Sonntag, 15. November 2015

Betriebsrenten lohnen sich nicht.

Die "ExStudentin" schrieb gestern, dass sie den Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge  nicht unterschrieb. Das ist vorbildlich. Ich habe ihr auch schon eine Zahl genannt, was sie bekäme, wenn sie das Geld in einen thesaurierenden DAX-ETF steckte. Aber wie komme ich auf den dort genannten Wert?

Was heißt denn Betriebsrente? Man verzichtet auf ein Teil auf seines Bruttos, um diesen weit in die Zukunft zu verschieben. Die Idee ist, Steuern zu sparen, weil man davon zu Recht ausgeht, dass man als Rentner weniger Einkommen hat als heute, als Angestellter. Sinkt aber das Brutto, sinkt zwangsläufig auch das Netto.

Wenn also das Brutto um g Euro sinkt und man glaubt, es sich leisten können, dann heißt es doch nichts anderes, als dass man g' Euro vom Netto locker entbehren kann. Wenn man das entbehren kann, dann kann man das doch zum DAX-ETF-Sparen verwenden.

Die Rentenformel ist unser Freund. Als Zinsfaktor nehme ich 1,08. 8 % jährliche Rendite sind empirisch belegt. Wir haben aber unterjährige Verzinsung, d.h mit der zwölften Wurzeln müssen wir rechnen. n Jahre bis zum Rentenentritt haben wir. Der Endwert beträgt dann:

     (1,08^(1/12))^(n * 12) - 1
g' * --------------------------
      1,08^(1/12) - 1


Man sieht schnell, dass man über dem Bruchstrich vereinfachen kann.


     1,08^n - 1
g' * -----------------
     1,08^(1/12) - 1

Bei der "ExStudentin" nahm ich: n = 44 Jahre, g' = 200 €. Das ergibt 887654 €. Selbst wenn man nur 1,07 als Zinsfaktor nimmt, kommen immer noch 658931 € heraus. Und die hat man. Ich rechne häufig mit 4 % Dividende brutto pro Jahr aus. Das entspricht im ersten Falle  35506 € pro Jahr.

Wo bleibt da der Mehrwert der Versicherungsgesellschaften? Ist uns das gute Gefühl eines regelmäßigen Einkommens so viel Wert? Was versprechen die eigentlich an Rente? Rechnet das mal dagegen. Ich weiß leider nicht, was für Renten die versprechen, aber rechnet mal mit 20 Jahren Restlebensdauer. 887654 € / (20 * 12) = 3698 € pro Monat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Versicherungen Renten in dieser Größenordnung versprechen. Was die Versicherung verspricht, ist schlichtweg ein schlechter Scherz. Lasst euch also nicht verarschen!

Ich frage mich immer bei solchen Altersvorsorgeprodukten, wo da der Versicherungsgedanke bleibt. Die Idee einer Versicherung ist doch, dass man sich mit geringen Beiträgen gegen ein kostspieliges Ereignis finanziell absichert. Ein Feuer richtet beispielsweise Schäden von durchschnittlich 500000 € an. Eine Versicherung findet 20000 Hauseigentümer, die ihre Häuser für jeweils 500000 € versichern. Jedem Hauseigentümer stellt sie 50 € pro Jahr in Rechnung, weil sie Versicherung weiß, dass ein oder zwei der Häuser wahrscheinlich abbrennen werden. Sie rechnet also mit Kosten in Höhe von 500000 € bis 1000000 €, nimmt aber 1000000 € ein. Was bei der klassischen Feuerversicherung so einleuchtend ist und funktioniert, scheint es bei den Leibrenten nicht zu geben. Wo bleibt das Geld der Menschen, die früher ableben? Eigentlich müsste die Versicherung das unter der Versichertengemeinschaft verteilen. Vielleicht tut sie das auch, aber wenn sie das tut, dann ist doch das Ergebnis für einen persönlich umso lausiger, wenn man da einzahlt und im Prinzip viel weniger bekommt als das, was der DAX hergibt.

Ich kann nur dazu raten, bloß keine Betriebsrenten zu unterschreiben. Geht mit der obigen Formel bewaffnet ins Gespräch mit dem Versicherungsberater, überzeugt eure Kollegen, nichts zu unterschreiben. Ihr braucht ja nur Werte einsetzen und fertig.

