Samstag, 27. Juni 2015

Die Bildungsmisere auf den Punkt gebracht. (SPON-Watch)

Es gibt eine jahrzehntelange Debatte unter deutschen Rechtsgelehrten über den Mordparagraphen. Nur das deutsche Strafrecht unterscheidet zwischen Mord und Totschlag. Und die Art, wie es das tut, begünstigt Gewalttäter, die einem Rausch der Gewalt jemanden töten. Die können sich damit herausreden, dass sie nicht heimtückisch mordeten. Für den Mord muss man sich qualifizieren und nicht für den weniger hart zu bestrafenden Tatbestand des Totschlags. Wer profitiert vom Totschlagsparagraphen? Es sind die Leute, bei denen Gewalt Lebensinhalt ist: Mitglieder von Rockerbanden, Neonazis, aggressive Menschen. Die profitieren leider auch sehr häufig davon, dass vieles als "Körperverletzung mit Todesfolge" verurteilt wird.

Jetzt endlich wird das Thema auch von der Politik angegangen. Bundesjustizminister Heiko Maas ist da auf den richtigen Weg. Man möchte die Begriff Totschlag und Mord aus dem StGB tilgen, die Begrifflichkeit der Heimtücke soll verschwinden. Wenn aber die Trennung zwischen Mord und Totschlag aufgehoben werden soll, muss man natürlich auch Raum für milderndes Strafmaß schaffen. Das immer wieder zitierte Beispiel ist die Frau, die nach jahrelanger Gewalt in der Ehe sich gegen ihren Mann wehrt, indem sie die Suppe vergiftet. Nach der aktuellen Rechtssprechung hat der Richter keine andere Möglichkeit, als die Frau mit lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu verurteilen, denn die Suppe vergiften erfüllt den Tatbestand der Heimtücke.

Was hat das mit der Bildungsmisere zu tun? Man muss einfach nur lesen, was Spiegel Online getitelt hat:

Mord soll nicht mehr automatisch zu lebenslang führen

Es wird ein Nebenaspekt herausgegriffen, im Titel verwurstet und regelrecht desinformiert. Der Artikel selber war eigentlich in Ordnung. Aber wenn man den Titel liest und dann den Artikel, denkt man, dass da jemand einen an der Marmel hat. Wie kann so jemand Redakteur werden?

Aber das echte Grauen offenbart sich, wenn man die Diskussion im SPON-Forum liest. Es ist offensichtlich, dass ein Gros der Kommentatoren den Artikel gar nicht gelesen hat, sondern nur die Titelzeile. Oder aber sie haben es gelesen, aber intellektuell gar nicht begriffen. Beides ist schlimm. Da befürchten einige, die "Kuscheljustiz" würde noch kuschliger. Dass die Reform genau in ihrem Sinne sein könnte, kommt ihnen einfach nicht in den Sinn. Die zählen dann Verbrechen auf, die in der Vergangenheit als Totschlag durchgingen und fragen rhetorisch mit dem Gestus der Empörung, warum man da noch weniger Strafe verhängen möchte.

Als ich mir die Kommentare zu Gemüte gezogen habe, fühlte ich mich wie in einem Irrenhaus. Und da sind bestimmt die einen oder anderen Akademiker dabei.

Dienstag, 9. Juni 2015

Ein Rat an Jung-Akademiker

Ich bin Akademiker, ich liebe meinen Beruf. Akademiker identifizieren sich sehr mit ihrem Beruf, sind geneigt, aus persönlichen Ehrgeiz sich kaputt zu machen. Ich bin beruflich in einer Situation, bei der ich merke, dass ich an meine körperlichen Grenzen komme. Wir arbeiten in Projekten und für den Projekterfolg wird alles getan. Ich habe kein Problem damit, Überstunden zu leisten; sicherlich bin ich sehr belastbar. Aber ich merke an mir, dass nach über ein Jahr Projekt und nur sehr wenig Urlaub (1 Woche im August, 2,5 Wochen um Weihnachten herum), bei sehr viel Samstags- und Sonntagsarbeit, dass ich einfach nicht mehr abschalten kann. Ärgerlich ist, dass es nicht honoriert wird, was man macht, und dass vorausschauende Mehrarbeit nicht goutiert wird, indem man mal freie Tage bekommt. Aufgrund meiner Schlüsselstellung im Projekt, ist es nicht absehbar, dass ich mal eine Woche am Stück wegbleibe. Wenn das Projekt dann vor sich hin plätschert, kommt - so hoffe ich - wieder etwas Ruhe auf.

