Montag, 29. Dezember 2014

SED wieder Partei von Weltrang

Das Simon Wiesenthal Center hat seine Top 10 der antisemitischen Ereignisse des Jahres 2014 veröffentlicht. Ich fasse zusammen:

  1. Ein belgischer Arzt lehnte die Hilfe für eine ältere Dame ab, weil sie Jüdin war.
  2. Der Anschlag auf eine Synagoge in Jeruslem durch Pali-Terroristen. Daraufhin hielten jordanische Parlamentarier eine Schweigeminute für die Terroristen ab.
  3. Vergewaltigung einer jüdischen Frau beim Einbruch in eine jüdische Wohnung.
  4. "Toiletgate" - Gysi wurde von Antisemiten auf die Toilette verfolgt. Dabei offenbarte sich das antisemitsche Problem dieser Partei.
  5. Forderung in der Türkei, dass Juden Extra-Steuern für die Wiederaufbau Gazas zahlen sollen.
  6. Eine Forderung in Schweden an Juden, ihr Jüdischsein aufzugeben.
  7. Eine antisemitische Installation in Ungarn, bei der israelische Politiker symbolisch erhängt wurden.
  8. Lara Kiswan, die sich für Araber engagiert und eine antisemitische Haltung offenbarte.
  9.  Frazier Glenn Cross Jr, der im Ku-Klux-Klan ist und gerne noch ein paar Juden töten möchte, bevor er selber stirbt.
  10.  Ein Vorfall in Großbritannien, bei dem jüdische Kinder aus eines Sportgeschäftes verwiesen wurden, weil sie jüdisch waren.
Ich bin nur überrascht, dass die Demos in Deutschland, auf denen "Hamas, Hamas, Juden ins Gas!" und "Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein." skandiert wurden, gar nicht erwähnt wurden. Ich hatte erwartet, dass die auf Platz 1 kommen.

Aber immerhin die SED, PDS oder wie immer sie heute auch heißen mag. (Morgen heißt sie vielleicht wieder anders. Wer weiß?) Ich bin dankbar, dass die alte antisemitische Tradition dieser Partei wieder Diskussionsthema wird und generell der Antisemitismus des linken Spektrums. Schon der Salonlinke Jakob Augstein hat sich die Auszeichnung vor zwei Jahren redlich verdient.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Bilanz 2014, Ziele 2015

Es wird wieder Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Die letzten Börsentage des Jahres übergehe ich einfach mal.

Meine Ziele für 2014 waren:
1. Steigerung der Dividendeneinnahmen auf über 3200 € brutto.
2. Ein Aktiendepot im Wert von  110000 €.
3. Investitionen in Höhe von 24000 €. Mit meinem Cash-Überschuss aus diesem Jahr wird dies einfach sein.

Ziel 1 habe ich nicht geschafft. Ich habe nur 3059,82 € an Dividenden erhalten. Der Grund dafür war, dass ich eine sehr große K+S-Position habe und dort wurde die Dividende einfach mal gefünftelt. Die RWE-Dividende wurde halbiert. Ziel 2 hab leider auch knapp verfehlt, mein Depot beträgt 109.913,74 €. Der Wert kann aber noch in den nächsten zwei Tagen über die 110.000 € springen. Investiert habe ich in diesem Jahr 24306,32 €. Dieser Betrag speist sich alleine aus meinem aktiven Einkommen und aus Dividenden. Ich habe auch ein paar Umschichtungen vorgenommen und die sind hier nicht berücksichtigt, denn dann wäre es leicht, auf 24000 € zu kommen. Damit ist Ziel 3 erreicht, was ja eher eine Anforderung an meinen Lebensstil ist als an meinen Investitionserfolg.

Alles in allem bin ich zufrieden, denn entscheidend ist, dass ich auf Dauer Gewinne mache und nicht Jahr für Jahr selbst gesteckte Ziele schaffe. Das nächste Jahr wird besser, gerade was die Dividenden angeht. Ich gehe davon aus, dass K+S die Dividende wieder ein bisschen erhöht. Zugleich habe ich 2014 einige gute Dividendenzahler gekauft, vor allem Quartalszahler, die erst im kommenden Jahr voll zum Tragen kommen.

Meine Dividendenentwicklung der letzten Jahre lässt ich an diesem Balkendiagramm ablesen:

Meine Ziele für das kommende Jahr:

1. Ich will versuchen, wieder 24000 € in Aktienkäufe zu stecken, wobei sich auch hier der Betrag nur aus aktiven Einkommen und Dividenden speisen darf.
2. Ein Depot von 136000 € Wert ist das Ziel. Ich gehe nicht von viel Kurswachstum aus.
3. Meine Dividendeneinnahmen will ich auf 4200 € brutto erhöhen. Die Grundsteine dafür sind schon gelegt. Ich kann ja abschätzen, was mein aktuelles Depot im kommenden Jahr abwerfen könnte. Das sind etwas mehr als 3800  € brutto. Ich müsste aber in den ersten Monaten richtig ranklotzen, um noch genug Dividendenzahlungen im zweiten Halbjahr abzufischen.
4. In jedem Monat möchte ich mehr Dividenden erhalten als im Monat des Vorjahres..

Ich hatte in diesem Jahr auch einige besondere Meilensteine. Mein Depot hat einen sechsstelligen Wert und meine Dividendeneinnahmen belaufen sich auf über 8000 € brutto insgesamt, seitdem ich in Aktien investiere.

Ich möchte auch die Kontinuität erhalten, mit der ich Dividenden erhalten, deshalb Ziel 4. Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, dass ich in jedem Monat Dividenden erhalten habe. Das möchte ich weiter ausbauen, sodass ich gezielt Dividendenzahler für die dividendenschwachen Monate kaufen möchte. Für 2016 formuliere ich schon heute das Ziel, in jedem Monat mindestens 100 € Dividende zu bekommen. Momentan sind nur noch Februar und November zweistellig und am Februar 2015 kann ich nicht mehr viel ändern: Er wird ein zweistelliger Dividendenmonat sein.

Sonntag, 21. Dezember 2014

PEGIDA - Der Schuss geht nach hinten los.

Seit wenigen Wochen gibt es die "Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA). Die etablierten Medien sehen diese Bewegung sehr kritisch. Ich auch.

Womit ich konform gehe: PEGIDA spricht wichtige Punkte an und sicherlich haben die etablierten Medien es zu verantworten, dass diese Bewegung entstanden ist und dass deren Medienkritik teilweise treffend ist. Oft erlebt man es, dass der Migrationshintergrund eines Gewalttäters in Zeitungsartikeln nicht erwähnt wird. Das spielt natürlich in den Hände von Verschwörungstheoretikern, die eine Gleichschaltung vermuten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk schaffte es sogar Demonstrationen als friedlich zu bezeichnen, auf denen Palästinenser skandierten: "Hamas, Hamas, Juden ins Gas.", während bei zweifelhaften Äußerungen eines Thilo Sarrazin über "jüdische Gene" hyperventiliert wird. Und dieses Verhalten ist äußerst kritikwürdig, denn den muslimischen Zuwanderern gestattet man Narrenfreiheit und die Einheimischen werden für Geringeres mit "Shitstorms" fertiggemacht. Sarrazin beispielsweise hatte nie(!) einen Vernichtungswunsch geäußert, aber der Vernichtungswunsch wurde mehrfach auf den antisemitischen Demos dieses Jahres geäußert.

Dennoch sehe ich PEGIDA kritisch, genauso wie ich die AfD kritisch sehe. Warum? Diese Organisation zieht natürlich Verschwörungstheoretiker und andere Vollidioten an, auch echte Extremisten. Berechtigte Medienkritik entwickelt sich zur Verschwörungstheorie. Ich beispielsweise finde die Berichterstattung über Putin ausgewogen und vielfältig. Die Kritik an Putin ist schon sehr sorgfältig begründet. Einen antirussischen Furor erkenne ich nicht. Dennoch bilden sich PEGIDA-Anhänger ein, die deutschen Medien wären antirussisch gleichgeschaltet.

PEGIDAs Positionspapier halte ich schon recht vernünftig, von denen ich vieles unterschreiben würde, nur sehe ich nicht, dass die PEGIDA-Anhänger wirklich diese Positionen vertreten. Das was man proklamiert, ist etwas anderes als die Realität. Die DDR hatte die Demokratie auch im Namen, aber sie war nicht demokratisch. Laut nordkoreanischer Verfassung ist Glaubensfreiheit garantiert, aber tatsächlich landen Christen in nordkoreanischen Lagern. Und PEGIDAs Positionspapier spricht sich für einen asylfreundliche Politik aus, aber auf den Straßen äußern sich Hass, Wut und Ausländerfeindlichkeit.

Mal sehen, wie lang es dauert, bis auch bei Pegida die Antisemiten Oberwasser bekommen. Wenn da solche Gestalten wie Jürgen Elsässer und Ken Jebsen auftauchen, dann wird's auf Garantie eine antisemitische Chose.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Die Ulbrichtisierung der Politik

Zwei Begebenheiten, die nichts miteinander zu tun haben, öffnen zusammen plötzlich den Blick.

Begebenheit 1:

In den letzten Wochen beschäftigte ich mich zunehmend mit der SED-Diktatur und ihren Verbrechen. Youtube ist reich Dokumentation über das Frauengefängnis Hoheneck, über den geschlossenen Jugendwerkhof Torgau, über Hohenschönhausen, Bautzen usw. Interessant fand ich auch diesen Interview-Ausschnitt mit Wolfgang Leonhard:



Er charakterisiert Ulbricht als jemanden, der sich nur dafür interessiert, dass er was durchsetzt, der aber nicht darüber nachdenkt, ob es sinnvoll ist, was er da durchsetzt.

Begebenheit 2:

Heute las ich bei SPON über die UN-Klimatagung in Lima. Der Autor scheint unzufrieden, dass so wenig dabei herumgekommen ist. Und es werden auch ausschließlich Leute zitiert, die noch mehr durchsetzen wollten.

Und das meine ich mit Ulbrichtisierung: Es geht nur noch ums Durchsetzen und nicht mehr darum, ob es überhaupt richtig ist. Denn ob es die globale Erwärmung gibt, ist immer noch nicht bewiesen, dass das der Mensch dagegensteuern kann, ist höchst zweifelhaft und dass dies wirtschaftlicher wäre als einfach mit den Folgen einer möglichen globalen Erwärmung zu leben, ist noch zweifelhafter. Der Autor des SPON-Artikel interessiert sich nicht für diese Fragen. Und woher der Wert mit den 2 Grad kommt, ist auch willkürlich festgelegt, nicht das Ergebnis von Wissenschaft, sondern von Politik. Allein an diesem Umstand erkennt man doch, dass es nicht mehr um die Sache geht. Würden die denn vom 2-Grad-Ziel abweichen, wenn man wüsste, dass 1,9 Grad reichten? Das darf bezweifelt werden.





Und wenn ich mich recht ersinne: Ich habe noch nie ein Lob auf den Bundesrat und unserer behäbiges Gesetzgebungsverfahren gelesen. Ich halte es für einen Standortvorteil, denn so blöd manche Gesetze auch sind: Ich bin der Überzeugung, es wird mehr Blödsinn verhindert und ausgebremst, als dass es bei guten Anliegen passiert, denn unsere Politiker regieren auch im Sinne Ulbrichts und wollen sich durchsetzen, egal wie blöd es ist. Wie anders erklärt sich denn die Herdprämie der CSU?

Ein gutes Beispiel ist auch das EEG. Eine CO2-Reduktion wurde dadurch nicht erreicht, sondern eine Steigerung der CO2-Emissionen, weil viele Kohlekraftwerke bei einem ungünstigeren Wirkungsgrad laufen müssen, aber auch nie komplett abgeschaltet werden können.

Man konnte behaupten, dass vor zwanzig Jahren die Idee der globalen Erwärmung noch tatsächlich fair diskutiert wurde, aber mittlerweile hat es sich zum Selbstläufer entwickelt. Jeder Bundesumweltminister wird vor allem daran gemessen, was er für den Klimaschutz getan  hat, egal wie unsinnig das ist.


Übrigens schrieb ich das auch im SPON-Forum, aber der Kommentar kam nicht durch die Zensur. Ich hatte wohl einen wunden Punkt getroffen.

Betreutes Sparen - Riester ist nicht im Sinne Kants

Wer meine Beiträge kennt, weiß, wie ich zu Kapitallebensversicherungen stehe, zu Riesterrenten, zu Rüruprenten, zu Betriebsrenten und zu all den komischen Formen des Sparens. Ich fasse das zusammen als "betreutes Sparen" und die mitschwingende Verachtung für diejenigen, die das machen, ist auch so gemeint.

Ist es nicht komisch, dass die Deutschen überall sonst selber machen wollen: Sie wollen selber Auto fahren (und wehe, es redet jemand rein), sie wollen auf keinen Fall ins Altenheim, den Führerschein wegen Sehschwäche im Alter will kaum jemand abgeben. Selbst die Tüten lässt man sich im Supermarkt ungern einpacken; das macht man lieber selber. Man wehrt sich gegen Betreuung. Außer beim Vermögensaufbau.

Die meisten Menschen sind abhängig beschäftigt und beziehen regelmäßig Lohn oder Gehalt. Es ist auch okay, wenn Menschen sagen, dass sie das machen wollen und nicht Freiberufler oder Unternehmer sein, denn das ist mit viel Verantwortung, Bürokratie, Arbeit und Risiko verbunden. Weil es sich aber kaum vermeiden lässt, dass Geld vom Gehalt/Lohn übrig bleibt, das gespart werden will, muss man intelligent sparen und investieren. Die Notwendigkeit besteht darin, dass die Menschen Konsumwünsche haben, die das monatliche Netto-Einkommen weit überstrapazieren.

