Sonntag, 2. Juli 2017

Deutschland im Antisemitismusstreit

Deutschland ist mittendrin in der Antisemitismusdebatte. Wer sich im Dunstkreis von "Achse des Guten", "Tapfer im Nirgendwo" oder auch "Lizas Welt" bewegt und informiert, ist nicht überrascht.

Was war passiert? Arte und WDR ließen einen Film über Antisemitismus produzieren, der dann im Giftschrank landete. Die Bild-Zeitung zeigte ihn dann doch und "Das Erste" hat am 21.06.2017 nachgezogen und den Film gezeigt, eingebettet in Fußnoten und mit anschließender Maischberger-Diskussion. Hier ist der Film, an dem sich die Diskussion entzündet hat:



Zum Film: Mir hat er nur wenig neues gezeigt, aber für viele weniger Informierte dürfte es schwer aufstoßen, dass nun "Israelkritik" als antisemitisch gilt. Das ist ja immer wieder das verbreitete Gerücht, dass man Kritik an Israel nicht pauschal mit Antisemitismus gleichsetzen dürfe. Aber macht das jemand? Es gibt Literaturkritik, es gibt eine Filmkritik, es gibt eine Musikkritik und es gibt die Israelkritik. Allen vier gemein ist, dass eine Leidenschaft vorausgesetzt wird, um als entsprechender Kritiker durch die Lande zu ziehen. Der Umstand aber, dass es keine Jordanienkritik und auch keine Ägyptenkritik gibt, sondern Israel das einzige Land der Welt ist, das eine Kohorte von Israelkritikern nach sich zieht, ist Zeugnis einer antisemitischen Obsession, der man auf den Grund gehen muss. Kritik an Israel sollte man immer auf antisemitische Denkmuster abklopfen.

Das hat der Film getan, ich fand ihn deshalb exzellent und bin da in guter Gesellschaft u.a. mit Götz Aly, Michael Wolffsohn und natürlich Henryk M. Broder. Der Film demaskierte die selbstgerechte Kritik an Israel als antisemitische Obsession, von der weite Teile der Gesellschaft betroffen sind, beispielsweise Günter Grass, der Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden deklarierte. Israel! Nicht Russland, nicht Nordkorea, nicht Pakistan, nicht Saudi-Arabien und auch nicht Syrien. Nein, Waffen-GG pickte sich auchgerechnet den jüdischen Staat heraus. Natürlich kokettierte er damit, dass man das nicht laut sagen dürfe, aber er sagte es in der Süddeutschen Zeitung. Ein Widerspruch in sich.

Das Gebahren rund um die Ausstrahlung bestätigte, dass der Film recht hat; der Finger wurde in die offene Wunde gelegt. Ein sogenannter Faktencheck reibt sich vornehmlich an Petitessen. Drei Beispiele:

Filmtext:

Vieles sieht hier aus wie in anderen islamischen Ländern, manches sogar besser. Die Fakten. 74 Jahre ist die Lebenserwartung eines Gaza Bewohners, höher als in Ägypten, der Ukraine und 125 weiteren Staaten. Die Kindersterblichkeit ist auf dem Niveau von der Türkei und damit niedriger als in 97 anderen Staaten, viele davon in Lateinamerika, wie beispielsweise Brasilien. Auf 360 Quadratkilometern leben 1,8 Millionen Menschen. Das entspricht durchschnittlich 5.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. In Paris leben mehr als 21.000 Menschen pro Quadratkilometer.

Anmerkungen dazu:

Hier wird der gesamte Gaza-Streifen mit Paris-Stadt verglichen. Der Gazastreifen ist 360 Quadratkilometer groß. Paris-Stadt hat nur eine Fläche von rund 105 Quadratkilometern. Gaza-Stadt hat eine Fläche von 45 Quadratkilometern. Dort leben 12.202 Einwohner pro Quadratkilometer. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Film angegeben.

Meine Meinung dazu: Was ist daran verkehrt, den ganzen Gaza-Streifen mit Paris zu vergleichen? Warum muss sich ein Ballungsraum an Stadtgrenzen halten? Der Faktencheck unterschlägt, dass die Autoren sich gegen Behauptungen von Israelkritikern wendete, die Gaza als Konzentrationslager oder Freiluftgefängnis bezeichnen.

Filmtext:

Palästina, 1920er Jahre. Die britische Kolonialmacht ernennt Mohammed Al-Husseini zum Mufti von Jerusalem. Kurz darauf wird er zum Führer der palästinensisch-arabischen Bewegung, erhält finanzielle und militärische Unterstützung von Hitler und Mussolini.

Anmerkungen dazu:

Mohammed Al-Husseini wurde 1921 zum Mufti ernannt. Bis zu den großen Unruhen ab 1936 war er pro-britisch eingestellt. Erst in diesem Jahr, 15 Jahre nach seiner Ernennung, initiierte er das Hohe Arabische Komitee, das sich für die Unabhängigkeit von den Briten einsetzte.
Im selben Jahr suchte er die Unterstützung von Mussolini gegen die Briten. Erst 1937 gab es die ersten Kontakte zur deutschen nationalsozialistischen Regierung, die sich ab 1940 intensivierten.
Der Kommentartext vermittelt hingegen den Eindruck, als habe es bereits seit den 1920er Jahren eine entsprechende Allianz zwischen Palästinensern und europäischen Faschisten gegeben.
Meine Meinung dazu: Das ist eine Korinthenkackerei sondergleichen. Tatsächlich entsteht der Eindruck, es hätte bereits in den 20ern eine Allianz zu Hitler und Mussolini bestanden; das streite ich nicht ab. Aber ändert sich das Wesen der Dokumentation, wenn man diese Aussage unmissverständlich getätigt hätte?

Filmtext:

In Frankreich werden das erste Mal auch Synagogen angegriffen. Am 13. Juli 2014 ziehen wütende Demonstranten zur Don Isaac Synagoge in Paris. Nur wenige Polizisten sind vor Ort. Während sich die Gläubigen in der Synagoge Stundenlang voller Angst verbarrikadieren, versuchen Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Gebetshaus mit Stühlen zu verteidigen. Sie werden von den Antisemiten in die Flucht geschlagen, der wütende Mob umzingelt die Synagoge. Nur dank der nachrückenden Spezialkräfte der Polizei kann ein Blutbad verhindert werden. In der bürgerlichen Presse wird man danach den Juden vorwerfen, sie hätten provoziert. Wehrhafte Juden sieht man in Europa nicht gerne. Für viele französische Juden war dieser Tag eine Zäsur.

Anmerkungen dazu:

Unter den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die das Gebetshaus mit Stühlen verteidigt haben, waren auch Jugendliche der Jewish Defense League. Dies ist eine Organisation, die in den USA als terroristische Vereinigung erfasst wurde und auch 1994 von Israel als Terrororganisation definiert worden ist. Jugendlichen dieser Organisation wurde in diesem Zusammenhang seitens der Presse vorgeworfen, sie hätten provoziert.

Logisch: Wenn jemand provoziert, dann der Jude. Wie denn? Der Jude provoziert allein dadurch, dass er da ist und deshalb sind die Demonstranten so zielstrebig auf die Synagoge losmarschiert. Eigentlich spielt es keine Rolle, dass darunter auch Leute von der Jewish Defense League gewesen waren, denn auch diese Leute haben das Recht, sich zu verteidigen. Und die restlichen Juden sowieso. Mich erinnert das irgendwie an die Diskreditierung der ukrainischen Freiheitsbewegung, mit dem Hinweis auf die Swoboda, mit der Absicht, glauben zu machen, das wäre ausschließlich Swoboda. Dies ist keine Gleichsetzung von Swoboda und JDL, sondern ein Vergleich der Diskreditierungsversuche berechtigter Anliegen, einerseits das Streben der Ukraine nach Westen, andererseits das Wehren der jüdischen Bevölkerung gegen Angreifer.

Der Faktencheck kritisiert nicht, er bekrittelt unterschiedlichste Dinge. Der WDR geht mit "groben handwerklichen Mängeln" hausieren, die sich aber als Bagatellen herausstellen. Mitunter stellt der Faktencheck seinen Antisemitismus selber unter Beweis, indem er Aussagen von NGOs in Zweifel zieht, nur weil sie vor allem von amerikanischen Juden finanziert werden. Das Eröffnen von tausend Nebenkriegsschauplätzen durch die Kritiker des Filmes zeigt mir, dass der Film richtig liegt.

Auch Norbert Blüm gefällt der Film nicht. "Er [der Film] folgt der Logik der Rache.", hat er in der Maischberger-Sendung gesagt. "Er dreht eine Spirale des Hasses." - Das ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen, denn wie können Tatsachenbeschreibungen der "Logik der Rache" folgen?

Ich bin mittlerweile auf der Hut, wenn jemand etwas fordert, ein Essay oder ein Film habe "ausgewogen" zu sein. Wie irre das ist, kann man sehen, wenn man das auf die Sportberichterstattung überträgt. Wenn der FC Bayern gegen die Rumpelfußballer des HSV antritt, dann wird das eine ziemlich einseitige Seite, mit einem Chancen-Verhältnis von 20:3. Man wird nicht alle Chancen zeigen können, also muss man Abstriche machen. Was heißt nun ausgewogen? Zeigt man 3 Chancen des FC Bayern und 3 des HSV? Letzendlich läuft es darauf hinaus, wenn man die Forderungen der Israelkritikern bzgl. der Berichterstattung ernst nähme. Tatsächlich ist es sogar, dass die Medien uns auftischen wollen, dass der HSV drückend überlegen war. Das sieht man daran, dass wochenlang nichts über Israel berichtet wird, aber sobald Israel sich wehrt, gibt's den Bericht in der Tagesschau.