Ich denke, es geht vielen in meinem Beruf so. Man hat aber Vorteile. 1. Man hat einen größeren finanziellen Spielraum als ein einfacher Arbeiter. 2. Man hat das Rüstzeug, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten.

Diese Kombination ist eigentlich ausreichend, um sich mit Aktieninvestments zu beschäftigen. Man kann sich ein Nebeneinkommen aus Dividenden schaffen. Die ganz Eifrigen können sogar mit Mitte 40 in den Ruhestand gehen, wenn sie denn wollen. Also Akademiker, ergreift die Chance die jungen Jahren. Man sollte wirklich für den Fall vorsorgen, dass man mit Mitte 40 nicht mehr kann oder will, ein Unternehmenswechsel könnte dann für Abhilfe sorgen. Dividendeneinnahmen könnten Gehaltseinbußen abfangen. Oder aber man wird Freiberufler.

Das ist ja auch etwas, was mich total ankotzt am Angestelltendasein. Als Student konnte ich meine Zeit frei einteilen. Ich konnte um 5:30 Uhr aufstehen und bis 23 Uhr Vorlesungen besuchen, Sport treiben, lernen, an Projekten arbeiten... Es hat mir nichts ausgemacht, denn ich war selbstbestimmt. Als Angestellter ist man fremdbestimmt.

Ich werde meinen Beruf auch in zehn, zwanzig Jahren noch lieben. Ich erlebte auch schon stressigere Zeiten. Zum Alkoholkonsum neige ich nicht; ich kann mir gut vorstellen, dass viele in meiner Situation zum Schnaps greifen ("Hier hast 'nen Korn, der bringt dich wieder nach vorn.") und ihre Gesundheit ruinieren. Wer aus Verlegenheit studiert hat, z. B. BWL, wird da schon mehr Probleme bekommen. Anders als viele Informatiker, die schon mit 13 Jahren ihre ersten Programme schreiben und wahre Überzeugungstäter sind, beschäftigt sich kein Kind mit 13 Jahren mit Buchhaltung und anderen BWL-Themen.



Montag, 8. Juni 2015

Meine Strategie für die Kapital-Anlage

Der Privatier hat zur Blogparade aufgerufen und erstmals nehme ich an einer solchen teil. Ich habe mir schon recht früh Gedanken darüber gemacht, was eine Kapitalanlage für mich sein muss. Schon früh war mir bewusst, dass nicht nur Rendite wichtig ist, sondern auch Liquidität. Ich dachte, Liquidität gäbe es nur auf Kosten von Rendite, vergleichbar mit dem Trade-Off Rendite zu Risiko.

Ich erkannte aber schon 2009/10, dass diese Vorstellung mit der Realität nichts zu tun hat. Und immer wieder war ich überrascht, welche Hürden mir in den Weg gelegt wurde, wenn ich an mein Kapital wollte.

1. Eine Mietkaution auf einem Sparbuch konnte ich erst 1,5 Jahre nach Mietvertragsende zurückbekommen. Aktien kann ich auf Knopfdruck verkaufen, wenn ich Bargeld benötige.

2. Das Auflösen meines Sparbuches erwies sich als schwierig, weil ich zur Sparkasse hätte latschen müssen, bei der ich das Kautionssparbuch eröffnete. Ich wohnte aber nicht mehr dort. Aktien kann ich von überall kaufen und verkaufen. Ich brauche dazu nur Internet.

3. Es heißt immer, Bargeld und Anleihen wären so sicher. Mir war 2010 schon klar, dass das nicht stimmt und dass Staaten nur durch Inflation entschulden können. Nun ist die große Inflation ausgeblieben, deswegen halte ich diese Überlegung nicht für falsch. Vielleicht hat der Euro nicht inflationiert, aber der Rubel. Und aufgrund politischen Ereignissen. Das kann dem Euro genauso passieren.