Und damit wird man zu einem Unternehmer in eigener Sache. Und daher rate ich grundsätzlich dazu, sich finanzielle Kompetenz anzueignen. Ich jedenfalls hatte als Kind, die einen oder anderen Sparprozesse am laufen, um mir die eine oder andere teurere Sache zu finanzieren. Ich wäre als Kind nicht auf die Idee gekommen, einen Kredit aufzunehmen und diesen aus meinem Taschengeld abzustottern.

Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, jemand anderen mein Geld zu geben, der mir irgendwas dubioses versprochen hätte. Ich managte schon als Kind mein Geld und das mache ich heute noch. Ich lese nicht gerade wenig über Finanzen, Aktien und Unternehmen. Und ja, es macht sogar Spaß. Ich hätte keinen Spaß daran, wenn ich es nur "aus Spaß" machte. Ich sähe keinen Sinn drin. Da ich aber die Verantwortung für mich in meine Hände nehme und nicht an eine Obrigkeit delegiere, fühle ich mich frei, selbstständig, selbstbewusst. Und das erfüllt mich mit einer gewissen Freude.

Wie schon Emanuel Kant schrieb:

AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Dadurch, dass ich meinen Vermögensaufbau bzw. Altersvorsorge selber in die Hand nehme und nicht delegiere, zeige ich, dass ich den Mut habe, mich meines Verstandes zu bedienen. Ich sehe auch eine Selbstverschuldung bei vielen meiner Gleichaltrigen, die sich nicht trauen. Obwohl sie die geistige Kapazität dazu hätten, ein diversifiziertes Depot aufzubauen, machen sie es nicht.

Wer riestert, rürupt oder in eine KLV einzahlt, überträgt das Recht, was mit dem eigenen Vermögen geschehen soll, einer Versicherung oder Bank. Durch diesen antiaufklärerischen Akt lassen sie es zu, dass andere über sie bestimmen. Die Gesellschaft für die Riesterversicherung bestimmt, ob man sich im Alter die gute Wurst und den guten Käse leisten oder nicht. Aus selbstverschuldeter Unmündigkeit wird selbstverschuldete Handlungsunfähigkeit. Das kann nicht im Sinne Kants sein.

Ein mündiger Bürger braucht keine Betreuung beim Sparen. 

Sonntag, 7. Dezember 2014

Statistiken führen

Als ich mein Engagement an der Börse begann - das war vor fünf Jahren -, eröffnete ich sogleich in der Tabellenkalkulation eine Mappe für meine Aktienkäufe, -verkäufe und Dividendenzahlungen. Entsprechend meiner Anlagephilosophie trage ich recht wenig bei den Verkäufen ein, aber es gibt sie. Kaufoptionen im Zuge einer Kapitalerhöhung verkaufe ich grundsätzlich. Auch die Osram-Beteiligung verkaufte, weil mir die Position zu klein war und ich nicht plante nicht, nachzukaufen.

Da ich die Daten sammle, kann ich darüber auch Statistiken führen, diese aufbereiten und aufzeigen: Seht her, es lohnt sich tatsächlich, langfristig in Aktien engagiert zu sein und stetig nachzukaufen. 2009 bekam ich gerade mal 51 € brutto an Dividenden heraus. Heute bekomme ich ca. das sechzigfache.

Es wäre natürlich einfacher, auf den DAX zu verweisen. Er ist ein Performanz-Index und zeigt auf, was aus Kurswachstum und reinvestierten Dividenden passiert. Ich halte das für recht synthetisch und viele Leute glauben auch nicht, dass man die durchschnittliche DAX-Rendite für Hochrechnungen nutzen kann.

Viele verstehen es auch nicht, wenn man von durchschnittlichen 8 % redet. Die hören "garantierte 8 %" und ziehen sofort alles in Zweifel, was man sagt und schreibt, denn natürlich kann ich nichts garantieren. Denen genügt auch nicht die Aussage, dass mit "hoher Wahrscheinlichkeit" man nach 10 Jahren dick im Plus ist. Es gibt gute und schlechte Jahre. Die durchschnittliche Rendite ist das geometrische Mittel.

Garantien zu verlangen, ist auch recht infantil, denn garantiert sind nur der Tod und die Steuer. Ein erwachsener Mensch sollte das wissen, aber wenn er dennoch auf Garantien bei der Geldanlage insistiert, sei ihm angeraten, sich ernsthaft mit Wahrscheinlichkeitstheorie auseinanderzusetzen, meinetwegen auch mit dem Philosophie. Mit den Unwägbarkeiten des Lebens und der Börse umgehen zu können, ist Teil des Erwachsenseins.

Selbst wenn man mit Aktien ein unterdurchschnittliches Ergebnis erzielen sollte, ist das meistens immer noch besser als das, was beispielsweise eine Kapitallebensversicherung garantiert. Und darauf kommt es an. Mit jeder zusätzlichen Position im Depot senkt man die Varianz des Gesamtergebnisses, also die Abweichung vom Durchschnitt. Das wird bei der Diversifizierung ausgenutzt.

Ich führe Statistiken, um mir meinen Erfolg vor Augen zu führen. Es motiviert mich und es motiviert vielleicht andere, wenn sie das lesen. Mir fällt es auch leicht, da ich schon immer ein Faible für Statistiken hatte. So konsultiere ich häufig Fußball- und Basketballstatistiken. Die Amerikaner haben schon sehr früh angefangen, Statistiken über alles mögliche zu führen. Der Dow Jones ist nicht umsonst der älteste Aktienindex der Welt.

Im amerikanischen Basketball werden schon seit Jahrzehnten für jeden Spieler und für jedes Spiel umfangreiche Daten gesammelt. Nicht nur in der Hauptkategorie, also den gemachten Punkten. In Fußballeuropa hat man anfangs selbst die Anzahl Spiele und Anzahl der Tore nur unzureichend notiert, während beim Basketball in Amerika Spielminuten, Punkte, Assists und Rebounds notiert wurden. Später kamen dann auch noch Blocks, Steals und Turn overs dazu. Bei den Rebounds begann man bei der Datenerfassung, zwischen offensiven und defensiven Rebounds zu unterscheiden.

Wenn Statistiken in den USA so populär sind, müssen sie ja eine entsprechende Breitenwirkung haben. Vielleicht sollte man mal eine Studie darüber führen, inwiefern die Statistik-Liebe der Amerikaner mit ihren Wohlstand zu tun hat. Denn eine gute Statistik kann helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten bewahrt einen auch vor unsinnigen Versicherungsverträgen, wie z. B. der Handy- oder der Sterbegeldversicherung.

Gerade in Deutschland tut man sich immer noch schwer mit Stochastik und Statistik. Dass Churchill nur den Statistiken geglaubt haben sollte, die er selbst gefälscht hätte, ist eine populäre Totschlagsphrase. Man erstickt die Diskussion und schnürt die Gedanken ein, das passiert, wenn man den Churchill-Spruch kloppt. (Der übrigens mit hoher Sicherheit aus Goebbels Ministerium stammt, um die Deutschen das Hören des BBCs auszutreiben.) Die Folge ist: Wohltandsverlust.

Sonntag, 30. November 2014

Das Umfeld, in dem Antisemitismus gedeiht.

Ich muss mich wieder zu Wort melden, denn die Antisemiten in diesem Lande nötigen mich dazu. Ich beobachte schon seit einiger Zeit Dirk Müller. Ich fand ihn okay, solange er sich auf sein Zeug besinnte und vor Immobilien warnte. Seine Entwicklung ist aber äußerst negativ. An Dirk Müller kann man gut beobachten, was aus einem schlichten Gemüt wird, wenn es plötzlich Gehör findet, ihn erstmal alle toll finden, und was passiert, wenn es Gegenargumente gibt. Müller beleidigt ja alle seine Kritiker aufs übelste. Müller zieht sich sonst in sein Netzwerk zurück, wo er nur Bestätigung findet, sodass er tatsächlich glaubt, er wisse mehr als alle anderen. Anders kann man sich erklären, warum er sich das Recht nimmt, andere zu beleidigen.

Youtube war so nett und schlug Videos vor, die mich vielleicht interessieren könnten. Da war er dann wieder, der Dirk Müller:



Hier ein paar Screenshots von den Kommentaren unter dem Video.





Besonders schlucken muss ich, als Eric Frey als "elende undankbare Ratte" bezeichnet wurde. Schon die Nazis bezeichneten Juden als Ratten.

Außerdem betreibt "ParamiliterWild" Geschichtsklitterung. Die Russen haben für die Juden keinen Finger krumm gemacht. Nach 1945 wurden die Juden in der Sowjetunion auch verfolgt. Der industrielle Massenmord an den Juden konnte nur im Windschatten des Krieges geschehen. Der Krieg wurde begonnen, weil sich die Sowjetunion und Deutschland einig waren, Polen unter sich aufzuteilen. In Moskau sah man es mit Wohlwollen, wie Nazis auf dem Boden der UdSSR mit den Juden umgingen. Waren ja sowieso alles nur jüdische Querulanten aus Sicht von Moskau.

So sind die Fans von Dirk Müller, von Ken Jebsen und von Jürgen Elsässer. Putinversteher par excellence und Antisemiten. Man kann es gar nicht oft genug wiederholen. Wahrscheinlich wählen die auch noch AfD oder Linkspartei. In dieser Umgebung aus Besserwisserei und Verschwörungstheorie kann der Antisemitismus bestens gedeihen.

Samstag, 29. November 2014

Die Illusion der Stabilität

Jeder Mensch hat seine Neurosen und pflegt diese. Der deutsche Michel liebt Stabilität. Und selbst wenn man ihm lang und breit erklärt, dass die Stabilität nur eine Illusion ist, bleibt er bei seinem Standpunkt.

Das führt dann dazu, dass wir 90 Millionen KLV-Policen in Deutschland haben, dass die Riester-Verträge auch in die Millionen gehen und dass wir auf deutschen Konten so viel Geld zu liegen haben.

Diese Sachen sind nicht sicher, sie suggerieren nur eine Sicherheit. Und das ist teuer, denn eine Bank oder eine Versicherung muss einen Heidenaufwand betreiben, um jederzeit einen Vertrag zurückzukaufen.

Stabilität ist vielleicht nötig bei kurz- und mittelfristigen Sparvorgängen für eine gewisse Ausgabe oder für den berühmten Notgroschen, aber doch am allerwenigsten bei der Altersvorsorge, die man über Jahrzehnte betreibt.

Es bringt doch überhaupt nichts, wenn man einen konstanten Zins hat. Mich erinnert das an Tempomaten. Es gibt ja Leute, die es mögen, wenn dann konstant eine Geschwindigkeit gehalten wird. Aber zu was führt das? Meine Erfahrung ist folgende: Bei Anstiegen drückte der Tempomat aufs Gas, bei einem Gefälle auf die Bremse. Ich sagte mir: "So ein Blödsinn!", und übernahm die Regie. In den Gefällen rollte ich aus und am Anstieg musste ich weniger aufs Gas drücken. Meine Fahrweise war sparsam und ich konnte es auch an der Statistik ablesen. Ich übernahm den Wagen von einem Kollegen und unter meiner Regie ging es mit dem Durchschnittsverbrauch deutlich runter.

Garantieprodukte sind wie Tempomaten: Man nutzt die Hausse nicht aus und man drückt in der Baisse besonders auf die Tube. Wenn das Endziel zwanzig Jahre in der Zukunft liegt, dann ist unsinnig, so viel Energie da reinzustecken, dass die Zwischenziele stimmen. Hier habe ich einen Fall. Ein gewisser "Geldbaum" schreibt:

Hallo Couponschneider,
ich bin einverstanden mit Ihnen, wenn Sie sich vertraglich bei Gina66 verpflichten, dass Sie bei ihr für den finanziellen Ausgleich gerade stehen!

Nur für den Fall, dass sich Variablen in Ihre mathematische Rechnung einschleichen und die Endergebnisse geringer ausfallen!

Wir schreiben hier immerhin über die Altersvorsorge eines Menschen, die dann zum gegeben Zeitpunkt stimmen muss.


"Gina66" hat noch knapp 20 Jahre bis zur Rente. Diese Panikmache, dass das Aktiensparen oder ein ETF keine Garantien hätte, ist typisch. Ich habe mit einer realistischen Durchschnittsrendite gerechnet. Selbst wenn das tatsächliche Endergebnis unterdurchschnittlich (nur 6 % pro Jahr) wäre, wäre es immer noch besser als ein Rentenvertrag bei dem jeder Überschuss auch tatsächlich vergolten würde.

Donnerstag, 27. November 2014

Den Einstieg schaffen

Kürzlich hat mich ein junger Mensch um Tipps für den Einstieg gebeten. Er hat auch schon Bücher gelesen, hat etwas Geld und eine hohe Sparquote. Das sind gute Voraussetzung. Hier sind die Tipps und ich komme natürlich um Buchempfehlungen nicht herum.

Ich empfehle:
  • Max Otte: "Investieren statt Sparen"
  • André Kostolány: "Die Kunst, über Geld nachzudenken"
  • Martin Weber: "Genial einfach investieren"
  • Gerald Hörhan: "Investment Punk", "Gegengift", "Null Bock Komplott"
Das ist einfach verständliche Literatur, lehrreich und auch unterhaltsam. Ich habe die Bücher mehrfach gelesen.

Von Anleihen und Fonds würde ich die Finger lassen. Ich hatte häufig mit Fonds geliebäugelt, aber ich will dann doch keine Gebühren für so etwas aufbringen.

