Samstag, 11. April 2015

Der Schneeball wurde ins Rollen gebracht... es funktioniert.

Heute in der Post gab es wieder einen erfreulichen Brief meiner Bank: Wieder bekam ich 224,28 € Quartalsdividende von einem Pharma-Riesen.

2008 war ich mit dem Studium fertig, 2009 konnte ich genug erübrigen, um erstmals Aktien zu kaufen. Das ist nun sechs Jahre her. Ich machte mir keine große Gedanken darüber, dass man systematisch und viel in Aktien gehen kann; ich wollte nur ein wenig Altersvorsorge betreiben. Ich dachte mir nur: Aktien sind als Unternehmensanteile langfristig das beste Investment. "Zocken" wollte ich nie. Mir schwebte nur vor, lächerliche 2000 € pro Jahr in Aktien zu investieren... Zudem war 2009 der optimale Zeitpunkt, um einzusteigen. Dessen war ich mir bewusst.

Angefixt durch erste Dividenden, durch Literatur (Kostolany, Otte, Claer und Co.) und durch Blogs bin ich in die Vollen gegangen und habe 20000 € und mehr pro Jahr investiert. Natürlich stieg jährlich auch mein Gehalt, während meine Lebenshaltungskosten nicht stiegen. Ich sehe sogar eine Perspektive, dass mir die Dividenden schon in wenigen Jahren ein sorgenärmeres Leben bereiten. Sie war anfangs nur theoretisch, aber mittlerweile diese Perspektive plastisch greifbar.

Einer der ersten Schneebälle war mein SAP-Investment 2009. Damals war die Dividende noch bei 50 Cent. In diesem Jahr erwarten mich 1,10 €. Mit einem solchen Dividendenwachstum rechnete ich anfangs gar nicht, mittlerweile ziehe ich es ins Kalkül. Immerhin entspricht diese Steigerung von 0,50 € auf 1,10 € in sechs Jahren eine Steigerung von 14 % jährlich. Die Sonderdividende vom vorletzten Jahr gab es obendrauf. 2010 gab es auch nur 0,50 €, d.h. betrachtet man nur die letzten fünf Jahre, sind es sogar 17 % Dividendensteigerung jährlich.

Man kann das hochrechnen. Ich rechne konservativ mit weiteren 13 % Dividendenwachstum pro Jahr. In den nächsten 20 Jahren kann es zur 11,5-fachung der heutigen Dividende kommen. Ich bekomme in diesem Jahr 132 € von SAP. In 20 Jahren vielleicht schon 1518 €, wenn ich nichts dazukaufe oder verkaufe.

Ich erinnere mich, wie ich anfangs belächelt wurde. Ein Kollege von mir legte 2009 sein Geld auf das Tagesgeldkonto. Für die einmalige Chance seines Lebens, 2009 nach einem Crash in Aktien einzusteigen, war er nicht empfänglich.  Ein anderer Kollege prahlte mit seinem Aktienfonds. Immerhin was mit Aktien, aber er bezahlte auch eine Menge Gebühren. Ein dritter Kollege ("Buddy") verprasste alles.

Und ja, es geht weiter. Ein Großteil des Gehalts wird weiter in Aktien investiert. Die Dividenden vermengen sich mit dem restlichen Guthaben auf meinem Girokonto und werden reinvestiert. Meine Unternehmen schütten auch nicht alles als Dividenden aus, d.h. auch innerhalb des Unternehmens wird auch thesauriert.

Momentan habe ich auch genug Arbeit um die Ohren, statt das Leben "genießen" zu können. Ich setze auch nicht Genuss mit Konsum gleich... Das sind ja typische Vorwürfe von Hedonisten an Leute wie mir: Man würde das Leben nicht genießen. Unter Genuss und Lebensfreude stellt sich aber jeder etwas anders vor. Wer aber Lebensfreude bzw. Genuss mit Konsum gleichsetzt, der wird auf Dauer nicht vermögend.

