Mittwoch, 24. Februar 2016

Justin in der Schuldenspirale

Ich habe lange nichts mehr vom Justin geschrieben. Es wurde ein wenig still um ihn und ich dachte schon, es wäre vernünftiger geworden. Er fing ja auch schon an, das eine oder andere Buch zu lesen. Ein Fortschritt, auch wenn er nur Fantasy-Romane liest.

Es war im Dezember. Justin erzählte, er betreibe in der Freizeit ein wenig Trading. Er konzentriere sich auf die Small Caps, denn die können ja "abgehen wie die Lutzi". Justin hatte da auch noch Schulden. Dann kam die Kurssenkungen im Januar und Februar. Deprimiert warf er das Handtuch. Sämtliche Hinweise meinerseits und auch Buchempfehlungen schlug er all die Jahre aus, d.h. stetig investieren, in bekanntere Unternehmen investieren, nicht auf den Geheimtipp hoffen, sondern langfristig denken. Vor allen anderen Sachen müsse er sich an den Schuldenabbau machen.

Mir haben die Kursrütsche der vergangenen Wochen nichts ausgemacht. Ich brauche nicht einmal Schlafmittel. Aber nun habe ich auch schon ein paar Jahre als Anleger auf dem Buckel und das ist, was Justin fehlt. Hätte er früher auf mich gehört, würde er jetzt nicht so dumm dastehen.

Aber Justin wäre nicht Justin, wenn der nächste Klops nicht schon in der Pfanne brutzelte. Bei Justin dreht sich viel um den fahrbaren Untersatz; darüber definiert er sich. Er fuhr nun schon zehn Jahre lang ein Auto der gehobenen Mittelklasse für über 20000 €, die er als Student(!) bereitwillig als Schuld einging. Sein Auto war noch nicht komplett abbezahlt, seine BaföG-Schulden und sein privater Bildungskredit waren noch nicht getilgt, da kaufte er sich für mehrere tausend € ein Motorrad.  Vor vier Wochen kaufte er für 40000 € ein neues Auto. Dafür musste er - der Leser ahnt es schon - einen neuen Kredit aufnehmen.

Sollte er seine Arbeit verlieren (und er war schon kurz davor), dann kommt er aus dem Schuldenstrudel nicht mehr raus. Und dann klebt der Kuckuck auf seinem 40000 € teuren Auto, das nur noch mit 20000 € taxiert würde.


Dieses Negativbeispiel ist echt und ich möchte dem Leser mitgeben, dass er sich nicht verhalten soll wie Justin. Justins Haushalt ist "auf Kante genäht". Wolfgang Schäuble ist im Vergleich dazu ein seriöser Haushälter. Justin ist der Alpha-Kevin unter den Schuldenmachern. Ich kenne aus meinem persönlichen Umfeld niemanden, der so mit seinem Geld umgeht.

Justin lernt aber auch nichts dazu, weil er nun mit den Fehler mit dem Auto schon zum zweiten Male macht. Bodo Schäfer - von dem ich eigentlich nicht viel halte -  gibt den Tipp, ein Auto solle höchstens zwei bis drei Nettomonatsgehälter kosten. Justin verbrät aber gleich zwei Nettojahresgehälter, wenn man die Zinsen berücksicht.

Warum kann er nicht wie andere Männer in seinem Alter einem Sport nachgehen? So viele Männer sieht man doch draußen kicken, selbst im Winter in den städtischen Parks. Rucksäcke markieren die Tore und los geht's. Das macht Spaß und kostet praktisch nichts. Stattdessen kutschiert er ein sehr teures Auto durch die Gegend, das sein Budget völlig überreizt. Hat man da Freude dran? Deshalb gilt: Kick it like Beckham and don't budget like Justin!

Montag, 22. Februar 2016

Wie sich der Bürger wehren kann.

In Deutschland rumort es. Die Zustimmung zu den etablierten Parteien sinkt, die Protestparteien Linke (ehemals SED) und AfD bekommen Zulauf. Aber nur weil einem die Kleptokratie der großen Parteien passt, sollte man nicht Protest wählen. Und gar nicht wählen, ist auch irgendwie infantil. Da lachen sich die SPD- und CDU-Vorderen ins Fäustchen.

