Freitag, 30. Dezember 2016

Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: Keine Schlammschlachten mehr bei SPON

Ich habe es vor wenigen Tagen getan: Ich habe meinen Account bei SPON deaktiviert. Es ist vorbei. Die dortige Zensur geht mir doch mächtig auf den Zeiger. Da schreibt man umfangreiche und seriöse Beiträge, die dann in der Zensur hängen bleiben, weil man beispielsweise die schrankenlose Einwanderung kritisiert. Das tue ich seit ein paar Jahren. Das kann man tun, ohne in billige AfD- oder Pegida-Polemik zu verfallen. Aber nichts ist so ärgerlich wie ein Zensor, der intellektuell derart überfordert ist, dass er begründete Kritik nicht von Fremdenfeindlichkeit unterscheiden kann.

Der "Hate Speech" der Linken kommt ja ungeschoren durch und bleibt dann zu oft unwidersprochen. Das Fass endgültig zum Überlaufen brachten aber zwei Begebenheiten in der letzten Woche:

1. Meine Kritik an Barack Obama, der zum Ende seiner Amtszeit noch einmal eine antisemitische Duftmarke gesetzt hat. Offenbar hat man bei SPON keine Lust mehr zu hören, dass 99 % der Israelkritik schlichtweg klassischer Antisemitismus ist. Viele Kommentare unter Artikeln zu Israel sind antisemitisch. Dann wird gerne auf den Teilungsplan von 1948 verwiesen. Ist es redlich, wenn die proarabische Partei sich hinter den ursprünglichen Teilungsplan verkriecht und Israel verbal angreift, obwohl sie 1948 mit einer Kriegserklärung diesen Teilungsplan ablehnte. Den Krieg verloren die Araber, wie alle Kriege danach, bis auf einen einzigen: Die medialen Krieg. Die Europäer mit ihrer antisemitischen Tradition glauben praktisch alles, was Hamas und Fatah medial aufbereiten.

2. Mein Wunsch an den  Zinsschnäppchenjäger Tenhagen, doch mal etwas substantielles zu bringen, etwas über Finanzmathematik, Stochastik, Aktien usw. Es ist doch traurig, dass die Leute mit Breitenwirkung derart versagen. Christian Kirchner hat's versucht vor einigen Jahren bei SPON; die Resonanz war ja auch nicht immer gut.


Diese Auseinandersetzungen mit diesen häufig sehr dummen und ignoranten Leuten kostet auf Dauer sehr viel wertvolle Lebenszeit. Wenn ich dennoch einen Artikel bei SPON lese, den ich kritisieren wünsche, dann werde ich das über meine Blog tun, wie ich das schon mal im Falle des Zeitungsdiebes Bernd Krahmer gemacht habe bzw. machen musste, weil die Diskussionsmöglichkeiten bei SPON zu dem Zeitpunkt schon sehr eingeschränkt waren.

Gegen so viel Ideologie und Dummheit kann man gar nicht anstinken. Nun treiben sich auch DDR-Fans in den Foren herum und halten der DDR zugute, sie hätte nie einen Auslandseinsatz der NVA veranlasst. Als ob der formale Umstand, dass die Streitkraft einen Auslandseinsatz durchführt, das entscheidende Kriterium wäre. Für die USA war der gesamte zweite Weltkrieg ein Auslandseinsatz. Waren die USA nun moralisch verwerflicher als die UdSSR oder Hitler-Deutschland? Wem die Frage nach dem Warum eines Auslandseinsatzes, zu viel ist, ist gar nicht Argumenten und schon gar nicht an einer besseren Menschheit  interessiert. Das ist nur vorgeschoben, um seine Ressentiments auszuleben. Auch beliebt ist die Gleichsetzung der Praxis der Todesstrafe in den USA mit der Praxis in China, Iran oder Nordkorea. So eine Gleichsetzung verbittet sich, da in den USA die Todesstrafe für Kapitalverbrechen vorbehalten bleibt, es ordentliche Gerichte gibt und Todesstrafe erst nach Jahrzehnten vollzogen wird, und daher Zeit bleibt, um Fehlurteile zu revidieren. In den anderen Ländern wird man wegen Kinkerlitzchen hingerichtet und das geht dann recht fix. Im Iran werden Homosexuelle an Baukränen aufgeknüpft.