Es interessiert nur die Wahrheit und die Wahrheit darf nicht zugunsten irgendwelcher Stimmungen, die erzeugt werden können, unter den Tisch fallen. Die Holocaust-Dokumentation wurde in den 70ern auch gezeigt, obwohl sie auf Ablehnung stießen. Hat Blüm auch damals gerufen: "Diese Dokumentation folgt der Logik der Rache."

Und ob Blüm Antisemit ist, kann sich jeder selbst beantworten. Der Herz-Jesu-Sozialist schafft es, Israels Verhalten während eines Massaker der Milizen der christlich-libanesischen Phalangisten an sogenannten "Palästinensern" zu kritisieren. So viel Chuzpe muss man haben! Diese Phalangisten, die eigentlichen Massakrierer, sind nicht nur in Blüms Glaubensverein, sondern sind Mitglied der Christlich Demokratischen Internationalen. Und welche Partei ist da auch noch drin? Richtig, die CDU. Hätte Blüm Verständnis, wenn Kassam-Raketen auf die Stellungen der Phalangisten abgefeuert würden? Sicherlich nicht. Aber die Raketen auf Israel rechtfertigt er so. Und damit ist Blüm aus meiner Sicht ein Antisemit. Auch wenn er jüdische Freunde in Israel hat. Ich habe keine, nicht mal in Deutschland. Nur mal so am Rande.

Die Zusammenstellung der Maischberger-Sendung war aber auch schon ein Gruselkabinett und es ist typisch, dass die Gäste, die den Film gut fanden und auch mit Kompetenz zum Antisemitismus sprechen konnten, in der Minderheit war.  Eine zweite Diskussion war sogar noch viel unfairer zusammengesetzt.

Das Problem des Antisemitismus ist gravierender, als ich gedacht habe; das hat die Dokumentation ganz unfreiweillig gezeigt. Die Reaktionen des Medienzirkus sind höchst aufschlussreich. Anstatt sich inhaltlich mit den Film auseinanderzusetzen, verschanzt man sich hinter seine sehr abstrakte Position, der Film hätte "handwerkliche Mängel". Das ist das typische Ausweichverhalten eines Ertappten, egal ob es sich bei Ladendiebstahl, Steuerhinterziehung, Falschparkens oder Antisemitismus handelt. Ein aufgeklärter Mensch würde seine Denkweise überprüfen und abklopfen, welche Kritik an Israel antisemitisch motiviert war. Ich selber stand Israel mal überwiegend kritisch gegenüber, wenngleich niemals mit der Obsession eines Norbert Blüms oder Jürgen W. Möllemanns. Antisemitismus hat eine jahrtausende alte Tradition und die steckt kulturell in uns. Das lässt sich nicht so leicht abschütteln. Bei den Deutschen gibt's ja noch weitere Ereignisse in der Vergangenheit, derer sie sich nicht immer bewusst sind, die aber ganz entscheiden das Handeln und Denken prägen. Das wäre einerseits der 30-jährige Krieg, der die Deutschen immer wieder dazu bringt, die Unfreiheit zugunsten der Ordnung und des Friedens immer wieder in Kauf zu nehmen, andererseits ist es die Hyperinflation von 1923, die geradezu eine groteske Sorge um das Geld und dessen Werterhalt nach sich zieht. Und mit dem Antisemitismus ist es genauso. Warum wird abgestritten, dass sich da etwas unbewusst in Form von unqualifizierter Kritik an Israel manifestiert? Und was wäre so schlimm daran, den eigenen Antisemitismus anzuerkennen?

Montag, 5. Juni 2017

Grundsätzliches über Kritik - Ausblick II

Eigentlich war es nicht geplant, dass ich nun wenige Tage nach dem letzten Artikel wieder schreibe. Die Situation erfordert es. Ich habe die Reaktionen auf eine Bemerkung bzgl. des Blogs von Florian Günther nicht erwartet.

Zu meiner Kritik: Ich fand sie nicht sehr persönlich, nicht verletztend, sondern schon treffend. Wer mit 32,5 % p.a. hausieren geht, Seminare anbietet und penetrant dafür wirbt (es ploppt ständig so ein Banner hoch, wenn man auf seiner Seite ist), provoziert geradezu die Kritik.

Ich erntete Zustimmung (die mich bestärkt), aber auch Ablehnung, die mich aber auch bestärkt, weil es teilweise sehr vergiftet zuging (getroffene Hunde bellen), wie z. B. bei Richard:

Nur soviel… ich finde es gut, dass so viele Blogs existieren, denn wenn man seine Quelle nur aus einer einzige Seite bezieht (Wikipedia), stagniert man so wie der „Couponschneider“. Gut das war nur eine Mutmaßung, denn meines Erachtens ist Couponschneider kein Blog, sondern ein Tagebuch. Aber wie wird uns wissen eigentlich vermittelt? Natürlich durch das lernen von anderen Menschen, alter… das fängt schon ab den ersten Tag unseres Lebens an. In der Schule wird uns auch das 1×1 beigebracht, da ist auch niemand erbost, wenn er das 1×1 bis zur 10 Klasse und höher beherrschen muss… Warum macht Schneider denn so einen Aufriss bei der 72er-Regel?

Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass ich mich nur aus der Wikipedia bediene. Ich habe bestimmt schon mehr als zehn Rezensionen erfasst, d.h. ich lese auch Bücher. Die 72er-Regel geht mir deswegen ein wenig auf den Senkel, weil es nur eine Faustformel ist und es wird häufig nur die Faustformel vorgestellt, aber nicht die richtige Formel oder wie man die Faustformel herleitet.
 
Meine Persönlichkeit ist eher so gestrickt, dass ich mir keine große Gedanken mache, ob mich hinterher noch die betreffende Person noch mag. Wenn ich Anlass zur Kritik sehe, dann kritisiere ich. Ich schrecke auch vor Polemik und Sottisen nicht zurück, denn Kritik soll ja auch Spaß machen.

Ich habe auch die Personen Dirk Müller, Friedrich und Weik häufig und hart kritisiert bzw. deren publizistischen Erzeugnisse. Ich bin nicht so harmoniebedürftig, als dass ich darauf angewiesen, keinem Fan dieser drei Leute auf den Schlips zu treten. Ich halte ihre Bücher für ziemlich dümmlich. Sollte ich etwa das Buch empfehlen und dann im Anschluss an Affliate-Links verdienen, auch wenn ich was anderes über diese Bücher denke? Ein Rezensent, der nur gute Kritiken liefert, mag vielleicht bei den Autoren beliebt sein, aber er taugt nichts, denn ein Rezensent hat für den Leser da zu sein. Und ob man nun Bücher rezensiert, oder andere Blogger kritisiert, kommt auf's gleiche hinaus.

Ich werde weiterhin Kritik üben. Ich kann zwar keine 32,5 % p.a. aufweisen, ich bin kein Bestseller-Autor, ich habe noch keinen eigenen Fonds aufgelegt, weder war ich im Fernsehen und noch wurde ich in den Bundestag eingeladen, aber das ist doch nicht das Kriterium, ob man Kritik üben kann oder darf. Ich sag es mit Karl Kraus: "Ich kann auch keine Eier legen, aber ich weiß, wenn eins faul ist."

Ich habe auch geschrieben, dass das Interesse bei mir an den vielen Blogs langsam nachlässt, weil sich vieles wiederholt. Das war eine simple und richtige Feststellung und für mich habe ich die Konsequenz gezogen, dass ich nicht mehr alles lese. Manche Reaktionen leiten aber draus ab, ich wolle andere Blogs verbieten. Sowas ist abwegig.

Den Gefallen, ganz aufzuhören, tue ich manchen Leuten aber nicht, denn die Themen werden schon noch kommen, z. B.
  • Das neue Buch von Friedrich & Weik: "Jetzt knallt's."
  • Die Entwicklung des Horst Lüning. Ich entdeckte ihn für mich vor anderthalb Jahren. Ich fand ihn sehr vernünftig zu manchen Finanzthemen, da gibt's große Schnittmengen zu mir, aber mittlerweile sehe ich ihn sehr kritisch. Sein Unterblog ist zur Werbeplattform für Tesla verkommen und zudem driftet die von ihm transportierte Haltung in das Umfeld von KenFM, Dirk Müller und der beiden Herren Friedrich und Weik. Er lässt sich sogar von den Autoren beschenken und lobt anschließend ihre Bücher in seinem VLOG.
  • Ich könnte mal wieder etwas über Daytrading schreiben, über solche seltsamen Gestalten wie Koko Petkov (fährt AMG u. Lamborghini) und Birger Schäfermeier (fährt Tesla), die uns ihren Lifestyle zeigen, aber doch sehr dünne Inhalte liefern.

