Samstag, 28. Juni 2014

Bildung in Eigenregie

Gestern bin ich über einen Artikel auf Zeit Online auf den Blog anti-uni.com gestoßen. Den Ansatz, dass man sich auch außerhalb von Institutionen bildet, finde ich absolut richtig. Falsch finde ich die Haltung, der Schule und der Universität die Schuld für das eigene Misslingen die Schuhe zu schieben.

Natürlich können diese Institutionen kein maßgeschneidertes Programm für jeden bieten, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe. Und es ist auch nicht die Aufgabe von Schülern und Studenten, ausschließlich das zu lernen, was im Unterricht bzw. in der Vorlesung behandelt wird. Der Vorwurf, man kann nicht alles in der Schule lernen, ist so banal wie unsinnig. Die Schule hat schließlich nie den Anspruch erhoben. Da kann man auch gleich den Fahrrädern von Stevens vorwerfen, sie könnten keine Lasten von 3 Tonnen transportieren.

Schule und Universität halte ich für wichtige Institutionen, weil sie eine Richtschnur geben für das Grundlagenwissen, selbst wenn es einen nicht interessiert. Ich lernte im Deutsch-Unterricht Metaphern und Allegorien voneinander zu unterscheiden. Das war sicherlich für die meisten Leute uninteressant (für mich seltsamerweise nicht). Dieses Wissen und Wissen über andere rhetorische Figuren hilft mir heute generell beim Textverständnis. Mit Unverständnis reagiere ich zum Beispiel, wenn jemand behauptet, Geld arbeite nicht. Das ist natürlich faktisch richtig, aber dahintersteckt eine Missachtung dessen, was mit der Redewendung, Geld für sich arbeiten lassen, gemeint ist. Es ist eine Metapher und wer die Redewendung wörtlich nimmt, zeigt somit mangelnde Bildung.

Und schon sind wir beim Finanzwissen. Da ich mich mit meinen Finanzen beschäftige und darüber auch schreibe, kann man davon ausgehen, dass es mich auch interessiert. Dennoch halte ich manche Dinge in diesem Bereich für unverzichtbares Grundlagenwissen, das jeder haben sollte, selbst wenn es nicht interessiert, denn einen Finanzhaushalt muss jeder führen. Versicherungen, Altersvorsorge und Steuererklärung sind Teil des Lebens, genauso wie Körper- und Zahnhygiene. Es gibt einfach keine gültige Entschuldigung, wenn man es nicht kann.

Die Kommentare unter dem Zeit-Artikel und die Artikel auf dem Blog transportieren recht häufig die Haltung, die Schule, die Universität zwänge in einen Käfig. Ich mag diese Haltung nicht, denn:
Ich habe auch die Schule besucht und parallel Dinge in Eigenregie gelernt, z. B. das Programmieren. Ich habe die Universität besucht und dennoch viel nebenbei gelernt, fachfremdes wie fachliches, was nicht Vorlesungsinhalt war. Ich bin seit sechs Jahren im Beruf und lerne stetig neues hinzu, selbst wenn es nicht Teil der aktuellen Arbeit ist. Schließlich hat man jede Menge Freizeit, in der man tun und lassen kann, was man will. Ich habe den Eindruck, diese jungen Leute denken, sie müssten außerhalb der jeweiligen Institution gar nichts mehr lernen.

Ich habe schon vor zehn Jahren mit Unverständnis auf Kommilitonen reagiert, die meinten, Studiengebühren für Langzeitstudenten oder eine Höchstsemesterzahl mit automatischer Exmatrikulation wären schlecht, weil Studenten daran gehindert würden, "sich selbst zu verwirklichen" und Allgemeinbildung zu erfahren. Ich habe das schon damals für recht vermessen gehalten, schließlich ließen 25 bis 30 Semesterwochenstunden jede Menge Raum für andere Dinge und ich habe mir den Raum genommen. So las ich eine Menge Literatur und besuchte häufig auch die Bibliothek der philosophischen Fakultät. Wenn ich jetzt das Geplärre dieses Ben Paul und Konsorten lese, fühle ich mich an genau jene Diskussion von vor zehn Jahren erinnert.