4. Ich schaute mich in meiner Bekanntschaft um. Kapitallebensversicherungen hatte Kündigungsfristen von mehreren Monaten. Riester kann man gar nicht kündigen. Für diese Unflexibilität verlange ich aber 12 % Rendite, mindestens. Aber das ist nicht möglich.

Ich denke und plane langfristig, d.h. kurzfristige Volatilität macht mir nichts aus, deswegen gehe ich vor allem in Aktien. Ich habe ca. 20 Positionen im Portfolio. In der Regel stocke ich die Positionen auf. Fast alle meine Unternehmen investieren und operieren weltweit. Modethemen sind mir fremd; Zalando und Facebook kommen mir nicht ins Depot. Dafür aber solche Unternehmungen wie General Mills, ein Unternehmen, das ich wirklich mag. Es stellt essentielle Dinge des menschlichen Bedarfs her, die auch in Krisenzeiten gekauft werden. General Mills kann seine Preise der Inflation anpassen und es gibt effiziente Strukturen, die für einen stetigen Gewinn sorgen und für stetig steigende Dividendenausschüttungen.

Dem Geheimtipp, der Perle unter Startups, dem bzw. der jage ich nicht hinterher. Es ist mir zu mühsam und sehr unsicher. Manchmal entscheidet der Zufall, welches Startup groß wird. Die Geschichte dürfte einigen bekannt sein: IBM suchte in den 80ern nach einem Betriebssystem für seine Rechner und rief zuerst bei CP/M an. Deren Chef war aber unter der Dusche und konnte nicht abheben. Dann rief IBM bei Microsoft an und Bill Gates konnte ans Telefon gehen. Wie die Geschichte ausging, weiß man: Bill Gates ist einer der reichsten Menschen der Welt und CP/M ist seit 30 Jahren tot, obwohl es technisch reifer als MS DOS war.

Immobilien wären auch eine Möglichkeit, aber nicht für mich. Sie schaffen Arbeit, die man eigentlich von der Rendite vermieteter Objekte abziehen müsste. Wenn ich eine Aktie kaufe, kaufe ich eine Unternehmen, welches fähiges Personal mitbringt. Wo ist garantiert, dass ich eine fähige Hausverwaltung bekomme? Wo ist garantiert, dass ich einen guten Anwalt bekomme, wenn ich gegen einen Mieter prozessiere? Meine Unternehmen haben Rechtsabteilungen und wissen sich schon zu wehren gegen säumige Vertragspartner.

Letztendlich haben sich Aktien als das Mittel der ersten Wahl herauskristallisiert. Sie machen wir die wenigste Arbeit, geben mir die maximalste Rendite, und flexibel sind sie auch noch. Es ist ja auch logisch, warum Aktien viel Rendite bringen: In Unternehmen werden die Werte geschaffen und wer vermögend werden will, muss diese Unternehmen sein Eigentum nennen. Oder wenigstens einen Teil davon.

Aber warum zocke ich nicht? Warum mache ich kein Daytrading? Ich halte Charttechnik und kurzfristige Aktiengeschäfte für Unsinn. Zuallererst verursacht das Arbeit.  Warum hält man sich mit einer 200-Tage-Linie auf? Warum nicht mit einer 198-Tage-Linie

Ich möchte langfristigen Vermögenszuwachs. Meine Unternehmen schütten nicht alles aus, sondern nur einen Teil ihrer Gewinne. Diese einbehaltenen Gewinne werden reinvestiert und ich reinvestiere meine Dividenden.




Donnerstag, 4. Juni 2015

An der Börse braucht's K.N.A.

Um Vermögen zu bilden, sind drei Körperteile wichtig:

1. Das Köpfchen. Man muss kein Genie, kein Akademiker sein, um an der Börse Erfolg zu haben. Aber auf den Kopf sollte man auch nicht gefallen sein. Entscheidend ist die sokratische Einsicht, dass man weiß, dass man nichts weiß. Der Verstand sollte einem auch davor bewahren, dass man eine Erbschaft von 100000 € mit einem Schlag an der Börse investiert. Diversifikation erfolgt aus denkerischem Kalkül.