"Sachliche Kritik" ist für mich Unwort, das Einfordern hat etwas tyrannisches. Ich lehne es ab, aus historischen Gründen. Im (National)Sozialismus konnte man wegen "Defätismus" ins Gefängnis kommen. Wo will man zwischen sachlich und unsachlich eine Grenze ziehen? Kritik kann man doch gar nicht vom subjektiven Empfinden trennen. Und wo bleibt der Spaß, wenn man auf alle Polemiken und Frechheiten verzichtet? Kritik ist für den Leser da und der soll es auch unterhaltsam haben. Zudem bin ich der Meinung, dass in meinen Kritiken immer argumentiert habe, warum mir eine Sache nicht gefällt oder "nicht koscher" finde.

Mal ehrlich: Literaturkritik ist doch dann interessant, wenn man auch den einen oder anderen Verriss erwarten kann. Das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki oder die Büchersendungen mit Denis Scheck waren bzw. sind schon unterhaltsamer als es beispielsweise Elke Heidenreichs Sendung "Lesen!" war. Die hat ja nur Bücher vorgestellt, die ihr gefallen.

Hier ist eine kleine Kostprobe von Denis Scheck:

Freitag, 26. Mai 2017

Ein kleiner Rückblick mit Ausblick: 8 Jahre Engagement an der Börse

Eine gewisse Tradition hat es bei mir, im Frühling zurückzublicken. Einerseits gibt es Mai besonderen Anlass, weil da die Dividenden so herrlich sprudeln, andererseits begann ich mein Börsenengagement im Frühjahr 2009. Im Mai 2017 erreichten mich Dividenden in Wert von 2.203,84 € brutto. Circa 75 % davon blieben mir netto erhalten und stehen für die nächsten Investitionen zu Verfügung.

Einige Dividendenzahler vom Monat Mai habe ich seit vielen Jahren im Depot, in einem Fall sogar im Jahr 2009 gekauft. Das Dividendenwachstum habe ich beobachten können und es gibt mir Vertrauen, dass ich gar nicht so falsch liege mit meinem Aktienengagement. Ich betone auch immer wieder, dass ich auch etwas Glück hatte, was ich an wenigen Punkten festmache:
  • Ich bin in einer Baisse eingestiegen, wenngleich sie keine Garantie darstellt, hat sie enorme Sicherheit gegeben. Das war in jedem Falle gut für Psyche.
  • Ich war nie der Versuchung erlegen, es mal mit dem Daytrading zu probieren. Ich kaufte damals einfach die richtigen Bücher, die mich auf den tugendhaften Weg des langfristigen Investierens brachten. Ich hätte ja auch damals ein Daytrading-Buch als erstes Börsen- und Aktienbuch kaufen können. Was wäre dann aus mir geworden? Jemand mit Lamborghini, der ständig bettelt, man möge meine Seminare buchen?
  • Logisches Denken und ein Interesse für Stochastik haben es leicht gemacht, langfristig orientierter Investor zu werden, auf mehrere Pferde zu setzen und das eine oder andere kränkelnde Pferd zu akzeptieren. Beispielsweise kam ich selber auf den Gedanken, dass Charttechnik, wenn sie dann mal im Einzelfall funktioniert, selbsterfüllende Prophezeiung ist, wenn nur genug Leute die Charttechnik nutzen. Wenige Wochen nach meiner Überlegung merkte ich, dass dieser Gedanke schon mehrfach in Artikeln und Büchern festgehalten wurde.
  • Ein Wesenszug von mir ist, dass ich mir eine Angelegenheit nüchtern anschaue, bevor ich mich euphorisch da rein stürze.
Mein Depot steht aktuell bei ca. 207.000 €. Mein interner Zinsfuß liegt bei 12,48 % p.a., nach Gebühren, aber vor Steuern. Ich habe seit 2009 23.301,59 € an Dividenden kassiert, netto blieben davon 18.701,70 € übrig, die ich immer fleißig reinvestierte. Beeindruckend finde ich, wenn man die 207.000 € durch 8 teilt: 25.875 €, die ich per annum hätte zurücklegen müssen. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Und das wäre lineares Sparen beim Zinssatz von 0 % gewesen. Wer sich als junger Mensch eine Immobilie zulegt, hat dann sogar Zinsen, die gegen ihn arbeiten, als weniger als 0 % Guthabenzins. Es ist mir bis heute unverständlich, warum sich viele Leute eine Immobilie ans Bein ketten. Da bin ich ganz beim Finanzwesir: Man muss vom Fach sein, vielleicht sogar selber Hand anlegen können, ansonsten wird einen die Immobilie die Haare vom Kopf fressen. Immobilien sind kompliziert und für Otto Normalverbraucher nur mit Fremdkapital zu finanzieren. (Ich habe es bei meinen Eltern selber erlebt.) Aktien sind mit das einfachste Investment, was man tätigen kann. Zu der Schlussfolgerung gelangte ich durch einfaches Nachdenken schon vor einigen Jahren und gegen die Diskrepanz zwischen dieser Schlussfolgerung und der öffentlichen Wahrnehmung der Aktie, kann man nicht oft genug anschreiben.

Ich habe in den vergangenen 8 Jahren eine gewisse Routine entwickeln können. Das Investieren ist für mich so selbstverständlich wie der Haushaltsputz, und leider ist es auch schon langweilig geworden. Die Folge ist, dass ich kaum noch weiß, worüber ich schreiben soll. Meine Schreibintensität werde ich daher verringern. Das Lesen und Kommentieren anderer Blogs interessiert mich kaum noch. Ich habe neulich zum x-ten Male von der 72er-Regel gelesen; Finanzblogs schießen ja momentan ohnehin wie Pilze aus dem Boden: Es gibt Sparkojoten, Geldkatzen, Finanzfische. Vielleicht sollte ich mir den Begriff vom Aktienschakal reservieren. Seltsam ist, dass es noch keine Finanzeule oder einen Finanz-Uhu. Die Eule als Symbol der Weisheit. Tatsächlich sind die erfolgreichsten Investoren wie Eulen. Sie sitzen reglos auf ihrem Ast, scheinbar tun sie nichts, aber sie beobachten, denken, beobachten wieder, denken nach und irgendwann handeln sie und dann erfolgreich. Der Energieaufwand ist minimal. Immerhin gibt es aber den einen oder anderen Kauz in der Finanzblogszene

Neben dem zunehmenden Desinteresse für Finanzthemen habe ich auch noch andere Interessen, die in den letzten Jahren etwas zurückstehen mussten. Das merke ich, wenn bestimmte Lektüre bei mir einfach verstaubt, beispielsweise der "Maler Nolten". Die nächsten Monate stehen unter dem Motto: Mörike statt Warnecke, oder auch: Der Finanzrocker reißt mich auch nicht mehr vom Hocker. Ich bin aber noch weit davon erwähnt, einen zweiten Blog als "Finanzpoet" zu starten, auch wenn es in die Zeit passt, einen Finanzblog zu starten.

Selbstverständlich werde ich wieder schreiben, wenn es was interessantes zu kommentieren gibt und wenn mal wieder eine Bilanz gezogen oder neue Ziele gesetzt werden müssen. Und wer weiß, welcher Politiker in welches antisemitische Fettnäpfchen als nächstes tritt.


Montag, 1. Mai 2017

Ich schäme mich von Sigmar Gabriel vertreten zu werden

Man hat es aus den Medien erfahren können: Sigmar Gabriel bereiste Israel. Aber nicht anders als es sich für einen Diplomaten gehört, hat er nicht die Regierung Israels besucht, sondern dubiose Organisationen wie "Breaking the Silence", die sich zum Ziel gesetzt haben, Israel zu vernichten.

Wie viele Gehirnwindungen müssen da fehlen, dass er sich auf so einen Unsinn eingelassen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Berater allesamt schwiegen. Für mich steht außer Frage, dass er entgegen den Ratschlägen seiner Berater gehandelt haben muss. Er ist die dickste Staatsaffäre seit Hermann Göring.

Und was will er eigentlich erreichen? Glaubt er, er könnte einen Blumentopf gewinnen, wenn er sich die Widerständlerperücke aufsetzt? Er hat nicht nur Israels Führung vergrätzt und das Verhältnis zu Israel massivst geschädigt.

Sicherlich werden die üblichen Verdächtigen jetzt aus ihren Ritzen hervorkriechen, man müsse Israel kritisieren dürfen. Ja, darf man, genauso wie man die Kritiker Israels kritisieren darf. Wer für sich in Anspruch nimmt, Kritik zu üben, darf nicht übellaunig werden, wenn seine Kritik kritisiert wird. Was ist nun an Gabriels Besuch so fatal?

1. Bei allen anderen Staaten wird peinlichst genau darauf geachtet, die offiziell anerkannte Regierung nicht zu verärgern. Der dicke Gabriel käme ja auch nicht auf die Idee, nach Taipeh zu fliegen oder zum Dalai Lama. Nur bei Israel wird eine Ausnahme gemacht. Das nennt man wohl diplomatische Sonderbehandlung.

2. Die Kritiker Israels behaupten immer wieder, den "Palästinensern" wäre Land geraubt geworden. Das ist falsch. Der UN-Teilungsplan sah zwei Staaten vor, aber die arabische Seite hat das nicht akzeptiert, weshalb es zum Krieg kam. Es gab Bevölkerungsverschiebungen, allerdings. Aber es waren nicht nur Araber, die israelischen Boden verlassen haben (obwohl sie israelische Staatsbürger werden konnten), sondern noch mehr Juden, die arabischen Boden verlassen mussten. Wer Israel kritisiert, ohne die ganze Geschichte aufzutischen, betreibt antisemitische Propaganda durch Weglassen.

