Freitag, 30. Dezember 2016

Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: Keine Schlammschlachten mehr bei SPON

Ich habe es vor wenigen Tagen getan: Ich habe meinen Account bei SPON deaktiviert. Es ist vorbei. Die dortige Zensur geht mir doch mächtig auf den Zeiger. Da schreibt man umfangreiche und seriöse Beiträge, die dann in der Zensur hängen bleiben, weil man beispielsweise die schrankenlose Einwanderung kritisiert. Das tue ich seit ein paar Jahren. Das kann man tun, ohne in billige AfD- oder Pegida-Polemik zu verfallen. Aber nichts ist so ärgerlich wie ein Zensor, der intellektuell derart überfordert ist, dass er begründete Kritik nicht von Fremdenfeindlichkeit unterscheiden kann.

Der "Hate Speech" der Linken kommt ja ungeschoren durch und bleibt dann zu oft unwidersprochen. Das Fass endgültig zum Überlaufen brachten aber zwei Begebenheiten in der letzten Woche:

1. Meine Kritik an Barack Obama, der zum Ende seiner Amtszeit noch einmal eine antisemitische Duftmarke gesetzt hat. Offenbar hat man bei SPON keine Lust mehr zu hören, dass 99 % der Israelkritik schlichtweg klassischer Antisemitismus ist. Viele Kommentare unter Artikeln zu Israel sind antisemitisch. Dann wird gerne auf den Teilungsplan von 1948 verwiesen. Ist es redlich, wenn die proarabische Partei sich hinter den ursprünglichen Teilungsplan verkriecht und Israel verbal angreift, obwohl sie 1948 mit einer Kriegserklärung diesen Teilungsplan ablehnte. Den Krieg verloren die Araber, wie alle Kriege danach, bis auf einen einzigen: Die medialen Krieg. Die Europäer mit ihrer antisemitischen Tradition glauben praktisch alles, was Hamas und Fatah medial aufbereiten.

2. Mein Wunsch an den  Zinsschnäppchenjäger Tenhagen, doch mal etwas substantielles zu bringen, etwas über Finanzmathematik, Stochastik, Aktien usw. Es ist doch traurig, dass die Leute mit Breitenwirkung derart versagen. Christian Kirchner hat's versucht vor einigen Jahren bei SPON; die Resonanz war ja auch nicht immer gut.


Diese Auseinandersetzungen mit diesen häufig sehr dummen und ignoranten Leuten kostet auf Dauer sehr viel wertvolle Lebenszeit. Wenn ich dennoch einen Artikel bei SPON lese, den ich kritisieren wünsche, dann werde ich das über meine Blog tun, wie ich das schon mal im Falle des Zeitungsdiebes Bernd Krahmer gemacht habe bzw. machen musste, weil die Diskussionsmöglichkeiten bei SPON zu dem Zeitpunkt schon sehr eingeschränkt waren.

Gegen so viel Ideologie und Dummheit kann man gar nicht anstinken. Nun treiben sich auch DDR-Fans in den Foren herum und halten der DDR zugute, sie hätte nie einen Auslandseinsatz der NVA veranlasst. Als ob der formale Umstand, dass die Streitkraft einen Auslandseinsatz durchführt, das entscheidende Kriterium wäre. Für die USA war der gesamte zweite Weltkrieg ein Auslandseinsatz. Waren die USA nun moralisch verwerflicher als die UdSSR oder Hitler-Deutschland? Wem die Frage nach dem Warum eines Auslandseinsatzes, zu viel ist, ist gar nicht Argumenten und schon gar nicht an einer besseren Menschheit  interessiert. Das ist nur vorgeschoben, um seine Ressentiments auszuleben. Auch beliebt ist die Gleichsetzung der Praxis der Todesstrafe in den USA mit der Praxis in China, Iran oder Nordkorea. So eine Gleichsetzung verbittet sich, da in den USA die Todesstrafe für Kapitalverbrechen vorbehalten bleibt, es ordentliche Gerichte gibt und Todesstrafe erst nach Jahrzehnten vollzogen wird, und daher Zeit bleibt, um Fehlurteile zu revidieren. In den anderen Ländern wird man wegen Kinkerlitzchen hingerichtet und das geht dann recht fix. Im Iran werden Homosexuelle an Baukränen aufgeknüpft.

In Deutschland driftet man nach links ab. Die DDR-Diktatur wird verharmlost, ein ubiquitärer Turbokapitalismus wird herbeifantasiert, liberale und konservative Standpunkte werden als "rechts" denunziert, auch weil man "rechts" gleichsetzt "rechtsextrem" meint. Für die Auseinandersetzung mit den Argumenten ist man sich zu schade. Der Islam wird verharmlost, genauso auch der Linksterrorismus. Wenn Islamisten wieder zuschlagen, macht man erstmal eine "Demo gegen rechts", denn die "Rechten" könnten ja den Anschlag instrumentalisieren. Der Witz ist: Wer zwei Tage nach einem solchen Anschlag so eine Demo gegen Dritte organisiert, instrumentalisiert die Opfer des Anschlags.

Wenn man dagegen halten will, muss man mit guten Argumenten auf einer geeigneten Plattform dagegen halten. Im SPON-Forum geht's leider hoffnungslos verloren. Daher: Tschüss, SPON. Versinke in deinem eigenen antisemitischen und antiamerikanischen Dreck.

Dienstag, 27. Dezember 2016

"Millionärsformel": Alter Wein im kaputten Schlauch

Auf Youtube wurden mir in letzter Zeit häufiger Interviews mit Carsten Maschmeyer angeboten. Wer Carsten Maschmeyer nicht kennen sollte: Er war Gründer des AWD und man zog ihn als "Drückerkönig" vor wenigen Jahren durch die ARD-Manege. Meines Erachtens zu recht, denn Strukturvertriebe bringen der Kundschaft recht wenig und die Methoden innerhalb eines Strukturvertriebes sind schon recht zweifelhaft. Dort wird ihnen kompliziertes Zeug aufgeschwatzt, das eigentlich intellektuell nicht durchdrungen wird, es sei denn, man ist mathematisch recht gut beschlagen. Carsten Maschmeyer, auch als Ungeheuer von Loch Masch verschrien ("Maschi"), ist durch seinen Strukturvertrieb zum Multimillionär wenn nicht gar zum Milliardär geworden.

Worum geht es denn in den Interviews? Er hat ein Buch veröffentlicht: "Die Millionärsformel". Untertitel: "Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit". In den Interviews gibt er sich vernünftig, geläutert, wartet sogar mit guten Anmerkungen auf. Das ist der Grund, weshalb ich mir das Buch zu Gemüte gezogen habe. Die Stadtbibliothek hatte es als eBook vorrätig.

Positiv finde ich, dass er betont, wie wichtig das Sparen ist, dass man sich die kleinen Dinge (Coffee to go etc.) spart und anlegt. Aber sonst bin ich dann doch enttäuscht, dass er dann so ein banales Zeug zu Papier bringt. Er erläutert die Wirkung  des Zinseszinses anhand von zig Tabellen; mit den Formeln dafür aber hält er hinterm Berg.  (Ich kenne sie, aber es wäre gut, wenn jeder Leser sie nach dem Lesen des Buches kennt.)

Das Buch ist durchzogen mit Motivationsgequatsche: "Fangen Sie jetzt an!", "Nur eine Vision, die wirklich visualisiert wird, kann zum Magneten werden[...]" Und natürlich geht er mit Beispielen hausieren, um zu zeigen, wie man zur ominösen Million kommt. Er nennt auch Rezepte: Aktien, empfiehlt aber in alter Strukki-Tradition Fonds, denn dort würden "Experten" das Portfolio verwalten. Geradezu irrwitzig ist es, dass auch er noch Riester, Rürup und Wohnriester empfiehlt. Die Förderung beim Wohnriester solle man sich entgehen lassen. Generell empfiehlt er, keine staatliche Förderung liegen zu lassen. Strukki halt. Seine "Millionärsformel" enthält die "staatliche Förderung" als Faktor, ich zitiere aus seinem Buch:

{[Gehalt + Einkommenssteigerung - Ausgaben = Reichtumsbasis] + staatliche Förderung } x Rendite x Zeitdauer = Wunschvermögen

Damit erweist er den Lesern einen Bärendienst. Wer in der Vergangenheit auf staatliche Förderung setzte bzw. auf staatliche Privilegierung, der wurde hinterher enttäuscht, egal ob Kapitallebensversicherung, private Rentenversicherung, Betriebsrenten, Filmfonds und Schiffsfonds. Der Staat hat immer das Gesetz im Nachhinein zu seinen Gunsten geändert. Es mussten dann sogar Steuern rückwirkend nachgezahlt werden.

Und das macht das Buch unglaublich schlecht, weil falsch. Mich erinnert das an den folgenden Witz: Der Broker ruft bei seinem Kunden: "Ich empfehle Ihnen, IBM aufzustocken." - "Was? Ich wollte eigentlich verkaufen." - "Auch nicht schlecht!" Auch wenn Maschmeyer nichts mehr durch "Finanzdienstleistungen" verdienen sollte, so merkt man ihm den Strukki immer noch an. Da ist einerseits das, was er empfiehlt: Hauptsache es fallen Gebühren und Provisionen an, andererseits benutzt er Strukki-Deutsch: "Sobald Sie Ihre Einstellung zum Reich- oder zum Noch-reicher-Werden optimiert haben[...]" - Da wird mir blümerant.

Immerhin empfiehlt er das Sparen und dann habe ich einen ganz konkreten Spartipp für Sie: Sparen Sie sich das Geld für dieses Buch, aber auch die Zeit. Ich habe nichts bezahlt, aber ärgere mich dennoch, dass ich Zeit aufgewandt habe. Der praktische Nutzen tendiert gegen null. Er bietet keine Orientierung, wenn er alle komischen Finanzprodukte gleichermaßen empfiehlt, auf Risiken von Immobilien gar nicht eingeht und die schwache Rendite von Gebührenfressern wie Aktienfonds überhaupt nicht erwähnt.

Da gibt es bessere Bücher. "Der reiche Mann von Babylon", der Motivation wegen. "Auf eigene Faust", der praktischen Hinweise und der Motivation wegen. Wegen der Mathematik sollte man sich ein Fachbuch zur Finanzmathematik besorgen, z. B. "Einführung in die Finanzmathematik". Oder lesen Sie Finanzblogs. Sein Buch beschert vor allem einer Person zusätzliches Einkommen und Vermögen: dem Autoren. Sein Buch wird ja auch überall plakatiert; das konnte ich heute sehen, als ich mit der S-Bahn fuhr. Der Strukki verkauft sein Buch generalstabsmäßig. Das macht ihn zu Deutschlands Generalfeldstrukki.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Bilanz 2016 - Ziele für 2017

Wie in jedem Jahr möchte ich auch in diesem Dezember kurz resümieren, wie das Börsenjahr für mich war. Die letzten Dividenden des Jahres sind auf mein Konto geflossen und damit kann ich eine Bilanz ziehen.

Die Ziele für 2016 definierte ich am 20. Dezember 2015. Dort heißt es:
  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken (Geld wird nur gespeist aus Gehalt und Dividenden. Mögliche Aktienverkäufe werden gegengerechnet.)
  2. Der Wert meines Depots soll mindestens 173000 € betragen.
  3. Die Dividenden sollen mindestens 6100 € brutto betragen.

Ziel 1 habe ich erreicht. Es waren am Ende 30004,13 €, die ich 2016 investiert habe. Ich habe mich von einer Position getrennt. Der Verkaufserlös ist von den 30004,13 € bereits abgezogen. Das ist schon Wahnsinn, da 30000 € p.a. 2500 € pro Monat bedeutet. Wo habe ich nur so viel Geld her? Ich habe ja währenddessen nicht unter der Brücke gehaust und mich von Läusen ernährt.

Ziel 2 habe ich erreicht. Mein Depot hat 191000 € überschritten. Und meine Dividenden betragen 6479,16 € brutto bzw. 5028,03 € netto. Ziel 3 ist damit auch erfolgreich abgehakt.

Ich fragte mal vor einigen Jahren in einem Finanzforum, ab welcher Höhe das Aktiendepot Spaß mache. Eine richtige Antwort bekam ich nicht; ich glaube, die verstanden die Frage nicht. Kolja Barghorn hat in einem seiner Videos kurz angemerkt, dass das alles erst ab 100000 € so richtig Spaß mache. Das kann ich so nur bestätigen. 1 % Steigerung des Depots, wie man es praktisch jeden Tag erleben kann, bedeutet bei 100000 € Anlagevermögen schon 1000 €. Und die Dividenden sind auch schon ordentlich. Ab 100000 € Depotwert kann man sich von den Dividenden schon deutlich mehr leisten als Döner mit Cola.

