Freitag, 31. Juli 2015

Ich spare, weil...

Finanzrocker hat zu einer Blog-Parade aufgerufen und ich fühle mich berufen, meinen Senf dazu beizutragen. Eigentlich viel interessanter ist die Frage, warum ich über investiere und Vermögen aufbaue. Denn das Sparen besteht ja nur darin, bei den Ausgaben einzusparen und Gelder wegzulegen und das mache ich ja, um Mittel für die Investitionen zu haben. Warum also ich investiere ich? Warum baue ich Vermögen auf?

Dazu gibt es zwei Antworten: 1. Aufgrund meiner Erziehung kann ich nicht anders. 2. Ich möchte mir Zeit "kaufen".

Meine Eltern waren sparsame Menschen. Das können sich heute viele gar nicht mehr vorstellen: Trotz zweier niedriger Einkommen haben sie dennoch die Mittel angehäuft, um ein Haus auszubauen. Und das bei drei Kindern, bei einer kostspieligen Nikotinsucht meines Vaters und bei nicht sehr klug gewählten Versicherungen. (Mein Vater unterschrieb einfach alles.) Wenigstens lernte ich, dass man das Glück nicht im Konsumrausch erhält.

Wenn ich heute manche Akademiker-Dinks (Dink: double income, no kids) höre, die jammern, sie könnten es sich nicht vorstellen, wie sie sich ein Haus finanzieren... Was soll man dazu sagen? Da bleibt mir einfach die Spucke weg.

Und natürlich spare ich, weil ich es will. Mein Ziel ist tatsächlich die finanzielle Freiheit. 25 % meiner Ausgaben werden bereits durch Dividenden gedeckt.  Ich werde bei der Erreichung der 100 % sicherlich weiterarbeiten wollen, weil ich meinen Beruf mag und ich gerne arbeite. Ich möchte aber in der Hinterhand den Trumpf halten, die kündigen zu können.

Das kann ich nur, wenn ich möglichst schnell ein kleines Vermögen aufbaue, das mir Einkommen einbringt. Obwohl ich anfangs dieses Ziel gar nicht verfolgte und es sich erst vor dreieinhalb Jahren herauskristallisierte, war davor meine Sparquote schon extrem. Die letzten zwei Jahre waren im Fokus dieses Zieles und ich habe einiges dazu gelesen und viel durchgerechnet.

Warum finanzielle Freiheit? Um mir Zeit zu kaufen. Denn dem Menschen fehlt vor allem Zeit. Ich möchte mehr Zeit damit verbringen, Dinge zu machen, mit denen ich mich stärker identifizieren kann. Ich möchte nicht in die Situation kommen, bis ins hohe Alter nach der Pfeife eines anderen tanzen zu müssen. Und wenn ich dann vielleicht ab 50 nur noch halbtags arbeiten muss, wäre das doch toll.

Da ich auch gerne Familie haben möchte, möchte ich für diese da sein. Ein Vermögen im Rücken hilft dabei, denn dann kann man sich Zeit nehmen. Sollte ich mal Enkel haben, möchte ich, dass sie sich daran erinnern, wie ich ihnen als Opa Geschichten vorlas oder mit ihnen durch Wälder wandern ging. Ich möchte nicht nur Vermögen hinterlassen, sondern vor allem schöne Erinnerungen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ich ein guter Vater oder Großvater sein werde, habe ich doch immer ein offenes Ohr, bin nicht cholerisch, dafür aber sehr geduldig. Ich bin eigentlich genau so, wie mein Vater nie war. Und ich möchte keinem Kind der Welt so einen Vater zumuten, wie ich ihn hatte. Als ich Kind war, spielte er zweimal mit mir. Einmal ging es darum, irgendwas zusammenzuschrauben... da hat er fünf Minuten durchgehalten. Und dann hatten wir noch drei Partien Mühle gegeneinander gespielt. 10 Minuten. Also in der Summe 15 Minuten. Ich finde das armselig. Zum Vergleich: Mein Großvater kam uns einmal im Jahr besuchen und blieb nur wenige Stunden. Er hat sich fast immer zu mir auf den Boden gesetzt, mit mir geschraubt oder Legobausteine zusammengestöpselt. Und er hat nicht nach wenigen Minuten die Lust verloren. Das hat mich überwältigt, weil ich so viel positive Zuwendung gar nicht gewohnt war.