3. Die Kritiker bezeichnen Israel immer wieder als Apartheidsstaat. Ich halte mal fest: In Israel können muslimische Araber, sofern israelische Staatsbürger, die Bildungseinrichtungen nutzen, Karriere beim Militär machen und in die Politik gehen. Wer Israel als Apartheidsstaat bezeichnet, aber zu der echten Apartheid in "palästinensisch" kontrollierten Gebieten schweigt, ist ein Antisemit. Es ist schon schizophren, einerseits Israel vorzuwerfen, Apartheidsstaat zu sein, aber gleichzeitig dafür einzutreten, dass Ostjerusalem, Judäa und Samaria judenfrei werden.

Ich habe gerade den Artikel von Jan Fleischhauer gelesen. Ich stimme ihm zu 100 % zu. Ich habe mir aber auch die Kommentare dazu reingezogen. Nur ein paar Auszüge:

Der Holocaust hat mit der gegenwärtig unerträglichen Situation in Palästina nichts zu tun und kann erst Recht nicht als Entschuldigung für das nationalistische Apartheid-Regime in Israel dienen (welches wirklich direkt mit Südafrika in den 1980ern zu vergleichen ist). Es ist doch unsere Aufgabe, unsere Meinung zu der Situation zu sagen. Und Myanmar, Jordanien und andere werden auch (zurecht) kritisiert, aber je enger die historische und geographische Verbindung, desto stärker auch die Kritik. Ich fürchte, es geht Ihnen mehr darum, blinden Zionismus und versteckte antiarabischen Ressentiments zu schüren. Das Übel (Religion und Nationalismus) am der Wurzel zu packen, traut sich aber keiner.

Er gibt sich pseudointellektuell. Wo werden Myanmar und Jordanien kritisiert?

Nö genau das was in der Überschrift steht darf nicht kommen. Keine U Boote, schon gar nicht Atomwaffen fähige U - Boote, keine Waffen mehr an die rassistischen Unterdrücker aus dem Staat Israel. Diese erst wieder wenn die Zwei Staatenlösung umgesetzt wurde.

Bevor das jetzt losgeht von Wegen Antisemit usw. Die Besetzung des Westjordanlandes, die Abriegelung des Gazastreifen, die Besetzung der Golanhöhen, die Unterdrückung der palestinensichen Bevölkerung und die Schaffung eines Arpartheidsystems zu Lasten der Palestinenser, dieses wurde in Zahllosen UN Resulotionen bestätigt. Genau an diesem Punkten ist auch jede Kritik am Staate Israel völlig legitim. Ansonsten sind mir die Israelis ziemlich humpe.
Produkte aus Israel vermeide ich eh wo es eben geht.

Schon wieder der Vorwurf der Apartheid. 
Gerade wegen unserer Geschichte haben wir die Pflicht, aus der Vergangenheit zu lernen und Tendenzen entgegen zu wirken, die ähnliche Ansätze zeigen, wie wir sie schon hatten. Die Situation in Israel und den besetzten Gebieten ist kompliziert, aber bestimmte Gruppen sowohl bei Israelis als auch bei Palästinensern haben kein Interesse an Frieden. Natürlich gibt es unter den Palästinensern Terroristen, aber der Staat Israel ist auch aus Terror entstanden. Die Gegend heisst nicht umsonst Palästina. Wenn wir uns aus politischen Lösungen raus halten sollen, sollten wir uns auch von Waffenlieferungen zurück ziehen.

Noch einer, der behauptet, wir hätten ein besondere Pflicht, Israel umso lauter zu kritisieren. Eigentlich ist die Sache überhaupt nicht kompliziert. Beide Staaten waren in einem einst staatenlosen Gebiet vorgesehen. Die arabische Seite konnte das kleine Israel nie akzeptieren, woraus es beschloss, Israel zu überfallen. Israel wehrte sich, machte im Gegenzug Eroberungen, für die sich kein anderer Staat hätte rechtfertigen müssen. Die arabische Seite will immer noch Israel vernichten und Israel will einfach nur existieren. Es gibt keinen Kompromiss, weil diese die arabische Position nicht kompromissfähig ist.

Der Kommentator bemüht sich auch nicht um historische Fakten. Die Gegend heißt tatsächlich seit 2000 Jahren Palästina, aber ein palästinensisches Volk gab es nie. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches gab es ein Mandatsgebiet Palästina, in dem Juden wie Araber lebten. Es waren die Araber, den Begriff Palästina ablehnten. Irgendwann wurde moderne Legende vom palästinensischen Volk geschaffen, das dort heimisch wäre und das jüdische Volk nicht.

Bei dem ganzen Hate-Speech- und Zensur-Geraune, ist mir schleierhaft, dass so viele antisemitische Hetzkommentare dann unbehelligt bei SPON erscheinen. Ich find's ja gut, weil ich das Ausmaß kritisieren kann, aber seltsam finde ich das schon. Bei jedem albernen Witz über Moslems, Araber oder Türken bekäme man kräftig Kontra, durch Zensur oder durch Mitdiskutanten. Bei Israel aber ist die Toleranzschwelle sehr großzügig bemessen.

Anders kann ich es mir nicht erklären: Der Dicke aus Goslar hat es auf diese Wählerstimmen abgesehen. Gabriels Verhalten ist einfach niederträchtig. Wie konnte man zulassen, dass er Außenminister wurde? Die Dichte ist an antisemitischen Kommentaren, die Israel einseitig anklagen, ist verdammt hoch. Für meine drei Auszüge habe ich gerade mal die ersten 12 Kommentare von 470 gelesen.

Ich weiß nicht, warum ich mir immer diese dämlichen Kommentare bei SPON reinziehe. Ohne einen gewissen Masochismus schafft man das nicht. Ich dokumentiere und klage an... Das trifft's.

Sonntag, 12. März 2017

Kurvendiskussion mit dem Couponschneider: Interner Zinsfuß

Ich bekam neulich eine Nachricht, in der ich gefragt wurde, welche Rendite ich hätte und wie sie berechne. Ich berechne den internen Zinsfuß. Beim Fragestellen eröffneten offenbarten sich enorme Kenntnisdefizite, weil er mir glauben wollte, dass ich zwar einen Zinsfuß von über 12 % p.a. habe, aber dennoch nur nur ca. 32 % im Plus bin.

Weil so eine Erklärung umfangreicher und formellastiger wird, bin ich wieder auf das bewährte LaTeX umgestiegen. Das Dokument findet der Leser hier.

Zudem möchte ich auch noch das Finanzrocker-Interview mit Andreas Buchen, dem Entwickler von "Portfolio Performance", empfehlen. Die Gedanken, die er sich gemacht hat und in die Software eingeflossen sind, sind die richtigen. Ich selber habe die Software noch nicht genutzt und werde es wohl auch nicht mehr.

Samstag, 11. März 2017

Die Verteidiger der Energiewende und ihre Rechenfähigkeiten

Ich las heute wieder einen Artikel auf SPON, der es in sich hat. Ich ärgerte mich fast, dass ich nicht mehr angemeldet bin, um den Artikel zu kommentieren, aber andere Kommentatoren hatten auch schon in die Kerbe geschlagen. Es geht in dem Artikel geht es um Gemüseanbau in der Vertikalen, also auch auf viele Etagen, wobei jede einzelne Etage mit künstlichem Licht beleuchtet wird. Am Ende heißt es:

Bei allem Fleiß und Engagement: Noch ist der Anbau des Salats, der Tomaten oder des Basilikums zu teuer für den Massenmarkt. Die Produktionskosten von nur einem Kilo Gemüse liegen bei zwölf Euro. Damit ist das Konzept in den Weltregionen, die die neuen Systeme am nötigsten bräuchten, wirtschaftlich sinnlos. Auch der Energiebedarf der vertikalen Farmen ist enorm. In angedachten DLR-Farm läge er bei mehr als 400.000 Kilowattstunden pro Jahr - so viel wie das stärkste Atomkraftwerk Deutschlands, Isar 2, in fünf Tagen produziert. 
 
Ich fand die Zahl von 400.000 kWh in fünf Tagen recht wenig. Das wären gerade mal 29.200.000 kWh pro Jahr oder 29,2 GWh. Eine Megawattstunde kostet an der Strombörse ca. 30 €. Kann es sein, dass Isar Strom jährlich für 876.000 € produziert? Natürlich nicht.

Das sind die gleichen Journalisten, die uns die Energiewende schmackhaft machen wollen. Isar 2 hat eine Leistung von 1410 MW. Da Jahr hat 8760 h. Gehen wir von 60 % Auslastung aus, dann reden wir von 5256 h. 7.410.960 MWh im Jahr oder von 20.304 MWh pro Tag. Das sind 20.304.000 kWh pro Tag. 400.000 kWh sind in ca. einem fünfzigstel Tag  (ca. eine halbe Stunde) generiert.

Es wird aber auch ein Denkfehler im Artikel offenbart, den mach auch bei den Pamphleten zur Energiewende immer wieder findet: Es wird nur die elektrische Arbeit gesehen, aber man will nicht sehen, wann sie anfällt. Wenn um Pfingsten herum die Solarzellen Rekordleistung in die Netze speisen, dann machen die Apologeten der Energiewende auf dicke Hose und übersehen dabei, dass diese elektrische Leistung wertlos ist, weil sie nicht gebraucht wird.