Wie sieht denn nun die Verteilung der Dividenden im Jahre 2016 statt? Eines meiner Nebenziele ist es, in jedem Monat wenigstens dreistellig zu kassieren. Das habe ich 2016 noch nicht geschafft, aber 2017 werde ich es wohl schaffen. Wie man aber sieht, gibt es ein deutliches Übergewicht im Mai:

Das sind meine deutschen Dividendenzahler. Ich habe kein Problem mit dem Ungleichgewicht und strebe auch nicht an, die Dividenden ungefähr gleichverteilt in allen Monaten zu bekommen. Änderungen zwischen den Jahren rühren meistens daher, dass Auszahlungstermine von Anfang Mai in den April rutschen und umgekehrt. Solche Effekte wird es auch 2017 geben.

Wie haben sich die Dividenden bis heute entwickelt? Wie in jedem Jahr gibt es auch hier ein fesches Diagramm:
Dann man schön sehen, dass es mit den Dividenden stetig hoch geht. Ich führe aber noch ein zweites Diagramm, das alle erhaltenen Dividenden bis zum Tag x darstellt:
Die blaue Linie zeigt die Bruttodividende. Die ist bei über 19000 €. Die Nettodividenden belaufen sich bislang auf über 15500 €. Für die ersten 5000 € netto brauchte ich fünf Jahre. 2016 bekam ich 5000 € netto im Jahr. Und wie hat sich mein Depot entwickelt? Auch da gibt es ein Diagramm:





In der Anfangszeit habe ich das noch nicht mitgetrackt. Ich versuche aber seit diesem Jahr, wenigstens einen Depotwert pro Woche zu notieren. In jüngster Zeit hat das besonders Spaß gemacht, weil Trump die Kurse steigen ließ.

Was also sind nun meine Ziel für 2017?

  1. 25000 € will ich investieren. Es ist ein wenig weniger als im letzten Jahr. Ich gehe von etwas  weniger Boni und Zulagen im Jahr 2017 aus.
  2. 220000 € soll der Wert meines Depot betragen, auch wenn ich weiß, dass ich darüber wenig Macht habe. Vielleicht gibt es ja - wie im Januar 2016 auch - zwischenzeitlich satte Einbrüche. 2016 konnte ich sie noch super nutzen.
  3. 8100 € will ich an Dividenden kassieren, brutto natürlich. Der aktuelle Bestand meines Depots gibt bereits 7400 € her, d.h. 700 € fehlen noch.

Was es noch anzumerken gibt: Ich hätte 2016 sogar noch mehr investieren können. Ich hatte vermeidbare Ausgaben im privaten Bereich. Außerdem nehme ich auch ein paar tausend  Euro mit ins neue Jahr; im Dezember investiere ich gewohnheitsmäßig wenig.

Im Jahr 2016 wohnte ich schon "kostenlos". Die Nettodividenden übertraf die Nettokaltmiete des ganzen Jahres. 2017 werde ich auch die Nebenkosten durch Nettodividenden abdecken und die Kosten fürs Internet auch.

Der Wertzuwachs des Dollars ließ die Dividenden aus den USA anschwellen. Dieser Effekt wird 2017 noch anhalten. Das nutzt mir aber wenig, da ich recht große britische Positionen halte und das Pfund hat ja einiges an Wert eingebüßt. Das hält sich alles ungefähr die Waage. Aber es ist interessant, dass man solche Effekte erreicht, wenn man nur ein wenig diversifiziert. Wie sieht überhaupt meine Diversifikation im Dezember 2016 aus? Deutschland macht den größten Batzen aus, dann kommen die USA und dann auch schon Großbritannien:

Bei den Branchen ist es wesentlich ausgeglichener und vielfältiger:





Seit diesem Jahr berechne ich auch den internen Zinsfuß meiner Börsentätigkeit. Er beträgt 12,59 % brutto p.a. seit 2009. Meine aktuellen Positionen sind in Summe mit 43000 € im Plus. Ich hatte ja in den letzten Jahren auch einige Verkäufe mit Gewinn bzw. Verlust, sodass Kursgewinne noch größer sind. 43000 € sind also nur die unrealisierten Kursgewinne. Bedenkt man, dass ich auch schon über 15000 € an Nettodividenden kassiert habe, bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie stark die Zinseszinseffekte sein müssen. Hätte ich keine Rendite, hätte ich innerhalb von acht Jahren Berufstätigkeit 23875 € p.a. zurücklegen müssen, um auf 191000 € zu kommen. Das ist praktisch unmöglich als Berufsanfänger.

Ich hätte es mir nicht zu träumen gewagt, dass die Kursgewinne schon nach wenigen Jahren theoretisch dazu ausreichen, dass ich mir ein nettes Auto, so eine richtige Angeberkarre, kaufen kann. Ich werd's nicht tun. Das ist übrigens der Unterschied zu Justin: Mir reicht es zu wissen, dass ich die Angeberkarre bar bezahlen kann, die er sich auf Pump kauft.

Ich höre doch jetzt nicht auf, gerade jetzt, wenn die Zinseszinseffekte zu wirken beginnen.


Dienstag, 20. Dezember 2016

Das tapfere Couponschneiderlein

Es war einmal in einem nicht ganz so weit entfernten Land ein junger Mann mit Talent und Fleiß, der sich mit seinem Brotberuf zwar zufrieden, aber nicht ausgelastet fühlte. Und er wusste, dass er für das Alter vorsorgen musste. Er holte sich Rat beim Weber, er kaufte sich seine ersten Aktien und machte im ersten Jahr gleich 7 % Rendite. Er sagte sich, das müsse er der Welt mitteilen, wie einfach das mit den Aktien sei. Er nähte sich einen Wams und bestickte ihn mit: "7 % auf einen Streich", und begab sich so auf seine Missionsreise.

Nach ein paar Monaten wurde er sesshaft in einer neuen Stadt eines anderen Königreiches. Im neuen Umfeld kursierten Erfahrungsberichte über die Rentenriesen: Rürup und Riester. Das Couponschneiderlein konnte die größten Gefahren noch abwenden. Die neuen Kollegen konnten davon überzeugt werden, dass der Abschluss solcher Policen nichts bringt. Sich selbst hat er sich dessen auch noch vergewissern müssen. Die Rentenriesen bringen keine "7 % auf einen Streich".

Unbehagen bereitete auch die Strukki-Wildsau, die vorzugsweise in der Nähe von Universitäten und Studentenwohnheimen ihr Unheil angerichtet und alles verwüstet hatte. So manches Rosenbeet musste dran glauben. Neue jüngere Kollegen berichteten von ihren Terminen mit der Strukki-Wildsau. Das Couponschneiderlein konnte das schlimmste noch verhindern, indem er die Kollegen aufklärte. "7 % auf einen Streich"  war noch nicht überzeugend, aber immerhin wurde das Geld der Kollegen in Festgeld und Tagesgeld umgeschichtet.  Da war es schon mal sicher vor der Wildsau und den Rentenriesen.

Zu Höherem berufen, begab sich das Couponschneiderlein an den Hofe des Königs, um seine Dienste anzubieten, um eine Aktienkultur im Königreich zu verankern. Skeptisch schauten König und Berater: "7 % auf einen Streich will dieser hemdsärmlige Jungmann geschafft haben? Das soll funktionieren?" Der König sprach: "Wir werden dich anhören, aber du sollst uns zuerst einen Gefallen erweisen. Eine Strukki-Wildsau treibt ihr Unwesen in meinem Land. Erledige es und wir schenken dir Gehör."

Der Couponschneider zog von dannen, und überlegte sich, wie er die Wildsau erledigt. Eine Medienkampagne setzte der Wildsau bereits mächtig zu. Zusätzlich schnappte eine lispelnde Venusfalle zu und zu guter Letzt auch die Falle des Couponschneiders: die MIFA-Investmentfalle. Der Couponschneider wusste ja vom Altmeister Buffet: "Nichts kaufen, was Räder hat.", zudem wusste er um den Ruf von MIFA: "Mit MIFA fährt man nie verkehrt, weil MIFA überhaupt nicht fährt." Die Strukki-Wildsau, der Strukki-Betrieb längst eingestellt, verzockte ein paar Millionen und wurde handzahm dem König vorgeführt. Mittlerweile ist die Wildsau unter die Buchautoren gegangen.

Erstaunt schauten König und Berater, rechneten sie doch fest damit, der Couponschneider gänge dabei drauf. Der König hielt aber sein Versprechen nicht, sondern verlangte mehr: "Ein stolzes und aggressives Banker-Einhorn versetzt die Anwohner in Angst und Schrecken, mit Agios von 5 % und anderen unnötigen Gebühren. Bändige es, und wir werden dir Gehör schenken und dich reich belohnen."

Die Idee des Couponschneiders: Das Einhorn irgendwie locken, es beim männlichen Stolz packen. Er mietete eine Hostesse, die zu allem bereit war. Das stolze Einhorn, immer mit dem Horn voraus, tappte in die Falle, bezahlte der auf ihn angesetzten Hostesse Champagner, Schmuck und sogar ein Auto. Ein Schnappschuss zur rechten Zeit, das Einhorn war gesellschaftlich erledigt, seine Frau ließ sich scheiden und er war ruiniert. Der König staunte nicht schlecht, als der Couponschneider ein devotes Einhorn vorführte.

Aber  auch diesmal hielt der König sein Versprechen nicht. Ein letztes Problem müsse gelöst werden: "Seit vielen Jahren verwüsten zwei Rentenriesen das Land, indem sie das Kapital der Bauernschaft und der Bürger in die festverzinsliche Wertpapiere locken und mit unhaltbaren Rentenversprechen ködern. Viel Kapital liegt seitdem brach, viel Geld ist in ferne Königreiche abgewandert, die sich auch jeglicher Kontrolle entziehen und sich per Dekret entschulden können. Und dann sind da noch die Gebühren, die den Rentensparern zusetzen. Du sollst reich belohnt werden, mit Gold, dem Thron und meiner Tochter, wenn du uns von den Rentenriesen befreist."

Der Couponschneider ließ sich nicht beirren und überlegte sich eine List. Wie brachte er die Rentenriesen dazu, dass sie ein einander bekämpften? Der eine Riese hatte die Menschen in abhängiger Beschäftigung im Blick, der andere die Selbständigen. Was aber ist mit Menschen, die beides waren? Er brachte viele Menschen des Königsreichs zusammen, die einerseits abhängig beschäftigt waren, gleichzeitig aber ein Gewerbe betrieben. Einige gründeten neben ihrer Beschäftigung in der IT-Branche ein Start-up, viele aber betrieben ein Hobby wie Stricken, Häkeln und Töpfern, dessen Erzeugnisse sie über eBay verkauften. Die beiden Riesen stritten sich um diese Menschen, sie schlugen mit Keulen aufeinander ein. Der eine Riese, Riester, bekam die Keule direkt aufs Maul; so wurde das Gebiss total schief. Er jammerte und klagte weh, worauf Rürup meinte, das Gebiss hätte vorher schlimmer ausgesehen und Riester solle gefälligst dankbar sein. Riester war so erzürnt, dass er noch härter draufschlug. Rürup wehrte sich umso stärker und irgendwann erlagen sie ihren Verletzungen.

Der Rentenspuk war vorbei und kurz darauf begann es im, im ganzen Königreich zu blühen. Es waren die blühenden Landschaften einer Aktienkultur. Die Menschen erkannten, dass das direkte Eigentum an den Produktionsmitteln, d.h. an die Firmen, zu Wohlstand führt. Der Couponschneider ging zurück zum Königshof. Die frohe Kunde hatte sich bis dahin schon längst überall verbreitet. Der König wollte aber nichts von seinen Versprechen wissen.

Der Couponschneider aber war in der Zwischenzeit nicht tatenlos. Er hatte  seine Aktienpositionen immer weiter aufgestockt. Durch die wiedererstarkte Aktienkultur stiegen die Aktienkurse und er wurde zu einem reichen Mann. Politische Macht bedeutete ihm nichts. Als Aktionär bei Großunternehmen aus dem Bereich der Ölförderung hatte er die politische Führung ohnehin im Griff. Und ihm war eine tatenlose Regierung lieber als eine aktionistische. Er ließ dem König seinen Thron. Die Tochter des Königs war aber derartig angetan, dass sie sich vom ihren Vater und der politischen Macht lossagte und sich dem Couponscheider an den Hals warf.

Sie heirateten, bekamen Kinder, gingen der Arbeit nach, die ihnen Spaß machte, schnitten fleißig Coupons und engagierten sich lokal, organisierten Kammermusikabende und dergleichen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Samstag, 10. Dezember 2016

Justins Spaziergang auf dem Börsenparkett

Ich möchte die Leser nicht die neuesten Entwicklungen im Fall Justin vorenthalten. Wer schon etwas länger auf meinem Blog mitliest, kennt Justin schon. Er ist eine anonymisierte  Realperson. Der Finanzwesir nannte ihn den "Alpha-Kevin unter den Geldverbrennern".

