Montag, 29. September 2014

Warum ich Ebay so mag

Ich bin seit Jahren begeisterter Ebay-Nutzer. Ich nutze es nicht häufig, aber regelmäßig. Wann immer bei mir was anfällt, was ich nicht mehr brauche, wird es bei Ebay reingestellt.

Im September ging das Mainboard meines Rechners kaputt. Nach 5,5 Jahren. Ich kaufte mir über Ebay ein neues Bundle aus Mainboard, Prozessor und Speicher (das alte Zeug wäre nicht mehr kompatibel gewesen). Und um die Kosten zu drücken, stellte ich mein Zeug rein. Für Motherboard + Prozessor habe ich nicht viel bekommen, weil ich das als defekt deklariert verkaufen musste. Aber über 30 € für zwei RAM-Riegel à 2 GB sind doch ganz ordentlich.

Man muss ja nicht immer den großen Reibach machen. Ich bin schon mit ein paar Extra-Euro zufrieden, die mir die Kosten für die Neuanschaffung drücken. Das war schon 2007 so. Was war 2007? Da gab es die Umstellung auf DVB-T in meiner Region. Ich hatte seit 1999 eine TV-Karte für analoges TV (Hauppauge Win-TV go). Das Ding wurde in jenem Moment für mich wertlos. Aber ich dachte mir: Für irgendjemanden da draußen würde das noch nützlich sein und wenn auch nur für zwei Jahre. Ich habe es verkauft und für acht Jahre alte Hardware noch 3 bis 4 € bekommen.

Um den Charakter eines Menschen einzuschätzen, insbesondere seinen Umgang mit Geld, frage ich ihn häufiger: "Warum stellst du das nicht bei Ebay rein?" Denn immer wieder kriegt man hin und wieder mit, wie Freunde oder Kollegen Neuanschaffungen erwerben und altes Zeug nutzlos wird.

Häufige Ausreden: "Keine Zeit." Und:  "Da bekomme ich nicht mehr viel."

Es sind Ausreden und keine guten Begründungen. Zum Haben von keiner Zeit: Was kostet das denn an Zeit, so ein Ebay-Angebot reinzustellen? 20 Minuten, selbst wenn man auch noch Fotos macht. Ist es Elektronik, müsste man alternativ 20 Minuten mit der Fahrt zum Wertstoffhof einplanen oder aber man bunkert das Zeug in der Wohnung stolpert täglich drüber.  Und zu: "Da bekomme ich nicht mehr viel." - Nicht viel ist immer noch mehr als nichts. Entscheidend ist nicht, was ich mal dafür ausgab (Hauppauge WinTV Go für 120 DM, Verkauf 8 Jahre später für 3 €), sondern was die Alternative zum Verkauf ist: Der Nichtverkauf. Den Kauf Jahre zuvor kann man nunmal nicht mehr rückgängig machen. Und wenn ich die Sache nicht mehr benötige, ist jeder Verkauf sinnvoll, selbst wenn es wenig Geld ist.

Menschen, die diese Ausreden nutzen, sind häufig schlecht darin, mit Geld umzugehen. Unter anderem mein Kollege "Justin".  Das korreliert, denn der Verzicht auf die Einnahme von wenigen Euro ist doch gleichbedeutend mit der leichtfertigen Ausgabe von wenigen Euro. Es scheint auch ein Mentalitätsproblem zu sein. Gerade Menschen mit der Neigung, eine Wohlstandsfassade zu errichten (Markenkleidung, Audi/BMW/Mercedes etc.), verzichten auf Ebay, weil sie glauben, dass andere dann dächten, sie machten das wegen schlechter finanzieller Lage, wegen eines geringen Gehaltes. Für die ist Ebay wie das Sammeln von Pfandflaschen. Ein ehemaliger Kollege (Ich nenne ihn "Buddy".) machte auch immer auf dicke Hose und glaubte, es wäre normal bei seinem Gehalt, die Tüten von Rewe sofort nach der erstmaligen Benutzung wegzuwerfen. (Das Verhalten habe ich habe beim "dicken Dirk" auch schon beobachtet.) Sein Spruch: "Ich hab's ja." "Buddy" war ein konsumorientierter Mensch, der sich ein Sofa für über 1000 € kaufte. Es musste immer vom besten und feinsten sein: Köpfhörer von Senheiser, Fahrrad mit Scheibenbremsen (die auch erhebliche Nachteile haben) und das obwohl er Wenigfahrer war, im Rewe ausschließlich Markenzeugs gekauft, Markenklamotten... "Buddy fängt nur große Fische." Nach eigener Auskunft hatte er schon 2009 für 240 bis 280 € im Monat Lebensmittel gekauft. Da liege ich weit drunter, obwohl nun ein paar Jahre verstrichen sind und ein bisschen Inflation ins Land zog.