Und als Anmerkung an alle, die meinen, sie müssten ihre Kinder mit Spielzeug überhäufen: Mein Großvater investierte jeweils nur 30 Minuten Zuwendung (kostet nichts!) und nicht hunderte von Mark oder Euro, erzielte aber eine enorme Wirkung auf mich. Ich kenne eine junge Familie, da war das sechsjährige Mädel schon zwei oder dreimal in den USA. Das Kind hat viele Spielsachen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass der Vater viel mit seiner Tochter spielt. Später wird die Tochter bestimmt ihren Vater fragen: Warum hast du nicht häufiger mit mir gespielt? Dass die USA-Reisen und das Spielzeug viel Geld kosteten, wird vom Kind als Zuwendung nicht akzeptiert. Der Vater ging sogar Nebenjobs nach, weil das Geld sonst nicht gereicht hätte, aber die Leasing-Raten für einen fetten BMW mussten ja bezahlt werden. Wer für Geld arbeitet, verkauft seine Zeit; das darf man nie vergessen. Und dann würde ich als Familienvater lieber einen billigen gebrauchten Wagen fahren anstatt für meine Kinder nicht da sein zu können.

Es ist nicht nur so, dass man überall von Vernachlässigung liest und über die Schwierigkeiten, die sich dadurch für das Kind ergeben. Ich habe sie doch selbst gespürt und meines Erachtens wurden mir dadurch einige schwere Steine in den Weg gelegt: Geringes Selbstwertgefühl, schlechtere Bildung im Vergleich zu Gleichaltrigen, mangelndes Vertrauen darauf, dass mich irgendwer unterstützen würde. Vieles musste ich nach meinem Abitur erst erarbeiten. Es fehlt mir immer noch das Grundvertrauen darauf, dass man mir im Notfall hilft. Ich habe den Eindruck: Sollte mir was zustoßen, hilft mir keiner. Sparen ist damit auch das Resultat einer kleinen Psychose.

Ich spare und investiere also, um mir Zeit zu verschaffen. Und Zeit möchte ich haben, weil ich mich besser um meine zukünftige Familie kümmern möchte, und den Kindern eine bessere Bildung angedeihen zu lassen. Ich hätte auch kein Problem damit, der Frau den Rücken für eine eigene Karriere freizuhalten. Und für mich persönlich möchte ich auch noch mehr Zeit, um mich zu bilden. Es gibt so viel Literatur, die ich noch lesen, so viele Theaterstücke, die ich noch besuchen und so viele Musikstücke, die ich noch hören möchte. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich später mal Ehrenämter übernehme, wie z. B. in einer örtlichen Bibliothek oder in einem Sportverein. Open-Source-Software könnte man auch programmieren.  Und warum soll man in höherem Alter nicht auch noch ein Instrument lernen? Werner Heisenberg nahm mit über 30 noch Klavierunterricht.

Finanzielle Freiheit würde mir dabei helfen. Was ich für mein Glück gewiss nicht brauche:  Pauschalurlaube, dickes Auto, großes Haus, ständige Restaurantbesuche und Party. Ich bin irgendwie immun für die typischen deutschen Mittelstandsträume. Ich könnte ja darauf spekulieren, im Lotto zu gewinnen, aber da denke ich zu realistisch. Ich weiß, dass man selbst mit einem durchschnittlichen Angestellten die finanzielle Freiheit mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen kann, wenn man will. Aber dazu muss man sparen, sparen, sparen und dazu sind viele nicht bereit.


Mittwoch, 29. Juli 2015

George Soros: Die Krise des globalen Kapitalismus

Ich möchte heute ein Buch von George Soros vorstellen: "Die Krise des globalen Kapitalismus". Ich kaufte es mir und ich dachte, es wäre im Zuge der jüngsten Krise geschrieben worden. Aber tatsächlich kam es schon 1998 zu Papier. Und das macht es umso interessanter.

Über George Soros möchte ich nicht viele Worte verlieren. Seine Biographie kann man in der Wikipedia nachlesen. Ich wusste nur, dass Soros an der Börse sehr vermögend geworden ist und einen anderen Investmentstil als Warren Buffett pflegt. 1992 soll er eine Milliarde Dollar Gewinn mit der Spekulation gegen das Pfund erzielt haben. Mein Investmentstil ist das jedenfalls nicht. Weder qualitativ, noch quantitativ.