Was war passiert? Der Kollege hörte natürlich interessiert zu, wie ein anderer Kollege und ich uns über die Börse unterhielten. Natürlich positiv, weil die Dividenden flossen, das Depot prall gefüllt war und man Justins Luxuskarosserie für 40000 € mit Cash bezahlt könnte, das alleine aus Kurswachstum und Dividenden finanziert worden wäre. Dass wir so gut sind, hat auch etwas mit unserer Sparquote zu tun; dann kann man mehr Holz ins Feuer tun, d.h. diversifizieren und lange halte, weil man auf das Geld nicht angewiesen ist.

Also hat Justin bereits vor einem Jahr ein Depot eröffnet und gleich mal eine Aktie gekauft, die ich nicht kannte und ich wusste auch nicht, wie sich die Firma schreibt. Wenn man nicht weiß, wie die Firma geschrieben wird, sollte man auf der Hut sein. Die Aktie ging in den Keller. Nun traut er sich nicht zu verkaufen. Er hat genug von der Börse und wartet immer noch auf die Gelegenheit, zu verkaufen. Darauf wartet er seit Februar. Die gute allgemeine Entwicklung an der gesamten Börse seit Februar, und gerade jetzt auch noch nach der US-Wahl, hat sich bis zu seiner Aktie nicht herumgesprochen. Die liegt wie Blei im Depot.

Das ist typisch für Justin: Ohne groß nachzudenken, werden einfach so mal Aktien gekauft. Dass ich mein Geld mehr oder minder erfolgreich anlege, ist ja das Ergebnis eines stetigen Nachdenk- und Bildungsprozesses. Schon an der Uni habe ich eine Vorlesung über Investitionsrechnung besucht, habe als Berufstätiger viele Finanzbücher gekauft bzw. ausgeliehen und gelesen, mindestens 30 Bücher an der Anzahl (Kosto, Kommer und Konsorten).

Selbst ein Buch über Finanzmathematik verschmähe ich nicht. Manche bekommen ja Muffensausen, wenn sie die - zugegebenermaßen wenig komplexen - Formeln in dem Buch sehen. Und ich besuche vielleicht nicht den sonntäglichen Gottesdienst, aber die Predigten von Tim Schäfer (der "Spar-Punk") lese ich immer. Er hat die "Liturgie des Sparens" zur Meisterschaft gebracht.

Wenn es so einfach wäre, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, dann könnte das ja jeder machen. Eigentlich ist es noch einfacher: Man sollte nur kaufen. Natürlich Qualitätsaktien. Man kauft die Firmen, die die Konsumgüter herstellen, nach denen alle gieren. Apple, Coca Cola, Pepsi, Henkel, Procter & Gamble, Nestlé... Einfach in die Einkaufswagen der Hausfrauen im Supermarkt schauen, Hersteller feststellen, sich ein Bild von den Aktien machen, eventuell kaufen und fertig. Dann lässt man das liegen, für mindestens zehn Jahre.

Justin war oberflächlich wie eh und je; Nachdenken war noch nie seine Stärke. Er wird demnächst 33 Jahre alt. Das mit der Börse war eine genauso unstete Idee wie der Kauf des Motorrads, das in der Garage herumgammelt. Vorher die Hälfte des Jahres, mittlerweile ganzjährig, weil er sein schickes Luxusauto kutschieren muss.

Justin hat ja seinen Ruf in der Abteilung weg. Über seinen Autokauf haben alle den Kopf geschüttelt. Andere gleichaltrige Kollegen haben ja an Reife zugelegt und sich lieber eine billige Karre gekauft. Justin aber fährt ein Protzauto, als wäre er Anfang 20.

Eine Besserung aber hat sich ergeben: Er hat seiner Hausbank den Laufpass gegeben. Vorher hat er alles unterschrieben, was sie ihm hingelegt haben, beispielsweise Kfz-Haftpflichtversicherung zum dreifachen Preis des Marktüblichen, eingefädelt von der Hausbank.

Aber ganz ehrlich: Über so leichte Beute wie Justin freut sich jeder Bankangestellte. Die sehen, mit was für einen Auto er vorfährt, schauen auf sein Kontostand und wissen sofort, dass er nicht aufs Geld schaut und jeden Quark unterschreibt. Die sehen sofort, dass er nach dem Motto lebt: "Über Geld redet man nicht. Geld hat man." - Dieses Sprichwort wird ja vor allem von Unter- und Mittelschichtlern benutzt, die demonstrativen Konsum betreiben, um sich nicht die Blöße zu geben. Kluge Menschen nehmen den Wettlauf um die Statussymbole gar nicht erst auf. Kluge Menschen kaufen eher die Aktien der Firmen, die die Statussymbole herstellen, wie z. B.
  • Apple
  • Coca Cola. Der Unterschichtler will mit einer River-Cola nie gesehen werden. Felsenfest ist er davon überzeugt, dass Coca Cola besser schmeckt als alle anderen Cola-Getränke.
  • Red Bull (statt eines Billig-Energy-Drinks, ist aber keine AG)
  • Mercedes, BMW, Audi
Andere Verhaltensweisen hat er beibehalten. Neulich ertappte ich ihn, wie er Apfelsaft wegschüttete. Ungeöffnet, aber einen Tag über den Mindesthaltbarkeitsdatum. Seinen täglichen Soft-Drink kauft er immer noch bei der Tankstelle, anstatt kostengünstig im Voraus und in größeren Behältnissen. Sein Kollege, der "dicke Dirk", ist mittlerweile davon geheilt und kauft sich 1,5-Liter-Flaschen mit Soda.


Sonntag, 27. November 2016

Alle bekloppt außer Trump?

Am Freitag ist Fidel Catro gestorben, seines Zeichens ein sozialistischer Diktator, der Kuba in sozialistischer Tradition heruntergewirtschaftet hat. Die Nachrufe in den deutschen Medien sind teilweise Huldigungsadressen. Aber fangen wir doch mal an bei den "Linken" (ehemals PDS/SED):

Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich! Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Viele junge Menschen sind in den 1960er Jahren vom Enthusiasmus der kubanischen Revolution inspiriert worden, gerade in ihrer Auseinandersetzung mit dem übermächtigen US-Imperium.
Überrascht hat mich das nicht. Die Praktikanten bei SPON waren auch sehr schmallippig, wenn es darum ging, Castro zu kritisieren. Selbst das pseudodiskursive Attribut "umstritten" bemühte man nicht.

Eindeutige Kritik im SPON-Forum wurde natürlich nicht durchgelassen. Ich bin mit drei oder vier Beiträgen an der Zensur gescheitert. Der linke Blödsinn, der die Vereinigten Staaten mal wieder die Hauptschuld am dahinsiechenden Kuba gibt, wurde ungefiltert veröffentlicht. Man muss schon sehr blind sein, wenn man man das US-Embargo hauptverantwortlich für die katastrophale Lage Kubas sieht und nicht Castros Verstaatlichungsorgie. Ein Kommentator merkte an, Kuba unter Batista wäre zum "Bordell der bigotten amerikanischen Oberschicht" verkommen. Nur zur Erinnerung: Auch heute ist Prostitution eine der wichtigsten Einnahmequellen in Kuba. Da die Kundschaft keine "bigotten Amerikaner" sind, hat der Kommentator damit wohl kein Problem.

Henryk M. Broder hat auch die Äußerungen mancher Politiker aufgespießt. Warum traut sich niemand von denen, die Wahrheit über Castro zu sagen? Ein prominenter Politiker hat sich dann doch getraut, Trump: Er bezeichnete Castro als "brutalen Diktator", der mit Folter und Erschießungskommandos das Volk jahrzehntelang unterdrückte.

Das rechne ich Trump hoch an: Er spricht die offensichtliche Wahrheit aus. Den SED-PDS-Linken muss man zugutehalten, dass sie wirklich diesen Castro liebten und schätzten, und am liebsten genauso auch Deutschland herunterwirtschaften möchten, genauso wie sie es schon mit der DDR gemacht haben. Die restlichen Castro-Versteher sind derart gefangen in ihrer Welt, dass sie sich nicht trauen zu sagen, dass der König nackt sei. Stattdessen wird Castro als "historische Persönlichkeit" verklärt.

Erschreckend hierbei finde ich, dass so ein Nachruf der Linkspartei kaum als anstößig empfunden wird. Die Linkspartei würde es auch nicht so öffentlich machen, wenn sie sich nichts davon verspricht, aber wenigstens kaum einen Schaden befürchtet. Als Margot Honecker, einst treue Parteisoldatin, starb, gab es keinen Nachruf. Unterschied zu Castro: Unter Honeckers Schulpolitik hatten viele heutige Wahlberechtigte zu leiden. Kubaner sind in Deutschland nicht wahlberechtigt.

In einer Welt, in der eine Werbeagentur unter Verdacht gerät, mit einem fiktiven Kfz-Kennzeichen "MU-SS 420", nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten, ist diese völlige Abstumpfung gegenüber linksextremistischer Ideologie schon seltsam.

Castros Tod und die Reaktionen zeigen mir, dass wir uns auf Trump freuen sollten, für eine ehrlichere Politik. Ich bin weder ein Freund seines Stils, noch mancher Programmpunkte (z. B. Putinversteherei, Anti-TTIP), aber er wird unabhängig und ohne taktisches Geplänkel Politik betreiben. Dass er Gespräche mit Mitt Romney sucht, gefällt mir. Ich hätte Romney gerne schon vor vier Jahren als Wahlsieger gesehen. Vermutlich wird Trump Putin auch besser im Griff haben, denn Putin gegenüber muss man eine deutliche Sprache der Kanonenrohre sprechen.

Obama dagegen verspielte noch den letzten Kredit mit seinem Nachruf auf  Castro:
Die Geschichte wird den enormen Einfluss dieser einzigartigen Figur auf die Menschen und die Welt um ihn herum beurteilen.
Nun kann man sagen, es gäbe diplomatische Zwänge. Aber er hätte ja auch schweigen können. Wer meint, dass selbst Schweigen zu viel Porzellan zerschlagen hätte, der kann ja einen Regierungssprecher oder den Außenminister die unrühmliche Aufgabe hinterlassen. Deswegen schickte man auch Christian Wulff nach Saudi-Arabien und behauptete, weder Gauck noch Merkel hätten keine Zeit gehabt. Es gibt also Tricks, um nicht all zu viel Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die Gegenseite versteht dann auch die Kritik, ohne aber komplett ihr Gesicht zu verlieren. Dass Wulff in der Wüste zu einer Beerdigung auftauchte, sorgte nur kurz für Verstimmung, aber es sorgte wenigstens für Verstimmung.

Aber wenn sich das Staatsoberhaupt aufschwingt und so einen Unsinn vom Stapel lässt, dann trägt er die volle Verantwortung kann sich nicht hinter diplomatischen Gepflogenheiten verstecken.

Von Trump erwarte ich, dass er deutlichere Worte findet, sodass die amerikanische Außenpolitik wieder glaubwürdiger wird und dass die Wirtschaft anzieht. Als Akionär bei einigen amerikanischen Unternehmen bin ich da ganz zuversichtlich.

Mittwoch, 23. November 2016

Die Strategie des Zack und Wumms

Ich bin seit ein paar Jahren ein aggressiver Aktiensparer. Wenn ich  revue passieren lassen, welche Entwicklungen in den letzten Jahren  genommen wurden, dann stelle ich fest, dass ich viele Abzweige, die  andere Blogger gehen, mich nicht interessieren.

Mich interessieren keine P2P-Kredite. Mich interessieren keine  Immobilien und Immobilien-REITs, Social Trading ("Hallo ayondo!")  sowieso nicht, noch nicht einmal ETFs. Ich bleibe beim Basis-Produkt, der Aktie.

Ich will es so einfach wie möglich haben. Ich möchte nicht aus zig verschiedenen ETFs auswählen, bei denen ich mich mit der Frage quälen muss: Wer ist der Emittent? Wo sitzt der Emittent? Ist es ein  swappender ETF oder ein replizierender? Das wären technische Fragen. Wenn ich mich vor den Fernseher setze, wähle ich nach Inhalten den Kanal. Fragen nach der Übertragungstechnik und Auflösung interessieren mich nicht.

Ich möchte so einfach wie möglich investieren und deshalb kommt für  mich nur die Aktie in Frage. Ich möchte mich um ein Unternehmen an sich  kümmern und nicht um technischen Firlefanz. Habe ich ein Unternehmen erstmal im Depot, dann bekomme ich ein gutes Gefühl  und ich kann gut schlafen. Ich spreche von einer Strategie des Zack und Wumms. Hat man erstmal eine Stange an Positionen im Depot, dann kann man regelmäßig nachkaufen, ohne groß nachzudenken, denn es sind  die eigenen Unternehmen und man hat ein gewisses Vertrauen gefasst.

Ich achte natürlich darauf, dass Dividenden gezahlt werden. Meine  Strategie muss ganz einfach sein und lässt sich auf Zack und Wumms  reduzieren. Dividenden kassieren (Zack!) und Aktienkauf von ca. 2000 €  anleiern (Wumms!). Meistens ist es ein Aufstocken einer bestehenden Position. Im Grunde genommen passiert über das Jahr gesehen  nichts anderes. Ganz viel Zack, Zack und Zack, stellvertretend für viele kleine Dividendeneinnahmen, die sich dann mit Gehaltszahlungen  vermischen, zu dem einen oder anderen größeren Wumms, mit dem Ziel,  die Intensität und die Frequenz von Zack zu erhöhen.

