Sonntag, 27. November 2016

Alle bekloppt außer Trump?

Am Freitag ist Fidel Catro gestorben, seines Zeichens ein sozialistischer Diktator, der Kuba in sozialistischer Tradition heruntergewirtschaftet hat. Die Nachrufe in den deutschen Medien sind teilweise Huldigungsadressen. Aber fangen wir doch mal an bei den "Linken" (ehemals PDS/SED):

Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich! Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Viele junge Menschen sind in den 1960er Jahren vom Enthusiasmus der kubanischen Revolution inspiriert worden, gerade in ihrer Auseinandersetzung mit dem übermächtigen US-Imperium.
Überrascht hat mich das nicht. Die Praktikanten bei SPON waren auch sehr schmallippig, wenn es darum ging, Castro zu kritisieren. Selbst das pseudodiskursive Attribut "umstritten" bemühte man nicht.

Eindeutige Kritik im SPON-Forum wurde natürlich nicht durchgelassen. Ich bin mit drei oder vier Beiträgen an der Zensur gescheitert. Der linke Blödsinn, der die Vereinigten Staaten mal wieder die Hauptschuld am dahinsiechenden Kuba gibt, wurde ungefiltert veröffentlicht. Man muss schon sehr blind sein, wenn man man das US-Embargo hauptverantwortlich für die katastrophale Lage Kubas sieht und nicht Castros Verstaatlichungsorgie. Ein Kommentator merkte an, Kuba unter Batista wäre zum "Bordell der bigotten amerikanischen Oberschicht" verkommen. Nur zur Erinnerung: Auch heute ist Prostitution eine der wichtigsten Einnahmequellen in Kuba. Da die Kundschaft keine "bigotten Amerikaner" sind, hat der Kommentator damit wohl kein Problem.

Henryk M. Broder hat auch die Äußerungen mancher Politiker aufgespießt. Warum traut sich niemand von denen, die Wahrheit über Castro zu sagen? Ein prominenter Politiker hat sich dann doch getraut, Trump: Er bezeichnete Castro als "brutalen Diktator", der mit Folter und Erschießungskommandos das Volk jahrzehntelang unterdrückte.

Das rechne ich Trump hoch an: Er spricht die offensichtliche Wahrheit aus. Den SED-PDS-Linken muss man zugutehalten, dass sie wirklich diesen Castro liebten und schätzten, und am liebsten genauso auch Deutschland herunterwirtschaften möchten, genauso wie sie es schon mit der DDR gemacht haben. Die restlichen Castro-Versteher sind derart gefangen in ihrer Welt, dass sie sich nicht trauen zu sagen, dass der König nackt sei. Stattdessen wird Castro als "historische Persönlichkeit" verklärt.

Erschreckend hierbei finde ich, dass so ein Nachruf der Linkspartei kaum als anstößig empfunden wird. Die Linkspartei würde es auch nicht so öffentlich machen, wenn sie sich nichts davon verspricht, aber wenigstens kaum einen Schaden befürchtet. Als Margot Honecker, einst treue Parteisoldatin, starb, gab es keinen Nachruf. Unterschied zu Castro: Unter Honeckers Schulpolitik hatten viele heutige Wahlberechtigte zu leiden. Kubaner sind in Deutschland nicht wahlberechtigt.

In einer Welt, in der eine Werbeagentur unter Verdacht gerät, mit einem fiktiven Kfz-Kennzeichen "MU-SS 420", nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten, ist diese völlige Abstumpfung gegenüber linksextremistischer Ideologie schon seltsam.

Castros Tod und die Reaktionen zeigen mir, dass wir uns auf Trump freuen sollten, für eine ehrlichere Politik. Ich bin weder ein Freund seines Stils, noch mancher Programmpunkte (z. B. Putinversteherei, Anti-TTIP), aber er wird unabhängig und ohne taktisches Geplänkel Politik betreiben. Dass er Gespräche mit Mitt Romney sucht, gefällt mir. Ich hätte Romney gerne schon vor vier Jahren als Wahlsieger gesehen. Vermutlich wird Trump Putin auch besser im Griff haben, denn Putin gegenüber muss man eine deutliche Sprache der Kanonenrohre sprechen.

Obama dagegen verspielte noch den letzten Kredit mit seinem Nachruf auf  Castro:
Die Geschichte wird den enormen Einfluss dieser einzigartigen Figur auf die Menschen und die Welt um ihn herum beurteilen.
Nun kann man sagen, es gäbe diplomatische Zwänge. Aber er hätte ja auch schweigen können. Wer meint, dass selbst Schweigen zu viel Porzellan zerschlagen hätte, der kann ja einen Regierungssprecher oder den Außenminister die unrühmliche Aufgabe hinterlassen. Deswegen schickte man auch Christian Wulff nach Saudi-Arabien und behauptete, weder Gauck noch Merkel hätten keine Zeit gehabt. Es gibt also Tricks, um nicht all zu viel Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die Gegenseite versteht dann auch die Kritik, ohne aber komplett ihr Gesicht zu verlieren. Dass Wulff in der Wüste zu einer Beerdigung auftauchte, sorgte nur kurz für Verstimmung, aber es sorgte wenigstens für Verstimmung.

Aber wenn sich das Staatsoberhaupt aufschwingt und so einen Unsinn vom Stapel lässt, dann trägt er die volle Verantwortung kann sich nicht hinter diplomatischen Gepflogenheiten verstecken.