In Deutschland driftet man nach links ab. Die DDR-Diktatur wird verharmlost, ein ubiquitärer Turbokapitalismus wird herbeifantasiert, liberale und konservative Standpunkte werden als "rechts" denunziert, auch weil man "rechts" gleichsetzt "rechtsextrem" meint. Für die Auseinandersetzung mit den Argumenten ist man sich zu schade. Der Islam wird verharmlost, genauso auch der Linksterrorismus. Wenn Islamisten wieder zuschlagen, macht man erstmal eine "Demo gegen rechts", denn die "Rechten" könnten ja den Anschlag instrumentalisieren. Der Witz ist: Wer zwei Tage nach einem solchen Anschlag so eine Demo gegen Dritte organisiert, instrumentalisiert die Opfer des Anschlags.

Wenn man dagegen halten will, muss man mit guten Argumenten auf einer geeigneten Plattform dagegen halten. Im SPON-Forum geht's leider hoffnungslos verloren. Daher: Tschüss, SPON. Versinke in deinem eigenen antisemitischen und antiamerikanischen Dreck.

Dienstag, 27. Dezember 2016

"Millionärsformel": Alter Wein im kaputten Schlauch

Auf Youtube wurden mir in letzter Zeit häufiger Interviews mit Carsten Maschmeyer angeboten. Wer Carsten Maschmeyer nicht kennen sollte: Er war Gründer des AWD und man zog ihn als "Drückerkönig" vor wenigen Jahren durch die ARD-Manege. Meines Erachtens zu recht, denn Strukturvertriebe bringen der Kundschaft recht wenig und die Methoden innerhalb eines Strukturvertriebes sind schon recht zweifelhaft. Dort wird ihnen kompliziertes Zeug aufgeschwatzt, das eigentlich intellektuell nicht durchdrungen wird, es sei denn, man ist mathematisch recht gut beschlagen. Carsten Maschmeyer, auch als Ungeheuer von Loch Masch verschrien ("Maschi"), ist durch seinen Strukturvertrieb zum Multimillionär wenn nicht gar zum Milliardär geworden.

Worum geht es denn in den Interviews? Er hat ein Buch veröffentlicht: "Die Millionärsformel". Untertitel: "Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit". In den Interviews gibt er sich vernünftig, geläutert, wartet sogar mit guten Anmerkungen auf. Das ist der Grund, weshalb ich mir das Buch zu Gemüte gezogen habe. Die Stadtbibliothek hatte es als eBook vorrätig.

Positiv finde ich, dass er betont, wie wichtig das Sparen ist, dass man sich die kleinen Dinge (Coffee to go etc.) spart und anlegt. Aber sonst bin ich dann doch enttäuscht, dass er dann so ein banales Zeug zu Papier bringt. Er erläutert die Wirkung  des Zinseszinses anhand von zig Tabellen; mit den Formeln dafür aber hält er hinterm Berg.  (Ich kenne sie, aber es wäre gut, wenn jeder Leser sie nach dem Lesen des Buches kennt.)

Das Buch ist durchzogen mit Motivationsgequatsche: "Fangen Sie jetzt an!", "Nur eine Vision, die wirklich visualisiert wird, kann zum Magneten werden[...]" Und natürlich geht er mit Beispielen hausieren, um zu zeigen, wie man zur ominösen Million kommt. Er nennt auch Rezepte: Aktien, empfiehlt aber in alter Strukki-Tradition Fonds, denn dort würden "Experten" das Portfolio verwalten. Geradezu irrwitzig ist es, dass auch er noch Riester, Rürup und Wohnriester empfiehlt. Die Förderung beim Wohnriester solle man sich entgehen lassen. Generell empfiehlt er, keine staatliche Förderung liegen zu lassen. Strukki halt. Seine "Millionärsformel" enthält die "staatliche Förderung" als Faktor, ich zitiere aus seinem Buch:

{[Gehalt + Einkommenssteigerung - Ausgaben = Reichtumsbasis] + staatliche Förderung } x Rendite x Zeitdauer = Wunschvermögen

Damit erweist er den Lesern einen Bärendienst. Wer in der Vergangenheit auf staatliche Förderung setzte bzw. auf staatliche Privilegierung, der wurde hinterher enttäuscht, egal ob Kapitallebensversicherung, private Rentenversicherung, Betriebsrenten, Filmfonds und Schiffsfonds. Der Staat hat immer das Gesetz im Nachhinein zu seinen Gunsten geändert. Es mussten dann sogar Steuern rückwirkend nachgezahlt werden.

Und das macht das Buch unglaublich schlecht, weil falsch. Mich erinnert das an den folgenden Witz: Der Broker ruft bei seinem Kunden: "Ich empfehle Ihnen, IBM aufzustocken." - "Was? Ich wollte eigentlich verkaufen." - "Auch nicht schlecht!" Auch wenn Maschmeyer nichts mehr durch "Finanzdienstleistungen" verdienen sollte, so merkt man ihm den Strukki immer noch an. Da ist einerseits das, was er empfiehlt: Hauptsache es fallen Gebühren und Provisionen an, andererseits benutzt er Strukki-Deutsch: "Sobald Sie Ihre Einstellung zum Reich- oder zum Noch-reicher-Werden optimiert haben[...]" - Da wird mir blümerant.

Immerhin empfiehlt er das Sparen und dann habe ich einen ganz konkreten Spartipp für Sie: Sparen Sie sich das Geld für dieses Buch, aber auch die Zeit. Ich habe nichts bezahlt, aber ärgere mich dennoch, dass ich Zeit aufgewandt habe. Der praktische Nutzen tendiert gegen null. Er bietet keine Orientierung, wenn er alle komischen Finanzprodukte gleichermaßen empfiehlt, auf Risiken von Immobilien gar nicht eingeht und die schwache Rendite von Gebührenfressern wie Aktienfonds überhaupt nicht erwähnt.

Da gibt es bessere Bücher. "Der reiche Mann von Babylon", der Motivation wegen. "Auf eigene Faust", der praktischen Hinweise und der Motivation wegen. Wegen der Mathematik sollte man sich ein Fachbuch zur Finanzmathematik besorgen, z. B. "Einführung in die Finanzmathematik". Oder lesen Sie Finanzblogs. Sein Buch beschert vor allem einer Person zusätzliches Einkommen und Vermögen: dem Autoren. Sein Buch wird ja auch überall plakatiert; das konnte ich heute sehen, als ich mit der S-Bahn fuhr. Der Strukki verkauft sein Buch generalstabsmäßig. Das macht ihn zu Deutschlands Generalfeldstrukki.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Bilanz 2016 - Ziele für 2017

Wie in jedem Jahr möchte ich auch in diesem Dezember kurz resümieren, wie das Börsenjahr für mich war. Die letzten Dividenden des Jahres sind auf mein Konto geflossen und damit kann ich eine Bilanz ziehen.

Die Ziele für 2016 definierte ich am 20. Dezember 2015. Dort heißt es:
  1. 26000 € in Aktienkäufe stecken (Geld wird nur gespeist aus Gehalt und Dividenden. Mögliche Aktienverkäufe werden gegengerechnet.)
  2. Der Wert meines Depots soll mindestens 173000 € betragen.
  3. Die Dividenden sollen mindestens 6100 € brutto betragen.

Ziel 1 habe ich erreicht. Es waren am Ende 30004,13 €, die ich 2016 investiert habe. Ich habe mich von einer Position getrennt. Der Verkaufserlös ist von den 30004,13 € bereits abgezogen. Das ist schon Wahnsinn, da 30000 € p.a. 2500 € pro Monat bedeutet. Wo habe ich nur so viel Geld her? Ich habe ja währenddessen nicht unter der Brücke gehaust und mich von Läusen ernährt.