Über Tim Schäfer fand ich einen interessanten Artikel im auf entrepreneur.com. Ich kann diesen sieben Punkten zustimmen. Ich zähle mich nicht zu den Reichen, bin es objektiv gesehen auch nicht, aber ich bin wohl auf einem guten Weg dorthin. Ich verfolge langfristige Ziele, ich schaffe mir passives Einkommen, ich ruhe mich nicht auf meinen Lorbeeren aus. Ich könnte ja heute schon die Dividenden verkonsumieren, was ich nicht mache. Ich könnte mich auch auf meinem Universitätsabschluss ausruhen und meine Weiterbildung einstellen. Viele machen das und rühren nach ihrem Abschluss kein Buch mehr an. Deren Fähigkeiten verkümmern dann regelrecht, während ich mit Leidenschaft in neue Themen in meinem eigentlichen Beruf vertiefe. Geerntet wurde da noch nicht, aber man darf nicht aufgeben.

Montag, 6. April 2015

Versorgungslücke, Rentenlücke... ein paternalistisches Verwirrspiel

Gestern hörte ich den Podcast 82 von Stefan Obersteller über die Riesterrente. Er erwähnte den Begriff "Versorgungslücke". Er kritisierte auch diesen Begriff. Je mehr ich während des Zuhörens über diesen Begriff nachdachte, umso dümmer fand ich ihn.

Was ist die Versorgungslücke bzw. die Rentenlücke? Die Altersrente deckt nie das letzte Nettogehalt ab. Die Differenz zwischen dem letzten Nettogehalt und der Rente nennt man Rentenlücke. Mit dieser Lücke werden Geschäfte gemacht. Im erwähnten Wikipedia-Artikel über die Rentenlücke wird dieser Begriff auch kritisiert.

Es ist aber unsinnig, von einer Lücke zu reden. Es wird suggeriert, man müsse seinen Lebensstandard seinem Nettogehalt anpassen und davon 100 % auf den Kopf kloppen. Wer das tut, bekommt ab Renteneintritt wirklich Schwierigkeiten, wenn er seine Angewohnheiten nicht schnell ändert.

Von einer Versorgungslücke zu sprechen, ohne den persönlichen Bedarf zu berücksichtigen, ist Unfug. Von einer Versorgungslücke zu sprechen, ohne in Erwägung zu ziehen, dass man im hohen Alter noch ein paar Euro dazuverdienen kann (z. B. durch Zeitung austragen), ist auch Unfug. Schon anzunehmen, dass sich der Bedarf nicht ändert, wenn man älter wird, ist Quatsch. Mit dem Alter wird man meistens genügsamer. Außerdem fallen bei vielen die Ausgaben für den Beruf weg.

Was wollen die Versicherungen und Banken? Man stelle sich vor, die argumentieren damit, dass die Rente nur noch 70 % des Nettogehaltes beträgt. Die sind so überzeugend, dass man hinterher 30 % seines Gehaltes in Vorsorgeprodukte (Riester, Rürup, KLV) abdrückt. Wer heute aber schon auf 30 % verzichten kann, um in die Altersvorsorge zu investieren, der beweist doch, dass ihm 70 % seines Nettogehaltes auskömmlich sind. Definiert man die Versorgungslücke am Bedarf, dann hat er eine Lücke von 0 %.

Ein Beispiel an ganz einfachen Zahlen: Jemand bekommt 1000 Euro netto, ihm reichen 700 €, 300 € er drückt in Vorsorgeprodukte ab. Er erreicht das Rentenalter, bekommt 700 € gesetzliche Rente und wieder 300 € aus dem Riestervertrag, um die "Versorgungslücke" zu schließen. Er behält seinen Lebensstil bei, d.h. er kommt immer noch mit 700 € zurecht. Was soll er mit den restlichen 300 € machen? Und aufgrund der geringeren Restlebenszeit hat er auch weniger davon.