Ich kenne aber auch Gegenbeispiele. Wie machen es denn die Vermögenden? Ich kenne jemanden, der aus vermögenden Hause kommt und der vertickt recht viel auf Ebay. Da wird nichts aus Bequemlichkeit liegen gelassen. Eine Playstation wurde verkauft, weil sie zu selten benutzt wurde. Ich bin noch nicht vermögend, bin aber auf gutem Wege dorthin, weil ich die Mentalität habe, die dafür notwendig ist. Bei mir wird auch aussortiert und lieber der schnelle Euro gemacht, als dass die Dinge vor sich hingammeln und mir die Schränke vollstopfen.

Typisch für meinen vermögenden Bekannten: Er geht mit seinen Sachen auch sorgsam um, um den Wert zu erhalten. Das ist mir auch schon als Kind aufgefallen: Die Kinder, deren Eltern noch weniger Geld nach Hause brachten als meine Eltern, teilweise arbeitslos waren, gingen sehr sorglos mit ihren Spielsachen und anderen Eigentümern um. Da flog schon mal ein Telespiel aus dem zweiten Stock eines Wohnhauses.

Ebay ist hier übrigens gleichbedeutend mit allen anderen Möglichkeiten, Gebrauchtes gegen Geld loszuwerden. Ob nun Flohmarkt, Momox, Kleinanzeigen... Alles ist okay und wer das macht, zeigt, dass er mit Geld umgehen kann.

Samstag, 27. September 2014

Das dritte Quartal neigt sich dem Ende. Eine kleine Bilanz.

Heute fand meine Gehaltsabrechnung Eingang. Und beim Eintragen der Frühstücksbrötchen in mein Haushaltsbuch, kam mir die Idee, dass es doch nicht schlecht wäre, eine kleine Bilanz zu ziehen.

Denn wieder geht ein Monat vorüber, in dem ich großen Gewinn hatte. Ich habe gerade mal 42,10 % meines Nettoeinkommens (Nettogehalt + Nettodividendeneinnahmen + Ebay) ausgegeben. Und das, obwohl ich unerwartete Ausgaben hatte. Ich wurde kurz krank, also kaufte ich Taschentücher, Bonbons etc. Das ist aber nur ein kleiner Posten. Schwerer fiel ins Gewicht, dass sich das Mainboard meines Rechners verabschiedete. Für 220 € kaufte ich ein Netzteil, Mainboard, Prozessor und Speicher neu. Ohne diese Aktion hätte ich nur 35,03 % meines Nettoeinkommens ausgegeben. Der Verzicht auf die Ebay-Einnahmen ist da eingerechnet, denn was sollte ich anderes verkaufen als den alten Speicher, den alten Prozessor und das alte Mainboard. Für das Netzteil fand ich noch keinen Käufer.

Das ist eine stattliche Sparquote von über 50 %. Beeindruckend, oder nicht? Und es geht weiter, weil ich höher hinaus will. Die Dividendeneinnahmen machen Spaß. Ich habe in diesem Monat das Vorjahresergebnis bei den Dividendeneinnahmen (brutto wie netto) überboten. Da kommen aber noch ein paar Dividendeneinnahmen. Und das trotz RWE (Halbierung der Dividende) und K+S (gefünftelt) im Depot.

Ich habe an meiner Libre-Office-Calc-Tabelle getüftelt, um zu ermitteln, wie hoch meine Dividenden durchschnittlich im Monat sind, auf Basis der Einnahmen der letzten 12 Monate. Brutto sind es 238,63 € pro Monat, 185,65 € sind es netto. Das mag wenig sein im Vergleich zu anderen Finanzbloggern. Ich muss aber dazu sagen: Ich fahre keine explizite Dividendenstrategie. Andere wählen bewusst starke Dividendenzahler und liegen logischerweise höher.