Was also kann man machen? Bei der Wahl wähle ich einfach die Partei, der ich ideologisch am nächsten stehe und das ist die FDP. Wahl-O-Mat-Spielereien bestätigen auch immer wieder, ich solle doch FDP wählen. Gewiss ist auch ein wenig Protest, denn die FDP ist die einzige Partei, die für Marktwirtschaft und für die Homo-Ehe ist. Und es die einzige Parte, die die Gentechnik nicht kategorisch ablehnt. Deswegen ist es auch so schade, dass diese Partei nicht mehr im Bundestag vertreten ist.

Wie kann man es "denen da oben" nun so richtig geben? Ganz einfach, drehen Sie "denen da oben" den Geldhahn zu. Gehen Sie Ihre Ordner mit Versicherungen und Verträgen durch und suchen Sie sämtliche Sparverträge auf Staatsanleihenbasis raus, die da wären:
  • Kapitallebensversicherungen
  • Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr
  • Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Prämienrückgewähr
  • Aussteuerversicherungen (wenn es das noch gibt)
  • Riester- und Rüruprenten auf Anleihenbasis
  • Sonstige private Rentenversicherungen
  • Gehaltsumwandlungen aka Betriebsrenten rückgängig machen
Kündigen Sie alles schnellstmöglich. Sie werden Geld zurückhalten und in der Folge noch einmal ordentlich sparen. Angenommen, Sie sparen monatlich vielleicht 400 €, nur weil Sie bei den Versicherungen ausgemistet haben. Nach der Rentenformel und investiert in solide DAX-Werte (8 % Wachstum) können alleine durch die 400 € monatlich nach 15 Jahren 130000 € werden. Noch besser wären natürlich amerikanische Werte. Dort ist die Politik nicht so wankelmütig und ruiniert starke Unternehmen. In Deutschland opfert die Politik sogar die eigenen Unternehmen der Ideologie. RWE ist größtenteils in staatlicher (bzw. in kommunaler) Hand und wurde für die Hirngespinste "Atomtod" und anthropogenen Klimawandel geopfert.

Aber es geht ja noch weiter. Kündigen sollten Sie sämtliche Deals mit der Sparkasse, der LBS und der Deka. Ich schrieb ja kürzlich, dass da eine Sparkasse einem risikoscheuen Anleger Aktienanleihen empfahl. In den Sparkassen bestimmt die kommunale Politik mit. Denen muss man genauso das Geld entziehen. Und Sie sparen auch noch nebenbei jede Menge Geld.

Beschränken Sie sich auf die notwendigsten Versicherungen und schließen Sie diese online ab. Das wären: Private Haftpflichtversicherung, kostet um die 40 € und deckt Schäden bis 11 Millionen € ab. Eine Risikolebensversicherung, wenn man Hinterbliebene hinterlassen würde. 400000 € sollten es schon im Todesfalle sein. Unbedingt degressiv gestalten und sparen.

Angenommen hinter jedem KLV-Sparer stecken durchschnittlich 20000 € in Staatsanleihen. Würden eine Million Menschen ihren Vertrag zurückkaufen, entzöge man dem Staatsanleihenmarkt 20 Milliarden €. Da würde sich Merkel und Schäuble blöd umgucken. Das wäre für die schmerzhafter als eine AfD im Bundestag, das versichere ich Ihnen.

Und es wäre risikolos. Wenn man die Linkspartei wählt, muss man befürchten, dass die an die Macht kommt und wieder ein stalinistisches Regime errichtet. Wenn man sich bei der AfD blicken ließe, kann das auch nach hinten gehen, wenn der Arbeitgeber davon erfährt. Warum dieses Risiko eingehen?



Kleine Medienempfehlung Spiegel 2016/8: "Ohne Zins und Verstand"

"Warum die Deutschen ihr Geld falsch anlegen - und wie sie es vermehren könnten." Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich das letzte Mal den "Spiegel" las. Gestern aber nahm ich Notiz über den aktuellen Aufmacher. Dort wird abgerechnet mit den Deutschen, mit Riester, mit Rürup, mit Kapitallebensversicherungen. Aktien werden positiv erwähnt, die Furcht vor Aktien indirekt als irrational gebrandmarkt.