Wenn man über einen großen Geldbetrag verfügt, sollte man ihn nicht komplett in Aktien umsetzen. Ich empfehle, das Geld, was man erübrigen kann, in 2000-€-Tranchen zu investieren, Bei 10000 € und einer Sparrate von 1000 € pro Monat aus dem aktiven Gehalt kann neun Monate am Stück 2000 € investieren. Ich empfehle solide Titel wie BASF, BP, Beiersdorf oder Bayer. Unternehmen, die nichts erschüttert, ob nun Weltkrieg oder auslaufendes Öl im Golf vom Mexiko.

2000 € ist auch groß genug für eine Investition. Bei überdurchschnittlichen 20 € Gebühren sind das 1 %  Das fällt aber einmalig ein und nicht kontinuierlich. Das heißt, das knabbert nur einmal an der Rendite und versinkt im Cost-Average-Effekt.

Ein Finanzpolster ist wichtig und sollte man haben, aber ich halte von Faustformeln à la 3 Nettogehältern nichts. Man sollte gedanklich durchspielen, was passieren kann und abschätzen, was das kostet. Wer kein Auto, das kaputt gehen kann, braucht dafür auch keine Rücklage dafür bilden. Meine Rücklage ist geringer als drei Netto-Gehälter.

Um herauszufinden, wie viel man benötigt, ist es empfehlenswert, ein Haushaltsbuch zu führen. Ich mache dies seit fast drei Jahren und weiß genau, in welchen Monaten ich benötige, d.h. ich kann im Vorfeld abschätzen, dass ich dann weniger investieren kann.

Um Aktien zu kaufen, braucht man ein Depot. Man sollte sich informieren, was das kostet. Ich beispielsweise bin nicht bereit, Grundgebühren für das Depot zu zahlen. Manche Banken langen da richtig zu, auch bei den Ordergebühren. Vielleicht sollte man dann gleich die Bank wechseln. Es gibt aber auch reine Online-Broker mit niedrigen Gebühren, wenn man die Bank nicht wechseln möchte, aber ein günstiges Depot haben möchte. Ich habe aber keine Erfahrungen mit reinen Online-Brokern, daher weiß ich auch nicht, welcher seriös ist.

Das Wichtigste ist aber, Geduld zu haben, keine Schulden zu machen und immer wieder zu investieren. Das Ziel muss nicht unbedingt die finanzielle Freiheit sein. Natürlich wäre diese toll, aber schon geringere Ziele sind erstrebenswert, wie z. B. ein kleines Nebeneinkommen zum Gehalt bzw. zur Rente. Ich bekomme heute schon 200 € Dividenden pro Monat, netto. Das sollte man nicht verachten, da dadurch über 17 % meiner monatlichen Kosten bereits abgedeckt sind.


Montag, 24. November 2014

Biermann bei Jauch und die Reaktion

Gestern sah ich Günter Jauchs Talkshow, was ich normalerweise nicht sehe. Das Thema hörte sich schmackhaft und dann war auch noch Wolf Biermann zu Gast.

Ich fand Biermann gut. Da redet einer ungekünstelt einfache Fakten heraus, dass Putin ein Diktator sei (lässt sich nicht widerlegen), dass Putin wirtschaftliche Erfolge alleine aus Rohstoffexporten stammen und eigentlich nichts wirklich erreicht ist. Biermann polemisierte dann und sagte, Putin hätte im Gegensatz zu Hitler noch nicht einmal eine Autobahn gebaut, zwischen St. Petersburg und Moskau. Für mich war diese Polemik das Highlight des Abends.

Die Reaktionen auf Biermanns Auftritt waren bezeichnend. Die Putinversteher-Fraktion, darunter viele SED-Wähler, kippten mal wieder ihren verbalen Unrat über Biermann. Warfen ihm vor, Hitler als weniger schlimm zu erachten als Putin. Von "Gleichsetzung" war die Rede.

Biermann hat aber das Hitler-Regime nicht verharmlost, sondern einfach gegen Putin polemisiert. Die Autobahn ist ein Reizwort und mittlerweile Teil der Populärkultur. ("Autobahn geht gar nicht.") Die Autobahn ist das bekannteste, was man Hitlers Terrorregime  zugutehielte, ungerechterweise, und der Preis dafür war ja auch recht hoch. Und noch nicht mal das Putin hinbekommen neben al den anderen wirtschaftlichen Katastrophen.

Als Aktionär von K+S hat mir Uralkali ein unvergessliches Vergnügen beschert. Natürlich ging der Kurs der K+-S-Aktie erstmal rapide runter, nachdem Uralkali einen Preiskampf eingeleutet hatte. Ich hatte aber nie Sorge wegen K+S, weil mir klar war, dass Uralkali diese Preise nur durch einen Raubbau an Mensch, Natur und Maschinenpark bieten kann. Die leben von der Substanz. K+S hat inzwischen unbeiirt seriös weitergewirtschaftet, die Zahlen entwickeln sich wieder gut und 2016 wird auch in Kanada gefördert. Uralkali hat momentan richtig Schwierigkeiten und steht hier stellvertretend für den Zustand der russischen Wirtschaft.

Wer die Polemik Biermanns derartig missversteht, muss schon sehr ideologisch verblendet sein oder einfach strunzdumm. Biermann sprach offensichtliche Wahrheiten aus. Ich verstehe auch nicht, warum Putin Angst hat vor einer äußeren Gefahr. Es gibt sie schlichtweg nicht, da kann Frau Krone-Schmalz noch so eloquent daherlabern. Eine Sache wird nicht dadurch richtig, wenn sie gut dargestellt wird. Die konstruiert irgendwas um "russische Befindlichkeiten" auf, auf die wir Rücksicht nehmen müssen. Nehmen die Russen denn auch Rücksicht auf "deutsche Befindlichkeiten" oder "polnische Befindlichkeiten"?

Biermann gibt sich nicht allwissend, taktiert nicht, sondern knallt Fakten, Argumente und Meinung klar raus. Das mag in unserer Welt voller Schauspieler nicht erfolgreich sein, aber deswegen sind die Argumente nicht falsch.

Biermanns Vater wurde in Auschwitz ermordet und somit ist Biermann Opfer. Diesem Nachhilfe erteilen zu wollen in Sachen Hitler-Regime, Gleichsetzungen, Vergleichen und all das, ist eine maßlose Torheit.

Samstag, 22. November 2014

Warum ich so forsch investiere.

Oft habe ich mich gefragt, warum ich gut mit Geld umgehen kann. Inspiriert durch Tim Schäfer möchte ich mich heute diesem Thema widmen.


Familie und Kindheit

Wir lebten recht sparsam, fuhren selten in den Urlaub, leisteten uns wenig Elektronik-Krimskrams. Obwohl mein Vater rauchte und meine Eltern in Gelddingen schlecht beraten waren (Allianz, Sparkasse, LBS), wurde es dennoch geschafft, genug Geld für eine Immobilie zusammenzusparen. Meine Eltern hatten auch das goldene Sparbuch mit über 35000 DM.

Ich war auch häufig bei meinen Großeltern, die noch auf einem echten Bauernhof lebten. Beide lebten auch recht sparsam, auch in der Erwartung eines nächsten Krieges. Da wurde dann emsig Holz gehackt, Kohlen wurden eingelagert, Obst wurde eingemacht. Beide wurden auf dem Land groß. Meine Großmutter verlor durch den Krieg viel. Ihre Eltern hat sie nach der Flucht aus Ostpreußen wiedergefunden und bis zu deren Tode pflegen müssen; ihre Schwester aber galt als verschollen. Ich war häufig mit meiner Oma auf dem Friedhof. Sie lebte mir viel Selbstdisziplin vor.

Das sparsame Leben führte dazu, dass sie ihren Kindern dennoch mehrere Hektar Ackerland vererbten und zudem über 20000 DM auf einem Sparbuch. Die durch Krieg und Vertreibung gezeichnete pessimistische Lebenseinstellung war also dennoch fruchtbar.

Ich habe in jungen Jahren auch einige Spardosen geschenkt bekommen und kräftig gespart. Ich habe schon als Kind gerne Geld gezählt und Buch darüber geführt. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich den ersten Schreibtisch geschenkt bekam. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis, ich fand den toll und meine Utensilien waren sehr akkurat darauf angeordnet. Es wäre toll zu wissen, was meine Mutter damals über ihren kleinen Sohn dachte. Schade, dass ich sie nicht mehr fragen kann.

Freundeskreis

In meinem Freundeskreis war das Thema Geld tabu. Ich kannte ein Mädchen, das ständig den Spruch kloppte, "über Geld redet man nicht, Geld hat man". Einer dümmsten Sprüche überhaupt. Die Eltern des Mädchens bekamen Stütze, aber es ging dennoch demonstrativ an der Tankstelle einkaufen, anstatt im Aldi nebenan. Anders als meine Großeltern: Die redeten wirklich nicht über Geld, hatten aber welches. (Ich lernte schnell den Unterschied zwischen Schein und Sein.)

Ich erinnere mich auch an die feindseligen Reaktionen, als ich mal sagte, dass ein geerbtes Haus, in dem man wohnt, enorm Miete sparen müsste. Ich konnte nicht verstehen, warum ich da in ein Wespennest gestochen haben sollte. Es war doch objektiv richtig und tatsächlich konnten sich diese Familien einiges mehr leisten als wir, da wir doch ständig Miete zahlen mussten.

Rückblickend sehe ich darin, eine Abwehrreaktion gegen das Thema an sich: Geld. Ich war bei dem Thema recht unbefangen. Typisch auch für meine damaligen Freunde: Für sie war es ein triftiges Argument gegen eine Sache, wenn "nur die Reichen profitieren". Also statt logisch denken und redlich argumentieren, lieber Stammtischparolen vom Stapel lassen. Selbst wenn ausschließlich die Reichen von einer Sache profitieren, ist sie noch lange nicht verkehrt und geht noch lange nicht zu Lasten aller anderen. Gutes Beispiel wäre eine vereinfachte Erbschaftssteuer bei großen Vermögen. Angenommen, man möchte durch Pauschalregelungen die Steuererhebung erleichtern. Die Reichen zahlen weniger, der Staat aber muss im Gegenzug weniger Gutachter bezahlen. Da können beide Seiten profitieren. Der arme Mensch, der keine Steuern zahlt, profitiert nicht, aber es ist auch nicht zu seinen Lasten. Wenn man dennoch etwas dagegen hat, hat mein keine Argumente, sondern ein Ressentiment.

Das ist übrigens der Sinn einer jeden Pauschalregelung in unserem Steuerrecht. Viele bezeichnen die Pendlerpauschale als Subvention. Aber sie ist es nicht, sie fördert auch nicht die Zersiedelung der Landschaft. Man stelle sich vor, Millionen von Arbeitnehmern müssten Tankquittungen und Fahrtenbücher einreichen, sowie den Verschleiß ihres Kfz vorrechnen. Die Finanzverwaltung wäre auf Jahre beschäftigt.

Als junger Erwachsener

Mit 18 Jahren begann ich mich für Politik zu interessieren. Ich sah viele Magazine, Diskussionsrunden, Dokumentationen und Reportagen. Ich kam mit liberalen Gedanken in Berührung und entwickelte eine ordoliberale (neoliberale) Überzeugung. Wenn man dadurch keine Vorbehalte hat, liest man auch Bücher übers Investieren, über die Börse usw. Ich konnte auch nie verstehen, warum es moralisch verwerflich wäre, an der Börse mit Aktien zu handeln. Letztendlich unterscheiden sich die linken Börsengegnern in nichts von konservativen Drogengegnern. Wer an der Börse handelt, schadet niemanden, allenfalls sich selbst, genauso wie ein Drogenkonsument zuvörderst sich selbst schädigt.

Als Student kam ich mit wenig Geld aus. Meine Verwandten wunderten sich und fragten nach. Ich antwortete, ich rauchte und ich tränke nicht. Ich hatte auch nie die Hand bei meinem Vater aufgehalten, war er doch seit Jahren arbeitslos. Bafög bekam ich auch nicht, weil ich es nie beantrage. (Ich hätte es aber problemlos bekommen.)  Am Ende des Studiums hatte ich nicht nur keine Schulden, sondern auch über 3000 € Guthaben. Grund: Sparsame Lebensführung, kühles rechnen.

Dann kam richtig Geld in die Kasse durch meinen ersten Arbeitsvertrag. Ich musste etwas damit anfangen, also ab an die Börse. Riester hielt ich 2009 schon für Quatsch. Die "Bankberatenern" guckte ziemlich blöd aus der Wäsche, als ich ihr eröffnete, ich möchte das Depot für die Altersvorsorge eröffnen. Sie wollte mir dann auch sogleich Riester andrehen.


Heute lässt mich das Thema Geld einfach nicht mehr los. Es macht mir Spaß, mich um das eigene Geld zu kümmern, ich lese viel darüber. Nicht jeder wird diese Leidenschaft entwickeln, aber für die gibt es immer noch Möglichkeiten, z. B. ETFs.

Anders als meine Eltern und Großeltern, bin ich eher optimistisch veranlagt. Ich sehe eine stetige Verbesserung in Wirtschaft und Gesellschaft. Jedes Jahr ohne Krieg auf deutschem Boden bedeutet für uns Wohlstandszuwachs. Dass es für einige nicht zutrifft, stimmt, aber es geht um die Volkswirtschaft und es geht um den Durchschnitt. Individuelle Ausreißer nach oben und unten haben individuelle Ursachen.

