Montag, 30. März 2015

Zeitumstellung - Ein Plädoyer für die Sommerzeit

Während ich diese Zeilen beginne, ist die Sonne noch nicht aufgegangen. Es ist Ende März, die Zeitumstellung war gestern. Zweimal im Jahr entzündet sich bei Spiegel Online und Co. eine Diskussion über den Sinn und Unsinn der Sommerzeit.

Ich bin jemand, der morgens gut aus dem Bett kommt, wenn er will. Ein Morgenmuffel war ich nie. Ich erinnere mich auch gut an die Zeit als Student. Ich hatte im Sommer viele Vorlesungen, Termine, Verpflichtungen. Für ein Programmierprojekt war die Zeit knapp, bis ich mir vornahm, doch den frühen Morgen zu nutzen. Um fünf Uhr aufstehen, an den Computer setzen und programmieren. Es waren sehr produktive Stunden. Ich genoss die frische Luft und die Ruhe.

Um 7 Uhr öffneten die ersten Discounter in meiner Umgebung. Ich war oft der Erste und der Einzige im Discounter kurz nach 7 Uhr. Ich profitierte von der Abwesenheit der Warteschlangen an der Kasse. 7:20 Uhr hatte ich dann auch schon frische Brötchen und konnte frühstücken.

7:20 Uhr quälten sich andere gerade erst aus dem Bett und vertrödelten die - meines Erachtens - schönste Zeit des Tages.

Was hat das mit der Sommerzeit zu tun? Im Sommer erleben wir Sonnenaufgänge kurz vor 5 Uhr morgens Sommerzeit, also kurz vor 4 Uhr Winterzeit. Ich hätte kein Problem damit... Ich stände früh auf und nutzte diese Zeit. Aber viele andere Menschen können und wollen nicht. Die Schule öffnet ja auch nicht eine Stunde früher. Die Eltern können auch nicht unbedingt eine Stunde früher zur Arbeit. Und mein Eindruck ist, dass viele nicht wollen. Viele nölen herum, um 6 Uhr aufzustehen, wäre zu früh. Aber wenn draußen die Sonne scheint, ist es eben nicht zu früh, denn das Sonnenlicht macht ja wach.

Es ist also ein kleiner Trick, um Menschen dazu zu bewegen, früher als üblich aufzustehen. Zudem beseitigt es das Problem, dass Schichtsysteme und Fahrpläne zu stark angepasst werden müssen. Nicht jeder arbeitet Gleitzeit.

Ich begrüße die Sommerzeit. Dennoch empfehle ich, dass man im Sommer mehr auf die innere Uhr hört, also nicht zwanghaft bis 7 Uhr schläft, obwohl man längst ausgeschlafen hat.

Was hat das mit finanzieller Freiheit zu tun? Als Angestellter verkaufe ich meine Zeit gegen Geld. Ich steigere mein passives Einkommen, weil ich irgendwann wieder mehr Zeit für mich haben möchte. Ich schätze Zeit, deswegen werfe ich sie ungern weg.

Typisch für mich ist auch, dass ich bevorzugt am Morgen Bahn fahre, so früh wie möglich. Da kann ich mir sicher sein, dass der Zug pünktlich, sauber und menschenleer ist. Ich kann im Zug genauso schlummern oder Zeitung lesen oder frühstücken. Es gibt Menschen, die machen sich um 4 Uhr morgens mit dem Auto auf, um von leeren Autobahnen zu profitieren. Es gibt aber auch Menschen, die lieber ausschlafen und dann in den Stau fahren.

Hätte ich Probleme mit dem frühen Aufstehen und ich könnte wählen zwischen einer Stunde früher Aufstehen und einer Stunde Stau, dann wählte ich das frühere Aufstehen.

Sonntag, 29. März 2015

Das Pulverfass Betriebsrente

Ich las gerade einen Artikel auf FAZ Online über Betriebsrenten. Geschrieben steht, dass die Unternehmen sehr hohe Verbindlichkeiten eingegangen sind und weil Betriebsrenten über Anleihen finanziert werden, leiden Betriebsrenten umso mehr wegen der niedrigen Zinsen.

