Dienstag, 22. Dezember 2015

Im geometrischen Mittel wächst der DAX um 8 % p.a.

In Diskussionen merke ich immer wieder, dass das, was ich für selbstverständliches Wissen halte, gar nicht so selbstverständlich ist.

Im SPON-Forum äußerte ich mich wie folgt:

Der DAX wächst im geometrischen Mittel um 8 % pro Jahr[...]


Eine Antwort war:


Das Wissen, daß der DAX um 8% pro Jahr steigen wird, haben Sie unter 7 Milliarden Menschen exclusiv.


Der Performance-Index DAX steigt ja tatsächlich 8 % pro Jahr. Im Durchschnitt! Das hat der Schreiber einfach unterschlagen. Aber was heißt Durchschnitt? Es gibt das arithmetische und das geometrische Mittel.

Angenommen wir haben einen Index, die im ersten Jahr bei 100 steht. Dazu habe ich eine kleine Tabelle in LibreOffice Calc erstellt, um zu illustrieren, was das geometrische Mittel ist.






Das arithmetische Mittel der Zuwachsraten dient nur der Gegenüberstellung. Es ist wohlgemeinter Unsinn. Ich kann es ja noch drastischer darstellen, indem ich zwei Wachstumsprozesse gegenüberstellen. Wir haben ein Sparbuch und einen Aktiendepot:


Da der DAX von 1987 bis Ende 2015 ungefähr eine Verzehnfachung durchgemacht hat, können wir rechnen: 28-te Wurzel aus 10 = 1,0857. Das ist der interne Zinsfaktor bzw. das geometrische Mittel des Zuwachsfaktors. Für die Laien übersetzt hieße es: 8,57 % wuchs der DAX bislang durchschnittlich. Und warum soll er es nicht weiterhin tun?

Man sieht, dass das arithmetische  Mittel die falsche Wahl ist. Das arithmetische Mittel wird beispielsweise verwendet, um aus Notendurchschnitt eines Schülers zu bilden. Oder die durchschnittlichen Zuschauer oder Tore pro Spiel zu ermitteln. Bei Wachstumsprozesse aber nutzt man das geometrische Mittel.

Ein anderer Kommentator schrieb:
Die Zeit wird es zeigen. Ich habe schon öfters Pferde vor der Apotheke erbrechen sehen, die so großmäulig daherredeten, mir könne nichts passieren. Wenn Sie den inneren Wert Ihres Aktienvolumens veräußern müssen, um beim Aldi fürs tägliche Leben bezahlen zu müssen, denn Aldi will Kohle sehen und keine Aktienpapiere, dann ist nicht nur Ihre Dividende futsch, sondern im ungünstigen Fall auch Ihre Investition. Auch Ihr Vermieter will keine Aktienpapiere als Mietzahlung sehen. Warum nur wollen die keine Aktienpapiere akzeptieren, wo doch diese Scheinehe so viel innere Werte haben.
Da bleibe ich lieber bei meinen Aktien. Die Voraussetzung, dass ich den Verlust von Vermögen bedauern kann, ist doch, dass ich erstmal Vermögen erziele. Wer gar nichts spart, dem geht es auf Garantie dreckig, wenn er nicht mehr arbeiten kann. Wer spart und investiert, der schafft sich eine solide Basis, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Lebensabend versüßen wird. Man muss ja nicht den Extremfall annehmen, dass Putin den roten Knopf drückt und ein Hagel von Nuklearsprengköpfen auf Mitteleuropa niedergeht.

Wer mit solchen Extremfällen rechnet, kann sich doch gleich den Strick nehmen. Warum heute gesundheitlich vorsorgen, Kinder kriegen und sich fortbilden... Warum so viele Flüchtlinge aufnehmen, wenn Putin jeden Moment den Kopf drücken könnte. Jedes auf die Zukunft gerichtete Handeln wäre doch obsolet, oder nicht?

Sonntag, 20. Dezember 2015

Die Jahresendbilanz - die neuen Ziele

Die letzten Börsentage des Jahres interessieren mich nicht so sehr, weshalb ich die Bilanz für dieses Jahr bereits jetzt ziehe. Ich habe kürzlch eine Zwischenbilanz verfasst. Dem ist eigentlich nichts mehr viel hinzuzufügen, außer dass ich letzte Woche meine letzte Transaktion ausgeübt habe. In diesem Jahr habe ich somit 24367,60 € (Ziel: 24000 €) in Aktien gepumpt. Das Geld speiste sich alleine aus Gehalt und Dividenden. Ich habe keine Aktien verkaufen müssen, um auf diesen Betrag zu kommen.

Dividenden erwarte ich in diesem Jahr nicht mehr. 4827,27 € brutto gab es; 4200 € brutto waren das Ziel. Das Ziel habe ich also souverän überflügelt. 138.421,90 € beträgt mein Depotvermögen; das Ziel betrug 136000 €.