Ziel 2 habe ich erreicht. Mein Depot hat 191000 € überschritten. Und meine Dividenden betragen 6479,16 € brutto bzw. 5028,03 € netto. Ziel 3 ist damit auch erfolgreich abgehakt.

Ich fragte mal vor einigen Jahren in einem Finanzforum, ab welcher Höhe das Aktiendepot Spaß mache. Eine richtige Antwort bekam ich nicht; ich glaube, die verstanden die Frage nicht. Kolja Barghorn hat in einem seiner Videos kurz angemerkt, dass das alles erst ab 100000 € so richtig Spaß mache. Das kann ich so nur bestätigen. 1 % Steigerung des Depots, wie man es praktisch jeden Tag erleben kann, bedeutet bei 100000 € Anlagevermögen schon 1000 €. Und die Dividenden sind auch schon ordentlich. Ab 100000 € Depotwert kann man sich von den Dividenden schon deutlich mehr leisten als Döner mit Cola.

Wie sieht denn nun die Verteilung der Dividenden im Jahre 2016 statt? Eines meiner Nebenziele ist es, in jedem Monat wenigstens dreistellig zu kassieren. Das habe ich 2016 noch nicht geschafft, aber 2017 werde ich es wohl schaffen. Wie man aber sieht, gibt es ein deutliches Übergewicht im Mai:

Das sind meine deutschen Dividendenzahler. Ich habe kein Problem mit dem Ungleichgewicht und strebe auch nicht an, die Dividenden ungefähr gleichverteilt in allen Monaten zu bekommen. Änderungen zwischen den Jahren rühren meistens daher, dass Auszahlungstermine von Anfang Mai in den April rutschen und umgekehrt. Solche Effekte wird es auch 2017 geben.

Wie haben sich die Dividenden bis heute entwickelt? Wie in jedem Jahr gibt es auch hier ein fesches Diagramm:
Dann man schön sehen, dass es mit den Dividenden stetig hoch geht. Ich führe aber noch ein zweites Diagramm, das alle erhaltenen Dividenden bis zum Tag x darstellt:
Die blaue Linie zeigt die Bruttodividende. Die ist bei über 19000 €. Die Nettodividenden belaufen sich bislang auf über 15500 €. Für die ersten 5000 € netto brauchte ich fünf Jahre. 2016 bekam ich 5000 € netto im Jahr. Und wie hat sich mein Depot entwickelt? Auch da gibt es ein Diagramm:





In der Anfangszeit habe ich das noch nicht mitgetrackt. Ich versuche aber seit diesem Jahr, wenigstens einen Depotwert pro Woche zu notieren. In jüngster Zeit hat das besonders Spaß gemacht, weil Trump die Kurse steigen ließ.

Was also sind nun meine Ziel für 2017?

  1. 25000 € will ich investieren. Es ist ein wenig weniger als im letzten Jahr. Ich gehe von etwas  weniger Boni und Zulagen im Jahr 2017 aus.
  2. 220000 € soll der Wert meines Depot betragen, auch wenn ich weiß, dass ich darüber wenig Macht habe. Vielleicht gibt es ja - wie im Januar 2016 auch - zwischenzeitlich satte Einbrüche. 2016 konnte ich sie noch super nutzen.
  3. 8100 € will ich an Dividenden kassieren, brutto natürlich. Der aktuelle Bestand meines Depots gibt bereits 7400 € her, d.h. 700 € fehlen noch.

Was es noch anzumerken gibt: Ich hätte 2016 sogar noch mehr investieren können. Ich hatte vermeidbare Ausgaben im privaten Bereich. Außerdem nehme ich auch ein paar tausend  Euro mit ins neue Jahr; im Dezember investiere ich gewohnheitsmäßig wenig.

Im Jahr 2016 wohnte ich schon "kostenlos". Die Nettodividenden übertraf die Nettokaltmiete des ganzen Jahres. 2017 werde ich auch die Nebenkosten durch Nettodividenden abdecken und die Kosten fürs Internet auch.

