Sonntag, 2. Juli 2017

Deutschland im Antisemitismusstreit

Deutschland ist mittendrin in der Antisemitismusdebatte. Wer sich im Dunstkreis von "Achse des Guten", "Tapfer im Nirgendwo" oder auch "Lizas Welt" bewegt und informiert, ist nicht überrascht.

Was war passiert? Arte und WDR ließen einen Film über Antisemitismus produzieren, der dann im Giftschrank landete. Die Bild-Zeitung zeigte ihn dann doch und "Das Erste" hat am 21.06.2017 nachgezogen und den Film gezeigt, eingebettet in Fußnoten und mit anschließender Maischberger-Diskussion. Hier ist der Film, an dem sich die Diskussion entzündet hat:



Zum Film: Mir hat er nur wenig neues gezeigt, aber für viele weniger Informierte dürfte es schwer aufstoßen, dass nun "Israelkritik" als antisemitisch gilt. Das ist ja immer wieder das verbreitete Gerücht, dass man Kritik an Israel nicht pauschal mit Antisemitismus gleichsetzen dürfe. Aber macht das jemand? Es gibt Literaturkritik, es gibt eine Filmkritik, es gibt eine Musikkritik und es gibt die Israelkritik. Allen vier gemein ist, dass eine Leidenschaft vorausgesetzt wird, um als entsprechender Kritiker durch die Lande zu ziehen. Der Umstand aber, dass es keine Jordanienkritik und auch keine Ägyptenkritik gibt, sondern Israel das einzige Land der Welt ist, das eine Kohorte von Israelkritikern nach sich zieht, ist Zeugnis einer antisemitischen Obsession, der man auf den Grund gehen muss. Kritik an Israel sollte man immer auf antisemitische Denkmuster abklopfen.

Das hat der Film getan, ich fand ihn deshalb exzellent und bin da in guter Gesellschaft u.a. mit Götz Aly, Michael Wolffsohn und natürlich Henryk M. Broder. Der Film demaskierte die selbstgerechte Kritik an Israel als antisemitische Obsession, von der weite Teile der Gesellschaft betroffen sind, beispielsweise Günter Grass, der Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden deklarierte. Israel! Nicht Russland, nicht Nordkorea, nicht Pakistan, nicht Saudi-Arabien und auch nicht Syrien. Nein, Waffen-GG pickte sich auchgerechnet den jüdischen Staat heraus. Natürlich kokettierte er damit, dass man das nicht laut sagen dürfe, aber er sagte es in der Süddeutschen Zeitung. Ein Widerspruch in sich.

Das Gebahren rund um die Ausstrahlung bestätigte, dass der Film recht hat; der Finger wurde in die offene Wunde gelegt. Ein sogenannter Faktencheck reibt sich vornehmlich an Petitessen. Drei Beispiele:

Filmtext:

Vieles sieht hier aus wie in anderen islamischen Ländern, manches sogar besser. Die Fakten. 74 Jahre ist die Lebenserwartung eines Gaza Bewohners, höher als in Ägypten, der Ukraine und 125 weiteren Staaten. Die Kindersterblichkeit ist auf dem Niveau von der Türkei und damit niedriger als in 97 anderen Staaten, viele davon in Lateinamerika, wie beispielsweise Brasilien. Auf 360 Quadratkilometern leben 1,8 Millionen Menschen. Das entspricht durchschnittlich 5.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. In Paris leben mehr als 21.000 Menschen pro Quadratkilometer.

Anmerkungen dazu:

Hier wird der gesamte Gaza-Streifen mit Paris-Stadt verglichen. Der Gazastreifen ist 360 Quadratkilometer groß. Paris-Stadt hat nur eine Fläche von rund 105 Quadratkilometern. Gaza-Stadt hat eine Fläche von 45 Quadratkilometern. Dort leben 12.202 Einwohner pro Quadratkilometer. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Film angegeben.

Meine Meinung dazu: Was ist daran verkehrt, den ganzen Gaza-Streifen mit Paris zu vergleichen? Warum muss sich ein Ballungsraum an Stadtgrenzen halten? Der Faktencheck unterschlägt, dass die Autoren sich gegen Behauptungen von Israelkritikern wendete, die Gaza als Konzentrationslager oder Freiluftgefängnis bezeichnen.

Filmtext:

Palästina, 1920er Jahre. Die britische Kolonialmacht ernennt Mohammed Al-Husseini zum Mufti von Jerusalem. Kurz darauf wird er zum Führer der palästinensisch-arabischen Bewegung, erhält finanzielle und militärische Unterstützung von Hitler und Mussolini.

