Dienstag, 28. Oktober 2014

Emotionalität ist mir ein Graus.

Mehr oder weniger aktuelle Ereignisse nehme ich zum Anlass, etwas über Emotionalität und Rationalität zu schreiben. Ich sehe mich dem Rationalen verpflichtet; zur Emotionalität neige ich selten. Emotionale Menschen empfand ich häufig alles Zumutung. Da gibt es die Jähzornigen, die Empörten, die Euphoriker und die Sentimentalen. Wobei Sentimalität meistens nur nervt, nicht bedroht.

Das aktuelle Ereignis ist die Anzeige gegen Dieter Nuhr wegen Volksverhetzung. Ich finde es aberwitzig, aber es passt in unsere Zeit. Was bei Dieter Nuhr volksverhetzend sein soll, weiß ich nicht. Ich kenne keinen charmanteren Kabarettisten. Seine Pointen sind spitz, aber nie verletzend. Er ist das Gegenteil von Urbal Priol, der einen sehr brachialen Humor hat, andererseits aber schnell empört ist, wenn man nicht auf Priol hört. Bei S21 wurde auch nicht auf Spitzenarchitekt und Weltverkehrsplaner Priol gehört, also demonstrierte er dagegen. Über Priol konnte ich sowieso noch nie lachen. Er ist sogar der Grund, warum ich nur noch selten Kabarett schaue. Nuhr halte ich für einen der besten. Er fällt aus der Rolle, weil er einer der wenigen ist, die sich nicht ultralinks positionieren und vom ewigen Leid klagen, die Reichen würden immer reicher, die Armen immer ärmer, und Schuld daran wäre die Klientelpolitik der FDP und der angloamerikanische Kapitalismus, selbst an der verkorksten Situation der Menschen in Nordkorea.

Das meinte ich, als ich schrieb, dass die Anzeige gegen Nuhr in unsere Zeit passe. Es gibt schon seit langem eine Entwicklung, Sachentscheidungen zu emotionalisieren. S21, Kopfbahnhof... so eine Entscheidung kann man objektiv abwägen. Was die langfristige Wirtschaftlichkeit angeht, so ist immer Spekulation, aber auch Risiko im Spiel. Da hat man immer noch Raum für gegenteilige Meinung. Dennoch werden Fakten verbogen oder mögliche Problemchen aufgebauscht. Ein Schlichter wurde bestellt und was für einer, der unfähigste Schlichter seit Goebbels, der erstmal auf die FDP draufschlug und am Ende einen Kompromiss präsentierte, der sowohl die aufgebauschten Gefahren und die Kosten von S21 mit den Nachteilen des Kopfbahnhofs vereinte. Das Konsensgefühl (also wieder Emotionalität) war wichtiger, als dass eine objektiv gute Entscheidung getroffen wird.

Ich fragte mich sowieso, was da zu schlichten galt. Auf der einen Seite gab es Leute, die rational eine Entscheidung für S21 fällten. Auf der Gegenseite gab es Emotionale, die mit weniger Sachkenntnis, Trillerpfeifen, Pöbeleien und Sabotage eine getroffene Entscheidung vereiteln wollten. Das wäre in etwas so, als hätte man zwischen bücherverbrennenden SA-Mannschaften und den betroffenen Schriftstellern schlichten wollen. Eine absurde Vorstellung. Kompromiss wäre dann wohl gewesen, jeden zweiten Autoren auszusparen, nachdem man alle dem Alphabet nach sortiert hätte. Heinrich Manns Bücher hätte man verbrannt, die Bücher seines Bruders nicht. Eine wirklich absurde Vorstellung.