Und natürlich ist das Universitätsdiplom keine Garantie für irgendwas (auch das ist eine banale Feststellung), es aber der erste Beweis, dass man was kann, dass man die Zähigkeit, ein Universitätsstudium durchzuhalten, und damit ist es der Türöffner, um überhaupt als Bewerber ernst genommen zu werden. Ich hätte auch Angst, wenn selbsternannte nichtdiplomierte Ingenieure Brücken entwerfen, die ihr Diplom deshalb nicht haben, weil sie Statik nicht sexy genug fanden. Daher schätzen Sie auf keinen Fall pauschal das gering, was man in Schule und Universität lernt. Für alles darüber hinaus, sind Sie aber selbst verantwortlich.

Und was mache ich heute alles, um mich zu bilden? Ich lese Romane und Dramen, genauso wie ich Fachbücher lese. Ich höre Musik und bin auch für niveauvolle Liedtexte aufgeschlossen. Ich will keine Diskussion über E- und U-Musik führen, aber natürlich kommt man nicht umhin, zu statuieren, dass es nunmal niveauvollere Musik, Literatur und Filme gibt und weniger niveauvollere bis hin zu niveaulosen Zeugs.

Und ganz wichtig: Ich höre Radio, den Deutschlandfunk, der sehr niveauvolle Sendungen überträgt und mich immer wieder mit neuen Themen, Autoren und Gedanken konfrontiert. Und wo wir schon dabei sind:

Am 31. Juli, von 10:10 Uhr bis 11:30 Uhr gibt es im Deutschlandfunk eine hörenswerte Sendung mit dem Titel: "Spagat zwischen Rendite und Sicherheit".


Dienstag, 24. Juni 2014

Die famosen 100000 € Depotvermögen

Ich bin heute 32 Jahre alt, habe also noch 35 Jahre zum offiziellen Renteneintrittsalter. Mein Aktiendepot beträgt heute etwas mehr als 100000 €. Nun mache ich folgende Überlegung: Was wird aus diesem Vermögen, wenn ich nichts mehr von meinem Arbeitseinkommen in Aktien investiere und nichts von meinen Dividendeneinnahmen?

Wenn ich mein Nettogehalt komplett verbraten würde, dann würde ich zweifelsfrei sehr gut leben. Ich würde mir Designerklamotten leisten, gute Schuhe, vielleicht ein schickes Auto, viel reisen und gute Restaurants besuchen. Ich würde vielleicht auch besser wohnen.

Das Aktienvermögen aber bliebe weiterhin bestehen und hätte Zeit zum Wachsen. Ich nehme 5 % Kurswachstum pro Jahr an. Zum offiziellen Renteneintrittsalter hätte ich dann 551601,54 € (100000 € * 1,05^35). Die zusätzlichen regelmäßigen Dividendenzahlungen könnten problemlos in den Konsum fließen. Das sind bei angenommen 3 % Netto-Devidendenrendite 3000 € im ersten Jahr. Nicht schlecht. Diese 3000 € würden jährlich auch um 5 % steigen.

Ich habe es also so weit geschafft, dass ich heute schon in Saus und Braus leben kann und mir meiner halben Million € zum Renteneintrittsalter sicher bin. Diese könnte mir dann zu jährlichen Dividendeneinnahmen von 16548,05 € netto verhelfen.

Was passiert, wenn ich die Dividende dennoch reinvestiere. Ich rechne einfach mit 8 % Rendite pro Jahr (Nettodividendenrendite + Kurswachstum). Dann habe ich zum Renteneintrittsalter 100000 € * 1,08^35 = 1478534,43 €.