Anmerkungen dazu:

Mohammed Al-Husseini wurde 1921 zum Mufti ernannt. Bis zu den großen Unruhen ab 1936 war er pro-britisch eingestellt. Erst in diesem Jahr, 15 Jahre nach seiner Ernennung, initiierte er das Hohe Arabische Komitee, das sich für die Unabhängigkeit von den Briten einsetzte.
Im selben Jahr suchte er die Unterstützung von Mussolini gegen die Briten. Erst 1937 gab es die ersten Kontakte zur deutschen nationalsozialistischen Regierung, die sich ab 1940 intensivierten.
Der Kommentartext vermittelt hingegen den Eindruck, als habe es bereits seit den 1920er Jahren eine entsprechende Allianz zwischen Palästinensern und europäischen Faschisten gegeben.
Meine Meinung dazu: Das ist eine Korinthenkackerei sondergleichen. Tatsächlich entsteht der Eindruck, es hätte bereits in den 20ern eine Allianz zu Hitler und Mussolini bestanden; das streite ich nicht ab. Aber ändert sich das Wesen der Dokumentation, wenn man diese Aussage unmissverständlich getätigt hätte?

Filmtext:

In Frankreich werden das erste Mal auch Synagogen angegriffen. Am 13. Juli 2014 ziehen wütende Demonstranten zur Don Isaac Synagoge in Paris. Nur wenige Polizisten sind vor Ort. Während sich die Gläubigen in der Synagoge Stundenlang voller Angst verbarrikadieren, versuchen Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Gebetshaus mit Stühlen zu verteidigen. Sie werden von den Antisemiten in die Flucht geschlagen, der wütende Mob umzingelt die Synagoge. Nur dank der nachrückenden Spezialkräfte der Polizei kann ein Blutbad verhindert werden. In der bürgerlichen Presse wird man danach den Juden vorwerfen, sie hätten provoziert. Wehrhafte Juden sieht man in Europa nicht gerne. Für viele französische Juden war dieser Tag eine Zäsur.

Anmerkungen dazu:

Unter den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die das Gebetshaus mit Stühlen verteidigt haben, waren auch Jugendliche der Jewish Defense League. Dies ist eine Organisation, die in den USA als terroristische Vereinigung erfasst wurde und auch 1994 von Israel als Terrororganisation definiert worden ist. Jugendlichen dieser Organisation wurde in diesem Zusammenhang seitens der Presse vorgeworfen, sie hätten provoziert.

Logisch: Wenn jemand provoziert, dann der Jude. Wie denn? Der Jude provoziert allein dadurch, dass er da ist und deshalb sind die Demonstranten so zielstrebig auf die Synagoge losmarschiert. Eigentlich spielt es keine Rolle, dass darunter auch Leute von der Jewish Defense League gewesen waren, denn auch diese Leute haben das Recht, sich zu verteidigen. Und die restlichen Juden sowieso. Mich erinnert das irgendwie an die Diskreditierung der ukrainischen Freiheitsbewegung, mit dem Hinweis auf die Swoboda, mit der Absicht, glauben zu machen, das wäre ausschließlich Swoboda. Dies ist keine Gleichsetzung von Swoboda und JDL, sondern ein Vergleich der Diskreditierungsversuche berechtigter Anliegen, einerseits das Streben der Ukraine nach Westen, andererseits das Wehren der jüdischen Bevölkerung gegen Angreifer.

Der Faktencheck kritisiert nicht, er bekrittelt unterschiedlichste Dinge. Der WDR geht mit "groben handwerklichen Mängeln" hausieren, die sich aber als Bagatellen herausstellen. Mitunter stellt der Faktencheck seinen Antisemitismus selber unter Beweis, indem er Aussagen von NGOs in Zweifel zieht, nur weil sie vor allem von amerikanischen Juden finanziert werden. Das Eröffnen von tausend Nebenkriegsschauplätzen durch die Kritiker des Filmes zeigt mir, dass der Film richtig liegt.

Auch Norbert Blüm gefällt der Film nicht. "Er [der Film] folgt der Logik der Rache.", hat er in der Maischberger-Sendung gesagt. "Er dreht eine Spirale des Hasses." - Das ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen, denn wie können Tatsachenbeschreibungen der "Logik der Rache" folgen?

Ich bin mittlerweile auf der Hut, wenn jemand etwas fordert, ein Essay oder ein Film habe "ausgewogen" zu sein. Wie irre das ist, kann man sehen, wenn man das auf die Sportberichterstattung überträgt. Wenn der FC Bayern gegen die Rumpelfußballer des HSV antritt, dann wird das eine ziemlich einseitige Seite, mit einem Chancen-Verhältnis von 20:3. Man wird nicht alle Chancen zeigen können, also muss man Abstriche machen. Was heißt nun ausgewogen? Zeigt man 3 Chancen des FC Bayern und 3 des HSV? Letzendlich läuft es darauf hinaus, wenn man die Forderungen der Israelkritikern bzgl. der Berichterstattung ernst nähme. Tatsächlich ist es sogar, dass die Medien uns auftischen wollen, dass der HSV drückend überlegen war. Das sieht man daran, dass wochenlang nichts über Israel berichtet wird, aber sobald Israel sich wehrt, gibt's den Bericht in der Tagesschau.

Es interessiert nur die Wahrheit und die Wahrheit darf nicht zugunsten irgendwelcher Stimmungen, die erzeugt werden können, unter den Tisch fallen. Die Holocaust-Dokumentation wurde in den 70ern auch gezeigt, obwohl sie auf Ablehnung stießen. Hat Blüm auch damals gerufen: "Diese Dokumentation folgt der Logik der Rache."