Der Wertzuwachs des Dollars ließ die Dividenden aus den USA anschwellen. Dieser Effekt wird 2017 noch anhalten. Das nutzt mir aber wenig, da ich recht große britische Positionen halte und das Pfund hat ja einiges an Wert eingebüßt. Das hält sich alles ungefähr die Waage. Aber es ist interessant, dass man solche Effekte erreicht, wenn man nur ein wenig diversifiziert. Wie sieht überhaupt meine Diversifikation im Dezember 2016 aus? Deutschland macht den größten Batzen aus, dann kommen die USA und dann auch schon Großbritannien:

Bei den Branchen ist es wesentlich ausgeglichener und vielfältiger:





Seit diesem Jahr berechne ich auch den internen Zinsfuß meiner Börsentätigkeit. Er beträgt 12,59 % brutto p.a. seit 2009. Meine aktuellen Positionen sind in Summe mit 43000 € im Plus. Ich hatte ja in den letzten Jahren auch einige Verkäufe mit Gewinn bzw. Verlust, sodass Kursgewinne noch größer sind. 43000 € sind also nur die unrealisierten Kursgewinne. Bedenkt man, dass ich auch schon über 15000 € an Nettodividenden kassiert habe, bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie stark die Zinseszinseffekte sein müssen. Hätte ich keine Rendite, hätte ich innerhalb von acht Jahren Berufstätigkeit 23875 € p.a. zurücklegen müssen, um auf 191000 € zu kommen. Das ist praktisch unmöglich als Berufsanfänger.

Ich hätte es mir nicht zu träumen gewagt, dass die Kursgewinne schon nach wenigen Jahren theoretisch dazu ausreichen, dass ich mir ein nettes Auto, so eine richtige Angeberkarre, kaufen kann. Ich werd's nicht tun. Das ist übrigens der Unterschied zu Justin: Mir reicht es zu wissen, dass ich die Angeberkarre bar bezahlen kann, die er sich auf Pump kauft.

Ich höre doch jetzt nicht auf, gerade jetzt, wenn die Zinseszinseffekte zu wirken beginnen.


Dienstag, 20. Dezember 2016

Das tapfere Couponschneiderlein

Es war einmal in einem nicht ganz so weit entfernten Land ein junger Mann mit Talent und Fleiß, der sich mit seinem Brotberuf zwar zufrieden, aber nicht ausgelastet fühlte. Und er wusste, dass er für das Alter vorsorgen musste. Er holte sich Rat beim Weber, er kaufte sich seine ersten Aktien und machte im ersten Jahr gleich 7 % Rendite. Er sagte sich, das müsse er der Welt mitteilen, wie einfach das mit den Aktien sei. Er nähte sich einen Wams und bestickte ihn mit: "7 % auf einen Streich", und begab sich so auf seine Missionsreise.

Nach ein paar Monaten wurde er sesshaft in einer neuen Stadt eines anderen Königreiches. Im neuen Umfeld kursierten Erfahrungsberichte über die Rentenriesen: Rürup und Riester. Das Couponschneiderlein konnte die größten Gefahren noch abwenden. Die neuen Kollegen konnten davon überzeugt werden, dass der Abschluss solcher Policen nichts bringt. Sich selbst hat er sich dessen auch noch vergewissern müssen. Die Rentenriesen bringen keine "7 % auf einen Streich".

Unbehagen bereitete auch die Strukki-Wildsau, die vorzugsweise in der Nähe von Universitäten und Studentenwohnheimen ihr Unheil angerichtet und alles verwüstet hatte. So manches Rosenbeet musste dran glauben. Neue jüngere Kollegen berichteten von ihren Terminen mit der Strukki-Wildsau. Das Couponschneiderlein konnte das schlimmste noch verhindern, indem er die Kollegen aufklärte. "7 % auf einen Streich"  war noch nicht überzeugend, aber immerhin wurde das Geld der Kollegen in Festgeld und Tagesgeld umgeschichtet.  Da war es schon mal sicher vor der Wildsau und den Rentenriesen.