Zeugnis des Empörens, das man in den letzten Jahren erleben musste, ist der folgende Artikel, sowie die dazugehörige Petition. Als ich die Standpunkte der Initiatorin Maren Müller las, war mir klar, dass das eine Emotionale ist. Mit so einer Person würde ich freiwillig nicht zu tun haben wollen. Man empörte sich über Lanz, dabei hat er seine Aufgabe recht gut gemacht. Ich habe die Sendung zweimal gesehen und konnte nicht erkennen, wo seine Verfehlung lag. Andere Politiker werden genauso hart drangenommen und die Aufgabe eines Journalisten ist es, kritisch nachzufragen. Lanz hat auch Jürgen Fliege wegen seiner Esoterik angegriffen und Dirk Müller wegen seiner Verschwörungstheorien. Obwohl es ein boulevardeskes Format ist, muss ich schon sagen, dass mir Lanz oft gut gefällt.

Die Empörten sind aber nicht nur auf linker Seite, sondern auch auf rechter. Sobald kritisch nachgefragt wird, ob nun bei Dirk Müller oder bei Bernd Lucke, sind die Anhänger sofort empört, wittern eine Verschwörung des Systems. Leuten, die derartig die sachliche Ebene verlassen, bin ich besonders skeptisch gegenüber. Gegen die AfD bin ich genauso immun wie gegen linke Phrasen.

Putinversteher gehören auch in die Kategorie. Sobald jemand sagt, der Westen müsse wehrhaft sein, oder Präsenz in östlichen NATO-Ländern zeigen, wird man sofort zum Kriegstreiber abgestempelt. Dass Putin gar nicht erst fragt, wenn er die Krim oder die Ostukraine einnimmt, oder wenn er U-Boote in schwedische Hoheitsgewässer schickt, ist das kein Fünkchen Kritik wert, geschweige denn den Vorwurf des Kriegstreibens.


Donnerstag, 16. Oktober 2014

Die Kurse fallen - Ich nehme es gelassen.

Ich habe kürzlich die wegen des Ende des dritten Quartals eine kleine Bilanz gezogen. Ich hätte nicht erwartet, dass sich die Situation so schnell ändert. Mein Depot hat sich um 10000 € nach unten entwickelt.

Das ist aber kein Problem für mich. Das sitze ich aus, weil ich es aussitzen kann. Ich habe die Aktien nicht auf Pump gekauft.  Ich habe auch sonst keine Schulden. Ich aber aber Cash.

Wenn ich sehe, was ich nun alles so viel günstiger bekommen kann... Novartis, Exxon, Siemens, Münchener Rück sind als Nachkäufe in der engeren Wahl. Als Neukäufe vielleicht BASF... Mal schauen. Da winken höchst lukrative Dividendenrenditen.

Vielleicht kaufe ich nochmal K+S. Von Uralkali habe ich schon lange nichts mehr gehört, bald aber fördert K+S auch in Kanada Kali.

Super! Diese Woche habe ich etwas verkauft.

Ich habe mich kürzlich als Ebay-Fan geoutet. Ich habe nun einen kleinen Verkaufserfolg zu verzeichnen. Ich musste mir neue Komponenten für meinen Rechner kaufen. Dabei wurde ein altes, aber gut funktionierendes Netzteil wertlos, da es nicht mehr kompatibel war. Es war ein lüfterloses Netzteil, daher war es damals gar nicht so billig und ist viel zu schade, um bei mir zu verrotten.

Bei Ebay wollte ich es nicht hineinstellen, wegen der 10-Tage-Frist, da Netzteile nicht so häufig gefragt sind. Ich entschied mich dann für Amazon. Am Montag hat jemand den gewünschten Preis von 45 € + 7 € Versandgebühren bezahlt. Ich hatte wenig Arbeit, da Amazon Foto und Produktbeschreibung bereitstellte.

Beim Verkaufen wie bei Aktien gilt es häufig, Geduld zu haben. Ich hatte nicht die große Hoffnung, dass jemand so ein Netzteil kauft und ich hatte es fast vergessen. Umso größer war dann die Überraschung über die Mail von Amazon über den erfolgreichen Verkauf.