Ich bin Gegner von Betriebsrenten. Warum? Dem Unternehmen werden jahrzehntelange Verbindlichkeiten aufgedrückt, was die Handlungsfähigkeit des Unternehmens einschränkt. Ich bin auch gegen Betriebsrenten, weil sie Leibrenten sind. Die Leute sollen neben der gesetzlichen Rente keine zweite, freiwillige Leibrente haben, sondern schlicht und ergreifend Vermögen aufbauen.

Betriebsrenten sehe ich auch als sinnlosen Versuch, den Leuten einen auskömmlichen Lebensabend zu finanzieren. Die Illusion der garantierten Zusatzrente ist eine teure Angelegenheit. Man muss eine Menge bewerkstelligen, um einen konstanten Vermögenszuwachs (bzw. Anspruch auf Leibrente) vorzugaukeln, obwohl die Entwicklung der Wirtschaft so nicht abläuft.

Mein Verdacht: Man möchte nicht, dass der Facharbeiter sein Glück an der Börse sucht, finanzielle Kompetenz erwirbt und möglicherweise dann auch noch aus der Gewerkschaft austritt. 

Man stelle sich vor, statt des Leibrentenquatsches hätte es Belegschaftsaktien gegeben oder vermögenswirksame Leistungen in Form von ETF-Anteilen, oder einfach nur mehr Gehalt bzw. Lohn, sodass die Arbeitnehmer mehr Spielraum gehabt hätten. Es wäre vererbbares Vermögen gewesen. Statt einer garantierten zusätzlichen Leibrente von vielleicht 500 € pro Monat bekämen die verrenteten Facharbeiter Dividenden. Sicherlich mehr, aber halt nicht konstant. Warum soll man dem Rentner keine Schwankungen zumuten?

Ich sehe es  auch als schädlich an, dass man so viele Menschen von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abkoppelt. Die Menschen sollen es gerne spüren, wenn es schlecht und wenn es gut läuft. Eine variable Rente ist eine Information, ob man den Gürtel enger schnallen muss oder nicht. Indem man diesen Informationskanal abschnürt, schadet man der gesamten Volkswirtschaft.

Folgendes Gedankenexperiment: 15 Millionen Autofahrer haben das Privileg,  zum Konstantpreis zu tanken. Die anderen 25 Millionen Autofahrer müssen variable Preise in Kauf nehmen. Es gibt eine enorme Verknappung,  z. B. aufgrund eines Krieges. Was sieht man? 15 Millionen Autofahrer, die gar nicht betroffen sind und immer noch so tanken wie vorher, als gäbe es keine Ölknappheit. Die können Spaßfahrten machen, während essentielle Fahrten wie Lebensmitteltransporte unter Preiserhöhungen für Benzin leiden, noch stärker als sonst, weil die Spaßfahrer das Benzin zusätzlich verknappen. Dadurch würde es teurer zum Schaden aller!

Preise sind Informationen für die Knappheit eines Gutes, deshalb finde ich die ganze Fokussierung auf die Rente, auf die Idee, im Alter konstante Renten zu überweisen für verkehrt. Es genügt, dass wir eine staatliche Rente haben. Dazu private Renten (Riester, Rürup, Betriebsrente) dazugesellen, ist volkswirtschaftlich gesehen töricht.

Samstag, 28. März 2015

BRICS-Staaten und der politische Nonsens drumherum.

Es genügt ein Akronym, das zeigt, wie dumm manche Putinversteher sind: BRICS.

Was ist BRICS?  BRICS steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Der Begriff stammt aus den oberen Etagen von Goldman Sachs. BRICS umfasst die fünf genannten, aufstrebenden Volkswirtschaften. Politiker nahmen das Schlagwort auf und es gab ein paar Veranstaltungen unter diesem Akronym, es ist aber kein politisches oder ökonomisches Bündnis.

Mit BRICS wurde um Gelder geworben; es gab und gibt BRICS-Fonds. Sowohl Fonds-Betreiber als auch die betroffenen Ländern wollen Investoren, weshalb die Staatschef dieser fünf Nationen bereitwillig mitmachten. Das ist ja okay. Ob es für den Anleger lukrativ war, weiß ich nicht. Das ist hier auch uninteressant.

