Montag, 1. Mai 2017

Ich schäme mich von Sigmar Gabriel vertreten zu werden

Man hat es aus den Medien erfahren können: Sigmar Gabriel bereiste Israel. Aber nicht anders als es sich für einen Diplomaten gehört, hat er nicht die Regierung Israels besucht, sondern dubiose Organisationen wie "Breaking the Silence", die sich zum Ziel gesetzt haben, Israel zu vernichten.

Wie viele Gehirnwindungen müssen da fehlen, dass er sich auf so einen Unsinn eingelassen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Berater allesamt schwiegen. Für mich steht außer Frage, dass er entgegen den Ratschlägen seiner Berater gehandelt haben muss. Er ist die dickste Staatsaffäre seit Hermann Göring.

Und was will er eigentlich erreichen? Glaubt er, er könnte einen Blumentopf gewinnen, wenn er sich die Widerständlerperücke aufsetzt? Er hat nicht nur Israels Führung vergrätzt und das Verhältnis zu Israel massivst geschädigt.

Sicherlich werden die üblichen Verdächtigen jetzt aus ihren Ritzen hervorkriechen, man müsse Israel kritisieren dürfen. Ja, darf man, genauso wie man die Kritiker Israels kritisieren darf. Wer für sich in Anspruch nimmt, Kritik zu üben, darf nicht übellaunig werden, wenn seine Kritik kritisiert wird. Was ist nun an Gabriels Besuch so fatal?

1. Bei allen anderen Staaten wird peinlichst genau darauf geachtet, die offiziell anerkannte Regierung nicht zu verärgern. Der dicke Gabriel käme ja auch nicht auf die Idee, nach Taipeh zu fliegen oder zum Dalai Lama. Nur bei Israel wird eine Ausnahme gemacht. Das nennt man wohl diplomatische Sonderbehandlung.

2. Die Kritiker Israels behaupten immer wieder, den "Palästinensern" wäre Land geraubt geworden. Das ist falsch. Der UN-Teilungsplan sah zwei Staaten vor, aber die arabische Seite hat das nicht akzeptiert, weshalb es zum Krieg kam. Es gab Bevölkerungsverschiebungen, allerdings. Aber es waren nicht nur Araber, die israelischen Boden verlassen haben (obwohl sie israelische Staatsbürger werden konnten), sondern noch mehr Juden, die arabischen Boden verlassen mussten. Wer Israel kritisiert, ohne die ganze Geschichte aufzutischen, betreibt antisemitische Propaganda durch Weglassen.

3. Die Kritiker bezeichnen Israel immer wieder als Apartheidsstaat. Ich halte mal fest: In Israel können muslimische Araber, sofern israelische Staatsbürger, die Bildungseinrichtungen nutzen, Karriere beim Militär machen und in die Politik gehen. Wer Israel als Apartheidsstaat bezeichnet, aber zu der echten Apartheid in "palästinensisch" kontrollierten Gebieten schweigt, ist ein Antisemit. Es ist schon schizophren, einerseits Israel vorzuwerfen, Apartheidsstaat zu sein, aber gleichzeitig dafür einzutreten, dass Ostjerusalem, Judäa und Samaria judenfrei werden.

Ich habe gerade den Artikel von Jan Fleischhauer gelesen. Ich stimme ihm zu 100 % zu. Ich habe mir aber auch die Kommentare dazu reingezogen. Nur ein paar Auszüge:

Der Holocaust hat mit der gegenwärtig unerträglichen Situation in Palästina nichts zu tun und kann erst Recht nicht als Entschuldigung für das nationalistische Apartheid-Regime in Israel dienen (welches wirklich direkt mit Südafrika in den 1980ern zu vergleichen ist). Es ist doch unsere Aufgabe, unsere Meinung zu der Situation zu sagen. Und Myanmar, Jordanien und andere werden auch (zurecht) kritisiert, aber je enger die historische und geographische Verbindung, desto stärker auch die Kritik. Ich fürchte, es geht Ihnen mehr darum, blinden Zionismus und versteckte antiarabischen Ressentiments zu schüren. Das Übel (Religion und Nationalismus) am der Wurzel zu packen, traut sich aber keiner.

Er gibt sich pseudointellektuell. Wo werden Myanmar und Jordanien kritisiert?

Nö genau das was in der Überschrift steht darf nicht kommen. Keine U Boote, schon gar nicht Atomwaffen fähige U - Boote, keine Waffen mehr an die rassistischen Unterdrücker aus dem Staat Israel. Diese erst wieder wenn die Zwei Staatenlösung umgesetzt wurde.

Bevor das jetzt losgeht von Wegen Antisemit usw. Die Besetzung des Westjordanlandes, die Abriegelung des Gazastreifen, die Besetzung der Golanhöhen, die Unterdrückung der palestinensichen Bevölkerung und die Schaffung eines Arpartheidsystems zu Lasten der Palestinenser, dieses wurde in Zahllosen UN Resulotionen bestätigt. Genau an diesem Punkten ist auch jede Kritik am Staate Israel völlig legitim. Ansonsten sind mir die Israelis ziemlich humpe.
Produkte aus Israel vermeide ich eh wo es eben geht.