Natürlich mache ich mir meine Gedanken bei Aktien, die ich noch nicht habe und erstmalig kaufe. Aber hat man die Unternehmen schon länger im  Depot, gewinnt man an Gelassenheit, kann gut einschätzen, ob der  gegenwärtige Preis fair ist oder nicht. Eine günstige Aktie im eigenen  Depot findet man dann immer und dann kauft man nach.

Die Unternehmen kennt man dann ja. Warum noch eine andere Strategie  entwickeln? Warum abseits gehen, wenn man doch nun schon 11 %  Bruttorendite einfährt? Die habe ich wirklich. 11 % ist mein interner  Zinsfuß. Vor der US-Wahl lag er bei etwas mehr als 9 %.

Warum soll ich mich ins Immobilienthema einarbeiten? Warum soll ich  Studentinnen per P2P-Kredit die Wohnungseinrichtung bezahlen?  Ich halte mich an das Basisprodukt und dass ich wenig Zeit damit verbringe. Täte ich mich damit herumplagen, was man mit P2P-Krediten bekommen könnte, hätte ich ja gar keine Zeit mehr für andere Dinge.

Freitag, 11. November 2016

Trump, Trump, Trump, the quotes are rising...

Ich gebe zu: Die amerikanische Wahl hat mich kaum interessiert. Für Politik interessiere ich mich immer weniger, wahrscheinlich, weil ich durch mein Interesse schon als 19-jähriger des Themas langsam überdrüssig wurde. Und viele Diskussionen wiederholen sich einfach, weshalb ich kaum noch hinhöre. Früher war Sabine Christiansen Pflichtprogramm (immer nach dem Tatort), Anne Will schalte ich nur in Ausnahmefällen an und wenn, dann höre ich es über DAB+.

Interessant war das ganze Spektakel aus Börsianer-Sicht. Die letzte Woche gingen die Kurse runter. Als Trump gewann, stürzte erst alles in den Keller, um sich dann zum Abend hin zu erhohlen. So kletterte mein Depot seit Mittwoch wieder ordentlich. Das schwache Euro, mittlerweile bei nur noch 1,08 $, tut sein übriges.

Hätte es die vorhergehende Woche nicht gegeben, würde ich sagen, diese Kursgewinne der letzten zwei Tage wären nicht von nachhaltiger Natur. Sowohl die letzte Woche, als auch die aktuelle Woche muss man als eine "politische Börse" sehen und die hat bekanntlich kurze Beine.



Ich habe letzte Woche bereits die Chance zu Nachkäufen genutzt und damit Aktieninvestitionen in Höhe von 30000 € in diesem Jahr getätigt, wobei die 30000 € alleine aus Dividenden und Gehalt gespeist sein dürfen. (Geld aus Aktienverkäufen blende ich bewusst aus.) Pro Monat also 2500 €. Ich bin selber erstaunt, dass ich das geschafft habe.

Die stetig steigenden Dividendeneinnahmen helfen dabei, das Investitionsvolumen weiter zu erhöhen. Daran arbeite ich weiter. Das ist unabhängig davon, wie der amerikanische Präsident heißt. Mein Schiff hat Kurs genommen und so ein paar Wetterkapriolen bringen mich nicht aus dem Tritt.

Im Prinzip ist tatsächlich wie mit den Seereisen von Vasco da Gama, Magellan und Co.: Man wusste, dass man nicht von der Erde fällt, dass es einen Seeweg nach Indien geben muss. Man wusste durch Berechnung, wie groß die Erdkugel ungefähr sein musste. Man wusste auch, dass es Wetterkapriolen geben kann, die Schiffe zerbersten. Die Wetterkapriolen sind ein Risiko, das sich stochastisch erfassen lässt und gegen das man vorsorgen kann. Das größere Problem war der Aberglaube. Früher dachten die Leute, man fällt von der Erde runter oder Seeungeheuer mit Tentakeln verschlängen ganze Schiffsbesatzungen. Es war auch schwer, Finanziers und Besatzung zu finden.

Die Könige und Seefahrer, die den Aberglauben zu überwinden wussten, wurden mit Reichtum und Ehre belohnt. Das heißt, man muss durchhalten, auf die Berechnungen (Stochastik) vertrauen, den Aberglauben besiegen ("Aktien sind gefährlich.")  und gegen reale Risiken vorsorgen (mittels Diversifikation und Schuldenfreiheit) und dann erreicht man auch sein Ziel: Passive Einnahmen, die zur Lebensführung reichen.




Dienstag, 1. November 2016

Keine Satire: Riesterjünger auf Youtube unterwegs

Tim Schäfer hat mal wieder die Riesterrente kritisiert. Infolgedessen habe ich den Youtube-Kanal von Tim Wolff entdeckt. Er ist Vermögensberater der DVAG. Das erste Video, das ich mir angesehen habe, möchte den Zuschauer überzeugen, dass Riester durchaus etwas für Besserverdiener wäre.


Ehrlich gesagt, war ich von den Zahlen anfangs auch beeindruckt, aber wo ist der Haken? Wenn man einen Fonds 35 Jahre monatlich mit 175 € bespart, der im Mittel 6 % bringt, dann sind das 240000 €. Bei einer Sparrate von 75 € sind es 100000 €.

Ein Riesterprodukt, das auf dem selben Fonds basiert, hätte vielleicht tatsächlich nur 200000 € und angenommen, die 100000 € wurden wirklich durch regelmäßige Anlage der 75 € erzielt. (Gibt's die wirklich? Kann man über die frei verfügen?)

Nun ist es aber so, dass wir der Fondssparer jederzeit über seine Fondsanteile verfügen kann. Der Endwert beim Fondssparers von 240000 € ist der Barwert, wenn die Rente angetreten wird. Das ist was reales. Der Riestersparer aber verfügt nicht über sein Fondsvermögen, denn ein pädagogischer Versicherungsmantel soll verhindern, dass er alles verkloppt. Maximal 30 % der 200000 € kann sich der Riestersparer auszahlen lassen, d.h. 60000 €. 60000 € und die 100000 € ergeben in der Summe 160000 € und das ist weniger als die 240000 €. Es bleiben also 140000 €, die in eine Leibrente verwandelt werden.

Bei der Hannoverschen kann man als 66-jähriger Mann eine Sofortrente für 140000 € kaufen, die einem 445 € pro Monat garantiert. Ist das gut? Nein, denn das entspricht gerade einmal 3,8 % p.a. des Anlagevermögens. Das ist lausig, denn es ist die durchschnittliche Dividendenrendite, aber die Dividende wäre nicht substanzverzehrend, während das Vermögen an die Versicherung abgetreten wird. Wer 140000 € in Anteilen eines ausschüttenden Fonds hat, der bekommt das ebenfalls raus und im Falle des Ablebens wird kräftig vererbt.  Wer an die Substanz geht, der kann sich sogar einen noch schöneren Lebensabend vom Fondsvermögen leisten, aber das geht nur, wenn es den Versicherungsmantel nicht gibt. Man weiß ja, welche irrealen Restlebensdauern prognostiziert werden. Bei der Berechnung einer Leibrente für einen 66-jährigen wurde auch nicht gefragt, ob Männlein oder Weiblein, oder ob Raucher oder nicht. Man nimmt einfach den Worst Case aus Versicherungssicht an.

Wer direkt den Fonds bespart und tatsächlich 240000 € in den Händen hält, könnte beispielsweise die 160000 € direkt entnehmen, aber immer noch mit 80000 € arbeiten. Die Dividenden würden fließen; ich  nehme typischerweise 4 % p.a. an. Das sind schon mal 266 €, aber mit Potential zur Steigerung.

Ich gehe auch vom Ideal aus, dass die Gebühren auch nicht allzu hoch ist. Bekanntlich lassen sich die Versicherer bei der Umwandlung des Fondsvermögens in eine Leibrente den Arsch noch einmal vergolden, denn der Kunde hat ja schon den Kopf in der Schlinge.

Ich habe aber auch ein Problem mit Fonds. Ich will mein eigener Fondsmanager sein und will dadurch die Kosten so gering wie möglich halten. Ich kann mit 8 % p.a. rechnen, langfristig. Tatsächlich habe ich eine Performance von etwas mehr als 10 % p.a. (vor Steuern) und etwas mehr als 9 % p.a. nach Steuern. 6 % wären mir zu wenig, weil das viel weniger als der Durchschnitt von 8 % ist.


Ich habe seinen Kanal etwas überflogen. Hier lässt er sich über den Vorwurf aus, dass Strukturvertriebe doch nur Schneeballsysteme oder Pyramidensysteme wären:


Seine Dialektik ist schon sehr billig. Schneeballsysteme seien verboten, also können DVAG oder eine x-beliebige Strukki-Bude kein Schneeballsystem sein. Logisch. Drogendealer und Zuhälter gibt's demzufolge auch nicht, weil Drogendealen und Zuhälterei verboten sind.

Seine Auslassungen zu Pyramidensystemen sind lächerlich. Offenbar weiß er nicht, was ein Pyramidensystem ist. Stattdessen schwafelt er über die Organisation von Unternehmen und Behörden. Er ist damit auf dem Holzweg; hätte er doch vorher noch einmal den verlinkten Wikipedia-Artikel gelesen. Man könnte glauben, es wäre Satire. Es ist es nicht. Der Titanic-Chefredakteur heißt auch Tim Wolff, aber der sieht ganz anders aus.

Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand, der sich nicht mit der Materie auskennt und Finanzangelegenheiten lieber wegschiebt, auf so eine Type herreinfällt. Ich hatte ja das Glück, dass ich seit Ende meines Studiums jedem Berater aus Weg gegangen bin. Wer weiß, wie ich vor 8 Jahren darauf reagiert hätte. Wahrscheinlich hätte mich sein Gerede beeindruckt, ich hätte mich einlullen lassen und ich hätte sonst was unterschrieben.

Wie immunisiert man sich gegen Kritik? Man behauptet einfach, die Kritiker der Riesterrente stänkerten gerne. Unverbesserliche 15 % potentieller Riesterkunden seien Meckerer, Stänkerer und Moserer, die natürlich bevorzugt die AfD wählen:


Ist Riester gescheitert? Ich finde schon, weil es keinen substantiellen Beitrag zur Altersvorsorge leisten kann. Er bewertet Riester nur aus Verkäufersicht: Hauptsache, es sind genug Verträge verkauft. Seine Altersvorsorge dürfte gesichert sein, die seiner Kunden hängt am seidenen Faden.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Eine Zwischenbilanz für 2016

Im Dezember formulierte ich Ziele für 2016, die da wären:

  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken.
  2. 173000 € Depotwert.
  3. Dividenden von 6100 € brutto.

26547,96 € habe ich bereits investiert. Da ich in den nächsten Tagen wieder an Knete komme, werde ich wieder investieren und vielleicht sogar die 30000-€-Marke knacken. Mein Depot hat heute einen Wert von 173304,10 €, also ist auch das zweite Ziel erreicht. Das dritte Ziel ist noch nicht erreicht, aber praktisch so gut wie sicher. 5837,31 € an Dividenden habe ich bereits eingestrichen und einige Zahlungen erwarte ich noch, ca. 120 € im November und ca. 500 € im Dezember.

Vielleicht bin ich mit meinem Zielsetzungen einfach nicht ehrgeizig genug oder ich unterschätze die Entwicklung des Aktienmarktes. Als ich meine Ziele formulierte, betrug der Wert des Depots 138.421,90 €. Ich kann auf ein Wachstum von 35000 € innerhalb von zehn Monaten zurückblicken. Davon waren 26500 € Investitionen (gespeist aus Gehaltszahlugnen u. Dividenden), d.h. das Kurswachstum betrug 8500 €. 8500 € von 138500 € entpricht 6,1 %. Auf das komplette Jahr hochgerechnet entspricht das 7,3 %. Das ist nur das Kurswachstum. Ich rechne eigentlich mit ca. 8 % Gesamtrendite, d.h. Dividende und Kurswachstum zusammen ca. 8 %.

Da ich mich ja mittlerweile zu den alten Hasen rechnen kann, merke ich eine gewisse Abgeklärtheit, die sich bei mir einstellt. Im Januar/Februar geriet ich gar nicht erst in Panik; ich kaufte nach. Anfang August habe ich auch einen Nachkauf einer Aktie getätigt, die an der Börse abgestraft wurde. Mittlerweile ist sie wieder auf den alten Stand, d.h. innerhalb von zweieinhalb Monaten um 18 % gestiegen. Bei anderen Aktien hatte ich nicht so ein glückliches Händchen, aber wenn man breit streut, hebt es sich auf. Ich habe in gutes Verständnis für Stochastik und gerate nicht in Panik, wenn sich eine Position nicht so entwickelt, wie prognostiziert.