Angenommen, er hat Jahrzehnte sich diese 300 € pro Monat vom Munde abgespart, um in den letzten zwei Lebensjahrzehnten wieder 300 € pro Monat zu bekommen, die er nicht braucht. Das ist doch ein ziemlicher Blödsinn. Er hätte besser schon in jungen Jahren in seine Hobbys investieren können, öfter mal ins Theater, in die Oper oder zu Rockkonzerten gehen können. Das alles ins hohe Alter zu verschieben, bei dem man nicht weiß, ob das erreicht, ist unsinnig. Vor allem kann man vieles nicht aufholen. Wer in seinen 30ern nicht in seine Bildung investiert und Kulturveranstaltungen besucht, verliert den intellektuellen Anschluss. Besser ist es, mit seinen Kindern in jungen Jahren das Theater zu besuchen, anstatt das Geld einem Versicherungsheini in den Rachen zu werfen.

Anstatt eine Versicherungsgesellschaft oder eine Bank vermögend zu machen, sollte man das Geld zeitnah verkonsumieren oder vernünftig investieren. Vernünftig investieren heißt: Unternehmensanteile kaufen, was denn sonst.  Da hat man wenigstens Aussicht auf gute Rendite bei hoher Flexibilität. Es ist auch Erbmasse, was man nie vergessen darf. Die Ansprüche aus einer Leibrentenversicherung aber verfallen.

Vermögen im höheren Alter ist nichts schlimmes. Viele glauben, sie machten Unfug, wenn sie größeren finanziellen Spielraum hätten. Die typischen Riestersparer trauen sich aber zu wenig zu, wenn sie meinen, sie müssten sich über eine private Rentenversicherung disziplinieren.

Es hat viele Vorteile, wenn man mit 50 oder 60 Jahren viel liquides Vermögen vorweisen kann. Man kann sich beispielsweise Zeit kaufen, indem man in den Vorruhestand geht. Oder aber man macht die lang ersehnte Weltreise. Man kann es auch verschenken, an Kinder und Enkelkinder. Wenn letztere gerade im Studium sind, dann können die tatsächlich die eine oder andere Geldspritze benötigen. Oder man spendet es an die örtliche Bibliothek oder ans Theater.

Die Idee aber, sich selbst als Taschengeldempfänger ("Selbstkasteiung zum Taschengeldempfänger") zu sehen, zuerst das Nettogehalt zur freien konsumtativen Entfaltung zu nutzen und später die Rente, ist völlig abstrus und wohl der Kardinalfehler bei allen Rentendiskussionen in Deutschland.

Und über den Fall, dass jemand im Alter einen Bedarf von 700 € hat, eine Rente von 500 € bekommt, aber auf ein liquides Vermögen von 200000 € im Hintergrund zugreifen kann, habe ich noch gar nicht geschrieben. Wer so dasteht, hat keine finanziellen Probleme. Solche Fälle werden aber zu Problemfällen geschrieben, weil man dem Rentner nicht zutraut, kontrolliert sein Vermögen zu verkonsumieren. Da meldet sich die paternalistische Grundeinstellung der Deutschen und deshalb sind Sofortrenten auch so erfolgreich.

Gibt's diese Fälle? Ja, die gibt es: Witwen, die nur eine Witwenrente beziehen, weil sie selber nie gearbeitet haben. Der Gatte hat dann nebenbei 200000 € hinterlassen. Selbst 50000 € liquide Erbmasse wären immer noch ausreichend.

Dies ist kein Plädoyer, auf Vermögensaufbau zu verzichten. Man sollte ihn nur vernünftig anstellen und nicht auf den rhetorischen Trick mit der Versorgungslücke reinfallen. Die Leute, die wirklich Probleme mit dieser Lücke haben werden, sind gewiss keine interessanten Kunden für Banken und Versicherungen.