Von meinen Eltern und Großeltern habe ich vorgelebt bekommen, zu sparen, d.h. wenig zu konsumieren. Meine optimistische Lebenseinstellung treibt mich aber zugleich in die Investitionen. Und ich traue mich, Sachen nachzurechnen; Angst vor Mathematik hatte ich nie. Das ist das Erfolgsrezept.

Freitag, 21. November 2014

FAZ: "Sparkassen wollen keine Strafzinsen verlangen"

Meine bescheidene Meinung dazu: Es ist ja auch logisch, es ist für die Sparkassen das bessere Geschäft, wenn sie fixe Kontoführungsgebühren erheben und das kräftig. Bei den Kleinverdienern und Rentnern, typische Sparkassen-Klientel, holt man auf diese Weise mehr rein als über Strafzinsen.

Hier geht es zum Artikel. Dort ist die Kommentarfunktion schon gesperrt, weshalb ich meinen Senf dazu mit Hilfe dieses Blogs abgebe.

Insgesamt finde ich die Strafzinsen und die überhitzten Kommentare erheiternd. Wer zu viel Geld hat und es nicht investiert, muss die Folgen seiner Entscheidung tragen. Die Nichtinvestition ist genauso wie die Investition in Aktien eine Entscheidung. Ich muss auch mit den negativen Folgen meiner Entscheidung leben. Warum sollen überzeugte Nichtinvestoren und "Geldvergammelnlasser" verschont bleiben?

Sonntag, 9. November 2014

Gedanken zu Wolf Biermanns Auftritt

Am Freitag vernahm ich mit Überraschung und Freude, dass der von mir geschätzte Wolf Biermann im Bundestag ein kleines Ständchen gab. Interessanter fand ich, was er gesagt hat. Noch interessanter fand ich die Reaktionen.

Seine Einschätzung zur SED/PDS/Linken teile ich voll und ganz, außer in einem Punkte. Er sagt, sie sei schon längst geschlagen. Angesichts der Reaktionen, die ich im Netz dazu lese, ist dies eben nicht der Fall.

Biermann wird immer wieder beleidigt. Ich glaube kaum, dass das alles alte Stasi-Ratten sein können. Wer weiß, ob die überhaupt einen Computer bedienen können. Mich dünkt, dass da viele junge Leute am Werke sind. Die Drachenbrut ist recht jung und vital, so scheint es mir. Immer wieder lese ich, dass diese Linkspartei personell schon ganz anders zusammengesetzt wäre als die SED. So hat man aber schon vor über zehn Jahren über die PDS geschwätzt. Das spielt aber die geringste Rolle bei der Bewertung der SED-Nachfolgepartei.

Und dass es Leute gibt, die sich die Mühe machen, unter jedem Video-Beitrag bei Youtube mit Biermann, Gauck und Kunze diese schwer zu beleidigen, mag zu denken geben. Was kann das anderes sein als eine linksextreme SA? Wer mit viel Verve und ohne jeden Anstand einen Wolf Biermann als "senil" und "dement" bezeichnet, glaubt die absolute Wahrheit gepachtet zu haben und glaubt, einen Menschen anderer Auffassung zu entwürdigen zu dürfen. Diese Leute fordern für sich die Grundrechte (z. B. Recht auf Meinungsäußerung), nutzen diese aber nur, um andere Menschen zu erniedrigen und diese an der freien Meinungsäußerung zu hindern. Diese Leute sind gefährlich. Mit diesem Selbstverständnis hat die SA in der Weimarer Zeit Veranstaltungen gesprengt.

Der Ruf nach der Normalisierung dieser Partei zeugt nicht gerade von einer aufgeklärten demokratischen Haltung. Die DKP beispielsweise hat nichts mit den Verbrechen der SED-Diktatur zu tun und doch ist sie gefährlich, antidemokratisch und keine normale Partei. Für die SED-Nachfolgepartei, selbst wenn sie keine SED-Nachfolgepartei wäre, muss also das gleiche gelten, weil sie ideologisch genau ausgerichtet ist. Nichtsdestoweniger hat diese Partei sehr viel mit den Verbrechen der SED-Diktatur zu tun, schließlich wird die DDR immer noch verteidigt. Offizielle Verlautbarungen zur Verurteilung dieser Diktatur kamen nur zögerlich und DDR-Kritiker innerhalb der Linkspartei bekommen schnell einen Maulkorb verpasst.

Junge Leute, die beim Fall der Mauer noch Kinder waren, heute aber in der Linkspartei sind, übernehmen die Geschichte der SED und verteidigen die Verbrechen der SED impliziert. Sie können sich nicht damit herausreden, sie hätten da zu DDR-Zeiten keine Verantwortung getragen, genauso wenig wie sich Deutsche damit hätten herausreden können, bei Kriegsende Kinder gewesen zu sein, um das Anzünden von Synagogen zu rechtfertigen. (Leider Gottes war eine Losung der 68er, es müsse Schluss sein mit dem "Judenknax", um unverhohlen gegen Israel zu stänkern und Juden zu selektieren, wie in der Air-France-Maschine in Entebbe.)

Eine menschenverachtende Haltung ist und bleibt menschenverachtend, unabhängig von der eigenen Biographie. Und eine Ideologie, die den Menschen verachtet, muss man gekämpfen, ob Linksextremismus, Rechtsextremismus oder Salafismus. Es reicht nicht, selbst kein Blut an den Fingern zu haben, es ist notwendig, nicht für zukünftiges Blut an Fingern verantwortlich zu sein. Die sozialistische Ideologie, wozu ich auch die nationalsozialistische Ideologie zähle, führt aber genau dort hin.

Der Sozialismus ist keine gute Idee, die nur schlecht umgesetzt worden wäre. Der Sozialismus hatte etliche Möglichkeiten und immer gab es Massenmord, Folter, Hunger und Elend. Da kann die Linkspartei noch so sehr Kreide fressen und sich für "soziale Belange" einsetzen. Erstens ist mir das eh schon alles zu viel an "soziales" (Vater Staat ist eine Glucke.) und zweitens gibt es keine Partei, die nicht für die soziale Grundsicherung ist.

Die NPD macht's ähnlich wie die SED-Nachfolgepartei und veranstaltet kleine Feste für Familien und Kinder, mit Hüpfburgen, Zuckerwatte und Bratwurst. Denen gehen die meisten Menschen nicht auf den Leim, aber der Linkspartei schon, weil sie die Linkspartei unterschätzen.

Ich kann nur jedem jungen Menschen raten, sich kritisch mit der DDR auseinanderzusetzen. Es gibt die Lieder von Wolf Biermann. Die sollte man hören. Es gibt auch das Buch "Die wunderbaren Jahren" von Reiner Kunze, welches sehr eindrücklich den Alltag in der DDR schildert. Ich erinnere mich noch lückenhaft. Ich habe noch NVA-Propaganda in der Schule miterlebt, ich kannte noch die Fahnenappelle und ganz besonders ist die Stigmatisierung von christlichen Kindern in unserer Klasse in Erinnerung geblieben. Die haben mir sehr leid getan. Glücklicherweise gab es vor 25 Jahren den Mauerfall und anschließend die Wiedervereinigung. Ich habe mir schon häufiger den Kopf darüber zerbrochen, was aus mir geworden wäre, hätte die DDR noch länger angedauert. Ich war immer ein empfindsamer Mensch mit Hang zur Eigenbrötlerei und hätte wohl erhebliche Probleme bekommen.

Ich bin froh, heute in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, in dem ich als Individuum geachtet und respektiert werde. Dass nicht alles perfekt ist, muss man hinnehmen. Mir sind beispielsweise die Steuern zu hoch, die Regulierungsdichte zu hoch und der Aktionär zu wenig geschätzt. Aber was ist schon perfekt? Der Tod vielleicht. Der glückt immer. Während eine Klaviervorführung immer kleine Fehler enthält, die nur die geübten Hörer heraushören, ist der Tod endgültig. Nur zu 98 % zu sterben, geht nicht. Die Beförderung ins Jenseits haben die Sozialisten auch meisterhaft beherrscht. Ich will aber leben.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Emotionalität ist mir ein Graus.

Mehr oder weniger aktuelle Ereignisse nehme ich zum Anlass, etwas über Emotionalität und Rationalität zu schreiben. Ich sehe mich dem Rationalen verpflichtet; zur Emotionalität neige ich selten. Emotionale Menschen empfand ich häufig alles Zumutung. Da gibt es die Jähzornigen, die Empörten, die Euphoriker und die Sentimentalen. Wobei Sentimalität meistens nur nervt, nicht bedroht.

Das aktuelle Ereignis ist die Anzeige gegen Dieter Nuhr wegen Volksverhetzung. Ich finde es aberwitzig, aber es passt in unsere Zeit. Was bei Dieter Nuhr volksverhetzend sein soll, weiß ich nicht. Ich kenne keinen charmanteren Kabarettisten. Seine Pointen sind spitz, aber nie verletzend. Er ist das Gegenteil von Urbal Priol, der einen sehr brachialen Humor hat, andererseits aber schnell empört ist, wenn man nicht auf Priol hört. Bei S21 wurde auch nicht auf Spitzenarchitekt und Weltverkehrsplaner Priol gehört, also demonstrierte er dagegen. Über Priol konnte ich sowieso noch nie lachen. Er ist sogar der Grund, warum ich nur noch selten Kabarett schaue. Nuhr halte ich für einen der besten. Er fällt aus der Rolle, weil er einer der wenigen ist, die sich nicht ultralinks positionieren und vom ewigen Leid klagen, die Reichen würden immer reicher, die Armen immer ärmer, und Schuld daran wäre die Klientelpolitik der FDP und der angloamerikanische Kapitalismus, selbst an der verkorksten Situation der Menschen in Nordkorea.

Das meinte ich, als ich schrieb, dass die Anzeige gegen Nuhr in unsere Zeit passe. Es gibt schon seit langem eine Entwicklung, Sachentscheidungen zu emotionalisieren. S21, Kopfbahnhof... so eine Entscheidung kann man objektiv abwägen. Was die langfristige Wirtschaftlichkeit angeht, so ist immer Spekulation, aber auch Risiko im Spiel. Da hat man immer noch Raum für gegenteilige Meinung. Dennoch werden Fakten verbogen oder mögliche Problemchen aufgebauscht. Ein Schlichter wurde bestellt und was für einer, der unfähigste Schlichter seit Goebbels, der erstmal auf die FDP draufschlug und am Ende einen Kompromiss präsentierte, der sowohl die aufgebauschten Gefahren und die Kosten von S21 mit den Nachteilen des Kopfbahnhofs vereinte. Das Konsensgefühl (also wieder Emotionalität) war wichtiger, als dass eine objektiv gute Entscheidung getroffen wird.

Ich fragte mich sowieso, was da zu schlichten galt. Auf der einen Seite gab es Leute, die rational eine Entscheidung für S21 fällten. Auf der Gegenseite gab es Emotionale, die mit weniger Sachkenntnis, Trillerpfeifen, Pöbeleien und Sabotage eine getroffene Entscheidung vereiteln wollten. Das wäre in etwas so, als hätte man zwischen bücherverbrennenden SA-Mannschaften und den betroffenen Schriftstellern schlichten wollen. Eine absurde Vorstellung. Kompromiss wäre dann wohl gewesen, jeden zweiten Autoren auszusparen, nachdem man alle dem Alphabet nach sortiert hätte. Heinrich Manns Bücher hätte man verbrannt, die Bücher seines Bruders nicht. Eine wirklich absurde Vorstellung.

Zeugnis des Empörens, das man in den letzten Jahren erleben musste, ist der folgende Artikel, sowie die dazugehörige Petition. Als ich die Standpunkte der Initiatorin Maren Müller las, war mir klar, dass das eine Emotionale ist. Mit so einer Person würde ich freiwillig nicht zu tun haben wollen. Man empörte sich über Lanz, dabei hat er seine Aufgabe recht gut gemacht. Ich habe die Sendung zweimal gesehen und konnte nicht erkennen, wo seine Verfehlung lag. Andere Politiker werden genauso hart drangenommen und die Aufgabe eines Journalisten ist es, kritisch nachzufragen. Lanz hat auch Jürgen Fliege wegen seiner Esoterik angegriffen und Dirk Müller wegen seiner Verschwörungstheorien. Obwohl es ein boulevardeskes Format ist, muss ich schon sagen, dass mir Lanz oft gut gefällt.

Die Empörten sind aber nicht nur auf linker Seite, sondern auch auf rechter. Sobald kritisch nachgefragt wird, ob nun bei Dirk Müller oder bei Bernd Lucke, sind die Anhänger sofort empört, wittern eine Verschwörung des Systems. Leuten, die derartig die sachliche Ebene verlassen, bin ich besonders skeptisch gegenüber. Gegen die AfD bin ich genauso immun wie gegen linke Phrasen.

Putinversteher gehören auch in die Kategorie. Sobald jemand sagt, der Westen müsse wehrhaft sein, oder Präsenz in östlichen NATO-Ländern zeigen, wird man sofort zum Kriegstreiber abgestempelt. Dass Putin gar nicht erst fragt, wenn er die Krim oder die Ostukraine einnimmt, oder wenn er U-Boote in schwedische Hoheitsgewässer schickt, ist das kein Fünkchen Kritik wert, geschweige denn den Vorwurf des Kriegstreibens.


Donnerstag, 16. Oktober 2014

Die Kurse fallen - Ich nehme es gelassen.

Ich habe kürzlich die wegen des Ende des dritten Quartals eine kleine Bilanz gezogen. Ich hätte nicht erwartet, dass sich die Situation so schnell ändert. Mein Depot hat sich um 10000 € nach unten entwickelt.