Lustig finde ich dann Putinvesteher, die meinen, die USA hätten Angst, dass sich die BRICS-Staaten zusammentäten. Nochmal zum Mitschreiben: "BRICS" ist eine Erfindung einer amerikanischen Investmentbank. Goldman Sachs hat sogar einen jüdischen Hintergrund... irgendwie lustig, dass Putinversteher, die meistens auch Antisemiten sind, das übersehen. Und natürlich klagen sie Goldman Sachs an, dass sie den USA ein gutes Rating verpassen, während Griechenland ein schlechtes bekommt.

Hier haben wir ein Beispiel, TheLawsoftheUniverse schreibt:
Gut, dass es noch Menschen wie Dirk Müller gibt, die den Mut haben, Stellung zu beziehen und die Wahrheit auf zudecken.  Es war so mühsam, nach dem 2. Weltkrieg und dem kalten Krieg gute Beziehungen zu Russland aufzubauen. Jahrzehnte hat es gedauert. Mittlerweile ist Russland in vielen Bereichen ein wichtiger Handelspartner geworden. Und jeder weiß, dass Deutschland vom Export lebt und abhängig ist. Die USA-Hörigkeit unserer Politiker hat  die deutsche Wirtschaft durch Sanktionen vielleicht dauerhaft beschädigt. Letztendlich wird Deutschland den meisten Schaden davon tragen. Russland hat gute Kontakte zu China und den südamerikanischen Bricsstaaten. Was könnte die USA wohl mehr fürchten als eine große eurasische Handelsbrücke.
KritischerLeser schreibt:
Die Spatzen, Krähen und diebische Eltern pfeifen es von allen Dächern und Baumkronen: nach Kiew und Ukraine nehmen sich die Falken in Washington nun den nächsten Staat vor, der die BRICS-Staaten mit anführt und den US-Dollar nicht mehr “füttern” will: nach Rußland folgt China.
FensterBANK schreibt:
Wie erklärst du dir dann Byrds Scheitern bei der Operation Highjump? Warum ist man dann nicht gleich mit offen jüd. Politikern in der besetzten BRD gestartet?
Warum fürchtet man die germanische Kultur und die Runen? Warum hat man 13 Staatsverträge gegen Deutschland geschmiedet? Wovor hat man so Angst, wenn doch Hitler ein Feindagent gewesen sein soll? Wieso wird die NSDAP und vor allem, warum werden die okkulten Lehren so verteufelt?
Wieso sollte man Angst vor etwas haben was man selbst kreiert hat? Hitler kann kein Feindagent gewesen sein. Das Einzigste was die vielleicht als Gemeinsamkeit mit den Zionisten betrachtet werden kann, war eine Heimat für den Volksstamm zu finden. Einerseits wollte man diese Fremdkörper im Deutschen Reich nicht länger haben, andererseits wollten die Zionisten ein rassisch-reines Gebiet für Juden errichten. Bei diesem Aspekt war man sich einig und zog an einem gemeinsamen Strang. Umsiedlung.
Auf euro-med.dk wird in diesem Zusammenhang auch viel Blödsinn breitgetreten.
Auch wird von den Mainstreammedien vergessen beim Thema Russland, gegen die BRICS-Staaten insgesamt zu hetzen. Jedesmal ist es Putin der zum absolut Bösen stilisiert wird. Wo kritisiert man den Südafrikanischen Präsident, die Brasilianerin, den Chinesen, den Inder? Nirgends!
Alle bilden ein Gegengewicht zum Westen, nicht nur Putin. Bei ihm geht es nur um die geostrategische Lage der Ukraine und dem Schwarzen Meer.

BRICS taucht erst im vorletzten Absatz auf. Ich möchte dem Leser nur nicht vorenthalten, um was es sich für Leute handelt, die so einen Unsinn über BRICS verfassen. In Falle von "FensterBANK" eindeutig antisemitisch und deutschnational.