Und dann sind da ja noch andere Faktoren, die für den Vermögensaufbau mit ETFs oder Aktien sprechen:

  1. Flexibilität. Man kann das ETF-Sparen mit Mitte 30 abbrechen und beispielsweise ein Häusle bauen.
  2. Aufbau von Erbmasse. Hat man mit Mitte 30 schon 200000 € im Depot, dann kann man sich auch gleich den Hinterbliebenenschutz in Form der Risikolebensversicherung ganz oder teilweise sparen.
  3. Man muss ja nicht Monat für Monat immer den gleichen Betrag einzahlen, mal mehr, mal weniger. Vielleicht auch richtig viel (Berserkersparen) und man hat dann sogar die Chance auf den "Ruhestand" mit Mitte 40.
  4. Unabhängigkeit vom Arbeitgeber.
  5. Unabhängigkeit vom Familienstand. Riester und der ganze Schwachsinn gehen immer noch davon aus, dass man ein Leben lang mit derselben Frau oder demselben Mann verheiratet ist. Nun wird aber jede siebte Ehe geschieden und die letzten Gerichtsurteile sind noch nicht gesprochen. Da bekommen geschiedene Ex-Frauen noch Knete aus der Riesterversicherung. Was ist aber, wenn die Ex-Frau früher ablebt als man selber? Die Befürchtung ist, dass man diesen Unterhalt  an die dann mittlerweile verstorbene Ex-Frau (im Prinzip ist es nichts anderes) nicht zurückbekommt. Es ist rechtlich gesehen ein schwieriges Fahrwasser, in das man sich da begibt.
  6. Unabhängigkeit vom Standort. Versucht mal einem amerikanischen Finanzbeamten zu erklären, wer oder was Riester und Rürup sind. Gebt das mal in der amerikanischen Steuererklärung an. Dann fährt Blaulicht vor und dann gibt es so ein schönes Jäckchen mit dem Reißverschluss hinten.
  7. Abfederung gegen das Risiko Arbeitslosigkeit. Eine Riesterversicherung will ihr Geld jeden Monat. Das interessiert die doch nicht, ob man gerade die 200 € entbehren kann oder nicht. Ein Aktiendepot oder ein nichtthesaurierender ETF schüttet Dividenden aus. Und das kann nach wenigen Jahren intensiven Sparen schon spürbar viel sein. Und dann sind ein paar hundert Euro Zusatzeinkommen Gold wert, wenn man für zwei, drei Monate mal kein Gehalt bezieht.

Ich habe so einfache Mathematik angewandt. Ich finde, das sollte jeder beherrschen. Lest euch selber ein, in der Wikipedia, oder besorgt euch ein schlaues Buch. Das Buch kostet gerade mal 20 €. Angesichts dessen, was man sparen kann, nur weil man plötzlich die Dinge nachrechnen kann und bessere Entscheidungen trifft, ist Bildung wohl als eine der lukrativsten Investitionen überhaupt.

In eigener Sache

Dieses Blog hat zum Thema die persönlichen Finanzen, aber nicht zum alleinigen Thema. Sonst wäre es ja öde. Was soll man denn schreiben? Soll ich mit Charttechnik beginnen? Dass ich überhaupt frühzeitig den Weg zur Börse eingeschlagen habe, lag an meinem liberalen Weltbild. Ich las u.a. Smith, J. St. Mill, Mises und Hayek, hatte schon sehr früh die Überzeugung, dass das Indvidium gestärkt und ermutigt werden muss. Was es selber leisten kann, soll es selber machen. Das ist gut für die Persönlichkeit und letztendlich auch für die Gesellschaft.

Um das Verhältnis der Liberalen zum Sozialstaat zu beschreiben, sagte Phillip Rösler einst: "Wir lassen die Menschen in Ruhe, aber nicht im Stich." - Mir gefällt der Satz und ich sehe es genauso. Seit Jahren lässt uns der Staat aber nicht mehr in Ruhe. Überall gibt's Regeln und Verbote. Warum kann ich nicht meine Altersvorsorge komplett selber in die Hand nehmen und staatliche Förderung kassieren? Bislang läuft jede Förderung auf "betreutes Sparen" hinaus. Ich will aber nicht betreut werden. Betreuung (bzw. betreuen) ist auch ein belastetes Wort. Aber auch ohne die braune Vergangenheit schreit einen der in diesem Worte steckende Paternalismus an.