Das ist aber kein Problem für mich. Das sitze ich aus, weil ich es aussitzen kann. Ich habe die Aktien nicht auf Pump gekauft.  Ich habe auch sonst keine Schulden. Ich aber aber Cash.

Wenn ich sehe, was ich nun alles so viel günstiger bekommen kann... Novartis, Exxon, Siemens, Münchener Rück sind als Nachkäufe in der engeren Wahl. Als Neukäufe vielleicht BASF... Mal schauen. Da winken höchst lukrative Dividendenrenditen.

Vielleicht kaufe ich nochmal K+S. Von Uralkali habe ich schon lange nichts mehr gehört, bald aber fördert K+S auch in Kanada Kali.

Super! Diese Woche habe ich etwas verkauft.

Ich habe mich kürzlich als Ebay-Fan geoutet. Ich habe nun einen kleinen Verkaufserfolg zu verzeichnen. Ich musste mir neue Komponenten für meinen Rechner kaufen. Dabei wurde ein altes, aber gut funktionierendes Netzteil wertlos, da es nicht mehr kompatibel war. Es war ein lüfterloses Netzteil, daher war es damals gar nicht so billig und ist viel zu schade, um bei mir zu verrotten.

Bei Ebay wollte ich es nicht hineinstellen, wegen der 10-Tage-Frist, da Netzteile nicht so häufig gefragt sind. Ich entschied mich dann für Amazon. Am Montag hat jemand den gewünschten Preis von 45 € + 7 € Versandgebühren bezahlt. Ich hatte wenig Arbeit, da Amazon Foto und Produktbeschreibung bereitstellte.

Beim Verkaufen wie bei Aktien gilt es häufig, Geduld zu haben. Ich hatte nicht die große Hoffnung, dass jemand so ein Netzteil kauft und ich hatte es fast vergessen. Umso größer war dann die Überraschung über die Mail von Amazon über den erfolgreichen Verkauf.

Hier und da kleine Einnahmen bzw. Einsparungen ebnen den Weg zum Vermögen. Es ist selten Zufall, ob man vermögend wird. Es ist das Ergebniss der persönlichen Einstellung.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Umgang mit alten Investitionen

Geschehenes kann man nicht ändern. Es ist eine Binse. Dennoch vergessen die Menschen dies häufig und das machen sich die Versicherungen, Banken und Bausparkassen zunutze. Wie das? Standen wir nicht alle mal vor der Frage, einen Bausparvertrag oder eine KLV vorzeitig zu kündigen? Und hatten wir da nicht Gewissensbisse? Und versuchte der Vertreter nicht, auf Verluste hinzuweisen, die man realisieren würde?

So war das jedenfalls bei mir, als ich die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr kündigte, die meine Eltern mal für mich abschlossen. Ich hatte gut die Hälfte der Vertragslaufzeit rum. Der Allianz-Hansel fragte, ob ich es mir nicht noch einmal überlegen  wolle, denn ich verlöre Geld. Ich hatte es mir aber ausgerechnet. Natürlich verliere ich Geld, wenn ich die Kündigung mit dem Rückkaufswert vergleiche, was ich zehn Jahre später bekommen hätte, völlig unabhängig von Inflation. Aber das Geld ist ja nicht weg und wird schließlich nicht für Konsum verballert. Ich habe mir ausgerechnet, dass es lukrativer ist, das Geld in Aktien zu stecken und zukünftige Beiträge auch. Dass der Vertrag mal abgeschlossen, konnte ich ohnehin nicht ändern. Mir stand nur die Wahl zwischen Vertrag kündigen oder fortführen und da ich nicht kurz vor Laufzeitende kündigte, waren die Aktien bedeutend lukrativer.

Anderes Beispiel: Bahncard. Ich habe eine Bahncard 50, die 265 € gekostet hat. Das heißt, man muss mindestens für 530 € Normalpreis fahren, um keinen Verlust zu machen. Angenommen, man hat die Bahncard und ist kurz vor Laufzeitende, hat aber die 530 € noch nicht erreicht. Ist es ratsam, dann nochmal eine Fahrt zu machen? Nein, natürlich nicht. Man hat sich verkalkuliert, als man die Bahncard bestellt hat. Das kann passieren. Eine Spaßfahrt nur um über die Schwelle zu kommen, macht die Bahncard nicht besser, denn was hat man bezahlt?

265 € für die Bahncard, 500 € für bisherige Fahrten und eventuell noch 50 € für eine weitere Fahrt. Diese zusätzlichen 50 € heben vielleicht die Bahnfahrtkosten über die Bahncard-Ammortisierungsschwelle, aber es sind zusätzliche 50 €, die man ausgibt.

Oder Autobesitzer. Autobesitzer haben einiges an Anschaffungs- und Fixkosten. Wenn beispielweise das Ticket mit der Bahn günstiger sein sollte als die Treibstoffkosten, dann ist es günstiger, dann auch die Bahn zu nehmen.  Viele erliegen dem Irrtum und fahren Auto, denn immerhin haben sie es ja, sie haben Fixkosten und es müsse sich rentieren. Und alternativ mit dem Fahrrad fahren. Sollten Autobesitzer eigentlich immer tun, wenn es Strecke, Witterung und andere Umstände erlauben. Sogar der Kauf eines teureren Fahrrads, um Benzin zu sparen, zahlt sich recht schnell aus.

Bereits getätigte Investitionen werden nicht dadurch besser, wenn man stur an ihnen festhält, selbst wenn es mittlerweile etwas günstigeres gibt. Deswegen ist es okay, wenn man langfristige Verträge kündigt, z. B. Bausparvertrag. Ich habe ein interessantes Beispiel gefunden, wo das beherzigt werde sollte. Der junge Mann hat Schulden und dennoch sechs Bausparverträge abgeschlossen. Hoffentlich liest er auch meinen Beitrag, denn ich rede dort Tacheles

Die Wolfsfrau hat auch alte Verträge gekündigt. Ich gratuliere.

Montag, 29. September 2014

Warum ich Ebay so mag

Ich bin seit Jahren begeisterter Ebay-Nutzer. Ich nutze es nicht häufig, aber regelmäßig. Wann immer bei mir was anfällt, was ich nicht mehr brauche, wird es bei Ebay reingestellt.

Im September ging das Mainboard meines Rechners kaputt. Nach 5,5 Jahren. Ich kaufte mir über Ebay ein neues Bundle aus Mainboard, Prozessor und Speicher (das alte Zeug wäre nicht mehr kompatibel gewesen). Und um die Kosten zu drücken, stellte ich mein Zeug rein. Für Motherboard + Prozessor habe ich nicht viel bekommen, weil ich das als defekt deklariert verkaufen musste. Aber über 30 € für zwei RAM-Riegel à 2 GB sind doch ganz ordentlich.

Man muss ja nicht immer den großen Reibach machen. Ich bin schon mit ein paar Extra-Euro zufrieden, die mir die Kosten für die Neuanschaffung drücken. Das war schon 2007 so. Was war 2007? Da gab es die Umstellung auf DVB-T in meiner Region. Ich hatte seit 1999 eine TV-Karte für analoges TV (Hauppauge Win-TV go). Das Ding wurde in jenem Moment für mich wertlos. Aber ich dachte mir: Für irgendjemanden da draußen würde das noch nützlich sein und wenn auch nur für zwei Jahre. Ich habe es verkauft und für acht Jahre alte Hardware noch 3 bis 4 € bekommen.

Um den Charakter eines Menschen einzuschätzen, insbesondere seinen Umgang mit Geld, frage ich ihn häufiger: "Warum stellst du das nicht bei Ebay rein?" Denn immer wieder kriegt man hin und wieder mit, wie Freunde oder Kollegen Neuanschaffungen erwerben und altes Zeug nutzlos wird.

Häufige Ausreden: "Keine Zeit." Und:  "Da bekomme ich nicht mehr viel."

Es sind Ausreden und keine guten Begründungen. Zum Haben von keiner Zeit: Was kostet das denn an Zeit, so ein Ebay-Angebot reinzustellen? 20 Minuten, selbst wenn man auch noch Fotos macht. Ist es Elektronik, müsste man alternativ 20 Minuten mit der Fahrt zum Wertstoffhof einplanen oder aber man bunkert das Zeug in der Wohnung stolpert täglich drüber.  Und zu: "Da bekomme ich nicht mehr viel." - Nicht viel ist immer noch mehr als nichts. Entscheidend ist nicht, was ich mal dafür ausgab (Hauppauge WinTV Go für 120 DM, Verkauf 8 Jahre später für 3 €), sondern was die Alternative zum Verkauf ist: Der Nichtverkauf. Den Kauf Jahre zuvor kann man nunmal nicht mehr rückgängig machen. Und wenn ich die Sache nicht mehr benötige, ist jeder Verkauf sinnvoll, selbst wenn es wenig Geld ist.

Menschen, die diese Ausreden nutzen, sind häufig schlecht darin, mit Geld umzugehen. Unter anderem mein Kollege "Justin".  Das korreliert, denn der Verzicht auf die Einnahme von wenigen Euro ist doch gleichbedeutend mit der leichtfertigen Ausgabe von wenigen Euro. Es scheint auch ein Mentalitätsproblem zu sein. Gerade Menschen mit der Neigung, eine Wohlstandsfassade zu errichten (Markenkleidung, Audi/BMW/Mercedes etc.), verzichten auf Ebay, weil sie glauben, dass andere dann dächten, sie machten das wegen schlechter finanzieller Lage, wegen eines geringen Gehaltes. Für die ist Ebay wie das Sammeln von Pfandflaschen. Ein ehemaliger Kollege (Ich nenne ihn "Buddy".) machte auch immer auf dicke Hose und glaubte, es wäre normal bei seinem Gehalt, die Tüten von Rewe sofort nach der erstmaligen Benutzung wegzuwerfen. (Das Verhalten habe ich habe beim "dicken Dirk" auch schon beobachtet.) Sein Spruch: "Ich hab's ja." "Buddy" war ein konsumorientierter Mensch, der sich ein Sofa für über 1000 € kaufte. Es musste immer vom besten und feinsten sein: Köpfhörer von Senheiser, Fahrrad mit Scheibenbremsen (die auch erhebliche Nachteile haben) und das obwohl er Wenigfahrer war, im Rewe ausschließlich Markenzeugs gekauft, Markenklamotten... "Buddy fängt nur große Fische." Nach eigener Auskunft hatte er schon 2009 für 240 bis 280 € im Monat Lebensmittel gekauft. Da liege ich weit drunter, obwohl nun ein paar Jahre verstrichen sind und ein bisschen Inflation ins Land zog.

Ich kenne aber auch Gegenbeispiele. Wie machen es denn die Vermögenden? Ich kenne jemanden, der aus vermögenden Hause kommt und der vertickt recht viel auf Ebay. Da wird nichts aus Bequemlichkeit liegen gelassen. Eine Playstation wurde verkauft, weil sie zu selten benutzt wurde. Ich bin noch nicht vermögend, bin aber auf gutem Wege dorthin, weil ich die Mentalität habe, die dafür notwendig ist. Bei mir wird auch aussortiert und lieber der schnelle Euro gemacht, als dass die Dinge vor sich hingammeln und mir die Schränke vollstopfen.

Typisch für meinen vermögenden Bekannten: Er geht mit seinen Sachen auch sorgsam um, um den Wert zu erhalten. Das ist mir auch schon als Kind aufgefallen: Die Kinder, deren Eltern noch weniger Geld nach Hause brachten als meine Eltern, teilweise arbeitslos waren, gingen sehr sorglos mit ihren Spielsachen und anderen Eigentümern um. Da flog schon mal ein Telespiel aus dem zweiten Stock eines Wohnhauses.

Ebay ist hier übrigens gleichbedeutend mit allen anderen Möglichkeiten, Gebrauchtes gegen Geld loszuwerden. Ob nun Flohmarkt, Momox, Kleinanzeigen... Alles ist okay und wer das macht, zeigt, dass er mit Geld umgehen kann.

Samstag, 27. September 2014

Das dritte Quartal neigt sich dem Ende. Eine kleine Bilanz.

Heute fand meine Gehaltsabrechnung Eingang. Und beim Eintragen der Frühstücksbrötchen in mein Haushaltsbuch, kam mir die Idee, dass es doch nicht schlecht wäre, eine kleine Bilanz zu ziehen.

Denn wieder geht ein Monat vorüber, in dem ich großen Gewinn hatte. Ich habe gerade mal 42,10 % meines Nettoeinkommens (Nettogehalt + Nettodividendeneinnahmen + Ebay) ausgegeben. Und das, obwohl ich unerwartete Ausgaben hatte. Ich wurde kurz krank, also kaufte ich Taschentücher, Bonbons etc. Das ist aber nur ein kleiner Posten. Schwerer fiel ins Gewicht, dass sich das Mainboard meines Rechners verabschiedete. Für 220 € kaufte ich ein Netzteil, Mainboard, Prozessor und Speicher neu. Ohne diese Aktion hätte ich nur 35,03 % meines Nettoeinkommens ausgegeben. Der Verzicht auf die Ebay-Einnahmen ist da eingerechnet, denn was sollte ich anderes verkaufen als den alten Speicher, den alten Prozessor und das alte Mainboard. Für das Netzteil fand ich noch keinen Käufer.

Das ist eine stattliche Sparquote von über 50 %. Beeindruckend, oder nicht? Und es geht weiter, weil ich höher hinaus will. Die Dividendeneinnahmen machen Spaß. Ich habe in diesem Monat das Vorjahresergebnis bei den Dividendeneinnahmen (brutto wie netto) überboten. Da kommen aber noch ein paar Dividendeneinnahmen. Und das trotz RWE (Halbierung der Dividende) und K+S (gefünftelt) im Depot.

