konsumiert wird. Und Investitionen der Firmen werden auch ständig gefordert. Ein Unternehmen, das tausend Angestellte hat und 5 € pro Mitarbeiter an Rentenbeitrag sparen könnte, hat dann 5000 € monatlich frei, die es z. B. in einen zusätzlichen Mitarbeiter investieren könnte, wodurch einerseits zusätzliche Rentenbeiträge entstünden, andererseits aber Sozialleistungen verringert würden, wenn der Mitarbeiter zuvor arbeitslos war. Der Linke, der gerne ein Konjunkturprogramm nach dem anderen aufsetzen möchte (die allesamt nutzlos sind), hat überhaupt kein Vertrauen darin, dass Unternehmen und Arbeitnehmer mit dem Geld sinnvolles anstellen, was positive volkswirtschaftliche Effekte hätte. Und selbst wenn es in fragwürdige Dinge "investiert" würde, z. B. in Alkoholika, flösse es zurück zum Staat wegen der hohen Alkoholsteuern.

Und dann ist da noch dieses Staatsvertrauen. Es wird ernsthaft gefordert, das Geld solle man zurücklegen und sparen. Politiker und Beamte sollen Geld sparen... wer das fordert, hat in den letzten Jahrzehnten überhaupt nichts gelernt. Politiker und Beamte verstehen nichts vom Sparen oder gar vom Investieren. Die müssten dann wieder Fachkompetenz einkaufen, was auch nicht gut ist, weil viel zu teuer und sinnlos, wenn man die Performanz von Fonds-Managern kennt. Warum überlässt man es nicht den Arbeitnehmern, dass sie das Geld zurücklegen? Arbeitnehmer können als Kleinanleger eine wesentlich bessere Performanz an den Aktienmärkten hinlegen als Fonds-Manager, weil Kleinanleger nur sich selbst verpflichtet sind und kein Window-Dressing betreiben müssen. Kleinanleger müssen nur Value-Ansatz verfolgen und nicht überaktiv werden.

Angenommen, jemand bekommt durch einen sinkenden Rentenbeitrag 12 € mehr netto monatlich. Wenn er dieses Geld Monat für Monat zu 8 % anlegt, hat er nach 30 Jahren 16312,78 € erspart. 8 % pro Jahr sind bei Aktienanlagen gar nicht mal so außergewöhnlich. Aber diese Menschen denken nicht so und daher kommt die völlige Verständnislosigkeit der Mehrheit der Deutschen für Aktienanlagen, fürs Investieren, ja fürs Wirtschaften im Allgemeinen. Nach vierzig Jahren wären es sogar 37304,14 €. Man hätte genau diese vierzig Jahre bis zum Renteneintritt gespart und die Aktien würfen 4 % Dividendenrendite pro Jahr ab: Man hätte eine kleine Zusatzrente von 124 € pro Monat. Man zeige mir den Riestervertrag, bei dem man 12 € pro Monat einzahlt, um als Rentner 124 € pro Monat zu erhalten.

Ich jedenfalls freue mich über jeden Euro, den ich zusätzlich zu meiner freien Verfügung habe.