Das Buch offenbart die philosophische Haltung Soros'. Er bekennt sich als ein Anhänger Karl Poppers. Das gefällt mir, denn das bin ich auch. Popper hat sich ausführlich mit der Wissenschaftstheorie befasst. Soros' Haltung dazu: Diese trifft auf Naturwissenschaften sehr gut zu, aber für Sozialwissenschaften sei sie untauglich. So wie man in der Physik kleinste Teilchen nicht beobachten kann, ohne sie zu beeinflussen (Heisenbergsche Unschärferelation), so könne man Gesellschaften und Vorgänge in ihr nicht untersuchen, ohne auf darauf Einfluss zu nehmen. Das kann ich gut nachvollziehen. Soros führt den Begriff der Reflexivität ein. Beispielsweise wenn ein Wirtschaftswissenschaftler voraussagt, dass es einen dann und dann einen Bank-Run gibt, dann werden betroffenen Menschen, die das lesen, sich ihre Gedanken machen und erst recht zur Bank stürmen, um die ersten zu sein, bevor der Bank das Geld ausgeht. Dies ist eigentlich anerkannt, denn sonst würden sich Federal-Reserve-Präsidenten nicht so wortkarg geben, genauso wie unsere Politiker bei der Griechenlandkrise. Schon 2008 in der Krise galt es für Merkel und Steinbrück, Geschlossenheit zu zeigen und bloß nicht die Masse zu verunsichern.


Soros' Abhandlung beschäftigt sich dann mit den Wirtschaftswissenschaften (die eine Sozialwissenschaft sind), die sich mit diesem Phänomen, das er Reflexivität nennt, nicht genug auseinandersetzen, sondern wilde Theorien aufstellen und in Gesetze gießen lässt. Warum beispielsweise in den Maastricht-Verträgen steht, man solle nicht mehr Staatsschulden als 60 % des BIP haben, ist mir schleierhaft. Der Wert ist ja nur ein politischer Kompromiss, aber einmal festgelegt, kann er Unheil anrichten, wenn ein Land diese 60 % überschreitet. Die Märkte antizipieren diese Marke und dann kann man den Eindruck gewinnen, die 60 % wären ein natürlicher, kritischer Wert.




Eher negativ finde ich seine Kritik an Thatcher und Hayek. Er kritisiert den "Marktfundamentalismus". Ja, den kritisiere ich auch, aber wer sich für die freie Wirtschaft einsetzt, muss ja nicht zwangsläufig ein Marktfundamentalist sein. Anhänger der freien Wirtschaft sagen ja nicht, der Markt hätte immer recht. Ich bin so ein Anhänger und dachte eigentlich immer, dass ich für die freie Wirtschaftsordnung bin, weil Menschen nicht perfekt sind und es auch keinen perfekten Funktionär und auch keine perfekte Organisation gibt. Das ist eine aufklärerische Grundhaltung. Daher sollen besser viele Millionen Wirtschaftssubjekte Entscheidungen treffen,  denn sie haben einen überschaubaren Entscheidungsspielraum und sie machen daher weniger Fehler für sich. Wer dann Fehler macht, kann ihn ohne großen Gesichtsverlust korrigieren. Die Korrektur muss er sich nur vom Nachbarn/Kollegen/Konkurrenten abschauen, der vielleicht eine bessere Entscheidung traf. Ich bin für deshalb für die freie Wirtschaft, weil sie gute Lösungen hervorbringt, keine optimalen. Wer sagt, die Marktentscheidung wäre optimal, der ist in meinen Augen ein Marktfundamentalist oder -dogmatist. Deswegen ist für Marktfundamentalismus auch kein Platz und Hayek vertrat nicht die Ansicht, dass die Märkte immer richtige Entscheidungen träfen, sondern im Regelfall recht gute.

Geschrieben wurde das Buch 1998 unter dem Eindruck der damaligen Krisen: Asienkrise und Krise in Russland. Mit letzterer beschäftigt er sich ausführlich, aber mit der Politik von IWF und Weltbank. Beispielsweise kritisierte er, dass die IWF von der russischen Regierung ausstehende Steuern einzutreiben. die meisten russischen Banken in die Insolvenz trieb. Und damit ist das Buch hochaktuell angesichts der Griechenlandkrise und damit war es dann doch kein Fehlkauf.

Ich kann das Buch empfehlen, denn es bringt neue, interessante Gesichtspunkte und zeigt auf, dass die aktuelle Griechenlandkrise doch nicht so neu ist.


