Donnerstag, 26. Mai 2016

Wonnemonat Mai - Eine Zwischenbilanz für 2016

Wie bereits im letzten Jahr ist der Mai wieder einmal der dividendenstärkste Monat. Das liegt vor allem an den deutschen Titeln. Der Mai ist noch nicht zu Ende, aber ich erwarte keine Zahlungen mehr. 2365,99 € brutto habe ich erhalten. Netto sind es 1784,48 €. Das kann sich sehen lassen.

In diesem Monat habe ich auch etwas besonderes erreicht: Die Kaltmiete wurde in den vergangenen 365 Tagen von Dividendenzahlungen vollständig gedeckt. Ich wohne praktisch mietfrei. Andere Menschen verschulden sich und gehen hohe Risiken ein. Ich habe das Ziel, dass ich für die Miete kein Erwerbseinkommen ausgeben muss, nach wenigen Jahren erreicht.

Im Dezember formulierte ich die Ziele für 2016:

1. 26000 € in Aktienkäufe stecken. 20000 € habe ich schon. Da bin ich auf einen guten Weg.

2. Depotwert von 173000 €. Die Kurse sind etwas eingebrochen und ich krebse bei 162000 € herum. Da muss sich noch einiges tun.

3. Die Dividenden sollen mindestens 6100 € brutto betragen. Dieses Ziel wird erreicht. Mit meinem momentanen Portfolio käme ich auf 6300 €. Es stehen aber noch Käufe an, auch Quartalszahler, die dann schon im dritten und vierten Quartal 2016 wirken würden.

Es ist noch nicht einmal ein halbes Jahr vorbei und schon stoßen die Einnahmen in die Höhe der Einnahmen des gesamten vorherigen Jahres:


Dass es so schnell aufwärts geht, hat mehrere Ursachen:

1. Quartalszahler. Ich hatte in den ersten vier Jahren kaum Quartalszahler. Mittlerweile zahlen die das meiste, sodass der Kauf von Aktien dividendentechnisch schon auf kurze Sicht zu wirken beginnt.

2. Aristokraten im Depot. Ich habe nun einige Titel, die Jahr für Jahr ihre Dividenden erhöht haben. Ein Unternehmen hatte ich bereits 2012 und es 25 US-Cent Quartalsdividende. Mittlerweile sind es 63 US-Cent. Ich hatte in den ersten Jahren keine US-Aktien, was ich heute schon sehr bedaure. 2009/10 hätte man im amerikanischen Markt mal zuschlagen sollen.

3. Stetige Nachkäufe dieser Aristrokraten.

Samstag, 21. Mai 2016

Draghi und der deutsche Michel

Schon oft habe ich den Leser mit meinem Unmut konfrontiert, der mich widerfährt, wenn ich mal wieder die Forenbeiträge bei SPON und Co. lese. In der sogenannten bürgerlichen Presse ist aber auch nicht besser. Ob nun beim Handelsblatt, bei der FAZ oder bei der Welt: Sobald es um Aktien geht, habe ich den Eindruck, mehrheitlich von Kindern umgeben zu sein. So schreibt einer bei welt.de:

„für eine (Zusatz)Rente im Alter von 1.000 Euro baucht man 300.000 Euro Kapital.
Wer also eine (Zusatz)Rente von 4.000 Euro haben will, braucht nur 1,2 Mio Kapital, über 30 Jahre ununterbrochen jährlich 40.000 Euro
wo ist das Problem ?“

4000 € im Monat entsprechen 48000 € im Jahr. Wenn man 4 % Dividenden annimmt, benötigt man ein Depot von 1,2 Mio €. Aber nur, wenn man sich jeden Substanzabbau verbittet. Wenn man die Dividenden komplett verkonsumiert und die Substanz moderat abbaut, der kommt mit einem geringeren Depot aus. Warum soll man das dann nicht bei einem Aktiendepot machen? Außerdem hat man auch in der Ansparphase Dividenden und Kurszuwächse. Um nach 30 Jahren auf 1,2 Millionen zu kommen, benötigt man gerade einmal eine Sparrate von 10593 € (ohne Dividenden), wenn man 8 % Rendite (Dividendenrendite + Kurswachstum) und angenommener Thesaurierung annimmt. Substanzverzehr ist bei allen anderen Altersvorsorgenprodukten vorgesehen und wenn man sich diesen bei Aktien verbittet, dann stehen Aktien schlechter da als notwendig.