Nun also die Ziele für das Jahr 2016:
  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken (Geld wird nur gespeist aus Gehalt und Dividenden. Mögliche Aktienverkäufe werden gegengerechnet.)
  2. Der Wert meines Depots soll mindestens 173000 € betragen.
  3. Die Dividenden sollen mindestens 6100 € brutto betragen.

Ein paar Grundsteine sind ja schon gelegt. Viele Aktienkäufe von 2015 werden dividendentechnisch erst im Jahre 2016 ihre Wirkung entfalten. Es wurde schon häufiger gefragt, ob ich nicht einmal eine kleine Aufstellung geben kann, aus was sich mein Depot zusammensetzt. Ich möchte es vermeiden, Einzeltitel zu nennen, weshalb ich mich auf eine Verteilung nach Branchen und Ländern beschränke.


Samstag, 19. Dezember 2015

Was die Leute sich alles bieten lassen.

Ich war heute im Kino, um mir den neuen Star-Wars-Streifen reinzuziehen. 11 € für eine Kinokarte finde ich schon ganz in Ordnung. Ich war aber auch noch an der Theke. Dort gab es das "Sparmenü" für 9,90 €. Darin enthalten ist wahlweise eine große Portion Nachos oder eine große Portion Popcorn. Dazu gab es ein Getränk "mittlerer Größe", d.h. ein Liter! Ein Liter!

Den Unsinn wollte ich nicht mitmachen, sondern bestellte eine kleine Portion Nachos und eine "kleines Getränk", das immer noch 0,75 Liter umfasste. Und ich bezahlte gerade einmal 50 Cent weniger.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das ziemlich ärgerlich fand, dass für den kleinen Hunger kein Angebot und auch kein "Sparmenü" angeboten wurde. Die Einzelpreise für Getränk oder Nachos waren kaum auffindbar. Der Preis für ein kleines Getränk war so klein geschrieben, dass ich mehrfach schauen musste.

Irgendwie ist das alles gemacht, um die Leute über den Tisch zu ziehen und es scheint ja zu funktionieren. Ich bezweifle dass die Einkaufspreise für das Kino eine große Rolle spielen... Ob 0,75 Liter oder ein Liter... Das gleiche bei den Nachos. Ich bin jetzt in der Situation, dass ich mich wegen nur 50 Cent Differenz zum "Sparmenü" über den Tisch gezogen fühle, gleichzeitig kann ich mir aber gut vorstellen, dass ich eigentlich alles richtig machte und 50 Cent sparte, denn Cola und Nachos reichten ja vollkommen. Und das Kino hat nun auch 50 Cent weniger Umsatz gemacht.

Da ich nur selten ins Kino gehe und ich nicht wirklich auf jeden Euro achten muss, tut mir das nicht weh. Aber in der Schlange vor mir waren vier Jungs, vielleicht sogar Brüder. Man stelle sich vor: Vier Brüder gehen ins Kino, da kauft sich jeder das "Sparmenü" und die Kinokarten müssen auch noch bezahlt werden. Da haben die Eltern viel zu blechen. Da kommen schnell 80 € zusammen, die mal eben innerhalb von 3 Stunden verpulvert werden. Wer jede Woche ins Kino geht, kommt da auch schnell auf hohe Summen, wenn er immer sein "Sparmenü" zu sich nimmt.

Ich finde es unglaublich, dass sich sowas überhaupt als Geschäftsmodell halten kann. Um wenige Cent zu sparen, werden Prospekte gewälzt und gezielt mehrere Discounter angefahren. Eigentlich sind wir doch ein Volk von Pfennigfuchsern. Aber das wird dann zunichte gemacht unbedachten Ausgaben. Immerhin spart man, denn sonst würde es kaum "Sparmenü" heißen.



Mittwoch, 2. Dezember 2015

Hamad Abdel-Samad: "Mohamed" (2)

Ich habe im September angekündigt, das Buch "Mohamed" von Hamas-Abdel-Samad zu kaufen und zu lesen. Es sollte geschehen. Mittags am 13. November 2015 kaufte ich es in einer örtlichen Buchhandlung, natürlich nichtsahnend, was am Abend desselben Tagse geschehen sollte.

Der politische Islam, der Islamismus ist das Thema unserer Zeit. Einst bedrohten Sozialismus und Faschismus die freie Welt, heute ist es diese Interpretation des Islam, die keine Kritik am Koran und am Propheten zulässt. Den Koran als Gottes Wort betrachten, ist äußerst problematisch.

Die unsägliche Kritik von Daniel Bax hat mich herausgefordert, mich dagegen zu positionieren. Was schreibt Bax denn:

So stempelt er nebenbei 1,5 Milliarden Muslime zu potenziellen Gewalttätern und erklärt Terrorgruppen wie die IS-Milizen und Boko Haram zur logischen, ja zwingenden Folge der Lehre Mohammeds. Das ist in etwa so, als würde man den Ku Klux Klan mit seinen brennenden Kreuzen zur einzigen richtigen Lesart des Christentums erklären.