Man muss nur ein wenig googlen und man bekommt eine Vorstellung davon, wie Verschwörungstheoretiker, Putinversteher, PEGIDA- und Blockupy-Leute, Links- und Rechtsradikale ticken. Dirk Müller ist mittendrin. Ich habe schon vor einiger Zeit erwähnt, es würde mich nicht wundern, dass Dirk Müller sich mal dediziert antisemitisch äußert. Darauf warte ich noch. Was ich aber gefunden habe, dürfte interessant sein:

(Quelle: http://www.bueso.de/node/5841)

Die Partei BüSo zählt zum rechtsextremistischen Spektrum. Dort ist die jüdische Weltverschwörung seit Jahrzehnten Teil des Weltbildes. Auf diese Leute hat sich Müller eingelassen.

Ich bin politisch mittelmäßig bis gut informiert und ich wusste "BüSo" sofort einzuordnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dirk Müller das nicht wusste. Zur NPD würde er nicht gehen, da bin ich mir sicher. Und wenn er es nicht wusste, warum hat er sich nicht informiert? Warum hat er nicht recherchiert? Er verteidigt sich doch immer, dass alles was er schreibt und sagt, erstklassig recherchiert und Quellen belegbar wäre. Hat Recherche-Profi Müller etwa nicht recherchiert, was BüSo ist?

Nachdem ich die Seite http://www.bueso.de besuchte, begrüßte mich zufälligerweise dieses Bild:


Ist das Bildchen nicht lustig? Da wird ein Gegensatz konstruiert, der nicht existiert. Der Forderung zufolge, arbeiten USA, Europa und BRICS-Staaten heute nicht miteinander zusammen, was ja Unfug, denn BRICS ist eine Erfindung einer amerikanischen Investmentbank und das Verhältnis von Indien zu China beispielsweise ist so unterkühlt wie zwischen Frankreich und Deutschland vor 120 Jahren.

Sobald sich das BRICS-Geblubbere der Putinversteher allgemein als hohl erweist, wird wieder der jüdische Hintergrund der BRICS-Erfinderin Goldman Sachs ins Spiel kommen, wenn sich Brasilien, Südafrika und Indien stärker an die USA orientieren (noch stärker als heute schon). Ich bin mir sicher, dass genau das passieren muss. Da kann man doch eine schnieke antisemitische Verschwörungstheorie drumherum basteln.

Als ich den Artikel begannt, wusste ich nicht, dass mich das Thema wieder zu Dirk Müller hinführt. Es ist nicht so, dass ich danach gesucht hätte. Dirk Müller ist bei Google oft vorne mit dabei, wenn es danach geht, Exemplare putinversteherischen Nonsens zu Tage zu fördern.

Wer sich von meiner Überschrift weniger politisches versprochen hat, sondern mehr finanzielles, den möchte ich nicht enttäuschen: Ich investiere nicht in BRICS-Länder, weder Fonds, noch Einzelinvestments. Der Grund ist folgender.

1. Diese Länder sind zivilisatorisch noch nicht ausgereift genug, keine echten Rechtsstaaten. Bei China und Russland handelt es sich um handfeste Diktaturen. Südafrika, Brasilien und Indien sind instabile Demokratien.

2. Ich kann kein Russisch, kein Chinesisch und kein Portugiesisch.

3. China, Indien und vor allem Russland sind außenpolitisch aggressiv. Putin hat sämtliche Russlandinvestoren enorm getäuscht und enttäuscht. Die Annektion der Krim zeigt, dass Putin nichts von westlichen Werten hält. China ist genauso drauf. Chinas Krim heißt Taiwan und dort kann das passieren, was wir bei der Krim beobachten konnten.



Montag, 9. März 2015

Der Mythos von der geplanten Obsoleszenz

Seit Jahren ist sie ein Thema: die geplante Obsoleszenz. Was heißt das? Geräte sind so kontruiert, dass sie gezielt den Geist aufgeben, am besten ein Tag nach Ablauf der Garantie. Die Frage ist nur: Woher weiß der Hersteller eines Gerätes, wann die Garantie abgelaufen ist? Die bezieht sich nämlich auf das Datum des Vertragsabschluss zwischen Kunden und Händler.


Ich halte es für einen Mythos, für eine Verschwörungstheorie. Jeder macht vielleicht Erfahrungen mit Geräten, die schnell kaputt waren. Die Erfahrungen machte ich auch. Aber wenn ich mir das Zeug anschaue, von dem ich umgeben bin, dann halten die Geräte doch schon sehr lange. Und man auch sehen, dass Geräte von heute viel kompakter gebaut sind und wir auch von viel mehr Geräten umgeben sind, die kaputt gehen können.