Und das alles, ohne dass es schmerzt, denn ich würde solange das machen, was viele Menschen notgedrungen machen: Das Arbeitseinkommen komplett ausgeben und allenfalls nur für mittelfristigen Konsum ansparen.

Ich werde es aber nicht machen und das hat vielerlei Gründe: Ich kann nicht erkennen, dass das Lebensglück zunimmt, wenn ich mehr konsumiere. Meine materiellen Bedürfnisse sind bereits gedeckt, wenn ich knapp 50 % meines Arbeitseinkommens ausgebe. Darin enthalten sind gute Bücher, Theaterbesuche, frische Brötchen, bester Käse, bester Kaffee, bester Tee.

Außerdem weiß ich nicht, was die Zukunft bringt. Was ist, wenn sich dann doch Konsumwünsche einstellen, wenn ich morgen meiner zukünftigen Frau begegne, wir heiraten und Kinder bekommen? Dann ist es doch super, wenn man finanziell einen langen Atem hat. Ich habe Kollegen (u.a. den dicken Dirk), die jahrelang nicht gespart haben, sich jetzt aber überstürzt teure Immobilien ans Bein ketten und über 20 Jahre lang abzahlen werden. Wäre das bei mir der Fall, könnte ich so viel Eigenkapital einbringen, dass die Schuld schon nach 10 Jahren, wenn nicht sogar noch früher, getilgt wäre.

Ich bleibe dabei und spare über 1000 € pro Monat meines Arbeitseinkommens und investiere in Aktien. Ich rechne mal vereinfachend mit 1000 € pro Monat bzw. 12000 € pro Jahr. Und mit 8 % Rendite (Kurswachstum + Nettodividendendrendite), die Dividenden werden dabei reinvestiert.

In acht Jahren, also wenn ich 40 bin, habe ich:

100000 € * 1,08^8 + 12000 € * (1,08^9-1)/(1,08-1) = 334943,72 €

Wenn ich 50 bin:

100000 € * 1,08^18 + 12000 € * (1,08^19-1)/(1,08-1) = 896957,11 €

Wenn ich 60 bin:


100000 € * 1,08^28 + 12000 € * (1,08^29-1)/(1,08-1) = 2110301,87 €


Sonntag, 22. Juni 2014

Konsumidioten (Teil II)

In meinem ersten Beitrag beschrieb ich das Konsumverhalten eines Kollegen und erwähnte beiläufig, da wären noch andere. Bei meinem ersten Beitrag wusste ich, ich mache eine ganze Serie daraus. Heute berichte ich vom dicken Dirk - so nenne ich ihn.

Der dicke Dirk ist nicht nur dick, sondern macht auch auf dicke Hose. Ihm fehlt nicht nur jegliches Empfinden für Ästhetik, was man an Kleidung (Hugo Boss), an Auto (BMW) und an seiner Arbeit sieht, sondern auch an seinem Konsumverhalten.

Alles begann mit einer Aussage, dass er sich nicht vorstellen könne, jemals ein Haus zu besitzen, dabei bekommt der dicke Dirk mehr Gehalt als ich und es war noch zu einer Zeit, als er noch keinen Sohn hatte. Diese Aussage hat sich bei mir eingebrannt.

Seine Konsumsünden sind schnell erzählt. Da wäre der BMW. Er wohnt noch dichter an der Arbeitsstelle als ich, fährt aber mit dem Auto und legt dafür auch noch über 24000 € auf den Tisch. Wahrscheinlich geleast, ich weiß es nicht. Da ich seit fünf Jahren mit ihm zusammenarbeite, sehe ich ungefähr, was er sich so alles bestellt, da er sich viele Pakete in die Firma liefern lässt. In jener Zeit kamen zwei Smartphones (im Abstand von 18 Monaten), zwei  Kameras, zwei Laptops (den zweite nur deshalb, weil er SSD haben wollte), also lauter Zeug, das locker länger gebraucht werden könnte. Zum Vergleich: Ich habe 2008 eine Digitalkamera für 88 € gekauft und die benutze ich heute noch, weil ich nicht mehr brauche. Mein stationärer PC hat auch schon 5,5 Jahre auf dem Buckel, mein Netbook 4,5 Jahre, mein Fernseher sogar 20 Jahre. Meine HiFi-Anlage habe ich auch erst nach 20 Jahren gewechselt, als das CD-Laufwerk nicht mehr wollte.