Wer eine kleine Kostprobe gibt es auch bei SPON. Wer seine Tagesdosis an Gruselei noch nicht aufgeschöpft hat, dem empfehle ich auch noch einen Blick ins die anschließende Diskussion. Dort lassen sich Lobotomie-Opfer mit und ohne Hartz IV aus.

Donnerstag, 18. Februar 2016

Eine Antwort im Zeichen der blauen Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.


Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.


Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

(Joseph von Eichendorff, 1818)



Die "Ex-Studentin" hat zur Blogparade gerufen und schon lange überlege ich, was ich schreiben solle. Sie stellt vier Fragen:
  1. Was braucht ihr aktuell, um glücklich zu sein?
  2. Was braucht ihr dauerhaft, um voraussichtlich bis an euer Lebensende zufrieden zu sein?
  3. Auf welche Dinge im Leben könntet ihr theoretisch verzichten und habt sie derzeit dennoch?
  4. Ist es euch wichtig, “mehr” vom Leben zu haben als nur das Nötigste?

Die Antwort auf 1 und 2 ist die "blaue Blume". Die Antwort auf die dritte Frage weiß ich nicht, ich weiß aber, auf die "blaue Blume" kann man am allerwenigsten Verzichten.

Die "blaue Blume" ist das Zentralsymbol der Romantik, sie steht für Sehnsucht, Liebe, das Streben nach dem Unendlichen, aber auch für die Wanderschaft.

Ein Mensch, der keine Sehnsüchte hat, also wunschlos glücklich zu sein scheint, hat eigentlich ein armes Leben. Die zentralen Dinge, die uns im Alltag glücklich machen, sind doch selten die Dinge, die man kauft. Ein Bechstein-Flügel macht doch nicht glücklich, wenn niemand drauf spielt. Wenn man ihn selber zu spielen weiß und wenn auch nur mit "echtem Gefühl und falschem Fingersatz" (wie Joachim Kaiser  zu sagen pflegt), dann wird man mehr Freude daran finden als an den besten Einspielungen von Gould, Rubinstein oder Horowitz. Sollte es nichts mehr geben, wofür sich Anstrengung lohnt, was man sehnsüchtig anstrebt, wofür man sich interessiert, dann lohnt sich das Leben nicht mehr.

Nicht, eine Zeit lang nicht geliebt zu werden, ist nicht schlimm, aber den Wunsch nach Liebe zu verlieren, fände ich schlimm.

Das Motiv des Wanderns finde ich auch ganz entscheidend. Das heißt nicht, dass man mit Kniebundhose und Wanderstock durch die Wälder schreiten soll. Ich weite es aus auf das Wandern im Geistigen. Seine Neugier sollte man erhalten. Ich bin froh, dass ich mir meine Neugier erhalten konnte, lese ich doch immer noch Fachbücher (mein Studium ist praktisch nie beendet), versuche aber meinen Horizont über mein Fachgebiet hinaus stetig zu erweitern. Zum Beispiel in der Musik. Vor 14 Jahren begann ich mit bekannten und populären Werken, z. B. Beethovens Sinfonien, Schuberts "Unvollendeter" oder Ravels "Bolero". Aber zufrieden geben ich mich damit nicht, also wuchs meine CD-Sammlung sehr stark an in den vergangen 14 Jahren. Ich hatte eine Mahler-Phase, dann interessierten mich Schönberg und seine Schüler (Schönbergs 1. Kammersinfonie Op. 9 und sein Konzert für Klavier und Orchester Op. 36 sei jedem ans Herz gelegt.), viele Jahre begleitete mich auch Chopin (heute weniger), dann interessierte ich mich plötzlich für Bach und seit kurzem die Romantik und dabei die Gattung des Kunstliedes. Plötzlich will ich mehr erfahren über Schumann (Liederkreis, Dichterliebe), Brahms und Schubert (Winterreise). Alles große Komponisten, aber ich interessiere mich mitnichten nur für ihre populärsten Werke. (Und weniger bekannte Komponisten wie Paul Hindermith, 20. Jhd., habe ich mir auch schon angetan.) Durch die Kunstlieder kommt dann automatisch auch zu den Lyrikern, die das Textmaterial lieferten, z. B. Eichendorff, Heine und Wilhelm Müller.