Nur ein paar Beispiele: Im letzten Jahr schrieb ich ja, dass ich mir ein neues Motherboard kaufen musste. Nach fünf Jahren Einsatz bei mir... Was davor war, weiß ich nicht, da ich es gebraucht kaufte. Die anderen Teile laufen nach wie vor. Mein Trackball von 2009 läuft heute noch. Ich kaufte im Januar 2010 auch ein Netbook. Nach einem Versehen beim Aufladen war der Akku tiefenladen. Es war wirklich kein Spaß mehr, damit zu hantieren. Aber nach fünf Jahren intensiver Nutzung kann sowas schon mal kaputt gehen, denke ich. Es viel auch schon paar Mal zu Boden und lief anstandslos weiter, trotz klassischer Festplatte. Ich habe das Netbook nun entsorgt.

Häufig lese ich auch darüber, dass Personen Energiesparlampen kaufen, diese dann aber nach wenigen Tagen oder Wochen schon kaputt waren. Komisch, dass mir das nie passierte. Ich kaufte seit 2001 etliche von Energiesparlampen. Zwei gaben nach 10 Jahren intensiver Nutzung (> 10000 h bzw. > 15000 h) den Geist auf. Eine Lampe ging kaputt, weil sie in Wasser getaucht war (das kann man dem Lampenhersteller nicht ankreiden) und eine ging tatsächlich recht früh kaputt. Aber die anderen 40 Lampen laufen und laufen. Ich glaube es einfach nicht, wenn andere sagen, ihre Lampen gängen so früh kaputt. Die müssen eine schlechte Hauselektrik haben, denke ich mir.

Mein aktueller Fernseher ist von 1994. Ich denke gar nicht an einen Neukauf. Dass Kühlschränke schnell kaputtgehen, kann ich auch nicht bestätigen. Mir ging noch nie ein Kühlschrank kaputt.  Mein aktueller Kühlschrank wurde 2009 gekauft. Auch meine Telefone halten recht lange. Mein letztes hielt sechs Jahre und dann wurde ein versehentlicher Waschgang bei 40 °C zum Todesurteil.  Vielleicht gehe ich auch einfach sorgsamer mit meinen Sachen um, dass sie viel länger halten. Wer weiß das schon. Von anderen Leuten höre ich, dass denen das Mobiltelefon innerhalb von wenigen Wochen zweimal ins Klo fällt.

Die Diskussionen über das Thema laufen eigentlich immer gleich ab. Da wird viel gemeckert über "Kapitalismus". Eine Standardphrase ist: "Das muss so sein, denn Konsum, Konsum, Konsum kurbelt die Wirtschaft an." - So eine Aussage zeugt von völliger Unkenntnis davon, was wirtschaftliches Wachstum ist. Natürlich werden die Hersteller als Ausbeuter dargestellt, die uns mit mangelhafter Technik das Geld aus der Tasche ziehen. Es ist eine Melange aus Kapitalismuskritik und Verschwörungstheorie.

Schon vor 25 Jahren sagte mein Vater: "Kapitalismus ist, wenn Hühner gezüchtet werden, die kleinere Eier legen, aber mehr davon. Und dann wird nach Stück verkauft und nicht mehr nach Gewicht." - Mein Vater war leider ein recht dummer Mensch. Mich erinnern diese Diskutanten an meinem Vater und kann sie nicht besonders ernst nehmen. Die glauben, besonders kluge Gedanken in die Welt hinauszuposaunen, sie glauben, den Durchblicker zu haben und dann denken sie wie ein zurückgebliebener Mann, der bis zum Schluss der DDR nachtrauerte, jahrelang die PDS wählte und in Gelddingen jeden Fehler machte, den man machen konnte.