Einen Crosstrainer hat der dicke Dirk auch, was ihm über 600 € gekostet hat. Warum geht er nicht raus zum Joggen? Kostet nichts, außer einem Paar Laufschuhen und ein bisschen Trainingskleidung, die er durchschwitzen darf. Oder warum geht er nicht in einen Sportverein, das macht wenigstens noch Spaß im Vergleich zu solchen Gerätschaften, weil man dort mit anderen Leuten zu tun hat. Und natürlich fliegt er auch regelmäßig in den Urlaub

Dem dicken Dirk diagnostiziere ich demonstrativen Konsum. Diese Lamoryanz, dass er sich kein Haus leisten könne, hat ja auch einen wahren Kern, angesichts dieses Konsumismus, aber selbstkritisches Denken ist ihm fremd. Er sieht das Problem nicht in seinem Konsumverhalten, sondern in seinem Gehalt.

Aber dennoch stürzt er sich in das Abenteuer Hauskauf. Wahrscheinlich, weil das viele in seinem Alter machen. Und dann auch noch ein Reihenhaus, was gut zu der Kleidung von Hugo Boss passt. Der dicke Dirk wird die nächsten 20 Jahren den Gürtel enger schnallen müssen, um einen Kredit abzustottern für ein Haus, das an Lage und Ästhetik kaum zu unterbieten sein wird. Mit Baujahr 2014 wird das eine schöne Schimmelbude.

Seinem Sohn wird er alle Chancen verbauen, weil er sich stark verschuldet. Er wird seinem Sohn nicht viel bieten können, Bildungsangebote werden nicht finanziert werden können. Der dicke Dirk wirft mir auch gerne vor, dass ich Aktien hätte. Dividenden seien unmoralisch, er selbst sagt aber nicht nein zu den Zinsen auf dem Tagesgeldkonto.

Obwohl er intelligenter und klüger als Justin ist, scheitert der dicke Dirk an seiner Selbstgefälligkeit und an der mangelnden Selbstreflektion.

Samstag, 21. Juni 2014

Konsumidioten (Teil I)

Gerald Hörhan hat drei sehr unterhaltsame und lehrreiche Bücher geschrieben und ein Begriff hat sich bei mir fest eingebrannt: Konsumidiot. Ich hatte schon immer Probleme mit dieser Spezies, aber man kann von ihr lernen: So, wie man mit Geld nicht umgehen sollte. Und unterhaltsam kann es auch sein, wenn man sich vergegenwärtigt, wie blöd Menschen sein können.

Ich denke, jeder hat Konsumidioten in seiner näheren Umgebung. Ich habe zwei Kollegen und über einen möchte ich berichten. Nennen wir ihn doch Justin.

Justin hat Medieninformatik an einer Fachhochschule studiert. Während des Studiums lebte er nicht in der Stadt, wo er studierte, sondern im Elternhaus, 40 km entfernt. Justin musste natürlich täglich pendeln, und als das Auto kaputt war und weil Justin sich für so klug hielt, kaufte er keinen billigen Gebrauchten, sondern er leaste einen teuren Gebrauchten für 19000 €, der sein Budget sprengte. Der BMW ist bis heute nicht abbezahlt.