Und ob Blüm Antisemit ist, kann sich jeder selbst beantworten. Der Herz-Jesu-Sozialist schafft es, Israels Verhalten während eines Massaker der Milizen der christlich-libanesischen Phalangisten an sogenannten "Palästinensern" zu kritisieren. So viel Chuzpe muss man haben! Diese Phalangisten, die eigentlichen Massakrierer, sind nicht nur in Blüms Glaubensverein, sondern sind Mitglied der Christlich Demokratischen Internationalen. Und welche Partei ist da auch noch drin? Richtig, die CDU. Hätte Blüm Verständnis, wenn Kassam-Raketen auf die Stellungen der Phalangisten abgefeuert würden? Sicherlich nicht. Aber die Raketen auf Israel rechtfertigt er so. Und damit ist Blüm aus meiner Sicht ein Antisemit. Auch wenn er jüdische Freunde in Israel hat. Ich habe keine, nicht mal in Deutschland. Nur mal so am Rande.

Die Zusammenstellung der Maischberger-Sendung war aber auch schon ein Gruselkabinett und es ist typisch, dass die Gäste, die den Film gut fanden und auch mit Kompetenz zum Antisemitismus sprechen konnten, in der Minderheit war.  Eine zweite Diskussion war sogar noch viel unfairer zusammengesetzt.

Das Problem des Antisemitismus ist gravierender, als ich gedacht habe; das hat die Dokumentation ganz unfreiweillig gezeigt. Die Reaktionen des Medienzirkus sind höchst aufschlussreich. Anstatt sich inhaltlich mit den Film auseinanderzusetzen, verschanzt man sich hinter seine sehr abstrakte Position, der Film hätte "handwerkliche Mängel". Das ist das typische Ausweichverhalten eines Ertappten, egal ob es sich bei Ladendiebstahl, Steuerhinterziehung, Falschparkens oder Antisemitismus handelt. Ein aufgeklärter Mensch würde seine Denkweise überprüfen und abklopfen, welche Kritik an Israel antisemitisch motiviert war. Ich selber stand Israel mal überwiegend kritisch gegenüber, wenngleich niemals mit der Obsession eines Norbert Blüms oder Jürgen W. Möllemanns. Antisemitismus hat eine jahrtausende alte Tradition und die steckt kulturell in uns. Das lässt sich nicht so leicht abschütteln. Bei den Deutschen gibt's ja noch weitere Ereignisse in der Vergangenheit, derer sie sich nicht immer bewusst sind, die aber ganz entscheiden das Handeln und Denken prägen. Das wäre einerseits der 30-jährige Krieg, der die Deutschen immer wieder dazu bringt, die Unfreiheit zugunsten der Ordnung und des Friedens immer wieder in Kauf zu nehmen, andererseits ist es die Hyperinflation von 1923, die geradezu eine groteske Sorge um das Geld und dessen Werterhalt nach sich zieht. Und mit dem Antisemitismus ist es genauso. Warum wird abgestritten, dass sich da etwas unbewusst in Form von unqualifizierter Kritik an Israel manifestiert? Und was wäre so schlimm daran, den eigenen Antisemitismus anzuerkennen?

Montag, 5. Juni 2017

Grundsätzliches über Kritik - Ausblick II

Eigentlich war es nicht geplant, dass ich nun wenige Tage nach dem letzten Artikel wieder schreibe. Die Situation erfordert es. Ich habe die Reaktionen auf eine Bemerkung bzgl. des Blogs von Florian Günther nicht erwartet.

Zu meiner Kritik: Ich fand sie nicht sehr persönlich, nicht verletztend, sondern schon treffend. Wer mit 32,5 % p.a. hausieren geht, Seminare anbietet und penetrant dafür wirbt (es ploppt ständig so ein Banner hoch, wenn man auf seiner Seite ist), provoziert geradezu die Kritik.

Ich erntete Zustimmung (die mich bestärkt), aber auch Ablehnung, die mich aber auch bestärkt, weil es teilweise sehr vergiftet zuging (getroffene Hunde bellen), wie z. B. bei Richard:

Nur soviel… ich finde es gut, dass so viele Blogs existieren, denn wenn man seine Quelle nur aus einer einzige Seite bezieht (Wikipedia), stagniert man so wie der „Couponschneider“. Gut das war nur eine Mutmaßung, denn meines Erachtens ist Couponschneider kein Blog, sondern ein Tagebuch. Aber wie wird uns wissen eigentlich vermittelt? Natürlich durch das lernen von anderen Menschen, alter… das fängt schon ab den ersten Tag unseres Lebens an. In der Schule wird uns auch das 1×1 beigebracht, da ist auch niemand erbost, wenn er das 1×1 bis zur 10 Klasse und höher beherrschen muss… Warum macht Schneider denn so einen Aufriss bei der 72er-Regel?

Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass ich mich nur aus der Wikipedia bediene. Ich habe bestimmt schon mehr als zehn Rezensionen erfasst, d.h. ich lese auch Bücher. Die 72er-Regel geht mir deswegen ein wenig auf den Senkel, weil es nur eine Faustformel ist und es wird häufig nur die Faustformel vorgestellt, aber nicht die richtige Formel oder wie man die Faustformel herleitet.
 
Meine Persönlichkeit ist eher so gestrickt, dass ich mir keine große Gedanken mache, ob mich hinterher noch die betreffende Person noch mag. Wenn ich Anlass zur Kritik sehe, dann kritisiere ich. Ich schrecke auch vor Polemik und Sottisen nicht zurück, denn Kritik soll ja auch Spaß machen.

Ich habe auch die Personen Dirk Müller, Friedrich und Weik häufig und hart kritisiert bzw. deren publizistischen Erzeugnisse. Ich bin nicht so harmoniebedürftig, als dass ich darauf angewiesen, keinem Fan dieser drei Leute auf den Schlips zu treten. Ich halte ihre Bücher für ziemlich dümmlich. Sollte ich etwa das Buch empfehlen und dann im Anschluss an Affliate-Links verdienen, auch wenn ich was anderes über diese Bücher denke? Ein Rezensent, der nur gute Kritiken liefert, mag vielleicht bei den Autoren beliebt sein, aber er taugt nichts, denn ein Rezensent hat für den Leser da zu sein. Und ob man nun Bücher rezensiert, oder andere Blogger kritisiert, kommt auf's gleiche hinaus.

Ich werde weiterhin Kritik üben. Ich kann zwar keine 32,5 % p.a. aufweisen, ich bin kein Bestseller-Autor, ich habe noch keinen eigenen Fonds aufgelegt, weder war ich im Fernsehen und noch wurde ich in den Bundestag eingeladen, aber das ist doch nicht das Kriterium, ob man Kritik üben kann oder darf. Ich sag es mit Karl Kraus: "Ich kann auch keine Eier legen, aber ich weiß, wenn eins faul ist."

Ich habe auch geschrieben, dass das Interesse bei mir an den vielen Blogs langsam nachlässt, weil sich vieles wiederholt. Das war eine simple und richtige Feststellung und für mich habe ich die Konsequenz gezogen, dass ich nicht mehr alles lese. Manche Reaktionen leiten aber draus ab, ich wolle andere Blogs verbieten. Sowas ist abwegig.

Den Gefallen, ganz aufzuhören, tue ich manchen Leuten aber nicht, denn die Themen werden schon noch kommen, z. B.
  • Das neue Buch von Friedrich & Weik: "Jetzt knallt's."
  • Die Entwicklung des Horst Lüning. Ich entdeckte ihn für mich vor anderthalb Jahren. Ich fand ihn sehr vernünftig zu manchen Finanzthemen, da gibt's große Schnittmengen zu mir, aber mittlerweile sehe ich ihn sehr kritisch. Sein Unterblog ist zur Werbeplattform für Tesla verkommen und zudem driftet die von ihm transportierte Haltung in das Umfeld von KenFM, Dirk Müller und der beiden Herren Friedrich und Weik. Er lässt sich sogar von den Autoren beschenken und lobt anschließend ihre Bücher in seinem VLOG.
  • Ich könnte mal wieder etwas über Daytrading schreiben, über solche seltsamen Gestalten wie Koko Petkov (fährt AMG u. Lamborghini) und Birger Schäfermeier (fährt Tesla), die uns ihren Lifestyle zeigen, aber doch sehr dünne Inhalte liefern.

"Sachliche Kritik" ist für mich Unwort, das Einfordern hat etwas tyrannisches. Ich lehne es ab, aus historischen Gründen. Im (National)Sozialismus konnte man wegen "Defätismus" ins Gefängnis kommen. Wo will man zwischen sachlich und unsachlich eine Grenze ziehen? Kritik kann man doch gar nicht vom subjektiven Empfinden trennen. Und wo bleibt der Spaß, wenn man auf alle Polemiken und Frechheiten verzichtet? Kritik ist für den Leser da und der soll es auch unterhaltsam haben. Zudem bin ich der Meinung, dass in meinen Kritiken immer argumentiert habe, warum mir eine Sache nicht gefällt oder "nicht koscher" finde.

Mal ehrlich: Literaturkritik ist doch dann interessant, wenn man auch den einen oder anderen Verriss erwarten kann. Das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki oder die Büchersendungen mit Denis Scheck waren bzw. sind schon unterhaltsamer als es beispielsweise Elke Heidenreichs Sendung "Lesen!" war. Die hat ja nur Bücher vorgestellt, die ihr gefallen.