Sonntag, 26. Juli 2015

Woran mich Charttechnik und Day-Trading erinnern

Kürzlich schrieb ich schon über das Day-Trading, sie wären meine nützlichen Idioten. Das sind sie ja nach wie vor und ich bekräftige aber auch meine Warnung davor, jemals dort mitzumachen.

Dass es so viele Gläubige gibt, erinnerte mich an eine Aussage Mephistopheles': Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.


Wer für die Charttechnik empfänglich ist und irgendwelche Muster in den Charts entdeckt, glaubt, es müsse sich dabei auch was denken lassen. Oder dass am Geschwätz der Charttechniker etwas dran sein müsste. Es ist aber verkehrt. Sich aber bei dem ständigen Auf und Ab etwas zu denken, ist irrational und letztendlich auch sehr teuer, weil man eine schlechte Performance hinlegt.



Die Aussage stammt aus der Szene in der Hexenküche; die Hexe braut einen Verjüngungssaft für Faust.
Faust (zu Mephistopheles):
Nein, sage mir, was soll das werden?
Das tolle Zeug, die rasenden Gebärden,
Der abgeschmackteste Betrug,
Sind mir bekannt, verhaßt genug.
Mephistopheles:
Ei Possen! Das ist nur zum Lachen;
Sei nur nicht ein so strenger Mann!
Sie muß als Arzt ein Hokuspokus machen,
Damit der Saft dir wohl gedeihen kann.
(Er nötigt Fausten, in den Kreis zu treten.)
Die Hexe (mit großer Emphase fängt an, aus dem Buche zu deklamieren):
      Du mußt verstehn!
      Aus Eins mach Zehn,
      Und Zwei laß gehn,
      Und Drei mach gleich,
      So bist du reich.
      Verlier die Vier!
      Aus Fünf und Sechs,
      So sagt die Hex,
      Mach Sieben und Acht,
      So ist's vollbracht:
      Und Neun ist Eins,
      Und Zehn ist keins.
      Das ist das Hexen-Einmaleins!
Faust:
Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber.
Mephistopheles:
Das ist noch lange nicht vorüber,
Ich kenn es wohl, so klingt das ganze Buch;
Ich habe manche Zeit damit verloren,
Denn ein vollkommner Widerspruch
Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren.
Mein Freund, die Kunst ist alt und neu.
Es war die Art zu allen Zeiten,
Durch Drei und Eins, und Eins und Drei
Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten.
So schwätzt und lehrt man ungestört;
Wer will sich mit den Narrn befassen?
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.

Mich dünkt es auch, dass Leute wie Koko Petkov im Fieber sprechen. Ich bin aber kein so ein strenger Mann; sie sind ja meine nützlichen Idioten.

Wenn ich beim Lesen dieser Zeilen ans Day-Trading denke, muss ich schmunzeln. Mephistopheles beschreibt unbeabsichtigt die Charttechnik ("ein vollkommner Widerspruch", "geheimnisvoll für Kluge wie für Toren", "Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten").  Ich hoffe, dem Leser ein kleines Amüsement geschenkt zu haben. Und bitte: Finger weg von Charttechnik und Day-Trading.

Nun ist es schon spät und meine Schulter-Kopf-Schulter-Formation seht sich nach ein paar Stunden Ruhe.

Bodo Schäfer

Seit längerer Zeit beobachte ich Bodo Schäfer. Es gibt ja ein paar Youtube-Videos und er ist ja auch schon seit recht bekannt. Sicherlich kann er sich gut darstellen. Das Thema ist natürlich auch wichtig und grundsätzlich ist zu begrüßen, wenn jemand den Menschen Sparen und Investieren näher bringt, die sonst eigentlich den Konsum frönen. Aber ich hatte auch schon einen negativen Eindruck, z. B. wie er sich hier von einem seiner Zöglinge interviewen lässt:


Mich widert dieses Speichellecken vor laufender Kamera einfach an. Und ob die Geschichten stimmen, da wage ich so meine Zweifel. Warum sollte
John Marks Templeton mit Bodo Schäfer überhaupt reden?

Um mir ein genaueres Bild von ihm zu machen, habe ich mir sein Buch "Der Weg zur finanziellen Freiheit" gekauft. Natürlich gebraucht, denn ich muss auch an meine 50 %  Sparquote denken. :-)

Mein Bild von ihm ist nun umfassender, aber nicht positiver. Sicherlich ist einiges richtig, was er schreibt, aber doch recht banal: Nicht mehr ausgeben, als man hat. Keine Konsumschulden, Vermögenswerte kaufen (investieren), viel Lesen, interessante Leute kennenlernen, an sich arbeiten. Er wird aber selten konkret.