Wäre der Beitrag nicht derartig hämisch gemeint, könnte ich drüber lachen, aber so ärgert mich nur noch die Arroganz. Häme erlaubt man sich, wenn man meint, einen Wissensvorsprung zu haben und besonders klug erscheinen möchte, aber der Beitrag war ja nun alles andere als intelligent. Anderer Beitrag lässt erkennen, dass Aktien „hochspekulative Anlagen“ wären:
„Sehr anständig, dass man nun versucht, den Sparer in hochspekulative Anlagen zu treiben. Anders als Herr Draghi gibt es Menschen, die weder das Wissen noch die Beziehungen haben, um in der Finanzwelt zu bestehen. Und wenn man arbeiten geht, hat man auch nicht die Zeit, sich das alles einfach so anzulernen. Ich werde was anderes tun, nämlich die AFD wählen und meinen Beitrag leisten, um die Katastrophe namens Euro abzuwählen.“
Ein anderer sorgt sich, dass zum Renteneintritt der Crash eintritt:
"Das kann ja sein. Aber das interessiert mich gar nicht. Was ist denn, wenn ich in den Ruhestand gehen möchte oder muss und meine Aktien sind gerade in der Verlustzone? Was hilft mir dann ein Durchschnitt? Meine Eltern haben damals T-Aktien gekauft. Was hilft denen ihr Durchachnitt jetzt am Beginn des Rentenalters? Meine Eltern haben Commerzbank-Aktien gekauft, dann kam die Finanzkrise. Was hilft Ihnen nun der historische Durchschnitt? Meine Eltern haben 40 Jahre lang gearbeitet und andere Anlageformen und die gesetzliche Rente. Deshalb ist ihnen das mit ihren Aktien heute relativ wurscht. Aber für mich ist das eine Erkenntnis: Ich brauche keine Anlageform für meine Altersversorgung, die mir dann im besten Falle wurscht.“

Wo steht denn geschrieben, dass man alle seine Aktien verkaufen muss, sobald man in Rente geht? Ich finde die Konstruktion solcher Szenarien albern, da man ja noch weitere 20 Jahre nach Renteneintritt hat, außerdem hat man nach 30 Jahren Aktiensparen und selbst nach dem Crash immer noch mehr als ein Anleihensparer.

Der „Klassiker“ mit der Telekom darf natürlich nie fehlen:
„Klar ab in den Aktienmarkt, als wenn das keine Lotterie ist.(Telekom?!?!, neuer Markt)...raus aus dem Euroraum mit dem Geld. Oder "sparen" da verlierts halt an Wert ist aber nicht weg. (aber nich aufm Konto da wird's irgendwann eingesammelt, damits gut verwendet wird).“

Und dass „nur die Großen“ am Aktienmarkt verdienen, ist auch so ein „Klassiker“:

„Verdienen am Geld tun nur die Großen und Vermögenden. Die Kleinen gehen leer aus. Da helfen alle schlauen Sprüche der selbsternannten Anlagepropheten nichts. Was heute als gut gepriesen wird, ist in 20 Jahren wertlos. Kapitalismus pur! Weltweit!“

Ein AfD-Anhänger zeigt, dass Wirtschaftskompetenz nicht gerade zu den Stärken der AfD gehören kann:

„Die Großkopferten wollen die Bürger an die Börsen zwingen. Die Politiker stehen auf Seiten der Banken, nicht mehr der Bürger. Mit dem Satz in der Überschrift: "Es gibt anscheinend nur eine echte Option" soll wieder einmal die Alternativlosigkeit vorgetäuscht werden. Eine andere Option besteht darin, das misslungene Euro-Experiment endlich zu beenden und zu nationalen Währungen zurückzukehren. Der deutsche Sparer könnte dann wieder sparen, denn seine Wirtschaft ist gesund. Wenn es so weitergeht, dann gibt es anscheinend bald nur noch eine echte Option: nämlich die AfD zu wählen!“
Die Mitglieder von "Alfa" (u.a. Lucke und Henkel) werden sich nach so einem Beitrag bestätigt fühlen, der AfD den Rücken gekehrt zu haben.