Hier ist eine kleine Kostprobe von Denis Scheck:

Freitag, 26. Mai 2017

Ein kleiner Rückblick mit Ausblick: 8 Jahre Engagement an der Börse

Eine gewisse Tradition hat es bei mir, im Frühling zurückzublicken. Einerseits gibt es Mai besonderen Anlass, weil da die Dividenden so herrlich sprudeln, andererseits begann ich mein Börsenengagement im Frühjahr 2009. Im Mai 2017 erreichten mich Dividenden in Wert von 2.203,84 € brutto. Circa 75 % davon blieben mir netto erhalten und stehen für die nächsten Investitionen zu Verfügung.

Einige Dividendenzahler vom Monat Mai habe ich seit vielen Jahren im Depot, in einem Fall sogar im Jahr 2009 gekauft. Das Dividendenwachstum habe ich beobachten können und es gibt mir Vertrauen, dass ich gar nicht so falsch liege mit meinem Aktienengagement. Ich betone auch immer wieder, dass ich auch etwas Glück hatte, was ich an wenigen Punkten festmache:
  • Ich bin in einer Baisse eingestiegen, wenngleich sie keine Garantie darstellt, hat sie enorme Sicherheit gegeben. Das war in jedem Falle gut für Psyche.
  • Ich war nie der Versuchung erlegen, es mal mit dem Daytrading zu probieren. Ich kaufte damals einfach die richtigen Bücher, die mich auf den tugendhaften Weg des langfristigen Investierens brachten. Ich hätte ja auch damals ein Daytrading-Buch als erstes Börsen- und Aktienbuch kaufen können. Was wäre dann aus mir geworden? Jemand mit Lamborghini, der ständig bettelt, man möge meine Seminare buchen?
  • Logisches Denken und ein Interesse für Stochastik haben es leicht gemacht, langfristig orientierter Investor zu werden, auf mehrere Pferde zu setzen und das eine oder andere kränkelnde Pferd zu akzeptieren. Beispielsweise kam ich selber auf den Gedanken, dass Charttechnik, wenn sie dann mal im Einzelfall funktioniert, selbsterfüllende Prophezeiung ist, wenn nur genug Leute die Charttechnik nutzen. Wenige Wochen nach meiner Überlegung merkte ich, dass dieser Gedanke schon mehrfach in Artikeln und Büchern festgehalten wurde.
  • Ein Wesenszug von mir ist, dass ich mir eine Angelegenheit nüchtern anschaue, bevor ich mich euphorisch da rein stürze.
Mein Depot steht aktuell bei ca. 207.000 €. Mein interner Zinsfuß liegt bei 12,48 % p.a., nach Gebühren, aber vor Steuern. Ich habe seit 2009 23.301,59 € an Dividenden kassiert, netto blieben davon 18.701,70 € übrig, die ich immer fleißig reinvestierte. Beeindruckend finde ich, wenn man die 207.000 € durch 8 teilt: 25.875 €, die ich per annum hätte zurücklegen müssen. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Und das wäre lineares Sparen beim Zinssatz von 0 % gewesen. Wer sich als junger Mensch eine Immobilie zulegt, hat dann sogar Zinsen, die gegen ihn arbeiten, als weniger als 0 % Guthabenzins. Es ist mir bis heute unverständlich, warum sich viele Leute eine Immobilie ans Bein ketten. Da bin ich ganz beim Finanzwesir: Man muss vom Fach sein, vielleicht sogar selber Hand anlegen können, ansonsten wird einen die Immobilie die Haare vom Kopf fressen. Immobilien sind kompliziert und für Otto Normalverbraucher nur mit Fremdkapital zu finanzieren. (Ich habe es bei meinen Eltern selber erlebt.) Aktien sind mit das einfachste Investment, was man tätigen kann. Zu der Schlussfolgerung gelangte ich durch einfaches Nachdenken schon vor einigen Jahren und gegen die Diskrepanz zwischen dieser Schlussfolgerung und der öffentlichen Wahrnehmung der Aktie, kann man nicht oft genug anschreiben.

Ich habe in den vergangenen 8 Jahren eine gewisse Routine entwickeln können. Das Investieren ist für mich so selbstverständlich wie der Haushaltsputz, und leider ist es auch schon langweilig geworden. Die Folge ist, dass ich kaum noch weiß, worüber ich schreiben soll. Meine Schreibintensität werde ich daher verringern. Das Lesen und Kommentieren anderer Blogs interessiert mich kaum noch. Ich habe neulich zum x-ten Male von der 72er-Regel gelesen; Finanzblogs schießen ja momentan ohnehin wie Pilze aus dem Boden: Es gibt Sparkojoten, Geldkatzen, Finanzfische. Vielleicht sollte ich mir den Begriff vom Aktienschakal reservieren. Seltsam ist, dass es noch keine Finanzeule oder einen Finanz-Uhu. Die Eule als Symbol der Weisheit. Tatsächlich sind die erfolgreichsten Investoren wie Eulen. Sie sitzen reglos auf ihrem Ast, scheinbar tun sie nichts, aber sie beobachten, denken, beobachten wieder, denken nach und irgendwann handeln sie und dann erfolgreich. Der Energieaufwand ist minimal. Immerhin gibt es aber den einen oder anderen Kauz in der Finanzblogszene

Neben dem zunehmenden Desinteresse für Finanzthemen habe ich auch noch andere Interessen, die in den letzten Jahren etwas zurückstehen mussten. Das merke ich, wenn bestimmte Lektüre bei mir einfach verstaubt, beispielsweise der "Maler Nolten". Die nächsten Monate stehen unter dem Motto: Mörike statt Warnecke, oder auch: Der Finanzrocker reißt mich auch nicht mehr vom Hocker. Ich bin aber noch weit davon erwähnt, einen zweiten Blog als "Finanzpoet" zu starten, auch wenn es in die Zeit passt, einen Finanzblog zu starten.

Selbstverständlich werde ich wieder schreiben, wenn es was interessantes zu kommentieren gibt und wenn mal wieder eine Bilanz gezogen oder neue Ziele gesetzt werden müssen. Und wer weiß, welcher Politiker in welches antisemitische Fettnäpfchen als nächstes tritt.


Montag, 1. Mai 2017

Ich schäme mich von Sigmar Gabriel vertreten zu werden

Man hat es aus den Medien erfahren können: Sigmar Gabriel bereiste Israel. Aber nicht anders als es sich für einen Diplomaten gehört, hat er nicht die Regierung Israels besucht, sondern dubiose Organisationen wie "Breaking the Silence", die sich zum Ziel gesetzt haben, Israel zu vernichten.

Wie viele Gehirnwindungen müssen da fehlen, dass er sich auf so einen Unsinn eingelassen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Berater allesamt schwiegen. Für mich steht außer Frage, dass er entgegen den Ratschlägen seiner Berater gehandelt haben muss. Er ist die dickste Staatsaffäre seit Hermann Göring.

Und was will er eigentlich erreichen? Glaubt er, er könnte einen Blumentopf gewinnen, wenn er sich die Widerständlerperücke aufsetzt? Er hat nicht nur Israels Führung vergrätzt und das Verhältnis zu Israel massivst geschädigt.

Sicherlich werden die üblichen Verdächtigen jetzt aus ihren Ritzen hervorkriechen, man müsse Israel kritisieren dürfen. Ja, darf man, genauso wie man die Kritiker Israels kritisieren darf. Wer für sich in Anspruch nimmt, Kritik zu üben, darf nicht übellaunig werden, wenn seine Kritik kritisiert wird. Was ist nun an Gabriels Besuch so fatal?

1. Bei allen anderen Staaten wird peinlichst genau darauf geachtet, die offiziell anerkannte Regierung nicht zu verärgern. Der dicke Gabriel käme ja auch nicht auf die Idee, nach Taipeh zu fliegen oder zum Dalai Lama. Nur bei Israel wird eine Ausnahme gemacht. Das nennt man wohl diplomatische Sonderbehandlung.

2. Die Kritiker Israels behaupten immer wieder, den "Palästinensern" wäre Land geraubt geworden. Das ist falsch. Der UN-Teilungsplan sah zwei Staaten vor, aber die arabische Seite hat das nicht akzeptiert, weshalb es zum Krieg kam. Es gab Bevölkerungsverschiebungen, allerdings. Aber es waren nicht nur Araber, die israelischen Boden verlassen haben (obwohl sie israelische Staatsbürger werden konnten), sondern noch mehr Juden, die arabischen Boden verlassen mussten. Wer Israel kritisiert, ohne die ganze Geschichte aufzutischen, betreibt antisemitische Propaganda durch Weglassen.

3. Die Kritiker bezeichnen Israel immer wieder als Apartheidsstaat. Ich halte mal fest: In Israel können muslimische Araber, sofern israelische Staatsbürger, die Bildungseinrichtungen nutzen, Karriere beim Militär machen und in die Politik gehen. Wer Israel als Apartheidsstaat bezeichnet, aber zu der echten Apartheid in "palästinensisch" kontrollierten Gebieten schweigt, ist ein Antisemit. Es ist schon schizophren, einerseits Israel vorzuwerfen, Apartheidsstaat zu sein, aber gleichzeitig dafür einzutreten, dass Ostjerusalem, Judäa und Samaria judenfrei werden.

Ich habe gerade den Artikel von Jan Fleischhauer gelesen. Ich stimme ihm zu 100 % zu. Ich habe mir aber auch die Kommentare dazu reingezogen. Nur ein paar Auszüge:

Der Holocaust hat mit der gegenwärtig unerträglichen Situation in Palästina nichts zu tun und kann erst Recht nicht als Entschuldigung für das nationalistische Apartheid-Regime in Israel dienen (welches wirklich direkt mit Südafrika in den 1980ern zu vergleichen ist). Es ist doch unsere Aufgabe, unsere Meinung zu der Situation zu sagen. Und Myanmar, Jordanien und andere werden auch (zurecht) kritisiert, aber je enger die historische und geographische Verbindung, desto stärker auch die Kritik. Ich fürchte, es geht Ihnen mehr darum, blinden Zionismus und versteckte antiarabischen Ressentiments zu schüren. Das Übel (Religion und Nationalismus) am der Wurzel zu packen, traut sich aber keiner.