Wenn ich die letzten Jahre rekapituliere: Wichtig ist es, früh anzufangen, alleine wegen der psychologischen Komponente, denn dann lernt man das Handwerkszeug. Gemachte Fehler sind dann wegen mangelndes Geldes auch nicht so teuer. Mit dem Erfahrungsschatz von sieben Jahre Börse geht man an die Sache ganz anders ran. Wenn Fehler gemacht werden, dann am besten, möglichst früh und mit möglichst wenig Geld. Alter und Barmittel korrelieren ja in den Lebensjahrzehnten drei bis sechs.




Samstag, 22. Oktober 2016

Wenn man nicht rechnen kann, kommt sowas raus.

Gestern las ich mit Erstaunen einen Kommentar von Bernd Kramer. Er fordert, die erste Klasse in der Bahn abzuschaffen. Ich fahre selber gerne mit der Bahn, halte sie besser als ihren Ruf, aber ich fahre immer mit der  zweiten Klasse, weil ich finanziell so gut nicht gestellt bin. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Jahren.

Bernd Kramer behauptet, die zweite Klasse subventioniere die erste. Er liefert ein paar Zahlen:

1) Auslastung in der zweiten Klasse: 55,8 %, 2) Auslastung in der ersten Klasse: 38,6 %, 3) Anzahl der Plätze an der Gesamtanzahl: 16 %.

Die Zahlen lege ich fest: Man zahlt das 1,66-fache, wenn man in der ersten Klasse fährt. (Referenz: bahn.de, ICE-Fahrt von Hamburg nach Berlin, Normalpreis) Der Platzbedarf der ersten Klasse ist auch höher pro Sitzplatz. Pro Reihe gibt's nur drei Sitze statt vier, und der Sitzabstand ist auch größer, weshalb ich den Faktor 1,4 annehme; 4/3 wäre als Faktor zu gering. Wenn die erste Klasse 16 % aller Sitzplätze ausmacht, dann entspricht das ungefähr 22,4 % der Wagenfläche, die für Sitzplätze (ohne Bistro) freigehalten wird.

Es gibt p_ges = n Plätze im Zug, davon p1 = 0,16 * n für die erste und p2 = 0,84 * n für die zweite Klasse.

Was bringt die Kunden der ersten Klasse an Umsatz?

u1 = p1 * 0,386 *  1,66 * b.

b steht für den Preis in der zweiten Klasse. Der Umsatz in der zweiten Klasse beträgt also:

u2 = p2 * 0,558 * b


Ich schaue mir das Verhältnis u1/u2 an:

u1/u2 = (p1 * 0,86 * 1,66) / (p2 * 0,558)   //b weggekürzt

u1/u2 = (0,16 * 0,86 * 1,66) / (0,84 * 0,558) //p1 und p2 ersetzt und n weggekürzt

u1/u2 = 0,3088 / 0,4687 = 0,6588

u1 = 0,6588 * u2

Das heißt, der Umsatz in der ersten Klasse beträgt nur 65,88 % des Umsatzes in der zweiten Klasse. Daraus schlussfolgert Bernd Kramer, dass die zweite Klasse die erste subventioniert. Ich bin mir sicher, dass er sich diese Mühe nie gemacht hat, denn der entscheidende Schritt fehlt ja noch. Denn wer so weit analytisch vordringt, würde den letzten Schritt nicht vergessen.

Für die erste Klasse wird ja nur 22,4 % der Fläche gebraucht, aber sie liefert 39,7 % des gesamten Umsatzes. Und damit subventioniert die erste Klasse die zweite.

Wie kommt man auf die 39,7 %?

u1/(u1 + u2) = (0,6588 * u2)/(0,6588 * u2 + u2) = 0,397.


Bernd Kramer hat zwar eine starke Meinung, aber keine Ahnung. Das ist bei vielen Linken so. Einfach mal hinsetzen, ein paar Rechnungen anstellen, ist schon so viel verlangt. Sonst werfen Linke den  Unternehmen vor, Gewinnmaximinierung zu betreiben. In diesem Falle lautet der Vorwurf, die zweite Klasse subventioniere die erste, d.h. Verzicht auf Gewinn. Das ist schon seltsam.

Ob ich in den nächsten Jahren in die erste Klasse wechsle, wird sich zeigen. Den ersten Schritt habe ich bereits getan, indem ich die BC 50 der 2. Klasse gekündigt habe. Sie stellte mich vor die Alternative: 50 % vom geringeren Preis der zweiten Klasse vs. 100 % des höheren Preis in der ersten Klasse. Ich schlage der Bahn vor, dass man die BC 50 der zweiten Klasse auch in der ersten Klasse nutzen darf. Wie das?

Wenn 100 € der Preis in der zweiten Klasse ist, dann spart man mit einer BC 50 50 %, d.h. 50 €. Wenn der Preis in ersten Klasse für diesselbe Fahrt 160 € beträgt, dann sollte man diese 50 € auch sparen, wenn man eine BC 50 der zweiten Klasse vorlegt. Dann zahlt man nur noch 110 €. Das ist ganz einfache Mathematik und ich hätte es schon genutzt, wenn es heute schon möglich wäre. Stattdessen hat die Bahn die Kombinierbarkeit bei den Sparpreisen erhöht. Die Sparpreise sind ein unseliges Thema. In der BWL lernt man, dass Stammkundenpflege wichtig ist. Als Stammkunde und BC-Inhaber seit 16 Jahren erlebe ich häufig, dass andere Fahrgäste so viel billiger wegkommen als ich mit meiner BC 50.


Dienstag, 2. August 2016

Lektürefehler

Als passionierter Teetrinker, der auch grünen Tee seit vielen Jahren schon konsumiert, nutze ich Aufgüsse drei bis viermal. Das ist keinem Sparfetisch geschuldet, sondern dem Genuss. Der zweite Aufguss schmeckt mir am besten. Es gibt sogar Teetrinker, die den ersten Aufguss wegschütten und einen zweiten machen. Der vierte Aufguss schmeckt häufig nicht mehr sehr gut.

Und mit den Büchern ist es oft wie mit dem grünen Tee. Das Erstlingswerk ist selten das beste und mit zunehmenden Alter des Autors werden die Bücher in der Regel schlechter. Und wieder einmal habe ich ein schwaches Buch gelesen. Es handelt sich um "Kapitalfehler" von Marc Friedrich und Matthias Weik, den Erfolgsautoren aus dem Bereich Crashtainment.

Ich kündigte es bereits an, dass ich das Buch lesen werde. Es war so, wie ich erwartete. Es ist ein Gepolter gegen den Kapitalismus im Allgemeinen und gegen den "neoliberalen Finanzkapitalismus" im Speziellen: "Sowohl der neoliberale Kapitalismus des Westens als auch der chinesische Staatskapitalismus sind antidemokratisch und destruktiv. Beide Systeme kreieren eine Blase nach der anderen."

Damit haben die Autoren das Einmaleins der Ökonomie nicht verstanden. Grundlage aller ökonomischen Betrachtungen ist das handelnde Individuum, das durchaus in der Lage ist, im überschaubaren Rahmen vernünftige Entscheidungen zu treffen, aber auch nicht immer. Fehler werden gemacht. Viele Fehler werden von vielen Menschen zugleich gemacht. Das führt dann zu Blasen, zu Fehlinvestitionen auf breiter Basis. Und das ist unabhängig von der Wirtschaftsform. Im Sozialismus gab es genauso wirtschaftliche Fehlentwicklung, nur spach man nicht von Blasen.

Welches Geschäftsmodell, welche Technologie und welche Branche sich als zukunftsweisend herausstellt, weiß man ja vorher nicht. Hat schon einmal jemand untersucht, auf wie viele Blasen eine erfolgreiche Etablierung einer neuer Branche und neuer Unternehmen kommt? Ich bin der Meinung: Soll man doch Blasen zulassen und platzen lassen, wenn es doch gleichzeitig berechtigtes Wachstum in bestimmten Branchen gibt. Was Blase ist und was nicht, merken wir doch erst, wenn es platzt. Wenn die Autoren ein Problem mit Blasenbildung haben, dann haben sie ein Problem mit der Zukunft, mit der Ungewissheit, mit dem Risiko.

"Obwohl der Neoliberalismus total versagt hat, bleibt man dem gescheiterten Kamakazikurs treu." und "Krisen sind gewollt und erwünscht." sind zwei weitere Formeln der Autoren. Matthias Weik wird als "Querdenker" vorgestellt. Ist es ihm nicht zu peinlich, mit Wörter und Gedanken aus der linken Mottenkiste hausieren zu gehen, und sich gleichzeitig als Querdenker auszugeben? Ich höre und lese den Unsinn aus der linken Mottenkiste, seitdem ich mich für Politik interessiere, als seit 15 Jahren. Und in den 15 Jahren davor wird man bestimmt nicht anders geredet haben.

Ein Beispiel aus der linken Mottenkiste ist das Herumhacken auf der Privatisierung der Bahn in Großbritannien. Der Fehler lag nicht in der Privatisierung als solche, sondern um die Art und Weise, weil Politiker auch Menschen sind und Fehler machen können. Die Privatisierung ist aber schon lange korrigiert worden. Zudem existieren viele positive Beispiele für die Privatisierung staatlicher Unternehmen, gerade in Deutschland mit Post, Telekom und Bahn. Stattdessen hauen die Autoren kräftig auf den Putz und tun gerade so, als ob Privatisierung an sich was schlechtes wäre. Der Bahnverkehr in Großbritannien ist heute effizienter als zu Zeiten, als die Bahn noch ein Staatsbetrieb war. Die Anzahl der Fahrgäste hat zugenommen. Und verheerende Unfälle gab es in Staatsbetriebszeiten genauso, nur hat damals niemand nach einer Verstaatlichung rufen können.

Wie man sein Geld anlegt, erfährt man in dem Buch nicht, stattdessen spielt man Weltökonomie und liefert gleich eine politische Agenda, wie man Staat und Wirtschaft organisieren sollte. "Erneuerbare Energien" werden von unseren Querdenkern als zukunftsweisend gepriesen. Das ist ziemlicher Mainstream. Ich hoffe, niemand versenkt nach der Lektüre sein Geld in diese Branche. Und was "Omanis" und "Kataris" sein sollen, müssen die Autoren uns auch noch erklären. Ich kenne nur Omaner und Katarer.

Und obwohl sie auf vielen Seiten auch noch die Planwirtschaft geißeln, und das vollkommen zurecht, können sie sich denn noch nicht mit der Marktwirtschaft anfreunden. Eine freie Wirtschaft ist nicht nur stärker und robuster, sondern auch ethischer, weil sie viele Entscheidungsträger zulässt, Fehler erlaubt und auch schneller korrigiert. In einer Kommandowirtschaft kann eine Fehlentscheidung einer oberen Charge eine Hungersnot auslösen. Und wirtschaftliche Fehlentwicklung führt in der Planwirtschaft oft zur Kollabierung des politischen Systems.

"Kapitalfehler" ist ein Pamphlet, in denen sich die Autoren anschicken, selber so eine obere Charge zu werden. Daher erzählen sie, was dem vornehmlich linken und verschwörungstheoretischem Publikum gefällt. Ein Seitenhieb auf Mengenrabatte beim Strom für die Industrie durfte nicht fehlen. Sie finden den Mengenrabatt unrechtmäßig. Dass er aber die freie Entscheidung des Stromlieferanten ist, wird übersehen. Man weiß es besser. Wer sich als obere Charge anschickt, muss es ja besser wissen.

Das Buch enthielt keinerlei interessanten Denkanstöße. Ich schrieb es bereits: Ich habe den Unsinn schon in vielerlei Konstellationen gehört und gelesen. Das mit der britischen Eisenbahn ist mittlerweile so ausgelutscht, dass es selbst SED-Politikern peinlich ist, wenn sie damit in einer Talkshow aufwarten. Friedrich und Weik präsentieren kalten Kaffee als brühwarm für 19,99 €.

Seine Zeit sollte man mit besseren Büchern verbringen, von David Ricardo, John Stuart Mill, Alfred Marshall oder Milton Friedman. Jüngst las ich Friedmans Buch "Kapitalismus und Freiheit". Das möchte ich ausdrücklich empfehlen und vielleicht schreibe ich auch noch mal darüber.

Sonntag, 24. Juli 2016

Ist der Crash wirklich die Lösung? (Buchbesprechung)

Letzte Woche beschäftigte ich mich mit dem ersten Buch der beiden Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik. Das zweite Buch, "Der Crash ist die Lösung", las ich gestern und ich machte meine Notizen dazu. Mein Urteil zu  dem Buch ist nicht positiv.