Diese Einfalt ist typisch für Linke. Inwiefern stempelt Abdel-Samad 1,5 Milliarden Muslime zu "potenziellen Gewalttätern" ab? Erst einmal ist jeder Mensch ein potenzieller Gewalttäter. Zweitens scheint er es eine große intellektuelle Hürde für ihn zu sein, zwischen vielen und allen zu unterscheiden, sowie zwischen Terror und häuslicher/folkloristischer Gewalt.

Abdel-Samad ist Moslem, hat den Koran nicht nur auswendig gelernt, sondern den Islam studiert. Mit dem Hintergrund hat er zweifelsfrei eine gewisse Kompetenz. Entsprechend detailreich ist das, was man im Buch über Mohammed erfährt. Es geht um seine Herkunft, um seine Ehen, um seine Feldzüge und seine Gegner. Man erfährt, dass Mohammed eher eine zwielichtige Herkunft hatte und dass er gewiss nicht von dem Edelmut beseelt war, dem man ihm unterstellt.

Die Authentizität des Korans als "Gottes Wort" wird in Frage gestellt. Offenbar wurden neue Suren entwickelt, wenn Mohammed welche brauchte, um seine Interessen durchzusetzen. So fand Mohammed Gefallen an seiner Schwiegertochter und plötzlich erfuhr ihm eine göttliche Eingebung,   dass er Allah sie mit ihm vermählt habe.

Abdel-Samad schreibt vieler solcher Episoden, die Mohammed nicht in einem guten Licht erscheinen lassen. Ist das nun verkehrt? Stiftet das Unfrieden? Ich bin der Meinung, nichts ist so gut wie die Wahrheit. Wir kehren doch auch nicht Geschichten aus dem Dritten Reich unter den Teppich, nach dem Motto, es würde zu viel Staub aufwirbeln. So dachten einige in den 50ern, aber über solche Leute sind wir doch im Nachhinein ziemlich erzürnt.

Und sicherlich ist nicht jeder Moslem ein Terrorist. Aber wir haben nunmal islamistische Terroristen, die sich aus dem Kreis der Muslime rekrutieren. Sie berufen sich auf Koran und Prophet und das vollkommen zurecht. Schon Mohammed war Feldherr und hat Sklaven erbeutet. Vor allem Sklavinnen. Der IS macht nichts anderes.

Wie reagieren die Muslime darauf? Die meisten sagen das dämlichste, was man da sagen kann: "Diese Terroristen sind keine Muslime." - Klar, und die Nazis waren keine Deutsche. Das ist nichts anderes als die intellektuelle Kapitulationserklärung. Wegen Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung wurde randaliert, es wurden Flaggen verbrannt. Hätte es nicht gereicht zu sagen: "Die von Jyllands Posten sind keine Muslime." (Abgesehen davon, dass die sich nie als Muslime gesehen haben.) Wann brennen die Flaggen des IS?

Die total unterschiedlichen Reaktionen zeigen doch eines: Islamismus hat es mit dem Islam zu tun, so wie Alkoholismus mit Alkohol. Und es gibt einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung für den IS. Im Prinzip sind die IS-Kämpfer Vertreter des Wahhabismus, wie er in Saudi-Arabien Staatsreligion ist. Viele Saudis sympathisieren mit dem IS.

Und es der Fehler von Daniel Bax und anderen Linken, falsche Gleichnisse zu ziehen. Der Ku Klux Klan hat kaum Rückhalt in der christlichen Gemeinschaft Amerikas. Die Opfer des IS sind auch nicht gerade von Waisenknaben. Bei einem umgedrehten Machtverhältnis, wäre genauso Mord- und Totschlag an der Tagesordnung. Es stünde nicht alles automatisch zum Besten, nur weil der IS beseitigt wäre.

Bei Bax kann man jenen Fehler beobachten, den viele westliche Linke machen. Eine Errungenschaft des Westens ist die Befähigung zur Selbstkritik. Fehler erstmal bei sich zu finden zu beheben, ist eine positive Eigenschaft, aber der Wahrheitsfindung dient sie nicht. Der Westen wird für jede Kleinigkeit verantwortlich gemacht und sei es, dass wegen des westlichen CO2-Ausstoßes, der Klimawandel dafür sorgt, dass in China ein Sack Reis umfällt. Es ist aber unlogisch, den Westen für jede Unbill verantwortlich zu machen. Angeblich habe der Westen den Nahen Osten destabilisiert, indem er Saddam Hussein beseitigt hat. Dass das Problem aus dem Innern der arabischen Gesellschaften kommt, traut man sich nicht, zu sagen.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Man braucht keine weitere Lektüre, um das Buch zu verstehen. Es ist ein wichtiger Beitrag in einer Zeit, in der der politische Islam das größte Problem darstellt. Es ist ein politisches Buch und der Forderung Abdel-Samads, dass Muslime Mohammed realistischer sehen müssen und den Koran eben nicht für Gottes Wort halten sollten, sondern durchaus krititisch lesen dürfen, schließe ich mich an.