Zu Höherem berufen, begab sich das Couponschneiderlein an den Hofe des Königs, um seine Dienste anzubieten, um eine Aktienkultur im Königreich zu verankern. Skeptisch schauten König und Berater: "7 % auf einen Streich will dieser hemdsärmlige Jungmann geschafft haben? Das soll funktionieren?" Der König sprach: "Wir werden dich anhören, aber du sollst uns zuerst einen Gefallen erweisen. Eine Strukki-Wildsau treibt ihr Unwesen in meinem Land. Erledige es und wir schenken dir Gehör."

Der Couponschneider zog von dannen, und überlegte sich, wie er die Wildsau erledigt. Eine Medienkampagne setzte der Wildsau bereits mächtig zu. Zusätzlich schnappte eine lispelnde Venusfalle zu und zu guter Letzt auch die Falle des Couponschneiders: die MIFA-Investmentfalle. Der Couponschneider wusste ja vom Altmeister Buffet: "Nichts kaufen, was Räder hat.", zudem wusste er um den Ruf von MIFA: "Mit MIFA fährt man nie verkehrt, weil MIFA überhaupt nicht fährt." Die Strukki-Wildsau, der Strukki-Betrieb längst eingestellt, verzockte ein paar Millionen und wurde handzahm dem König vorgeführt. Mittlerweile ist die Wildsau unter die Buchautoren gegangen.

Erstaunt schauten König und Berater, rechneten sie doch fest damit, der Couponschneider gänge dabei drauf. Der König hielt aber sein Versprechen nicht, sondern verlangte mehr: "Ein stolzes und aggressives Banker-Einhorn versetzt die Anwohner in Angst und Schrecken, mit Agios von 5 % und anderen unnötigen Gebühren. Bändige es, und wir werden dir Gehör schenken und dich reich belohnen."

Die Idee des Couponschneiders: Das Einhorn irgendwie locken, es beim männlichen Stolz packen. Er mietete eine Hostesse, die zu allem bereit war. Das stolze Einhorn, immer mit dem Horn voraus, tappte in die Falle, bezahlte der auf ihn angesetzten Hostesse Champagner, Schmuck und sogar ein Auto. Ein Schnappschuss zur rechten Zeit, das Einhorn war gesellschaftlich erledigt, seine Frau ließ sich scheiden und er war ruiniert. Der König staunte nicht schlecht, als der Couponschneider ein devotes Einhorn vorführte.

Aber  auch diesmal hielt der König sein Versprechen nicht. Ein letztes Problem müsse gelöst werden: "Seit vielen Jahren verwüsten zwei Rentenriesen das Land, indem sie das Kapital der Bauernschaft und der Bürger in die festverzinsliche Wertpapiere locken und mit unhaltbaren Rentenversprechen ködern. Viel Kapital liegt seitdem brach, viel Geld ist in ferne Königreiche abgewandert, die sich auch jeglicher Kontrolle entziehen und sich per Dekret entschulden können. Und dann sind da noch die Gebühren, die den Rentensparern zusetzen. Du sollst reich belohnt werden, mit Gold, dem Thron und meiner Tochter, wenn du uns von den Rentenriesen befreist."

Der Couponschneider ließ sich nicht beirren und überlegte sich eine List. Wie brachte er die Rentenriesen dazu, dass sie ein einander bekämpften? Der eine Riese hatte die Menschen in abhängiger Beschäftigung im Blick, der andere die Selbständigen. Was aber ist mit Menschen, die beides waren? Er brachte viele Menschen des Königsreichs zusammen, die einerseits abhängig beschäftigt waren, gleichzeitig aber ein Gewerbe betrieben. Einige gründeten neben ihrer Beschäftigung in der IT-Branche ein Start-up, viele aber betrieben ein Hobby wie Stricken, Häkeln und Töpfern, dessen Erzeugnisse sie über eBay verkauften. Die beiden Riesen stritten sich um diese Menschen, sie schlugen mit Keulen aufeinander ein. Der eine Riese, Riester, bekam die Keule direkt aufs Maul; so wurde das Gebiss total schief. Er jammerte und klagte weh, worauf Rürup meinte, das Gebiss hätte vorher schlimmer ausgesehen und Riester solle gefälligst dankbar sein. Riester war so erzürnt, dass er noch härter draufschlug. Rürup wehrte sich umso stärker und irgendwann erlagen sie ihren Verletzungen.