Schon der Titel zeigt an, wohin die Reise gehen soll: Maximale Aufmerksamkeit erzeugen und das mit der maximalen Forderung, es doch so richtig krachen zu lassen. Das Buch setzt das schwarzmalerische Tremolo des ersten Buches fort. "Seit 2008 sind Krisen unsere ständigen Begleiter.", , "Wir erleben seit 2008 einen epochalen Wandel." oder auch "Schon jetzt ist diese in der Geschichte einmalige und scheinbare Rettungsorgie eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lug und Betrug." Mit Verlaub: Diese Superlative sind Unsinn. Wir leben in einer sehr guten Zeit. Krisen kommen und gehen. Die Finanzwelt ist nur ein kleiner Teil der realen Welt. Im historischen Vergleich ging es uns nie besser. Es besteht auch nicht die Gefahr, dass ein westliches Land in eine Diktatur abdriftet. Das war früher anders.

Auch nicht geändert hat sich die Bankenschelte, dass sie zu viel verdienen und die kleinen Leute abzocken. Ich teile die Kritik an den Sparkassen: Die Vorstandsgehälter sind tatsächlich zu hoch und die Realität weicht enorm von der Selbstdarstellung ab. Als öffentlich-rechtliche Bank tun die Sparkassen so, dass nur die Privatbanken die Leute abzocken, um mit dem Geld an der Wall Street zu zocken. Das entspricht nicht der Realität. Ich teile auch die Kritik an den Sparkassen, wegen der hohen Dispozinsen. In meinem Elternhaus wurde mit der LBS auf das Häuschen gespart und von Bekannten weiß ich, welche Underperformance Deka-Fonds hinlegen.

Im Abschnitt "Der Euro als Wohlstandsvernichter" wird der Euro für jede Menge Unbill verantwortlich gemacht, u.a. dafür, dass die Arbeitslosenquote für Menschen unter 25 Jahren in Spanien und Griechenland über 50 % liegt. Aber dass die Statistik unsauber ist und das Bild dramatisiert, ging dort schon vor Drucklegung des Buches durch die Presse. Und hohe Arbeitslosigkeit hat viele Gründe. So wie jemand, der nur einen Hammer hat, in allem einen Nagel sieht, so sehen die beiden Autoren für alles die Banken und die Währung verantwortlich, weil sie sich nun einmal mit Finanzen beschäftigen. (Dirk Müller tickt genauso, als bestünde die Politik nur aus Währungspolitik und Bankenrettung.) Dass Spanien und Griechenland jahrelang über ihre Verhältnisse lebten, den Staatsdienst aufblähten, einen zu hohen Kündigungsschutz installierten (der Neueinstellungen gerader junger Leute verhindert), übersieht man einfach.

Die geringen Zinsen werden auch kritisiert. Wir würden schleichend durch die Inflation enteignet. Aber warum soll das problematisch sein? Das Gros der Güter auf der Welt verliert mit der Zeit an Wert. Ein Brot wird nach einer Woche wertlos. Warum sollen wir für Geld anderes fordern? Wir horten kein Brot, weil es in der Küche vergammeln würde und deswegen kaufen wir es mit Bedacht. Das spart Ressourcen. Und wenn die Inflation drückt, dann muss man ja nicht tatenlos zuschauen, wie das Geld auf dem Girokonto zerfällt. Man kann doch in Aktien gehen. Investieren oder konsumieren. Die beiden Autoren schauen mit Wehmut auf die satten Zinsen, die Bundesanleihen vor über 20 Jahren abwarfen. Aber damals waren nicht nur die Zinsen viel höher, sondern die Inflation auch.

Betrieben wird eine Panikmache kombiniert mit Phrasendrescherei: "[...] unser Finanzsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer - und das Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen.", oder auch "[...] alle ungedeckten Papiergeldsystem, aber auch alle Währungsunionen der Vergangenheit [sind] ausnahmslos gescheitert." Es sind Phrasen, letzteres eine Tautologie. Eine nicht gescheiterte Währungsunion oder ein nicht gescheitertes ungedecktes Papiergeldsystem gehören nicht der Vergangenheit an. Eine Währung gehört genau dann an, wenn sie gescheitert ist. Wer das schreibt, ohne zu schreiben, dass alle anderen Papiergeldsysteme mit Golddeckung der Vergangenheit genauso gescheitert sind, betreibt billigen Populismus.

Im zweiten Kapitel wagen sich die Autoren auf ganz dünnes Eis. Sie sehen die Reformen Reagans und Thatchers, vulgär auch Neoliberalismus genannt, ursächlich für die Krisen. Thatcher übernahm ein heruntergekommenes Land. Reformen waren unumgänglich. Der von ihr eingeführte "Turbokapitalismus" war die Antwort auf 30 Jahre sozialistische Wirtschaftspolitik, als die Gewerkschaften durchsetzen konnten, dass die Heizer auf den neuen E-Loks weiterhin eingesetzt wurden. Großbritannien hat sich vom kranken Mann am Kanal zu einer führenden Wirtschaftsmacht gemausert.

Anscheinend sehen die Autoren den "rheinischen Kapitalismus" positiv und damit auch die sogenannte "Deutschland AG", die es mal gab. Was verstand man darunter? Die großen Institute hatten überall ihre Beteilungungen, ungefähr so: Die Deutsche Bank war Aktionärin bei der Allianz und bei der Commerzbank, die Commerzbank bei Daimler und bei der Allianz, und die Allianz bei der Deutschen Bank und der Commerzbank. Zum Glück ist seit langem Schluss damit. Widersprüchlich ist, dass die Autoren einerseits die Macht der institutionellen Anleger geißeln, andererseits ihn zurücksehnen. Das war ja das Problem im rheinischen Kapitalismus: Die Deutsche Bank und die Allianz hatten viele Beteiligungen, saßen in vielen Vorstandsetagen und konnten so zum Schaden der Unternehmen, der Arbeitnehmer und der Kunden bestimmen, wo es lang geht. Außerdem führten die gegenseitigen Beteiligung zu unzumutbaren Verhältnissen der Verantwortungslosigkeit.

Wie schon in "Der größte Raubzug der Geschichte" ist in "Der Crash ist die Lösung" kein roter Faden erkennbar, geschweige denn eine logische und stringente Argumentation. Die Lösung, die die beiden bieten, findet man im Abschnitt "Leitfäden für Vermögenssicherung". Gut ist, dass sie dort Anleihen, Riester- und Rüruprenten und Kapitallebensversicherungen kritisieren. Sie geißeln auch Konsumschulden. Die Kritik teile ich. Über Aktien sagen sie, man solle keine kaufen. Das werfe ich ihnen vor: Gerade dadurch, dass wir zu wenig Aktionäre habe, ist doch der beklagenswerte Zustand gekommen, dass die institutionellen Anleger so viel Macht haben. Die Autoren - man vermutet es schon - empfehlen Gold und Silber. Aktien seien angeblich zu teuer, aufgebläht durch Draghis Druckmaschinen. Als Referenzpunkt nehmen die Autoren 2009 her und auch das ist verkehrt. 2009 gab es eine enorme Untertreibung an den Börsen. Das ist kein fairer Referenzwert. Und natürlich wird sich auch noch auf den DAX berufen. Auch das ist verkehrt, denn der DAX thesauriert Dividenden. Der DAX ist ein Performance-Index. Der DAX-Kurs-Index ist entscheidend, wenn man das allgemeine Kurs-Niveau an der Börse grob einordnen will, denn wir bezahlen an der Börse nicht vergangene Dividenden. Wir sind gerade einmal auf dem Niveau von 2007. 2014, als das Buch veröffentlicht wurde, sahen die Preise kaum anders aus als heute. Die wissen genau um den Unterschied zwischen Performance- und Kurs-Index, denn sie bezeichnen sich selber als studierte Ökonomen, also muss ich von einer bewussten Irreführung ausgehen.

Den Vogel schossen die ab mit einer Tabelle auf Seite 192 (im E-Book). Dort wird die Preisänderung dargestellt. Letzter Kurs von Aktien in Reichsmark: 161,78, erster Kurs in D-Mark: 30,53, Veränderung: -81,13 %. 1 kg Gold wurde mit 3600 RM pro Kilogramm veranschlagt und mit 3600 DM nach Einführung der DM, um festzustellen, dass das Gold nicht entwertet wurde und damit besonders sicher war.

Es gehört sich nicht, Reichsmarkpreise mit D-Mark-Preisen zu vergleichen. Das ist in etwa so, wenn man Yard und Meter vergleicht. Wissen Sie, warum die Engländer so schlecht beim Elfmeterschießen abschneiden? Die haben die längere Strecke. Die schießen nicht nicht aus elf Metern, sondern aus zwölf Yard Entfernung. - Auf dieses Argumentationsniveau begeben sich die Autoren.

Es gehört sich auch nicht, eine Extremsituation wie die Nachkriegszeit zu referenzieren. Außerdem war es auch verkehrt, den letzten Reichsmarkkurs für Gold, der natürlich auch durch Spekulation getrieben wurde, mit dem ersten Kurs in der neuen Währung zu vergleichen, als die Menschen noch gar kein Gefühl für die neue Währung hatten und nicht die Preisfindung damit sehr schlecht war. Die Autoren schreiben, dass es wieder zu einer Situation wie 2008/9 kommen kann. Da kann man auch beliebige Aktien hernehmen den Vergleich des Kurses vor und nach dem Crash vergleichen. Seriös wäre es gewesen, einen längeren Zeitraum zu betrachten. Aktien gingen ab, weil die Wirtschaft nun schon seit 1945 (also nun schon 71 Jahre) ungestört wirtschaften kann, ohne dass ein Bomber die Produktionsanlagen bedroht. Und Sachwerte mit echtem Nutzen wie Medikamente, Lebensmittel, Häuser und Fahrzeuge kommen in der Tabelle nicht vor. In der Tabelle gibt es nur Schuldtitel und Zahlversprechen, die tatsächlich unter Inflation und Währungswechsel leiden, sowie Aktien, die eine Wette auf die Zukunft sind. So viel Optimismus gab 1948 nicht. Mit anderen Worten: Es ist kein fairer Vergleich.

Friedrich und Weik zeigen mal wieder, dass sie Goldbugs sind. Das Buch  wurde wieder von "Bastei Lübbe" verlegt, bezeichnenderweise von der Sparte "Bastei Entertainment." Das Buch ist nicht einmal Infotainment, sondern Crashtainment. Wer die Ratschläge der Autoren annimmt, ist verloren. Der kauft Gold und nimmt nicht Teil am Vermögenswachstum der Welt, der ja nach wie vor vonstatten geht. Crash-Propheten sind schlechte Ratgeber. Und was die sich versprechen, dass die Politik beim nächsten Crash tatenlos zuschaut und keine Rettungen vornimmt, und damit den Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft risikiert, finde ich, ist ein verantwortungsloser Gedanke. Ich bin auch für Staatsferne, aber auch für eine gesunde Prise Pragmatismus. Ich bin sogar neoliberal. Die Autoren geißeln einerseits den "Neoliberalismus", wollen andererseits im Extremfall die Ideologie der Staatsferne hochhalten, anstatt pragmatisch zu helfen.

Ich bin schon gespannt auf "Kapitalfehler", dem nächsten Buch. Ich habe es mir in der Bibliothek vormerken lassen. Ich habe schon eine böse Ahnung, was mich da erwartet.

Sonntag, 17. Juli 2016

Weik, Friedrich: "Der größte Raubzug der Geschichte" - Ein Verriss

Der Gegenstand dieses Artikels ist ein Buch zweier Autoren, die schon seit ein paar Jahren durch die Medien tingeln. Der eine Autor, Marc Friedrich, gastierte erst kürzlich sowohl beim Finanzrocker als auch bei Stefan Obersteller, um ein wenig die Werbetrommel zu rühren, für das neue, das dritte mit Matthias Weik gemeinsam verfasste Buch. Ich fand beide Interviews grauslich, weil ich von der Crash-Propheterie nichts halte. Um mir ein profunderes Bild zu machen, habe ich mir das erste Buch (2012 erschienen) ausgeliehen und gelesen: "Der größte Raubzug der Geschichte - Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden".

Das Buch beginnt mit der Erklärung, was Geld ist und kommt dann schnell zum Thema Schulden. Ich kritisiere die exzessive Schuldenmacherei ja auch, ob nun private Schulden oder öffentliche Schulden. Ich bin da erzkonservativ und hatte noch nicht einmal Bafög-Schulden. Ich spare lieber, bevor ich mir etwas kaufe. Die Autoren kritisieren die hohen Schulden der amerikanischen Bevölkerung, z. B. für die Immobilien. Auch die Kritik teile ich, aber da hört dann die Gemeinsamkeit mit den Autoren auch schon auf, denn sie suggerieren, dass die amerikanischen Banken aus reiner Boshaftigkeit die Mittel- und Unterschicht ins Verderben stürzte. Hans Olaf Henkels Buch "Die Abwracker" behandelt auch das Thema, aber mit mehr Substanz, und er schreibt, dass alle amerikanischen Regierungen seit Jimmy Carter ihr Schärflein zur Immobilienblase und letztendlich zum Immobilienkrach 2007 beitrugen.