Ich habe an meiner Libre-Office-Calc-Tabelle getüftelt, um zu ermitteln, wie hoch meine Dividenden durchschnittlich im Monat sind, auf Basis der Einnahmen der letzten 12 Monate. Brutto sind es 238,63 € pro Monat, 185,65 € sind es netto. Das mag wenig sein im Vergleich zu anderen Finanzbloggern. Ich muss aber dazu sagen: Ich fahre keine explizite Dividendenstrategie. Andere wählen bewusst starke Dividendenzahler und liegen logischerweise höher.

Ich habe mich vor einigen Jahren gefragt, was wertvoller ist: Mit hohem Einkommen gesegnet zu sein oder aber mit der Fähigkeit, mit wenig auszukommen. Mein Gehalt ist nicht schlecht, aber nicht überragend. Aber ich kann mit wenig auskommen. Und ich neige nicht dazu, Geld für Statussymbole auszugeben. Daher ist meine Sparquote hoch, ohne dass es es schmerzt. Ich bewerte die Fähigkeit, mit wenig auszukommen, als sehr hoch ein.

Kollegen von mir hauen das Geld raus wie Graf Koks von der Gasanstalt. Die fahren mit deutschen Markenfabrikaten vor, tragen Kleidung von Hugo Boss und Tommi Hilfiger... die geben viel Geld aus und dennoch sieht's erbärmlich aus, weil sie glauben, Markenkleidung sähe grundsätzlich gut aus. Ich habe gewiss nicht so viel Kleidung, aber dafür vernünftige, z. B. Pullover aus Kaschmirwolle. Das trägt sich angenehm, sieht gut aus und ist stilsicher. Gespart haben die nichts, geschweige denn investiert. Der eine hat Familie und will sich eine Immobilie ans Bein ketten, der andere hat ein Motorrad.

Mal sehen, wie es weitergeht. 185 € netto extra in jedem Monat... So viel versprechen Riesterversicherungen auch, aber ab Renteneintrittsalter. Bis dahin kann man tot sein. Für mich bedeuten diese 185 €: Strom, Internet und Versicherungskosten sind bezahlt. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis meine Kaltmiete von Dividenden gedeckt ist. Das dürfte nun immer schneller gehen. Dividenden erhöhen sich mit der Zeit, genauso wie die Kurse steigen. Die Dividendeneinnahmen werden reinvertiert, d.h. ich habe dann auch mehr Aktien. Arbeitseinkommen wird größtenteils auch investiert. Der Zinseszinseffekt spielt mir in die Hände.

Samstag, 20. September 2014

Warum ich zu Israel halte


Gibt es einen Staat der mehr polarisiert als Israel? Gibt es einen Staat, bei dem sich so viele Menschen bemüßigt sehen, diesen und seine Grenzen in Frage zu stellen? Auf Anhieb fällt mir da keiner ein. Ich bin pro-israelisch und möchte mit diesem Beitrag konstatieren, warum die Kritik an Israel unredlich ist.

Ich bespreche die Punkte, warum Israel existieren sollte und auch in den heutigen Grenzen. Gerne auch darüberhinaus. Anlass ist ein anonymer Kommentar vom 12. September,wo es da heißt:

Israel sollte sich auf die Gebiete beschränken, die vor der ersten jüdischen Einwanderung vor 1880 mehrheitlich von Juden besiedelt waren und sich aus den restlichen Regionen zurückziehen.

Ich fand diesen Kommentar schlimm. Deshalb möchte ich drei Punkte knapp anreißen, warum Israel meine bedingungslose Solidarität erhält und eines jeden Menschen erhalten sollte.

1. Gerechtigkeit und Selbstverteidigung. Die israelische Geschichte ist mitnichten eine Geschichte von europäischen Juden, die nach 1945 in arabisches Land eingedrungen wären. Juden gab es in Palästina immer. Und natürlich gab es auch Juden aus allen arabischen Ländern, die Zuflucht in Palästina suchten, weil sie immer wieder Pogrome (im Irak, im Jemen, in Hebron) miterleben mussten. Es ist daher nur gerecht, wenn jene zahlen müssen (durch Abtretung von Ländereien), die Juden massakrierten, also die Araber. Es ist das Recht der Juden auf arabischen Boden, ihren eigenen Staat auf arabischen Boden auszurufen, um sich zu verteidigen, so wie es jeder anderen verfolgten Minorität zusteht. Es ist ausgleichende Gerechtigkeit, wenn die Juden zu Lasten von Arabern einen Staat ausrufen. Genauso hätte Deutschland akzeptieren müssen, wenn Juden auf einst deutschen Boden einen jüdischen Staat ausgerufen hätten.

2. Recht. Der israelische Staat war keine 24 Stunden alt, schon gab es eine Kriegserklärung seitens der arabischen Staaten. Israel hatte sich erfolgreich verteidigt und sich sogar vergrößern können. Israel musste mehrere aufgezwungene Kriege gewinnen. Das formale wie moralische Recht ist auf den Seiten des Gewinners eines Verteidigungskrieges. Die Alliierten des zweiten Weltkrieges bestimmten nach 1945 in Deutschland die Musik und das gleiche Recht muss Israel zugestanden werden. Kein ernstzunehmender Deutscher fordert heute noch an Russland, Polen, Tschechien und Frankreich abgetretene Gebiete zurück.

Außerdem gab es keinen arabischen Staat, zu dessen Lasten die israelische Staatsgründung ging. Das war britisches Protektorat, vormals Osmanisches Reich. Die israelische Staatsgründung ist rechtlich wasserfest.

3. Menschlichkeit. Man kann es sich ganz einfach machen und braucht keine Geschichtsbücher zu wälzen: Man muss sich nur die Staatswesen im Nahen Osten anschauen. Selbst wenn Israel in der Vergangenheit grobes Unrecht begangen hätte: Israel bleibt der Staat, den man unterstützen muss, denn er ist der einzige Staat, der den Individuen Rechte zuspricht, der einzige Staat wo, Menschen aller Religionen, aller Hautfarben, aller sexuellen Orientierungen und beiderlei Geschlechts Rechte haben, frei sind und glücklich werden können. Und alleine deswegen ist es jedem Araber nur zu wünschen, dass er von Israel regiert wird und nicht von Fatah, PLO, Hamas, einem jordanischen König oder dem Königshaus Saud. Eine Ausweitung des Staates Israels würde ich begrüßen. Sollten Gaza, Judäa und Samaria israelisch werden, wäre das Fortschritt für die dort lebenden Menschen. Unter diesen Umständen fände ich sogar einen israelischen Angriffskrieg zwecks Landgewinnung in Ordnung.

Warum also die andauernde Kritik am Staate Israel? Es ist Antisemitismus.

Israel wird nicht das zugestanden, was man anderen Staaten zusteht. Eher wird für Putin eine Lanze gebrochen, der sich angeblich Sorgen um die Krim-Russen machte. Komisch, dass niemand fragt, warum auf der Krim so viele Russen leben und so wenig Krimtataren und Ukrainer. Das tatsächlich durch die UdSSR begangene Unrecht mit Massakern und Deportationen auf der Krim gilt als Schnee von gestern. Ich habe keine europäische Stimme vernommen, die die Rückführung der dort lebenden Russen in das russische Mutterland fordert. Wenn es um Juden geht, fordert man aber schnell die erzwungene Abreise. Was soll das sonst sein als Antisemitismus?

Wann immer die Bande in Nordkorea verrückt spielte, gab es im Westen Stimmen, die ihr beipflichteten, die nordkoreanische Regierung fühle sich zu Recht provoziert. Damit wurden Entführungen an Südkoreanern, Torpedierungen von südkoreanischen U-Booten und Raketentests über dem Japanischen Meer gerechtfertigt. Wodurch fühlte sich Nordkorea provoziert? Durch die Anwesenheit von amerikanischen Truppen, durch Manöver der südkoreanischen Streitkräfte. Im Prinzip durch etwas, was jedem souveränen Staat zusteht: Manöver auf eigenem Boden durchzuführen, gerne auch mit alliierten Truppen. Wenn aber israelische Städte mit Raketen beschossen werden und Israel darauf reagiert, dann wird Israel kritisiert und verurteilt. Auch das ist Ausdruck von Antisemitismus.

Mal sehen, wie lange es dauert, bis der erste Antisemit auftaucht, der Israel vorwirft, Schuld an Massakern von Arabern an Arabern zu sein, weil Israel darauf verzichtet, sein Staatsgebiet zu vergrößern, um mehr Menschen persönliche Freiheit zu bringen. Den Antisemiten ist doch alles Recht, Hauptsache sie können Israel anklagen. In Israel leben keine Rechtlosen, in arabischen Ländern schon, aber der Antisemit klagt Israel an, anstatt die arabischen Staaten, wo Palästinenser in Lagern leben müssen.

Haben wir denn in Deutschland nichts besseres zu tun, als sich um Israel zu kümmern? Ist mein Beitrag denn wirklich notwendig? In der Tat, kann man mich sich in Deutschland um interessantere Themen kümmern, aber das Thema habe ich nicht auf die Agenda gesetzt, sondern die Antisemiten dieses Landes. Und damit wird es zum innerdeutschen Thema, denn es ist der latente Antisemitismus der deutschen Bevölkerung.

Natürlich dürfe man Israel kritisieren, genauso wie man Jakob Augstein und Günter Grass kritisieren darf. Und wenn man deren Thesen anschaut, ist der Antisemitismus offensichtlich. Dass man heute erfolgreich den Antisemitismusvorwurf abweisen kann, weil man nicht die Vernichtung von Juden gefordert hätte, ist eine schlimme Entwicklung. Antisemitismus fängt nicht erst bei Auschwitz an. Wir leben in einer verrückten Welt.

Wenn jemand dagegen ist, dass Genderismus im Schulunterricht propagiert wird, gilt man sofort als homophob, genauso wie jemand, der das Adoptionsrecht nur verheirateten Eheleuten der klassischen Art zusprechen will. Da wird plötzlich nicht mehr unterschieden zwischen der Nichtanerkennung von Privilegien und der Beschneidung von Grundrechten. Aber Israel das Existenzrecht in den heutigen Grenzen abzusprechen und in Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden zu sehen, soll nicht mehr antisemitisch sein? Und wie verrückt das ganze ist: Hierzulande für die Ausweitung der Privilegien für homosexuelle Paare streiten, gleichzeitig aber den einzigen Staat im Nahen Osten kritisieren, der Homosexuelle nicht verfolgt, ist Ausdruck einer Schizophrenität, die man bei vielen Linken findet.

Montag, 1. September 2014

Konsumidioten (Teil III)

Ich möchte heute meine Reihe fortsetzen, denn es gibt eine neue Episode im "Fall Justin". Zur Erinnerung. Justin war der mit den Schulden, dem Auto und dem Motorrad. Was hat Justin nun schon wieder angestellt?

Kürzlich hat sich Justin eine Playstation gekauft. Meines Wissens verdaddelte er vorher so schon eine Menge Zeit auf iPhone und auf seinem PC. Wahrscheinlich spielt er da WoW... So gut kenne ich mich damit nicht aus. Ich weiß nur, dass das eine Menge Geld und Zeit verschlingt. Bei dem Preis für eine Playstation wird mir schwindelig. Dafür wäre mir das Geld einfach zu schade.

Nun also eine Playstation, als wenn er nicht schon genug spielte. Ich will ja nichts gesagt haben, gegen solch Hobby generell, schließlich habe ich in meiner Jugend auch das eine oder andere gespielt. Nur ist mir die Zeit zu schade, so viel zu spielen. Und geistig anregend waren Spiele selten.

Man stelle sich vor, Justin würde Geld und Zeit für Literatur ausgeben. Statt durchschnittlich eine Stunde pro Tag daddeln, liest er eine Stunde. Die richtigen Bücher würden den Geist anregen und ganz unbemerkt den Wortschatz erweitern.

Überhaupt ist niveauvoller Medienkonsum das beste, was einem passieren kann. Wenn ich meine Entwicklung so betrachte. In meiner Jugend war ich eher Plattmann, schlecht in der Schule, hatte wenig gelesen. Mein Glück war, dass ich neue Freunde fand, deren Diskussionen anregend waren. Plötzlich fing ich an, mich für Politik und Wirtschaft zu interessieren. Wir begannen, die FAZ zu lesen, einer las regelmäßig die Wirtschaftswoche. Mit 16 Jahren! Ich konnte noch nicht mithalten, wusste aber, dass ich was tun musste.

Als 2000 das Internet bei mir zu Hause Einzug erhielt, war das etwas ganz besonderes und ich nutzte es nicht zum Spielen oder zum Betrachten von Pornographie (wie übliche 18jährige), sondern für politische Diskussion, zum Lesen und zum Bestellen von Büchern. Ich hatte auch ein Girokonto und durch meine Halbwaisenrente ein regelmäßiges Einkommen, wenn auch nicht sehr üppig. Das erste Buch, welches ich bei Amazon bestellte, waren "Die Buddenbrooks". Als ungeübter Leser war das schon ein harter Brocken. Ich bestellte und las mehr Bücher. 2001 wurde ich Abonnent der ZEIT und Hörer des Deutschlandsfunks. Hörer des DLFs bin ich bis heute. Meine Lieblingsfernsehsender damals (kein Witz): Phoenix, 3-Sat, Arte. Einiges hat sich seitdem geändert: Fernsehen wurde unbedeutender, die ZEIT lese ich heute nicht mehr, dafür lese ich noch mehr Bücher. Deutschlandfunkhörer bin ich nach wie vor.