Ich halte einige Sachen auch für falsch. Er schreibt, man solle nicht mehr als zehn Aktien halten. Ich halte das für recht wenig, bewege ich mich doch bei knapp 20 Titel im Portfolio. Er schreibt, von Gewinn oder Verlust könne man erst sprechen, wenn man verkauft hat. Das ist auch nicht ganz richtig. Wenn eine Aktie solide beim Kurs zulegt, das Unternehmen die Dividende erhöht, ist sie tatsächlich mehr wert. Bodo Schäfer sagte nichts anderes, als dass Aktie A gekauft bei 20 €, verkauft bei 30 € und wieder gekauft bei 30 € etwas anderes sei als Aktie A bei 20 € gekauft und bei 30 € gehalten. Das Finanzamt denkt übrigens wie Bodo Schäfer und besteuert die 10 € Kursgewinn.

Bodo Schäfer schreibt auch, "Richtiges Timing" sei wesentlich. Ich zitiere außerdem: Studieren Sie die Kursentwicklung einer Firma in der Vergangenheit, und überlegen Sie, wie sich dieser Kurs in der Zukunft entwickelt wird. Berücksichtigen Sie so viele Daten wie möglich. Er schreibt ja auch, mal solle rational vorgehen. Aber ist es rational, derartig von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen? Ist es rational, Markettiming zu betreiben?

Lustig ist auch sein Königsweg. Man solle nur auf die Branchenführer setzen, bei Banken auf die Deutsche Bank und bei Kaufhäusern auf Karstadt. Nun kann man mir ja vorwerfen, dass es leicht wäre mit dem Wissen sich darüber lustig zu machen. Aber was interessieren mich die Branchenführer? Mir ist der zweite oder dritte einer guten Branche lieber als der erste einer schlechten Branche. Schlechte Branchen sind für mich: Flugzeugbauer und Fluggesellschaften.


Und dann gleitet er noch ins esoterische ab. Man solle "reich denken". Man solle immer 1000 DM (Buch ist schon etwas älter) in bar mit sich führen und nicht leichtsinnig mit dem Geld umzugehen. Ich halte das für eine Psychonummer, die ich nicht brauche. Er gibt auch den Tipp, ein "Traumalbum" anzulegen, wo man dann seine Gesicht über die Gesicht von erfolgreichen Menschen klebt.


Zu dem Esoterischen und Banalen gesellt sich dann eine gewisse Überheblichkeit und Arroganz. Ich benutze nur selten dieses Wort und wenn ich jemanden Arroganz vorwerfen, dann mag das was heißen. Er schreibt, Menschen, die kein Geld haben, seien nicht bereit, "110 Prozent zu geben", würden nach Entschuldigungen suchen. Ich halte das für falsch, denn tatsächlich gibt es viele Umstände und Schicksalsschläge, die es den Menschen, wenigstens etwas erspartes anzuhäufen. Sicherlich gibt es aber auch viele, die es sich zu bequem machen. Ich sehe es häufig in meinem Umfeld und ich beklage es auch. Und nur weil sich jemanden schlecht verkauft, ist ja nicht weniger fleißig und nicht automatisch schlechter als der beste Selbstdarsteller.

Am nervigsten ist Bodo Schäfer, wenn er sagt, man brauche unbedingt "einen Coach". Wahrscheinlich meint er sich selber und bekanntlich geht seine Firma wie ein Strukturvertrieb vor. Bodo Schäfer schmückt sich ja auch damit, wie erfolgreich seine Seminarteilnehmer wären, aber man muss ja auch die Frage stellen, wie erfolgreich die Leute sind, die nicht an seinem Seminar teilnehmen. Und natürlich muss man auch die Effekte rausrechnen, die sich dadurch ergeben, dass man über 2000 € für sein Seminar berappen muss. Grenzdebile, Drogenabhängige, Alkoholiker und Geringverdiener müssen rausgerechnet werden, denn sonst wäre es ein unfairer Vergleich. Ob dann Bodo Schäfers Erfolgsquote immer noch so gut ist?

Und absurd wird es auch noch, wenn Bodo Schäfer von der Anlage schwadroniert, die 20 bis 30 % Rendite pro Jahr hat.