Ich hoffe, diese Neugier nie zu verlieren. Was heißt das für das Monetäre, für die materiellen Güter? Oben habe ich schon einen Vergleich gezogen. Sich einen Bechstein ins Wohnzimmer zu stellen, aber selber nicht spielen zu können, wäre doch ziemlich armselig. Solche Menschen wissen nicht, wohin mit ihrem Geld. Die materiellen Dinge stehen also hintan, wenn es um das Glück geht. Daher stecke ich mein Geld eher in Investitionen statt in Konsumprodukte. Die Konsumprodukte müssen aber gut genug sein, um die Neugier zu befriedigen, d.h. meine HiFi-Anlage sollte nicht die billigste, muss aber auch nicht die teuerste sein. Eine 2000 € teure Anlage brauche ich nicht. (Ich kenne sogar jemanden, der sowas hat, aber dann doch sehr selten nutzt.

Das Thema Finanzen ist auch so eine Sache, die ich vor zehn Jahren nicht habe kommen sehen. Ich habe bestimmt seit 2009 20 bis 30 Bücher gelesen.
Meine Investitionen werden hoffentlich bald Früchte tragen, dass ich öfter Zeit finde, auf Wanderschaft zu gehen, um die Neugier zu befriedigen. Der blauen Blume wegen.

Und wenn wir schon beim Wandern sind:  Was ich mir vorgenommen habe sind öfter Ausflüge in die Natur. Einfach mal einen Tag von der Arbeit frei nehmen und eine kleine Wandertour machen. Selbst im Februar kann man da wunderschöne Tage erleben, wie ich in dieser Woche erleben durfte. Mit einer kleinen Brotzeit, einer Thermoskanne Tee und Eichendorffs Gedichten im Gepäck ging es los. Kostenpunkt der ganzen Aktion: Weniger als zwölf Euro. Das teuerste dabei waren die zwei Busfahrten à 4,55 €. Der Rest ging für die Lebensmittel drauf, die ich so oder so bezahlt hätte. Womit dann auch die vierte Frage beantwortet wäre: Was den Komfort angeht, benötige ich nicht viel.

Sonntag, 14. Februar 2016

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Gedacht war dieser Beitrag ursprünglich als Kommentar zu Finanzrockers Interview mit der Ex-Studentin. Aber ich ahnte, es würde umfangreicher werden, also wurde es ein eigener Blogbeitrag.


Die Ex-Studentin brachte im Interview ihren Ärger zum Ausdruck, dass sie nicht vom kleinen Bruder gefragt wurde, bevor dieser einen Bausparvertrag unterschrieb. Das kommt mir sehr bekannt vor, weil mein kleiner Bruder ähnlich vom Versicherungsvertreter überrumpelt wurde. Er schloss dann als Wehrpflichtiger eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Ansparfunktion ab, die im Schadensfall 400 € pro Monat ausgespuckt hätte. Damit war das Ding wertlos, weil's weniger als Hartz IV war. Der nächste Clou war: Das Ding lief nur bis zu seinem 40. Lebensjahr. Wenn sich die ersten chronischen Wehwehchen breit gemacht hätten, er hätte er eine neue BU-Versicherung abschließen dürfen, aber dann mit horrendem Aufpreis. Als 40-jähriger hat man eine umfangreichere Krankenbiographie.

Eine Unfallversicherung mit ähnlichen Konditionen schloss er auch noch ab. Der Versicherungsvertreter von der Allianz gab am Abend wahrscheinlich noch eine Party, weil er einen Dummen fand, der gleich zwei Nonsensverträge aus Sicht des Versicherten abschloss.


Ich ärgerte mich, weil ich das so nebenbei erfuhr. Die liebe Familie fragt wegen Belanglosigkeiten bei mir nach, z. B. wenn der Computer oder das Fax-Gerät zickt. Aber wenn es um Geld und Versicherungen geht, fragt keiner. Ich meckerte natürlich, wie man sowas zulassen könne. Meine Schwester meinte, er würde seinen Weg schon machen. Eine echt tolle Aussage. Die ist irgendwie wie Schulternzucken: "Mir doch egal, dass er dadurch in finanzielle Schwierigkeiten gerät." (Mich ärgert so eine Einstellung.) Als ich gegen Studiumsende meine ersten Versicherungen abschloss, fragte ich im Vorfeld tatsächlich mal meine ältere Schwester, was wirklich wichtig wäre.
 
