Sonntag, 30. November 2014

Das Umfeld, in dem Antisemitismus gedeiht.

Ich muss mich wieder zu Wort melden, denn die Antisemiten in diesem Lande nötigen mich dazu. Ich beobachte schon seit einiger Zeit Dirk Müller. Ich fand ihn okay, solange er sich auf sein Zeug besinnte und vor Immobilien warnte. Seine Entwicklung ist aber äußerst negativ. An Dirk Müller kann man gut beobachten, was aus einem schlichten Gemüt wird, wenn es plötzlich Gehör findet, ihn erstmal alle toll finden, und was passiert, wenn es Gegenargumente gibt. Müller beleidigt ja alle seine Kritiker aufs übelste. Müller zieht sich sonst in sein Netzwerk zurück, wo er nur Bestätigung findet, sodass er tatsächlich glaubt, er wisse mehr als alle anderen. Anders kann man sich erklären, warum er sich das Recht nimmt, andere zu beleidigen.

Youtube war so nett und schlug Videos vor, die mich vielleicht interessieren könnten. Da war er dann wieder, der Dirk Müller:



Hier ein paar Screenshots von den Kommentaren unter dem Video.





Besonders schlucken muss ich, als Eric Frey als "elende undankbare Ratte" bezeichnet wurde. Schon die Nazis bezeichneten Juden als Ratten.

Außerdem betreibt "ParamiliterWild" Geschichtsklitterung. Die Russen haben für die Juden keinen Finger krumm gemacht. Nach 1945 wurden die Juden in der Sowjetunion auch verfolgt. Der industrielle Massenmord an den Juden konnte nur im Windschatten des Krieges geschehen. Der Krieg wurde begonnen, weil sich die Sowjetunion und Deutschland einig waren, Polen unter sich aufzuteilen. In Moskau sah man es mit Wohlwollen, wie Nazis auf dem Boden der UdSSR mit den Juden umgingen. Waren ja sowieso alles nur jüdische Querulanten aus Sicht von Moskau.

So sind die Fans von Dirk Müller, von Ken Jebsen und von Jürgen Elsässer. Putinversteher par excellence und Antisemiten. Man kann es gar nicht oft genug wiederholen. Wahrscheinlich wählen die auch noch AfD oder Linkspartei. In dieser Umgebung aus Besserwisserei und Verschwörungstheorie kann der Antisemitismus bestens gedeihen.

Samstag, 29. November 2014

Die Illusion der Stabilität

Jeder Mensch hat seine Neurosen und pflegt diese. Der deutsche Michel liebt Stabilität. Und selbst wenn man ihm lang und breit erklärt, dass die Stabilität nur eine Illusion ist, bleibt er bei seinem Standpunkt.

Das führt dann dazu, dass wir 90 Millionen KLV-Policen in Deutschland haben, dass die Riester-Verträge auch in die Millionen gehen und dass wir auf deutschen Konten so viel Geld zu liegen haben.

Diese Sachen sind nicht sicher, sie suggerieren nur eine Sicherheit. Und das ist teuer, denn eine Bank oder eine Versicherung muss einen Heidenaufwand betreiben, um jederzeit einen Vertrag zurückzukaufen.

Stabilität ist vielleicht nötig bei kurz- und mittelfristigen Sparvorgängen für eine gewisse Ausgabe oder für den berühmten Notgroschen, aber doch am allerwenigsten bei der Altersvorsorge, die man über Jahrzehnte betreibt.

Es bringt doch überhaupt nichts, wenn man einen konstanten Zins hat. Mich erinnert das an Tempomaten. Es gibt ja Leute, die es mögen, wenn dann konstant eine Geschwindigkeit gehalten wird. Aber zu was führt das? Meine Erfahrung ist folgende: Bei Anstiegen drückte der Tempomat aufs Gas, bei einem Gefälle auf die Bremse. Ich sagte mir: "So ein Blödsinn!", und übernahm die Regie. In den Gefällen rollte ich aus und am Anstieg musste ich weniger aufs Gas drücken. Meine Fahrweise war sparsam und ich konnte es auch an der Statistik ablesen. Ich übernahm den Wagen von einem Kollegen und unter meiner Regie ging es mit dem Durchschnittsverbrauch deutlich runter.

Garantieprodukte sind wie Tempomaten: Man nutzt die Hausse nicht aus und man drückt in der Baisse besonders auf die Tube. Wenn das Endziel zwanzig Jahre in der Zukunft liegt, dann ist unsinnig, so viel Energie da reinzustecken, dass die Zwischenziele stimmen. Hier habe ich einen Fall. Ein gewisser "Geldbaum" schreibt:

Hallo Couponschneider,
ich bin einverstanden mit Ihnen, wenn Sie sich vertraglich bei Gina66 verpflichten, dass Sie bei ihr für den finanziellen Ausgleich gerade stehen!

Nur für den Fall, dass sich Variablen in Ihre mathematische Rechnung einschleichen und die Endergebnisse geringer ausfallen!

Wir schreiben hier immerhin über die Altersvorsorge eines Menschen, die dann zum gegeben Zeitpunkt stimmen muss.


"Gina66" hat noch knapp 20 Jahre bis zur Rente. Diese Panikmache, dass das Aktiensparen oder ein ETF keine Garantien hätte, ist typisch. Ich habe mit einer realistischen Durchschnittsrendite gerechnet. Selbst wenn das tatsächliche Endergebnis unterdurchschnittlich (nur 6 % pro Jahr) wäre, wäre es immer noch besser als ein Rentenvertrag bei dem jeder Überschuss auch tatsächlich vergolten würde.

Donnerstag, 27. November 2014

Den Einstieg schaffen

Kürzlich hat mich ein junger Mensch um Tipps für den Einstieg gebeten. Er hat auch schon Bücher gelesen, hat etwas Geld und eine hohe Sparquote. Das sind gute Voraussetzung. Hier sind die Tipps und ich komme natürlich um Buchempfehlungen nicht herum.

Ich empfehle:
  • Max Otte: "Investieren statt Sparen"
  • André Kostolány: "Die Kunst, über Geld nachzudenken"
  • Martin Weber: "Genial einfach investieren"
  • Gerald Hörhan: "Investment Punk", "Gegengift", "Null Bock Komplott"
Das ist einfach verständliche Literatur, lehrreich und auch unterhaltsam. Ich habe die Bücher mehrfach gelesen.

Von Anleihen und Fonds würde ich die Finger lassen. Ich hatte häufig mit Fonds geliebäugelt, aber ich will dann doch keine Gebühren für so etwas aufbringen.

Wenn man über einen großen Geldbetrag verfügt, sollte man ihn nicht komplett in Aktien umsetzen. Ich empfehle, das Geld, was man erübrigen kann, in 2000-€-Tranchen zu investieren, Bei 10000 € und einer Sparrate von 1000 € pro Monat aus dem aktiven Gehalt kann neun Monate am Stück 2000 € investieren. Ich empfehle solide Titel wie BASF, BP, Beiersdorf oder Bayer. Unternehmen, die nichts erschüttert, ob nun Weltkrieg oder auslaufendes Öl im Golf vom Mexiko.

2000 € ist auch groß genug für eine Investition. Bei überdurchschnittlichen 20 € Gebühren sind das 1 %  Das fällt aber einmalig ein und nicht kontinuierlich. Das heißt, das knabbert nur einmal an der Rendite und versinkt im Cost-Average-Effekt.

Ein Finanzpolster ist wichtig und sollte man haben, aber ich halte von Faustformeln à la 3 Nettogehältern nichts. Man sollte gedanklich durchspielen, was passieren kann und abschätzen, was das kostet. Wer kein Auto, das kaputt gehen kann, braucht dafür auch keine Rücklage dafür bilden. Meine Rücklage ist geringer als drei Netto-Gehälter.

Um herauszufinden, wie viel man benötigt, ist es empfehlenswert, ein Haushaltsbuch zu führen. Ich mache dies seit fast drei Jahren und weiß genau, in welchen Monaten ich benötige, d.h. ich kann im Vorfeld abschätzen, dass ich dann weniger investieren kann.

Um Aktien zu kaufen, braucht man ein Depot. Man sollte sich informieren, was das kostet. Ich beispielsweise bin nicht bereit, Grundgebühren für das Depot zu zahlen. Manche Banken langen da richtig zu, auch bei den Ordergebühren. Vielleicht sollte man dann gleich die Bank wechseln. Es gibt aber auch reine Online-Broker mit niedrigen Gebühren, wenn man die Bank nicht wechseln möchte, aber ein günstiges Depot haben möchte. Ich habe aber keine Erfahrungen mit reinen Online-Brokern, daher weiß ich auch nicht, welcher seriös ist.

Das Wichtigste ist aber, Geduld zu haben, keine Schulden zu machen und immer wieder zu investieren. Das Ziel muss nicht unbedingt die finanzielle Freiheit sein. Natürlich wäre diese toll, aber schon geringere Ziele sind erstrebenswert, wie z. B. ein kleines Nebeneinkommen zum Gehalt bzw. zur Rente. Ich bekomme heute schon 200 € Dividenden pro Monat, netto. Das sollte man nicht verachten, da dadurch über 17 % meiner monatlichen Kosten bereits abgedeckt sind.


Montag, 24. November 2014

Biermann bei Jauch und die Reaktion

Gestern sah ich Günter Jauchs Talkshow, was ich normalerweise nicht sehe. Das Thema hörte sich schmackhaft und dann war auch noch Wolf Biermann zu Gast.

Ich fand Biermann gut. Da redet einer ungekünstelt einfache Fakten heraus, dass Putin ein Diktator sei (lässt sich nicht widerlegen), dass Putin wirtschaftliche Erfolge alleine aus Rohstoffexporten stammen und eigentlich nichts wirklich erreicht ist. Biermann polemisierte dann und sagte, Putin hätte im Gegensatz zu Hitler noch nicht einmal eine Autobahn gebaut, zwischen St. Petersburg und Moskau. Für mich war diese Polemik das Highlight des Abends.

Die Reaktionen auf Biermanns Auftritt waren bezeichnend. Die Putinversteher-Fraktion, darunter viele SED-Wähler, kippten mal wieder ihren verbalen Unrat über Biermann. Warfen ihm vor, Hitler als weniger schlimm zu erachten als Putin. Von "Gleichsetzung" war die Rede.

Biermann hat aber das Hitler-Regime nicht verharmlost, sondern einfach gegen Putin polemisiert. Die Autobahn ist ein Reizwort und mittlerweile Teil der Populärkultur. ("Autobahn geht gar nicht.") Die Autobahn ist das bekannteste, was man Hitlers Terrorregime  zugutehielte, ungerechterweise, und der Preis dafür war ja auch recht hoch. Und noch nicht mal das Putin hinbekommen neben al den anderen wirtschaftlichen Katastrophen.

Als Aktionär von K+S hat mir Uralkali ein unvergessliches Vergnügen beschert. Natürlich ging der Kurs der K+-S-Aktie erstmal rapide runter, nachdem Uralkali einen Preiskampf eingeleutet hatte. Ich hatte aber nie Sorge wegen K+S, weil mir klar war, dass Uralkali diese Preise nur durch einen Raubbau an Mensch, Natur und Maschinenpark bieten kann. Die leben von der Substanz. K+S hat inzwischen unbeiirt seriös weitergewirtschaftet, die Zahlen entwickeln sich wieder gut und 2016 wird auch in Kanada gefördert. Uralkali hat momentan richtig Schwierigkeiten und steht hier stellvertretend für den Zustand der russischen Wirtschaft.

Wer die Polemik Biermanns derartig missversteht, muss schon sehr ideologisch verblendet sein oder einfach strunzdumm. Biermann sprach offensichtliche Wahrheiten aus. Ich verstehe auch nicht, warum Putin Angst hat vor einer äußeren Gefahr. Es gibt sie schlichtweg nicht, da kann Frau Krone-Schmalz noch so eloquent daherlabern. Eine Sache wird nicht dadurch richtig, wenn sie gut dargestellt wird. Die konstruiert irgendwas um "russische Befindlichkeiten" auf, auf die wir Rücksicht nehmen müssen. Nehmen die Russen denn auch Rücksicht auf "deutsche Befindlichkeiten" oder "polnische Befindlichkeiten"?

Biermann gibt sich nicht allwissend, taktiert nicht, sondern knallt Fakten, Argumente und Meinung klar raus. Das mag in unserer Welt voller Schauspieler nicht erfolgreich sein, aber deswegen sind die Argumente nicht falsch.

Biermanns Vater wurde in Auschwitz ermordet und somit ist Biermann Opfer. Diesem Nachhilfe erteilen zu wollen in Sachen Hitler-Regime, Gleichsetzungen, Vergleichen und all das, ist eine maßlose Torheit.

Samstag, 22. November 2014

Warum ich so forsch investiere.

Oft habe ich mich gefragt, warum ich gut mit Geld umgehen kann. Inspiriert durch Tim Schäfer möchte ich mich heute diesem Thema widmen.


Familie und Kindheit

Wir lebten recht sparsam, fuhren selten in den Urlaub, leisteten uns wenig Elektronik-Krimskrams. Obwohl mein Vater rauchte und meine Eltern in Gelddingen schlecht beraten waren (Allianz, Sparkasse, LBS), wurde es dennoch geschafft, genug Geld für eine Immobilie zusammenzusparen. Meine Eltern hatten auch das goldene Sparbuch mit über 35000 DM.

Ich war auch häufig bei meinen Großeltern, die noch auf einem echten Bauernhof lebten. Beide lebten auch recht sparsam, auch in der Erwartung eines nächsten Krieges. Da wurde dann emsig Holz gehackt, Kohlen wurden eingelagert, Obst wurde eingemacht. Beide wurden auf dem Land groß. Meine Großmutter verlor durch den Krieg viel. Ihre Eltern hat sie nach der Flucht aus Ostpreußen wiedergefunden und bis zu deren Tode pflegen müssen; ihre Schwester aber galt als verschollen. Ich war häufig mit meiner Oma auf dem Friedhof. Sie lebte mir viel Selbstdisziplin vor.

Das sparsame Leben führte dazu, dass sie ihren Kindern dennoch mehrere Hektar Ackerland vererbten und zudem über 20000 DM auf einem Sparbuch. Die durch Krieg und Vertreibung gezeichnete pessimistische Lebenseinstellung war also dennoch fruchtbar.

Ich habe in jungen Jahren auch einige Spardosen geschenkt bekommen und kräftig gespart. Ich habe schon als Kind gerne Geld gezählt und Buch darüber geführt. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich den ersten Schreibtisch geschenkt bekam. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis, ich fand den toll und meine Utensilien waren sehr akkurat darauf angeordnet. Es wäre toll zu wissen, was meine Mutter damals über ihren kleinen Sohn dachte. Schade, dass ich sie nicht mehr fragen kann.

Freundeskreis

In meinem Freundeskreis war das Thema Geld tabu. Ich kannte ein Mädchen, das ständig den Spruch kloppte, "über Geld redet man nicht, Geld hat man". Einer dümmsten Sprüche überhaupt. Die Eltern des Mädchens bekamen Stütze, aber es ging dennoch demonstrativ an der Tankstelle einkaufen, anstatt im Aldi nebenan. Anders als meine Großeltern: Die redeten wirklich nicht über Geld, hatten aber welches. (Ich lernte schnell den Unterschied zwischen Schein und Sein.)

Ich erinnere mich auch an die feindseligen Reaktionen, als ich mal sagte, dass ein geerbtes Haus, in dem man wohnt, enorm Miete sparen müsste. Ich konnte nicht verstehen, warum ich da in ein Wespennest gestochen haben sollte. Es war doch objektiv richtig und tatsächlich konnten sich diese Familien einiges mehr leisten als wir, da wir doch ständig Miete zahlen mussten.

Rückblickend sehe ich darin, eine Abwehrreaktion gegen das Thema an sich: Geld. Ich war bei dem Thema recht unbefangen. Typisch auch für meine damaligen Freunde: Für sie war es ein triftiges Argument gegen eine Sache, wenn "nur die Reichen profitieren". Also statt logisch denken und redlich argumentieren, lieber Stammtischparolen vom Stapel lassen. Selbst wenn ausschließlich die Reichen von einer Sache profitieren, ist sie noch lange nicht verkehrt und geht noch lange nicht zu Lasten aller anderen. Gutes Beispiel wäre eine vereinfachte Erbschaftssteuer bei großen Vermögen. Angenommen, man möchte durch Pauschalregelungen die Steuererhebung erleichtern. Die Reichen zahlen weniger, der Staat aber muss im Gegenzug weniger Gutachter bezahlen. Da können beide Seiten profitieren. Der arme Mensch, der keine Steuern zahlt, profitiert nicht, aber es ist auch nicht zu seinen Lasten. Wenn man dennoch etwas dagegen hat, hat mein keine Argumente, sondern ein Ressentiment.

Das ist übrigens der Sinn einer jeden Pauschalregelung in unserem Steuerrecht. Viele bezeichnen die Pendlerpauschale als Subvention. Aber sie ist es nicht, sie fördert auch nicht die Zersiedelung der Landschaft. Man stelle sich vor, Millionen von Arbeitnehmern müssten Tankquittungen und Fahrtenbücher einreichen, sowie den Verschleiß ihres Kfz vorrechnen. Die Finanzverwaltung wäre auf Jahre beschäftigt.

Als junger Erwachsener

Mit 18 Jahren begann ich mich für Politik zu interessieren. Ich sah viele Magazine, Diskussionsrunden, Dokumentationen und Reportagen. Ich kam mit liberalen Gedanken in Berührung und entwickelte eine ordoliberale (neoliberale) Überzeugung. Wenn man dadurch keine Vorbehalte hat, liest man auch Bücher übers Investieren, über die Börse usw. Ich konnte auch nie verstehen, warum es moralisch verwerflich wäre, an der Börse mit Aktien zu handeln. Letztendlich unterscheiden sich die linken Börsengegnern in nichts von konservativen Drogengegnern. Wer an der Börse handelt, schadet niemanden, allenfalls sich selbst, genauso wie ein Drogenkonsument zuvörderst sich selbst schädigt.

Als Student kam ich mit wenig Geld aus. Meine Verwandten wunderten sich und fragten nach. Ich antwortete, ich rauchte und ich tränke nicht. Ich hatte auch nie die Hand bei meinem Vater aufgehalten, war er doch seit Jahren arbeitslos. Bafög bekam ich auch nicht, weil ich es nie beantrage. (Ich hätte es aber problemlos bekommen.)  Am Ende des Studiums hatte ich nicht nur keine Schulden, sondern auch über 3000 € Guthaben. Grund: Sparsame Lebensführung, kühles rechnen.

Dann kam richtig Geld in die Kasse durch meinen ersten Arbeitsvertrag. Ich musste etwas damit anfangen, also ab an die Börse. Riester hielt ich 2009 schon für Quatsch. Die "Bankberatenern" guckte ziemlich blöd aus der Wäsche, als ich ihr eröffnete, ich möchte das Depot für die Altersvorsorge eröffnen. Sie wollte mir dann auch sogleich Riester andrehen.


Heute lässt mich das Thema Geld einfach nicht mehr los. Es macht mir Spaß, mich um das eigene Geld zu kümmern, ich lese viel darüber. Nicht jeder wird diese Leidenschaft entwickeln, aber für die gibt es immer noch Möglichkeiten, z. B. ETFs.

Anders als meine Eltern und Großeltern, bin ich eher optimistisch veranlagt. Ich sehe eine stetige Verbesserung in Wirtschaft und Gesellschaft. Jedes Jahr ohne Krieg auf deutschem Boden bedeutet für uns Wohlstandszuwachs. Dass es für einige nicht zutrifft, stimmt, aber es geht um die Volkswirtschaft und es geht um den Durchschnitt. Individuelle Ausreißer nach oben und unten haben individuelle Ursachen.

Von meinen Eltern und Großeltern habe ich vorgelebt bekommen, zu sparen, d.h. wenig zu konsumieren. Meine optimistische Lebenseinstellung treibt mich aber zugleich in die Investitionen. Und ich traue mich, Sachen nachzurechnen; Angst vor Mathematik hatte ich nie. Das ist das Erfolgsrezept.

Freitag, 21. November 2014

FAZ: "Sparkassen wollen keine Strafzinsen verlangen"

Meine bescheidene Meinung dazu: Es ist ja auch logisch, es ist für die Sparkassen das bessere Geschäft, wenn sie fixe Kontoführungsgebühren erheben und das kräftig. Bei den Kleinverdienern und Rentnern, typische Sparkassen-Klientel, holt man auf diese Weise mehr rein als über Strafzinsen.

Hier geht es zum Artikel. Dort ist die Kommentarfunktion schon gesperrt, weshalb ich meinen Senf dazu mit Hilfe dieses Blogs abgebe.

Insgesamt finde ich die Strafzinsen und die überhitzten Kommentare erheiternd. Wer zu viel Geld hat und es nicht investiert, muss die Folgen seiner Entscheidung tragen. Die Nichtinvestition ist genauso wie die Investition in Aktien eine Entscheidung. Ich muss auch mit den negativen Folgen meiner Entscheidung leben. Warum sollen überzeugte Nichtinvestoren und "Geldvergammelnlasser" verschont bleiben?

Sonntag, 9. November 2014

Gedanken zu Wolf Biermanns Auftritt

Am Freitag vernahm ich mit Überraschung und Freude, dass der von mir geschätzte Wolf Biermann im Bundestag ein kleines Ständchen gab. Interessanter fand ich, was er gesagt hat. Noch interessanter fand ich die Reaktionen.

Seine Einschätzung zur SED/PDS/Linken teile ich voll und ganz, außer in einem Punkte. Er sagt, sie sei schon längst geschlagen. Angesichts der Reaktionen, die ich im Netz dazu lese, ist dies eben nicht der Fall.

Biermann wird immer wieder beleidigt. Ich glaube kaum, dass das alles alte Stasi-Ratten sein können. Wer weiß, ob die überhaupt einen Computer bedienen können. Mich dünkt, dass da viele junge Leute am Werke sind. Die Drachenbrut ist recht jung und vital, so scheint es mir. Immer wieder lese ich, dass diese Linkspartei personell schon ganz anders zusammengesetzt wäre als die SED. So hat man aber schon vor über zehn Jahren über die PDS geschwätzt. Das spielt aber die geringste Rolle bei der Bewertung der SED-Nachfolgepartei.

Und dass es Leute gibt, die sich die Mühe machen, unter jedem Video-Beitrag bei Youtube mit Biermann, Gauck und Kunze diese schwer zu beleidigen, mag zu denken geben. Was kann das anderes sein als eine linksextreme SA? Wer mit viel Verve und ohne jeden Anstand einen Wolf Biermann als "senil" und "dement" bezeichnet, glaubt die absolute Wahrheit gepachtet zu haben und glaubt, einen Menschen anderer Auffassung zu entwürdigen zu dürfen. Diese Leute fordern für sich die Grundrechte (z. B. Recht auf Meinungsäußerung), nutzen diese aber nur, um andere Menschen zu erniedrigen und diese an der freien Meinungsäußerung zu hindern. Diese Leute sind gefährlich. Mit diesem Selbstverständnis hat die SA in der Weimarer Zeit Veranstaltungen gesprengt.

Der Ruf nach der Normalisierung dieser Partei zeugt nicht gerade von einer aufgeklärten demokratischen Haltung. Die DKP beispielsweise hat nichts mit den Verbrechen der SED-Diktatur zu tun und doch ist sie gefährlich, antidemokratisch und keine normale Partei. Für die SED-Nachfolgepartei, selbst wenn sie keine SED-Nachfolgepartei wäre, muss also das gleiche gelten, weil sie ideologisch genau ausgerichtet ist. Nichtsdestoweniger hat diese Partei sehr viel mit den Verbrechen der SED-Diktatur zu tun, schließlich wird die DDR immer noch verteidigt. Offizielle Verlautbarungen zur Verurteilung dieser Diktatur kamen nur zögerlich und DDR-Kritiker innerhalb der Linkspartei bekommen schnell einen Maulkorb verpasst.

Junge Leute, die beim Fall der Mauer noch Kinder waren, heute aber in der Linkspartei sind, übernehmen die Geschichte der SED und verteidigen die Verbrechen der SED impliziert. Sie können sich nicht damit herausreden, sie hätten da zu DDR-Zeiten keine Verantwortung getragen, genauso wenig wie sich Deutsche damit hätten herausreden können, bei Kriegsende Kinder gewesen zu sein, um das Anzünden von Synagogen zu rechtfertigen. (Leider Gottes war eine Losung der 68er, es müsse Schluss sein mit dem "Judenknax", um unverhohlen gegen Israel zu stänkern und Juden zu selektieren, wie in der Air-France-Maschine in Entebbe.)

Eine menschenverachtende Haltung ist und bleibt menschenverachtend, unabhängig von der eigenen Biographie. Und eine Ideologie, die den Menschen verachtet, muss man gekämpfen, ob Linksextremismus, Rechtsextremismus oder Salafismus. Es reicht nicht, selbst kein Blut an den Fingern zu haben, es ist notwendig, nicht für zukünftiges Blut an Fingern verantwortlich zu sein. Die sozialistische Ideologie, wozu ich auch die nationalsozialistische Ideologie zähle, führt aber genau dort hin.

Der Sozialismus ist keine gute Idee, die nur schlecht umgesetzt worden wäre. Der Sozialismus hatte etliche Möglichkeiten und immer gab es Massenmord, Folter, Hunger und Elend. Da kann die Linkspartei noch so sehr Kreide fressen und sich für "soziale Belange" einsetzen. Erstens ist mir das eh schon alles zu viel an "soziales" (Vater Staat ist eine Glucke.) und zweitens gibt es keine Partei, die nicht für die soziale Grundsicherung ist.

Die NPD macht's ähnlich wie die SED-Nachfolgepartei und veranstaltet kleine Feste für Familien und Kinder, mit Hüpfburgen, Zuckerwatte und Bratwurst. Denen gehen die meisten Menschen nicht auf den Leim, aber der Linkspartei schon, weil sie die Linkspartei unterschätzen.

Ich kann nur jedem jungen Menschen raten, sich kritisch mit der DDR auseinanderzusetzen. Es gibt die Lieder von Wolf Biermann. Die sollte man hören. Es gibt auch das Buch "Die wunderbaren Jahren" von Reiner Kunze, welches sehr eindrücklich den Alltag in der DDR schildert. Ich erinnere mich noch lückenhaft. Ich habe noch NVA-Propaganda in der Schule miterlebt, ich kannte noch die Fahnenappelle und ganz besonders ist die Stigmatisierung von christlichen Kindern in unserer Klasse in Erinnerung geblieben. Die haben mir sehr leid getan. Glücklicherweise gab es vor 25 Jahren den Mauerfall und anschließend die Wiedervereinigung. Ich habe mir schon häufiger den Kopf darüber zerbrochen, was aus mir geworden wäre, hätte die DDR noch länger angedauert. Ich war immer ein empfindsamer Mensch mit Hang zur Eigenbrötlerei und hätte wohl erhebliche Probleme bekommen.

Ich bin froh, heute in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, in dem ich als Individuum geachtet und respektiert werde. Dass nicht alles perfekt ist, muss man hinnehmen. Mir sind beispielsweise die Steuern zu hoch, die Regulierungsdichte zu hoch und der Aktionär zu wenig geschätzt. Aber was ist schon perfekt? Der Tod vielleicht. Der glückt immer. Während eine Klaviervorführung immer kleine Fehler enthält, die nur die geübten Hörer heraushören, ist der Tod endgültig. Nur zu 98 % zu sterben, geht nicht. Die Beförderung ins Jenseits haben die Sozialisten auch meisterhaft beherrscht. Ich will aber leben.