Bodo Schäfer hat wohn jene Leute im Blick, die verkaufen sollen: ein minderwertiges Produkt oder sich selber. Sein Rezept ist es, Selbstzweifel zu beseitigen. Ich halte das für den verkehrten Weg. Ein guter Wissenschaftler ist jemand, der seinen Standpunkt immer wieder überprüft und versucht, zu falsifizieren. Ein erfolgreicher Programmierer weiß, dass er genauso Fehler machen kann und daher überprüft den Code häufig. Ein erfolgreicher Architekt ist deshalb erfolgreich, weil er die Statik seiner Brückenkonstruktion ein zweites oder drittes Mal überprüft. Ein guter Journalist prüft seine Quellen. Es guter Kolumnist überprüft seine Argumente auf Stichhaltigkeit. Eine starke Meinung und keine Zweifel zu haben, reicht nicht.



Sonntag, 12. Juli 2015

Die Steuersparfalle

Ein Trick vieler Verkäufer unsinniger Finanzprodukte (z. B. R&R, KLV, Bausparvertrag) ist folgender: "Damit kann man Steuern sparen.", oder auch: "Lassen Sie sich nicht die staatliche Förderung entgehen."
Steuern zu sparen, nur weil man dem Staat nichts gönnen will, ist ein unsinniges Verlustgeschäft. Ein riskantes dazu, weil man jahrzehntelange Verbindlichkeiten eingeht. Dazu aber später.

Wann bekommt man etwas von der Steuer zurück? Wenn Kosten verursacht worden sind, die absetzbar sind. Auch ein Verlustvortrag ist abzugsfähig. Aber solange die Steuerrückzahlung nicht größer als der Verlustvortrag ist, bleibt es ein Verlust. Wegen der Steuer sollte man keine Investitionen tätigen.

Es genügt ein kleiner Test bei Google, um zu erahnen, wie viele Deutsche auf den Holzweg sind. "Steuern sparen" ergibt 2.800.000 Treffer, "Vermögen aufbauen" nur 247.000.  Anstatt also Vermögen aufzubauen, das passives Einkommen generiert, das leider auch noch steuerpflichtig ist, versucht man stattdessen die gegenwärtige Steuerlast zu mindern, indem man Ausgaben tätigt.

Die Medien haben auch ihr Schärflein dazu beigetragen. Ich erinnere mich, wie ich 2003 das Magazin WISO für mich entdeckte. Ich habe die Sendung aber dann bald links liegen gelassen, weil es nur noch darum ging, Steuern zu sparen und Förderungen abzugreifen. Nie ging es darum, zu beurteilen, was ein gutes Investment an und für sich ist, was die Vorteile sind, wenn man nach den ersten Erfolgen Gewinne reinvestiert und nicht verkonsumiert. Viele Zeitschriften bringen, wenn es um finanzielle Themen geht, vor allem die Steuersparnummer.

Es ist auch verkehrt, die Pendlerpauschale als Subvention zu bezeichnen. Natürlich kann es für den einen oder anderen bedeuten, dass ihm das Finanzamt 1000 € jedes Jahr überweist. Aber dafür hatte der Arbeitnehmer auch enorme Kosten: Benzin, Wartung, Wertverlust, Versicherung uvm. Die 1000 € bekommt er nicht geschenkt. Der Empörung über die Pendlerpauschale als vermeintliche Subvention als auch der Jagd nach Steuersparmöglichkeiten liegt das gleiche Missverständnis zugrunde.

Und was ist mit den Verbindlichkeiten, die ich oben schon erwähnte? Die Steuerersparnis ist ja noch nicht einmal sicher. Es gibt Fälle, da muss man das Geld zurückzahlen. In diesem Artikel aus der Wochenzeitung "Die Zeit" kann man nachlesen, dass die Kinder eines Riestersparers, die die Police erben, die staatliche Förderung zurückzahlen müssen. Das war neu für mich und meine Meinung über Riester ist dadurch noch schlechter geworden.

Wer seinen Lebensabend im Ausland verbringen möchte, muss auch die Riesterförderung zurückzahlen. Davon erzählt der Versicherungsvertreter natürlich nichts. Er sagt nur, bei Riester könne man Förderung erhalten, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen solle. Ich habe das tatsächlich schon mal jemanden erzählt, der kurz davor war, so ein Riester-Ding zu unterschreiben. Da er kein deutscher Staatsbürger ist, lag ja der Gedanke nahe, dass er vielleicht Deutschland wieder verlässt. Der "Versicherungsberater" hat dieses Thema nicht angesprochen und glücklicherweise wurde auch kein Riestervertrag unterschrieben.