2. Das Näschen. Man sollte informiert sein, eine ungefähre Vorahnung haben, was passieren kann. Ein gutes Näschen habe ich vor einigen Jahren bewiesen, als ich 4000 € (> 200 % Rendite in 1,5 Jahren) durch eine kleine Spekulation einstrich. Ein gutes Näschen ist aber viel wichtiger, um schlechte Investments zu vermeiden. Dass die Solarbranche in Deutschland total pleite ging, hätte man erahnen können. Man sollte regelmäßig Nachrichten lesen, um neue Meldungen schneller aufnehmen und einordnen zu können. Das Näschen (man könnte auch sagen: das Bauchgefühl) kann man trainieren.


Natürlich kommt man auch mit Nachdenken drauf, wie im Falle von Prokon: Warum will mir jemand 8 % risikolose Rendite bieten, bettelt dafür in S-Bahnen, dass Anleger die Genussscheine kaufen, wenn es doch Fremdkapital so günstig bei Banken gibt? Genauso auch Holzinvestments. Geld für 5 % leihen, in Holz stecken, 12 % kassieren, die Differenz von 7 % wäre die Nettorendite. Warum wollen Manager ausgerechnet von mir Geld haben? Warum stecken die nicht ihr eigenes Geld da rein und nehmen bei diesen Wunderrenditen nicht selber einen Kredit auf?


3. Der Arsch. Das einzige Körperteil, welches ich nicht in den Dimunitiv gesetzt habe, denn er ist das wichtigste. Man muss auf seinem Investment sitzen bleiben, viele Jahre Dividende um Dividende kassieren, diese reinvestieren. Stopps darf man nicht setzen, man darf sich nicht verrückt machen lassen. Die Börse geht jährlich im Durchschnitt um 8 % nach oben. Nach 20 Jahren ergibt das eine 4,66-fachung der ursprünglichen Investition.

Das Problem ist bei vielen Börsianern ist, dass sie kein Sitzfleisch haben, nicht in Ruhe abwarten können. Die einen vertrauen zu sehr ihrer Nase. Sie glauben, einen Witterung zu einem Geheimtipp aufgenommen haben, wo der Kurs innerhalb weniger Wochen explodiert. Das ist die Klientel, die auch gerne Pennystocks kauft.

Dann gibt es aber auch die, die zu viel denken. Sie glauben, man könne mit System kurzfristige Kursdifferenzen zum eigenen Vorteil nutzen. Man schafft sich eine eigene Welt, um Strukturen in den Charts zu kategorisieren, zu benennen und zu analysieren. Das sind dann Charttechniker und insbesondere Daytrader. Sie glauben, man könne die Börse mit dem Kopf schlagen. Charttechnik ist eine Pseudowissenschaft mit vielen Anhängern. Die Charttechnik fabriziert viele selbsterfüllende Prophezeiungen. Stopp-Loss-Kaskaden lassen die Kurse fallen. Hinterher dienen die fallenden Kurse als Rechtfertigung: Schaut her, die Charttechnik hat's richtig vorhergesagt.

Zu den Leuten, die mit zu viel Kopf an die Börse gehen, möchte ich den alten Goethe zitieren:

"Der denkende Mensch hat die wunderliche Eigenschaft, dass er an die Stelle, wo das unaufgelöste Problem liegt, gern ein Phantasiebild hinfabelt, das er nicht loswerden kann." - Wilhelm Meisters Wanderjahre II, Betrachtungen im Sinne der Wanderer. Kunst, Ethisches, Natur
 
Besser kann man das Dilemma der Charttechniker nicht beschreiben. Sie denken zu viel, gehen aber nicht auf kritische Distanz zum Gedachten. Das "unaufgelöste Problem" ist übrigens die Zukunft. Niemand kennt sie und das wissen eigentlich alle. Dennoch unternehmen viele den Versuch, den Kurs in drei Minuten oder den in zwei Wochen vorherzusagen.