Justin merkt gar nicht, dass sein Konsumverhalten sein Leben stark determiniert. Nicht nur finanziell, weil er nichts ansparen kann, sondern Schulden tilgen muss. Auch zeitlich. Die ständige Pendelei kostet Zeit. Er sucht auch ständig Parkplätze (kostet Zeit) und meckert noch tagelang danach herum (Meckern kostet auch Zeit und Nerven), wie schlecht die Parkplatzsituation doch sei. Abgeschleppt wegen falschen Parkens wurde sein Auto auch schon... Es mangelt ihm an der Einsicht, dass er schuld sei an seiner Situation und nicht die Stadt, nicht die anderen Anwohner und schon gar nicht die Fachhochschule.

Um das Studium zu finanzieren, bekam er Bafög. Das reichte ihm aber nicht, also nahm er noch einen privaten Bildungskredit auf. Eine "Bildungsreise" nach Australien "musste" er auch finanzieren. Er wollte dort Englisch lernen. Das hätte er auch in GB haben können, wäre viel billiger und sinnvoller gewesen. Oder aber er hätte einfach mal in die Bücher schauen können. Das ersetzt nicht die praktische Anwendung der Fremdsprache, sprengt aber wenigstens nicht das Budget. Ich habe während des Studiums regelmäßig Vokabeln gepaukt, englische Zeitungsartikel gelesen und auch leichte englische Literatur. Fachliteratur ist auch auf Englisch und die trainieren die Englischkenntnisse nebenbei.

Seine Situation heute: Er arbeitet in jener Stadt, wo er studiert hat, d.h. er pendelt immer noch täglich 2 x 40 km. Bafög-Kredit... nicht getilgt. Privater Bildungskredit... nicht getilgt. Auto... noch nicht abbezahlt. Er lebt auch sonst auf großem Fuß (er ist Mitglied im Fitnessstudio), deshalb hatte er nach anderthalb Jahren im Beruf gerade mal 10000 € Cash. Und was machte er damit? Schulden tilgen? Nein, er kaufte er sich ein Motorrad.


Ich weiß, es macht keinen guten Eindruck, wenn ich hier lästere. Ich bin anonym, ich lasse aber auch ihm seine Anonymität. Ich kenne ein schönes Sprichwort: "Niemand ist nutzlos, man kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen." Und in diesem Sinne sollte man diesen Beitrag lesen. Wiederholt nicht Justins Fehler. Wenn er bis Mitte 30 sein Verhalten nicht ändert, sehe ich wirklich schwarz für ihn.

Montag, 9. Juni 2014

Empfehlenswertes Interview mit Simon Rolfes

Bei finanzen.net gibt es ein lesenswertes Interview mit dem Nationalspieler Simon Rolfes. Ich bekenne mich an dieser Stelle, dass ich von Simon Rolfes immer viel gehalten habe. Er ist ein intelligenter Spieler, laufstark, technisch solide und zuverlässig. Die WM 2010 verpasste er wegen einer Verletzung und seitdem stockt seine Karriere in der Nationalmannschaft etwas, was aber nur zeigt, welch ungeheure Qualität im defensiven Mittelfeld herrscht: Schweinsteiger, Khedira, Kroos, Gündogan, die Benders, die auch noch allesamt jünger sind.

Er bekennt sich im Interview zum Value-Investing. Dass ein so intelligenter Mittelfeldspieler (Mittelfeldspieler sind ohnehin die Intelligentesten auf dem Platz :-)) sich dazu bekennt, finde ich bemerkenswert. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Rolfes in zehn Jahren ein erfolgreicher Fußballmanager sein wird.


Wer billig kauft, kauft zweimal

Ich bin nun Anfang dreißig und vor elf Jahren begann ich meinen ersten eigenen Haushalt zu führen. Ich war damals schon ein sparsamer Mensch, aber ich habe Fehler gemacht.

Da wäre der Rechner aus dem MediMax. Mein alter Aldi-Rechner gab nach drei Jahren Laufzeit plötzlich den Geist auf. Ein neuer Rechner musste schleunigst her, denn ich war ja Informatik-Student. Der MediMax-Rechner war nicht der billigste, aber wohl auch nicht der teuerste, qualitativ jedenfalls war er nicht, denn vier Jahre später, ausgerechnet während der Diplom-Phase, machte auch er Ärger. Oder nehmen wir meine günstig erstanden Laptops. Obwohl gebraucht oder billig neu gekauft, erwiesen sie sich als Flops, weil ich sie nicht nutzen wollte.