Ich habe auch einen Kollegen, der bei der betrieblichen Altersvorsoge mitmacht. Er raucht, er trinkt, er ist übergewichtig... Warum geht er diese Wette ein, dass er besonders lange lebt? Leibrente ist für ihn kein gutes Geschäft. Warum also nimmt er an der betrieblichen Altersvorsorge teil? Er spart Steuern, ganz klar. Sein Brutto ist niedriger, dafür wird das Einkommen weit in die Zukunft verlagert. Er wettet darauf, dass er im Alter ein ingesamt geringeres Einkommen hat und so auf den fiktiven Renten-Euro in 30 Jahren weniger Steuern zahlen muss als auf den realen Gehalts-Euro von heute.

Er geht da viele Wetten ein: 1) Inflation ist moderat, 2) die Gesetze ändern sich nicht zu seinen Lasten, 3) er wird sehr alt, 4) es wird einen kräftigen Abbau der kalten Progression geben und natürlich 5) schafft er es, die Beiträge jahrzehntelang zu zahlen. Dass er heute ein geringeres Netto hat, übersieht er vor lauter Steuerersparnis. Auf Aktien ist er gar nicht gut  zu sprechen. Er hat eine starke Meinung, aber keine Argumente, wie bei so vielen Deutschen. Und er geht in Betongold. Aufgrund seines geringeren Netto-Gehaltes, hat er weniger Eigenkapital und muss unnötig lang den Kredit abstottern. Wenn ihm das Haus dann endlich gehört, wird seine Lunge so kaputt sein wie das Dach, dass ihm die Luft fehlt, um sich über die unerhört geringe Betriebsrente zu ärgern, deren Besteuerung dann doch höher ausfällt als vom Versicherungsberater versprochen.

Sonntag, 5. Juli 2015

Das größte Sparpotential bei Stadtbewohnern

Heute möchte ich einem persönlichen Thema widmen: Meinem Fahrrad. Anfangs habe ich mir aus Kosten- und Zeitgründen ein Fahrrad gekauft. Hauptsache ich habe eins, um schnell von A nach B zu kommen. Es war billig (230 €) und so fuhr es sich auch. Aber ich fand Gefallen am Radfahren, unternahm kleinere bis längere Touren und sagte mir: Ich brauche ein ordentliches Fahrrad. Also kaufte ich mir vor sechs Jahren ein 1000 € teures Gefährt. Mittlerweile ist es eine kleine Liebhaberei.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Kürzlich musste ich Verschleißteile wechseln und musste feststellen, dass es sich richtig gut fährt: Tretlager ist in Ordnung, Schaltung ist in Ordnung, Rahmen und Vorbau auch, Lichtanlage sowieso.

Da ich seit 2012 ein Haushaltsbuch führe, weiß ich auch, was ich für das Fahrrad ausgeben musste: 509,54 €. Darin enthalten sind: mehrere Paare Bremsschuhe, neue Ketten, Werkzeug, Schläuche, Reifen, Felgenbänder, eine neue Klingel, aber auch die Wartungskosten in einem Fachgeschäft. Letzteres möchte ich Zukunft aber stärker reduzieren. Nicht, weil ich Geld sparen möchte. Ich möchte es einfach selber können und wenn ich nicht am Fahrrad selber herumschraube, bekomme ich nie eine Routine.

509,54 € geteilt durch 3,5 Jahre ergibt bei mir 145,60 € pro Jahr. Diesen Betrag muss man erstmal unterbieten. Ich nutze ab und zu auch den ÖPNV. 198,35 € seit 3,5 Jahren, also 56,57 € pro Jahr. Wegen des Fahrrads lohnen sich keine Monatskarten. Ich gebe also 202,17 € pro Jahr für meine innerstädtische Mobilität aus. 56,57 € hört sich viel an, wenn ich doch fast immer mit dem Fahrrad fahre. Aber wenn das Fahrrad während einer Arbeitswoche kaputt geht und ich keine Zeit für eine Reparatur habe, dann gehen in der Woche über 4 € pro Tag für den ÖPNV über die Wupper. Ich finde es schmerzhaft, 2 € für eine Kurzstrecke (max. drei Station) hinzublättern. Und dann muss man auch noch auf Bus und Straßenbahn warten. Das fällt beim Fahrrad weg.