Schon wieder der Vorwurf der Apartheid. 
Gerade wegen unserer Geschichte haben wir die Pflicht, aus der Vergangenheit zu lernen und Tendenzen entgegen zu wirken, die ähnliche Ansätze zeigen, wie wir sie schon hatten. Die Situation in Israel und den besetzten Gebieten ist kompliziert, aber bestimmte Gruppen sowohl bei Israelis als auch bei Palästinensern haben kein Interesse an Frieden. Natürlich gibt es unter den Palästinensern Terroristen, aber der Staat Israel ist auch aus Terror entstanden. Die Gegend heisst nicht umsonst Palästina. Wenn wir uns aus politischen Lösungen raus halten sollen, sollten wir uns auch von Waffenlieferungen zurück ziehen.

Noch einer, der behauptet, wir hätten ein besondere Pflicht, Israel umso lauter zu kritisieren. Eigentlich ist die Sache überhaupt nicht kompliziert. Beide Staaten waren in einem einst staatenlosen Gebiet vorgesehen. Die arabische Seite konnte das kleine Israel nie akzeptieren, woraus es beschloss, Israel zu überfallen. Israel wehrte sich, machte im Gegenzug Eroberungen, für die sich kein anderer Staat hätte rechtfertigen müssen. Die arabische Seite will immer noch Israel vernichten und Israel will einfach nur existieren. Es gibt keinen Kompromiss, weil diese die arabische Position nicht kompromissfähig ist.

Der Kommentator bemüht sich auch nicht um historische Fakten. Die Gegend heißt tatsächlich seit 2000 Jahren Palästina, aber ein palästinensisches Volk gab es nie. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches gab es ein Mandatsgebiet Palästina, in dem Juden wie Araber lebten. Es waren die Araber, den Begriff Palästina ablehnten. Irgendwann wurde moderne Legende vom palästinensischen Volk geschaffen, das dort heimisch wäre und das jüdische Volk nicht.

Bei dem ganzen Hate-Speech- und Zensur-Geraune, ist mir schleierhaft, dass so viele antisemitische Hetzkommentare dann unbehelligt bei SPON erscheinen. Ich find's ja gut, weil ich das Ausmaß kritisieren kann, aber seltsam finde ich das schon. Bei jedem albernen Witz über Moslems, Araber oder Türken bekäme man kräftig Kontra, durch Zensur oder durch Mitdiskutanten. Bei Israel aber ist die Toleranzschwelle sehr großzügig bemessen.

Anders kann ich es mir nicht erklären: Der Dicke aus Goslar hat es auf diese Wählerstimmen abgesehen. Gabriels Verhalten ist einfach niederträchtig. Wie konnte man zulassen, dass er Außenminister wurde? Die Dichte ist an antisemitischen Kommentaren, die Israel einseitig anklagen, ist verdammt hoch. Für meine drei Auszüge habe ich gerade mal die ersten 12 Kommentare von 470 gelesen.

Ich weiß nicht, warum ich mir immer diese dämlichen Kommentare bei SPON reinziehe. Ohne einen gewissen Masochismus schafft man das nicht. Ich dokumentiere und klage an... Das trifft's.

Kommentare:

  1. Stimme dir voll und ganz zu!!!
    Den Kommentar auf Spiegel habe ich auch gelesen.
    Die Situation ist zu komplex, um mit einem schlechten Halbwissen zu kommentieren. Auch hier gilt: dazu gehören immer zwei...

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  2. "...sondern dubiose Organisationen wie "Breaking the Silence", die sich zum Ziel gesetzt haben, Israel zu vernichten."
    Na, da meint aber jemand sich prächtig in Politik auszukennen. Setzen, sechs! Gruß, DerMitleser.

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  3. Selbst in der Wikipedia steht
    "Die Organisation wird wegen der Nichtüberprüfbarkeit der von ihr erhobenen Vorwürfe und ihrer überwiegenden Finanzierung aus dem Ausland kritisiert."

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  4. "Selbst in der Wikipedia steht..."!
    Dann muss es ja stimmen, nicht wahr... ;-) DerMitleser.

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  5. Im Vergleich zu deinen Andeutungen ist der Artikel schon mal deutlich aussagekräftiger...

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  6. Ich stelle mir immer vor, es käme z.B. der polnische Außenminister zu Besuch nach Deutschland und träfe sich vor dem Besuch Angela Merkles ganz offiziell mit einem Haufen Pegida-Vertretern...

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  7. Das hat schon seine Gründe, warum diese Region der "fruchtbare Halbmond" genannt wird.
    Der Ackerbau und die Domestikation erster Haustiere (ausgenommen dem Hund) werden in dieser Region vermutet. Erste kulturelle Anfange, wo man im Zusmammenhang mit der Menschheit wirklich von Kulter sprechen kann, hat man in Göbekli Tepe gefunden.
    Der fruchtbare Halbmond war schon immer sehr begehrt.
    Und dann kam die Religion; die 10 Gebote haben alle 3 Religionen noch mehr oder minder akzeptiert, aber danach gings rapide bergab.
    Und was kann man zu unseren Politikern sagen? Die denken leider nach wie vor nur in Legislaturperioden.
    Und mein Kommentar bitte nicht falsch verstehen, ich bin weder für noch gegen Israel. Mein Interessenschwerpunkt liegt eher im historischen Bereich.

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  8. Ziemlich daneben Siegmar Gabriel in eine Linie mit Göring zu stellen! Dazu noch über Äußerlichkeiten ("der Dicke aus Goslar") herziehen...

    Ich finde deine wirtschaftlichen Artikel echt lesenswert, aber wenn du in die politische Richtung abdriftest, verlierst du echt jedes Maß!

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