Montag, 5. Juni 2017

Grundsätzliches über Kritik - Ausblick II

Eigentlich war es nicht geplant, dass ich nun wenige Tage nach dem letzten Artikel wieder schreibe. Die Situation erfordert es. Ich habe die Reaktionen auf eine Bemerkung bzgl. des Blogs von Florian Günther nicht erwartet.

Zu meiner Kritik: Ich fand sie nicht sehr persönlich, nicht verletztend, sondern schon treffend. Wer mit 32,5 % p.a. hausieren geht, Seminare anbietet und penetrant dafür wirbt (es ploppt ständig so ein Banner hoch, wenn man auf seiner Seite ist), provoziert geradezu die Kritik.

Ich erntete Zustimmung (die mich bestärkt), aber auch Ablehnung, die mich aber auch bestärkt, weil es teilweise sehr vergiftet zuging (getroffene Hunde bellen), wie z. B. bei Richard:

Nur soviel… ich finde es gut, dass so viele Blogs existieren, denn wenn man seine Quelle nur aus einer einzige Seite bezieht (Wikipedia), stagniert man so wie der „Couponschneider“. Gut das war nur eine Mutmaßung, denn meines Erachtens ist Couponschneider kein Blog, sondern ein Tagebuch. Aber wie wird uns wissen eigentlich vermittelt? Natürlich durch das lernen von anderen Menschen, alter… das fängt schon ab den ersten Tag unseres Lebens an. In der Schule wird uns auch das 1×1 beigebracht, da ist auch niemand erbost, wenn er das 1×1 bis zur 10 Klasse und höher beherrschen muss… Warum macht Schneider denn so einen Aufriss bei der 72er-Regel?

Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass ich mich nur aus der Wikipedia bediene. Ich habe bestimmt schon mehr als zehn Rezensionen erfasst, d.h. ich lese auch Bücher. Die 72er-Regel geht mir deswegen ein wenig auf den Senkel, weil es nur eine Faustformel ist und es wird häufig nur die Faustformel vorgestellt, aber nicht die richtige Formel oder wie man die Faustformel herleitet.
 
Meine Persönlichkeit ist eher so gestrickt, dass ich mir keine große Gedanken mache, ob mich hinterher noch die betreffende Person noch mag. Wenn ich Anlass zur Kritik sehe, dann kritisiere ich. Ich schrecke auch vor Polemik und Sottisen nicht zurück, denn Kritik soll ja auch Spaß machen.

Ich habe auch die Personen Dirk Müller, Friedrich und Weik häufig und hart kritisiert bzw. deren publizistischen Erzeugnisse. Ich bin nicht so harmoniebedürftig, als dass ich darauf angewiesen, keinem Fan dieser drei Leute auf den Schlips zu treten. Ich halte ihre Bücher für ziemlich dümmlich. Sollte ich etwa das Buch empfehlen und dann im Anschluss an Affliate-Links verdienen, auch wenn ich was anderes über diese Bücher denke? Ein Rezensent, der nur gute Kritiken liefert, mag vielleicht bei den Autoren beliebt sein, aber er taugt nichts, denn ein Rezensent hat für den Leser da zu sein. Und ob man nun Bücher rezensiert, oder andere Blogger kritisiert, kommt auf's gleiche hinaus.

Ich werde weiterhin Kritik üben. Ich kann zwar keine 32,5 % p.a. aufweisen, ich bin kein Bestseller-Autor, ich habe noch keinen eigenen Fonds aufgelegt, weder war ich im Fernsehen und noch wurde ich in den Bundestag eingeladen, aber das ist doch nicht das Kriterium, ob man Kritik üben kann oder darf. Ich sag es mit Karl Kraus: "Ich kann auch keine Eier legen, aber ich weiß, wenn eins faul ist."

Ich habe auch geschrieben, dass das Interesse bei mir an den vielen Blogs langsam nachlässt, weil sich vieles wiederholt. Das war eine simple und richtige Feststellung und für mich habe ich die Konsequenz gezogen, dass ich nicht mehr alles lese. Manche Reaktionen leiten aber draus ab, ich wolle andere Blogs verbieten. Sowas ist abwegig.

Den Gefallen, ganz aufzuhören, tue ich manchen Leuten aber nicht, denn die Themen werden schon noch kommen, z. B.
  • Das neue Buch von Friedrich & Weik: "Jetzt knallt's."
  • Die Entwicklung des Horst Lüning. Ich entdeckte ihn für mich vor anderthalb Jahren. Ich fand ihn sehr vernünftig zu manchen Finanzthemen, da gibt's große Schnittmengen zu mir, aber mittlerweile sehe ich ihn sehr kritisch. Sein Unterblog ist zur Werbeplattform für Tesla verkommen und zudem driftet die von ihm transportierte Haltung in das Umfeld von KenFM, Dirk Müller und der beiden Herren Friedrich und Weik. Er lässt sich sogar von den Autoren beschenken und lobt anschließend ihre Bücher in seinem VLOG.
  • Ich könnte mal wieder etwas über Daytrading schreiben, über solche seltsamen Gestalten wie Koko Petkov (fährt AMG u. Lamborghini) und Birger Schäfermeier (fährt Tesla), die uns ihren Lifestyle zeigen, aber doch sehr dünne Inhalte liefern.

"Sachliche Kritik" ist für mich Unwort, das Einfordern hat etwas tyrannisches. Ich lehne es ab, aus historischen Gründen. Im (National)Sozialismus konnte man wegen "Defätismus" ins Gefängnis kommen. Wo will man zwischen sachlich und unsachlich eine Grenze ziehen? Kritik kann man doch gar nicht vom subjektiven Empfinden trennen. Und wo bleibt der Spaß, wenn man auf alle Polemiken und Frechheiten verzichtet? Kritik ist für den Leser da und der soll es auch unterhaltsam haben. Zudem bin ich der Meinung, dass in meinen Kritiken immer argumentiert habe, warum mir eine Sache nicht gefällt oder "nicht koscher" finde.

Mal ehrlich: Literaturkritik ist doch dann interessant, wenn man auch den einen oder anderen Verriss erwarten kann. Das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki oder die Büchersendungen mit Denis Scheck waren bzw. sind schon unterhaltsamer als es beispielsweise Elke Heidenreichs Sendung "Lesen!" war. Die hat ja nur Bücher vorgestellt, die ihr gefallen.

Hier ist eine kleine Kostprobe von Denis Scheck: