Dienstag, 22. Dezember 2015

Im geometrischen Mittel wächst der DAX um 8 % p.a.

In Diskussionen merke ich immer wieder, dass das, was ich für selbstverständliches Wissen halte, gar nicht so selbstverständlich ist.

Im SPON-Forum äußerte ich mich wie folgt:

Der DAX wächst im geometrischen Mittel um 8 % pro Jahr[...]


Eine Antwort war:


Das Wissen, daß der DAX um 8% pro Jahr steigen wird, haben Sie unter 7 Milliarden Menschen exclusiv.


Der Performance-Index DAX steigt ja tatsächlich 8 % pro Jahr. Im Durchschnitt! Das hat der Schreiber einfach unterschlagen. Aber was heißt Durchschnitt? Es gibt das arithmetische und das geometrische Mittel.

Angenommen wir haben einen Index, die im ersten Jahr bei 100 steht. Dazu habe ich eine kleine Tabelle in LibreOffice Calc erstellt, um zu illustrieren, was das geometrische Mittel ist.






Das arithmetische Mittel der Zuwachsraten dient nur der Gegenüberstellung. Es ist wohlgemeinter Unsinn. Ich kann es ja noch drastischer darstellen, indem ich zwei Wachstumsprozesse gegenüberstellen. Wir haben ein Sparbuch und einen Aktiendepot:


Da der DAX von 1987 bis Ende 2015 ungefähr eine Verzehnfachung durchgemacht hat, können wir rechnen: 28-te Wurzel aus 10 = 1,0857. Das ist der interne Zinsfaktor bzw. das geometrische Mittel des Zuwachsfaktors. Für die Laien übersetzt hieße es: 8,57 % wuchs der DAX bislang durchschnittlich. Und warum soll er es nicht weiterhin tun?

Man sieht, dass das arithmetische  Mittel die falsche Wahl ist. Das arithmetische Mittel wird beispielsweise verwendet, um aus Notendurchschnitt eines Schülers zu bilden. Oder die durchschnittlichen Zuschauer oder Tore pro Spiel zu ermitteln. Bei Wachstumsprozesse aber nutzt man das geometrische Mittel.

Ein anderer Kommentator schrieb:
Die Zeit wird es zeigen. Ich habe schon öfters Pferde vor der Apotheke erbrechen sehen, die so großmäulig daherredeten, mir könne nichts passieren. Wenn Sie den inneren Wert Ihres Aktienvolumens veräußern müssen, um beim Aldi fürs tägliche Leben bezahlen zu müssen, denn Aldi will Kohle sehen und keine Aktienpapiere, dann ist nicht nur Ihre Dividende futsch, sondern im ungünstigen Fall auch Ihre Investition. Auch Ihr Vermieter will keine Aktienpapiere als Mietzahlung sehen. Warum nur wollen die keine Aktienpapiere akzeptieren, wo doch diese Scheinehe so viel innere Werte haben.
Da bleibe ich lieber bei meinen Aktien. Die Voraussetzung, dass ich den Verlust von Vermögen bedauern kann, ist doch, dass ich erstmal Vermögen erziele. Wer gar nichts spart, dem geht es auf Garantie dreckig, wenn er nicht mehr arbeiten kann. Wer spart und investiert, der schafft sich eine solide Basis, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Lebensabend versüßen wird. Man muss ja nicht den Extremfall annehmen, dass Putin den roten Knopf drückt und ein Hagel von Nuklearsprengköpfen auf Mitteleuropa niedergeht.

Wer mit solchen Extremfällen rechnet, kann sich doch gleich den Strick nehmen. Warum heute gesundheitlich vorsorgen, Kinder kriegen und sich fortbilden... Warum so viele Flüchtlinge aufnehmen, wenn Putin jeden Moment den Kopf drücken könnte. Jedes auf die Zukunft gerichtete Handeln wäre doch obsolet, oder nicht?

Sonntag, 20. Dezember 2015

Die Jahresendbilanz - die neuen Ziele

Die letzten Börsentage des Jahres interessieren mich nicht so sehr, weshalb ich die Bilanz für dieses Jahr bereits jetzt ziehe. Ich habe kürzlch eine Zwischenbilanz verfasst. Dem ist eigentlich nichts mehr viel hinzuzufügen, außer dass ich letzte Woche meine letzte Transaktion ausgeübt habe. In diesem Jahr habe ich somit 24367,60 € (Ziel: 24000 €) in Aktien gepumpt. Das Geld speiste sich alleine aus Gehalt und Dividenden. Ich habe keine Aktien verkaufen müssen, um auf diesen Betrag zu kommen.

Dividenden erwarte ich in diesem Jahr nicht mehr. 4827,27 € brutto gab es; 4200 € brutto waren das Ziel. Das Ziel habe ich also souverän überflügelt. 138.421,90 € beträgt mein Depotvermögen; das Ziel betrug 136000 €.

Nun also die Ziele für das Jahr 2016:
  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken (Geld wird nur gespeist aus Gehalt und Dividenden. Mögliche Aktienverkäufe werden gegengerechnet.)
  2. Der Wert meines Depots soll mindestens 173000 € betragen.
  3. Die Dividenden sollen mindestens 6100 € brutto betragen.

Ein paar Grundsteine sind ja schon gelegt. Viele Aktienkäufe von 2015 werden dividendentechnisch erst im Jahre 2016 ihre Wirkung entfalten. Es wurde schon häufiger gefragt, ob ich nicht einmal eine kleine Aufstellung geben kann, aus was sich mein Depot zusammensetzt. Ich möchte es vermeiden, Einzeltitel zu nennen, weshalb ich mich auf eine Verteilung nach Branchen und Ländern beschränke.


Samstag, 19. Dezember 2015

Was die Leute sich alles bieten lassen.

Ich war heute im Kino, um mir den neuen Star-Wars-Streifen reinzuziehen. 11 € für eine Kinokarte finde ich schon ganz in Ordnung. Ich war aber auch noch an der Theke. Dort gab es das "Sparmenü" für 9,90 €. Darin enthalten ist wahlweise eine große Portion Nachos oder eine große Portion Popcorn. Dazu gab es ein Getränk "mittlerer Größe", d.h. ein Liter! Ein Liter!

Den Unsinn wollte ich nicht mitmachen, sondern bestellte eine kleine Portion Nachos und eine "kleines Getränk", das immer noch 0,75 Liter umfasste. Und ich bezahlte gerade einmal 50 Cent weniger.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das ziemlich ärgerlich fand, dass für den kleinen Hunger kein Angebot und auch kein "Sparmenü" angeboten wurde. Die Einzelpreise für Getränk oder Nachos waren kaum auffindbar. Der Preis für ein kleines Getränk war so klein geschrieben, dass ich mehrfach schauen musste.

Irgendwie ist das alles gemacht, um die Leute über den Tisch zu ziehen und es scheint ja zu funktionieren. Ich bezweifle dass die Einkaufspreise für das Kino eine große Rolle spielen... Ob 0,75 Liter oder ein Liter... Das gleiche bei den Nachos. Ich bin jetzt in der Situation, dass ich mich wegen nur 50 Cent Differenz zum "Sparmenü" über den Tisch gezogen fühle, gleichzeitig kann ich mir aber gut vorstellen, dass ich eigentlich alles richtig machte und 50 Cent sparte, denn Cola und Nachos reichten ja vollkommen. Und das Kino hat nun auch 50 Cent weniger Umsatz gemacht.

Da ich nur selten ins Kino gehe und ich nicht wirklich auf jeden Euro achten muss, tut mir das nicht weh. Aber in der Schlange vor mir waren vier Jungs, vielleicht sogar Brüder. Man stelle sich vor: Vier Brüder gehen ins Kino, da kauft sich jeder das "Sparmenü" und die Kinokarten müssen auch noch bezahlt werden. Da haben die Eltern viel zu blechen. Da kommen schnell 80 € zusammen, die mal eben innerhalb von 3 Stunden verpulvert werden. Wer jede Woche ins Kino geht, kommt da auch schnell auf hohe Summen, wenn er immer sein "Sparmenü" zu sich nimmt.

Ich finde es unglaublich, dass sich sowas überhaupt als Geschäftsmodell halten kann. Um wenige Cent zu sparen, werden Prospekte gewälzt und gezielt mehrere Discounter angefahren. Eigentlich sind wir doch ein Volk von Pfennigfuchsern. Aber das wird dann zunichte gemacht unbedachten Ausgaben. Immerhin spart man, denn sonst würde es kaum "Sparmenü" heißen.



Mittwoch, 2. Dezember 2015

Hamad Abdel-Samad: "Mohamed" (2)

Ich habe im September angekündigt, das Buch "Mohamed" von Hamas-Abdel-Samad zu kaufen und zu lesen. Es sollte geschehen. Mittags am 13. November 2015 kaufte ich es in einer örtlichen Buchhandlung, natürlich nichtsahnend, was am Abend desselben Tagse geschehen sollte.

Der politische Islam, der Islamismus ist das Thema unserer Zeit. Einst bedrohten Sozialismus und Faschismus die freie Welt, heute ist es diese Interpretation des Islam, die keine Kritik am Koran und am Propheten zulässt. Den Koran als Gottes Wort betrachten, ist äußerst problematisch.

Die unsägliche Kritik von Daniel Bax hat mich herausgefordert, mich dagegen zu positionieren. Was schreibt Bax denn:

So stempelt er nebenbei 1,5 Milliarden Muslime zu potenziellen Gewalttätern und erklärt Terrorgruppen wie die IS-Milizen und Boko Haram zur logischen, ja zwingenden Folge der Lehre Mohammeds. Das ist in etwa so, als würde man den Ku Klux Klan mit seinen brennenden Kreuzen zur einzigen richtigen Lesart des Christentums erklären.

Diese Einfalt ist typisch für Linke. Inwiefern stempelt Abdel-Samad 1,5 Milliarden Muslime zu "potenziellen Gewalttätern" ab? Erst einmal ist jeder Mensch ein potenzieller Gewalttäter. Zweitens scheint er es eine große intellektuelle Hürde für ihn zu sein, zwischen vielen und allen zu unterscheiden, sowie zwischen Terror und häuslicher/folkloristischer Gewalt.

Abdel-Samad ist Moslem, hat den Koran nicht nur auswendig gelernt, sondern den Islam studiert. Mit dem Hintergrund hat er zweifelsfrei eine gewisse Kompetenz. Entsprechend detailreich ist das, was man im Buch über Mohammed erfährt. Es geht um seine Herkunft, um seine Ehen, um seine Feldzüge und seine Gegner. Man erfährt, dass Mohammed eher eine zwielichtige Herkunft hatte und dass er gewiss nicht von dem Edelmut beseelt war, dem man ihm unterstellt.

Die Authentizität des Korans als "Gottes Wort" wird in Frage gestellt. Offenbar wurden neue Suren entwickelt, wenn Mohammed welche brauchte, um seine Interessen durchzusetzen. So fand Mohammed Gefallen an seiner Schwiegertochter und plötzlich erfuhr ihm eine göttliche Eingebung,   dass er Allah sie mit ihm vermählt habe.

Abdel-Samad schreibt vieler solcher Episoden, die Mohammed nicht in einem guten Licht erscheinen lassen. Ist das nun verkehrt? Stiftet das Unfrieden? Ich bin der Meinung, nichts ist so gut wie die Wahrheit. Wir kehren doch auch nicht Geschichten aus dem Dritten Reich unter den Teppich, nach dem Motto, es würde zu viel Staub aufwirbeln. So dachten einige in den 50ern, aber über solche Leute sind wir doch im Nachhinein ziemlich erzürnt.

Und sicherlich ist nicht jeder Moslem ein Terrorist. Aber wir haben nunmal islamistische Terroristen, die sich aus dem Kreis der Muslime rekrutieren. Sie berufen sich auf Koran und Prophet und das vollkommen zurecht. Schon Mohammed war Feldherr und hat Sklaven erbeutet. Vor allem Sklavinnen. Der IS macht nichts anderes.

Wie reagieren die Muslime darauf? Die meisten sagen das dämlichste, was man da sagen kann: "Diese Terroristen sind keine Muslime." - Klar, und die Nazis waren keine Deutsche. Das ist nichts anderes als die intellektuelle Kapitulationserklärung. Wegen Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung wurde randaliert, es wurden Flaggen verbrannt. Hätte es nicht gereicht zu sagen: "Die von Jyllands Posten sind keine Muslime." (Abgesehen davon, dass die sich nie als Muslime gesehen haben.) Wann brennen die Flaggen des IS?

Die total unterschiedlichen Reaktionen zeigen doch eines: Islamismus hat es mit dem Islam zu tun, so wie Alkoholismus mit Alkohol. Und es gibt einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung für den IS. Im Prinzip sind die IS-Kämpfer Vertreter des Wahhabismus, wie er in Saudi-Arabien Staatsreligion ist. Viele Saudis sympathisieren mit dem IS.

Und es der Fehler von Daniel Bax und anderen Linken, falsche Gleichnisse zu ziehen. Der Ku Klux Klan hat kaum Rückhalt in der christlichen Gemeinschaft Amerikas. Die Opfer des IS sind auch nicht gerade von Waisenknaben. Bei einem umgedrehten Machtverhältnis, wäre genauso Mord- und Totschlag an der Tagesordnung. Es stünde nicht alles automatisch zum Besten, nur weil der IS beseitigt wäre.

Bei Bax kann man jenen Fehler beobachten, den viele westliche Linke machen. Eine Errungenschaft des Westens ist die Befähigung zur Selbstkritik. Fehler erstmal bei sich zu finden zu beheben, ist eine positive Eigenschaft, aber der Wahrheitsfindung dient sie nicht. Der Westen wird für jede Kleinigkeit verantwortlich gemacht und sei es, dass wegen des westlichen CO2-Ausstoßes, der Klimawandel dafür sorgt, dass in China ein Sack Reis umfällt. Es ist aber unlogisch, den Westen für jede Unbill verantwortlich zu machen. Angeblich habe der Westen den Nahen Osten destabilisiert, indem er Saddam Hussein beseitigt hat. Dass das Problem aus dem Innern der arabischen Gesellschaften kommt, traut man sich nicht, zu sagen.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Man braucht keine weitere Lektüre, um das Buch zu verstehen. Es ist ein wichtiger Beitrag in einer Zeit, in der der politische Islam das größte Problem darstellt. Es ist ein politisches Buch und der Forderung Abdel-Samads, dass Muslime Mohammed realistischer sehen müssen und den Koran eben nicht für Gottes Wort halten sollten, sondern durchaus krititisch lesen dürfen, schließe ich mich an.


Sonntag, 15. November 2015

Betriebsrenten lohnen sich nicht.

Die "ExStudentin" schrieb gestern, dass sie den Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge  nicht unterschrieb. Das ist vorbildlich. Ich habe ihr auch schon eine Zahl genannt, was sie bekäme, wenn sie das Geld in einen thesaurierenden DAX-ETF steckte. Aber wie komme ich auf den dort genannten Wert?

Was heißt denn Betriebsrente? Man verzichtet auf ein Teil auf seines Bruttos, um diesen weit in die Zukunft zu verschieben. Die Idee ist, Steuern zu sparen, weil man davon zu Recht ausgeht, dass man als Rentner weniger Einkommen hat als heute, als Angestellter. Sinkt aber das Brutto, sinkt zwangsläufig auch das Netto.

Wenn also das Brutto um g Euro sinkt und man glaubt, es sich leisten können, dann heißt es doch nichts anderes, als dass man g' Euro vom Netto locker entbehren kann. Wenn man das entbehren kann, dann kann man das doch zum DAX-ETF-Sparen verwenden.

Die Rentenformel ist unser Freund. Als Zinsfaktor nehme ich 1,08. 8 % jährliche Rendite sind empirisch belegt. Wir haben aber unterjährige Verzinsung, d.h mit der zwölften Wurzeln müssen wir rechnen. n Jahre bis zum Rentenentritt haben wir. Der Endwert beträgt dann:

     (1,08^(1/12))^(n * 12) - 1
g' * --------------------------
      1,08^(1/12) - 1


Man sieht schnell, dass man über dem Bruchstrich vereinfachen kann.


     1,08^n - 1
g' * -----------------
     1,08^(1/12) - 1

Bei der "ExStudentin" nahm ich: n = 44 Jahre, g' = 200 €. Das ergibt 887654 €. Selbst wenn man nur 1,07 als Zinsfaktor nimmt, kommen immer noch 658931 € heraus. Und die hat man. Ich rechne häufig mit 4 % Dividende brutto pro Jahr aus. Das entspricht im ersten Falle  35506 € pro Jahr.

Wo bleibt da der Mehrwert der Versicherungsgesellschaften? Ist uns das gute Gefühl eines regelmäßigen Einkommens so viel Wert? Was versprechen die eigentlich an Rente? Rechnet das mal dagegen. Ich weiß leider nicht, was für Renten die versprechen, aber rechnet mal mit 20 Jahren Restlebensdauer. 887654 € / (20 * 12) = 3698 € pro Monat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Versicherungen Renten in dieser Größenordnung versprechen. Was die Versicherung verspricht, ist schlichtweg ein schlechter Scherz. Lasst euch also nicht verarschen!

Ich frage mich immer bei solchen Altersvorsorgeprodukten, wo da der Versicherungsgedanke bleibt. Die Idee einer Versicherung ist doch, dass man sich mit geringen Beiträgen gegen ein kostspieliges Ereignis finanziell absichert. Ein Feuer richtet beispielsweise Schäden von durchschnittlich 500000 € an. Eine Versicherung findet 20000 Hauseigentümer, die ihre Häuser für jeweils 500000 € versichern. Jedem Hauseigentümer stellt sie 50 € pro Jahr in Rechnung, weil sie Versicherung weiß, dass ein oder zwei der Häuser wahrscheinlich abbrennen werden. Sie rechnet also mit Kosten in Höhe von 500000 € bis 1000000 €, nimmt aber 1000000 € ein. Was bei der klassischen Feuerversicherung so einleuchtend ist und funktioniert, scheint es bei den Leibrenten nicht zu geben. Wo bleibt das Geld der Menschen, die früher ableben? Eigentlich müsste die Versicherung das unter der Versichertengemeinschaft verteilen. Vielleicht tut sie das auch, aber wenn sie das tut, dann ist doch das Ergebnis für einen persönlich umso lausiger, wenn man da einzahlt und im Prinzip viel weniger bekommt als das, was der DAX hergibt.

Ich kann nur dazu raten, bloß keine Betriebsrenten zu unterschreiben. Geht mit der obigen Formel bewaffnet ins Gespräch mit dem Versicherungsberater, überzeugt eure Kollegen, nichts zu unterschreiben. Ihr braucht ja nur Werte einsetzen und fertig.

Und dann sind da ja noch andere Faktoren, die für den Vermögensaufbau mit ETFs oder Aktien sprechen:

  1. Flexibilität. Man kann das ETF-Sparen mit Mitte 30 abbrechen und beispielsweise ein Häusle bauen.
  2. Aufbau von Erbmasse. Hat man mit Mitte 30 schon 200000 € im Depot, dann kann man sich auch gleich den Hinterbliebenenschutz in Form der Risikolebensversicherung ganz oder teilweise sparen.
  3. Man muss ja nicht Monat für Monat immer den gleichen Betrag einzahlen, mal mehr, mal weniger. Vielleicht auch richtig viel (Berserkersparen) und man hat dann sogar die Chance auf den "Ruhestand" mit Mitte 40.
  4. Unabhängigkeit vom Arbeitgeber.
  5. Unabhängigkeit vom Familienstand. Riester und der ganze Schwachsinn gehen immer noch davon aus, dass man ein Leben lang mit derselben Frau oder demselben Mann verheiratet ist. Nun wird aber jede siebte Ehe geschieden und die letzten Gerichtsurteile sind noch nicht gesprochen. Da bekommen geschiedene Ex-Frauen noch Knete aus der Riesterversicherung. Was ist aber, wenn die Ex-Frau früher ablebt als man selber? Die Befürchtung ist, dass man diesen Unterhalt  an die dann mittlerweile verstorbene Ex-Frau (im Prinzip ist es nichts anderes) nicht zurückbekommt. Es ist rechtlich gesehen ein schwieriges Fahrwasser, in das man sich da begibt.
  6. Unabhängigkeit vom Standort. Versucht mal einem amerikanischen Finanzbeamten zu erklären, wer oder was Riester und Rürup sind. Gebt das mal in der amerikanischen Steuererklärung an. Dann fährt Blaulicht vor und dann gibt es so ein schönes Jäckchen mit dem Reißverschluss hinten.
  7. Abfederung gegen das Risiko Arbeitslosigkeit. Eine Riesterversicherung will ihr Geld jeden Monat. Das interessiert die doch nicht, ob man gerade die 200 € entbehren kann oder nicht. Ein Aktiendepot oder ein nichtthesaurierender ETF schüttet Dividenden aus. Und das kann nach wenigen Jahren intensiven Sparen schon spürbar viel sein. Und dann sind ein paar hundert Euro Zusatzeinkommen Gold wert, wenn man für zwei, drei Monate mal kein Gehalt bezieht.

Ich habe so einfache Mathematik angewandt. Ich finde, das sollte jeder beherrschen. Lest euch selber ein, in der Wikipedia, oder besorgt euch ein schlaues Buch. Das Buch kostet gerade mal 20 €. Angesichts dessen, was man sparen kann, nur weil man plötzlich die Dinge nachrechnen kann und bessere Entscheidungen trifft, ist Bildung wohl als eine der lukrativsten Investitionen überhaupt.

In eigener Sache

Dieses Blog hat zum Thema die persönlichen Finanzen, aber nicht zum alleinigen Thema. Sonst wäre es ja öde. Was soll man denn schreiben? Soll ich mit Charttechnik beginnen? Dass ich überhaupt frühzeitig den Weg zur Börse eingeschlagen habe, lag an meinem liberalen Weltbild. Ich las u.a. Smith, J. St. Mill, Mises und Hayek, hatte schon sehr früh die Überzeugung, dass das Indvidium gestärkt und ermutigt werden muss. Was es selber leisten kann, soll es selber machen. Das ist gut für die Persönlichkeit und letztendlich auch für die Gesellschaft.

Um das Verhältnis der Liberalen zum Sozialstaat zu beschreiben, sagte Phillip Rösler einst: "Wir lassen die Menschen in Ruhe, aber nicht im Stich." - Mir gefällt der Satz und ich sehe es genauso. Seit Jahren lässt uns der Staat aber nicht mehr in Ruhe. Überall gibt's Regeln und Verbote. Warum kann ich nicht meine Altersvorsorge komplett selber in die Hand nehmen und staatliche Förderung kassieren? Bislang läuft jede Förderung auf "betreutes Sparen" hinaus. Ich will aber nicht betreut werden. Betreuung (bzw. betreuen) ist auch ein belastetes Wort. Aber auch ohne die braune Vergangenheit schreit einen der in diesem Worte steckende Paternalismus an.

Neben all der Betreuung lässt der Staat Menschen im Stich. Menschen die ihr Recht erstreiten wollen, z. B. weil ihnen jahrelang von der Stasi nachgestellt wurde und infolgedessen heute für den Arbeitsmarkt untauglich sind. Oder Dachdecker, die vom Dach gefallen und seitdem querschnittsgelähmt sind. Warum wird ausgerechnet der finanzielle Schutz vor Invalidität zusammengeschossen? Ich würde mir vom Staat wünschen, dass er sich um die echten Lebensrisiken kümmert, anstatt sich auf Nebensächlichkeiten zu konzentrieren.

Indem ich von meinem Netto-Gehalt einen Großteil in Aktien investiere und auf sämtliche staatliche Förderung und auf staatliches Reinreden verzichte, leiste ich politischen Widerstand. Ich verzichtete damals auch ganz bewusst auf Bafög, obwohl ich es problemlos bekommen hätte. Ich wollte mich nie der paternalistischen Prozedur aussetzen. Die persönlichen Finanzen waren daher für mich von Beginn an ein politisches Thema.

Als Liberaler und FDP-Wähler wird einem alles schlechte unterstellt. Seit ein paar Jahren bin ich auch noch Aktionär. Nun unterstellt man mir, dass Aktionäre wie ich Unternehmen schaden, indem wir Dividenden kassieren. Als Anhänger der Marktwirtschaft, als aufgeklärter Liberaler, als Aktionär, entwickelt man dann schnell auch ein besonderes Gespür für antikapitalistische, antiamerikanische und antisemitische Ressentiments, weil die gleichen Ressentiments irgendwann selber einen zur Zielscheibe habe, sobald man sich prokapitalistisch oder proamerikanisch äußert. Es reicht ja teilweise schon, wegen TTIP nicht so besorgt zu sein wie ein großer Teil der Bevölkerung. Und die Geschichte zeigt ja auch: Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antisemitismus ist die Troika der nationalistischen und sozialistischen Ideologien.

Den Juden unterstellt man bis heute, sie würden ohne Rücksicht auf andere Profite an der Börse scheffeln. Der Vorwurf wird dann gerne auf alle Aktionäre ausgeweitet, egal ob Jude oder nicht. Den US-Amerikanern unterstellt man genauso, dass sie alles dem Profitgedanken unterordnen. Seit Jahren muss ich mir diesen Mist anhören, dass Amerikaner wegen Öl Krieg führten und mit TTIP die vermeintlich nächste Sauerei planen, um angeblich höhere europäische Standards zusammen zu schießen und die eigenen Profite zu erhöhen.

Ich bin in den letzten Jahren zionistisch und pro-amerikanisch geworden. Und das posaune ich auch gerne in die Welt hinaus, denn es gibt nicht genug Zionisten und nicht genug Pro-Amerikaner in Deutschland. Neulich wurde ich als "Blindgänger" beschimpft:

Das letzte mal hier gewesen ... werde mal die anderen Finanzblogger anschreiben dich aus den verbliebenen BlogRoll's zu streichen du Blindgänger.


Wenn sich Menschen wegen ein paar Beiträgen zum alltäglichen Antisemitismus zu derartigen Äußerungen so hinreißen lassen, dann beweist das nur den latenten Antisemitismus in diesem Lande, von dem angeblich 25 % der Bevölkerung betroffen sind. Viele Kommentare unter meinen Artikeln zum gegenwärtigen Antisemitismus enthalten den Ratschlag, ich möge doch zum eigentlichen Thema zurückkommen.

Ich sehe es aber als wichtig an, dass man Menschen, die sich für Finanzthemen interessieren, ein Sensorium dafür entwickeln, was ressentimentbehaftet ist und was nicht. Dass ich gegen das Daytrading bin, habe ich nun schon oft genug geschrieben. Ich bin aber auch der Meinung, man muss  vorsichtig sein bei Welterklärungsmodellen, dass wir von Rothschilds, Bilderbergern oder von der Wallstreet gesteuert würden.

Ich mache in der gewohnten Art und Weise weiter.

Sonntag, 1. November 2015

Eine kleine Zwischenbilanz

Ich möchte heute eine kleine Bilanz ziehen. Am Jahresende setze ich mir für gewöhnlich Ziele. Für 2015 galt:

1. 24000 € in Aktienkäufe zu stecken.
2. Depot soll einen Wert von 136000 € haben.
3. Dividendeneinnahmen sollen sich auf 4200 € brutto erhöhen.
4. Jeden Monat mehr Dividenden erhalten als im gleichen Monat des Vorjahres.

Das erste Ziel ist noch nicht erreicht, aber ich habe noch zwei Monate Zeit. Und es sieht gut aus. 3500 € muss ich nur noch investieren, um auf die 24000 € zu kommen. Das schaffe ich locker, gerade weil der Oktober auch einer sparsameren Monate war und ich beim Gehalt noch die eine oder andere Gratifikation bekam. Ich kam im Oktober mit 29 % meiner Einnahmen (Grundgehalt + Gratifikationen + Dividenden) aus.

Mein Depotwert ist über 136000 €, aber das hängt von den Irrungen und Wirrungen an den Börsen ab. Das war zwischenzeitlich auch extrem runtergegangen. Wichtig ist für mich, dass ich dauerhaft über 136000 € komme. Schon im März hatte ich nach kräftigen Kurszuwächsen mehr als 136000 €. Ich war auch schon bei 144000 € im Juli. Das zweite Ziel sehe ich als erfüllt an.
Wertzuwachs meines Portfolios

Bei den Dividendeneinnahmen kann man wenig interpretieren. Das Ziel ist jetzt schon erreicht und da kommen ja noch ein paar Dividenden im November und Dezember.

Das vierte Ziel habe ich von Beginn an nicht wirklich beim Wort genommen, aber dennoch fast erreicht. Der März war ein wenig betrüblich, aber warum? Eine Quartalsdividende, die ich 2014 noch Ende März bekam, bekam ich 2015 erst Anfang April. Ansonsten aber habe ich in jedem Monat mehr Dividenden reinbekommen als 12 Monate zuvor. Die Idee dahinter ist, einen kontinuierlichen Dividendenfluss zu schaffen, der sich gleichmäßig wie ein Teppich über das gesamte Jahr legt. Zwar bekomme ich aufgrund einiger deutscher Aktien im Mai und Juni viele Dividenden (im Mai mehr als 1300 € netto), aber der Idealzustand ist das nicht.

Ich denke, das kann sich sehen lassen und ich bin guter Dinge, dass das so weiter geht. Die letzten Wochen und Monate hatten es schon in sich. Ich habe tatsächlich nichts verkauft. Ich bin ein ziemlich abgebrühter Hund, ein Hartgesottener, wie der alte Kosto sagte. In der kurzen Flaute im August und September habe ich sogar noch Nachkäufe getätigt: Qualitätsaktien zum kleinen Preis.

Ich merke bei mir, dass ich gelassener werde und auch das Kostolanysche Credo verfolge: "Einer Aktie und einer Straßenbahn läuft man nicht hinterher." Ich hatte schon einige Order im Orderbuch, bei denen ich zu wenig bot. Der Kurs wollte nicht unter mein Limit. Die Ordern verfielen und ich nahm es gelassen hin. Die Aktien, die ich dadurch nicht bekam, fielen zwei Monate später noch tiefer.  Vor zwei Jahren hätte ich mein Limit nach oben korrigiert, um unbedingt die Aktien zu bekommen.

Und wieder muss ich einen Spruch vom alten Kosto anbringen: "Wer eine Aktie nicht hat, wenn sie fällt, hat sie auch nicht, wenn sie steigt." Das habe ich kürzlich erst wieder beim "Finanzrocker" gehört. Ich interpretiere den Spruch wie folgt: Wer nicht den Schneid hat, eine Aktie zu halten, wenn sie fällt, hat auch nicht den Schneid, der Aktie zuzusehen, wie sie neue Gipfel stürmt. Das Problem vieler Anleger ist nunmal, dass sie Gewinne zu schnell realisieren.

Samstag, 31. Oktober 2015

Buchempfehlung: "Hass, Neid, Wahn - Antiamerikanismus in den deutschen Medien"

Heute möchte ich ein Buch empfehlen, das dabei helfen kann, die deutschen Medien besser zu verstehen. Wer die antiamerikanische Triebfeder der deutschen Redakteure berücksichtigt, versteht besser, was und warum etwas geschrieben wird.

Die Empfehlung für dieses Buch von Tobias Jaecker bekam ich aus dem "Liberal"-Magazin der Friedrich-Naumann-Stiftung. Das Magazin habe ich seit 2004 abonniert. Ich  stehe seit über zehn Jahren der FDP sehr nahe; so viel also zu meiner politischen Kinderstube. Das erklärt aber auch, warum ich für dieses Thema sensibilisiert bin und ich bin froh, eine politische Heimat dort gefunden zu haben, wo man Antiamerikanismus als ernsthaftes Problem wahrnimmt und nicht für eigene Wahlkampfzwecke missbraucht.

Eigentlich habe ich das Buch schon vor einem Jahr gelesen. Aber wie komme ich dazu, jetzt eine Buchempfehlung auszusprechen? Ein Kommentar bei der Huffington Post brachte mich dazu. Ich finde die ZDF-Sendung "Neues aus der Anstalt" mittlerweile auch unsäglich. Erschreckend finde ich, dass dann solche Verschwörungstheorien, die Amerikaner würden den IS unterstützen, derartigen Anklang finden. Woher kommt das nur?

Es gibt sicherlich nicht nur einen Antiamerikanismus in den Medien, sondern in weiten Teilen der Bevölkerung. Und die Redaktionen rekrutieren sich ja aus dieser Bevölkerung. Da die Medien links dominiert sind, die veröffentlichte Meinung vornehmlich links und mit linken Antiamerikanismen durchsetzt.

Das Buch zeigt dann auf, wo Antiamerikanismen schlummern und sicherlich sind viele Vorurteile zu gut bekannt, z. B. dass Amerikaner blöd und oberflächlich seien, sich schlecht ernährten ("McKultur") und vernarrt in Waffen wären. Mit dem Antiamerikanismus geht einher eine ständige Kritik an amerikanischer Außenpolitik und eine Vorliebe für die Demokraten, die sich ein bisschen europäischer geben. Nichtsdestoweniger wird Obama teilweise der gleiche Unsinn vorgeworfen, den man schon Bush vorgeworfen hat. Dem harschen antiamerikanischen Urteil, Amerika sei selber schuld am antiamerikanischen Terrorismus, ist ein eigener Abschnitt gewidmet.

Das Buch erklärt, woher dieser Antiamerikanismus stammt. Er hat jahrhundertealte Wurzeln, die daher resultieren, dass viele Menschen Kontinentaleuropas in die Vereinigten Staaten flüchteten, um den feudalen Strukturen zu entgehen, der sie am wirtschaftlichen Erfolg hinderte. Auch die Repression in religiösen Fragen war ein Motiv für die Auswanderung. Auch heute merkt man das noch, wenn sich Europäer mit einer Überheblichkeit über amerikanische Kreationisten lustig machen. Die Frage ist nur: Wem schaden Kreationisten? Allenfalls sich selber und ihren Kindern. In Kontinentaleuropa dagegen herrscht ja auch eine antiwissenschaftliche Haltung vor, die einhergeht mit neuem Okkultismus mit Homöopathie und Anthroposophie. Ist das nun so viel klüger? Und sie schadet uns ja auch, indem wir Milliarden in die Energiewende stecken, die uns nichts bringt. Die können froh, dass verbranntes Geld nicht in die CO2- Bilanz eingerechnet wird. Der Verzicht auf Gentechnik verhindert wirtschaftlichen Fortschritt. Der Okkultismus um grüne Energien und Biolandbau schadet uns ganz konkret.  Es sind auch vornehmlich europäische Umweltaktivisten, die der Dritten Welt einreden, sie sollten besser auf gentechnisch veränderte Sorten verzichten.

Ausflüge in die finstersten Kapitel der deutschen Geschichte, Drittes Reich und DDR, fehlen auch nicht, haben doch die Propagandabteilungen das antiamerikanische Potential genutzt und ausgebaut. Die Vorurteile sitzen noch heute tief, z. B. dass dem Amerikaner nur der "schnöde Mammon" heilig sei und Krieg nur "wegen Öl" führe. (Meine polemische innere Stimme sagt mir: "1999 im Kosovo ging es auch nur ums Öl.") Antiamerikanismus hat auch Geschwister die da wären: Antisemitismus und Antikapitalismus.

Und damit betrifft das auch uns Aktionäre. Die moderne Wirtschaft ist ohne Aktiengesellschaften und Börse gar nicht mehr denkbar. Diese Unternehmensform ist in den USA besonders populär und viele Amerikaner sind auch Aktionäre. Und natürlich hat Aktienkultur sehr viel mit amerikanischen Werten zu tun, mit Eigentumsrechten, Freiheit, Selbständigkeit und dem Streben nach Glück. Wenn ich die Ergüsse so manches linken Schreiberlings lese, wird mir unwohl, bekomme ich doch den Eindruck, als nächstes geht's den privaten Aktionären an den Kragen. Angeblich würden unsere Dividenden den Unternehmen schaden. Ist es nicht komisch? Einerseits sagen Linke, Geld sei da, um es auszugeben. Nun bekomme ich Dividenden, ich kann sie ausgeben und die Konjunktur damit anheizen. Das ist denen auch nicht wieder recht.

Man muss verstehen, woher das kommt und dazu ist diese Lektüre ist da sehr aufschlussreich. Und wer besser informiert ist, kann der antiamerikanischen Agitation eher widerstehen und widersprechen.

Was ich noch erwähnt haben möchte: Es heißt ja, die Amerikaner wären ja so blöde. Auf meinen Amerika-Reisen habe ich auch den einen oder anderen amerikanischen Buchladen von innen gesehen. Und was ich gesehen habe, war gar nicht mal so dumm. Die Auslagen in einer Bücherei sind sozusagen die intellektuelle Visitenkarte einer Gesellschaft. Und wir sollten uns in Deutschland schamhaft zurückhalten. Gerade in kleinen Buchläden (an Flughäfen, Bahnhöfen) hat man eine viel bessere Auswahl in den USA. In deutschen Zeitschriftenläden (z. B. an Bahnhöfen), die Bücher nur nebenbei verkaufen, findet man bei den Büchern nur billige Groschenromane.

Ich habe Kollegen, die ständig auf die angebliche Dummheit der Amerikaner schimpfen. Komischerweise sind das Kollegen, die man nie mit einem Buch sieht. Die verschmähen sogar die FAZ und lesen lieber "Bild". Der eine hatte sogar einen einfachen Roman von seiner Lebensgefährtin zugesteckt bekommen, damit er überhaupt mal was liest. Bei einem mehrstündigen Flug kann man ja gut lesen. Wer aber Lesen als Last begreift, sich aber für klug hält, ist ein Tor.

Samstag, 24. Oktober 2015

Neues Geldsystem? - Nein, danke!

Dirk Müller und Co. gehen häufig damit hausieren, dass das gegenwärtige Geldsystem wegen des exponentiellen Wachstums gar nicht funktionieren könne. Dann zaubert Müller den Josephspfennig aus dem Hut und erntet großes Oh und Ah bei seinen Zuhörern. Und die Biologie wird auch noch angeführt, wo schnell wachsende Systeme (Algen in einem geschlossenen Gewässer, irgendwelche Bakterienstämme) zusammenbrechen und es wird konstatiert, wir bräuchten ein neues Geldsystem, am besten mit einer goldgedeckten Währung.

Nein, das brauchen wir nicht. Warum? Wir bauen keine Häuser für alle Ewigkeit, Straßen müssen auch ständig saniert werden, alles ist in einem ständigen Verfall. Es ist alles eitel. Warum darf das Geldsystem nicht eitel sein?

Wir leben doch gar nicht mal so schlecht. Wir hatten jahrzehntelang die Deutsche Mark. Wir lebten gut. Dann kam der Euro und wir leben immer noch gut. Der Euro ist genausowenig goldgedeckt wie es die D-Mark war. Dollar und Pfund gibt es noch länger und weder Briten noch Amerikaner müssen und mussten inflationsbedingten Hunger leiden. Es genügt doch, wenn eine Währung und ein Geldsystem gut funktioniert. Menschen, die nicht in der Lage sind, den nächsten Höhenflieger an der Börse zu benennen, die wollen ein System schaffen, das noch besser funktioniert als der Status quo.

Dass der Status quo perfekt wäre, sagt ja niemand. Aber muss deswegen der sofortige Systemwechsel vollzogen werden? Reicht es nicht, wenn sich das Geld- und Bankensystem evolutionär weiterentwickelt. Krisen wird es immer geben und es wird immer Entscheidungsträger geben, die darauf reagieren.

Es ist auch komisch, dass deutsche Pantoffelhelden, gleich die Systemfrage stellen. Darunter geht's nicht. Aber wehe, die Sportvereinssitzung ergibt, dass der eigene Hallentermin von Donnerstag auf Freitag verlegt wird, oder dass sich der monatliche Mitgliedsbeitrag um 3 € erhöht. Bei solchen kleinen Anpassungen reagiert man dann empört. Oder aber, es kommt "Genfood" in die Supermarktregale. Deutsche Verzagtheit kombiniert mit Größenwahn.

Dass es den meisten Menschen mit dem gegenwärtigen System gut geht, ist vom utilitaristischen Standpunkt aus gesehen vollkommen ausreichend. Weder haben wir eine galoppierende Inflation noch eine Deflation. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, viele Menschen haben also Einkommen, viele können sparen und investieren. Ich haben in den letzten Jahren kräftig investiert. Ich sehe für mich eine Perspektive und viele andere Menschen auch. Es ist häufig deren Unwille, wenigstens 10 % zu investieren. Es muss mir ja nicht gleich jeder nacheifern und 50 % in Aktien buttern. 10 % würden schon reichen. 10 % von 2700 € netto ergibt im Jahr 3240 € Investitionsspielraum. Da kann man nach 30 Jahren schon mit flotten 367000 € rechnen, wenn man gut gestreut in Aktien investiert.


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Hütet euch vor den falschen Propheten

Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in
Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind!
 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt
man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?
So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte
Baum aber bringt schlechte Früchte.
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen,
und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen.
Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen
und ins Feuer geworfen. Darum sollt ihr sie an ihren Früchten erkennen.
(Mt. 7,15-21)

Immer wieder stolpere ich über das Daytrading. Youtube schlägt mir immer komische Videos vor, z. B. eine N24-Reportage, in der Daytrader in einem Hubschrauber sitzend, einen Trade ausführen und zwar in genau dem Moment, wenn der Pilot mit dem Hubschrauber einen Looping vollführt.

Anscheinend haben es diese Leute nötig. Die Gefahr, die ich sehe: Die diffuse Haltung vieler Deutscher zur Börse wird dadurch noch verstärkt. Und noch schlimmer finde ich, dass junge Leute dann bei sowas anbeißen.

Es sind die falschen Propheten, vor denen schon im neuen Testament gewarnt wird. Die meisten Menschen scheitern beim Daytrading, 95 % werden von den Daytrader-Anhängern selber kolportiert. Ich frage mit der Bibel: Wenn die Früchte des Daytrading so schlecht sind, kann dann Daytrading gut sein?

Der ganze Daytrading-Zirkus soll dazu verleiten, dass Grünschnäbel teure Seminare buchen und ihr sauer verdientes Vermögen verpulvern. Die Gurus und Seminarleiter nennen das dann Lehrgeld. Ich sehe keinen gr0ßen Unterschied zwischen "Jeff Paul's Shortcut to the Internet Million" und einem Koko Petkov. Jeff Pauls Werbespot enthält schicke Frauen in Bikinis, schicke Autos, ein schickes Motorrad. Koko Petkov kauft sich vor laufender Kamera ein teures Mercedes Coupé und stellt gleich mehrere Videos bei Youtube rein, wo der sich fahrend im Mercedes interviewen lässt. Wo ist der Unterschied? Koko kann sich keine Bikini-Models leisten, ansonsten ist es doch die gleiche Masche.

Der schnelle Reichtum ist verlockend, aber das funktioniert nur in den seltensten Fällen. Reichtum wird über Jahrzehnte aufgebaut, durch stetiges Handeln und Investieren.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Obstbäume wirtschaftlich zu nutzen. Man kann sie fällen und das Holz verhökern. Kirsche wird häufig im Instrumentenbau verwendet. Oder aber man pflegt seine Bäume, erntet die Kirschen, verkauft diese. Man investiert in eine Vogelscheuche und andere Abwehrmittel gegen die Spatzen, man akquiriert neue Kunden und kann jahrzehntelang Profit machen.

Man hört nicht gerne, dass es tatsächlich das beste ist, den langweiligen und sturen Weg zu gehen. Immer wieder stoße ich auf Daytrading-Fans, teilweise 17-jährige, die sich erhoffen, sie könnten mit Daytrading ihr Studium finanzieren. Wenn man denen die Illusion nehmen will, ist man der Buhmann, der von nichts eine Ahnung hätte.

Ich habe für mich den Weg gewählt, als Angestellter einen normalen, bürgerlichen, interessanten und anspruchsvollen Beruf nachzugehen, gleichzeitig  aber einen großen Teil des Gehaltes dafür verwende, mein passives Einkommen weiter zu erhöhen.

Freitag, 2. Oktober 2015

Das auserwählte Volk - die Juden im Duden

Mal wieder bin ich wieder auf "israelkritische" Töne gestoßen. Da kam mir der Gedanke: Warum schaust du nicht mal in den Duden. Und tatsächlich: "israelkritisch" ist bei duden.de verzeichnet. Ich suchte auch gleich nach "amerikakritisch", "russlandkritisch", "polenkritisch", "deutschlandkritisch", "jordanienkritisch" usw. Der Leser kann sich denken, wie das ausgefallen ist: Israel ist das einzige Land, für das man ein zusammengesetztes Adjektiv in Zusammenhang mit Kritik spendiert, dass es dann sogar in den Duden schafft. Bei der Häufigkeit hat das Adjektiv sogar zwei von fünf Balken.

Es ist doch bezeichnend für den Antisemitismus der heutigen Zeit, dass sich ausgerechnet dieses Wort im Duden etablieren konnte. Traut sich denn keiner mehr zu sagen, dass er Juden nicht mag? Man möchte wohl nicht mit Heinrich Himmler in Verbindung gebracht werden. Braucht man ja auch nicht. Ein bisschen Hetze, ein paar Lügen verbreiten...  Sollen sich doch Achmed und Sharif als die Eichmänner des 21. Jahrhunderts die Hände schmutzig machen. Und wenn die Züge mit Juden wieder in Gaskammern rollen, dann werden linksintellektuelle Europäer wieder einmal viel Bedauern heucheln, die große Erklärung haben, warum es dazu kam, warum sie selber aber keine Schuld haben. Natürlich wissen diese Leute auch, warum man dann nicht mit einem robusten Mandat einschreiten darf, denn das würde die "Spirale der Gewalt" nur anheizen.


Niemand, der Russland kritisiert, bezeichnet sich selber als Russlandkritiker. Warum auch? Nur weil er Russland kritisiert? Jemand der ein Schnäpschen trinkt, würde sich auch nicht als "Trinker" bezeichnen. Ein Trinkender ist nunmal kein Trinker. Jemand, der Israel kritisiert, sich selber sogar als "Israelkritiker" bezeichnet, der gibt doch zu, dass er eine Obsession hat. Und da die "Israelkritik" häufig nur von Halbwissen und Dämonisierung strotzt, bleibt doch nur eine Schlussfolgerung: Israelkritiker sind Antisemiten. Basta!

Montag, 28. September 2015

Hamed Abdel-Samad: "Mohamed"

Als Achse-Leser und Broder-Fan kennt man seit mindestens fünf Jahren Hamed Abdel-Samad. Unvergessen ist seine Deutschland-Safari mit Henryk M. Broder. Abdel-Samad schreibt auch Bücher. Sein neuestes Buch heißt "Mohamed" und beschäftigt sich kritisch mit dem Propheten des Islam und die dazugehörige Heiligenverehrung.

Ich gebe zu: Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Ich habe aber ein sehr ausführliches Interview gehört. Ich kann es wärmstens empfehlen. Heute las ich eine Kritik von Daniel Bax bei SPON. Daniel Bax schreibt sonst bei der "taz" und sein Lieblingsthemen sind Migration und Minderheiten. Wer aus dem linken Umfeld kommt, scheint das jeden Migranten durch die rosarote Brille zu sehen. Probleme werde negiert. Bei fundierter Kritik, wie Abdel-Samad sie liefert, wird überhaupt nicht auf Argumente eingangen, stattdessen wird unterstellt und entstellt. Wie bereits geschrieben, habe ich das Buch noch nicht gelesen, aber angesichts dessen, dass ich Abdel-Samad als gebildeten und sachlichen Mann aus den Medien kenne und angesichts des ausführlichen Radiointerviews zu genau diesem Buch, empfinde ich die Bax' Pamphlet als Affront.

Er schreibt: So stempelt er nebenbei 1,5 Milliarden Muslime zu potenziellen Gewalttätern und erklärt Terrorgruppen wie die IS-Milizen und Boko Haram zur logischen, ja zwingenden Folge der Lehre Mohammeds. Das ist in etwa so, als würde man den Ku Klux Klan mit seinen brennenden Kreuzen zur einzigen richtigen Lesart des Christentums erklären.

Und genau das Abdel-Samad nie gemacht. Wer eine kritische Sichtweise auf Mohammed mit einem Generalverdacht für alle Muslime gleichsetzt, übt doch selber einen Generalverdacht aus: "Jeder Kritiker des Islams oder Mohammeds übt Generalverdacht."

Abdel-Samad sagt selber, dass unglaublich viel positive Resonanz aus dem arabischen Raum bekommt, was seine Kritik am Islam bzw. am Mohammedbild angeht. Das kann ich mir vorstellen, denn warum soll jeder arabische Muslim mit Inbrunst seine Glauben gegen jede Kritik verteidigen?  Abdel-Samad erreicht für Muslime mehr als Bax. Kritik und Diskussionsbereitschaft signalisiert doch in diesem Falle, dass man Muslime ernst nimmt. Das ist höchst respektvoll. Bax aber verbittet sich solche Kritik. Warum? Hält er Muslime vielleicht nicht für Menschen, die auch einen Verstand haben und argumentieren können?  Also nicht für vollständige Menschen, die mit Kritik nicht umgehen können?

Es sind Kinder dieser Religion, die Terrororganisationen gründen, ihnen beitreten oder anders unterstützen. Es sind islamische Gesellschaften, die den Hass auf Juden am Köcheln halten. Der Islam hat damit ein Gewaltproblem. Mir soll Bax die christliche Al-Kaida oder das christliche Boko Haram zeigen. Die wird er nicht finden. Dass es in allen Religionen Irre gibt, heißt doch nicht, dass alle Religionen gleich gut oder gleich schlecht wären. Den Unterschied zwischen vereinzelten Kriminellen und organisierter Kriminalität sollte er doch kennen.

Bax ist die salonlinke Ergänzung zum arabischen Mufti, der nach Belieben, eine Fatwa erlässt, wenn keine Diskussion erwünscht ist. Der Mufti verbittet sich jede Kritik und Bax verbittet sich jede Kritik.

Und dann ist da noch der Pegida- und AfD-Vorwurf. Ich finde das infam. Sicherlich ist die dort geäußerte Islamkritk keineswegs intellektuell überzeugend. Aber was hat Abdel-Samad damit zu tun? Einen kompetenteren Gesprächspartner zu diesem Thema gibt es nicht. Und sicherlich täte es so manchen Pegida-Anhänger gut, sich mit dem Buch auseinander zu sein, damit seine Islamkritik Substanz bekommt und nicht nur auf einem unbeholfenen Ressentiment beruht.

Also ich werde mir das Buch in jedem Falle kaufen und lesen. Sollte ich mit meiner Kritik an Bax falsch liegen, werde ich mich korrigieren. Aber ich vermute, dass ich danach genauso den Kopf über Bax schütteln würde.

Bezeichnend ist, dass Diskussion bei SPON nicht erwünscht ist. Ich kann verstehen, da viele Pegida-Anhänger mit Verbalinjurien um sich schmeißen würden. Aber man verpasst leider auch viel berechtigte und seriöse Kritik an Bax.

Anmerkung dazu: Wie es scheint, ist Daniel Bax kein Unbekannter.

Dienstag, 22. September 2015

Flüchtlinge aus dem Nahen Osten - Warum ich mir Sorgen mache.

Das Hauptthema in den letzten Wochen waren die Flüchtlinge aus Syrien. Sicherlich muss man diesen Menschen helfne, jedoch schmerzt es mich, wenn ich bedenke, was diese Menschen mitbringen. Es geht mitnichten um die ökonomische Situation, dass uns diese Menschen viel Geld kosten werden. Größere Sorgen mache ich mir über die Kultur der Gewalt, die wir aus dem Nahen Osten importieren.

Und ich verstehe unsere tonangebende Linke nicht. Ein deutscher Mann wird wegen Kleinigkeiten als Sexist an den Pranger gestellt. Ein arabischer Mann schlägt seine Frau, betreibt vielleicht sogar Polygamie, ist Macho mit frauenfeindlichen Ansichten. Die Töchter führen kein angenehmes Leben und die Söhne werden Ebenbildern ihres Vaters erzogen. Solche arabischen Männer fallen bei Linken wohl unter Artenschutz.

Die allgemeine Verrohung erkennt man schon daran, dass ein Wort wie "Hurensohn" wieder populär geworden ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich diese schlimme Verbalinjurie als Jugendlicher in den 90ern jemals gehört oder genutzt hätte. Man kannte das Wort, aber man benutzte es nicht. Man beschimpfte sich auch, aber man respektierte die Mutter des anderen. Diese komische Vorstellung von "Ehre", die nur davon abhängig, ob die Frau bei der Hochzeit noch Jungfrau ist, machte dieses Wort wieder populär.

Und dann ist da noch die Sache mit den Juden. Antisemitische Einstellungen gibt es in Deutschland leider nach wie vor. Die autochtone Bevölkerung hat welche, aber unsere arabische und türkische Minderheit dürfte noch ein größeres Antisemitismusproblem haben. Schon was das weinende Palästinenser-Mädchen über Israel und Juden gesagt hat, sollte doch zu denken geben. Aber dann plötzlich war das Mädchen aus den Medien verschwunden.

In den Medien ist die Linke tonangebend. Probleme von Migranten wurden jahrelang  unter den Teppich gekehrt und auch heute traut man sich kaum, die Probleme zu benennen. Diese syrischen Flüchtlinge bringen ihren Antisemitismus mit. Er kommt unverhohlen zum Ausdruck. Wir konnte es im letzten Sommer bei anderen Arabern in Deutschland beobachten: "Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein." - Das hat ein tausendköpfiger Mob skandiert, der sich mit ein paar Juden anlegen wollte. Wer ist da feige?

Meine Meinung zu Pegida, AfD und Leute, die von der "Lügenpresse" reden oder singen, ist bekannt. Aber eines muss ich auch konstatieren: Die Medien verschweigen uns Dinge. Andere Dinge, als uns Hallervorden weiß machen will. An "Israelkritik" gibt es bestimmt nicht zu wenig in den deutschen Medien. Die Probleme, die uns bestimmte Migrantengruppen machen, werden verschwiegen. Ich rede nicht von Moslems, denn auch Iraner sind Moslems und die sind sehr gut integriert. Ich rede von Türken und Arabern.

Sollte der Krieg in Syrien vorbei sein, sollte man die Menschen rücküberführen. Sie stellen nicht nur eine enorme finanzielle Belastung für uns dar, weil sie schwere Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben dürften; die Analphabetenquote ist zweistellig. Und ich möchte nicht dauerhaft und unnötig Antisemiten über Hartz IV finanzieren, die über ihre Satellitenschüsseln arabische Hassprogramme empfangen und dieses den eigenen Kindern aussetzen.

Vielleicht sollte man jedem Asylsuchenden den Israeltest machen. Man zeige ihm israelische/jüdische Symbole, z. B. die israelische Flagge, dem Davidstern oder eine Menora, und man schaue, wie er reagiert. Reagiert er mit antisemitischer Gewalt, dann hat er verloren und muss wieder nach Hause zu Onkel Assad.

Sonntag, 30. August 2015

Sparsame Haushaltsführung - Die Grundlage von allem

Ich erinnere mich, dass ich mal in einem Internetforum eine Umfrage startete, was wichtiger wäre: Viel zu verdienen oder mit wenig auskommen zu können. Wie ich erwartete, klickten die meisten den höheren Verdienst an. Das dürfte sechs Jahre her und ich fand es schon damals falsch.

Wir wissen aber, dass man nicht durch das vermögend wird, das man bekommt, sondern durch das, was man behält. Deshalb ist das Sparen so wichtig. Wenn bei den üblichen man mit 5 % seines Bruttogehaltes weniger auskommt, dann hat man diese 5 % steuerfrei. Mein Dozent in Investitionsrechnung sagte immer: "Eingesparte Ausgaben sind wie Einnahmen." - Richtig!

Und heute gibt der Couponschneider einen kleinen Einblick ins Haushaltsbuch. Das führe ich seit Februar 2012 und ich protokolliere nur die Ausgaben. Die sind am interessantesten. Hier ist ein Diagramm mit gestapelten Balken.



Einige werden denken: Moment mal, die Fixkosten sind ja gar nicht fix. Das ist richtig festgestellt. Was sind Fixkosten? Die Summe aus Miete, Versicherung, Internet, Strom und Gas. Bei den Mietnebenkosten gab es schon zweimal saftige Nachzahlungen. Im April/Mai gibt's bei Strom und Gas manchmal was zurück.

Worauf ich stolz bin: Selbst wenn es mal nach oben ausschlägt, komme ich nicht über 1600 €. Bei 43 Stichproben liegt der Median bei 1165,75 €, der Mittelwert knapp darüber bei 1178,72 €.

Die Entwicklung des Mittelwertes ist interessant: 1165 € waren es im Jahr 2012, 1104 € im Jahre 2013, 1215 € 2014 und 1253 € bislang im Jahr 2015. 1253 im Jahre 2015 gegenüber 1165 im Jahre 2012 entspricht einem Plus von 7,5 %. Nun müsste man die 3,5te Wurzel aus 1,075 ziehen, um ein ungefähres Gefühl für die Inflationsrate zu bekommen. Also 1,075 ^ (1 / 3,5) = 1,0208. Macht 2 % Inflationsrate. Natürlich ist meine Rechnung gut gemeinter Pfusch, denn ich habe ja in den Jahren nicht immer exakt das gleiche konsumiert. Und in einem Jahr hat die Firma meine Bahncard übernommen, weil ich beruflich viel mit der Bahn unterwegs war. 2 % Inflationsrate ist aber auch weit weg, von dem, was manche Verschwörungstheoretiker so kolportieren (7 bis 10 %) und die offizielle Zahl für falsch halten. Mein Lebensstandard ist in der Zeit sogar gestiegen, z. B. trinke ich besseren Kaffee. Daher hören Sie nicht auf den Unsinn, wenn mal wieder jemand behauptet, die echte Inflationsrate wäre viel höher als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Ich habe eine saubere Statistik, die die offizielle Statistik erhärtet.


Außerdem wird sich mein Durchschnittsverbrauch in diesem Jahr noch nach unten korrigieren. Warum? Ich habe viel konsumiert in den letzten Monaten. Neue Haushaltsutensilien wurden angeschafft, neues Werkzeug, im Februar kaufte ich ein Android-Tablett, dann nochmal 150 € für eines meiner Hobbys, das ich hier nicht weiter benenne. Die Ausgaben für Fahrrad und Sport waren auch immens (die Kassette meines Fahrrades habe ich nun erstmals nach fünf Jahren wechseln müssen).

Außerdem möchte wieder mehr kochen. Während ich im ersten Halbjahr häufig bei McDonald's war, sind die Kosten für Lebensmittel stark gestiegen. Auswärts essen ist sehr viel teurer als selbst gekochtes. Also da kann ich
 noch eine Menge sparen. Und natürlich bei den Büchern. Ich gebe so viel Geld aus für Bücher und ich habe noch nicht einmal alle gelesen. Ich bin mit Büchern gut versorgt und werde mich jetzt weiter zurückhalten.

Eine Zurückzahlung bei den Mietnebenkosten erwarte ich auch, schließlich ist die personenabhängig und wenn die anderen zwei Mietparteien um jeweils eine Person anwachsen, sinkt mein Anteil an den Gemeinschaftskosten.

Das Ersparte pumpe ich in Aktien. Nach Spartipps halte ich gerne Ausschau. Dann kann ich noch mehr in Aktien pumpen. Meine Dividendeneinnahmen belaufen sich auf ca. 300 € netto monatlich. 300 € / 1253 € sind 23,9 %. Fast ein Viertel meiner Lebenshaltungskosten werden durch Dividendeneinnahmen gedeckt. Die Perspektive ist doch klar erkennbar oder etwa nicht?


Freitag, 28. August 2015

Kleiner Crash und mich hat's gefreut

Ich sehe diese kleine Kurskorrektur - wie sie so schön heißt - gelassen. Sehr gelassen. Ich bin hartgesottener, als ich gedacht habe. Mein Portfolio sank schneller im Wert als bekannte Indizes wie DAX und Dow Jones. Aber warum soll ich in Panik verfallen? Sondern aus Unternehmensanteilen und ich habe sie nicht beliehen. 100 Anteile an Daimler werden 100 Anteile an Daimler bleiben. Ich weiß ja, was ich langfristig daran habe. Dividenden werden regelmäßig ausgekehrt.

Statt in Panik zu verfallen, werde ich diesen Kursdämpfer für Nachkäufe nutzen. Das macht dann umso mehr Spaß. Was da eigentlich passiert ist, werden sich viele fragen. Viele verstehen es nicht. Ich lese ja regelmäßig bei SPON die Kommentare, was mein Kardiologe nicht wissen darf. 90 % des Geschriebenen dort sind Stuss, über die man sich nur ärgert. Kenntnisse sind antiproportional zum Sendungsbewusstsein, was das Thema Börse angeht. Da gibt's den üblichen Zores, beispielsweise dass des einen Gewinn des anderen Verlusts wäre. Oder dass an der Börse nur die kleinen Fische verlieren, die institutionellen Anleger die Gewinner. Das ist Unsinn, weil die Institutionellen wegen Konformitätsdruck, Erfolgsdruck und Basel II nicht einfach die Chose aussitzen dürfen. Sie dürfen nicht und das gereicht dem Kleinanleger zum Vorteil. 

Auch die Berufsschreiber sind nicht besser. SPON titelt:
Chinas reichster Mann verliert 3,6 Milliarden Dollar an einem Tag. Gewinn ist doch Einnahmen minus Ausgaben. Und Verlust ist negativer Gewinn. Warum macht jemand einen Verlust, nur weil jemand das Vermögen anders taxiert? Ist es nicht komisch, dass Linke den "Neoliberalen" Marktgläubigkeit vorwerfen, dabei schreit einem doch die Marktgläubigkeit aus dieser Schlagzeile eines linken Schreiberlings gerade zu an.

Mein Dampfer hat schon vor Jahren einen ganz bestimmten Kurs eingeschlagen. Man wechselt wegen es kleinen Wetterumschwunges doch nicht den Kurs. Dazu habe ich keine Zeit, dafür reicht der Schiffsdiesel nicht und nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Wer keine hohen Wellen ertragen kann, sollte besser nicht auf die offene See hinaus.

Mein Geld ist gut angelegt. Unternehmen mit langfristiger Perspektive, langfristig aufgestellt wie BASF, SAP und Deutsche Post, um nur einige zu nennen. Chemie, kaufmännische Software, Logistik... wird man auch in 100 Jahren noch brauchen. Amazon testen Drohnen, aber die Deutsche Post hat heute schon hunderttausende fleißige Arbeiterinnen in schwarz-gelber Tracht.
Mein Portfolio hat in diesem Jahr schon 3848 € an Dividenden abgeworfen. Betrachtet man die letzten 12 Monate, dann sind es 4400 €. Ich schätze, das Jahr wird mit Dividenden von 4800 € schließen. Da ich schon in diesem Jahr einige Käufe getätigt habe, die Dividenden für das kommende Jahr versprechen, wird das im nächsten Jahr noch höher hinaus gehen. Die Dividenden sind die Bestätigung, dass ich es nicht so verkehrt mache.

Seit anderthalb Jahren notiere ich mir unregelmäßig den Gesamtwert meines Portfolios:


Unregelmäßig ist es deshalb, weil mir es nicht so wichtig ist. Es ist nur mäßig interessant, finde ich. Was man sehen kann, ist, dass es aufwärts geht, wenn man nur dran bleibt, immer wieder einen großen Teil des Gehaltes investiert und einfach nur wartet. Rücksetzer wurden immer wieder aufgeholt.

Sonntag, 23. August 2015

Warum soll ich enttäuscht sein? - Eine Replik.

Die Börse ist in den vergangenen Tagen ziemlich nach unten gerauscht. Ich werde ja von manchen Leser - teilweise zurecht - als Grünschnabel abgetan, der noch keinen wirklichen Crash miterlebt hat, weil ich ja erst seit 2009 dabei bin. Aber immerhin habe ich die Kursstürze vom August/September 2011, also Washington einen ominösen Schuldenstand übertraf, überstanden, ohne dass ich in Versuchung kam, etwas zu verkaufen. Da jetzt mein Portfolio in den letzten Tagen um 12000 € fiel, ich aber immer noch gut schlafen kann, dürfte ich wohl ein Hartgesottener sein.

In so einer Stimmung gibt es natürlich Medien, die ihre linke Weltsicht dem Leser aufdrücken. Meinungsfreiheit ist toll, weil einem auch unliebsame Meinungen nicht vorenthalten werden. Bei Spiegel Online lässt sich Henrik Müller - immerhin habilitiert - über die jüngsten Kursentwicklungen aus: Der Kapitalismus enttäuscht seine Jünger. Mir fiel als erstes das Zitat vom alten Kosto ein: "Professoren, o schöne Welt, du bist verloren!"


Der Text beginnt mit
Wie kann das sein? Weltweit fallen die Aktienkurse, obwohl die Notenbanken Billionen in die Märkte pumpen. Der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, funktioniert nicht mehr.
Herr Müller kennt wahrscheinlich einen anderen Kapitalismus als ich. Als Anhänger der freien Wirtschaftsordnung spreche ich mich weitgehend gegen den aktiven staatlichen Einfluss aus, weil staatlicher Einfluss nur begrenzt funktioniert. Der gesetzliche Rahmen (Baurecht, Arbeitsrecht, Umweltrecht, Steuerrecht, Lebensmittelrecht, Verbraucherschutz etc. pp.), innerhalb dessen gewirtschaft wird, muss stabil, halbwegs in sich schlüssig und kalkulierbar sein, der ist wichtig, aber aktives staatliches Eingreifen geht häufig nach hinten los. Nun behauptet Müller, der Kapitalismus funktioniere nicht mehr, weil das billige Geld der Notenbanken keine Früchte mehr trage. Den Vorwurf kann nur machen, wer die "Jünger des Kapitalismus" (JdK) nicht versteht. Ich bin nicht enttäuscht und ich bin so ein Jünger.

Und nur weil die Kurse jetzt ein wenig nach unten gehen, ist das kein Beinbruch. Es interessiert mich als langjährigen Investor und als JdK schlichtweg nicht besonders. Ich bleibe investiert und denke schon über Nachkäufe nach. Ich habe nur ein Problem. Ich fühle mich überfordert, als wenn ein riesiges Buffet mit vielen meiner Lieblingsspeisen vor mir steht. Da könnte ich mich auch schlecht entscheiden. Das ist ein Luxusproblem, mehr nicht. Wahrscheinlich werde ich Nachkäufe tätigen, bei den Aktien, bei denen ich schon seit längerem Nachkäufe plane, unabhängig von den jetzigen Kursstürzen.

Leider scheint dieses Modell nicht mehr zu funktionieren: Die Unternehmen investieren immer weniger in neue Anlagen und Produkte. Stattdessen schütten sie große Teile ihrer Gewinne an die Aktionäre aus. Wohlstandszuwächse für die große Mehrheit der Bürger gibt es kaum noch. Die große kapitalistische Umwälzpumpe läuft leer. 

Hier schreibt Müller die Unwahrheit. Warum soll es nicht mehr funktionieren? Nur weil es jetzt einen kleinen Kurseinbruch gibt? Sollte man Henrik Müller von der Uni schmeißen, nur weil er wegen Kopfschmerzen mal zwei schlechte Vorlesungen hintereinander gehalten hat? Sagt man da auch, dass Professor Müller nicht mehr funktioniere? Oder überdenkt man dann gleich das ganze System Universität? Natürlich nicht.

Wohlstandszuwächse gehen natürlich nicht an alle Menschen, sondern nur an diejenigen, die auch investieren und investiert bleiben. Das ist Kapitalismus: Er gibt keine Garantien, er gibt aber sehr großzügige Chancen. (Andere Wirtschaftsformen geben nur mickrige Garantien, aber keine Chancen. Welcher Leibeigene konnte schon durch Investition so vermögend wie der Fürst werden? Garantiert war nur, dass sein Leibherr ihn nicht verhungern ließ.) Und die Chance muss man schon ergreifen, indem man Eigentum an Produktionsmitteln erwirbt. Das wird den Menschen in Deutschland nicht gesagt, aber man muss es ihnen sagen. Ihnen diese wichtige Information vorzuenthalten, aber dann hinterher Verarmung zu beklagen, ist eine Unverschämtheit. Besonders perfide sind Politiker (meistens Linke), die dann auf dem Rücken der Leute, deren Armut sie mitzuverantworten haben, auch noch Wahlen gewinnen wollen.

Stattliche gegenwärtige Gewinne verwenden sie, um gigantische Summen an die Aktionäre auszuschütten - in Form von Dividenden und durch den Rückkauf eigener Aktien.

Was daran schlimm sein soll, dass Dividenden ausgeschüttet werden, ist sein Geheimnis. Natürlich ist es effizienter, wenn größere Teile des Gewinnes innerhalb des Unternehmens thesaurieren, alleine schon wegen der Steuer. Aber wenn der Unternehmensführung nichts einfällt, worin sie investieren soll, soll sie es lieber an mich ausschütten, ganz einfach. Ich weiß immer etwas. Ich kann mir Aktien dieses Unternehmens kaufen oder die anderer Unternehmen. Oder ich kann konsumieren. Es ist doch ein linkes Mantra: Erhöht die Löhne, dann wird mehr konsumiert und die Wirtschaft wächst. Die Dividende ist der Lohn des Investors. Gilt beim Lohn des Investors das linke Mantra plötzlich nicht mehr? Ich hatte in diesem Jahr einige Konsumausgaben und zwar den Konsum, den Linke in Sonntagsreden gerne loben: qualitätsbewusster Konsum.

Dass es auf und ab geht mit der Börse wie mit der Wirtschaft, ist kein beklagenswerter Zustand. Es ist ein natürlicher Prozess, wie so viele andere Dinge auch. Ein souverän aufgeklärter Mensch muss damit umgehen können, so wie er mit den vier Jahreszeiten auch umgeht oder mit seinem körperlichen Zerfall. Und wenn selbst Fans des 1. FC Köln den Abstieg in die zweite Liga überleben, muss es der Durchschnittsdeutsche mit Durchschnittsemotionen auch mal ertragen, wenn er an der Börse mal ein, zwei Jahre nur anspruchsloseren Zweitligafußball und Schonkost geboten bekommt. Dass es jedes Jahr konstant 8 % Rendite gibt, hat niemand behauptet. Bildet man aber das geometrische Mittel, dann kommt man auf derartige Zinssätze. Das heißt dann, mal geht's 20 % abwärts, manchmal auch 30 % aufwärts, aber im geometrischen Mittel 8 % rauf. Damit muss man umgehen können.

Als JdK wäre es mir lieber, die Politiker würden sich mehr zurückhalten, weniger Schulden machen und aufhören, größenwahnsinnig an Systemen herumzuschrauben, die sie nicht verstehen können. (Die Amerikaner sind da ohnehin zurückhaltender als andere.) Die Gesellschaft versuchen sie zu erziehen, indem sie Sprache regulieren wollen. (Studierende statt Studenten). Am Weltklima möchten sie auch herumschrauben, indem sie CO2-Emissionen reduzieren wollen. Die wollen sogar CO2 komprimieren und im Erdboden verklappen. Und wer glaubt, man könne die Gesellschaft oder das Klima in seinem Sinne beeinflussen, macht auch vor der Wirtschaft nicht halt. Viel schlimmer als die Notenbanken sind übrigens die feuchten Träume vieler Linken wie die Ökostromförderung. Da wird es noch ein Blutbad geben, aber man wird dem Kapitalismus die Schuld geben, nicht den Politikern, die die Bahn freimachten für diese milliardenschwere Subventionsorgie. So wird es kommen, da bin ich mir sicher.

Ich investiere stetig, alle paar Monate ein paar tausend Euro. In diesem Jahr waren es schon knapp 15000 €, weitere 9000 € sind geplant. Vor sechs Jahren habe ich begonnen und bin nun bei einem Portfolio von 130000 €.  Ich habe im Gegensatz zu vielen anderen die Chance ergriffen, die sich mir bot. Ich kenne so viele andere Menschen, mit ungefähr meinem Intellekt, meinem Potential und meinem Gehalt, die diese Chance nicht ergriffen haben, sondern ihr Geld regelrecht für idiotischen Konsum verballern. (Beispielsweise kaufen viele Leute in meiner Umgebung irgendwelche Fotoausrüstungen, als wären sie der kommende Robert Capa oder Helmut Newton. Ich begnüge mich mit einer sieben Jahre alten Kompaktkamera.) Wenn diese Leute sich hinterher beklagen, dann waren natürlich wieder äußere Umstände oder der Kapitalismus schuld. Ich brauche wohl kaum erwähnen, dass diese Leute den üblichen Nonsens über die Börse ablassen: "Zockerei", "gefährlich" und "alles Spekulanten".

Herr Müller leistet dieser Investitionslethargie Vorschub. Er ist da leider nicht alleine. Viele Redakteure und Politiker sind sich gar nicht bewusst, welches Unheil sie anrichten, wenn sie so viel Unsinn über Aktien, Investitionen und Finanzen verbreiten. Dass man zum Schwarzen nicht mehr "Neger" sagt, ist gut und richtig. Da übernahmen die, die öffentlich Gehör bekamen, eine Verantwortung, klärten auf, nutzten selber diesen Begriff nicht mehr, mit der Folge, dass heute nur noch Hinterwäldler "Neger" sagen, ohne rot zu werden. Vielleicht sollte man auch endlich anfangen, Aktionäre nicht allesamt als "Zocker" zu diffamieren und abstürzende Kurse nicht als Menetekel für Aktionäre zu beschreiben. Dann klappt es auch mit dem Wohlstand für alle.

Samstag, 22. August 2015

Was die Gehirnzellen schwinden lässt: Die Mannschaftslaufbahn

Beim folgenden Beitrag werden wieder viele denken: "Oje, der Couponschneider und seine Komplexe.", oder: "Nicht schon wieder die Leier." Als erstes stelle ich folgende Aussage in den Raum: Es ist nicht gut, jede sich erstbietende Gelegenheit zu nutzen, um mehr Knatter zu machen. Das ist recht banal: Den Hahn, der das meiste Fleisch ansetzt, schlachtet man doch nicht sofort, sondern steckt ihn ins Zuchtprogramm. Viele von uns werden eine Ausbildung gemacht haben, ob nun einen Lehrberuf oder ein Studium... es kommt aufs gleich hinaus. Anstatt bei erstbietender Gelegenheit seine Arbeitskraft zu verkaufen (für junge Männer z. B. als Handlanger auf dem Bau), verzichtet man ein paar Jährchen und lernt erstmal was gescheites.

Natürlich ist es okay, wenn man das zeitlich begrenzt macht, um etwas Kapital zusammenzutragen. Aber mir fällt nur eine Sache ein, von der ich dringend abrate. Ich habe es auch nie gemacht, ich habe aber einige gesehen, die es gemacht haben: FWDL oder SAZ bei der BW. Und letzteres dann noch, ohne eine Unteroffiziers- oder Offizierslaufbahn einzuschlagen. (FWDL: freiwillig länger dienend, höchstens 23 Monate; SAZ: Soldat auf Zeit, > 23 Monate)

2002/3 war ich Wehrpflichtiger und unser Bataillon suchte natürlich FWDLer und SAZler für den KFOR-Einsatz. Nicht wenige haben es gemacht. Und selbst wenn es in den Kosovo gegangen wäre, war es keine lukrative Angelegenheit. Beim Auslandseinsatz gab's ja wenigstens noch ordentlich Prämien obendrauf.

Für mich kam sowas nie in Frage. Der Grund ist folgender: Unglaublich deprimierend empfand ich schon die 9 Monate Wehrpflicht. Weniger die ersten drei Monate, eher die letzten sechs, selbst wenn die ruhiger waren. Aber diese Ruhe war das Fatale. Wo viele ungebildete junge Männer Langeweile haben, hat man kein gutes Umfeld. Auf meiner Stube war ein Klempner-Geselle, der jeden Abend die Glotze anhatte. Ich konnte nichts lesen. Der Tag spielte sich wie folgt ab: 7 Uhr antreten, danach ins Büro, 10:45 Uhr Mittagspause (unsere Kompanie musste als erste in die Kantine), dann kam mein Stuben- und Bürokollege auf die Idee, danach doch einfach Mittagsschlaf zu machen. 13 Uhr wieder im Büro. 16:30 Feierabend und Abendessen. Und das tagein, tagaus. Ich brachte mir noch Lektüre mit, so die ZEIT, die ich abonniert hatte, und ein paar Fachbücher. Damit war ich ein Exot.

Ganz furchtbar in Erinnerung habe ich die Begegnung mit bestimmten HGs (Hauptgefreiten). Einmal erwähnte ich, ich würde nach der Wehrpflicht studieren. Da kamen dann gleich patzige Antworten wie: "Und wer bezahlt's? Bestimmt Papi." Ich antwortete nicht weiter drauf. Erstens wäre es nicht ehrenrühriges, wenn die Eltern einen finanziell unterstützen und zweitens war zu dem Zeitpunkt meine Mutter schon tot und mein Vater von der Arbeitslosigkeit bedroht. Unterstützung konnte ich nie erwarten. Die Firma machte dann tatsächlich pleite und er war arbeitslos für viele Jahre. Der patzige HG hatte übrigens die ehrenvolle Aufgabe, die ABC-Schutzmasken sauber zu halten.

Diese Sorte HG erkannte man schnell im Bundeswehrbetrieb. Ständig schlechte Laune, pampig gegenüber Niederrangigen, wenn diese wahrscheinlich bessere Chancen haben. Sowas wurde dann mangels anderer Angebot im privaten Sektor Soldat auf Zeit, um erstmal eine Zeit zu überbrücken, nicht um sich Startkapital für eine Investition (z. B. Studium) zu besorgen. Die Sorte HG kaufte sich vom erstbesten großzügigeren Sold dann einen Laptop, nur um Spiele zu zocken. (Ich kaufte mir einen alten gebrauchten, um zu lernen.)

Nach einigen Jahren werden dann die SAZler entlassen. Wenn die ein Studium beginnen, geht das meistens nach hinten los. Habe ich einige Male beobachten können. Dann wird das Studium abgebrochen. Man verlernte das Lernen während der Bundeswehrzeit. Und wer dann nicht die Kraft oder den Mut aufbringt, sich in der Kaserne Freiräume zu schaffen, der verblödet. Ich konnte mir Freiräume schaffen, indem ich einen leeren Gemeinschaftsraum nutzte und später zum Heimschläfer wurde.

Der Grund, warum mir dieses Thema auf den Nägeln brennt? In meinem Bekanntenkreis ist jemand, der sein Leben im Prinzip weggeworfen hat. Nach dem Abitur, gerade so mit Ach und Krach geschafft, erstmal vier Jahre Bundeswehr, aber dann auch nur Stabsgefreiter (keine Laufbahn zum Unteroffizier oder Offizier eingeschlagen). Danach hochtrabend erzählte er, er würde studieren wollen... hat nicht geklappt. Nach einem halben Jahr fiel ihm auf, dass die Vorlesungsfolien auf Englisch waren. Er brach das Studium nach einem Semester ab. Ich glaube, er hatte während der ganzen Zeit nur "World of Warcraft" gezockt. Auf die wenigen Bewerbungen auf Lehrstellen gab es nur Absagen. Dann hatte er anderthalb Jahre von der Substanz gelebt und ist nun wieder bei der Bundeswehr. Die nehmen anscheinend jeden. So ein Oberstabsgefreiter (der er heute ist) ist in der Besoldungsgruppe A5 und bekommt gerade mal etwas mehr als 2000 € brutto. Da bleibt hinterher nicht viel übrig, irgendwas bei 1600 € bis 1700 € netto. Das hört sich für manche Leute viel an, ist es aber nichts angesichts der Möglichkeiten, die einem offen stehen, wenn man schon mal ein Abitur hat. Außerdem lernt man da auch nichts. (Ich kenne auch einen, der nach langem Hin und Her Barkeeper wurde, und denkt, 1200 € netto wäre ein gutes Gehalt.) Wenn er die Bundeswehr endgültig verlässt, denn Mannschaftsdienstgrade werden keine Berufssoldaten, ist er Mitte 30. Der schlechte Umgang und der dazugehörige Alkohol wird die restlichen Gehirnzellen dahinraffen.

Danach steht er ohne Ausbildung dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Er kann nur seine plumpe Muskelkraft als Handlanger verkaufen. Armut im Alter ist vorprogrammiert.




Buchempfehlung: "Gier" von Jason Zweig

Ich erwähnte es bereits, dass ich im Urlaub Jason Zweigs "Gier" las. Nicht alles, was ich lese, empfehle ich weiter. Dieses Buch schon.

Wer ist Jason Zweig? Er ist ein amerikanischer Finanzjournalist, der unter anderem für das Wallstreet Journal schreibt. Ich kam auf den Namen, weil Tim Schäfer ihn empfahl. Ich schaute, was für Bücher er so schrieb und bestellte kurzerhand "Gier". Jason Zweig hat auch eine Homepage, wo man auch zahlreiche Links zu seinen Artikeln im Wallstreet Journal finden kann.

Worum geht es in dem Buch? Es geht um den Menschen, seine Psyche und seine Investitionsentscheidungen. Zweig zeigt auf, dass viele Menschen Irrtümern erliegen, zu emotional handeln und dass erfolgreiche Investoren tatsächlich rationaler an die Sache rangehen, weniger auf Kurse schauen, vor allem auf Einkaufskurse.

Da es um Neuroökonomie geht, um die Psyche des Investoren, heißen die Kapitel demzufolge auch "Wissen und Glauben", "Gier", "Erwartung", "Selbstvertrauen", "Risiko", "Angst", "Schreck", "Reue" und "Glück und beschäftigen sich mit der jeweiligen Gemütserregung.

Im letzten Jahr las ich bereits den Kahneman. Zweig referenziert häufig Kahneman. Da habe ich wohl kein falsches Buch im letzten Jahr gelesen. Zweig aber ist näher dran am Aktienmarkt. Zweig gibt konkrete Hinweise, wo die Fallstricke für Aktieninvestoren liegen und was sie dagegen zu können, unter anderem:
  • Nicht überstürzt handeln.
  • Zweimal nachdenken.
  • Kontrollsystem einbauen, mit jemand anderen diskutieren, am besten mit jemanden, der häufig konträr zu den eigenen Überzeugungen steht.
  • Gefühle im Investitionstagebuch protokollieren
  • "Versuchen Sie zu beweisen, dass Sie unrecht haben." - Popper würde sagen: Versuchen Sie zu falsifizieren. Man sollte also einen Advocatus Dialobi haben oder seine Rolle selber ausfüllen, um die Stichhaltigkeit einer Investitionsentscheidung zu prüfen.

Lustig finde ich die Überstellung von Socken und Aktien ("socks" vs. "stocks") in Kapitel "Risiko". Socken kauft man, wenn man sie braucht, Aktien kauft man, wenn andere sie habe wollen. Socken behält man jahrelang, Aktien verkauft man so schnell wie möglich. (Um nur zwei der Gegenüberstellungen zu erwähnen.) Was Zweig dem Leser wohl vermitteln möchte, ist, dass wir Aktien kaufen sollen, als wären es Socken.

Das letzte Kapitel "Glück" liest sich dann auch die Blogs der üblichen Verdächtigen wie von Tim Schäfer, Stefan Obersteller und anderen Sparhanseln inklusive meiner Wenigkeit. Man soll

  • den Fernseher ausschalten,
  • die Fahrt genießen (Ich habe immer was zu lesen dabei, wenn ich mit der Bahn fahre.),
  • sich weiterbilden,
  • die Konsumgelüste unterdrücken (schreibt Tim Schäfer in jedem dritten Beitrag)
Bringt mich persönlich nicht weiter, weil ich schon lange so lebe. Aber ist ja auch schön, wenn man auf diese Weise Bestätigung bekommt.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Es war mir eine gute Urlaubslektüre, habe wieder einiges gelernt und ich bin mir sicher, dass es für von vielen Investoren gewinnbringend gelesen werden kann, unabhängig davon, ob sie schon auf dem Pfad der Tugend sind, der sich "Buy and Hold" nennt.

Dienstag, 18. August 2015

Urlaub - Warum in die Ferne schweifen?

Meinen heutigen Beitrag habe ich an meinem ersten Urlaubstag begonnen zu schreiben. Früher konnte ich Urlaub an sich nicht viel abgewinnen, aber mittlerweile genieße ich es richtig. Und es ist Heimaturlaub. Warum in die Ferne schweifen? Ich komme aus einer Gegend, die wirtschaftlich zurückgefallen ist. Aber die Natur ist schön und das Meer ist nah. Und Logis ist kostenlos.

Und ich habe auch Glück gehabt mit dem Wetter. Was ich komisch finde: Die Deutschen mäkeln ständig über zu kühles Wetter, aber wenn es dann schön ist in Deutschland, dann wird verreist. Das dümmste wäre dann, zwei Wochen in einem Hotelkomplex am Mittelmeer zu verbringen. Was bringt das? Wenn man im Herbst ans Mittelmeer flöge, dann könnte ich das verstehen.

Obwohl es viele attraktive Ecken in meiner Heimat gibt, sieht man nur sehr wenig Einheimische, die die Angebote nutzen. Warum nicht einmal auf einer großen Wiese an einem Flussufer zu zweit oder mit der Familie picknicken? Oder man schnappt sich Decke, ein paar Bücher, und liest einfach. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich das Leben schön zu machen, und es würde nicht viel kosten. Warum nicht um 5:30 Uhr in der Woche aufstehen, Picknickkorb und Literatur schnappen ein Frühstück bis 7:15 machen, bevor man dann zur Arbeit fährt?

Aber selbst kürzere Wege werden kaum gegangen. Am ersten Urlaubstag suchte ich mir dann auch gleich ein schattiges Plätzchen im Garten und las ein wenig. Das hatte ich auch schon als Jugendlicher und Heranwachsender so praktiziert.
Mit einem Stapel Bücher im Garten bequem machen

Ich finde das komisch, dass das nicht mehr Leute machen. Ist Lesen vielleicht aus der Mode gekommen? Ich kenne so viele Leute, die so viel Arbeit in den Garten stecken, diesen aber als nächstliegendes Naherholungsgebiet nicht nutzen. Wann sieht man Leute in ihrem Garten sitzen oder in der Hängematten liegen? Schon recht selten.

Ich schwang mich natürlich auch in den Sattel und besuchte mir bekannte und unbekannte Orte. An einem schönen Flußufer kann man sich genauso gut bequem machen. Man kann die Natur beobachten, man kann die Seele baumeln lassen, nachdenken, man kann aber auch lesen.

Der Platz lädt doch geradezu zum Picknick ein.


  
Und natürlich hatte ich ein Buch dabei. Hier: Jason Zweigs "Gier".
Natürlich möchte man auch baden gehen. Pflanzen am Ufer sind ein wenig nervig und ich bin ja sowieso mehr der Typ fürs Salzwasser, also ab zum Strand:
Der Vorteil "meines Strandes" ist, dass er nicht überlaufen sind.


Und selbstverständlich hatte ich
wieder das Buch dabei
Ich bin mir sicher, überall in Deutschland findet man das eine oder andere nette Fleckchen, wo man sich niederlassen kann. Man muss nur die Augen offen halten. Man braucht kein großes Budget. Das beste aber wäre, wenn man das nicht unter Urlaub verbucht, sondern unter Alltag. Anstatt sich abends vor die Glotze zu hängen, fährt man einfach mit dem Fahrrad raus in die Natur. Und wenn man dabei noch etwas für die Bildung tun kann, umso besser. Ich sah auch schon Radfahrer, die sich mitten im Wald niederließen und einfach ihre Nase in ein Buch steckten.

Was habe ich für meinen siebentägigen Billig-Urlaub ausgegeben? Nur Geld für Fahrkarten: 120,90 €. (Kein Benzin, da ich immer nur mit Bahn und Fahrrad unterwegs war.) Kost hätte ich so oder so bezahlen müssen, deswegen zählt das nicht als Urlaubsausgabe. Hätte ich Logis bezahlen müssen, wäre das natürlich teurer gewesen; ich konnte zum Glück bei Verwandten unterkommen. Erstklassige Ferienwohnungen gibt es aber auch schon für 50 € pro Nacht.

Sonntag, 16. August 2015

Mit 20 km/h ins Glück.

Investieren ist wie Radfahren. Man verlernt es nicht. Langfristiges Investieren ist wie eine längere Radtour: Mal fährt man mehr als 20 km/h (bergab), mal weniger (bergauf), aber im Schnitt kann man mit 20 km/h rechnen.

Der Gedanke kam mir neulich beim Radfahren. Es war hügelig und natürlich macht es bergauf wenig Spaß. Aber alleine die Gewissheit (nicht die Hoffnung, denn die wäre spekulativ), dass es danach auch wieder bergab geht, macht die Sache erträglich. Man schaltet einfach in einen bequemeren Gang, akzeptiert einfach, dass es etwas langsamer vorgeht, weil man ja weiß, dass es gleich bergab geht.

Während man dann fährt, bekommt an ein Gefühl für die Landschaft, für die Natur. Im Gegensatz zu einem wie Koko Petkov ("erfolgreicher Daytrader"), kann man die Aussicht genießen, frische Luft einatmen, Sonne tanken und am Ende des Tages fällt man ins Bett und schlummert sofort ein. (Meine Schlafprobleme sind nach wenigen Tagestouren weg.) Ich bleibe investiert und kann mich auf andere Sachen konzentrieren, ob nun auf eine Radtour im Urlaub oder auf den eigentlich Beruf.

Sogenannte Daytrader können sich nicht mehr anderen Sachen widmen. Die denken nicht über den nächsten Hügel hinaus. Dass es langsamer vorangeht, weil es bergauf geht, lässt sie regelrecht verzweifeln. Es wird dann umso mehr in die Pedale getreten. Für das Drumherum hat man dann Zeit mehr. Dass man an Bäumen mit reifen Pflaumen vorbeifährt, übersieht man dann schon mal. Der Buy-and-Hold-Radfahrer sieht diese, hält an, und nascht ein wenig.

Am Ende erreicht man sein Ziel genauso, mit  höherer Wahrscheinlichkeit sogar (weil man sich keine Blessuren unterwegs holt) und mit viel weniger Aufwand.

Ich komme gut hin mit dem Durchschnittswert 20 km/h. Ich habe auch eine Gepäcktasche dabei, die mich etwas verlangsamt. Da ich auch nicht das Radfahren trainiere und auch nicht wie bekloppt in die Pedale trete. Täte ich letzteres, hätte ich sicher einen besseren Schnitt. Ich kann das Radfahren wärmstens empfehlen. Ich jedenfalls habe mich bestens erholt.

Samstag, 15. August 2015

Kann die Mehrheit denn nicht rechnen?

Ich freue mich über jede mehrwöchige Dienstreise. Gerade dann, wenn es ins Ausland geht. Warum? Es ist der Verpflegungsmehraufwand.

Meine Erfahrung ist, dass ich keinen Mehraufwand habe. Sicherlich habe ich keine Familie zu Hause, die ich miternähren müsste, was mein persönlicher finanzieller Vorteil ist. Das sind vereinfachte Bedingungen. Aber über 70 € extra, wenn es nach Skandinavien geht? Pro Tag? Ich habe die Erfahrung in Norwegen, Schweden und Dänemark machen dürfen. Ich hatte keinen Mehraufwand. Da ich Haushaltsbuch führe, weiß ich, dass mein mehrwöchiger Schweden-Trip sogar unterdurchschnittliche Ausgaben bei den Lebensmitteln mit sich brachte, obwohl ich mehrfach auswärts aß und zudem das reichhaltige schwedische Lakritzangebot (die Schweden sind verrückt danach) sehr gerne annahm und einige neue Dinge probierte. Ich nehme den Verpflegungsmehraufwand gerne mit und stecke ihn in Dividendendaktien.

Wer also setzt die Mehraufwände an? Leute, die nicht rechnen könne? Leute, die viel Alkohol trinken und von sich auf andere schließen? Neulich las ich einen Beitrag, da schrieb jemand: "Von weniger als 20 € pro Tag essen, das ist schon sehr sparsam." - Das wären 600 € pro Monat. Meine durchschnittlichen Ausgaben pro Monat für Lebensmittel sind ca. 210 € und ich lege es nicht darauf an, immer das billigste zu bekommen und ich greife auch bewusst zu höherwertigen Lebensmitteln, gerade beim Kaffee und beim Tee. Darin enthalten sind auch Restaurantbesuche.

Man lernt immer wieder dazu, genauso auch die Geschichte mit dem Kameraden, der seine Mach-3-Klingen nach einmaliger Nutzung wegwarf, weil er dachte, das wären Einwegklingen. Als sich das herumsprach, wurde gelacht und gespottet. Und er war richtig sauer, dass er jahrelang so viel Geld zum Fenster rauswarf.

Angesicht dieser Episoden frage ich mich, ob das nun unrühmliche Ausnahmen sind oder ich eine positive Ausnahme bin. Da der Verpflegungsmehraufwand Gesetz ist, scheint wohl die Mehrheit mit Geld nicht umgehen zu können. Das ist mein Vorteil und wohl die Basis meines zukünftigen Wohlstandes. Gerade auch, weil ich viel investiere, bin ich recht zuversichtlich.

Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich behandele mein Hab und Gut sorgsam. Die ersten beiden Punkte sparen mir mindestens 1000 € pro Jahr gegenüber dem Durchschnitt. Und weil ich meine Sachen sorgsam behandele, ist die Haltbarkeit auch viel länger. Wenn es 20 % längere Haltbarkeit über den Durchschnitt bedeutet (Auto, Handy, Computer etc.), dann ist das wie ein Dauerrabatt.

Diesen Gedanken äußerte ich mal gegenüber einem Kollegen: Sorgsam mit dem Hab und Gut umgehen, längere Nutzungszeiten erzielen, spart richtig Geld. Er hat mich verlacht, sagte aber auch, ich sei reich, als ihm eröffnete, ich hätte ein Aktiendepot von 10000 €. (Ist schon ein paar Jahre her.)

Beispielsweise: Der Durchschnitt kauft alle drei Jahre ein neues Smartphone und zahlt im Durchschnitt 200 €. In 42 Jahren sind das 14 Telefone. Ausgaben: 2800 € in der Summe. Dagegen tritt an: Susi Sorgsam nimmt sich vor, die Gerätschaften so gut zu pflegen, dass sie vier Jahre halten. Sie braucht nur 10,5 Geräte in 42 Jahren, also 2100 €. Der Gewinn ist aber größer als 700 €. Susi Sorgsam gibt 50 € pro Jahr für das Gerät aus, der Durchschnitt 66 2/3 €. Susi Sorgsam gibt die Differenz von 16 2/3 € in einen ETF zu 8 % pro Jahr. Nach 42 Jahren sind daraus stattliche 5493 € geworden. Und das nur, wenn sie Telefone ein Jahr länger nutzt.

Und das nur wegen eines besseren Umgangs mit dem Telefon. Es gibt so viele Dinge: Möbel, Auto, Fahrrad, Kleidung, Schuhe, Küchengeräte: Die Sachen einfach länger nutzen, ergibt eine hübsche Rendite, wenn man die Differenz investiert. Sparsamkeit ist die Grundlage des Vermögensaufbaus. Den Sparsamen gehört die Zukunft.

Freitag, 31. Juli 2015

Ich spare, weil...

Finanzrocker hat zu einer Blog-Parade aufgerufen und ich fühle mich berufen, meinen Senf dazu beizutragen. Eigentlich viel interessanter ist die Frage, warum ich über investiere und Vermögen aufbaue. Denn das Sparen besteht ja nur darin, bei den Ausgaben einzusparen und Gelder wegzulegen und das mache ich ja, um Mittel für die Investitionen zu haben. Warum also ich investiere ich? Warum baue ich Vermögen auf?

Dazu gibt es zwei Antworten: 1. Aufgrund meiner Erziehung kann ich nicht anders. 2. Ich möchte mir Zeit "kaufen".

Meine Eltern waren sparsame Menschen. Das können sich heute viele gar nicht mehr vorstellen: Trotz zweier niedriger Einkommen haben sie dennoch die Mittel angehäuft, um ein Haus auszubauen. Und das bei drei Kindern, bei einer kostspieligen Nikotinsucht meines Vaters und bei nicht sehr klug gewählten Versicherungen. (Mein Vater unterschrieb einfach alles.) Wenigstens lernte ich, dass man das Glück nicht im Konsumrausch erhält.

Wenn ich heute manche Akademiker-Dinks (Dink: double income, no kids) höre, die jammern, sie könnten es sich nicht vorstellen, wie sie sich ein Haus finanzieren... Was soll man dazu sagen? Da bleibt mir einfach die Spucke weg.

Und natürlich spare ich, weil ich es will. Mein Ziel ist tatsächlich die finanzielle Freiheit. 25 % meiner Ausgaben werden bereits durch Dividenden gedeckt.  Ich werde bei der Erreichung der 100 % sicherlich weiterarbeiten wollen, weil ich meinen Beruf mag und ich gerne arbeite. Ich möchte aber in der Hinterhand den Trumpf halten, die kündigen zu können.

Das kann ich nur, wenn ich möglichst schnell ein kleines Vermögen aufbaue, das mir Einkommen einbringt. Obwohl ich anfangs dieses Ziel gar nicht verfolgte und es sich erst vor dreieinhalb Jahren herauskristallisierte, war davor meine Sparquote schon extrem. Die letzten zwei Jahre waren im Fokus dieses Zieles und ich habe einiges dazu gelesen und viel durchgerechnet.

Warum finanzielle Freiheit? Um mir Zeit zu kaufen. Denn dem Menschen fehlt vor allem Zeit. Ich möchte mehr Zeit damit verbringen, Dinge zu machen, mit denen ich mich stärker identifizieren kann. Ich möchte nicht in die Situation kommen, bis ins hohe Alter nach der Pfeife eines anderen tanzen zu müssen. Und wenn ich dann vielleicht ab 50 nur noch halbtags arbeiten muss, wäre das doch toll.

Da ich auch gerne Familie haben möchte, möchte ich für diese da sein. Ein Vermögen im Rücken hilft dabei, denn dann kann man sich Zeit nehmen. Sollte ich mal Enkel haben, möchte ich, dass sie sich daran erinnern, wie ich ihnen als Opa Geschichten vorlas oder mit ihnen durch Wälder wandern ging. Ich möchte nicht nur Vermögen hinterlassen, sondern vor allem schöne Erinnerungen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ich ein guter Vater oder Großvater sein werde, habe ich doch immer ein offenes Ohr, bin nicht cholerisch, dafür aber sehr geduldig. Ich bin eigentlich genau so, wie mein Vater nie war. Und ich möchte keinem Kind der Welt so einen Vater zumuten, wie ich ihn hatte. Als ich Kind war, spielte er zweimal mit mir. Einmal ging es darum, irgendwas zusammenzuschrauben... da hat er fünf Minuten durchgehalten. Und dann hatten wir noch drei Partien Mühle gegeneinander gespielt. 10 Minuten. Also in der Summe 15 Minuten. Ich finde das armselig. Zum Vergleich: Mein Großvater kam uns einmal im Jahr besuchen und blieb nur wenige Stunden. Er hat sich fast immer zu mir auf den Boden gesetzt, mit mir geschraubt oder Legobausteine zusammengestöpselt. Und er hat nicht nach wenigen Minuten die Lust verloren. Das hat mich überwältigt, weil ich so viel positive Zuwendung gar nicht gewohnt war.

Und als Anmerkung an alle, die meinen, sie müssten ihre Kinder mit Spielzeug überhäufen: Mein Großvater investierte jeweils nur 30 Minuten Zuwendung (kostet nichts!) und nicht hunderte von Mark oder Euro, erzielte aber eine enorme Wirkung auf mich. Ich kenne eine junge Familie, da war das sechsjährige Mädel schon zwei oder dreimal in den USA. Das Kind hat viele Spielsachen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass der Vater viel mit seiner Tochter spielt. Später wird die Tochter bestimmt ihren Vater fragen: Warum hast du nicht häufiger mit mir gespielt? Dass die USA-Reisen und das Spielzeug viel Geld kosteten, wird vom Kind als Zuwendung nicht akzeptiert. Der Vater ging sogar Nebenjobs nach, weil das Geld sonst nicht gereicht hätte, aber die Leasing-Raten für einen fetten BMW mussten ja bezahlt werden. Wer für Geld arbeitet, verkauft seine Zeit; das darf man nie vergessen. Und dann würde ich als Familienvater lieber einen billigen gebrauchten Wagen fahren anstatt für meine Kinder nicht da sein zu können.

Es ist nicht nur so, dass man überall von Vernachlässigung liest und über die Schwierigkeiten, die sich dadurch für das Kind ergeben. Ich habe sie doch selbst gespürt und meines Erachtens wurden mir dadurch einige schwere Steine in den Weg gelegt: Geringes Selbstwertgefühl, schlechtere Bildung im Vergleich zu Gleichaltrigen, mangelndes Vertrauen darauf, dass mich irgendwer unterstützen würde. Vieles musste ich nach meinem Abitur erst erarbeiten. Es fehlt mir immer noch das Grundvertrauen darauf, dass man mir im Notfall hilft. Ich habe den Eindruck: Sollte mir was zustoßen, hilft mir keiner. Sparen ist damit auch das Resultat einer kleinen Psychose.

Ich spare und investiere also, um mir Zeit zu verschaffen. Und Zeit möchte ich haben, weil ich mich besser um meine zukünftige Familie kümmern möchte, und den Kindern eine bessere Bildung angedeihen zu lassen. Ich hätte auch kein Problem damit, der Frau den Rücken für eine eigene Karriere freizuhalten. Und für mich persönlich möchte ich auch noch mehr Zeit, um mich zu bilden. Es gibt so viel Literatur, die ich noch lesen, so viele Theaterstücke, die ich noch besuchen und so viele Musikstücke, die ich noch hören möchte. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich später mal Ehrenämter übernehme, wie z. B. in einer örtlichen Bibliothek oder in einem Sportverein. Open-Source-Software könnte man auch programmieren.  Und warum soll man in höherem Alter nicht auch noch ein Instrument lernen? Werner Heisenberg nahm mit über 30 noch Klavierunterricht.

Finanzielle Freiheit würde mir dabei helfen. Was ich für mein Glück gewiss nicht brauche:  Pauschalurlaube, dickes Auto, großes Haus, ständige Restaurantbesuche und Party. Ich bin irgendwie immun für die typischen deutschen Mittelstandsträume. Ich könnte ja darauf spekulieren, im Lotto zu gewinnen, aber da denke ich zu realistisch. Ich weiß, dass man selbst mit einem durchschnittlichen Angestellten die finanzielle Freiheit mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen kann, wenn man will. Aber dazu muss man sparen, sparen, sparen und dazu sind viele nicht bereit.