Wenn man das jahrelang durchzieht, sodass dies zur Gewohnheit wird, zieht man intellektuell an den anderen vorbei. Justin ist vielleicht 30 Jahre alt, aber intellektuell auf einem Stand wie ich vor 16 Jahren.

Samstag, 23. August 2014

Die Sache mit den Semiten

Bei jeder Diskussion über den Konflikt zwischen Israel und Palästina gibt es die Antisemitismusvorwürfe und dann wird eine Ethnie populär, an die sonst niemand denkt: die Semiten.

Ich erinnere mich an die Karsli-Debatte im Jahre 2002. Jamal Karsli war Grüner, syrischstämmiger Moslem, der von Jürgen W. Möllemann in die FDP-Fraktion gelotst wurde. Karsli hatte ausgerechnet den Konflikt im Nahen Osten zum politischen Steckenpferd. Man bezeichnete ihn als Antisemiten. Er konterte, er könne kein Antisemit sein, denn er sei als Syrer selber Semit.

Erstmals hörte ich dieses Argument. Ich stolperte immer wieder drüber. Es klingt ja so logisch, aber es ist falsch. Denn: Antisemitismus ist Feindschaft gegenüber Juden und nicht gegen Semiten. So ist der Begriff geboren und so muss er verwendet werden. So wie ein Zitronenfalter keine Zitronen faltet, so ist der Antisemit nicht zwangsläufig gegen fast alle Volksgruppen im Nahen Osten, also Hebräer, Aramäer und Araber, kurzum gegen Semiten.

Nichts ist blöd genug, um nicht von Ken Jebsen übernommen zu werden. Auch er nimmt den Begriff wörtlich. Ken Jebsen mag nicht nur keine Juden, er kackt auch noch Korinthen. Sehen Sie selbst:


Was kommt als nächstes? Angenommen jemand ist feindselig gegenüber Schwarzen. Er sieht sich dem Vorwurf konfrontiert, Rassist zu sein. Darf er dann sagen, Menschenrassen gäbe es ja gar nicht, auch keine schwarze bzw. afrikanische Rasse, ergo könne er kein Rassist sein?

Ich halte die Umdeutung des Begriffes Antisemitismus in Feindschaft gegenüber Semiten für eine antisemitische Taktik (antisemitisch im eigentlichen Sinne und nicht im wortwörtlichen). Demnach halte ich Ken Jebsen für einen Antisemiten.

Warum sich die Schnäppchenjagd kaum lohnt.

Ich kenne tatsächlich Menschen, die ganz genau die Prospekte von Aldi, Lidl und Co. studieren. Ich kannte Menschen, die sich die Mittwochsausgabe einer Zeitung kauften, weil Aldi dann die Anzeige mit den Angeboten schaltete. Meines Erachtens ist dies ein typisches Verhalten von Menschen, die nicht viel Vermögen aufgebaut haben und wahrscheinlich auch es zu nichts mehr bringen werden. Warum?

1. Wie bereits in meinem letzten Beitrag über das Buch "Schnelles Denken, Langsames Denken", kann man Menschen u.a. durch Priming manipulieren. Diese Sonderangebote dienen zur Manipulation. Wenn man wegen so eines Sonderangebotes 500 Gramm Schweinefleisch kauft und glaubt 20 % gespart zu haben, hat erstmal gar nichts gespart. Die Alternative dazu ist doch nicht zwangsläufig, Schweinefleisch ohne Preisnachlass zu kaufen. Man kann auch gar kein Schweinefleisch kaufen, sondern vegetarisch essen. Außerdem ist man dann erstmal im Laden, kauft man mehr als diese Sonderangebote. Und man sollte sich auch nicht von Sonderangeboten den Speiseplan diktieren lassen, denn genau das passiert, wenn man den Sonderangeboten hinterherjagt.

2. Ob die Aldi-Angebote immer so gut sind, wage ich bezweifeln. Momentan sind gerade überall Ast-, Hecken- und Blumenscheren im Angebot. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass gerade bei Astscheren viel Müll im Umlauf ist; ich habe in den letzten Jahren einige kaputte wegwerfen müssen. Mein Vater hatte die schlechte Angewohnheit, immer auf den Preis zu achten. Ich habe zig Astscheren geerbt und keine funktionierte.

3. Es ist die Prioritätensetzung. Man investiert Zeit, um wenige Cent zu sparen. Warum liest man denn nichts gescheites in dieser Zeit? Zum Beispiel ein Buch von Gerald Hörhan? Und man investiert Zeit, um den Laden aufzusuchen, man verheizt Benzin, steht vielleicht im Stau...

4. Anstatt die Zeitung wegen der Artikel zu kaufen und zu lesen, sondern wegen der Aldi-Werbung, wird das mangelnde Interesse für Information und Bildung offenbar. Das ist typisch für die gewisse Einkommensgruppen

Ich jage Sonderangeboten nicht hinterher und habe es auch nie, selbst als armer Student habe ich das nicht gemacht. Wenn ich mir etwas nicht leisten konnte, verkniff ich es mir. Bildung, Investition und Arbeit sind der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Aktieninvestitionen konnte ich als Student nicht tätigen, aber ich konnte Geld in Bücher investieren und mich bilden. Das habe ich gemacht. Dafür verzichtete ich auf viele konsumtive Ausgaben, teilweise ernährte ich mich von 20 € pro Woche. Wenn ich aber eine Buchempfehlung bekam, überlegte ich nicht lange und kaufte, selbst wenn es 80 € waren, was für mich als Student eine Menge Geld war. (Unter der Voraussetzung, dass die Bibliothek dieses Buch nicht hatte.)

Ich erinnere mich an eine Aussage über das Judentum im 19. Jahrhundert, die ich - glaube ich - bei Götz Aly gelesen habe. Deren Bildungserfolg und wirtschaftlicher Aufstieg sei dem Umstand zu verdanken gewesen, dass jüdische Eltern lieber hungerten, als dass sie bei der Bildung der Kinder knappsten.

Ich erinnere mich aber auch an eigenes Erlebnis in einer Urlaubsregion, wo vor allem Vermögende Urlaub machen. Es gibt dort eine Bäckerei. Die Brötchen dort sich recht klein geraten, dafür aber ist das Angebot an Zeitungen überwältigend. Und ich erinnere mich an eine Frau, die keine Brötchen kaufte, sondern fünf bis sechs Zeitungen, u.a. Welt und FAZ. Das beeindruckte mich schon sehr. Übrigens bin ich auch jemand, der gerne mal Zeitungen und Zeitschriften kauft, weil ich mir verspreche, daraus persönlichen Gewinn zu schlagen. Die Bild-Zeitung ist nicht gemeint. Auf den Preis achte ich nicht. Ich weiß, dass für manche Menschen 5 € für eine Wirtschaftswoche viel Geld sind oder 2 € für eine FAZ. Ich verkneife mir lieber den Kaffee im Zug, als dass ich auf wertvolle Informationen verzichte. Ich nehme häufig auch geschmierte Brote auf Bahnreisen mit

Ich habe auch keinen Handy-Vertrag mit Internet-Flatrate, weil mir das Geld einfach zu schade ist. Ich habe Kollegen, die das haben, aber die nutzen das nur zum Daddeln und zum Videogucken. Dann kaufe ich lieber für das gleiche Geld eine FAZ, eine NZZ oder eine Jüdische Allgemeine, als dass mir mein Smartphone alle zehn Minuten mitteilt, was es neues gibt.

Sonntag, 17. August 2014

Buchempfehlung: "Schnelles Denken, langsames Denken"

Heute möchte ich ein Buch des Nobelpreisträgers für Wirtschaft Daniel Kahneman vorstellen. Ich kam zu dem Buch durch eine anonyme Empfehlung im SPON-Forum. Ich bin daraufhin zur Bibliothek geeilt und habe es mir ausgeliehen.

Kahneman ist Psychologe und untersucht, wie es zu Entscheidungen kommt. Sein Modell basiert auf zwei Systemen: Auf System I und auf System II, auf ein System für schnelles Denken und eines für langsames Denken. Diese Systeme waren auch titelgebend für das Buch: Schnelles Denken, langsames Denken.

Im Buch wird untersucht, welches System wann den Entscheidungsprozess bestimmt. System I ("schnelles Denken", automatisiert, auf Intuition basierend) verlangt weniger Ressourcen und führt zu raschen Entscheidungen. Das kann wichtig sein, z. B. im Straßenverkehr, wo schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. System II ("langsames Denken") ist häufig unausweichlich (z. B. beim Rechnen), aber es wird zu häufig darauf verzichtet. Kahneman zeigt auf, dass man durch System-II-Entscheidungen häufig zu besseren Ergebnissen kommt, aber dass es eine Feindseligkeit dagegen gibt.

Gut gefällt mir das Beispiel mit dem Apgar-Score. Dabei geht es um eine schnelle Beurteilung des Zustandes von Neugeborenen. Der Test geht schnell, ist standardisiert und führt zu einer soliden Entscheidung, ob man kurzfristige Maßnahmen ergreifen muss und welche. Dieser Test soll das Leben vieler Neugeborener gerettet haben. Aber der Apgar-Score hatte es bei seiner Einführung nicht leicht, weil er viele Experten, die vor allem auf ihre Intuition (System I) vertrauten, düpierte.

Kahneman schreibt: "Die statistische Methode[...] werde von erfahrenen Klinikern als 'mechanisch, atomistisch, additiv, schablonenhaft, künstlich, unwirklich, willkürlich, unvollständig, tot, pedantisch, zersplittert, trivial, gezwungen, statisch, oberflächlich, starr, steril, akademisch, pseudowissenschaftlich und blind' kritisiert." - Mir kommt das allzu bekannt vor. Mich erinnert das einerseits an Paul Kirchhoffs Steuermodell das mit derartigen Ressentiments ("Professor aus Heidelberg") abgewehrt wurde, aber andererseits auch an konkrete Situationen bei der Arbeit.

Nun hat Kahneman den Nobelpreis für Ökonomie erhalten. Was hat das mit Ökonomie zu tun? Ganz einfach: In der Wirtschaft werden ständig Entscheidungen getroffen, häufig nach System I, häufig irrational. Einerseits geht er auf die Entscheidungen von Unternehmenslenkern ein, die häufig von System I gesteuert sind, obwohl man von Managern erwarten sollte, dass sie sich stärker in Griff haben sollten. Auch Fonds-Manager und Aktionäre bekommen ihr Fett weg, da sie häufig glauben, überdurchschnittlich gute Entscheidungen zu treffen. Kahneman behandelt auch die Thematik, wie man System I mithilfe von Priming und Framing manipulieren kann. System II ist dafür nicht anfällig.

Die Quintessenz für mich ist jedenfalls, häufiger Entscheidungen auf Basis von System II zu treffen. Ich habe durch das Buch eine neue Sichtweise, sehe es aber auch als Bestätigung dessen, wie ich mein Leben bislang geführt und wie ich bislang Entscheidungen getroffen habe. Ich kann natürlich nicht von mir weisen, dass System I auch bei mir häufig entscheidungsträchtig ist, aber ich war schon immer jemand, der sich nicht scheute, nachzudenken. Schnellschüsse waren nie meine Sache. System II war mir schon immer lieber.

Beim Schreiben dieser Rezension erinnere ich mich auch daran, wie ich ein Gesellschaftsspiel gewann. Es war eine Kombination aus Würfelspiel und Quiz. Es war ein "DDR-Quiz" und häufig wurde Fragen gestellt, die wir jungen Leute niemals beantworten konnten. (Wann wurde Trabant XY eingeführt? 1955, 1956, 1958 oder 1959?) Das Spiel ging schleppend voran. Die Mitspieler und ich hatten unterdurchschnittliche Trefferquote. Man hätte beim Raten mit 1/4 richtiger Antworten rechnen müssen. Wir waren darunter.

Ich hatte für mich festgestellt, dass ich die Frage häufig nicht aufgrund meines Wissen beantworten konnte. Ich wusste, ich konnte häufig Antworten aufgrund meines Wissens ausschließen und kam auf die Idee, bei unsicheren Entscheidungen mein System I (den Begriff kannte ich damals nicht) auszuschalten. Ich nutzte den Würfel. Also würfelte ich eine aus vier oder aus drei oder aus zwei Antworten aus, je nachdem wie viel ich hundertprozentig ausschließen konnte. Die Mitspieler belächelten mich anfangs, aber ich zog mit meiner Spielfigur davon, weil ich häufiger mit meinen Antworten richtig lag. Irgendwann hängten die sich dran und setzten immer auf die Antwort, die ich für mich auswürfelte. Dann ging es bei ihnen auch vorwärts, aber ich war ja schon unaufholbar in Führung und gewann letztendlich das Spiel. Mir war auch klar, dass bei solchen Quiz-Fragen die falschen Antworten auch bewusst manipulieren sollen. Und bei Jahreszahlen oder Zahlen überhaupt war mir bewusst, dass Menschen unbewusst bestimmte Zahlen bevorzugen. Ein gutes Beispiel mag sein, jemand möge eine zufällige Zahl zwischen und 1 und 10 nennen. Wenn man das Experiment häufig genug wiederholt, wird man wahrscheinlich keine Gleichverteilung feststellen, sondern eine Bevorzugung von "krummen" Zahlen, also ungeraden Zahlen, weniger Minimal- und Maximalwerte (1 und 10 seltener), dafür aber häufiger Primzahlen.