Neben all der Betreuung lässt der Staat Menschen im Stich. Menschen die ihr Recht erstreiten wollen, z. B. weil ihnen jahrelang von der Stasi nachgestellt wurde und infolgedessen heute für den Arbeitsmarkt untauglich sind. Oder Dachdecker, die vom Dach gefallen und seitdem querschnittsgelähmt sind. Warum wird ausgerechnet der finanzielle Schutz vor Invalidität zusammengeschossen? Ich würde mir vom Staat wünschen, dass er sich um die echten Lebensrisiken kümmert, anstatt sich auf Nebensächlichkeiten zu konzentrieren.

Indem ich von meinem Netto-Gehalt einen Großteil in Aktien investiere und auf sämtliche staatliche Förderung und auf staatliches Reinreden verzichte, leiste ich politischen Widerstand. Ich verzichtete damals auch ganz bewusst auf Bafög, obwohl ich es problemlos bekommen hätte. Ich wollte mich nie der paternalistischen Prozedur aussetzen. Die persönlichen Finanzen waren daher für mich von Beginn an ein politisches Thema.

Als Liberaler und FDP-Wähler wird einem alles schlechte unterstellt. Seit ein paar Jahren bin ich auch noch Aktionär. Nun unterstellt man mir, dass Aktionäre wie ich Unternehmen schaden, indem wir Dividenden kassieren. Als Anhänger der Marktwirtschaft, als aufgeklärter Liberaler, als Aktionär, entwickelt man dann schnell auch ein besonderes Gespür für antikapitalistische, antiamerikanische und antisemitische Ressentiments, weil die gleichen Ressentiments irgendwann selber einen zur Zielscheibe habe, sobald man sich prokapitalistisch oder proamerikanisch äußert. Es reicht ja teilweise schon, wegen TTIP nicht so besorgt zu sein wie ein großer Teil der Bevölkerung. Und die Geschichte zeigt ja auch: Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antisemitismus ist die Troika der nationalistischen und sozialistischen Ideologien.

Den Juden unterstellt man bis heute, sie würden ohne Rücksicht auf andere Profite an der Börse scheffeln. Der Vorwurf wird dann gerne auf alle Aktionäre ausgeweitet, egal ob Jude oder nicht. Den US-Amerikanern unterstellt man genauso, dass sie alles dem Profitgedanken unterordnen. Seit Jahren muss ich mir diesen Mist anhören, dass Amerikaner wegen Öl Krieg führten und mit TTIP die vermeintlich nächste Sauerei planen, um angeblich höhere europäische Standards zusammen zu schießen und die eigenen Profite zu erhöhen.

Ich bin in den letzten Jahren zionistisch und pro-amerikanisch geworden. Und das posaune ich auch gerne in die Welt hinaus, denn es gibt nicht genug Zionisten und nicht genug Pro-Amerikaner in Deutschland. Neulich wurde ich als "Blindgänger" beschimpft:

Das letzte mal hier gewesen ... werde mal die anderen Finanzblogger anschreiben dich aus den verbliebenen BlogRoll's zu streichen du Blindgänger.


Wenn sich Menschen wegen ein paar Beiträgen zum alltäglichen Antisemitismus zu derartigen Äußerungen so hinreißen lassen, dann beweist das nur den latenten Antisemitismus in diesem Lande, von dem angeblich 25 % der Bevölkerung betroffen sind. Viele Kommentare unter meinen Artikeln zum gegenwärtigen Antisemitismus enthalten den Ratschlag, ich möge doch zum eigentlichen Thema zurückkommen.

Ich sehe es aber als wichtig an, dass man Menschen, die sich für Finanzthemen interessieren, ein Sensorium dafür entwickeln, was ressentimentbehaftet ist und was nicht. Dass ich gegen das Daytrading bin, habe ich nun schon oft genug geschrieben. Ich bin aber auch der Meinung, man muss  vorsichtig sein bei Welterklärungsmodellen, dass wir von Rothschilds, Bilderbergern oder von der Wallstreet gesteuert würden.