Fakt ist: Selbst heute noch produzieren unsere Kraftwerke nachts Strom, der  nicht gebraucht wird, obwohl die Kraftwerke runtergefahren werden. Zusätzliche Abnehmer in der Nacht können die Auslastung verbessern und das wäre wirtschaftlich vorteilhaft; die zusätzliche Leistung gäbe es für lau. Unsere Energiewendefreunde sind ja auch Fans von den intelligenten Haushaltsgeräten, die dann angehen, wenn der Strompreis billig ist. Dann rattert die Waschmaschine zum Leidwesen der Nachbarn um 3 Uhr nachts. Bevor man an die Haushaltselektronik denkt, sollte man doch eher an die Beleuchtung in diesen "Pflanzenfabriken" ran.

Mangelnde Wirtschaftlichkeit kommt wohl nicht vom Energieverbrauch, sondern vom konkurrenzlos günstigen Ackerland und der noch viel effizienteren Bewirtschaftung.

Sonntag, 5. März 2017

Genderpolitik: Was sie wirklich bedeutet.

Dachte ich bei Genderpolitik immer an Unisextoiletten, an das taz-I und andere orthographische Obzönitäten und sprachliche Zumutungen, musste ich lachen, als ich heute folgendes in der Wikipedia lesen bekam:

"Die paschtunische Burka wurde in der internationalen Wahrnehmung zum Symbol der Genderpolitik der Taliban."
 
"Nachdem der Aufstieg der Taliban bislang außerhalb der Region kaum Beachtung gefunden hatte, wurde nach der Übernahme Kabuls deren Genderpolitik und die Ermordung Nadschibullāhs international scharf verurteilt. Anders als bei der Eroberung Herats und anderer Städte fand der Fall Kabuls durch die Präsenz internationaler Medien in der Stadt vor den Augen einer entsetzten Weltöffentlichkeit statt."

"Unter den islamischen Staaten übte der Iran die schärfste Kritik an der Genderpolitik der Taliban, während sich die meisten übrigen Länder nicht äußerten."


Soll das ein Teil von "Genderpolitik" sein? Oder "Geschlechterpolitik"? Gibt's sowas überhaupt? Früher bezeichnete man das ganz ungeschminkt als Unterdrückung der Frauen.

Samstag, 25. Februar 2017

Aus der Kategorie: Was haben die denn geraucht?

Habe ich schon mal geschrieben, dass ich S21 befürworte? Spätestens seit den Protesten 2010 bin ich Befürworter. Es gab so viele Lügen, beispielsweise, dass die Bürger nicht informiert worden wären. Das war insofern falsch, weil ich schon 2005/6 in der ZEIT etwas darüber las und ich eigentlich auch nicht aus dem Stuttgarter Raum kam. Es gab Möglichkeiten, sich zu informieren.

Klar, das Projekt ist teuer, es ist aber auch ambitioniert. Und was gibt es besseres, als den lauten Schienenverkehr unter die Erde zu bringen und durch bessere Gleisführung die Entfernungen zu verkürzen? Wenn man schon so viel Geld ausgibt, dann aber bitte gleich richtig. Das Graben der Tunnel lohnt sich!

Ich verstehe nicht, wie man dagegen sein kann und ich kann über die S21-Gegner nur den Kopf schütteln. Heute habe ich etwas auf der K21-Seite gefunden. Dort heißt es:

Die Filder ist seit Jahrzehnten einer enormen Bautätigkeit ausgesetzt, stellt die Schutzgemeischaft Filder anlässlich einer neuen Planungswelle auf den Fildern fest. Die Bürgerinitiative zählt auf: B27-Bau, Flughafenausbau in den 1990er Jahren und Autobahnausbau, viele Gewerbe- und Wohngebiete und nicht zuletzt der Messe-Neubau und die landzerstörenden Folgen der S-21-Trassen.

Die S21-Trassen sind nicht landzerstörend, sondern unter der Erde. Was haben die getrunken? Was haben die geraucht? Ein paar Hektar Ackerland sollen dran glauben. Das führt dann zur aberwitzigen Schlussrede:

Steffen Siegel: „Wer diese, von unseren Vorfahren über Jahrhunderte gepflegten Böden für alle Zeiten unwiederbringlich zerstört, bedroht die Überlebensfähigkeit kommender Generationen. Wenn wir so hemmungslos weiter Land „verbrauchen“, müssen unsere Enkel womöglich einmal schlechtes, teures Kraut von anderswo einfliegen lassen!“

Als wenn die deutsche Landwirtschaft genau auf diese Flächen angewiesen  wäre. Die "Überlebensfähigkeit kommender Generationen" stehe auf dem Spiel. Darunter mach es die K21-Paniker nicht. Das muss man sich mal vorstellen: Diese Leute sind für K21, also für den Erhalt bestehender oberirdischer Strecken, die seit über 100 Jahren die Landschaft zerschneiden. Ziel von S21 ist es, diese Strecken zurück zu bauen und so freie Flächen zu schaffen, natürlich auch zum Bauen, was das Umland nachhaltig von der Bautätigkeit entlastet. Wer Angst hat, in Deutschland könnten die Flächen ausgehen, der muss für S21 sein und nicht dagegen.

Diese K21-Übeltäter stehen ja links. Das möchte ich einen Artikel auf der Achse empfehlen. Die Linken wollen alles bewahren. Alles soll so bleiben, wie es ist. Da wird nicht gefragt, was langfristig der Mehrheit zugute kommt und was besser ist. Sogenannte Parkschützer wollten in Stuttgart S21 verhindern, weil ein paar Bäume gefällt werden mussten. Dass durch S21 der Park größer und attraktiver wird (kein Schienenlärm), hätte Parkschützer zu S21-Befürwortern machen müssen. Stattdessen haben diese linksgrünen Bessermenschen dagegen protestiert und sich darauf versteift, dass das Neue nicht gut wäre. Hauptsache dagegen. So funktioniert links und dumm.


Donnerstag, 16. Februar 2017

Ein Meilenstein geschafft: 200000 € Depotwert

Es ist schon nach Mitternacht, dennoch setze ich mich hin, um etwas zu dokumentieren, was im Laufe des Tages passiert ist: Mein Portfolio hat am 15.02.2017 die 200000-Euro-Marke übersprungen. Glückwunsch!

Eigentlich wollte ich mich am Tage gar nicht um die Börse kümmern, aber ein Blick auf das Smartphone am Vormittag zeigte mir den Sprung über die ominöse Marke. Meine Frage: Bleibt's dabei im Laufe des Tages? Es blieb dabei. Am 16.02.2017 wird der Depotwert vermutlich wieder unter diese Marke fallen.

Runde Zahlen haben ja etwas reizvolles. Daher werden silberne und goldene Hochzeiten gefeiert, der 50. Geburtstag wird auch anders gesehen als der 49. oder 51. Genutzt werden diese Jubiläen für Rückblicke.

Wie lange brauchte ich für die 200000 €? Im April 2009 kaufte ich meine ersten Aktien, d.h. es hat nun 7 Jahre und 10 Monate gebraucht (ingesamt also 94 Monate). 200000 €  / 94 Monate = 2127 € pro Monat. Diese Summe hätte ich Monat für Monat aufbringen müssen, wenn ich zinsfreies, lineares Sparen angewandt hätte. Diese Summe hätte ich nie aufbringen können, denn dann wäre ich verhungert. Ich habe die Kraft des Zinseszinses genutzt und ich empfehle es allen jungen Leuten, es mir gleich zu tun.


Rückblickend muss ich auch sagen, dass ich das Glück hatte, ein gutes Buch zu konsultieren: "Genial einfach investieren" von Prof. Martin Weber. Es hätte ja auch "Das große Buch der Markttechnik" sein können, und dann hätte ich wahrscheinlich Charttechnik betrieben. Auf diesen Irrweg begab ich mich glücklicherweise nie.

Und sicherlich gehört auch eine Prise Mut dazu, sich als Greenhorn 2009 in Aktien zu stürzen. Ich denke, da kommt mir bestimmte Wesenszüge zugute, die mir zu eigen sind. Ich lasse mich weder von zu starker Euphorie noch von der Hysterie anderer beeinflussen. Und natürlich gehe ich die Dinge gerne systematisch an, erlese mir die Dinge. Die Stimmung war ja damals am Boden. Einige haben den Weltuntergangsstimmungsmodus auch nie verlassen. Die Krise 2008 ist nun neun Jahre her. Neun Jahre!!! In diesen Zeiträumen werden Jugendliche zu Erwachsen, es gibt Nationalmannschaftskarrieren, die in solchen Zeiträumen starten und enden Mertesacker und Lahm haben nur zehn Jahre in der Nationalmannschaft gespielt. Der Dauerpessimist als Bundestrainer würde heute noch die Spieler der EM 2008 nominieren: Lehmann im Tor, Ballack im Mittelfeld, Marko Marin als hoffnungsvolles Talent und wahrscheinlich auch Nutella-Kevin.