Ich habe mich vor einigen Jahren gefragt, was wertvoller ist: Mit hohem Einkommen gesegnet zu sein oder aber mit der Fähigkeit, mit wenig auszukommen. Mein Gehalt ist nicht schlecht, aber nicht überragend. Aber ich kann mit wenig auskommen. Und ich neige nicht dazu, Geld für Statussymbole auszugeben. Daher ist meine Sparquote hoch, ohne dass es es schmerzt. Ich bewerte die Fähigkeit, mit wenig auszukommen, als sehr hoch ein.

Kollegen von mir hauen das Geld raus wie Graf Koks von der Gasanstalt. Die fahren mit deutschen Markenfabrikaten vor, tragen Kleidung von Hugo Boss und Tommi Hilfiger... die geben viel Geld aus und dennoch sieht's erbärmlich aus, weil sie glauben, Markenkleidung sähe grundsätzlich gut aus. Ich habe gewiss nicht so viel Kleidung, aber dafür vernünftige, z. B. Pullover aus Kaschmirwolle. Das trägt sich angenehm, sieht gut aus und ist stilsicher. Gespart haben die nichts, geschweige denn investiert. Der eine hat Familie und will sich eine Immobilie ans Bein ketten, der andere hat ein Motorrad.

Mal sehen, wie es weitergeht. 185 € netto extra in jedem Monat... So viel versprechen Riesterversicherungen auch, aber ab Renteneintrittsalter. Bis dahin kann man tot sein. Für mich bedeuten diese 185 €: Strom, Internet und Versicherungskosten sind bezahlt. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis meine Kaltmiete von Dividenden gedeckt ist. Das dürfte nun immer schneller gehen. Dividenden erhöhen sich mit der Zeit, genauso wie die Kurse steigen. Die Dividendeneinnahmen werden reinvertiert, d.h. ich habe dann auch mehr Aktien. Arbeitseinkommen wird größtenteils auch investiert. Der Zinseszinseffekt spielt mir in die Hände.

Samstag, 20. September 2014

Warum ich zu Israel halte


Gibt es einen Staat der mehr polarisiert als Israel? Gibt es einen Staat, bei dem sich so viele Menschen bemüßigt sehen, diesen und seine Grenzen in Frage zu stellen? Auf Anhieb fällt mir da keiner ein. Ich bin pro-israelisch und möchte mit diesem Beitrag konstatieren, warum die Kritik an Israel unredlich ist.

Ich bespreche die Punkte, warum Israel existieren sollte und auch in den heutigen Grenzen. Gerne auch darüberhinaus. Anlass ist ein anonymer Kommentar vom 12. September,wo es da heißt:

Israel sollte sich auf die Gebiete beschränken, die vor der ersten jüdischen Einwanderung vor 1880 mehrheitlich von Juden besiedelt waren und sich aus den restlichen Regionen zurückziehen.

Ich fand diesen Kommentar schlimm. Deshalb möchte ich drei Punkte knapp anreißen, warum Israel meine bedingungslose Solidarität erhält und eines jeden Menschen erhalten sollte.

1. Gerechtigkeit und Selbstverteidigung. Die israelische Geschichte ist mitnichten eine Geschichte von europäischen Juden, die nach 1945 in arabisches Land eingedrungen wären. Juden gab es in Palästina immer. Und natürlich gab es auch Juden aus allen arabischen Ländern, die Zuflucht in Palästina suchten, weil sie immer wieder Pogrome (im Irak, im Jemen, in Hebron) miterleben mussten. Es ist daher nur gerecht, wenn jene zahlen müssen (durch Abtretung von Ländereien), die Juden massakrierten, also die Araber. Es ist das Recht der Juden auf arabischen Boden, ihren eigenen Staat auf arabischen Boden auszurufen, um sich zu verteidigen, so wie es jeder anderen verfolgten Minorität zusteht. Es ist ausgleichende Gerechtigkeit, wenn die Juden zu Lasten von Arabern einen Staat ausrufen. Genauso hätte Deutschland akzeptieren müssen, wenn Juden auf einst deutschen Boden einen jüdischen Staat ausgerufen hätten.

2. Recht. Der israelische Staat war keine 24 Stunden alt, schon gab es eine Kriegserklärung seitens der arabischen Staaten. Israel hatte sich erfolgreich verteidigt und sich sogar vergrößern können. Israel musste mehrere aufgezwungene Kriege gewinnen. Das formale wie moralische Recht ist auf den Seiten des Gewinners eines Verteidigungskrieges. Die Alliierten des zweiten Weltkrieges bestimmten nach 1945 in Deutschland die Musik und das gleiche Recht muss Israel zugestanden werden. Kein ernstzunehmender Deutscher fordert heute noch an Russland, Polen, Tschechien und Frankreich abgetretene Gebiete zurück.