Er gibt sich pseudointellektuell. Wo werden Myanmar und Jordanien kritisiert?

Nö genau das was in der Überschrift steht darf nicht kommen. Keine U Boote, schon gar nicht Atomwaffen fähige U - Boote, keine Waffen mehr an die rassistischen Unterdrücker aus dem Staat Israel. Diese erst wieder wenn die Zwei Staatenlösung umgesetzt wurde.

Bevor das jetzt losgeht von Wegen Antisemit usw. Die Besetzung des Westjordanlandes, die Abriegelung des Gazastreifen, die Besetzung der Golanhöhen, die Unterdrückung der palestinensichen Bevölkerung und die Schaffung eines Arpartheidsystems zu Lasten der Palestinenser, dieses wurde in Zahllosen UN Resulotionen bestätigt. Genau an diesem Punkten ist auch jede Kritik am Staate Israel völlig legitim. Ansonsten sind mir die Israelis ziemlich humpe.
Produkte aus Israel vermeide ich eh wo es eben geht.

Schon wieder der Vorwurf der Apartheid. 
Gerade wegen unserer Geschichte haben wir die Pflicht, aus der Vergangenheit zu lernen und Tendenzen entgegen zu wirken, die ähnliche Ansätze zeigen, wie wir sie schon hatten. Die Situation in Israel und den besetzten Gebieten ist kompliziert, aber bestimmte Gruppen sowohl bei Israelis als auch bei Palästinensern haben kein Interesse an Frieden. Natürlich gibt es unter den Palästinensern Terroristen, aber der Staat Israel ist auch aus Terror entstanden. Die Gegend heisst nicht umsonst Palästina. Wenn wir uns aus politischen Lösungen raus halten sollen, sollten wir uns auch von Waffenlieferungen zurück ziehen.

Noch einer, der behauptet, wir hätten ein besondere Pflicht, Israel umso lauter zu kritisieren. Eigentlich ist die Sache überhaupt nicht kompliziert. Beide Staaten waren in einem einst staatenlosen Gebiet vorgesehen. Die arabische Seite konnte das kleine Israel nie akzeptieren, woraus es beschloss, Israel zu überfallen. Israel wehrte sich, machte im Gegenzug Eroberungen, für die sich kein anderer Staat hätte rechtfertigen müssen. Die arabische Seite will immer noch Israel vernichten und Israel will einfach nur existieren. Es gibt keinen Kompromiss, weil diese die arabische Position nicht kompromissfähig ist.

Der Kommentator bemüht sich auch nicht um historische Fakten. Die Gegend heißt tatsächlich seit 2000 Jahren Palästina, aber ein palästinensisches Volk gab es nie. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches gab es ein Mandatsgebiet Palästina, in dem Juden wie Araber lebten. Es waren die Araber, den Begriff Palästina ablehnten. Irgendwann wurde moderne Legende vom palästinensischen Volk geschaffen, das dort heimisch wäre und das jüdische Volk nicht.

Bei dem ganzen Hate-Speech- und Zensur-Geraune, ist mir schleierhaft, dass so viele antisemitische Hetzkommentare dann unbehelligt bei SPON erscheinen. Ich find's ja gut, weil ich das Ausmaß kritisieren kann, aber seltsam finde ich das schon. Bei jedem albernen Witz über Moslems, Araber oder Türken bekäme man kräftig Kontra, durch Zensur oder durch Mitdiskutanten. Bei Israel aber ist die Toleranzschwelle sehr großzügig bemessen.

Anders kann ich es mir nicht erklären: Der Dicke aus Goslar hat es auf diese Wählerstimmen abgesehen. Gabriels Verhalten ist einfach niederträchtig. Wie konnte man zulassen, dass er Außenminister wurde? Die Dichte ist an antisemitischen Kommentaren, die Israel einseitig anklagen, ist verdammt hoch. Für meine drei Auszüge habe ich gerade mal die ersten 12 Kommentare von 470 gelesen.

Ich weiß nicht, warum ich mir immer diese dämlichen Kommentare bei SPON reinziehe. Ohne einen gewissen Masochismus schafft man das nicht. Ich dokumentiere und klage an... Das trifft's.

Sonntag, 12. März 2017

Kurvendiskussion mit dem Couponschneider: Interner Zinsfuß

Ich bekam neulich eine Nachricht, in der ich gefragt wurde, welche Rendite ich hätte und wie sie berechne. Ich berechne den internen Zinsfuß. Beim Fragestellen eröffneten offenbarten sich enorme Kenntnisdefizite, weil er mir glauben wollte, dass ich zwar einen Zinsfuß von über 12 % p.a. habe, aber dennoch nur nur ca. 32 % im Plus bin.

Weil so eine Erklärung umfangreicher und formellastiger wird, bin ich wieder auf das bewährte LaTeX umgestiegen. Das Dokument findet der Leser hier.