Wird's bald den Crash geben? Ja, denn nach dem Crash ist vor dem Crash. Es wird immer Crashs geben; die Menschheit irrt sich nach vorne. Ich verstehe nicht, was die Crashpropheten immer dagegen haben? Wenn sie Crashs verhindern wollen, dann wären wir am Ende nicht mehr frei. Auch schizophren - und es ist komisch, dass mir dieser Widerspruch erst jetzt aufgefallen ist - ist es, dass die Crashpropheten Kursrückgänge als Korrektur bezeichnen, also mit etwas Positiven verbinden, aber Crash bleibt Crash, das ist dann der Weltuntergang. Ist der Crash dann etwa keine Korrektur?  Da sieht man, wie selektiv die Wahrnehmung dieser Leute ist. (Namen der Crashpropheten nenne ich ausnahmweise  nicht; die kann man sich ja denken.)

Wie geht's weiter? Wie bisher, natürlich! Im März will ich wieder ca. 3000 € in Aktien investieren. Ich warte noch ein paar Dividenden und die nächste Gehaltszahlung ab.

Sonntag, 5. Februar 2017

Über Börsengurus und Crashpropheten

Ich nahm gestern wieder Kostolanys letztes Buch ("Die Kunst über Geld nachzudenken") in die Hand, in der Hoffnung, das es doch etwas über Crashpropheten bereithält. Und es hat mich nicht enttäuscht. Es im Abschnitt über die Börsengurus zu finden:

"Eigenartigerweise sind die meisten Börsengurus Crashpropheten. Hausse-Gurus gibt es nur wenige."

Nach 20 Jahren stimmt es immer noch: Müller, Friedrich, Weik, Otte, Leuschel - Jeder produziert sich als Crashprophet. Gebetsmühlenartig wird behauptet, der Crash stehe vor der Tür. Plausibel begründet finde ich es nicht. Ich kenne die Bücher von Müller, Friedrich und Weik. Das sind teilweise aneinandergereihte Artikel. Hier eine Andeutung, da eine Andeutung. Vielleicht meinen die Herren Weltökonomen, sie bräuchten nicht stringent argumentieren. Die Herren Weltkökonomen orakeln und Orakelsprüche sind nicht natürlich so formuliert, dass sie am Ende stimmen. So kommt es, dass Friedrich und Weik heute in Talkshows behaupten, dass alles so eingetroffen wäre, wie sie behauptet hätten. Ich hätte glatt Lust, mir die Bücher noch einmal auszuleihen und Punkt für Punkt die Prognosen durchzugehen. Ich bin mir sicher, dass Friedrich und Weik nur selektiv vorgehen, wenn sie meinen, ihre Vorhersagen hätten gestimmt. Mal sehen, ob ich dafür Zeit finde.


Ich halte mich nicht an Crashpropheten. Ich bin Optimist. Ich erinnere mich noch an die Zeit von vor sechs Jahren, als Dirk Müller noch gesellschaftsfähig war und durch die Talkshows tingelte und meinte, Aktien dürfe man nicht haben. Wer darauf hörte, sich stattdessen einen Krügerrand zulegte, weil Müller meinte, vor 200 Jahren hätte man dafür einen Herrenanzug bekommen, und in 200 Jahren gibt's immer noch einen Herrenanzug dafür, hat eine Menge liegen gelassen.

Es war ziemlich dumm, auf die Crashpropheten zu hören und wird es auch bleiben. Man hätte Aktien kaufen müssen. Ich tat es in den letzten sieben Jahren, teilweise begründet mit den gleichen Argumenten. Immerhin hatte die genannten Crashpropheten einen wichtigen Punkt auf der Agenda: Inflation. Aufgrund der Schuldenkrise müssten sich Staat per Inflation entschulden. Diese Ansicht teilte ich. Die Crashpropheten sagten: "Kauft Gold!". Mein Schluss war: Jetzt erst richtig ordentlich Aktien, denn Aktien sind Sachwerte.

Bei Kostolany geht es aber noch weiter:

"Eigenartigerweise sind die meisten Börsengurus Crashpropheten. Hausse-Gurus gibt es nur wenige. Den Weltuntergang zu predigen, erregt eben mehr Aufsehen."

Und ich denke, das ist die Erklärung, warum Börsengurus meistens Crashpropheten werden. Bad news are good news. Daueroptimisten wie Tim Schäfer oder Kolja Barghoorn bekommen keine Einladung zu Lanz oder Maischberger. Mit Optimismus stehen die Chancen schlecht auf ein Kamingespräch mit Volker Panzer. Dirk Müller war da mal eingeladen.

Ich bin optimistisch. Das mag vielen nicht gefallen. Wahrscheinlich kommen die Fans der genannten Crashpropheten gleich wieder aus ihren Löchern gekrochen und bewerfen mich mit ihrem verbalen Unrat. Juckt mich nicht, denn meine Performance der letzten Jahre gibt mir recht und dene unrecht. Ich werbe dafür, optimistisch  zu sein, denn das macht richtig Spaß. Da macht das Wählen der FDP noch mehr Spaß. Ich fand es alle die Jahre belustigend, wie einige Leute meinten, nicht verstehen zu können, wer da immer die FDP wähle. (Ich rechnete der FDP und Westerwelle immer an, dass sie auch Optimismus verbreiteten.)

Ein Vortrag, den ich schon vor ein paar Jahren gesehen habe, ist von Michael Miersch. Natürlich im FDP-Umfeld:





Schaut selbst. Mir gefällt besonders der Schlusssatz, mit dem ich auch diesen Blogartikel beendet möchte: "Nichts ist heute subversiver als Optimismus."

Sonntag, 29. Januar 2017

Der Abzockerfonds zweier Crashpropheten

Ich muss mich schon wieder aufregen. Wenn ich mich aufrege, dann weiß man, was kommt: Entweder geht's um Antisemitismus in den Mainstream-Medien, um Dirk Müller oder Carsten Maschmeyer, oder um die "Weltökonomen" Friedrich und Weik.

Ich habe ihre drei Bücher gelesen. Unverständlicherweise kamen diese Bücher beim Publikum an, qualitativ waren sie aber ziemlich missraten. Vor allem beim ersten Buch hat der Verlag enorm beim Lektoriat gespart; der muss selber sehr überrascht gewesen sein über den Erfolg des Buches.

Warum kamen diese Bücher an? Weil Friedrich und Weik dem Publikum liefern, was es hören will: Die ach so pöse Finanzwirtschaft hätte uns alle im Griff, die Politiker zerstören die Währung und alles würde crashen. Viele wollen nicht hören, dass man sich als Anleger an die eigene Nase fassen muss. Dieses Brett ist eindeutig zu dick, um von Friedrich und Weik gebohrt zu werden. (Tim Schäfer geht den entgegengesetzten Weg)

Von Crash-Propheten halte ich nicht viel. Wer auf einen Crash-Propheten wie Dirk Müller gehört hat, der hat viel Geld verloren und er legt ausgerechnet dann einen Fonds auf, als die dicksten Kursgewinne schon längst gemacht stattgefunden haben. Friedrich und Weik sind nun Dirk Müller gefolgt; sie haben einen Fonds aufgelegt; ich hab's heute in der Finanzküche gelesen und auch dort wird er Fonds kritisieren. Hier sind die Konditionen des Fonds:



Ich finde das heftig.

1. Bei der Performance-Gebühr liest es sich so, dass 7,5 % über der Benchmark erforderlich seien, dass die Performance-Gebühr anfällt. Klickt man auf die "i"-Buttons, dann steht was ganz anderes drin. Ich halte das für eine bewusste Täuschung, weshalb ich das hier per Screenshot noch einmal dokumentiert habe. Damit begeben sich Friedrich und Weik auf das Niveau der Abofallensteller, die wertvolle Informationen im kleingedruckten verstecken. (Es kann gut sein, dass speziell die Zeile mit der Performance-Gebühr in wenigen Tagen abgeändert werden, daher ist es als Screenshot noch einmal dokumentiert.)

2. Die gewählte Benchmark halte ich auch für lächerlich gering. Sie schreiben leider nicht, ob das nun inklusive oder exklusive Dividenden ist. Ich denke eher inklusive Dividenden. Das Geschäftsjahresende ist der 31.05. Klingelt da was? Der Mai ist der Monat, der für Dividenden in Deutschland besonders relevant ist. Am Ende wird's darauf hinauslaufen, dass die im April wie blöde die Dividendenzahler einkaufen, die Dividende kassieren und ausschütten und danach nichts mehr tun, denn die 3 % wurden ja eingefahren, denn ungefähr 3 % schütten die Unternehmen aus. Dann müssen die Kurse nur noch stärker als die Inflation steigen.

3. Die Verwaltungsgebühr von 1,6 % ist auch ganz schön heftig. Deka-Fonds-Manager erblassen vor Neid, weil sie sich nur mit weniger zufrieden geben müssen. Ich habe da mal einen rausgesucht: 1,43 % Verwaltungsgebühren, 3,45 % Ausgabeaufschlag. (F&W verlangen "bis zu 3 %", leider nicht im Screenshot). Die laufenden Kosten sind aber schwerwiegender als die einmaligen Kosten. Ausgabeaufschläge sind einmalig, weil sie pro investierten Euro nur einmal anfallen. Aber der Deka-Fonds ist schon ein Gebührenmonster.