Eine Prise gesunder Menschenverstand, ein wenig Distanz zum Börsengeschehen, ab und zu ein gutes Näschen oder Händchen, gepaart mit Sitzfleisch und schon kann nichts anbrennen.

Dienstag, 2. Juni 2015

Meine nützlichen Idioten


Regelmäßig schlägt mir Youtube vor, dass ich mir doch irgendwelche Trader-Videos anschaue. Ich sah mir vor ein paar Jahren die N24-Reportage über das Daytrading an; das hat sich Youtube gemerkt. Hier ist die Reportage, die ich etwas erheiternd finde:


Die Wahrheit ist: Ich bin nicht nur skeptisch, was das Daytrading angeht, sondern lehne es kategorisch für mich ab. Ich bin der Auffassung, dass man damit langfristig nicht viel Geld machen kann. Genauso könnte man Lottospielen.

Daytrader handeln Aktien, ohne dabei zu schauen, um was für Unternehmen es sich eigentlich handelt, welche Geschäftszahlen es vorgelegt hat, welche Perspektive das Unternehmen hat. Der Chart wird losgelöst vom inneren Wert des Unternehmens betrachtet.

Drei Daytrader sind mir aufgrund der N24-Reportage bekannt: Birger Schäfermeier, Carsten Umland und "Koko" Petkov. Wenn man sich das aber genauer anschaut, stellt man fest:

1. Als die Reportage gemacht wurde, war Schäfermeier der einzige, der auch durch Schulungen übers Daytrading Geld verdiente. Umland hatte Startkapital als Angestellter aufgebaut, Petkov war Autohändler und hatte auch ein nettes Sümmchen zusammen. Heute machen alle in Schulungen. Warum, wenn Daytrading so erfolgreich sein soll? Um mehr zu verdienen oder um überhaupt etwas zu verdienen? Es ist ganz einfach: Um mehr zu verdienen, würde ich an deren Stelle das Programmieren lernen und ein Programm schreiben, das das Daytrading übernimmt. Da sie das nicht machen, muss ich annehmen, dass durch das Daytrading gar nichts reinkommt und die angebotenen Schulungen der letzte Rettungsanker einer sonst gescheiterten Existenz ist.

2. Die schwätzen viel. Schäfermeier beispielsweise sagt, Trading sei das ehrlichste Geschäft der Welt, nur die Leistung (und nicht wie man aussieht) zähle, die Börse hätte auch noch morgen geöffnet. Mit der Einstellung könnte man auch Zoowärter werden. Auch das ist ein sehr ehrliches Geschäft: Die Tiere scheren sich einen Dreck darum, wie man aussieht, wie man sich kleidet, ob man schwarz oder weiß ist. Und auch der Zoo hat morgen noch geöffnet. Im Gegensatz zur Börse sogar sonn- und feiertags. Und die Tiere sondern zuverlässig Haufen ab; es gibt also immer was  zu tun, selbst wenn der Zoo für Besucher geschlossen haben sollte.

Hier eine kleine Kanonade an Geblubber:



Er redet viel und sagt nichts. Man soll Feedback aufnehmen, aber man soll ignorieren, was die anderen sagen und schreiben. Man soll diszipliniert seine Strategie fahren, aber flexibel bleiben.

Die Videos von Koko Petkov sind ähnlich. In einem Video fuchtelt er mit einer Menge Bargeld herum:


3. Sucht man mit Hilfe von Google nach Daytrading, findet man die einschlägigen Seiten und Foren. Es gibt natürlich Glücksritter, die damit prahlen, sie könnten vom Daytrading leben. Die machen angeblich jeden Tag einen Prozent Rendite, wovon sie 80 % verkonsumieren. Was heißt das, wenn das restliche Geld reinvestiert würde? Bei 250 Handelstagen: 1,002 ^ 250 = 1,648. Also knapp 65 % pro Jahr. Wie soll das gehen? Bei 100000 € Startkapital könnte man sich so innerhalb von 20 Jahren 2,2 Billionen € Vermögen aufbauen. Die reichsten Menschen haben aber gerade mal etwas im zweistelligen Milliardenbereich.