Zudem möchte ich auch noch das Finanzrocker-Interview mit Andreas Buchen, dem Entwickler von "Portfolio Performance", empfehlen. Die Gedanken, die er sich gemacht hat und in die Software eingeflossen sind, sind die richtigen. Ich selber habe die Software noch nicht genutzt und werde es wohl auch nicht mehr.

Samstag, 11. März 2017

Die Verteidiger der Energiewende und ihre Rechenfähigkeiten

Ich las heute wieder einen Artikel auf SPON, der es in sich hat. Ich ärgerte mich fast, dass ich nicht mehr angemeldet bin, um den Artikel zu kommentieren, aber andere Kommentatoren hatten auch schon in die Kerbe geschlagen. Es geht in dem Artikel geht es um Gemüseanbau in der Vertikalen, also auch auf viele Etagen, wobei jede einzelne Etage mit künstlichem Licht beleuchtet wird. Am Ende heißt es:

Bei allem Fleiß und Engagement: Noch ist der Anbau des Salats, der Tomaten oder des Basilikums zu teuer für den Massenmarkt. Die Produktionskosten von nur einem Kilo Gemüse liegen bei zwölf Euro. Damit ist das Konzept in den Weltregionen, die die neuen Systeme am nötigsten bräuchten, wirtschaftlich sinnlos. Auch der Energiebedarf der vertikalen Farmen ist enorm. In angedachten DLR-Farm läge er bei mehr als 400.000 Kilowattstunden pro Jahr - so viel wie das stärkste Atomkraftwerk Deutschlands, Isar 2, in fünf Tagen produziert. 
 
Ich fand die Zahl von 400.000 kWh in fünf Tagen recht wenig. Das wären gerade mal 29.200.000 kWh pro Jahr oder 29,2 GWh. Eine Megawattstunde kostet an der Strombörse ca. 30 €. Kann es sein, dass Isar Strom jährlich für 876.000 € produziert? Natürlich nicht.

Das sind die gleichen Journalisten, die uns die Energiewende schmackhaft machen wollen. Isar 2 hat eine Leistung von 1410 MW. Da Jahr hat 8760 h. Gehen wir von 60 % Auslastung aus, dann reden wir von 5256 h. 7.410.960 MWh im Jahr oder von 20.304 MWh pro Tag. Das sind 20.304.000 kWh pro Tag. 400.000 kWh sind in ca. einem fünfzigstel Tag  (ca. eine halbe Stunde) generiert.

Es wird aber auch ein Denkfehler im Artikel offenbart, den mach auch bei den Pamphleten zur Energiewende immer wieder findet: Es wird nur die elektrische Arbeit gesehen, aber man will nicht sehen, wann sie anfällt. Wenn um Pfingsten herum die Solarzellen Rekordleistung in die Netze speisen, dann machen die Apologeten der Energiewende auf dicke Hose und übersehen dabei, dass diese elektrische Leistung wertlos ist, weil sie nicht gebraucht wird.

Fakt ist: Selbst heute noch produzieren unsere Kraftwerke nachts Strom, der  nicht gebraucht wird, obwohl die Kraftwerke runtergefahren werden. Zusätzliche Abnehmer in der Nacht können die Auslastung verbessern und das wäre wirtschaftlich vorteilhaft; die zusätzliche Leistung gäbe es für lau. Unsere Energiewendefreunde sind ja auch Fans von den intelligenten Haushaltsgeräten, die dann angehen, wenn der Strompreis billig ist. Dann rattert die Waschmaschine zum Leidwesen der Nachbarn um 3 Uhr nachts. Bevor man an die Haushaltselektronik denkt, sollte man doch eher an die Beleuchtung in diesen "Pflanzenfabriken" ran.

Mangelnde Wirtschaftlichkeit kommt wohl nicht vom Energieverbrauch, sondern vom konkurrenzlos günstigen Ackerland und der noch viel effizienteren Bewirtschaftung.

Sonntag, 5. März 2017

Genderpolitik: Was sie wirklich bedeutet.

Dachte ich bei Genderpolitik immer an Unisextoiletten, an das taz-I und andere orthographische Obzönitäten und sprachliche Zumutungen, musste ich lachen, als ich heute folgendes in der Wikipedia lesen bekam:

"Die paschtunische Burka wurde in der internationalen Wahrnehmung zum Symbol der Genderpolitik der Taliban."
 
"Nachdem der Aufstieg der Taliban bislang außerhalb der Region kaum Beachtung gefunden hatte, wurde nach der Übernahme Kabuls deren Genderpolitik und die Ermordung Nadschibullāhs international scharf verurteilt. Anders als bei der Eroberung Herats und anderer Städte fand der Fall Kabuls durch die Präsenz internationaler Medien in der Stadt vor den Augen einer entsetzten Weltöffentlichkeit statt."

"Unter den islamischen Staaten übte der Iran die schärfste Kritik an der Genderpolitik der Taliban, während sich die meisten übrigen Länder nicht äußerten."


Soll das ein Teil von "Genderpolitik" sein? Oder "Geschlechterpolitik"? Gibt's sowas überhaupt? Früher bezeichnete man das ganz ungeschminkt als Unterdrückung der Frauen.