Man muss ja nicht der Überflieger sein und sich seine Meriten in Finanzdingen schon verdient haben. Schon allein die Tatsache, dass der ältere Bruder oder die ältere Schwester einen Erfahrungsvorsprung hat, ist ein Grund, dass man dort mal nachfragt. So viel sonst wird doch erfragt. Natürlich kann das Empfohlene immer noch Unsinn sein. Angenommen es ist zu 80 % Unsinn. Was aber der Versicherungsvertreter sagt, ist zu 100 % Unsinn. Mit 20 % Wahrscheinlichkeit hätte man dann einen finanziellen Schaden (Unterschrift unter einen Versicherungsvertrag) verhindert. Kostenpunkt: 0 €.

Ich halte es für ein großes Problem, dass wir zu wenig über diese Dinge reden. Es würden sogar die Grundrechenarten ausreichen, um bestimmte Dinge nachzurechnen. Den Sinn und Unsinn der Versicherungs- und Bankenbranche kann jeder mit Papier und Bleisteift nachvollziehen. Oft reicht aber auch gesunder Menschenverstand. Für eine Sterbeversicherung beispielsweise muss man kein Versicherungsmathematiker sein. Man sieht doch sofort, dass es bei der Sterbeversicherung nur ein ganz kurzes Zeitfenster gibt, wo das Ableben vorteilhaft, aber im Vergleich zu anderen Anlageformen niemals lukrativ ist. Selbst das Tagesgeldkonto mit einem Prozent Zinsen ist dann oft noch lukrativer. 2000 €, ein typischer Betrag für eine Sterbeversicherung, sollte man einfach auf dem Girokonto oder Tagesgeldkonto belassen. Fertig.

Und im Internet kann man auch vieles finden. Nie war es so einfach wie  heute. Ich denke, alleine schon deshalb, weil ich seit 16 Jahren fast alles im Internet nachlese, habe ich die gröbsten Fehler vermieden. Mir ist folgendes Verhalten unerklärlich: Jemand, der täglich am Computer hängt (und spielt), sich wahrscheinlich auch Videos anschaut (Youtube und andere), aber offenbar zu blöd oder zu faul ist, Google zu benutzen.


Die Spreu vom Weizen wird sich trennen anhand der Medienkompetenz. Wer in der Lage ist, Google zu bedienen, kommt auf den grünen Zweig. Wer sich nicht informiert, wird gnadenlos abgezockt. Die Vertrauensseligkeit gegenüber den Stammberatern ist tödlich. Ich habe erst kürzlich den guten alten Justin schimpfen hören. Nach vielen Jahren ist ihm aufgefallen, dass er für eine Kfz-Haftpflichtversicherung das doppelte des typischen Marktpreises zahlt. Im Netz guckt er sich lieber nach Jahreswagen um, statt mal auf Check24 kurz zu gucken, was übliche Versicherungstarife sind.

Aber man muss aufpassen, wo man sich informiert. Ab und zu schreibe ich im Finanz-Forum. Als langfristig orientierter Aktionär bin ich da der Exot. Viele Menschen werden sich an das Finanz-Forum, weil sie einfache Beratung in Sachen Bausparvertrag und Altersvorsorge möchten. Meine Einlassungen darauf, dass Bausparen unlukrativ wäre und Riestern auch und zudem viel zu bürokratisch, wurden schlecht gemacht. Ich habe denen sogar vorgerechnet, dass beispielsweise ein Aktieninvestment lukrativer ist, aber das soll laut Vertreterbranche zu unsicher sein.

Einige Foristen gehen dort sehr offen damit um, dass sie Vertreter und Strukkis sind. Mit der Zeit merkte ich, dass die Strukkis immer zahlreicher wurden und das Forum selber von einem Versicherungsvetreter aus Odenthal geleitet wird. Gehaltvolle Informationen darf man dort nicht erwarten.