In Kapitel 10 wird kritisiert, dass der amerikanische Staat die Deutsche Bank unterstützt hätte. Tatsächlich aber hat der amerikanische Staat die American Internation Group (AIG) gestützt, wovon die Deutsche Bank indirekt profitierte. Ich finde das sehr simplizifierend. Indirekte Hilfen sind keine direkten Hilfen. Es ist vollkommen normal, wenn man jemanden hilft, dass die Geschäftspartner davon profitieren, selbst wenn es dies nicht angestrebt wurde. Angestellte unterstützter Konzerne profitieren ja schließlich auch, aber da schreibt dann niemand, der Staat unterstütze die Angestellten.

Die 43 Kapitel sind schon recht kurz gehalten. Das kürzeste ist Kapital 11. Nicht einmal eine ganze Seite ist es lang und vollkommen zusammenhangslos wird da beschrieben, dass es Wetten auf den Misserfolg anderer gibt, vergleichbar mit einer Brandversicherung für ein Haus, das einem nicht gehört. Was daran nun so schlimm sein soll, bleibt das Geheimnis der Autoren. Von Brandstiftung haben sie ja nichts geschrieben.

Im weiteren Verlaufe des Buches geißelt man auch noch die Rechtsform der FED. In dieses Horn wird von Finanzapokalyptikern seit vielen Jahren gestoßen, aber was an der Rechtsform so schlimm sein soll, hat mir noch niemand plausibel darlegen können. Um Punkte beim Publikum zu bekommen, schimpft man auch noch darauf, dass die Abgeltungssteuer nur 25 % betrage und dies eine unzulässige Privilegierung von Aktionären wäre. Auch das ist absolut verkehrt und die zwei Herren, die immerhin Studiengänge mit Schwerpunkt Ökonomie absolviert haben, sollten es besser wissen. Bevor die Abgeltungssteuer kam, gab es ein Halbeinkünfteverfahren, das berücksichtigte, dass Dividenden aus dem Gewinn nach Steuern bezahlt wurden. Mit der Abgeltungssteuer zahlt der Aktionär heute auf seine Dividenden mehr Steuern als davor, als noch der persönliche Einkommenssteuersatz galt. Auch natürlich fordern sie auch noch das Ende der Spekulation auf Nahrungsmitteln, begründen es aber nicht.

Überhaupt reißen sie ein sehr großes Themenspektrum an, von der internationalen Verflechtung der Staaten mit Geschäftsbanken, Ratingagenturen, vom amerikanischen Hausbesitzer bis hin zur Oma, die von ihrem Bankberater Beratung erwartet, aber über den Tisch gezogen wird.  Während in Kapitel 17 noch kritisiert wird, dass die Bank-Manager ihren Aktionären auf der Nase herumtanzen und sich maßlose Boni gönnen, so muss man schon in Kapital 18 lesen, dass die Bankberater nur den "shareholder value" maximieren wollten. Das passt doch nicht. Kapitel 24 ist wie Kapitel 18, also ziemlich kurz. Kapitel 24 stellt Blackrock kurz vor, aber hinterlässt viele Fragezeichen. Das Kapitel ergibt nur einen Sinn, wenn man die Fantasie des Lesers vom schlichtem Gemüte einkalkuliert, der hinter Blackrock die nächste Weltverschwörung vermutet darf.

In Kapitel 38 schreiben sie auch noch, der "Bund der Steuerzahler" unterstütze Steuererhöhungen. Die Propheterie geißeln die Autoren auch, betreiben aber selber Crash-Propheterie.


Wie schlampig gearbeitet wurde, ist eindrucksvoll in Kapitel 41 belegt. Das man große Zahlen als Produkt einer Zahl und 10 hoch n (10^n) notiert, ist hinlänglich bekannt. Jedem Ingenieur ist bewusst, dass ein Taschenrechner dies etwas anders macht, weil die alten Sieben-Segment-Anzeigen nicht mehr hergaben und heute nutzt man traditionellerweise immer noch die "E-Notation". Statt 6,3 * 10^3 schreibt man 6,3E03. So weit, so gut. In Kapitel 41 wird die Geschichte mit dem Schachbrett und dem Reis zum Besten gegeben, um zu demonstrieren, was exponentielles Wachstum ist. Über die Zahl 109.951E12 schreiben sie, es wäre 121.693.091... (mit ganz vielen Nullen) Ich weiß nicht, was die da ausgerechnet haben wollen. 109.951E12 ist nichts weiter als 109.951.000.000.000.000 oder anders ausgedrückt: 109 Billiarden und 951 Billionen. Ich vermute, die haben 109.951^12 berechnet und dann gab es einen Überlauf.

Ich glaube, die Jungs können nur Zahlen in den Taschenrechner tippen, verstehen aber nicht, was der ausspuckt. Ich besuchte an der Universität eine Vorlesung über Investitionsrechnung, wo sich der Dozent genüsslich über die mangelnden Mathematik-Fähigkeiten der BWL-Studenten ausließ. Dass es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht.


In ihrem Fazit schreiben die Autoren: "Sie haben nun das Wissen und die Möglichkeit, diesem nachweislich gescheiterten System die Grundlage für sein gefährliches Handeln zu entziehen[...]" Ich halte so eine Äußerung für einen schlechten Witz. Über das Investieren schreiben sie nur in Kapitel 43 und das sehr wenig (nur über Anlageformen) und dort kann man nachlesen, dass Aktien von Inflation oder von Währungsreformen negativ betroffen wären. Anleihen, Sparbuch, Tagesgeld und Lebensversicherung sind genauso bewertet. Und natürlich stehen Gold und Silber am besten da. Die scheinen ihre Abschlüsse in der Lotterie gewonnen zu haben.

Es gibt keine soliden Gedankengänge, dafür aber maximalen Populismus. So werden Inflationsraten präsentiert, dass der US-Dollar von 1913 bis 2012 um 96 % abgewertet hätte. Ich komme da auf eine Inflationsrate von 3,2 % pro Jahr. Ist das nun viel? Ich finde nicht. Beim Euro wird eine Inflationsrate von 22 % zwischen 1999 und 2012 angegeben, was einer Inflationsrate von 1,9 % pro Jahr entspricht. Auch nicht viel. Die jährlichen Inflationsraten habe ich mir selber ausgerechnet. Dem Leser wird nur die gesamte Inflation über 99 bzw. 13 Jahre mitgeteilt, weil es viel dramatischer aussieht und viel wirkungsvoller ist. Zum maximalen Populismus gehört auch, was "die da oben" an Gehältern und Boni kassieren. Und wenn die Armen nicht vermögender werden, ist die Schuld bei "denen da oben" zu suchen, nicht bei den Armen selber.

Verlegt wurde das Buch im Verlag "Bastei Lübbe", ein Verlag, der eher für Comics und Groschenromane auf billigen Papier bekannt ist. So ein schreckliches Buch habe ich vorher noch nie gelesen. Ich habe nur die E-Book-Version, da kann ich nichts zur Papierqualität dieses Buches sagen. Aber inhaltlich ist das Buch ja billig genug. Ein wirres Zeug; eine Mischung aus Dirk Müller und KenFM, nur ohne Lügenpresse und Weltjudentum. Im Verlag gibt es anscheinend auch niemanden, der auf die Formatierung achtet. Die dachten sich wohl auch: Inhaltlich ist das Buch so schwach, dass man kein Geld für die Aufmachung mehr verschwenden sollte.

Der Stil des Buches ist eine Katastrophe. Auf mich macht es den Eindruck, als hätte man da eine Lose-Blatt-Sammlung zusammengeheftet. Im Text werden die Symbole für Euro (€) und Dollar ($) nicht verwendet, in den Grafiken schon. Mal heißt es "Dollar", mal "US-Dollar". Die Währungsangabe folgt in der Regel der Zahl, aber in Kapitel 7 ist die Währung der Zahl vorangestellt: "Dollar 6000 Zinsen". Erst heißt es "Hartz 4", später dann "Hartz IV". Und warum "Fiatgeld" als "FIAT-Geld" ausgeschrieben wird, bleibt das Geheimnis der Autoren. Die beiden taschenrechnergläubigen Autoren betreiben auch eine Vermögensverwaltung. Nachdem ich dieses wirre Konvolut gelesen habe, frage ich mich, wer auf die beiden Leute reinfällt. Würden die mein Vermögen verwalten, könnte ich nicht ruhig schlafen. Spätestens dann, wenn die Taschenrechner der beiden in Bereiche vordringen, wo er in die E-Notation springt, sollte man auf der Hut sein.


Dienstag, 12. Juli 2016

Subtiler Antisemitismus - Die merken es nicht einmal.

Bei Spiegel Online gibt es immer irgendwas, was mich zu verärgert. Oft sind es die Kommentare zu den Finanzthemen, die Augstein-Kolumne sowieso und regelmäßig gibt's dann einen antisemitischen Artikel. Es geht darum, dass Israel von ausländischen NGOs die Finanzierung offenlegt.

Es geht nicht darum, dass ausländische NGOs verboten werden sollen. Israel wird durch dieses Gesetz  nicht zum Unrechtsstaat. Es ist absurd: Hiesige Linke verlangen doch immer maximale Transparenz, damit man weiß, dass ein BASF-Mitarbeiter aus der Gentechnik-Abteilung der FDP Geld gespendet hat. Aber wenn Israel sich das Recht herausnimmt, dass man die ausländischen Regierungen beim Namen nennt, die beispielsweise "Breaking the Silence" unterstützen, ist man empört. Im Artikel heißt es:

Kritiker sagen, der Vorstoß ziele auf unfaire Weise auf linke Menschenrechtsorganisationen wie Betselem und Breaking the Silence ab. Kritiker der israelischen Siedlungspolitik sollten damit beispielsweise als Außenseiter gebrandmarkt werden. Rechtsgerichtete Gruppen in Israel finanzieren sich vor allem über Privatspenden, die von dem Gesetz ausgenommen sind.
Hierbei ist es entlarvend, dass "Betselem" und "Breaking the Silence" als "linke Menschenrechtsorganisationen" bezeichnet werden, denn demnach ist das antisraelische Ressentiment, welches sich praktisch vom Antisemitismus nicht unterscheidet, Teil der linken Weltsicht. Wenn ein Jakob Augstein seine Kolumne "Im Zweifel links" nennt, dann muss man das als "Im Zweifel antisemitisch" interpretieren.

Bevor die alte Leier wieder losgeht, man müsse Israel kritisieren dürfen und man dürfe nicht vorschnell die "Antisemitismuskeule" schwingen: Diese Organisationen betreiben ihre Kritik an Israel obsessiv. Und wenn man sich diese Kritik genauer anschaut und feststellt, dass das Verhalten Israels im Gegensatz zu dem Verhalten von Hamas und Fatah sehr, sehr moderat ist, dann erkennt man die argumentative Schieflage, die sich nur durch ein tief sitzendes antisemitisches Ressentiment erklären lässt.

Das antisemitische Ressentiment sitzt auch bei manchen deutschen mitunter so tief, dass es in einer Stilblüte wieder folgenden endet: "Israel droht mit Selbstverteidigung". Nicht die initiale nukleare Drohung Irans ist titelgebend, sondern israelische Reaktion.

Bis heute erzählt man sich, dass Israel 700.000 Araber aus Palästina vertrieben hätte. Unter den Tisch fallen die 900.000 Juden, die aus dem gesamten arabischen Raum (Jemen, Libyen, Irak usw.) nach Israel fliehen mussten. Die 700.000 Araber sind noch nicht einmal wirklich geflohen; sie haben sich in freien Stücken dagegen entschieden, israelische Staatsbürger zu werden. Dem jungen Staat Israel wurde der Krieg erklärt. Die Juden in der arabischen Welt aber wurden wirklich verfolgt. Wer Mitleid für die Verbrecher heimatlosen "Palästinenser" hat, aber überhaupt nicht für die vertriebenen Juden, der ist ein Antisemit.

In der Wikipedia wird aufgeführt, wer die beiden genannten Organisationen finanziert. Dass die EU als größter Spender aufgeführt ist, empört mich. Das wird zwar nicht das zentrale Motiv der Brexit-Befürworter gewesen sein, aber die Finanzierung solcher Organisationen ist ein Grund für den Verdruss, was die EU angeht. Die EU finanzierte sogar das Arafat-Mausoleum und das -Museum.

Ich finde, jeder Euro, der nach "Palästina" fließt, ist ein Euro zu viel. Selbst wenn es unter "humanitäre Maßnahme" läuft. Damit finanziert man den Terror von Hamas und Fatah. Die zweigen die Gelder ab, kaufen Waffen und beschießen Israel. Bevorzugt natürlich aus Schulgebäuden heraus, damit damit die israelische Reaktion propagandistisch ausgeschlachtet werden kann und man wieder schreiben darf: "Israel bombardiert Schule".

Die Antisemitismus sitzt mitunter so tief, dass ein Begriff wie "Pinkwashing" aus der Taufe gehoben wurde. Schwule, Lesben und "Transgender" wehren sich dagegen, dass Israel damit argumentiert, dass Israel Homosexuelle nicht verfolgt, Hamas und Fatah aber sehr wohl. Der Antisemitismus muss schon sehr groß sein, wenn einem die Anklage gegen Israel wichtiger ist als die Anklage gegen ein Regime, das Homosexuelle tötet. Homosexuelle, die "Pinkwashing" anklagen, ist der Hass auf Israel wichtiger als der Willen, zu leben.