Von Fonds halte ich generell nichts. Ich habe auf Empfehlung des Finanzwesirs "Die große Fondslüge" von Michael Ritzau gelesen. Darin wird erläutert, dass der Anleger mangels Glaskugel über nur einen Schlüssel seine Rendite erhöht: Indem er Gebühren meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Das Video von Horst Lüning über Fonds kann ich jedem nur empfehlen:



Dass die populistischsten Kritiker des Finanzsystems selber ein Finanzprodukt auflegen, ist Realsatire. In wenigen Jahren habe wir wieder einige 10000 geprellte Anleger. Dirk Müller sorgt für weitere 10000. Und der ohnehin schon arg gebeutelten Aktienkultur in diesem Land, versetzt man eine weiteren Dämpfer.

Freitag, 27. Januar 2017

Stokowski macht den "Laberfächern" alle Ehre

Ich schrieb ja bereits, dass ich nicht mehr bereit bin, mich in den SPON-Forum-Schlamm zu begeben. Dennoch juckt's in den Fingern, wenn mal wieder einer der Kolumnisten seine seltsame Weltsicht darlegt. Diesmal geht es um Margarete Stokowski. Ich lege meine Kritik hier dar.

Angeklickt habe ich den Artikel wegen der offensichtlichen Begriffsverfälschung, mit der Nazis und "rechts" gleichgesetzt werden. Linke, die darauf bestehen, als Anarchisten, Trotzkisten, Stalinisten, Marxisten, Maoisten oder was auch immer ausdifferenziert zu werden, machen keinen Unterschied zwischen Konservativen, gemäßigten Nationalisten und den Rechtsextremisten, die wir gemeinhin als Nazis bezeichnen. Alles rechts! Tschüss und Feierabend!

Für jemanden, der vorgibt, Philosophie zu studiert zu haben, dies im Artikel auch noch ausführt und stolz von der Aufgabe in der Logik-Klausur berichtet, ist es ein Armutszeugnis, dass das rechte Spektrum nicht sauber ausdifferenziert wird.

Und wenn man weiter liest, geht's plötzlich um Trump. Trump ist proisraelisch, also was hat er mit Nazis zu tun? Trump hat TTIP aufgekündigt, aber das feiert man am linken und rechten Rand in Deutschland gemeinsam. Eine halbe Wahrheit ist folgende: "Wenn im Moment von "weltfremden" und "elitären" Leuten die Rede ist, dann oft in Angriffen von rechts: Dann heißt es zum Beispiel, Linke würden die wirklichen Probleme der Leute nicht erkennen, die Nöte des kleinen Mannes, das alles."

Der Vorwurf wird nicht von rechts erhoben, sondern kommt auch aus der bürgerlichen Mitte und sogar von Linken. Und die Kritik richtet sich nicht nach links, sondern an die Elite, die in den Medien vernehmlich links, aber in der Politik halb und halb ist. Warum wohl verliert die SPD immer mehr an Zustimmung? Weil sie elitär geworden ist. SPD-Ortsvereine mit Arbeitern, die zum Mittag auch mal zwei Döner futtern, sind mit veganem Multikulti und Unisex-Toiletten nicht erreichbar. Die haben einen von jahrzehntelanger Maloche einen krummen Rücken und kaputte Knie. Die brauchen keine Unisextoilette. Es wird eine Politik gemacht, die die Sorgen und Nöte jener Leute nicht mehr ernst nimmt. Und das sieht man auch in der CDU. Bodenständige Kirchgänger werden mit zeitgeistiger Ökorhetorik vollgelabert und Margot Käßmann reist in den Südpazifik, um das Jahr Lutherjahr 2017 an der Datumsgrenze zu begrüßen und natürlich zu begießen. Sie ist ja trinkfest.

Die politische Elite verbittet sich die Kostenfrage. Die Energiewende darf kosten, was sie wolle. Unisextoiletten dürfen kosten, was sie wollen. Flüchtlinge werden aufgenommen, ohne dass man nach den Kosten fragt. Geht's aber um die einfachen Leute, die das alles finanzieren sollen, brav ihre Steuern entrichten sollen, dann ist man nicht mehr so großzügig. Dann  heißt es, eine Steuersenkung, selbst wenn es nur das Abschmelzen der kalten Progression ist, könne man sich nicht leisten. Dieser Elitismus erinnert doch sehr Marie Antoinette und der ihr zugeschriebenen Äußerung. Die Projekte des kleinen Mannes müssen zurückstehen, wenn die Politik die Welt rettet.

Zum Elitismus gehört auch das Gender- und Queer-Zeug und der ist tatsächlich Kern der Kritik der sogenannten "neuen Rechten". Da werden Theorien aufgestellt, die weder verifizierbar noch falsifizierbar sind. Das macht diese Theorien wertlos. Die Kritik daran wird von vielen vernunftorientierten Wesen geäußert, vereinzelt sogar von Linken, viele aber trauen sich nicht, die Kritik öffentlich zu äußern, denn sie könnte ja den Stempel "rechts" draufgedrückt bekommen.

Ich schätze, die Logikklausurteilnehmerin ist durchgefallen. Ich habe keine Geisteswissenschaft studiert, sondern Informatik. Logik ist meine Domäne und jeder ingenieur- oder naturwissenschaftliche Student kommt damit in Berührung. Im Unterschied zu den "Laberfachstudenten" wird's aber auch verstanden, so meine Einschätzung, und macht Jahre später kein großes Bohei darum.

Im Grunde genommen, labert sie den ganzen Artikel lang und sie macht den Laberfächern alle Ehre. Nazis, Trump, AfD in einem Artikel: Da kann doch nichts gutes bei rauskommen. Die Frau ist Mainstream, aber gleichzeitig mit der Attitüde ausgestattet, sie wäre originell, klug und mutig, und verträte eine Minderheitenposition. Und sowas finde ich ganz furchtbar. In unseren Medien findet man viele kleine Stokowskis.

Freitag, 6. Januar 2017

Aufgespießt: "Das letzte Hemd hat keine Taschen."

Ich habe es in letzter Zeit häufig gehört und gelesen: "Das letzte Hemd hat keine Taschen". Das ist dann das letzte Argument gegen das Sparen, gegen das Investieren.

Aber ich bin ja noch jung und die Wahrscheinlichkeit, dass mir nächste Woche schon das letzte Hemd übergestreift wird, ist doch recht unwahrscheinlich. Warum soll mir diese unwahrscheinliche Ereignis diktieren, was ich zu tun und zu lassen habe? Ich nehme das Komplementärereignis an: Dass ich ziemlich alt werde. Ich übe keinen gefährlichen Beruf aus, ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich treibe viel Sport.

Die Ereiferer, die den Spruch gar nicht oft genug bringen können, haben auch ein Problem: Sie befürworten den Konsum. Wenn sie konsumieren, sich beispielsweise ein viel zu teures Auto kaufen (denn man lebt ja heute), können ihr Auto auch nicht mitnehmen, selbst wenn das letzte Hemd Taschen hätte.

Und gerade weil das letzte Hemd keine Taschen hat, soll man doch keinen Kram kaufen, sondern sich Freiheit kaufen. Für mich ist die Perspektive gar nicht mehr so weit weg. Sie ist schon sehr plastisch. 2016 schaffte ich es, dass meine Kaltmiete von Dividenden gedeckt wurde. 2017 wird's natürlich weitergehen und immer mehr essentielle Lebenshaltungskosten werden durch passives Einkommen gedeckt. Meine Hochrechnungen gehen davon aus, dass mein jetzige Bestand schon reichen wird, um die Warmmiete zu bestreiten. Dann ist es nicht mehr weit bis zur "spätrömischen Dekadenz" (Warmmiete + Hartz-IV-Regelsatz).

Und damit kaufe ich mir Zeit, Ruhe, Entspannung. Raus aus dem Hamsterrad. Man muss ja nicht das endgültige Ziel erreichen, dass 100 % aller Ausgaben gedeckt sind. Es sorgt schon gut für eine entspannte Lebensweise, wenn 70 bis 80 % der essentiellen Kosten abgedeckt sind. Jobs im Niedriglohnbereich kann man ja immer noch annehmen oder man optimiert seine Ausgabenseite.

Ich rede ja auch nur von Dividenden. Es gibt aber auch das Kurswachstum und theoretisch könnte man jedes Jahr einen geringen Teil des Depots entnehmen. Der Restbestand wächst ja nach. In meinem Fall 192000 €. Davon hat man 8 % Rendite. 4 % kommen als Dividende, 4 % als Kurswachstum. Man könnte jedes Jahr ca. 8000 € entnehmen, ohne dass man einen Vermögensverlust erleidet. Es gibt Möglichkeiten und man sollte sie ergreifen und nicht in den Tag hinein leben. Denn wer heute lebt, lebt wahrscheinlich auch morgen und übermorgen.

Der Mensch, der sich den Spruch öfter in letzter Zeit häufiger brachte und mich somit zu diesem Beitrag motivierte, ist ein Kollege, Ende 40. Sein größter Vermögensposten ist sein Haus; das hat er mir so gesagt. Das hat er aber bis heute noch nicht abbezahlt. Er ist auch Fan von Starbucks und Co. und lebt so, dass er auf keinen Fall von der Mittel- in die Oberschicht aufsteigt oder wenigstens in die obere Mittelschicht. Anstatt sich um Geldanlagen zu kümmern (Aktien, Anleihen etc.), schraubt er sich ein zweites Car-Port zusammen und denkt nur daran, wie er Haus und Garten einrichtet. Er muss meinen sparsamen Lebensentwurf mit Aktiensparen als Affront gegen seine Lebensweise werten. Deshalb gibt's wohl die blöden Sprüche. Er wird sich noch umgucken, gehört er doch zu einer der geburtenstärksten Jahrgänge. Die gesetzliche Rente, die er übrigens toll findet, wird von der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr finanzierbar sein.