Der Rentenspuk war vorbei und kurz darauf begann es im, im ganzen Königreich zu blühen. Es waren die blühenden Landschaften einer Aktienkultur. Die Menschen erkannten, dass das direkte Eigentum an den Produktionsmitteln, d.h. an die Firmen, zu Wohlstand führt. Der Couponschneider ging zurück zum Königshof. Die frohe Kunde hatte sich bis dahin schon längst überall verbreitet. Der König wollte aber nichts von seinen Versprechen wissen.

Der Couponschneider aber war in der Zwischenzeit nicht tatenlos. Er hatte  seine Aktienpositionen immer weiter aufgestockt. Durch die wiedererstarkte Aktienkultur stiegen die Aktienkurse und er wurde zu einem reichen Mann. Politische Macht bedeutete ihm nichts. Als Aktionär bei Großunternehmen aus dem Bereich der Ölförderung hatte er die politische Führung ohnehin im Griff. Und ihm war eine tatenlose Regierung lieber als eine aktionistische. Er ließ dem König seinen Thron. Die Tochter des Königs war aber derartig angetan, dass sie sich vom ihren Vater und der politischen Macht lossagte und sich dem Couponscheider an den Hals warf.

Sie heirateten, bekamen Kinder, gingen der Arbeit nach, die ihnen Spaß machte, schnitten fleißig Coupons und engagierten sich lokal, organisierten Kammermusikabende und dergleichen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Samstag, 10. Dezember 2016

Justins Spaziergang auf dem Börsenparkett

Ich möchte die Leser nicht die neuesten Entwicklungen im Fall Justin vorenthalten. Wer schon etwas länger auf meinem Blog mitliest, kennt Justin schon. Er ist eine anonymisierte  Realperson. Der Finanzwesir nannte ihn den "Alpha-Kevin unter den Geldverbrennern".

Was war passiert? Der Kollege hörte natürlich interessiert zu, wie ein anderer Kollege und ich uns über die Börse unterhielten. Natürlich positiv, weil die Dividenden flossen, das Depot prall gefüllt war und man Justins Luxuskarosserie für 40000 € mit Cash bezahlt könnte, das alleine aus Kurswachstum und Dividenden finanziert worden wäre. Dass wir so gut sind, hat auch etwas mit unserer Sparquote zu tun; dann kann man mehr Holz ins Feuer tun, d.h. diversifizieren und lange halte, weil man auf das Geld nicht angewiesen ist.

Also hat Justin bereits vor einem Jahr ein Depot eröffnet und gleich mal eine Aktie gekauft, die ich nicht kannte und ich wusste auch nicht, wie sich die Firma schreibt. Wenn man nicht weiß, wie die Firma geschrieben wird, sollte man auf der Hut sein. Die Aktie ging in den Keller. Nun traut er sich nicht zu verkaufen. Er hat genug von der Börse und wartet immer noch auf die Gelegenheit, zu verkaufen. Darauf wartet er seit Februar. Die gute allgemeine Entwicklung an der gesamten Börse seit Februar, und gerade jetzt auch noch nach der US-Wahl, hat sich bis zu seiner Aktie nicht herumgesprochen. Die liegt wie Blei im Depot.