Sonntag, 3. Juli 2016

Mit dem ASS-Prinzip ein Vermögen aufbauen.

Die Kurseinbrüche infolge des Brexits waren mir schnurzegal. Und die Entwicklung danach gab mir auch recht. Mein Portfolio hat den Kursrücksetzer längst wieder aufgeholt. "Politische Börsen haben kurze Beine." - Wieder einmal wies das alte Sprichwort den Weg.

Was ist das ASS-Prinzip? Es ist ein Akronym und die Buchstaben stehen für aggressiv, stur und stetig. Das ist das, was ich seit Jahren beherzige. Ich denke, ein Portfolio von ca. 160000 € Verkehrswert ist nicht schlecht. Vor sieben Jahren kaufte ich meine ersten Aktien. Zwischendurch war ich kurz arbeitslos und musste auch noch hohe Kosten stemmen. Die Aggressivität habe ich mir erst 2011 angedeihen lassen. Die Dividenden fließen jetzt schon üppig.

Warum muss man aggressiv, stur und stetig rangehen. Ich werde es erläutern.

1. Aggressivität ist deshalb notwendig, weil der wichtigste Faktor beim Spiel des Zinseszins die Zeit ist. Ob man jetzt einmalig einen Geldbetrag b, zum Zinsfaktor p für n Jahre anlegt oder dies periodisch macht, ist egal. Die Formeln sind En = b * p^n bzw. En = b * (p^n - 1) / (p - 1). In beiden Fällen gilt: b geht linear ins Endergebnis ein, der Zinsfaktor polynomiell, die Zeit aber exponentiell. Das heißt, umso früher man beginnt, umso besser. Umso größer kann das n werden. Beim p sollte man auch maximieren, d.h. in Aktien gehen und nicht in Anleihen oder Festgeld. Da ja das n groß gewählt ist, kann man die Volatilität von Aktien problemlos aussitzen. Und natürlich sollte man in den Anfangsjahren eine hohe Sparrate wählen. Ich sprach mal vom Berkersparen.

2. Sturheit ist deshalb wichtig, weil es mit den Kursen hoch und runter geht. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. "Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen." Diese alte Weisheit des Kostolany stimmt: Wer nicht den Schneid hat, die Kurse purzeln zu sehen, der realisiert zu früh seine Gewinne, wenn die Kurse dann mal steigen, denn die Kurse könnten ja jeden Moment wieder purzeln.

3. Stetigkeit ist wichtig. Man muss sich an die Sparraten gewöhnen. Ich mag die psychologischen Argumentationen nicht, aber hier trifft eine zu: Wenn man beispielsweise jeden Monat 500 € in Aktien investiert, dann verändert es das Bewusstsein. Man lebt insgesamt sparsamer, überlegt sich genau, ob dieser oder jener Konsum notwendig ist. Man hat sich an ein höheres Budget für den Konsum noch nicht gewöhnt. Auch nicht zu verachten: Umso früher man beginnt, umso früher macht man auch negative Erfahrungen und natürlich zahlt man auch Lehrgeld.

Ich habe in diesem Jahr schon 20000 € in Aktien investiert; mein Ziel sind die 26000 €. Das schaffe ich. Besonders angetan haben es mir die unterjährigen Dividendenzahler, weil man dann schon nach wenigen Monaten die ersten Früchte ernten  und reinvestieren kann. Dass der Dividendenmonat Mai die reinste Wonne war, schrieb ich schon. Der Juni war aber auch nicht schlecht. Brutto gab es etwas mehr als 1000 € an Dividenden, netto mehr als 700 €. Die Nettodividenden aus Mai und Juni haben im Summe die Konsumausgaben in diesen beiden Monaten übertroffen.

In meiner Familie weiß niemand davon. Von Aktien hat man null Ahnung. Man sieht nur die Kursschwankungen, über die in den Nachrichtensendungen berichtet wird und denkt sich das übliche: Aktien seien etwas für Zocker. Dabei kann es doch ganz leicht sein. Aktien mit gesunden Menschenverstand auswählen, kaufen, schlafen legen. Sich auf andere Dinge konzentrieren. Ich habe mich in den letzten Wochen wenig um die Börse gekümmert. Fernsehsendungen dazu sehe ich ohnehin nie. Ich hatte genug anderes zu tun. Ich habe in den letzten drei Jahren dermaßen viel Investmentlektüre verschlungen, dass mich nun wieder andere Themen reizen.

Und das ist das gute am Aktiensparen: Es ist so schön passiv. Passivanleger sind für mich mitnichten nur ETF-Sparer, sondern jeder Buy-and-Hold-Aktiensparer aufgrund seiner sehr geringen Aktivität. Es bleibt dann genug Zeit übrig, um sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Die Daytrading-Leute müssen viel persönliche Zeit aufbringen und gehen dann doch mehrheitlich pleite.

Freitag, 24. Juni 2016

Brexit geglückt - Was das für uns bedeutet.

Ich muss zugeben, dass ich etwas hin- und hergerissen war, ob nun der britische Austritt vor- oder nachteilhaft für Großbritannien ist. Einerseits bietet die EU einen großen Freihandelsraum, andererseits verlangt der Brüsseler Wasserkopf immer mehr Geld. Ich kann verstehen, dass die Briten da rauswollen.

Und mittlerweile sehe ich mehr Vorteile für Großbritannien. Die Briten können wieder einen Weg der Vernunft einschlagen, ohne dass Brüsseler Richter sich wieder neuen Unsinn im Namen der sozialen Gerechtigkeit ausdenken. Ich denke nur an den Bezug von Sozialhilfe in einem fremden EU-Land. Man denke auch an Unisex-Tarife und Gleichbehandlungsgesetz. Die Privatwirtschaft muss das ausbaden, aber Ausnahmen erhalten nur ausgewählte Institutionen. (Beispielsweise die katholische Kirche, die Homosexuelle, Geschiedene und Evangelen diskriminieren darf, wie sie lustig ist.)
 
Der Selbstherrlichkeit der Brüsseler Kommissare wurde endlich mal mächtig kräftig ins Kontor geschlagen. Und nun sehe ich auch Vorteile für Deutschland, denn mit dem Brexit wird Brüssel geschwächt und die Nationalstaaten werden gestärkt. Hoffentlich machen unsere Politiker das richtige draus. Manfred Haferburg schreibt mir aus der Seele, was das Thema angeht.

Den Absturz an der Börse sehe ich nicht kritisch. Es bieten sich wieder fantastische Gelegenheiten. Daher gilt: Ruhe bewahren, Füße stillhalten.

Sonntag, 12. Juni 2016

Wertvolle Tipps: Lernen Sie Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und E-Mail-Programm

Oft lese ich hier und da Kommentare nach dem Schema: "Ich bin 15 Jahre alt. Mir fehlt noch das Kapital, um an der Börse zu investieren, aber ich möchte lernen."

Als alter Computerhase halte ich folgenden Tipp für sehr wichtig: Lernen Sie eine Tabellenkalkulation. Ich selber bin bin immer überrascht, wenn man Leute damit nicht umgehen können. Ich war 10 Jahre alt, als wir in der Familie unseren ersten Computer hatten. Schon damals dabei: Works 2.0 für Windows. Ich schaute mir an, wie das funktioniert. Später lernte ich noch mehrere andere Tabellenkalkulationen, wie Excel 97, Quattro Pro und sogar noch Lotus 1-2-3, das mit einer Computerzeitschrift zusammen regelrecht verramscht wurde. Ich erarbeitete mir das Wissen, um unter anderem eine Bundesliga-Tabelle zu entwickeln, natürlich farbig hervorgehoben. Heute verwende ich LibreOffice Calc. Ich nutze Linux und da ist die Auswahl an Office-Paketen geringer. Selbst unter Windows würde ich ungern Excel verwenden, da Excel Geld kostet.

Wie man die Software verwendet, entnahm ich einem Buch für Excel 97 (gab es damals billig bei Aldi), aber auch von meiner Mutter, die beruflich bis Ende der 90er mit Framework unterwegs war. Sie war einfach nicht davon abzubringen. Da ich noch Framework kenne, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein richtig alter Hase bin.

Zugegeben, als Informatiker schaut man etwas abfällig auf Tabellenkalkulationsnutzer, da so eine Tabellenkalkulation nichts halbes und nichts ganzes ist. Es ist aber ein sehr guter Mittelweg, den ich mittlerweile schätze, um Daten halbwegs strukturiert zu erfassen und aufzubereiten. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, wie ich Tabellen in einer relationalen Datenbank definieren muss, um meine Anwendung umzusetzen. Die Anforderungen im privaten Bereich ändern zu schnell, als dass die Entwicklung eines relationalen Datenbankdesigns sinnvoll wäre.

Ich nutze die Tabellenkalkulation, um
  • Meine Aktiengeschäfte zu erfassen, Käufe, Verkäufe, Dividenden
  • Ein Buch über meine Ausgaben zu führen (Haushaltsbuch).
  • Zählerstände von Gas- und Wasserzähler zu erfassen
  • Um Steuernummer, Kundennummern, Adressen und ähnliches zu speichern. Wenn ich mal wieder meine Steuernummer suche, öffne ich meine Tabellenkalkulation. Ich wälze weniger in meinen Papierordnern.
Da ich alle meine Ausgaben protokolliere und kategorisiere, konnte ich in den letzten Jahren meine Steuererklärung sehr schnell erstellen. Ich musste nur nach der BU-Rentenversicherung filtern und habe die zwölf Zahlungen gesehen und konnte sie sofort zusammenaddieren. Um die Kosten für das Arbeitszimmer musste ich nur nach der Warmmiete (inkl. Nachzahlung) und den Kosten für Strom und Gas (inkl. Rückzahlung) filtern. Die Daten waren korrekt; ich sparte mir das mehrfache Nachprüfen. Ich musste nur das Gefilterte kopieren, in einer anderen Tabelle aufarbeiten, ausdrucken, Unterschrift druntersetzen und der Steuererklärung beilegen. Ich bin mir sicher: Auch das recht professionelle Auftreten sorgte dafür, dass das Arbeitszimmer letztendlich akzeptiert wurde. Für die Steuererklärung hatte ich in diesem Jahr vielleicht 4 h Aufwand.

Wertvoll finde ich auch Wissen über Textverarbeitung. Man muss sie nicht in allen Facetten beherrschen, aber man sollte wissen, wie man strukturiert Textdokumente erfasst. Dass man ein Stück Text mit einer Formatvorlage wie "Überschrift 2" formatiert anstatt manuell Schriftart, -größe und -dicke festzulegen. Wichtig ist, dass man sich frühzeitig, eine Vorlage für einen Standardbrief erarbeitet. Sowas habe ich seit 2003. Damals habe ich mich mit OpenOffice 1.0 hingesetzt und mir eine schönen Standardbrief mit Adressfenster, Briefkopf, Platz fürs Datum usw. angelegt. Ich verwende die Vorlage seitdem praktisch unverändert. Bei den Versionssprüngen und bei Adressänderungen musste ich natürlich mal nachbessern. Einerseits erspart es einem unheimlich viel Zeit, andererseits macht es einen besseren Eindruck beim Angeschriebenen. Jeder Brief sieht aus wie aus dem Ei gepellt, auch wenn die Angelegenheit banal ist. Und wenn man in so einem gut formatierten Brief mit einem Anwalt droht, bekommt man eher seine Forderung durchgedrückt. Ich unterstrich mal derartig die Forderung nach Rückzahlung meiner Mietkaution, dass ich drei Tage später das Geld auf dem Girokonto hatte. Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit einem gescheiten Briefkopf seine E-Mail-Adresse und Telefonnummer automatisch weiterträgt und die Sie Angeschriebenen schnell und unbürokratisch erreichen können.

Die Erreichbarkeit per Mail sollte man auch dahingehend erhöhen, dass man sich einen richtigen Mail-Client installiert. Im Jahr 2000 bekam ich Anschluss ans Internet und ich besorgte mir sofort eine E-Mail-Adresse und installiert sofort einen Mail-Client. Web-Mailer zu verwenden, war bei mir die große Ausnahme. Der Komfort-Gewinn eines richtigen Mail-Clients (z. B. Icedove/Thunderbird) ist enorm. Man kann viel schneller arbeiten und außerdem wird man benachrichtigt, wenn eine Mail kommt. Ist aber der Browser zu tun, dann ist auch der Web-Mailer nicht mehr da. Mit Grausen sehe ich, wenn jemand, obwohl IT-affin, nur Web-Mailer nutzt.

Der Beitrag war nun sehr allgemein gehalten. Im nächsten Beitrag dieser Art möchte ich mein Tabellendokument vorstellen, mit dem ich meine Aktiengeschäfte protokolliere.