Außerdem gab es keinen arabischen Staat, zu dessen Lasten die israelische Staatsgründung ging. Das war britisches Protektorat, vormals Osmanisches Reich. Die israelische Staatsgründung ist rechtlich wasserfest.

3. Menschlichkeit. Man kann es sich ganz einfach machen und braucht keine Geschichtsbücher zu wälzen: Man muss sich nur die Staatswesen im Nahen Osten anschauen. Selbst wenn Israel in der Vergangenheit grobes Unrecht begangen hätte: Israel bleibt der Staat, den man unterstützen muss, denn er ist der einzige Staat, der den Individuen Rechte zuspricht, der einzige Staat wo, Menschen aller Religionen, aller Hautfarben, aller sexuellen Orientierungen und beiderlei Geschlechts Rechte haben, frei sind und glücklich werden können. Und alleine deswegen ist es jedem Araber nur zu wünschen, dass er von Israel regiert wird und nicht von Fatah, PLO, Hamas, einem jordanischen König oder dem Königshaus Saud. Eine Ausweitung des Staates Israels würde ich begrüßen. Sollten Gaza, Judäa und Samaria israelisch werden, wäre das Fortschritt für die dort lebenden Menschen. Unter diesen Umständen fände ich sogar einen israelischen Angriffskrieg zwecks Landgewinnung in Ordnung.

Warum also die andauernde Kritik am Staate Israel? Es ist Antisemitismus.

Israel wird nicht das zugestanden, was man anderen Staaten zusteht. Eher wird für Putin eine Lanze gebrochen, der sich angeblich Sorgen um die Krim-Russen machte. Komisch, dass niemand fragt, warum auf der Krim so viele Russen leben und so wenig Krimtataren und Ukrainer. Das tatsächlich durch die UdSSR begangene Unrecht mit Massakern und Deportationen auf der Krim gilt als Schnee von gestern. Ich habe keine europäische Stimme vernommen, die die Rückführung der dort lebenden Russen in das russische Mutterland fordert. Wenn es um Juden geht, fordert man aber schnell die erzwungene Abreise. Was soll das sonst sein als Antisemitismus?

Wann immer die Bande in Nordkorea verrückt spielte, gab es im Westen Stimmen, die ihr beipflichteten, die nordkoreanische Regierung fühle sich zu Recht provoziert. Damit wurden Entführungen an Südkoreanern, Torpedierungen von südkoreanischen U-Booten und Raketentests über dem Japanischen Meer gerechtfertigt. Wodurch fühlte sich Nordkorea provoziert? Durch die Anwesenheit von amerikanischen Truppen, durch Manöver der südkoreanischen Streitkräfte. Im Prinzip durch etwas, was jedem souveränen Staat zusteht: Manöver auf eigenem Boden durchzuführen, gerne auch mit alliierten Truppen. Wenn aber israelische Städte mit Raketen beschossen werden und Israel darauf reagiert, dann wird Israel kritisiert und verurteilt. Auch das ist Ausdruck von Antisemitismus.

Mal sehen, wie lange es dauert, bis der erste Antisemit auftaucht, der Israel vorwirft, Schuld an Massakern von Arabern an Arabern zu sein, weil Israel darauf verzichtet, sein Staatsgebiet zu vergrößern, um mehr Menschen persönliche Freiheit zu bringen. Den Antisemiten ist doch alles Recht, Hauptsache sie können Israel anklagen. In Israel leben keine Rechtlosen, in arabischen Ländern schon, aber der Antisemit klagt Israel an, anstatt die arabischen Staaten, wo Palästinenser in Lagern leben müssen.

Haben wir denn in Deutschland nichts besseres zu tun, als sich um Israel zu kümmern? Ist mein Beitrag denn wirklich notwendig? In der Tat, kann man mich sich in Deutschland um interessantere Themen kümmern, aber das Thema habe ich nicht auf die Agenda gesetzt, sondern die Antisemiten dieses Landes. Und damit wird es zum innerdeutschen Thema, denn es ist der latente Antisemitismus der deutschen Bevölkerung.

Natürlich dürfe man Israel kritisieren, genauso wie man Jakob Augstein und Günter Grass kritisieren darf. Und wenn man deren Thesen anschaut, ist der Antisemitismus offensichtlich. Dass man heute erfolgreich den Antisemitismusvorwurf abweisen kann, weil man nicht die Vernichtung von Juden gefordert hätte, ist eine schlimme Entwicklung. Antisemitismus fängt nicht erst bei Auschwitz an. Wir leben in einer verrückten Welt.