Da kreuzen Versicherte auf, die sich nun zweifeln, ob ihr Riestervertrag noch sinnvoll wäre. Da gibt's Vertreter, die immer noch das Gute in den Verträgen sehen. Und da gibt es auch noch ein bemitleidenswertes Beispiel: Da hat jemand sechs(!) Bausparverträge abgeschlossen und fragt nun, ob das sinnvoll wäre. Ein Forist nennt sich "uwehaensch" und er liefert ein wundervolles Beispiel, wie die Vertreter so reden:

Zitat Zitat von MC Muffin Beitrag anzeigen
Ich denke das ein Bausparvertrag keinen Sinn macht.
So allgemein formuliert stimmt das definitiv nicht. BSVs sind kein Allheilmittel, aber es gibt reichlich Fälle wo verschiedenste Tarife sehr viel Sinn machen.

Zitat Zitat von MC Muffin Beitrag anzeigen
1. Die Verzinsung ist extrem schlecht.
Ach ja, 3 % für einen 7-jährigen Sparplan ist nicht wirklich extrem schlecht.

Zitat Zitat von MC Muffin Beitrag anzeigen
2. Die Zinsen für ein Darlehen sind nicht günstiger wie für ein normales
Was immer ein "normales" Darlehen ist. Ich denke, sich jetzt einen möglichen Zins von z.B. 1,23 % eff. zu sichern, spricht nicht gerade für Ihre Behauptung.

Zitat Zitat von MC Muffin Beitrag anzeigen
3. Die Zinsen werden langfristig weiter unten bleiben oder sogar noch sinken ( Japansyndrom
Ihre Glaskugel in allen Ehren !
Wenn man dort mal ein wenig quer liest, wird man feststellen, dass häufig die Aussagen fallen, man dürfe nicht pauschalisieren oder aber, "So allgemein formuliert stimmt das definitiv nicht."

Ich bin der Meinung, dass es schlechte Geschäfte gibt, die für jeden schlecht sind. Eine Kapitallebensversicherung beispielsweise: Wenn man mit einer Risikolebensversicherung und ein wenig Tagesgeld besser fährt als damit, warum also Kapitallebelsversicherung? Was hat das mit dem Einkommen oder Beruf des Versicherten zu tun? Das ergibt doch keinen Sinn.

Ein häufiger Vorwurf ist dann auch die "Glaskugel". Diesen Vorwurf dürfen diese Menschen nicht verwenden, denn es ist nicht redlich, schließlich konstruieren sie selber mit irgendwelchen Ereignissen in der Zukunft, bemühen also die "Glaskugel".

Da wird dann stark über- und untertrieben zu den eigenen Gunsten, Hauptsache es kommt zum Vertragsabschluss. Was ist wahrscheinlicher? Dass der DAX auch in den nächsten zehn Jahren durchschnittlich um 8 % wächst oder ob das Liebespaar mit den sechs Bausparern immer noch zusammen ist?

Je weniger Wetten man abschließt, desto besser. Eine Kapitallebensversicherung ist schon eine wahnsinnige Wette, denn man wettet darauf, dass die Versicherungsgesellschaft nicht pleite geht, dass die Währung nicht stark inflationiert, dass man die Beiträge auch bis zum Schluss zahlen kann und will, dass der Staat weiterhin die Chose fördert. Und das über einen Zeitraum von über 30 Jahren. Riester bzw. Leibrenten sind noch schlimmer, schließlich wettet man zusätzlich darauf, dass man sehr, sehr alt wird und dass die Versicherungsgesellschaft genauso lange vital bleibt.

Bei einer Investition in Aktien wette ich nur darauf, dass das Unternehmen auch in Zukunft Gewinne macht. Ein Unternehmen wie Nestlé stellt Lebensmittel her und vertreibt diese. Essen müssen die Leute immer und die Weltbevölkerung wächst weiter. Nestlé könnte genauso pleitegehen wie eine Versicherungsgesellschaft, aber wie realistisch ist das? Die Versicherungsgesellschaften hängen schon am seidenen Faden, hängt doch ihr Erfolg sehr von der Währungsstabiltät und den Staatsanleihen ab. Wo ist mehr Glaskugel?