Man kann auch anders herum rechnen. Durchschnittlich erwirtschaften Aktiengesellschaften 10 % Rendite. 1,1 ^ (1/250) = 1,000381313. Also sind 0,38 Promille Rendite pro Tag erforderlich. Angenommen, man benötigt 3000 € netto für den Lebensunterhalt, bei 20 Handelstagen im Monat müssten pro Tag 150 € Gewinn erzielt werden. Dann sind 150 € / 0,38 Promille = 150 € / 0,00038 = 394736,84 € Einsatz notwendig, nur um so gut zu sein, wie ein Buy-and-Hold-Investor. Natürlich wird viel mit Fremdkapital gehebelt, aber dadurch steigen Verbindlichkeiten, das Risiko und der Druck.


Daytrader bilden eine abgeschlossene soziale Gruppe. Man zitiert sich gegenseitig, was sich dann hochschaukelt und die Urteilsfähigkeit manipuliert. Das ist eine eigene Welt, in der man sich selber vergaukelt, man hätte eine realistische Chance, vom Daytrading zu leben. Die Erfolgreichen brauchen die Gescheiterten, als Bestätigung, dass es doch etwas mit Können zu tun habe. Die Einsteiger brauchen die Erfolgreichen und die vormals Gescheiterten, um sich selber zu überzeugen, es hat etwas mit den eigenen Fähigkeiten, die man trainieren kann, zu tun. Dass es etwas mit Glück zu haben könnte, wollen sich die Daytrader nicht eingestehen. Bei so vielen Leuten, die ihr Glück versuchen, muss es aber zwangsläufig eine kleine Gruppe von Leuten geben, die über lange Zeit Erfolg hatten. Und die können ihren Erfolg vermarkten in Interviews, in Büchern, in Seminaren. Als Trainer für Daytrading hat man dann direkten Einfluss auf die Strategie der Seminarteilnehmer und hat damit einen Informationsvorsprung.

Da es keine Daytrader in die Forbes-Liste geschafft habe und auch nur wenig Spekulanten, sondern nur Langzeitinvestoren und Unternehmer, sollte zu denken geben. Vermögen baut man langfristig auf, mit emsiger Arbeit, mit ständiger Fortentwicklung und mit Reinvestitionen.

"Koko" Petkov war als Autohändler mit 26 Jahren zum Millionär geworden. Er jammerte, dass er so viel Arbeiten musste, manchmal 16 Stunden am Tag. Aber das ist nunmal der Preis eines jeden Wohlstandes. Ich habe als Student auch 70-Stunden-Wochen (Summe aus Bildung und Arbeit für Geld) hingelegt, weil ich das so wollte.  Ich habe für den Projekterfolg in meiner Firma auch schon Sonntagsarbeit geleistet und 20-h-Stunden-Tage kenne ich auch. Die Million ist natürlich noch nicht dabei herausgesprungen, weil ich als Angestellter nicht den großen Einfluss habe. Aber ich investiere einen Großteil meines Gehaltes und meine Boni in Unternehmungen, von denen ich überzeugt bin, dass die mir auf Dauer Rendite bescheren. Man stelle sich vor, "Koko" hätte sein Vermögen in langfristige Investments gesteckt. General Mills gab es von 2010 bis 2012 für um die 30 € pro Aktie. Angenommen, er hätte 30000 Aktien davon gekauft. Diese wären heute 1,5 Millionen wert. Es hätte stetig Dividenden gegeben. Er hätte kürzlich 13200 $ Quartalsdividende eingestrichen. Im Gegensatz zum Day-Trading-Ansatz hätte er sogar Zeit, sich um andere Sachen zu kümmern.

Warum ich den Beitrag mit "Meine nützlichen Idioten" betitelte? Weil Daytrader für Liquidität an der Börse sorgen. Auf diese Weise kann ich jederzeit Aktien kaufen und verkaufen. Ich rate vom Daytrading ab. Es ist zeitaufwändig und gefährlich. Die meisten Daytrader verlieren nicht, weil sie zu nassforsch rangehen, sondern weil es Teil des Spiels ist.