Was würde mich alternativ eine Monatskarte kosten? 49,50 € pro Monat im Abonnement, also 594 € pro Jahr. Manche Menschen sind bereit, sogar 72 € pro Jahr zusätzlich zu bezahlen und können damit die Nachtlinien ohne Aufschlag nutzen und auch noch jemanden "kostenlos" mitnehmen. Da scheinen Anker-Werte und Framing gnadenlos zuzuschlagen. Die Verkehrsgesellschaft wirbt mit dem Monatspreis und da sind es nur sechs Euro Zuschlag. Das sieht nach weniger aus und schon sind die Menschen eher bereit, diesen Aufpreis zu zahlen, obwohl über das Jahr gerechnet die Nachtlinienzuschläge nicht besonders viel sein werden. Und für die "kostenlose" Mitnahme eines anderen Fahrgastes bietet sich nicht häufig eine Gelegenheit, vielleicht viermal im Jahr.  Da kann man auch Einzeltickets lösen. Meine 56,57 € pro Jahr sind ausschließlich Einzelfahrkarten.

Die ÖPNV-Gesellschaft verschwendet sogar noch Geld. Sie bewirbt das günstigere Angebot als Standard, das teure als "Plus"-Abo. Hätten die Strategen ihren Kahneman gelesen, wüssten sie, dass sie das teure Angebot als Standard definieren müssen und das günstigere als Sparversion.

Und dann gibt es ja noch das Auto. Ich hatte noch nie ein Auto besessen und muss jetzt ein wenig improvisieren, was die Zahlen angeht. Alleine die Kfz-Haftpflicht-Versicherung für bei einem Golf von 1997 würde 240 € pro Jahr kosten. Das sagt mir Verivox. Obendrauf kommen noch Kosten für Benzin und Wartung. Und man möchte ja nicht nur Kfz-Haftpflicht haben, sondern auch den Gegenstand Auto versichern.

Anschaffungskosten und Wertverfall habe ich mal dreist unterschlagen. Die sind ja auch beim Fahrrad da, aber werden nicht berücksichtigt. Unfair ist dies natürlich gegenüber dem ÖPNV, denn dort sind Anschaffungskosten und Wertverfall in den Ticketkosten eingepreist. Aber selbst wenn man die Kosten für ein Monatskartenabonnement des ÖPNVs halbiert, ist es immer noch mehr als das, was ich heute für Fahrrad und Einzelfahrkarten pro Jahr ausgebe.

Wenn es die Situation hergibt, empfehle ich jedem, das Auto zu verkaufen oder das ÖPNV-Abonnement zu kündigen und auf das Fahrrad umzusteigen. Ich fahre ja bei fast jedem Wetter mit dem Fahrrad. Selbst Schönwetterfahrer können im Sommer jede Menge Geld sparen, wenn sie nur noch von November bis Februar Monatskarten für den ÖPNV kaufen. Statt 49,50 € pro Monat (im Abo) zahlt man dann beim ÖPNV meiner Stadt 60 € pro Monat. Aber dann halt nur 240 € pro Jahr, plus ein paar Einzelfahrkarten in den wärmeren Jahreszeiten, wenn man dann doch kein Fahrrad fahren kann. Im Vergleich zu den 594 € pro Jahr für das Abonnement spart man dann über 300 €. Für das Geld bekommt man schon ein gebrauchtes Fahrrad oder auch ein neues, aber kein gutes. Ein gutes Fahrrad, welches sich richtig gut fährt, macht das Fahrradfahren zum Genuss, dass man auch im Dezember noch Fahrrad fährt. Ich wurde mal für verrückt erklärt, dass mal einen vierstelligen Betrag für ein Fahrrad ausgegeben habe. Andere bezahlen weniger für ein gebrauchtes Auto. Aber unter den Gesichtspunkten der Kostenersparnis ist so ein teures Fahrrad (es gibt noch wesentlich teurere) auf Dauer günstiger als ein gebrauchtes Auto für weniger als 1000 €.

Wie ich auf das Thema komme? Es ist Sommer, der Urlaub steht an und mein Fahrrad wird mich wieder begleiten. Ich fahre gerne im Sommer Fahrrad und lasse mir die frische See- oder Landluft um die Nase wehen und natürlich erreicht man mit dem Fahrrad auch schöne menschenarme Strände, entlegene Ecken im Wald ("Borke statt Broker") und infolgedessen habe ich in den letzten Tagen etwas Geld und Zeit in mein Fahrrad investiert, sodass es für den Urlaub gut gerüstet ist.