Das ist typisch für Justin: Ohne groß nachzudenken, werden einfach so mal Aktien gekauft. Dass ich mein Geld mehr oder minder erfolgreich anlege, ist ja das Ergebnis eines stetigen Nachdenk- und Bildungsprozesses. Schon an der Uni habe ich eine Vorlesung über Investitionsrechnung besucht, habe als Berufstätiger viele Finanzbücher gekauft bzw. ausgeliehen und gelesen, mindestens 30 Bücher an der Anzahl (Kosto, Kommer und Konsorten).

Selbst ein Buch über Finanzmathematik verschmähe ich nicht. Manche bekommen ja Muffensausen, wenn sie die - zugegebenermaßen wenig komplexen - Formeln in dem Buch sehen. Und ich besuche vielleicht nicht den sonntäglichen Gottesdienst, aber die Predigten von Tim Schäfer (der "Spar-Punk") lese ich immer. Er hat die "Liturgie des Sparens" zur Meisterschaft gebracht.

Wenn es so einfach wäre, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, dann könnte das ja jeder machen. Eigentlich ist es noch einfacher: Man sollte nur kaufen. Natürlich Qualitätsaktien. Man kauft die Firmen, die die Konsumgüter herstellen, nach denen alle gieren. Apple, Coca Cola, Pepsi, Henkel, Procter & Gamble, Nestlé... Einfach in die Einkaufswagen der Hausfrauen im Supermarkt schauen, Hersteller feststellen, sich ein Bild von den Aktien machen, eventuell kaufen und fertig. Dann lässt man das liegen, für mindestens zehn Jahre.

Justin war oberflächlich wie eh und je; Nachdenken war noch nie seine Stärke. Er wird demnächst 33 Jahre alt. Das mit der Börse war eine genauso unstete Idee wie der Kauf des Motorrads, das in der Garage herumgammelt. Vorher die Hälfte des Jahres, mittlerweile ganzjährig, weil er sein schickes Luxusauto kutschieren muss.

Justin hat ja seinen Ruf in der Abteilung weg. Über seinen Autokauf haben alle den Kopf geschüttelt. Andere gleichaltrige Kollegen haben ja an Reife zugelegt und sich lieber eine billige Karre gekauft. Justin aber fährt ein Protzauto, als wäre er Anfang 20.

Eine Besserung aber hat sich ergeben: Er hat seiner Hausbank den Laufpass gegeben. Vorher hat er alles unterschrieben, was sie ihm hingelegt haben, beispielsweise Kfz-Haftpflichtversicherung zum dreifachen Preis des Marktüblichen, eingefädelt von der Hausbank.

Aber ganz ehrlich: Über so leichte Beute wie Justin freut sich jeder Bankangestellte. Die sehen, mit was für einen Auto er vorfährt, schauen auf sein Kontostand und wissen sofort, dass er nicht aufs Geld schaut und jeden Quark unterschreibt. Die sehen sofort, dass er nach dem Motto lebt: "Über Geld redet man nicht. Geld hat man." - Dieses Sprichwort wird ja vor allem von Unter- und Mittelschichtlern benutzt, die demonstrativen Konsum betreiben, um sich nicht die Blöße zu geben. Kluge Menschen nehmen den Wettlauf um die Statussymbole gar nicht erst auf. Kluge Menschen kaufen eher die Aktien der Firmen, die die Statussymbole herstellen, wie z. B.
  • Apple
  • Coca Cola. Der Unterschichtler will mit einer River-Cola nie gesehen werden. Felsenfest ist er davon überzeugt, dass Coca Cola besser schmeckt als alle anderen Cola-Getränke.
  • Red Bull (statt eines Billig-Energy-Drinks, ist aber keine AG)
  • Mercedes, BMW, Audi
Andere Verhaltensweisen hat er beibehalten. Neulich ertappte ich ihn, wie er Apfelsaft wegschüttete. Ungeöffnet, aber einen Tag über den Mindesthaltbarkeitsdatum. Seinen täglichen Soft-Drink kauft er immer noch bei der Tankstelle, anstatt kostengünstig im Voraus und in größeren Behältnissen. Sein Kollege, der "dicke Dirk", ist mittlerweile davon geheilt und kauft sich 1,5-Liter-Flaschen mit Soda.