Wahrscheinlich machen die, die den Kapitalismus auf diese infantile Weise kritisieren, die gleichen Fehler, die mein Vater machte: Dussliger Konsum (Rauchen, kaum genutzte Videokamera teuer anschaffen, aber im Dorf der erste mit sowas; teures Auto) kombiniert mit schlechten Geldanlagen: Kapitallebensversicherung, Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr, Bausparvertrag, Sparbuch... Als meine Mutter starb, gab's ordentlich Geld aus ihrer Lebensversicherung. Das hätte genügt, um die Schulden aus dem Hausbau mit einem Schlag zu tilgen und es wäre noch einiges übrig geblieben. Er sagte mir, es wäre besser, man tilgt nicht sofort, sondern "hat was auf der hohen Kante". Das hätte ihm der Sparkassenvertreter so gesagt. Kurzum: Für die Sondertilgung hat er keinen Pfennig aufgebracht, stattdessen kaufte er sich ein Auto, welches eigentlich viel zu teuer für ihn war.

Und ihm gingen auch die Dinge schnell kaputt und er meckerte rum. Die Meckerer aus den Internetforen erinnern mich sehr an ihn. Nur nur zwei Beispiele aus Diskussion unterhalb eines kürzlich erscheinenden Artikels bei SPON:

"vrdeutschland" schreibt:

Von Mutti so gewollt

wir müssen die Inlandsnachfrage und den Konsum stärken ! Jawohl ! wir brauchen Wachstum, Wachstum, Wachstum! Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder seinen Grundig-Röhrenfernseher und seinen Mercedes 190er noch nutzen würde. Notfalls muss man durch staatliche "Anreize" das Wegwerfen fördern


"Partyzant":

System

Das system ist auf Wachstum aufgebaut, deshalb muss immer schneller alles erneuert, ausgetauscht oder nachgerüstet werden. es entstehen politische Systemstützungen wie die Abwrackprämie für funkzionstüchtige Autos, alles muss wachsen, der Konsum rollen-würde das System auf Nachhaltigkeit ausgelegt, würde der Kapitalismus zusammenbrechen in seiner jetzigen Form. Traurig für den Planeten und seinen Bewohnern...
 Ich empfinde solche Beiträge als empörend blöde. Das Internet hat ja den Vorteil, dass man auf den ersten Blick nicht erkennt, was für ein Idiot da schreibt. Wir wissen nichts über die Berufe jener Leute, den Bildungsgrad, das Einkommen. Man kann sich nur auf das Geschriebene verlassen. Die einen geben sich noch Mühe, das Zeug kritisch zu lesen, andere nehmen die Ergüsse ungefiltert auf.

Mittwoch, 4. März 2015

Von der Pflicht zu impfen

Ich bin ein Liberaler, bin nicht gerade ein Befürworter von staatlichen Verboten und Zwängen. Nicht, weil ich der Freiwilligkeit prinzipiell, bessere Ergebnisse zubillige. Ich lehne die meisten Zwänge ab, weil ich nichts davon halte, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Oft ist es so, dass ich mich gegen staatlichen Zwang entscheiden muss und bewusst in Kauf nehme, dass die Ergebnisse schlechter sind. Gerade im Finanzbereich und im Bereich der Altersvorsorge bin ich dafür, dass dem Einzelnen mehr Verantwortung und mehr Handlungsspielraum zugebilligt wird. Da kann einiges schiefgehen. Aber wenn jemand mit seiner Aktienauswahl hinfällt, hat er wenigstens was gelernt und macht es beim nächsten Male besser. Langfristig gesehen ist es sogar besser, wenn die Bevölkerung ein gesundes Verhältnis zum Investieren bekommt.

Es gibt aber Zwänge, die ich befürworte, weil sie sich notwendig ergeben. Weil ich diese Bundesrepublik befürworte, muss ich zwangsläufig auch die Steuererhebung befürworten, um Militär, Polizei, Justiz, Infrastruktur usw. zu finanzieren. Auch die gesundheitliche Infrastruktur, d.h. Krankenhäuser.

Und für mich gehören Pflichtimpfungen zu einer repressiven Maßnahme, die ich ausdrücklich befürworte. Der Grund, dass ich jetzt über dieses Thema schreibe, sind die Ereignisse der letzten Wochen. Die Medien berichteten über Maser-Fälle in Berlin und es sind nicht gerade wenige. Eine Impfpflicht wird diskutiert.