Wenn man mal überlegt: Er hat noch mindestens 16 Jahre bis zur Rente. Ich könnte in fünf Jahren schon finanziell unabhängig sein. Sein Haus mag in 16 Jahren abbezahlt sein, aber dann wird auch schon das Dach lecken. Ich kann in 16 Jahren schon Millionär sein.

Dienstag, 3. Januar 2017

Der gebührensensitive Berserker - Die optimale Transaktionsgröße

In einem Kommentar zu einem Artikel in Petra Wolffs Blog ("Wie baut man eine Finanzmaschine") erwähnte ich mein Vorhaben, doch mal auszurechen, ob man nun jeden Monat beispielsweise 400 € investieren sollte, alle zwei Monate 800 € oder alle drei Monate 1200 €. Die Mittel, die einem pro Monat zur Verfügung stehen, sind ja begrenzt und die Bank verlangt schließlich Mindestgebühren.

Das Ergebnis ist eine längere Betrachtung im PDF-Format. Es wird etwas mathematischer und da ist mir dieses HTML-Blogspot-Gedöns zu kompliziert. Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, mathematische Formeln zu erstellen. Es gibt zwar den Standard MathML, aber kann "Blogger" das? In der Tradition Adenauers sagte ich mir: "Keine Experimente". Ich habe das gute alte LaTeX verwendet und es ist erstaunlich, mit welcher Effizienz ich das Zeug runtergeschrieben habe. Obwohl ich lange Zeit (mehrere Jahre) nichts mehr mit LaTeX schrieb, ist doch vieles noch abrufbereit.

Daher meine Empfehlung abseits der Finanzen: Lernen Sie LaTeX, wenn Sie im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, eine Ingenieurswissenschaft oder Informatik studieren. Ich hatte Kommilitonen, die sich in den unteren Semestern weigerten und in der Diplomphase regelrecht am Kotzen waren. Bei uns in der Firma hatten wir auch einen Studenten, der seine Bachelor-Arbeit in Word schrieb. Für mich war das unverständlich, denn es sah furchtbar aus. Selbst heute noch sind die ganzen Textverarbeitungen einfach zu kompliziert, wenn es um Formeln und nummerierte Objekte wie Grafiken und Tabellen geht. Einen Teil des Textes habe ich auch gar nicht geschrieben, sondern generiert. Ein Python-Programm war schnell erstellt. Das hat mir den LaTeX-Quelltext für die drei Tabellen ausgespuckt.

Hier ist noch einmal Link zum PDF-Dokument. Viel Spaß beim Lesen. Nach dem Ausarbeiten der mathematischen Betrachtung habe ich für mir schon den Schluss gezogen, Transaktionsgrößen unterhalb von 2000 € zu lassen. Auch ein Berserker sollte seine Spar- und Investitionswut zügeln und an die Gebühren denken. "Berserker mit Kopf" sozusagen.

Sonntag, 1. Januar 2017

Buchempfehlung: "Der neue Untertan - Populismus, Postmoderne, Putin" (Boris Schumatsky)

https://www.amazon.de/gp/offer-listing/3701733775/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3701733775&linkCode=am2&tag=dercoupon-21Ich habe das Buch zu Silvester gelesen und möchte es kurz rezensieren. Der Autor - man erkennt es schon an dem Namen - ist aus Russland. Er lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Deutschland. Der Autor ist sowohl des Russischen und auch des Deutschen mächtig und da sollte man eine kluge Analyse der gegenwärtigen Zustände erwarten.

Und diese Erwartungen werden auch nicht enttäuscht. Der Titel, "Der neue Untertan", zeigt ja, wohin die Reise geht: Der Autor beschäftigt sich mit der Fragestellung, warum Putin so viele Sympathisanten hat, sogenannte "Putinversteher". Ich liebe dieses Wort, weil es treffend das naiv-blinde Verständnis für den Autokraten Putin aufspießt.

Es geht natürlich auch um "links" und "rechts", die sich im Falle Putin doch recht einig sind. Bei AfD und Pegida tummeln sich erstaunlich viele Putinversteher herum. Putin unterstützt auch Victor Orbans Partei und den Front National finanziell, also Parteien vom rechten Rand. Das hält unsere Linkspartei wiederum nicht davon ab, stramm an der Seite Putins zu stehen. Wenn Moskau pfeift, wird gekuscht. Da hat sich seit Ernst Thälmann in dieser Partei nicht viel geändert.

Schumatsky macht folgende Ursachen diese vermeintliche "Querfront" zwischen links- und rechtsaußen  aus: 1. Antiamerikanismus, 2. Antisemitismus, 3. Hass auf den Westen, 4. Hang zu Verschwörungstheorien und einfachen Erklärungsmustern (Schuld sind der Westen, die Amis und die Juden). Ich habe lange auf ein solches Buch gewartet.

Auch ein intellektuelles Problem der Linken spricht Schumatzky offen an. So schreibt er, dass man in Russland die linken Friedensfreunde nicht verstanden hat, die gegen die Stationierung der Pershing-Raketen demonstrierten und dabei die SS-20-Raketen der UdSSR völlig vergaßen. Bedrohungen werden nur dann als Bedrohungen wahrgenommen, wenn sie aus dem Westen kommen. Diese Analyse des linken Denkens teile ich voll und ganz. Bekanntlich ist Krieg immer auch erst dann, sobald sich der Westen beteiligt. Die NATO hat noch nie einen Krieg zwecks Landgewinnung geführt, sondern immer dem Ziel, bestehende Konflikte einzudämmen. Der Krieg im Kosovo bekann für unsere linken Friedensfreunde erst, als NATO-Geschwader ausrückten. Was vorher geschah, war denen wurscht. Wenn eine offizielle NATO-Beteiligung nicht existiert, wird sie herbei gesponnen, wie im Falle des Konflikts in der Ukraine.

Apropos Ukraine: Putinversteher verweisen immer wieder darauf, in der Ukraine regieren nun Faschisten, die der Westen unterstützt. Sicherlich gibt es Faschisten, wie in jeder Gesellschaft dieser Welt. Aber die Swoboda, die faschistische Partei in der Ukraine, hat weniger als 5 % der Stimmen bekommen, was auf einen geringen Rückhalt in der Bevölkerung hinweist. Der Autor spricht auch diesen grandiosen Erfolg der putinschen Propaganda hin, der Putinversteher im Westen glauben lässt, in Kiew wären nun Faschisten an der Macht, während die Nationalisten in Moskau kein Thema ist. Ein schlichtes Gemüt wie Dirk Müller (dem man weder dem linken noch den rechten Spektrum zuordnen kann) berichtet ja auch immer aus seinem Bunker, dass da Faschisten in Kiew an der Macht wären.


Problematisch sehe ich, dass er die Kritik an der schrankenlose Einreise aus den arabischen Ländern mit einem Handstreich wegwischt und in die Populismusecke verbannt.  Die Menschen, die da aus dem arabischen Kulturkreis kommen, sind ja mehrheitlich vom gleichen Schlage wie unsere AfDler, Pegidianer und Linksparteiler, aber mit weniger Hemmung zu Gewalt. Die arabischen Gesellschaften haben es nicht vermocht, eine starke Bourgeoisie herauszubilden. Von dort kommen Untertanen, die sich für ein paar Dinar aufwiegeln lassen und beispielsweise gegen Dänemark demonstrieren. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich möchte diese Leute hier in Deutschland nicht in diesen Massen haben. Wenn wir diese Leute in zu großer Zahl zu uns holen, dann wird sich Deutschland zum Negativen verändern. Auch die Geschehnisse in Köln vor einem Jahr redet er klein. Ich denke heute noch zurück an die antisemitischen Demonstrationen  im Sommer 2014 von "Palästinensern", die skandierten: "Hamas! Hamas! Juden ins Gas!", und "Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein."

Dennoch nehme ich einige kluge Gedanken mit. Gabriele Krone-Schmalz gekommt ihr Fett weg und es ist dokumentiert, wie sie nach Ausreden suchte, nachdem Putin offen zugab, dass die Russen die Krim mit militärischen Mitteln annektiert hatten.

Interessant finde ich auch die Einblicke in die russische Kultur. Das ist aus erster Hand und gewiss nicht von irgendwelchen russophilen Deutschen, die die Armut und die gesellschaftliche Rückständigkeit romantisch verklären. Das haben die Russen nicht verdient, von einer Gabriele Krone-Schmalz oder einem Matthias Platzeck vertreten zu werden. Als ein in der DDR geborener Deutscher möchte ich auch nicht von der Linkspartei vertreten werden und finde es immer beschämend, wenn Journalisten widersinnig behaupten, die Linkspartei würde sich besonders um die Probleme der Menschen in Ostdeutschland kümmern. Diese Leute haben die Probleme einst verursacht; da hieß die Partei noch SED. Wie kann man das vergessen?

Also wer eine gute Analyse zu den gegenwärtigen Entwicklungen rund um AfD, Pegida, den links- und rechtspopulistischen Entwicklungen in vielen europäischen Ländern lesen will, sollte das Buch lesen.