Von Trump erwarte ich, dass er deutlichere Worte findet, sodass die amerikanische Außenpolitik wieder glaubwürdiger wird und dass die Wirtschaft anzieht. Als Akionär bei einigen amerikanischen Unternehmen bin ich da ganz zuversichtlich.

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich stimme dir voll und ganz zu.

    Ein kleiner Fehler hat sich jedoch eingeschlichen: "Trump als brutaler Diktator" ;-)

    VG Stefan

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  2. Danke für die klaren Worte! Ich war ebenfalls schockiert, als ich heute das sehen musste: https://www.facebook.com/jasperquast/posts/1153958761352632

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  3. Guter Kommentar. Eigentlich soll man über Tote nichts Schlechtes sagen, aber um einen Diktator wie Castro ist es wirklich nicht schade.

    Was ich wirklich faszinierend finde ist, dass die Linken meinen mit Trump drohe Krieg. Dabei hätte Clinton stärker interventionistisch agiert. Außerdem hoffe ich das Trump eine Sprache spricht die auch Putin versteht.

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  4. Super Beitrag! Nur eine kleine Empfehlung: lassen Sie "der Kanonenrohre" bei Putin besser weg. Klare Sprache alleine reicht. ;-)
    Ansonsten: weiter so, finde Ihre Seite toll.
    Gruß
    Matthias

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  5. In deinem Artikel "Trump, Trump, Trump, the quotes are rising... " schreibst du, dass du dich schon seit du 19 bist nicht mehr für wirklich für Politik interessierst.
    Nichts für Ungut, aber das spiegelt sich in diesem Beitrag leider wider.:-(
    Menschen, die sich nicht für Politik interessieren neigen dazu polemischen Parolen zu folgen, weil ja das alles endlich mal gesagt werden muss!
    Damit du mich nicht falsch verstehst: Castro war ein skrupelloser Diktator. Aber in der Politik ist eine blumenreiche Sprache in diplomatischer Weise einfach unverzichtbar, damit man sich nicht gegenseitig vor den Kopf stößt und es nur noch darum geht, wer die dicksten Cojones hat.

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    1. Das steht nicht in dem Artikel. Da steht drin, dass ich mit 19 begann, mich sehr für Politik zu interessieren und ich aufgrunddessen der Politik langsam überdrüssig wurde.

      Politik interessiert mich immer weniger, dennoch habe ich ein gutes Wissen, weil viele Synapsen immer noch gut verdrahtet sind. Ich kann neue Entwicklungen gut interpretieren und gut einordnen. Aber: Vor 15 Jahren hätte ich alle 16 Ministerpräsidenten aus dem FF nennen können. Heute habe ich enorme Probleme damit, nur die Hälfte Ministerpräsidenten zu nennen.

      Ich bin der letzte, der diplomatische Zwänge und damit auch eine um die Wahrheit tänzelnde Sprache, negiert. Lesen Sie mal meinen Beitrag! Da steht etwas drin über Obama und Diplomatie! Ich bin dennoch der Auffassung, diesen Schrott hätte er so nicht sagen müssen. Da hätte er eine niedere Charge vorschicken können. Und was ist mit diesen vielen Provinzpolitikern aus der europäischen Union? Politiker, die mit ihren Worten weder Porzellan zerschlagen können noch die Menschheit beglücken können. Was Junker und Schulz sagen, interessiert doch kaum in Europa, weil es nicht relevant ist. Warum soll sich ein kubanischer Diplomat auf den Schlips getreten fühlen?

      Ich bin froh, wenn jemand die offensichtliche Wahrheit sagt. Das ist der Anfang von Veränderung. Luther hätte nie seine Thesen angeschlagen, wäre er diplomatisch gewesen. Saddam Hussein würde wahrscheinlich heute noch regieren, wäre Bush diplomatisch gewesen.

      In Deutschland verlangt man deutlichere Worte gegenüber Erdogan, wobei ich die diplomatischen Zwänge dort tatsächlich gegeben sehe. Aber mehr Selbstbewusstsein und Sendungsbewusstsein gegenüber der Türkei täte uns gut zu Gesicht.

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    2. Das soll jetzt nicht zum Schlagabtausch ausarten, deswegen von mir nur noch eine kurze Replik und dann lasse ich es gut sein: Veränderungen müssen nicht immer radikal von statten gehen. Die Menschen im Dreißigjährigen-Krieg und im heutigen Terrorgebiet des Iraks, hätten sich eventuell auch eine langsamere Veränderung vorstellen können...
      ...und wenn man der Türkei eine realistische Chance auf einen Beitritt zur EU gegeben hätte, dann wäre dort vielleicht auch einiges anders gelaufen.
      Wir werden es leider nicht erfahren...

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  6. Hast du auch eine Mail, wo man dich erreichen kann? Würde dich gern mal das ein oder andere fragen :)

    Grüße Fabian

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  7. Kann man dich per Mail erreichen? Ich wollte gerne ein paar Fragen stellen zu Aktien etc. und ob du mir evtl. einen Rat geben könntest.
    Das wäre sehr nett. Dankeschön im Voraus.
    Du kannst mir auch gerne schreiben unter fabiansaeglitz@googlemail.com

    LG,Fabian

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