Wer positioniert sich dagegen? Es sind Ökopaxen, grüne Mittelschichtler, die ihren Kindern das Impfen vorenthalten. Man ängstigt sich um Impfnebenwirkungen und nimmt die viel gefährlichere Krankheit in Kauf. Ist es nicht seltsam, dass sich Ökopaxen für so viele repressive Maßnahmen einsetzen, deren Wirkungen eher zweifelhaft sind. Da ist die Förderung des Bioanbaus, der "erneuerbaren Energien" und Maßnahmen für den "Klimaschutz". (Häuser werden in gut brennbaren Sondermüll verpackt.) Ist es nicht unverantwortlich, sich um den Menschen des Jahres 2060 und seinem Klima zu sorgen, während man im Hier und Heute die Masern-Erkrankung in Kauf nimmt?

Grüne sind auch für das Rauchverbot, immerhin gibt es Passivraucher, die geschädigt werden können. Warum zählt dieses Argument nicht beim Impfen? Es gibt Menschengruppen, die nicht geimpft werden können und daher schutzlos dem Virus ausgeliefert wären. Vom einmaligen Passivrauchen nimmt niemand ein Leben lang Schaden; noch nicht einmal von regelmäßigen Passivrauchen, wie ich es als Kind erlebt habe. Sich aber mit Masern anzustecken, kann tödlich enden. Im Bereich der Altersvorsorge gibt es so viele Zwänge. Wenn es kracht und die Kurse im Keller sind, ist dies ein momentaner Zustand, der sich wieder ins Positive ändern kann. Der Tod aber ist irreversibel.

Und dann sind da noch die Kosten. Grüne rechnen einen vor, wie teuer es wäre, weil wir die ganzen Raucher und ihre Krankheiten finanzieren müssen. Wie teuer aber ist es für die Gesellschaft, wenn Menschen wegen Krankheiten, die man eigentlich schon im Griff hatte, lebenslang am Rollstuhl gefesselt sind?

Häufig gelesen bei Impfgegnern habe ich auch, dass das Thema Impfen von der Pharma-Industrie angeheizt würde und die Ärzte entsprechend "Propaganda" machen und vermeintlich unnötige Impfungen empfehlen. Das kann ich nicht bestätigen. Bestimmte Impfungen holt man sich, wenn man beispielsweise bestimmte Risikoländer bereisen möchte. Die Impfung gegen Hepatitis A wird nur empfohlen, wenn eine Reise in ein Risikoland tatsächlich ansteht. Das wird jeder Arzt so sagen. Und da ist die Sache mit der Pharmaindustrie: Impfstoffe sind ein standardisiertes Massenprodukt, die Marge ist recht gering und was am meisten dagegen spricht, ist die Tatsache, dass wir jahrzehntelang einen sozialistischen Block in Europa hatten. Da gab es keine ach so böse Pharmaindustrie mit Profitinteressen und die Sozialisten haben sich dennoch für die Impfungen stark gemacht. Aus Sicht der Impfgegner sind 40 Jahre Eiserner Vorhang Teil der Verschwörungungstheorie mit einer Pharmalobby, die uns abzocken will. Bekanntlich war Walter Ulbricht auf der Gehaltsliste von Roche. :-)

Übrigens würde die Pharmaindustrie viel mehr Kasse machen, wenn die Leute krank würden. Ein an Masern Erkrankter ist ein besseres Geschäft. Die Medikamente, die bei erfolgter Erkrankung zum Einsatz kommen, sind dann richtig teuer.

Nicht alle Liberalen teilen meine Auffassung, dass wir einen Sozialstaat benötigen oder ein solidarisches Gesundheitssystem. Ich stehe auch ein wenig über Kreuz mit dem Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, z. B. gefällt mir nicht, das alles auf die Altersrente fokussiert ist. Ich finde ein gutes und solidarisches Gesundheitssystem sehr viel wichtiger und zahle gerne dafür, dass wir gute Krankenhäuser haben und ein dichtes Netz an Arztpraxen. Aber wer von mir und anderen verlangt, dass Steuern und Abgaben dafür abgedrückt werden, der hat die moralische Pflicht, die Kosten gering zu halten und zwar auch durch Vorbeugung und dazu gehört die Impfung.