Ich bin mir heute im Klaren, was ich genau brauche und kaufe das, was ich bezahlen kann oder lasse es bleiben. Einen Laptop habe ich nicht mehr. Ich habe dafür ein Netbook. Ist es nicht für meine Ansprüche unterdimensioniert. Nein, denn wenn ich auf Reisen bin, kommt mir nicht der Sinn zum Programmieren. Ein bisschen programmiere ich dennoch auf dem Netbook, aber es ist vor allem eine Bildungs- und Unterhaltungsmaschine. Und das Netbook ist in Ordnung, ein paar mal runtergefallen und dennoch hielt die Festplatte. Und wenn ich reisen will, habe ich genug andere Sachen zu schleppen. Extra eine Laptop-Tasche mit dem ganzen Geraffel mitzuschleppen, darauf habe ich einfach keine Lust. Und das Netbook ist nicht nur auf Reisen ein nützlicher Begleiter, sondern bereichert meinen Alltag. Ich nutze das Netbook im Bett, im Wohnzimmer, auf dem Balkon. Heute würde man für diesen Zweck ein Pad kaufen, aber das war Anfang 2010 noch nicht marktfähig. (Das iPad kam erst im Sommer 2010 raus.)

Ich habe aber auch noch einen stationären PC, der nun fünfeinhalb Jahre alt ist. Ich habe die Einzelkomponenten selbst zusammengestellt. Funktioniert. Blauäugig war ich beim Netzteil, welches ich nach zwei Jahren durch ein lüfterloses Netzteil (Was für eine Wohltat!) ersetzte.

Im Bereich Kleidung habe ich auch noch ein paar Anekdoten vorzuweisen, z. B. den Fünferpack Billigsocken aus dem Famila. Ein Gelegenheitskauf. Die Dinger rutschten ständig. Obwohl ich Student war und jeden Euro sparen musste, habe ich diese Socken nach zwei Wochen weggeschmissen. Da ich nun schon zwei Jahre gute Erfahrungen mit einem Paar Falke-Socken habe, habe ich mir kürzlich wieder zwei Paar gekauft. Ich plane, die schlechten Socken sukzessive aus meinem Leben zu verbannen.

Felsenfest vorgenommen habe ich mir, den ganzen Billigkram kritisch zu überprüfen und mehr auf die Qualität zu achten. Ich habe schon zu häufig erlebt, dass sich billig hinter als teurer herausgestellt hat. Qualität hat ihren Preis, aber der höhere Preis zahlt sich häufig aus, durch längere Haltbarkeit und mehr Freude mit dem Produkt. Das heißt aber nicht, dass alles Billige keine Daseinsberechtigung hätte. Wer nur ab und zu im Urlaub ein paar Fotos schießt, dem reicht eine digitale Kompaktkamera. Eine Spiegelreflexkamera ist da völlig überdimensioniert, nicht nur preislich. Erstens benötigt man als Gelegenheitsknipser viele der Funktionalitäten nicht und zweitens macht der Urlaub keinen Spaß mehr, wenn man ständig einen riesigen Klopper als Kamera mit sich führt. Irgendwann lässt man ihn aus Bequemlichkeitsgründen im Auto oder im Hotelzimmer liegen und immer wenn die Situation für gutes Foto da ist, ärgert man sich, dass man diese Kamera nicht zur Hand hat. Das ist wie mit den schweren Laptops, die ich nicht bei jeder Bahnreise mitschleppen will.

Ich mag Geschichten und mich interessiert, welche Erfahrungen der Leser gemacht hat, in Hinblick auf billige Produkte, die sich hinterher als teuer herausgestellt haben.