Ich mache in der gewohnten Art und Weise weiter.

Sonntag, 1. November 2015

Eine kleine Zwischenbilanz

Ich möchte heute eine kleine Bilanz ziehen. Am Jahresende setze ich mir für gewöhnlich Ziele. Für 2015 galt:

1. 24000 € in Aktienkäufe zu stecken.
2. Depot soll einen Wert von 136000 € haben.
3. Dividendeneinnahmen sollen sich auf 4200 € brutto erhöhen.
4. Jeden Monat mehr Dividenden erhalten als im gleichen Monat des Vorjahres.

Das erste Ziel ist noch nicht erreicht, aber ich habe noch zwei Monate Zeit. Und es sieht gut aus. 3500 € muss ich nur noch investieren, um auf die 24000 € zu kommen. Das schaffe ich locker, gerade weil der Oktober auch einer sparsameren Monate war und ich beim Gehalt noch die eine oder andere Gratifikation bekam. Ich kam im Oktober mit 29 % meiner Einnahmen (Grundgehalt + Gratifikationen + Dividenden) aus.

Mein Depotwert ist über 136000 €, aber das hängt von den Irrungen und Wirrungen an den Börsen ab. Das war zwischenzeitlich auch extrem runtergegangen. Wichtig ist für mich, dass ich dauerhaft über 136000 € komme. Schon im März hatte ich nach kräftigen Kurszuwächsen mehr als 136000 €. Ich war auch schon bei 144000 € im Juli. Das zweite Ziel sehe ich als erfüllt an.
Wertzuwachs meines Portfolios

Bei den Dividendeneinnahmen kann man wenig interpretieren. Das Ziel ist jetzt schon erreicht und da kommen ja noch ein paar Dividenden im November und Dezember.

Das vierte Ziel habe ich von Beginn an nicht wirklich beim Wort genommen, aber dennoch fast erreicht. Der März war ein wenig betrüblich, aber warum? Eine Quartalsdividende, die ich 2014 noch Ende März bekam, bekam ich 2015 erst Anfang April. Ansonsten aber habe ich in jedem Monat mehr Dividenden reinbekommen als 12 Monate zuvor. Die Idee dahinter ist, einen kontinuierlichen Dividendenfluss zu schaffen, der sich gleichmäßig wie ein Teppich über das gesamte Jahr legt. Zwar bekomme ich aufgrund einiger deutscher Aktien im Mai und Juni viele Dividenden (im Mai mehr als 1300 € netto), aber der Idealzustand ist das nicht.

Ich denke, das kann sich sehen lassen und ich bin guter Dinge, dass das so weiter geht. Die letzten Wochen und Monate hatten es schon in sich. Ich habe tatsächlich nichts verkauft. Ich bin ein ziemlich abgebrühter Hund, ein Hartgesottener, wie der alte Kosto sagte. In der kurzen Flaute im August und September habe ich sogar noch Nachkäufe getätigt: Qualitätsaktien zum kleinen Preis.

Ich merke bei mir, dass ich gelassener werde und auch das Kostolanysche Credo verfolge: "Einer Aktie und einer Straßenbahn läuft man nicht hinterher." Ich hatte schon einige Order im Orderbuch, bei denen ich zu wenig bot. Der Kurs wollte nicht unter mein Limit. Die Ordern verfielen und ich nahm es gelassen hin. Die Aktien, die ich dadurch nicht bekam, fielen zwei Monate später noch tiefer.  Vor zwei Jahren hätte ich mein Limit nach oben korrigiert, um unbedingt die Aktien zu bekommen.

Und wieder muss ich einen Spruch vom alten Kosto anbringen: "Wer eine Aktie nicht hat, wenn sie fällt, hat sie auch nicht, wenn sie steigt." Das habe ich kürzlich erst wieder beim "Finanzrocker" gehört. Ich interpretiere den Spruch wie folgt: Wer nicht den Schneid hat, eine Aktie zu halten, wenn sie fällt, hat auch nicht den Schneid, der Aktie zuzusehen, wie sie neue Gipfel stürmt. Das Problem vieler Anleger ist nunmal, dass sie Gewinne zu schnell realisieren.