Wenn jemand dagegen ist, dass Genderismus im Schulunterricht propagiert wird, gilt man sofort als homophob, genauso wie jemand, der das Adoptionsrecht nur verheirateten Eheleuten der klassischen Art zusprechen will. Da wird plötzlich nicht mehr unterschieden zwischen der Nichtanerkennung von Privilegien und der Beschneidung von Grundrechten. Aber Israel das Existenzrecht in den heutigen Grenzen abzusprechen und in Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden zu sehen, soll nicht mehr antisemitisch sein? Und wie verrückt das ganze ist: Hierzulande für die Ausweitung der Privilegien für homosexuelle Paare streiten, gleichzeitig aber den einzigen Staat im Nahen Osten kritisieren, der Homosexuelle nicht verfolgt, ist Ausdruck einer Schizophrenität, die man bei vielen Linken findet.

Montag, 1. September 2014

Konsumidioten (Teil III)

Ich möchte heute meine Reihe fortsetzen, denn es gibt eine neue Episode im "Fall Justin". Zur Erinnerung. Justin war der mit den Schulden, dem Auto und dem Motorrad. Was hat Justin nun schon wieder angestellt?

Kürzlich hat sich Justin eine Playstation gekauft. Meines Wissens verdaddelte er vorher so schon eine Menge Zeit auf iPhone und auf seinem PC. Wahrscheinlich spielt er da WoW... So gut kenne ich mich damit nicht aus. Ich weiß nur, dass das eine Menge Geld und Zeit verschlingt. Bei dem Preis für eine Playstation wird mir schwindelig. Dafür wäre mir das Geld einfach zu schade.

Nun also eine Playstation, als wenn er nicht schon genug spielte. Ich will ja nichts gesagt haben, gegen solch Hobby generell, schließlich habe ich in meiner Jugend auch das eine oder andere gespielt. Nur ist mir die Zeit zu schade, so viel zu spielen. Und geistig anregend waren Spiele selten.

Man stelle sich vor, Justin würde Geld und Zeit für Literatur ausgeben. Statt durchschnittlich eine Stunde pro Tag daddeln, liest er eine Stunde. Die richtigen Bücher würden den Geist anregen und ganz unbemerkt den Wortschatz erweitern.

Überhaupt ist niveauvoller Medienkonsum das beste, was einem passieren kann. Wenn ich meine Entwicklung so betrachte. In meiner Jugend war ich eher Plattmann, schlecht in der Schule, hatte wenig gelesen. Mein Glück war, dass ich neue Freunde fand, deren Diskussionen anregend waren. Plötzlich fing ich an, mich für Politik und Wirtschaft zu interessieren. Wir begannen, die FAZ zu lesen, einer las regelmäßig die Wirtschaftswoche. Mit 16 Jahren! Ich konnte noch nicht mithalten, wusste aber, dass ich was tun musste.

Als 2000 das Internet bei mir zu Hause Einzug erhielt, war das etwas ganz besonderes und ich nutzte es nicht zum Spielen oder zum Betrachten von Pornographie (wie übliche 18jährige), sondern für politische Diskussion, zum Lesen und zum Bestellen von Büchern. Ich hatte auch ein Girokonto und durch meine Halbwaisenrente ein regelmäßiges Einkommen, wenn auch nicht sehr üppig. Das erste Buch, welches ich bei Amazon bestellte, waren "Die Buddenbrooks". Als ungeübter Leser war das schon ein harter Brocken. Ich bestellte und las mehr Bücher. 2001 wurde ich Abonnent der ZEIT und Hörer des Deutschlandsfunks. Hörer des DLFs bin ich bis heute. Meine Lieblingsfernsehsender damals (kein Witz): Phoenix, 3-Sat, Arte. Einiges hat sich seitdem geändert: Fernsehen wurde unbedeutender, die ZEIT lese ich heute nicht mehr, dafür lese ich noch mehr Bücher. Deutschlandfunkhörer bin ich nach wie vor.

Wenn man das jahrelang durchzieht, sodass dies zur Gewohnheit wird, zieht man intellektuell an den anderen vorbei. Justin ist vielleicht 30 Jahre alt, aber intellektuell auf einem Stand wie ich vor 16 Jahren.