Wenn das repräsentativ sein sollte, dann muss man konstatieren: Draghi hat schlicht und ergreifend recht. Die Deutschen können nicht mit Geld umgehen. Sie stehen sich selber im Weg. Ich bin einen anderen Weg gegangen. Nüchtern musste ich schon 2009 feststellen, dass sich Tagesgeld nicht lohnt. Dennoch hatte ich einen Kollegen, der meinte, er müsse sein Geld in Tagesgeld parken. Ich bin Mitte 30 und mein Anlagehorizont ist sehr lang. 2009 war ich ja noch sieben Jahre jünger als heute und der Anlagehorizont entsprechend länger. Für mich kam nur die Aktienanlage in Frage.

Natürlich muss man entbehren und am Ball bleiben. Bestimmte Dinge verkneife ich mir einfach, dann habe ich mehr fürs Aktiensparen übrig. Der Erfolg ist da. Viele sind einfach nicht bereit, den Preis für Wohlstand zu bezahlen. Polemiken, ich würde in einem "Rattenloch" wohnen oder gar hungern, sind schlicht und ergreifend Unfug. Man kann 50 % sparen und dennoch sehr gut leben. Ich mache halt nur nicht jeden Unsinn mit.

Aufgrund der Artikel beim Finanzwesir habe ich mir noch einmal die Finanzfunktionen bei Calc angeschaut. Da ich alle Eingänge und Abgänge kenne, auch Depotstände, habe ich mir mit der Funktion für den internen Zinsfuß meine Rendite seit 2009 ausgerechnet: 8,13 %. Ich bin ein wenig enttäuscht und kann es erklären. Ein wenig habe ich mich in die Nesseln gesetzt mit einem deutschen Versorger. Und viel Geld ist dann auch noch in eine Ölfördergesellschaft investiert. Aber 8,13 % ist ungefähr der langjährige DAX-Durchschnitt. So viel denke ich nicht nach bei der Aktienanlage. Ich schaue mir Branche, Standort und Unternehmen an, und schaue, ob es ungefähr zu meinem bestehenden Portfolio passt. Und wenn der Preis stimmt, kaufe ich. Ganz einfach. So viel gehört da nicht zu. Ich denke, jeder kann das. Bei mir gibt es auch Phasen, da interessiert mich die Börse überhaupt nicht. Da ich meinen Gewinn aus dem langfristigen Halten und den Dividendenzahlungen schlage, interessieren mich die Börsenkurse nur insofern, ob eine bestimmte Aktie in meinen Depot oder auf meiner Beobachtungsliste gerade günstig geworden ist. Dann kaufe ich.

Freitag, 6. Mai 2016

Wird der Couponschneider bald ein Wandervogel?

Die Arbeitswoche war sehr kurz und ich habe das schöne Wetter an Himmelfahrt gut genutzt. Nach ein paar Wochen eines sehr kalten Aprils ist der Mai wieder einmal der Wonnemonat. Und Dividenden kamen auch schon wieder rein.

Was habe ich denn zu Christi Himmelfahrt gemacht, dass ich davon berichten möchte? Ich war raus in die Natur. Eine Decke, ein bisschen Lektüre (was übrigens als Kindle-Besitzer kein großes Ding ist), und mit dem Drahtesel an ein sonniges Plätzchen. Dort kann man in Ruhe lesen, nachdenken, durchatmen. 3 Stunden habe ich an einer Waldlichtung verbracht, ohne dass mich jemand störte.

Worüber ich nachgedacht habe:

Wie sieht das Arbeiten der Zukunft aus? Mit besseren Akkus und stabilen Internetverbindungen könnte man mit Laptop und LTE auch draußen in der Natur arbeiten. Zumindest gänge das in meinem ´Beruf. Es wäre ein Traum. Ein Picknickkorb enthält alles weitere, was man sonst noch benötigt. Und wenn es nur ein halber Tag Arbeit in der Natur wäre: Er wäre sehr erholsam und vielleicht sogar sehr produktiv. In der Ecke, in der ich war, gab es sogar LTE, dafür aber kein HSDPA, aber mein Smartphone kann kein LTE und bot mir nur Edge an.