Ich war schon immer jemand, der sich gerne mit Stochastik beschäftigt. Stochastische Methoden sind mir nicht unbekannt und ich kann sie auch praktisch anwenden (wie z. B. beim Quiz). Auch ziehe ich daraus Vorteile in meiner Arbeit als Informatiker, wenn ich Algorithmen entwickle. In der Informatik gibt's auch das recht interessante Teilgebiet der Approximationsalgorithmen, wo viel mit stochastischen Kalkül gearbeitet wird.

Dieses Buch beschäftigt sich auch viel mit Stochastik und Statistik, was mir entgegenkam, es wird aber nicht viel Wissen vorausgesetzt. Mit Begriffen wie Mittelwert und Erwartungswert sollte man schon umgehen können. Ich kann das Buch jeden empfehlen, der Entscheidungen treffen muss und der sich selbst verbessern möchte. Ich habe während des Lesen häufig über mich und mein Verhalten in dieser oder jener Situation nachdenken müssen. Genauso musste ich an Kollegen denken, bei denen häufiger System I durchschlägt. Ein Kollege von mir gibt ja häufig von sich, dass er "keiner Statistik traue, die er nicht selbst gefälscht habe". - Mit dieser Floskel (aus dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda¹ ²) gewinnt er bei mir nicht gerade einen Blumentopf, weil es ein Totschlagargument ist und die indirekte Offenbarung, System II nicht benutzen zu wollen. Natürlich kann man mit Statistiken manipulieren (Politik, Gesundheitsbranche und Versicherungswirtschaft machen es täglich vor), aber das hindert niemanden daran, Statistiken mit Sachverstand zu analysieren und gegebenenfalls zu nutzen. Es macht aber mehr Arbeit als das Absondern einer Phrase, was der eigentliche Grund ist, warum solche Totschlagargumente gerne gebraucht werden. Auch verwechselt er Stochastik mit Statistik. Auch bildet er sich viel auf seine Intuition ein. Für ihn wäre das Buch sicherlich ein gutes Geschenk und brächte Gewinn, wenn er beim Lesen des Buches über sich selbst nachdächte und seine Denk- und Arbeitsweise änderte.

Ich kann es nur empfehlen und die Lektüre war unterhaltsam und lehrreich. Die Hardcover-Version kostet 26,99 €:





¹ Das mag vielleicht der Grund sein, warum gerade wir Deutschen derartig mit der Stochastik oder Statistik oder der Mathematik im Allgemeinen auf Kriegsfuß stehen. Interessant ist daher auch die "Kunst des unsachlichen Argumentierens" von Vince Ebert, insbesondere Punkt 3.
² Übrigens ist dies ein eindrucksvolles Beispiel für die Kunst des Primings, immerhin habe ich mit dem Verweis auf den Nationalsozialismus jemanden diskreditiert und der Leser wird keine hohe Meinung mehr über meinen Kollegen entwickeln können. Es deutet aber alles darauf hin, dass das vermeintliche Churchill-Zitat deutsche Kriegspropaganda ist, insofern ist es keine Lüge.

Dienstag, 12. August 2014

Sparen im Haushalt: So einfach wie möglich.

Seit vielen Jahren achte ich darauf, dass Geräte, die ich kaufe, möglichst einfach sind und möglichst selten kaputt gehen können. Hier zwei Beispiele:

1. Meinen Kaffee bereite ich in einer Bialetti-Kanne vor. Ich habe das Gerät gewählt, weil es sehr einfach zu bedienen ist. Ich kann die Kanne fallen lassen und sie geht nicht kaputt. Kaffeemaschinen mit Filter, die Kaffee für gleich acht Tassen aufbrühen, sind für mich einfach überdimensioniert. Diese Geräte halten häufig nicht lange; ich kann mich an zahlreiche Kaffeemaschinen in meinem Elternhaus erinnern, die kaputt gingen. Viele Leute kaufen sich Pad-Maschinen oder Vollautomaten und glauben, das Leben würde dadurch einfacher. Ich weiß von dem Gerät in meiner Firma, dass es ständig nach Pflege ruft. Was ist daran bequemer als eine Bialetti, die ich einfach nur ganz normal abwaschen muss? Man betrügt sich, wenn man man glaubt, diese vielen Automaten nehmen einen immer Arbeit ab. Für scheinbar höhere Bequemlichkeit zahlt man dann häufig mehr Geld (einmalig und kontinuierlich) und man muss Zeit aufwenden.

2. Ich habe gestern eine altmodische Heckenschere gekauft. Man könnte sie auch als normale Heckenschere bezeichnen, so eine mit zwei Schneiden, eine richtige Schere also. Viele Leute kaufen ja gerne die elektrischen oder die benzinbetriebenen. Ich verstehe es nicht. Ich habe solche Geräte auch schon benutzen müssen; mein Vater kaufte die ständig. Ja, richtig gelesen: ständig, denn regelmäßig ging so ein Ding kaputt. Mein Onkel genauso: Er dachte, er macht uns damit einen Gefallen und schenkte uns so ein Ding. Man muss sich von dem Gedanken lösen, dass so eine automatische Heckenschere Arbeit abnimmt.  Bei der elektrischen muss man ständig ein Kabel hinter sich herziehen, teilweise über den ganzen Hof. Die benzinbetriebene braucht Benzin, viel Wartung und viel Kraft um sie anzubekommen. Und was daran einfach sein soll, eine mehrere Kilogramm schwere Heckenschere über eine Hecke zu halten, um dort etwas zu schneiden, weiß ich auch nicht. Und ständig bleibt was hängen. Und das Ergebnis ist miserabel, weil junge verholzte Triebe schon problematisch sind.

Ich habe die neue manuelle Heckenschere sofort ausprobiert. Ruckzuck und exakt war der Strauch geschnitten. Vermutlich wird die Heckenschere auch noch in zwanzig Jahren Dienst tun. Was soll an ihr schon kaputt gehen? Die Arbeit war auch noch lärmfrei. Das hätte ich mit der automatischen Heckenschere nie hinbekommen.

Samstag, 9. August 2014

SPON-Watch (Teil 1)

Ich hatte bereits angemerkt, dass ich unbedingt das dokumentiere, was die Moderation bei SPON für nicht veröffentlichungswürdig hält. Es geht um den Artikel vom Antisemitismus in Deutschland : Deutsche Flagge an der Tür. Ich habe heute einige Kommentare veröffentlichen wollen und keine wurde genehmigt.

Am 09.08.2014, um 11:23 schrieb ich:

Antisemitismusforscherin? Wie kann man sowas werden? Welche Expertise hat Frau Juliane Wetzel? Wie kann sie zu solchem Fehlschluss gelangen? Wie kann sie von Trivialisierung schwätzen?

Wenn jemand sagt, dass momentan die schlimmste Zeit für Juden seit dem Dritten Reich ist, dann heißt dass nichts anderes als es die schlimmste Zeit für Juden der Nachkriegszeit ist. Das Dritte Reich ist doch bewusst ausgeklammert. Niemand sagt, es wäre so schlimm oder fast so schlimm wie im Dritten Reich; das wäre dann tatsächlich eine Relativierung oder Trivialisierung. Was ist das für eine Wissenschaftlerin, die unfähig ist, einfachste Sätze zu interpretieren? Es ist ein Totschlagargument, der Gegenseite vorzuwerfen, die Verbrechen der Nazis zu relativieren.

Ich finde die jetzige Situation besorgniserregend. Der Antisemitismus hat zugenommen, und er wird auch immer ungenierter. Und Polizei und Medien bagatellisieren, wenn sie Demonstrationen, wo "Juden ins Gas" skandiert wird, als friedlich bezeichnen. Polizei und Medien sind nicht frei von Antisemiten. Die Berichterstattung über den Gaza-Konflikt ist einseitig, motiviert durch Antisemitismus. Ich verfolge das nun schon eine ganze Weile. Wer "Kindermörder Israel" skandiert, bleibt von der Polizei unbehelligt. Wenn jemand "Israel" ruft, um seine Sympathie zu diesem demokratischen Rechtsstaat zu bekunden, wird in Gewahrsam genommen.

Ich verfolge nun schon eine ganze Weile den Blog von Gerd Buurmann: http://tapferimnirgendwo.com/

Ich kann den Blog nur empfehlen.
Jetzt frage ich mich, was an dem Beitrag so untragbar wäre, dass er zensiert werden müsste. Ich habe niemanden beleidigt, ich sehe Juliane Wetzel sehr kritisch und auch die deutschen Medien, wozu der Spiegel zweifelsfrei gehört.

Um 11:30 kommentierte ich den Kommentar eines anderen Foristen:



[QUOTE=Leser1000;16352890]Mensch, Sie haben eigentlich alles gesagt! Wer nach der Shoa noch immer im Antisemitismus badet hat nichts aber auch gar nichts verstanden, geschweige denn gelernt. Ich sehe es wie Sie: Man muss zwingend zwischen der Politik des Staates Israel und den Bürgern jüdischen Glaubens unterscheiden. Für mich waren beispielsweise die israelischen Bombardements ein Stück weit unverhältnismäßig. Das Krankenhäuser und Schulen bombardiert werden (auch wenn es nur "Kollateralschäden" sein sollten ) ist nur schwer zu begreifen. Auf der anderen Seite scheint Hamas auch nur wenig Interesse am Frieden zu haben, wie der heutige Tag gezeigt hat. Hamas sollte sich auch einmal fragen, ob sie sich nicht an der eigenen Bevölkerung versündigt.[/QUOTE]

In der Tat, waren die "Bombardements" "unverhältnismäßig".

Eine verhältnismäßige Reaktion wäre es gewesen, wahllos Ziele herauszusuchen, die Bevölkerung nicht zu warnen und auf maximale Zerstörung und Verunsicherung der Bevölkerung zu setzen. Verhältnismäßig wäre es auch, wenn Israel Tunnel baut und Meuchelmörder schickt.

Das ist aber genau das, was Israel nicht macht. Israel warnt die Bevölkerung per SMS oder anders, dass sie sich besser nicht am Ort X zum Zeitpunkt Y aufhalten sollten. Dennoch lassen sich Opfer in der  Zivilbevölkerung nicht vermeiden. Es gibt einen großen Unterschied: Hamas will Opfer in der jüdischen Zivilbevölkerung, Israel versucht die Opfer in der palästinensischen Bevölkerung zu minimieren. Hamas will die Opfer auf der eigenen Seite sogar maximieren, um den Krieg der Bilder besser zu führen, daher verschanzt sich die Hamas bevorzugt in Wohngebieten.
 Um 11:55 kommentierte ich wieder einen Nutzer:

[QUOTE=bürger_an_die_macht;16354546]Macht es mich das hier zu lesen. Wir leben doch in einem Land in dem man aussehen, heiraten, lieben, sagen und sein kann wie (bzw. Wen, was oder wer) man will. Warum gilt das immer noch nicht für unsere jüdischen Mitbürger? Wie kann man nur glauben die hier lebenden Juden hätten irgendetwas mit dem Staat Israel und dessen Krieg zu tun? Unglaublich! Schalom, Salem und Frieden![/QUOTE]

Fänden Sie es dann in Ordnung, wenn Juden hier mit Israel zu tun hätten? Gibt's denn Gegebenheiten, wegen Israels Politik Menschen überhaupt anzugreifen, zu denunzieren, zu bedrohen, zu diffamieren? Nein! Bei in Deutschland lebenden Russen käme doch auch niemand auf die Idee, sie für Putins Politik verantwortlich zu machen.

Was ist denn überhaupt so schlimm an der Politik Israels? Es ist der einzige Rechtsstaat und die einzige Demokratie in dieser Region, der einzige Ort, wo Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich sind, wo man seine freie Meinung äußern darf und so niemand wegen seiner Religion diskriminiert wird.

Ich finde die Kritik an Israel schon überzogen und sie zeugt nur so von antisemitischen Ressentiments. Günter Grass sieht in Israel die Gefahr für den Weltfrieden. Warum nicht in Nordkorea, Russland, Pakistan und Indien, Syrien, Iran oder in China? Wenn ich mir die Staaten so anschaue, stelle ich fest, dass einzig  Israel eine Vielzahl von Juden beherbergt, den Davidstern in der Flagge trägt und für westliche Werte steht. Das kleinste Land, der einzige Rechtsstaat, die einzige Demokratie unter lauter Diktaturen wird von Günter Grass als Gefahr für den Weltfrieden identifiziert. Wie kann man auf die Idee kommen, dass das keine antisemitische Haltung ist?
Ich finde den Beitrag von "bürger_an_die_macht" latent antisemitisch. Offenbar hätte er kein Problem damit, wenn die Juden hierzulande auch Israelis wären und sie dann in Verantwortung genommen würden. Aber für was? Dass Israel sich verteidigt? Er rechtfertigt implizit die Demonstrationen hierzulande, nur hätten sie sich gegen die falschen Leute gerichtet. Das ist das einzige, was ihm stört. Er stört sich nicht daran, dass die Kritik an Israel sehr einseitig und antisemitisch ist.

Es sind drei einfache Beispiele, wie SPON meine Beiträge zensiert, die eindeutig proisraelisch sind. In keinen der Beiträge diffamiere ich jemanden, also kann ja nur der Inhalt stören.

Man kann das für Bagatellen halten, aber ich nehme das sehr ernst. Warum? Weil selbst Beiträge, die vor allem unleugbare Fakten enthalten (Dass Israel die einzige Demokratie, der einzige Rechtsstaat in dieser Region ist.), geblockt werden. Ich fühle mich sofort an Orwells "1984" erinnert, das ich vor anderthalb Jahren las. Dort heißt es:

Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei vier ist. Wenn das gewährt ist, folgt alles weitere.
Und SPON hat Probleme mit "2+2=4". Und es geht mittlerweile schon Wochen so, dass pro-israelische Beiträge von mir an der Zensur scheitern.