Hinter meinen Überzeugungen hängen recht einfache Überlegungen. Darauf kommt jeder, der sich ein wenig Hausverstand bewahrt hat. Um sich zu informieren, empfehle ich Finanzblogs, die sich dem Vermögensaufbau gewidmet haben. Dort hat man sich eine "ganzheitliche Sicht" bewahrt, wie man heute zu sagen pflegt. (Normalerweise kommt mir beim Wort "ganzheitlich" die Galle hoch.) Und wenn ich mir vergegenwärtige, welche Gedanken sich beispielsweise der Finanzwesir gemacht hat, dann stelle ich fest, dass ich die Gedanken auch schon hatte. Und wenn viele Leute unabhängig voneinander zu gleichen Ergebnissen kommen, was Altersvorsorge, Versicherungen, Steuersparmodelle und Aktienanlage angeht, so muss doch etwas dran sein. So war ich immer skeptisch gegenüber Produkten, die Versicherung und Sparvertrag in einem waren; der Finanzwesir nennt sie Bastardprodukte.

2004 hörte ich mal irgendeine VWL-Vorlesung. Der Professor dozierte, Ärzte-Fonds gäbe es nur deshalb, weil Ärzte überdurchschnittlich viel Geld hätten, aber wenig Ahnung von Geld. Ärzte könne man leicht überzeugen, dass so ein Ärzte-Fonds spezielle auf die Bedürfnisse von Ärzten zugeschnitten wäre. Tatsächlich war die Rendite niedriger als bei einem normalen Fonds. Es gibt schlichtweg keinen Grund, warum man da so einen Bohai macht um Geldanlage. Geld ist Geld. 100 Euro vom Arbeiter sind genauso viel Wert wie 100 Euro vom Arzt. Versicherungen sind vielleicht zielgruppenorientiert, aber die Geldanlage hängt doch nur vom Geld ab. Damals fiel bei mir der Groschen, dass ich bei den vielen Versicherungs- und Anlageprodukten sehr, sehr skeptisch sein muss.

Samstag, 6. Februar 2016

Sparkassen schon lange nur noch Spaßkassen

Wer der Sparkasse vertraut, ist verloren. In meiner Sportgruppe habe ich wieder eine Geschichte gehört, die mich dermaßen in Erstaunen setzte, dass ich meine Kinnlade nicht mehr geschlossen bekam.

Der Sportkamerad hatte letzte Woche einen Termin bei der Sparkasse: "Herr Schmidt, wir müssen uns mal unterhalten." - Es wurde ein Risikoprofil erstellt. Schmidtchen schätzt sich selbst als risikoscheu ein und das kam auch beim Befragungsbogen heraus. Was wurde ihm empfohlen? Aktienanleihen.

Aktienanleihen verbinden die Nachteile der beiden Anlagemöglichkeiten Aktie und Anleihe. Es gibt das Risiko des Totalverlustes (wie bei der Aktie), aber die Rendite ist so mager wie bei einer Anleihe. Und um die Dividenden wird man auch noch geprellt. Für Aktienanleihen spricht nichts.

Seltsam, dass manche Glaubensgrundsätze so unverrückbar, dass es jeder glaubt. So wie der Amerikaner glaubt, die Deutschen hätten für David Hasselhoff viele Statuen errichtet, so glauben die Deutschen, dass Aktien eine höchst riskante Angelegenheit ist.

Ich bin der Meinung, dass die Aktie was ursprüngliches ist. Nicht jeder kann ein ganzes Unternehmen nennen und nicht jedes Unternehmen kann einen einzigen Inhaber haben. Aber man kann Unternehmen in Teilen sein Eigentum nennen und Unternehmen können vielen Menschen gehören. Und warum soll man nicht Anteil an etwas haben, wo Werte geschaffen werden.

Das ist das ursprünglichste und direkteste Investment. Dann gibt es noch Anleihen; man verleiht Geld gegen Zins. Auch das ist ein ursprüngliches Investment. Und mehr braucht nicht.

Aktienanleihen sind im Vergleich dazu Designerfinanzprodukte, wo die Bank alle Vorteile, der Aktienanleihenzeichner alle Nachteile hat. Dass die Sparkasse sowas empfiehlt und dann auch noch die Chuzpe besitzt, zu behaupten, sie würden nicht wie andere Banken die Kunden über den Tisch ziehen.

Ich bin so froh, kein Sparkassenkunde mehr zu sein. Die Sparkassen wissen gar nicht, wie viel Vertrauen man ihnen entgegenbringt.Viele sind Kunde der Sparkasse, weil die Eltern auch schon Kunde waren. Und das hält man viele Jahre lang bei. Und es wird so leichtfertig verspielt.