Die Perspektive zum Aussteigen ist da. Ich tummelte mich einer Gegend mit sehr niedrigen Immobilienpreisen. Für'n Appel und 'nen Ei bekommt man ein altes Haus. Ein paar 10000 € sollte man für eine anständige Modernisierung springen lassen. Angenommen, Hauskauf und Modernisierung kosten zusammen 60000 €. Wie viel bräuchte man dann noch zum Leben, wenn man sich die Miete sparen könnte? 1000 € monatlich? 12000 € netto im Jahr, oder aber 14000 € brutto. Ohne Arbeitseinkommen sieht die Besteuerung bei den Dividenden etwas vorteilhafter aus, da man kann vom persönlichen Grundfreibetrag profitieren.

Wenn man das komplett aus Dividenden bestreiten möchte und man eine durchschnittlichen Dividendenrendite von 4 % annimmt, dann benötigt man noch einmal 350000 € in Aktien. Man hat aber auch 4 % durchschnittliches Kurswachstum pro Jahr. Man kann da auch noch etwas Geld "rausschneiden", ohne dass man Substanzverlust erleidet. Wenn man immer nur 2 % des Depots verkauft, dann sind weitere 2 % da, die neue Substanz darstellen. Man könnte also auch mit 6 % Gewinnentnahme rechnen. Dann bräucht man nur noch 233333 €. Problem hierbei: Die Inflation wird nicht gebührend berücksichtigt.

Die finanzielle Unabhängigkeit könnte, wenn man so rechnet, in meinen Falle keine fünf Jahre mehr entfernt sein. Es ist nichts, was ich anstrebe, da ich meinen Beruf mag und die Stadt, in der ich zur Zeit wohne, auch mag und die Vorteile auskoste. Aber kommen wir zurück zu der Arbeitswelt von morgen: Auch Arbeitsmodelle, wonach man in ein, zwei zusammenhängenden Monaten sich zurückzieht, wären denkbar. Ob das nun Home Office ist, was viele Arbeitnehmern schon heute nutzen, oder Urlaub: Man kann dann von der Ferienwohnung auf Sylt, Ummanz oder im Harz aus arbeiten, vielleicht einmal in der Woche per Remote nach dem Rechten schauen, sich schwerpunktmäßig aber um andere Dinge kümmern, beispielsweise um die Kinder.

Sollte ich mal Kinder haben, weiß ich jetzt schon, dass ich die öfter in den Wald schleppen würde. Eine Decke, ein Picknickkorb, ein Beutel mit Lektüre und Spielzeug. Das wär's doch! Kostenpunkt: nichts. Gefrühstückt wird ja ohnehin. Ich weiß nicht, ob es geizig klingt: Ich mag es nicht, ständig Geld auszugeben und finde Gefallen an solchen kostenlosen Dingen. Der Wald ist als Erholungsgebiet kostenlos nutzbar. Andere Leute fliegen auf die Kanarischen Inseln und geben sündhaft viel Geld aus. Ich habe schon im letzten Jahr geschrieben, dass das Gute oft nahe liegt. Und leider wird es oft übersehen. Ich kenne Menschen, die in der Peripherie von Hamburg wohnen. Die brauchen sich nur aufs Fahrrad zu setzen und wären in wenigen Minuten im Sachsenwald. Machen die nicht.

Im Wald kann man den Kindern das beibringen, was im Schulsystem oft zu kurz kommt, beispielsweise Gedichte rezitieren, weil sie einem gefallen und nicht weil man muss. Oder auch Naturkunde; da bräuchte ich ja selber noch Nachhilfe. Oder die Orientierung im Gelände, mit Kompass und Karte. Ich würde auch das korrigieren, was der Mathematiklehrer verpfuscht hat. Fürs letztere braucht man nicht unbedingt den Wald, aber die Atmosphäre stelle ich mir lernfördernd vor, ohne Pauker, ohne Klassenclown, stattdessen ruft ab und zu ein Kuckuck. Ich jedenfalls konnte heute hochkonzentriert meiner Lektüre nachgehen. Musik hatte auch noch dabei und so hörte ich zwischendurch noch ein bisschen Chopin.

Was das kleine Domizil natürlich bräuchte, wäre eine kleine Fahrradwerkstatt. Der Drahtesel macht viele schöne Orte erst. Zu Fuß wäre es zu langwierig, mit dem Auto oft verboten, aber auch oft zu eng und zu kostspielig, wenn die Geländefähigkeit zu wünschen übrig lässt.