Hier und da kleine Einnahmen bzw. Einsparungen ebnen den Weg zum Vermögen. Es ist selten Zufall, ob man vermögend wird. Es ist das Ergebniss der persönlichen Einstellung.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Umgang mit alten Investitionen

Geschehenes kann man nicht ändern. Es ist eine Binse. Dennoch vergessen die Menschen dies häufig und das machen sich die Versicherungen, Banken und Bausparkassen zunutze. Wie das? Standen wir nicht alle mal vor der Frage, einen Bausparvertrag oder eine KLV vorzeitig zu kündigen? Und hatten wir da nicht Gewissensbisse? Und versuchte der Vertreter nicht, auf Verluste hinzuweisen, die man realisieren würde?

So war das jedenfalls bei mir, als ich die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr kündigte, die meine Eltern mal für mich abschlossen. Ich hatte gut die Hälfte der Vertragslaufzeit rum. Der Allianz-Hansel fragte, ob ich es mir nicht noch einmal überlegen  wolle, denn ich verlöre Geld. Ich hatte es mir aber ausgerechnet. Natürlich verliere ich Geld, wenn ich die Kündigung mit dem Rückkaufswert vergleiche, was ich zehn Jahre später bekommen hätte, völlig unabhängig von Inflation. Aber das Geld ist ja nicht weg und wird schließlich nicht für Konsum verballert. Ich habe mir ausgerechnet, dass es lukrativer ist, das Geld in Aktien zu stecken und zukünftige Beiträge auch. Dass der Vertrag mal abgeschlossen, konnte ich ohnehin nicht ändern. Mir stand nur die Wahl zwischen Vertrag kündigen oder fortführen und da ich nicht kurz vor Laufzeitende kündigte, waren die Aktien bedeutend lukrativer.

Anderes Beispiel: Bahncard. Ich habe eine Bahncard 50, die 265 € gekostet hat. Das heißt, man muss mindestens für 530 € Normalpreis fahren, um keinen Verlust zu machen. Angenommen, man hat die Bahncard und ist kurz vor Laufzeitende, hat aber die 530 € noch nicht erreicht. Ist es ratsam, dann nochmal eine Fahrt zu machen? Nein, natürlich nicht. Man hat sich verkalkuliert, als man die Bahncard bestellt hat. Das kann passieren. Eine Spaßfahrt nur um über die Schwelle zu kommen, macht die Bahncard nicht besser, denn was hat man bezahlt?

265 € für die Bahncard, 500 € für bisherige Fahrten und eventuell noch 50 € für eine weitere Fahrt. Diese zusätzlichen 50 € heben vielleicht die Bahnfahrtkosten über die Bahncard-Ammortisierungsschwelle, aber es sind zusätzliche 50 €, die man ausgibt.

Oder Autobesitzer. Autobesitzer haben einiges an Anschaffungs- und Fixkosten. Wenn beispielweise das Ticket mit der Bahn günstiger sein sollte als die Treibstoffkosten, dann ist es günstiger, dann auch die Bahn zu nehmen.  Viele erliegen dem Irrtum und fahren Auto, denn immerhin haben sie es ja, sie haben Fixkosten und es müsse sich rentieren. Und alternativ mit dem Fahrrad fahren. Sollten Autobesitzer eigentlich immer tun, wenn es Strecke, Witterung und andere Umstände erlauben. Sogar der Kauf eines teureren Fahrrads, um Benzin zu sparen, zahlt sich recht schnell aus.

Bereits getätigte Investitionen werden nicht dadurch besser, wenn man stur an ihnen festhält, selbst wenn es mittlerweile etwas günstigeres gibt. Deswegen ist es okay, wenn man langfristige Verträge kündigt, z. B. Bausparvertrag. Ich habe ein interessantes Beispiel gefunden, wo das beherzigt werde sollte. Der junge Mann hat Schulden und dennoch sechs Bausparverträge abgeschlossen. Hoffentlich liest er auch meinen Beitrag, denn ich rede dort Tacheles

Die Wolfsfrau hat auch alte Verträge gekündigt. Ich gratuliere.